REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt Nummer 132 für Oktober 2018 ist fertig

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Das Flugblatt Nummer 132 01-10-2018

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FEUILLETON-ZEITGEIST: Pannen im Terrorklärwerk

 

FEUILLETON-ZEITGEIST

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 „NSU-Prozess: Pannen im Terrorklärwerk“

 Tanjev Schultz, „NSU. Der Terror von rechts und das Versagen des Staates“, Dromer, München 2018

 Kernseife und klares Wasser sind probate Mittel, um sich die Hände zu waschen. Waschbedarf für die Hände besteht, wenn Blut daran klebt. Aber derart beschmutzte Hände werden partout nicht sauber. Das brachte der englische Dichter William Shakespeare Stil-und Sprachgerecht in dem Drama Macbeth auf den Punkt. Lady Macbeth klagte in ihrem dem Morde auf den Füßen folgenden psychotischen Wahn, dass „es immer noch nach Blut hier riecht, und alle Wohlgerüche Arabiens würden diese Hand nicht reinigen“. Mord verjährt nicht und Blut riecht immer. Je nach Täter oder Tätergruppe ist ein Mord kein Einzelfall, sondern Element einer Serie. Militärisches Dauermorden und Tötungsdelikte von Terrorgruppen sind Tatumgebungen, in denen der Mord am politischen Feind zur Tugend erhoben und der Wert eines Menschenlebens auf Null gesenkt werden. „Zehn Morde, drei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle“, so zählt es der Klappentext zu Tanjev Schultz Buch „NSU. Der Terror von rechts und das Versagen des Staates“ auf, soll alleine auf das Konto einer Dreiergruppe aus Thüringen gehen, deren Taten aber bundeslandüberbgreifend Spuren hinterließen. Knapp fünf Jahre dauerte ein Prozess gegen Beate Zschäpe, die von der Dreiergruppe übrig geblieben war. Der Tod der anderen ist umrankt von inszenierten Unklarheiten. Denn immer wiesen Spuren darauf hin, dass jedes mal bei jeder war bei den Tätern nah der Staat, der als Schützer der Verfassung mit dem Ganzen trug Befassung.

Aber im Geheimen ist es üblich, dass man entweder gar nichts sagt oder einen vom Pferd erzählt, Stichwort Legende, und dann können sich Untersuchungsausschüsse und Staatsanwälte einen Wolf ermitteln und übrig bleibt eine Öffentlichkeit, die betroffen merkt: Der Vorhang ist zu und alle Fragen sind offen. Eine der auch aus anderen Gründen als dem Terrorismus interessante Frage ist die, wie es einer vergleichsweisen kleinen Truppe gelingen kann, fast 13 Jahre im Untergrund zu leben, wo doch die stete Zunahme der Überwachungsgesetze bis hin zur Gesichtserkennung auf Bahnhöfen und anderen öffentlichen Treffpunkten von Konspirateuren gerade diese Versteckspielmöglichkeiten von Leuten, die es nötig haben, mit dem Staat unterbinden sollten? Man müsste fast denken, dass die Untergrundleute nur den Umstand ausgenutzt haben, dass die Sicherheitsbehörden selber gar nicht so ernsthaft an die von ihnen behaupteten Gefahren glaubten. Der Weihnachtsmann fällt am wenigstens dort auf, wo keiner an ihn glaubt. Das Buch von Tanjev Schulz musste, so scheint mir, heute geschrieben werden, damit es in 20 Jahren ohne Veränderung des gedruckten Wortes gelesen werden kann.

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FEUILLETON-REZENSION: Lesen ist Freiheit

FEUILLETON-REZENSION

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 „Lesen gefährdet die Dummheit“

 In Stefan Zweigs Schachnovelle wollte ein Nazi einen kultivierten belesenen Baron aushungern, in dem er ihm alles wegnehmen ließ, was entweder ein Buchstabe war oder womit man Buchstaben hätte aneinander reihen können. Denn aus beiden Varianten können Texte entstehen, die von Denken zeugen, und wer denkt, wird durch das Denken Leuten gefährlich, die zur Erhaltung ihrer Macht eine nichtdenkende Masse benötigen. Es ist weder völlig richtig noch völlig falsch, wenn man sagt, Denken mache auch vor den Grundlagen einer bestehenden Macht keinen Halt und würde sie daher, wenn sie Unrecht ist, zerbröseln. Das ist eine übertrieben illusorische Erwartung an die Möglichkeiten des Denkens. Das Denken von Freiheit beseitigt nicht die die Macht, die Menschen in Unfreiheit hält. Abe das Denken ist ein gutes Training, denn um frei zu werden, müssen Körper und Geist nach dem Besten ihrer Möglichkeiten zusammenarbeiten. Das sind genau genommen so viele Möglichkeiten wie es Menschen gibt, die unter Freiheit die Freiheit der Tätigen und die Geborgenheit für die tätig nicht seien Könnenden verstehen. Die starken Tätigen haben für die schwachen Untätigen Verantwortung, egal wie diese in ihre Situation gerieten, also ohne jede Leistung und trotz aller Schuld. Wer liest, kann prüfen, welch Geistes Kind der Alltag ist, mit dem man ohne Lesen und Denken sehr leicht eine Art Bündnispartnerschaft eingeht. Manchmal ist Lesen auch nur eine Geistesübung und eine Methodenschulung, um angesichts der Furcht-einflößung der Macht nicht verstört wie das Kaninchen vor der Schlange zu hocken. Es kommt dann gar nicht darauf an, was man liest, sondern nur darauf, dass es einen humanistischen Geist enthält. Oder eine aufklärende Kritik am banalen Bösen.

(Barbara Ellermeier: „Sophie Scholl. Lesen ist Freiheit“, bene-Verlag)

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BARON VON FEDER: Zueignung Oktober 2018

ZUEIGNUNG

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Immer im Oktober ist es, dass ich an Fontane denke. Obwohl ich lieber Boskopp statt Birne esse. Boskopp, Walnuss, Schafskäse ist etwas ganz Feines. Davon ein Salatschüsselchen zum Abend kann nur Nutzen sein. Man kann diesen Salat sogar noch mit Minitomaten kombinieren. Minitomaten haben die Größe einer herkömmlichen Halorenkugel, aber sie enthalten keinen Zucker, kein Fett und keine Schokolade. Man hat sogar noch lange nach dem Genuss eine angenehme Empfindung an Zunge, Gaumen, Rachen. Die goldene Herbsteszeit genießt sich selbst mit Buch, Meer, Stille und den Früchten, die in Verzückung auf den Moment ihrer edelsten Erfüllung warten. Die Kürbisse sind noch ein wenig misstrauisch. Sie erinnern sich, dass ihre runde Form manchen an einen Hintern erinnert, nd dann finden es Kürbisse nicht lustig, wenn man sie dort hinein piekt. Der Herbst ist auch die Zeit der Getränkegewinnung aus Obst. Viel Geheimnis wird um einen immer im Herbst durch die Ernte ziehenden Fremden gemacht. Der Fremde heißt Herr Hefe und und erzählt dem jungen Most solange betörende Geschichten, bis der Most sich mit der Hefe einlässt. Schon am Morgen danach blubberts in ihm, und der Most denkt: Aber von einmal, da kann es doch nicht sein? Es ist aber oft schon von einmal gekommen und nun hat man als Mostverantwortlicher zwei Möglichkeiten: Man schimpft mit ihm und macht ein ansonsten vielversprechendes Leben zum Essig. Oder man sagt dem Most: Na dann ist es eben jetzt so, und macht ein vielversprechendes Leben zum Edlen Tropfen. Das ist der Zauber des Herbstes, und wenn eines Tages die Haare Grauen wie dem Morgen, dann schnalze mit der Zunge, fühle Boskopp, Walnuss, Schafskäse und Tomate, und träufle einen edlen Tropfen über Deine Lippen.

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GRUPPE 20: Lange Rede kurzer Sinn

Lange Rede kurzer Sinn

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Wir lasen mal im Studium

„International Relations“.

Da sprühten oft ihr Fluidum

Diplomaten aller Nations.

 

Drum meinten wir, es sollte nun

uns deren Duftspur leiten,

die würde uns, was wir je tun,

ins Spitzenamt geleiten.

 

Doch wenn man heut die Nüstern bläht

hat sich der Duft gewandelt

Man merkt, wenn der Sozialsturm weht

um was fürn Duft sichs handelt.

 

So langsam riechts nach Lederfett

Kasernenhoffeldwebeln

es riecht auch, das ist gar nicht nett

nach Tricksern, Gaunern, Dödeln.

 

Es hatte bei Odysseus schon

sich Faulgeruch gewandet

in eine Wolke Duftlotion

und darin ist gestrandet

 

ein jeder, dess Verstand aussetzt

wenn Lockung heiß ins Ohr geht.

Der wurd dann Biß um Biß zerfetzt

statt dass ihn Sex empor weht.

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für September 2018 ist fertig

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Das Flugblatt Nummer 131 01-09-2018

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FEUILLETON-REZENSION: „Bereicherung. Eine Kritik der Ware“

FEUILLTON-REZENSION

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 Luc Boltanski, Arnaud Esquerre

Bereicherung. Eine Kritik der Ware

 „Der Kapitalismus kann nichts dafür, es ist die Ware“

Die Gesellschaft unter dem Primat der Ökonomie

In früheren Jahren, als die Presse als Medium noch in der Probierphase war, hielten Tratsch und Klatsch das Primat der Berichterstattung. Dann kam ein wenig Unerhörtes, weil es Neuentdeckungen, Sensationen und Seltenheiten gab. Das Primat der Wirtschaft in der Berichterstattung der Presse muss schleichend gekommen sein wie das Primat der Wirtschaftsinteressen in der Interessenhierarchie einer Gesellschaft. Gesellschaften bestehen aus herrschenden Klassen und tragenden Schichten sowie der schweigenden Basis, welche die Last trägt und bestenfalls ein Trinkgeld fürs Schleppen bekommt. „Kunst geht nach Geld“, sagt ein Sprichwort seit den Zeiten, da Mäzene sich der darbenden Kunst erbarmten und Teile der Kunstschöpfer mit Speis, Trank, Logis und öffentlicher Anerkennung unterstützten. Wenn der bekannteste römische Unterstützer von Künstlern nicht Lucius Maecenas geheißen hätte, gäbe es heute nicht das Wort Mäzen. Wahrscheinlich gäbe es ein anderes, denn unermesslich reiche Leute, die es sich leisten konnten, armen Künstlern ein Heim zu bieten wie streunenden Hunden oder zerzausten Katzen, deren Felle alsbald wieder zu glänzen beginnen würden. Künstler, die keine Mäzene finden, sind wie alleine lebende Menschen ohne Partner, die sich über ihren Verdruss hinaus ständig mit dem doofen Trostspruch „Jeder Topf findet einen Deckel“ trösten lassen sollen. Dies sagt ausgerechnet der Kapitalismus, den die Deckel zu den Töpfen nur insoweit interessieren, wie er die Ware Topf gewinnbringend an jemand anderen geben kann. Im Grunde ist dieses Vorgehen des Kapitalismus eine Kritik an seinem Tun, fanden die Soziologen Luc Boltanski und Arnaud Esquerre und kritisieren am Kapitalismus, das ihm alles bis in den kleinsten Zipfel der Privatheit zur Ware gerät, aus der sich Profit ziehen lässt.

 (Luc Boltansky, Arnaud Esquerre, „Bereicherung. Eine Kritk der Ware“, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2018)

 Alsdann ist es Zeit geworden, die an den Kapitalismus gerichteten Kritiken aus den unterschiedlichsten Gegenden des Skeptischen Reiches darzulegen. Es gibt skeptische Provinzen, welche am Kapitalismus seine neoliberale Ausprägung kritisieren, die an der Entwicklung der Finanzverwaltung zur Finanzindustrie erkennbar ist. In anderen Provinzen von Meinung und Geist des Skeptischen Reiches wird lediglich der Geiz kritisiert, der den sozialen Sektor aushungerte, weil der Begriff „Share Holder Value“ zur neuen sozialen Verantwortung von Besitz und Kapital wurde. Wenn alles Ware wird und Gewinne aus Verkäufen das eigentliche Element, welches die unter ihren Verpflichtungen gegenüber den Aktionären stöhnenden Unternehmer regelmäßig vorweisen müssen, um mit täglich frischem Kapital für die Erzeugung von Waren und Dienstleistungen belohnt zu werden, dann werden auch Kunst und Kultur zur Ware, aber im hochpreisigen Segment. Die Autoren nennen diesen Prozess der Warenwerdung des Unhandelbaren „Bereicherungsökonomie“. Nun ist es aber so, dass die Autoren in ihrem Buch Frankreich im Blick haben, aber begütigend sagen, ihre Gedankengänge träfen auch auf Deutschland zu. Es dauert, bis deutsche Leser ihre beobachtbare Bereicherungsökonomie bei der Lektüre des Buches dargestellt finden. Solange wippen sie nervös mit den Füßen und fragen sich, was das Buch soll. Denn es ist ein siebenhundertseitiger Soziologenschinken für fachlich vorgeprägte Leser. Darin besteht die Schwierigkeit der Lektüre. Das erinnert, mit Verlaub, an Olle Marx den Verquasten. Wäre der besser verstanden worden, wogegen sich aber seine Texte sperren, dann wären 1989 nicht so viele Deutsche in die offenen Arme des Kapitals gelaufen, ohne zu erkennen, dass die Hände nicht zum Streicheln, sondern zum Klauen und Würgen ausgestreckt waren.

 Wen bereichert die Bereicherungsökonomie?

Die Autoren vermitteln in ihrem Buch den Eindruck, dass der Kapitalismus gar nichts dafür kann, dass er Menschen ausbeutet, nach Profit strebt und lieber Wettbewerbsdruck erzeugt, der kaum noch Zeit und Muße für die schönen Dinge des Lebens lässt. Sie üben ausdrücklich Kritik an der Ware. Wer aber macht alles zur Ware? Wer sagt, alles ist käuflich, sogar ein Amt? Sie belegen, dass selbst die Geschichte von Städten und spezieller kulinarischer Erzeugnisse aus ihnen zur Ware werden, indem sie Stadt, Geschichte, berühmte Einwohner und einzigartige Erzeugnisse zum Kulturmanagement und Tourismusmarketing benutzt werden. Das zieht die Leute an, die Talerchen aus der Tasche und die Stirn in Falten, wenn im Interesse des Profits die Kultur zur Folkore wird, die mit den wirklichen Traditionen nichts mehr zu tun haben muss. Hat die Stadt Einnahmen, freut sich der Fiskus, und alle Beteiligten werden materiell reicher. Werden sie das auch geistig?

Alles ist käuflich, aber Vieles wird geraubt.

Vielleicht ist es ein wenig vermessen, einem Fachautor vorzuwerfen, sein Buch habe mehr Erwartungen versprochen als sich bei der Lektüre erfüllt haben. Es kann ja immer auch der beschränkte Verstand der Leser sein, die nicht allen großen Gedanken folgen konnten. Wie bei Marx dem Verquasten. Trotzdem: Warum hat die Ware Schuld? Der Kapitalismus ist doch gar nicht wirklich auf dem Handel mit Waren gegründet, sondern darauf, andere dazu zu bringen, seinen eigenen Rechnungen zu bezahlen, beispielsweise die Steuerzahler im Falle von Bankenpleiten, Investitionsruinen oder bei der deutsch-deutschen Wiedervereinigung als „vereinigungsbedingte Sonderkriminalität“. Eher ist es das Verdienst der Autoren, dass ihr Buch auch die schleichende Entwicklung von Kultur und Geschichte zur Ware darstellt. Und es kann sehr gut sein, dass die Geschichte als Ware mit der Geschichte als Faktum bestenfalls nur noch einige Berührungspunkte gemeinsam hat.

(Luc Boltansky, Arnaud Esquerre, „Bereicherung. Eine Kritik der Ware“, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2018)

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BARON VON FEDER: Vor Neunundsiebzig Jahren

ZUEIGNUNG

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 „Vor Neunundsiebzig Jahren“

 Der Sommer 1914 soll noch sehr schön gewesen sein. Dann, mitten im Frieden, überfielen Willies Pickelhauben den Feind. Es scheint Kreise zu geben, die immer Feinde brauchen, um sich selbst definieren zu können.

Der Sommer 1939 soll sehr heiß gewesen sein. Am Ersten September 1939 fielen deutsche Teufel mit glühenden Schwänzen über Polen her. Es war Krieg.

Der Sommer 2018 war auch sehr heiß. Diesmal hatten sich die führenden Kriegsnationen auf die Erprobung eines neuartigen Kriegskonzeptes konzentriert. „Hybrider Krieg“ heißt das Wort. Das soll ein Krieg sein, bei dem keiner merkt, dass der Krieg schon im Gange ist und von wem er begonnen wurde. Wenn dann heraus kommt, was eigentlich geschehen ist, sind bereits längst vollendete Tatsachen geschaffen. Putin legte 2013 /2014 mit der Heimholung der Krim vor; Amerika probiert noch am Konzept des Regimewechsels herum und die Bundeswehr benennt im Weißbuch 2016 Cyberkrieg, hybriden Krieg und Krisenfrüherkennung als ihre neuen Kernkompetenzen. Es kommt in hybriden Kriegszeiten selten vor, dass das Militär in der Öffentlichkeit sichtbar wird. Es zeigt sich nur in vor Zivilisten sicherer Entfernung am Himmel durch Kriegsflugzeuge und Drohnen. In Neustrelitz sagte eine ältere Dame am Bus: „Die beschützen uns viel gründlicher als unsere Beschützer zu Ostzeiten es jemals konnten.“ Damals im Kalten Krieg war die Präsenz des Militärs offensichtlich. Entweder machte die Warnung „Militärischer Sperrbereich. Fotografieren verboten“ auf die Anwesenheit der Militärtätigen aufmerksam, oder man konnte sie mindestens zweimal im Jahr sehen, wenn sie unter Benutzung öffentlicher Straßen von den Kasernen zu den Truppenübungsplätzen zogen, um dort zu proben, wie sich das anfühlt, was man im Ernstfall tun würde. Es fühlte sich nie gut an. Es verbreitete auch im Übungsstadium Angst, und man fragte sich: Kann man das überhaupt mit dem kleinsten Funken Menschlichkeit vereinbaren, dass man diese selbst erlebte Angst anderen Leuten zumutet? Konnte das Argument überhaupt eine Rolle spielen, wonach die andere Seite ja auch ein paar Schrecken in petto gehabt hätte? Und warum schließlich sollte man von der andren Seite annehmen, dass dort die Leute skrupellos bereit zum Verbreiten des Schreckens gewesen wären, die eigene Seite aber notgedrungen, weil sie moralisch überlegen war? Im Krieg ist niemand moralisch überlegen. Die Moral beginnt erst wieder, wenn nach dem Krieg zwischen Freiheit und Dikatatur unterschieden wird. Manchmal, wenn man den Vergleich zum Kalten Krieg sucht, läuft man zum Bahnhof und beobachtet Güterzüge. Früher wurden Panzer verladen. Weil sie nicht sichtbar sein sollten, wurden sie mit einer Plane abgedeckt. Bloß doof, dass sie immer mit erigierten Kanonenrohren durch ihre martialische Welt krachten. Man sah also alles. Heute sieht man manchmal Güterwagen mit Quaderförmigen Aufbauten. Wer sagt, dass darin kein Panzer mit erigierter Kanone versteckt ist? Man kann nicht durch Container oder Planen kucken. Aber man müsste dies können, wenn man wissen will, ob Gütertransporte in west-östlicher Richtung schon verdeckte Truppentransporte ins Baltikum sind, um diesmal von dort Russland in den Hintern zu kneifen.

Seit 73 Jahren macht Europa eine relativ friedliche Phase durch. Das ist ungefähr ein Drittel der Zeit, die nötig wäre, um Friedensfähigkeit statt Wehrhaftigkeit zu lernen. Mit noch einmal 146 Jahren von Frieden, Schöpfungsbewahrung und nachhaltigem Umgang mit den zum Leben für alle nötigen Ressourcen kann Europa zum Gandhi der Welt werden.

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FEUILLETON-ZEITGEIST: Das Rechts-Hilfeabkommen

ZEITGEIST

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Das Rechts-Hilfeabkommen

Bayern hat eine Partei mit dem Namen CSU. Die CSU ist eine Grenzpartei. Sie will sie schützen, und sie bewegt sich an ihr entlang.In Bayern stehen Wahlen an. Viel wird dann gerede. Gegen Ende Juli zum Beispiel hatte sie ein Basisgrummeln und verlangte inhaltliche Trennlinien zur Alternative für Rechststaat und Demokratie. Diese Alternative, so Ilsie Aigner von der CSU, wäre weder christlich noch sozial, und sie sei menschenverachtend. Daher sei die inhaltliche Grenzziehung unausweichlich. Dennoch wirkt die CSU in ihrem Auftreten, in Horst Seehofers Antimigrationsgebahren und in der Berichtserstattung darüber ziemlich populistisch. Populistisch ist eine Partei, wenn sie sich an das Volk heranwanzt und seine Unmutsäußerungen wie ein Funkwellenverstärker aufgreift. So etwas Ähnliches will auch der amerikanische Ideologe Steve Bannon erreichen. Er will die populistischen Parteistämme Europas einen, um dann dem Kontinent seinen Stempel aufzudrücken. Frei nach dem schon seit Jahren in der amerikanischen Offiziersausbildung gelehrten Konzept des Regimewechsels will Bannon den europäischen populistischen Parteien und Bewgegungen Rechts-Hilfe anbieten. In den alten Zeiten des Kalten Krieges hätte man das auf der zu schädigenden Seite „subversive Agententätigkeit“ genannt. Der Ideologe will eine Stiftung mit dem derzeit gehandelten Namen „Die Bewegung“ gründen und dann alle Populisten systematisch mit Information, Daten, Geld, Logistik und Öffentlichkeitarbeit unterstützen. Die FAZ nannte ihn deshalb in einem Online-Artikel „einen Schurken für Europa“. Der Schurke für Europa will mit seiner Rechts-Hilfe den rechten Parteien Europas bei der Europawahl 2019 Schützenhilfe leisten. Die Wahl ist für die Zeit vom 23. bis 26. Mai 2019 geplant. Bannon will, so kann man den FAZ-Beitrag verstehen, als Strippenzieher der Europäischen Rechtspopulisten den Wahlkampf zu einem Regimewechsel in Deutschland benutzen, weil Angela Merkel Deutschland und den Westen durch die Erdgasleitung Nordstream 2 direkt an NATO-Lieblingsfeind Russland ausliefert. Nordstream wurde noch unter dem formal der Sozialdemokratie angehörenden Altkanzler Gerhard Schröder von der Utopie zum ehernen Faktum geschweißt. Für Kanzlerin Merkel muss sich, wenn sie eine verläßliche politische Größe sein will, daraus ergeben, dass sie die Verträge aus der Zeit ihres Vorgängers einhält.

An dem Vorhaben des amerikanischen Ideologen ist unter sportlichen Aspekten nur interessant, wie er in nicht einmal einem Jahr zirka 15 braune Strippen zwischen zehn Finger und zwei Hände nehmen will, um dann aus diesen 15 Fäden die Fahne seines Herrschaftsanspruches zu weben. 15 Fäden, die 15 Bewegungsrichtungen symbolisieren. Die Wahren Finnen gehören dazu und die Schwedendemokraten, die Alternative zu Rechststaat und Demokratie aus Deutschland und die Partei Recht und Gerechtigkeit aus Polen. Im Schlepptau hecheln die Estnischen Konservativen und die Bewegung Alles für Lettland, aus Tschechien kommt die Mörgendämmerung, aus Griechenland die Goldene Morgenröte. Die slowakische Nationalpartei hat auch „hier“ gerufen, von Ungarn kommt die Partei FIDESZ und aus Bulgarien die Internationale Mazedonische Revolutionäre Organisation (IMRO). 15 uneinige Puppen, ein großspuriger Puppenspieler und zehn Monate Zeit. Ambitioniert ist er schon, der Steve Bannon. Steve Bannon soll übrigens bekannt sein für den Ausspruch: „Lieber in der Hölle regieren als im Himmel zu dienen“. Was wird aus dem Mann, wenn wir auf Erden ein Paradies des täglich neu errungenen Friedens errichten und dafür sorgen, dass es keine Hölle mehr gibt, in der Sklaverei, Krieg, Ausbeutung, Flucht, Vertreibung, Umweltzerstörung?

 

Hierzu erschienene Artikel:

„Ein Schurke für Europa“, FAZ 23.Juli 2018

„Rechtsrevoluzzer Bannon will in Europa als Chefstratege Fuss fassen“, TELEPOLIS 23. Juli 2018

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das 130. Flugblatt – August 2018 – ist fertig

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Das Flugblatt Nummer 130 01-08-2018

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