BARON VON FEDER: Briefe vom Arbeitsmarkt (November 2017)

BARON VON FEDER

„Briefe vom Arbeitsmarkt (November 2017)“

Liebe Gefährtinnen und Gefährten aus der Hartz-Vier-Klasse, tie wichtigste Lehre aus den ersten fünf Monaten Arbeitsmarkt heisst: Ein Verkaufsstand ist kein Ladengeschäft und der Weg dahin eine Illusion, die von den Ladengeschäftsbesitzern genährt wird, um die Standbetreiber auf einen aussichtslosen Weg zu schicken, der sie verschleißt. Eine neoliberale Teufelei, wie im Kabarett „Die Anstalt“ am 07. November 2017 gezeigt wurde. Die haben viel Wissen und ein gutes Talent, es rüber zu bringen. Man wundert sich, dass sie das noch dürfen, aber diesmal haben sie die Frage gleich mit beantwortet: Weil niemand die Zusammenhänge glaubt. „Die da oben“, die noch viel oberer sind als wir hier unten es uns überhaupt vorstellen können, lachen nur. Der Geist, der nicht die Bodenhaftung verliert, reicht nicht so weit nach oben, um dort den Leuten gefährlich zu werden. Und mit dem Witz ist es genau so. Viele Menschen sehnen sich sozusagen nach der Verfolgung von Witz und Geist, nur um zu spüren, dass Witz und Geist irgendetwas bewirken. Der Siegeszug der neoliberalen Teufel mit einem tyrannischen Satan als Führer scheint durch nichts zu erschüttern zu sein. Nicht einmal durch den Terror. Obwohl Terror die Sprache des Protests und der Reaktion des Teufels ist. Hier kehrt der Wunsch nach Verfolgung um und bemerkt, dass er ja beinah dem Teufel auf den Leim gegangen wäre. Witz und Geist machen kleine Schritte, in die der Teufel mit seinem Stinkfuß nicht hinlatschen kann. Und wo der nicht ist, können wir sein. Denn irgendwer ist immer. Vakuum gibts nicht. Was genau wollen wir eigentlich ändern? Sagt mal: Ist denn das Ladengeschäft unser Ideal? Oder müssten wir dazu in teufelsfußgrossen Stiefeln übers Pflaster knallen wie ein Leutnant mit 5 Mann, die früh um vier einen Dichter ausm Bett zerren wollen? Ist es wirklich unsere größte Freude, Standbetreibern auf dem Markt Weisungen zu erteilen, die diese sich in uneren Ladengeschäftskontoren abholen müssen? Und wenn wir schon kein eigenes Ladengeschäft besitzen: Wozu brauchen wir dann die Anstellung in einem solchen, wo wir dann die Angelegenheiten der Standbetreiber besacharbeiten? Gefährtinnen und Gefährten, die uns besacharbeiten sind eigentlich noch die gleichen Standbetreiber auf dem Markt wie wir – nur vom Stinkfuß-Teufel etwas besser gestellt. Ich wünsche mir eigentlich nur, dass jeder, der sich etwas erschafft, dies auch erhalten kann. Das geht ohne anderen das Existenznotwendikum zu nehmen.

Denn nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss.

Alles Goethe –

Haltet durch

Euer Baron von Feder

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ZUEIGNUNG: Bequemlichkeit und Tyrrannei

„Die Bequemlichkeit der Tyrannei“

Wenn ich mich im Internet auf Medienseiten informieren möchte, möchte ich die Freiheit haben, zu entscheiden , was ich lese. Ich möchte nicht, dass mir der Zugang zu einer gewohnten Seite plötzlich durch einen digitalen Mauerbau verwehrt wird. Genau das haben aber die Onlineangebote von Spiegel, FAZ und Süddeutsche getan. Erst haben sie die jenigen Artikel, die wirklich gut waren, kostenpflichtig gemacht und für Nichtzahler gesperrt. Kann man machen, aber mit Vorankündigung und einer einvernehmlichen Regelung. Ich mache ja selbst eine Zeitung un´d weiß daher, dass man gerne Geld damit verdienen möchte, zumindest soviel, um von staatlichen Transferleistungen frei zu sein. Die andere Nacht-und-Nebel-Maßnahme ist die Zugriffsperre für Leser mit einem Werbeblocker. Wer Werbung blockt, muss für die Medien ein ziemlich gefährlicher Staatsfeind sein. Natürlich kann man sich die Trotzreaktion erlauben, auf die Störung einer Artikellösung durch Werbebanner oder ungefragt loskreischende Videos mit einer Blockade der Werbeblockade zu reagieren. Aber es bleibt kindischer Trotz. Daher kommt nun die Frage, wie vernünftig es ist, kindischen Tyrannen ihren Willen zu lassen. So groß muss der Schaden ja nicht sein, wenn er nicht durch künstliche Knebelparagraphen unüberwindbar hoch wird.

Wieviel Nachsicht ist vernünftig, und wann reicht ein Schluss jetzt nicht mehr, um Tyrannen zum Aufhören zu bewegen? Es wird die Unterbrechung der Lektüre durch Werbung hingenommen, weil die Lektüre dadurch billiger werden soll, es wird hingenommen, dass das Bargeld verschwinden soll, als wärs es Schnee im Sommer und das Ende des Geldes ein Naturgesetz. Wenn einer kommt und sagt Sorgt Euch nicht, wir kümmern uns um alles, was die Harmonie stört – will man dann bloss aus Bequemlichkeit noch wissen oder nicht mehr wissen, was die Reinigungsbrigade mit den störenden Menschen im Gesellschaftsbild macht? Können Menschen eine Tyrannei ertragen, wenn sie mit Härte gegen Arbeitslose, Ausländer, Unbekümmerte und Lachende vorgeht? Ist ein Mensch, welcher lacht, schon politisch andersdenkend? Wenn es der eigenen Bequemlichkeit dient: Nimmt man dann auch persönliche Einschränkungen in Kauf? Wachdienste im Wohnviertel? Mit Ausweiskontrolle? Wieviel Bequemlichkeit trägt dazu bei, dass sich eine Tyrannei etablieren kann?

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FEUILLETON-REZENSION: Casablanca 1943

Rezension „Casablanca 1943“

„Kultzeit geht nie vorbei“

 „Casablanca“ war ein Film, der beim Anschauen noch in den 80er Jahren den Eindruck erwecken konnte, dass die Aktualität von 1943 immer noch lebendig ist. Es ist ein Film über Krieg im Krieg sowie über Flucht , Widerstand und die Schwäche der Mächtigen angesichts der Sturheit entschlossener Menschen. Wenn man sich Verfolgung vorstellte, tauchten Filmszenen aus „Casablanca“ mit Humphrey Bogart, Ingrid Bergmann auf und aus“Le Train“ Jean-Louis Intrignant und Romy Schneider auf. Aber auch Musik und Literatur woben sich in die Assoziationen ein. Literarisch kann „Die Nacht von Lissabon“ des Schriftstellers Erich Maria Remarque nicht fehlen und musikalisch nicht die „Symphonie Patetique“ von PjotrTschaikowsky, das sich wie ein konspirativer Liebesabschied angesichts sich bald schließender Geheimdienstfallen anhört. Schade, dass man diesen Kultfilm nicht mehr via Fernsehen sehen kann. Er hätte es wegen seiner zeitlosen Aktualität verdient. Am Besten im Vergleich mit einer Neufassung auf der Basis von Norbert Pötzls „Buch Casablanca 1943“. Ohne jegliche Besserwisserei zeigt der Autor logische Fehler in der Handlung auf. Zum Beispiel die art der ominösen Visa, die nur noch mit einem namen zu versehen waren und niemand hätte je diese Visa kontrollieren dürfen. Viele haben lange gesucht um herauszufinden, was für ein Visum das war. Sie kamen nicht darauf, worauf der Autor kam, nämlich auf einen Regietrick von Alfred Hitchcock, der solche nichtexistenten Handlungsantreiber im Film einen „Mac Guffit“ nannte. Ein Mac Guffit kann auch eine Behauptung sein, die gar nicht mehr hinterfragt wird. Mac Guffitts brauchen keine Logik. Sie sind sozusagen das Orx im Fantasiefilm, wo die mit den Hörnern das Orx zur machtausübung benutzen und die sommerlich Gekleideten das Orx erobern wollen, weil sie die Eroberung des Orx für die Freiheit halten. Die zweite Überraschung des Buches ist die Deutung von Rick und Ilsa als Roosevelt und Churchill. Demnach ist der Film eine Parabel auf die Versuche Churchills, Amerika auch zum Schutz Großbritanniens zur Eröffnung der zweiten Front zu bewegen. Ilsa muss Rick beschwören, ihr und Victor Laszlo die Visa zu geben, Churchill muss Roosevelt beschwören, als Verbündeter in der Antihitlerkoalition mitzumachen. Von beiden hängt die Freiheit von Millionen ab – soviel Pathos muss sein. Die dritte Überraschung ist die Nennung des realen Vorbilds für den Filmwiderständler Victor Laszlo. Da kann man lange in Wikipedia oder Google suche – für solche Feinheiten braucht man echtes Wissen und keine gefundenen Algorithmen.

(Casablanca 1943. Das Geheime Treffen, der Film und die Wende des krieges, Siedler Verlag, München 2017)

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FOTO UND DOKUMENTATION

Montag 06.Nov.2018, zwischen zwischen 10 uhr und 11 Uhr, B198, Fahrtrichtung Bundespolizeischule Neustrelitz
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Eine Kolonne von ca 6 derartigen Bundeswehrpanzern bewegte sich am Montag, dem 06.November 2017 auf der B 198 Richtung Polizeischule. Die Fahrzeuge kamen aus Richtung Feldberg. An der Polizeischule stand auf dem Parkplatz vor der kaserne, vor dem großen Tor ein Feldjäger-Fahrzeug. Wegen Eigensicherung waren vom Polizeigelände keine Aufnahmen möglich.

 

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für November 2017 ist fertig

…liebe Leserinnen  und Leser, hier ist es schon:

 

Das Flugblatt 121-01-11-2017 neues Layout

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BARON VON FEDER: Briefe vom Arbeitsmarkt (November 2017)

BARON VON FEDER

„Briefe vom Arbeitsmarkt (Oktober 2017)“

Liebe Gefährtinnen und Gefährten aus der Hartz-Vier-Klasse, langsam verstehe ich Menschen, die nach der Arbeit zu müde zum Lesen sind oder sonst ihr gesellschaftliches Interesse verlieren. Wenn die dann aber mehr denken und spüren als ich habe ich verschämt das Gefühl, im innersten zu versagen. Und dann hör ich die Teufel vom Arbeitsamt singen, weil sie meinen, sie könnten über einen Entkkömmling triumphieren, von dem sie mit der Sicherheit der hierfür geschaffenen Gesetze glauben, in jederzeit wieder dahin zu bringen, wo ihr, liebe Gefährtinnen und Gefährtinnen, nur bittere Tränen als Würze zum kargen Mahl habt. Soll sich jeder wirklich nur für sich selbst anstrengen und die Möglichkeiten aus den Augen verlieren des andern Last zu tragen? Aber liebe Gefährtinnen und Gefährten, wenn das so ist, hab ich was falsch gemacht.

Liebe Gefährtinnen und Gefährten, ich habe trotz allem etwas sparen können. Wollen wir zwischen Weihnachten und Silvester oder gar von Weihnachten bis Silvester  mehrere Gastmahle feiern? Einmal Frühstück in Form von „Brunch“, einmal Mittag, einmal zum Abend und ein Knabberbuffet mit Obst und so? Silvester als Stil-Vester? Mit auswärtiger Übernachtung? Ich wünsch es mir sehr, denn frei ist man nur in der Gesellschaft von Freien. Der Markt, selbst wenn er geordnet ist, ist kein Ort der Freiheit. Man wird jederzeit darauf hingewiesen, dass man sehr viel zu verlieren hat, wenn man die Regeln nicht einhält. Der Eintrittspreis erwies sich als Beitragsgebühr zwischen zwei möglichen aufeinander folgenden Kündigungsterminen. Das gilt auch für solche Marktteilnehmer, die es von der Marktbude zum Ladengeschäft gebracht haben. Das Fundament der Freundlichkeit ist hier das Mißtrauen, und so ist sie dann wohl auch zu bewerten. Man kann nur sich selber trauen. Allen andern darf man nichts sagen, was als Schwäche ausgelegt werden kann. Und so bleiben auch fröhliche und kollegiale Momente der Anerkennung am Ende etwas oberflächlich. Die Mindestverweildauer auf dem Markt muss so groß sein, dass man vom Ersparten ein Jahr lang leben kann, ohne wieder in die Hartz-Vier-Knechtschaft zurück gezwungen zu werden. Unterstützung erfährt man solange, wie man berechtigte Hoffnungen auf weitere Brauchbarkeit weckt. Aber die muss ehrlich sein. Ein Bluff auf dem Markt ist etwas für Teilnehmer, die bluffen können. ich habe das nie gelernt und will es auch nicht. Denn bluffen passt nicht zum ehrlichen Arbeitsethos, welches als Ziel noch den Nutzen der Gemeinschaften zun Wohle aller und der Gastfreundschaft kennt. Lasst mich wissen, wie Ihr Euch unsere „Klausurtagung“ vorstellt. Dann bereite ich alles vor. Wir sehn uns und pfeifen auf neoliberale Pfeffersäcke mit ihren nützlichen Idioten.

Haltet durch

Euer Baron von Feder

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GRUPPE 20: Haufenträume

Haufenträume
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Ein Maulwurfshaufen hielt sich berufen
die Löcher der Bagger zu schließen
die diese, die auch einen Aufbau eins schufen
an der Wohlstandssubstnz hinterließen

„Hier entsteht ein verschüttetes Loch“,
schreibt der Haufen sich auf die Plakate.
Wer fragen kann, der fragt sich jedoch:
Was vergräbt der Haufen im Staate?

„Haufen, ich glaub deine Größe nicht
sie ist nicht den Löchern entsprechend“
Der Haufen legte bei taghellem Licht
sich ins Loch und sprach logisch bestechend:

„Seht ma, wie hoch wir heute schon reichen
auf dem Grunde von Euerren Löchern
nehmts an als wär es ein flammendes Zeichen
denn wor steigen hoch und noch höcher.“

Ein Baggerfahrer sprach in das Erdloch: „Ach Hauf.
Bleib da, Wir legen den Deckel drauf“

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ZUEIGNUNG: Wegweiser sind auch nur Orientierungsangebote

 „Wegweiser sind auch nur Orientierungsangebote“

Im Lande sind die individuellen Lebensplanungen gestört. Arbeit reicht nicht zum Einkommen, Einkommen nicht zur Bedürfnisbefriedigung, – nur die Unzufriedenheit reicht für ein lautes Gegrummel ohne Stimmausbildung. Auf dieses Gegrummel soll man hören und dann einstimmen, damit das Geheul groß wird. Man könnte statt Grummeln und anderen zu sagen, dass es ihnen schlecht geht, auch die Klappe halten und sich gegenseitig unter die Arme greifen. Was einer braucht und der andere hat, das kann man löblich miteinander teilen. „Ich will nicht“ ist keine Lösung. „Das hätte ich gerne so“ ist auch eine gesellschaftliche Kritik, aber sie ist FKK: Freie Konstruktive Kritik. Und dazu muss man sich nicht durch Geschrei wichtiger machen als die Sache, die man ändern will. Das Ende des Hartz-Vier –System ist wichtig, aber nicht so wichtig, hierfür eine Revolution anzuzetteln und dafür Mord und Sachbeschädigung zu begehen. Leben ist nur eine Reise über Berge und Täler, segeln über Meere oder treiben auf Flüssen. Auf dieser Reise kommt es nur darauf an, von den Bergen nicht abzustürzen, in den Tälern nicht zu verhungern, in den Flüssen nicht zu ertrinken und auf den Meeren nicht verschollen zu gehen. Wenn man auf diesen Lebensmarsch Fremde trifft, kann man Hallo zu ihnen sagen. man muss sie nicht fürchten. Fremd sein ist immer beiderseitig. Wenn sich Fremde treffen, fragen sie nach dem Weg und wo man eventuell siedeln könnte. Oft sind fremde bereit, sich über Verwendungsmöglichkeiten in der gastgebenden Gesellschaft zu erkundigen. Das können Sie bei Immanuel kant nachlesen, und zwar in der Schrift „Zum ewigen Frieden“. Und mit dem ewigen Frieden hat es auch zu tun, wenn die Lebensreisen blockiert werden und man auf Zwangswege geschickt wird. oder wenn man einfach nur mit einer Beschränkung der Möglichkeiten bestraft wird.

Wer das tut? Es gab gerade Wahlen. Bei Wahlen sagen die Parteien immer, dass sie etwas anders machen wollen, was unter der vorigen Regierung falsch gelaufen ist. Hartz-Vier gibt es seit 2005. drei Bundestagswahlen gab es danach, die keine Möglichkeit zur Kurskorrektur genutzt haben. Was partein, Forschungsinstitute und Medien tun, ist im besten Fall Gesellschaftsanalyse. Eine Gesellschaftsanalyse kann jedem einzelnen als Orientierung dienen. Aber die Orientierung schwindet, wenn die drei Analytiker sich gegenseitig vorwerfen, sie würden die Wegweiser mit dem Pfeil in die falsche Richtung aufstellen. Kein Angebot ist alleine richtig. Und dann wird auch eine Lebensreise zur horizonterweiternden Wanderung. Wenn ein Fremder um eine Übernachtung bittet, trifft man keine politische, sondern eine menschliche Entscheidung. Man richtet ein Gästezimmer her und vielleicht auch noch ein Bad und ein Labmahl. Da, wo die Wanderung stattfindet, geht es um Menschlichkeit. Da, wo politische Lösungen ersonnen werden, spieltdas einfache kleine Leben keine Rolle. Und die Menschlichkeit kann von keiner politischen Strömung vereinnahmt werden, nicht einmal von einer, die sich als Anwalt der kleinen Leute gegen die Politik von denen da oben aufspielt. Es geht nicht um gegeneinander, es geht um miteinander. Alle Versuche sind lächerlich bis bittertraurig, wenn ungefragte Reiseführer den Blick von der unverstellten Wahrnehmung ablenken.

Reisetipps gibt es für touristische Besucher von aussen und nach aussen. Reisen bildet Ankommende, Fortfahrende, Daheimgebliebeene und Wiederkehrende. Unbeliebte Gäste sind nur die in Waffen und Uniform bzw diesbezüglichem Auftrag und Verstand. Begegnende streben immer danach, die Fremdheit abzubauen, um zu erfahren: Wer bist Du? Wo kommst Du her? Bringst Du Ärger oder Glück?

Man kann Wegweiser aufstellen und auf entgegenkommende Fremde hinweisen. Wer aber Wegweiser aufstellt, sollte schon wissen, wie man Irrwege, Sackgassen und zielloses Drehen im Kreis vermeidet. Dies mögen sich bitte die Politpraktikanten der Alternative zu Rechtsstaat und Demokratie merken.

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DER RÜGENER FOTOJUNGE: Demokratie als Mißverständnis

von KLAUS ENDER, Rügen
Demokratie – als Mißverständnis

Die politische Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, dass sich viele Bürger nicht mehr von den Politikern verstanden fühlen und auch nicht glauben, dass sich durch Einsicht etwas ändert.

Weil kritische Leserbriefe von der Tagespresse oft nicht mehr veröffentlicht werden, wächst die Zuwendung zum Internet – in der Hoffnung – auf eine breite Leserschaft.

Weil ich auch zunehmend einer „Zensur“ zum Opfer falle; Beiträge nicht – oder verfälscht – gebracht werden, zu kritische Fotos ausgetauscht werden, wende ich mich zunehmend von der Presse ab.

Mir ist es egal, ob einem übereifrigen Chefredakteur die Meinungsfreiheit nicht passt, oder ob es von „ganz oben“ eine Anweisung gibt – für mich ist bedrückend, dieser Entwicklung ausgeliefert zu sein.

Ich bin nicht 78 Jahre alt geworden, um noch einmal so bevormundet zu werden, wie es in der DDR an der Tagesordnung war.

Ich habe seit 1966 meine Zulassung als Journalist – und werde das, was einen ehrlichen Journalismus kennzeichnet, stets beherzigen. Eine ehrliche Widergabe der Wirklichkeit in Wort & Bild – ohne Ansehen der Person oder einer Gefälligkeit zu berichten. Bei diesen Reportagen fiel mir auf, dass (zu) viele Bürger
besorgt sind, wenn sie ihre Meinung zu einem kritischen Problem sagen sollen, die dann veröffentlicht wird.

Zwei Drittel von ihnen können nicht über ihren Schatten springen,- sie sind besorgt, dass ihnen daraus  Nachteile erwachsen! Ich halte diese Tatsache für Besorgnis erregend – weil uns offiziell aufoktruyiert   wird, dass die Demokratie stets beachtet wird. Meine Erfahrung sagt mir; „beachtet ja – geachtet nein.“ Die alten (und) neuen Ängste der Bürger haben ihre Ursachen.Sie sind  nicht nur als Wähler verloren – sie werden latente Gegner der Demokratie, weil sie unter dieser real nicht existierenden Demokratie leiden. Sie suchen manchmal „rechts“ der Mitte nach dem, der ihnen zeigt, „wo es lang geht “ und manche suchen Seelenverwandte im zeitgemässen Internet. Ich gehöre dazu, denn Verbesserungen und Wendepunkte werden nicht von gleich geschalteten Medien oder Lobbyisten der Politik geschaffen, sondern von klugen Kritikern und kontrovers denkenden und unbeqemen Menschen.

Ich denke dabei an Vaclaw Havel, der Gefängnis, Studienverbote und Verfolgung hinnahm, um seinem Volk zu dienen. Er sorgte sich auch über die Entfremdung des heutigen Menschen von seiner Lebenswelt ( der Idealvorstellung des Menschen auf Erden). Ihr gab er die Schuld an der grenzenlosen Umwelt-Zerstörung. Die – durch die Wissenschaft hervorgerufene, Technisierung der Ökonomie hat diesen Zustand erzielt. Nach Havels Meinung ist eine auf Lügen aufgebaute Gesellschaft, Schuld an der Situation, dass Worte ihren Sinn verlieren, so wie im einstigen Ostblock das inflationär gebrauchte Wort Frieden. Ich füge (für mich) hinzu, dass es bei uns das Wort Demokratie ist, das seinen Sinn verliert

weil sich jeder dieses Wortes bedient, der von vornherein ausschließen will,dass man ihn des undemokratischen Verhaltens beschuldigt. Und davon gibt es eine ganze Menge. 

Leider hat das Internet – wie jedes andere Medium auch – an Glaubwürdigkeit verloren, und bräuchte ein unumstössliches Maß an Ethik. Aber mit der notwendigen Kontrolle käme Mißtrauen und Mißbrauch  – in jeder Form hinzu –  so dass uns nur wie den Politikern  auch – die Alternative bleibt, sich ein neues Volk – und uns Usern ein anderes Internet zu wählen.   

Aber bis dahin bleibt uns der Apell; Beachtet die Würde des Menschen, schliesst wahre Freundschaften, kritisiert das Notwendige und seid menschlich – auch zu  

den Tieren!   

 Klaus Ender

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FEUILLETON-REZENSION: Rostock, letzte Wahl

Rezension „Rostock letzte Wahl“

„Handball, Gin und Klammeraffen“

 Volker H. Altwassers zweiter Ostseekrimi ist besser als der erste. Denn er ist lesbar.  Er ist aus vielen Sprachwuellen gespeist, aber niemals ein Nachgeplapper von anderen Krimiautoren. Mit Witz ist er dezent gewürzt, so dass keine Stimmungsrichtung die andere überdeckt wie zuviel Salz die Wirkung von Nelke und Muskat am Wildschweingulasch. Vermutlich war der Autor diesmal höher konzentriert bei Planung, Konzept und Niederschrift von „Rostock, letzte Wahl“. Ein paar ganz junge und ganz knapp bekleidete Mädchen – soviele, wie Rostock inklusive Warnemünde Stadtteile hat – wollen darin Miss Rostock werden. Für eine von ihnen endet der Wunsch schon am Anfang des Krimis in den würgenden Pranken eines genretypischen Unholds, die das Wort „Lesevergnügen“ in der Anwendung auf Krimis mit Ermordeten immer so zwiespältig machen. Vergnüglich ist aber der Trick des Autors, die Handlung ein Stück weit in der Zukunft spielen zu lassen. Das wirkt, als seien die Morde noch gar nicht geschehen und könnten noch verhindert werden. Altwasser probiert damit oder verfeinert offenbar eine Erzählmethode, die ein Rückblick aus der Zukunft ist. In solch eine Konstellatation kann man alles hinein packen, was sonst die Floskel „Ähnlichkeiten sind rein zufällig“ erfordern würde. Darum blüht die Korruption, die Russen sind mit dem U-Boot zwischen Rostock und Kiel, weil sie Schweden derzeit meiden, und beinahe vergisst man beim Lesen, dass zwei Menschen aus der Handlung heraus gemordet wurden. Volker Altwasser zeigt mit dem Krimi, dass man nur einen Auslöser braucht und drei Zutaten. In diesem Fall eine Misswahl aus Auslöser und dann Handball, Gin und Klammeraffen.

(Volker H. Altwasser, „Rostock, letzt Wahl“, Hinstorff, Rostock 2017)

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