GRUPPE 20: Fressgier

Fressgier*

=======

Nicht nur bis gestern, nein, bis heut

wird den Menschen eingebläut

dass fressen und gefressen werden

ist das Bestandsprinzip auf Erden

 

Dass Leben heut noch möglich ist,

liegt daran, dass der Starke frißt.

Der Starke rülpst und grunzt beleibt

wenn nichts vom Schwachen übrig bleibt.

 

„Die NATO ist ein Vegetarier“

sprach der deutsche Parlamanetarier,

der als Chef im Aussenamte

im Fundus seiner Bildung kramte.

 

„Sie muss mal Fleisch zu Fressen haben

sonst kann sich nicht die Wirtschaft laben.

So macht man der Demokratie

eib blutrauschtriefend Mördervieh.

 

*Fressgier ist eine Todsünde

Veröffentlicht unter --(Fremdwerbung) | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert für GRUPPE 20: Fressgier

FEUILLETON-REZENSION: Hätt der Hund nicht gedrückt hätt er den Hasen gefangen

Rezension „Der Zerfall der Demokratie“

„Hätt der Hund nicht gekackt, hätt er den Hasen gefangen“

 Yascha Mounks Buch „Der Zerfall der Demokratie. Wie der Populismus den Rechtsstaat bedroht“ klingt wie der empörte, nicht Ruhe geben wollende Enttäuschungsschrei eines Fans über seinen Star Francis Fukuyama. Fukuyama hatte Anfang der 90er Jahre das Buch „Das Ende der Geschichte“ verfasst. Darin deutete der bekennende Neoliberale das Ende der sozialistischen Staaten und des kalten Krieges als das Ende der Geschichte, dessen Sieger eben jener Neoliberalismus sei, der Kriege nur noch als lokale Weltpolizeieinsätze zur Sicherung von Handelswegen und Rohstofflieferungen betrachtet. Da kann man schlecht Krieg zu sagen, wenn als Verursacher von Kriegen immer nur der Gegner feststand, den es gar nicht mehr gibt. Als Karl Theodor zu Guttenberg noch Verteidigungsminister war, hatte er auch mal das Dilemma, den Krieg und die Kriegsbeteiligung der Bundeswehr als etwas anderes zu deuten als als krieg und gleichzeitig denjenigen Recht zu geben, die bewaffnete Militärtätigkeit grundsätzlich als Krieg empfinden. Zu Guttenberg erfand die brilliante Formulierung vom „kriegsähnlichen Zustand“. Die Wegelagerei um den sicheren Abtransport geraubter Ressourcen in den Siegersektor der neoliberalen Weltteilung nach der bilateralen Ost-West-Spaltung hat sich nun entgegen der Thesen Fukuyamas nicht mehr als kriegsähnliches Scharmützel zur Disziplinierung von Kleingärtnern heruas gestellt, die ihre Äpfel gerne selber enrten und verteilen möchten und damit der selbstberechtigten großen neoliberalen Hand nicht mehr mit galantem Handkuss begegnen. Irgendwo hatte Fukuyama sich geirrt. Mounk ist davon enttäuscht und mag es nicht hinnehmen. Und wenn beide Effi Briest gelesen hätten, würden sie wissen:

„Es sind immer die Imponderabilien, die den Gang der Geschichte bestimmen“

 So spricht in Theodor Fontanes Gesellschaftsroman „Effi Briest“ Schwiegerpapa mit Schwiegersohn. Der Schwiegersohn ist der aufstrebende junge Landrat von Instetten, der die 17-jährige Tochter vom Vater Briest geiratet hatte. Das konnte nicht gut gehen, und manchmal geht auch die Geschichte nicht nach Plan, weil zum Beispiel ein Abiturient mit Fahrrad so dammelig vor einer Militärkolonne dahin fährt, dass dieselbe mit Verspätung am Manöverort eintrifft. Damit kann ja keiner rechnen. Jeder Plan hat seine „Unwägbarkeiten“ – so heißt Imponderabilien ins Normalverständliche übersetzt. Man kann zwar sehr genau planen, aber nie alles berücksichtigen. Man kann die Hasenjagd planen, aber wenn mann vergisst, dass der Hund auch mal muss, dann braucht man sich nicht mehr über das Sprichwort tzu wundern:

„Hätt der Hund nicht gekackt, hätt er den Hasen gefangen.“

 Hätte, könnte, wäre, sei: Nachher ist alles wie es ist und man muss mit dem klarkommen, was man als Lage vorfindet, statt mit dem, was hätte sein können. Der Hund hatte aber gekackt. Gorbatschow regelte seins mit Amerika und Günter Schabowski sagte: „Sofort, Unverzüglich“ – da war die Grenze zu Westberlin auf, die Hasen hoppelten über Schussstreifen und ahnten nicht, dass wiederum Unwägbarkeiten eherne Erkenntnisse über Staat und Politik statt Sicherheit völlig neue Situationen entstehen lassen würden. Das ist der Inhalt von Mounks Fortsetzung von Fukuyama. Hätte es keine Populisten gegeben, die aus der wirtschaftlichen Krise und der Zunahme von Terror eine krise der Demokratie gemacht, hätte Fukuyama ja vielleicht noch Recht gehabt. Aber sie ließen ihn ja nicht. Es hatte nicht der Hund gekackt und dem Hasen die Chance zum entkommen gegeben, es hatte der Hase aus der Position der Unangreifbarkeit den Jägern in die Stiefel geköttelt. Populisten nutzen den Schutz der Meinungsvielfalt aus, um permanent gegen sie zu stänkern. Für Mounk ergibt sich das Problem:

„In Anbetracht dieser Tatsachen kann kein Zweifel mehr daran bestehen, dass wir einen Moment des Populismus durchlaufen. Die einzige Frage, die es nun zu beantworten gilt, ist, ob sich dieser Moment zu einem populistischen Zeitalter ausstrahlt und letzlich sogar das Überleben der Demokratie in Gefahr bringt.“

 Über Populisten schreibt der Autor, dass sie von ihrem Wesen her

„viel inbrünstiger als traditionelle Politiker an die Herrschaft des Volkes glauben“

Was aber zugleich auch wieder nicht stimmen kann, weil die populistischen Nazis gar nicht an Volk denken bei dem was sie da tun. Sie denken gar nicht. Sie stänkern nur.

Daher bestehe die Bedrohung der Demokratie nur darin, dass die Nazis inhaltlich noch gar nicht so genau wissen, was denn die Alternative zur liberalen Demokratie sein soll. Man könnte, schreibt Mounk, den Nationalstaat völlig neu denken, um ihn eben nicht den Populisten zu überlassen.

Hm. Wäre zumindest ein Ende der Globalisierung. Dann bliebe aber immer noch viel zu tun, um den Sozialabbau zu stoppen und die neoliberalen Trends zu Niedriglohnsektoren im Interesse des Erhaltes des sozialen Friedens umzukehren.

(Yascha Mounk, „Der Zerfall der Demokratie“, Dromer, München 2018)

Veröffentlicht unter Feuilleton-Rezension | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert für FEUILLETON-REZENSION: Hätt der Hund nicht gedrückt hätt er den Hasen gefangen

REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für Februar 2018 ist fertig

Liebe Leserinnen, das Flugblatt für Februar 2018 ist fertig. Es entstand in Weimar. Weimar ist schön.

Das Flugblatt 124-01-02-2018 neues Layout

Veröffentlicht unter Redaktionsmitteilungen | Verschlagwortet mit , | Kommentare deaktiviert für REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für Februar 2018 ist fertig

BARON VON FEDER: Briefe vom Arbeitsmarkt (Februar 2018)

BARON VON FEDER

„Briefe vom Arbeitsmarkt (Februar 2018)“

Liebe Gefährtinnen und Gefährten aus der Hartz-Vier-Klasse, heute möchte ich Euch von Markt und Aufstieg erzählen. Manche zeigen, dass sie einen Aufstieg wollen, andere zeigen es nicht, aber man spürt es und es gibt manche, die wissen es noch gar nicht. Alle drei bilden eine verschworene Gemeinschaft. Denn irgendwas eint sie bereits jetzt: Besonderes Wissen oder besondere Aufgaben, zu denen sie heran gezogen werden, aber nicht alle. Da ist es schön, wenn so etwas nicht ohne gegenseitige Zerfleischung vor sich geht. Jeder ist bereits durch den Mist von Kundenbeschimpfungen gegangen, die man geduldig erträgt. Und zwar um zu lernen: Menschenkenntnis, Selbstbeherrschung und Fachwissen. Manchmal kommt es einem vor, als wären Kunden bezahlte Sparringspartner aus der Hölle, um den jungen aufstrebenden Fachkräften Berufserfahrung zu vermitteln. Neulich war ein Kunde da mit einem Akzent aus Tausendundeiner Nacht. Der behauptete von sich, er spräche sehr gut deutsch. Wenn ich ihn also schlecht verstünde, so läge das an meinen Srachkenntnissen. Er wolle daher sofort mit jemandem reden, der deutsch spricht oder eine andere Sprache, in der er, der Mann aus dem Morgenland, sich verständlich machen könne. Ich war mal Sprachlehrer, wisst Ihr, und daher hab ich auch eine engelsgleiche Geduld mit diesem schwierigen Schüler aufgebacht. In seine Zeugnisbeurteilung würde ich schreiben: Er spricht schon sehr geflossen deutsch, nur manchesmal bricht er noch etwas Rad.

Ich hab das Lehrerbeispiel erwähnt, um zu sagen, dass man aus fast allem was man jemals gelernt hat gutes machen kann und will und man dazu auch den nötigen göttlichen Beistand bekommt, wenn man sich nur auf sich selbst und Gott verlässt. Vergleicht mal das evangelische Glaubenskenntnis in den Worten des Pfarrers Dietrich Bonhoeffer: Ich glaube dass Gott aus allem, auch aus dem Schlimmsten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür benötigt er UNS. er gibt uns die Kraft, alles zu erreichen. Aber er gibt uns die Kraft nicht im Voraus, sondern wenn es nötig ist, damit wir uns ganz auf ihn verlassen.

Dietrich Bonhoeffer wurde wegen Mitwirkung am Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 von der deutschen Henkerjustiz getötet.

Von manchen Erfahrungen im Leben verstehen wir erst dann, wenn sie gebraucht werden, welchen Sinn es hatte, dass wir sie machten. Heute ist es kein Trost , wenn man immer noch in der Hartz-Vier-Gosse steckt, morgen ist es vielleicht schon das Wissen, eine schönere Gegenwart zu bauen mit Tragfähigkeit bis in die mehr oder wenige ferne Zukunft. Also das Wissen dafür, die Utopie in der Gegenwart beginnen zu lassen, ohne den Reiz der Zielsetzung zu entzaubern.

Selbst militärisches Tötungswissen lässt sich noch nutzbar machen, indem man bewusst zum aktiven Pazifisten wird, für den Demokratie nicht wehrhaft sein soll, sondern friedensfähig.

„Der Ruhm ist nichts, die Tat ist alles“ – Goethe, zweiter Teil

Haltet durch

Euer Baron von Feder

Veröffentlicht unter Baron von Feder | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für BARON VON FEDER: Briefe vom Arbeitsmarkt (Februar 2018)

ZUEIGNUNG: Ich denk an weiße Rosen

 „Ich denk an weiße Rosen“

Im Februar 1943 knipste ein Fallbeil der deutschen Henkerjustiz das Leben der Flugblattgruppe „Die weiße Rose“ aus. Sie sollen noch miteinander gescherzt haben. „Töten dauert nicht lange, und nachher sind wir beim Herrn und können uns ungestört weiter unterhalten“. Vielleicht haben sie es anders gesagt, vielleicht auch mit klagendem Sarkasmus, vielleicht auch gar nicht, aber die Vorstellung, ein solcher Satz sei in Hörweite der Henker gefallen, lässt den geplanten Triumph der Mörder unmittelbar vor seinem Entstehen ins Leere laufen. Die Opfer hingegen triumphieren über die Täter noch in der Erinnerung der Nachwelt.

Aber man möchte sich nicht erinnern müssen. Denn man fürchtet, Erinnerung bedeute Wiederkehr. Das ist möglich. Es kann sein, dass Faschismus wiederkehrt, wenn man sich, und zwar verharmlosend, an ihn erinnert. Oder wenn man, wie Amerika, aus den Trümmern des faschistischen deutschen Staates Brauchbares auch für einen Staat mit dem politischen Selbstverständnis von Freiheit und Demokratie heraus klaubt. Es gab Stimmen, die Amerika unter George W. Bush und seinen Komplizen Condoleeza, Rice. Richard Cheney und Donald Rumsfeld die „am weitesten faschisierte Demokratie“ nannten, wobei sie auch Bezug nahmen auf staatsrechtliche politische und ideengeschichtliche Theorien, wonach es durchaus üblich, möglich und wahrscheinlich ist, dass Staatsformen ineinander übergehen können. Demokratie ist wunderbar, aber sie erfordert auch mehr Verantwortung zu ihrem Erhalt als jede andere Staatsform.

Die Wiederkehr durch Erinnern ist möglich. Die Wiederkehr durch Vergessen ist aber unausweichlich. Denn dann steht man fassungslos vor der Monströsität des Bösen und hofft verstört, es möge vorbei gehen. Es geht aber nicht vorbei, weil es da sein will. Und durch Erinnern werden Vergleiche möglich. Wäre ein Faschismus akzeptabel, der formal rechtsstaatlich auftritt? Mit parlamentarischen Nazis, demokratischen Notverordnungen und freiheitlichen Grundrechteaussetzungen?
In dem Buch „Die weiße Rose“ von Inge Scholl ist von Fehleinschätzungen die Rede. Kein Mitglied der Gruppe rechnete mit einem Todesurteil. Höchstens mit Zuchthaus, und das bisschen Zuchthaus könnte man in den paar Jahren bis Kriegsende schon irgendwie überstehen.
Sie irrten tragisch und starben.

Viele sagten 1932 / 33, die Nazis hätten bald abgewirtschaftet und dann sein wieder Ruhe im Land.
Sie irrten tragisch und starben.

Wie ernst muss am Wahlergebnisse und populistische Tendenzen nehmen, bevor man tragisch irrt und stirbt?

Veröffentlicht unter Baron von Feder | Kommentare deaktiviert für ZUEIGNUNG: Ich denk an weiße Rosen

Gruppe 20: Gewohnheit

Gewohnheit

=======

Wenn die gute alte Tante

schon morgens mit dem Onkel zankt,

sagen Freunde und Bekannte,

das Verhältnis sei erkrankt.

Und sie sagen: „Lasst Euch scheiden

Fangt noch mal von vorne an.“

Aber keiner von den beiden

hat den ersten Schritt getan.

Ach, die Sozis. Wenn sie leiden

fühlen sie sich richtig wohl.

Sadomaso tun die beiden

von der neuen Großen Ko.

Veröffentlicht unter --(Fremdwerbung) | Kommentare deaktiviert für Gruppe 20: Gewohnheit

REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das 123te Flugblatt ist fertig – Januar 2018

Liebe Leserinnen , liebe Leser, zum 123ten Male erscheint heut das Flugblatt. So soll es weiter gehen.

Hier ist der Link: Das Flugblatt 123-01-01-2018 neues Layout

 

Viel Spass beim Lesen und ein erfüllungsssattes menschliches 2018

Veröffentlicht unter Redaktionsmitteilungen | Kommentare deaktiviert für REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das 123te Flugblatt ist fertig – Januar 2018

GRUPPE 20: Bald ist wieder Weimar

Bald ist wieder Weimar

Bald ist wieder Weimar. Das schau ich mir an.
Wie dann das Alltagsgeschehen zum Kampf werden kann.
Wie Kabarett und Schwarzmarkt dann Hand gehn in Hand
und selbsternannte Ordner durchstreifen das Land
und immer ein Thema lenkt eilig vom anderen ab
un zum Lernen, was vorgeht, sind die Lehrer zu knapp

8-Stunden -Tag zerschlagen, Lohn fort im Krankheitsfall
geblasen wird zum Einsatz an Waffen überall
Fern sind und weg ganz weit
Kultur und Menschlichkeit

Bald ist wieder Weimar. Und es gibt eine Chance,
Faschismus noch zu stoppen. „Diesmal gelangs“
so stehts dann in Geschichtsbüchern weit sowie breit
dann kommt auch die Kultur wieder rein in die Zeit
und alles nur weil man endlich wagt
sich des Verstands zu bedienen und nicht hilflos klagt

8-Stunden-Tag zerschlagen, Lohn fort im Krankheitsfall
Wir sind doch nicht bescheuert, Mensch habt Ihr einen Knall.

Straßenkämpfe, goldene zwanziger und am Ende Faschismus kennezeichneten die Weimarer Republik. Vergleiche mit Weimar sind zulässig, weil sie sich aufdrängen.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentare deaktiviert für GRUPPE 20: Bald ist wieder Weimar

FEUILLETON-REZENSION: Alle meine Kleider

Rezension „Alle meine Kleider“

„Ein Spiegel lügt, die Mode behauptet etwas anderes“

 Wenn Sie mal wieder Lust auf zeitlos-elegante Lektüre haben, die Sie mit Geist und Witz umplätschert, dann nehmen Sie doch mal Hannelore Schlaffers Büchlein „Alle meine Kleider“. Sie werden den Eindruck haben, einen schwarz-weißen Knisterfilm der UFA zu sehen und fühlen sich beinahe unangestrengt unterhalten. D as ist Seichtigkeit mit Tiefenbotschaft. Denn die Autorin beginnt ihr Büchlein damit, über die „Vor dem Spiegel“ verbrachte Zeit verbrachte Zeit zu sinnieren. Sie stellt fest, dass im Spiegel-Bild ein Vor-Bild gesucht wird. welches sonst nur im Geiste exitiert. Aber mit dem Geist sieht man ja nicht zum Vergleichen. Stundenlang kann man philosophieren über die Rolle des Vorbildes bei der Selbstverwirklichung, und manche machen sogar  – an Unis zum Beispiel – Vorlesungen daraus. Alle sind sich einig, dass es so etwas wie Selbstverwirklichung geben soll, muss und kann. Wenige sagen, dass zur Selbstverwirklichung auch das Frauwerden oder Mannwerden gehört. Ist eine Frau eine Frau, wenn sie ihr Rollenvorbild brav erfüllt? Kann eine Frau dem allgemeinen Rollenvorbild eine individuelle Note hinzufügen? Ja, schreibt die Autorin und schon ist das aufgeregte Geschnatter der Rollenspielerinnen über die Betonung der individuellen Rollengestaltung ein atemlos hingehauchter und neidisch beäugter Skandal. Wir Männer – welche Theateraufführung sehen wir am liebsten? Und welches führen wir am Liebesten selber auf? Das einige von Euch mit Uns zusammen kommen scheint bisweilen ein Wunder zu sein, weil wir gegen unseren willen ständig versuchen, das Zusammenkommen zu verhindern.

Am Ende hat die Autorin einen simplen Vorschlag: Selbstvertrauen. Lasst, Damen wie auch Herren, das Selbstvertrauen in Euch und Eure Fähigkeiten Euer Vorbild sein. Dann klappt das schon. Das Schönste an Hannelore Schlaffers Buch ist der Übergang vom Spiegel zur Kleidung und der Mode. Die Darstellung der Mode als Einheit von Funktion, Symbol und individueller Selbstbehauptung macht das Buch auch für Modemuffel äußerst lesenswert.

 (Hannelore Schlaffer, „Alle meine Kleider“, Stuttgart, Essay ohne Jahresangabe)

Veröffentlicht unter Feuilleton-Rezension | Verschlagwortet mit , | Kommentare deaktiviert für FEUILLETON-REZENSION: Alle meine Kleider

BARON VON FEDER: Briefe vom Arbeitsmarkt (Januar 2018)

BARON VON FEDER

„Briefe vom Arbeitsmarkt (Januar 2018)“

Liebe Gefährtinnen und Gefährten aus der Hartz-Vier-Klasse, der Markt kann deutlich kalt und abweisend sein wie eine ungeheizte Turnhalle mit hoher Luftfeuchtigkeit. Ein Kuschelparadies ist er nicht. In dieser kalten, schlecht gelüfteten Turnhalle organisiert die Sportleitung beständig Wettkämpfe, und wer verliert, muss den Markt verlassen. Die Wettkampfbedingungen sind hart geworden. Wettkampfbedingungen sind nicht die Regeln des Wettkampfes, die aus den Kenziffern Kreativität, Produktivität und Absatz bestehen, sondern die Bedingungen Verfügbarkeit, Bereitschaft und Verzicht auf freie Zeit, bedarfsorientierte Pausen und Bewahrung der Privatheit. Wenn es nass, kalt und klamm ist, ist der Wettkampf kein unterhaltsames Volksfest. Im Sport kann man Wettkämpfe absagen. Zum Beispiel im Fussball, wenn der Rasen unbespielbar ist. Zum Marktkampf muss man immer antreten, ohne Rücksicht auf das Wetter oder das körperliche Befinden. Wenn Du auf dem Markt bist, hast du zu können. Wenn du nicht kannst, hast du nicht auf dem Markt zu sein. Ein Drittes gibt es nicht. Nur: Dein Marktstand wird dir nicht überall  ewig offen gehalten. Kannst Glück haben. Kannst aber auch erleben: Lohn fort, Zahlung im Krankheitsfall. Wissen was wird kannst du nicht. Neulich stand in vielen Zeitungen, dass „Wirtschaftsweise“ (deutsch etwa: „kluge, verantwortungsvolle Ökonomen“) den 8-Stunden-Tag für überholt halten. Sie sprachen sich nicht direkt für eine Sklaverei aus. Aber sie waren nah dran. Hätte Marx nicht so verquaast formuliert, hätte nman schon zeitnah verstehen können: die Verlängerung der Arbeitszeit insgesamt bei weniger Leuten, die sie verrichten, ist ein beschleunigter Verschleiß der Arbeitskraft. Wahrscheinlich um die Rentenkatastrophe sozial verträglich zu kaschieren. Es scheint derzeit, als sei das Ziel der Wirtschaft die globale Vernichtung der Ressourcen. Wir alle, liebe Gefährtinnen und Gefäfrten, sind auch Ressourcen. Uns droht genauso die Vernichtung wie dem Regenwald, dem Wasserkreislauf der Erde und der nachhaltigen Ernährung. Lasst uns retten, was noch zu retten ist.

„Wir haben viel zu tun, wir müssen eilen.
Denn Vorteil bringt dem Feinde alles Weilen.“

(Shakespeare)

Haltet durch

Euer Baron von Feder

Veröffentlicht unter Baron von Feder | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert für BARON VON FEDER: Briefe vom Arbeitsmarkt (Januar 2018)