GRUPPE 20: Der Pförtner

Der Pförtner

Am Ende einer langen Schicht
erlischt in der Fabrik das Licht.
Der Pförtner macht den Wachhund los
und inspiziert Büros und Klos.

Einsam hallen im Palazzo
des Pförtners Schritte auf Terrazzo.
Terrazzo ist, swas keiner sieht
Ein Boden ähnlich wie Granit.

Der Enkel, den der Pförtner liebt
denkt, ob es Opa wirklich gibt.
Ist er, wie der Osterhase
lediglich Reklamephrase?

Wenn Opa sich zur Arbeit quält
gibts keinen, der dem Kind erzählt,
dass in der guten alten Zeit
die Rentner hatten immer Zeit

um die Enkel zu bespaßen
weil Eltern fest in Arbeit saßen.

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für Juni 2017 ist fertig

Liebe Leserinnen, liebe Leser, „Das Flugblatt“ für Juni 2017 ist fertig. Ich veröffentliche sie bereits heutre, weil ich ich bis Mitte Juni eine Exkursion auf den Ersten Arbeitsmarkt unternenhme. Ab Juli melde ich mich im gewohnten Erscheinungsrhythmus.

Das Flugblatt 116-01-06-2017 neues Layout

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BARON VON FEDER: Eine Maßnahme

BARON VON FEDER

„Eine Maßnahme“

Bei Kuren heißt es wenigstens Anwendung. Und doch ist eine Kuranwendung eine Maßnahme. Maßnahmen werden ergriffen. Maßnahmeträger sind die, welche die Maßnahmen finanzieren. Warum Maßnahmen etwas kosten, ist unklar. Maßnahmen werden in Strafmaßnahmen und Korrekturmaßnahmen unterteilt. Maßnahmen, die die Größe eines Gegenstandes oder einer Sache feststellen sollen, sind streng genommen keine Maßnahme, sondern eine Vermessung. Vermessungen finden zum Beispiel bei Grundstücken, Bergen, Schuhen und Trikotagen statt. Vermessen handelt aber auch, wer sich die Befugnis zu einer Handlung anmaßt.
Wenn jemand aus dem Gefängnis entlassen wird, gebührt ihm eine Resozialisierungsmaßnahme. Wenn einer aus Hartz Vier kommt, wird ihm eine Wiedereingliederungsmaßnahme verordnet. Die Wiedereingliederung bedeutet die Eingliederung in den Ersten Arbeitsmarkt. Warum jemand aus dem Ersten Arbeitsmarkt zuvor entfernt worden war, ist völlig unklar. Sowohl die Resozialisierung als auch die Wiedereingliederung sind Maßnahmen nach einer längeren Strafdauer. Für beides ist die Voraussetzung eine gute Sozialprognose. Nur in der Art des Bewährunghelfers unterscheiden sich die Maßnahmen. Vor der tatsächlichen Eingliederung in den Ersten Arbeitsmarkt steht nämlich ein Eignungstest und eine Wesensprüfung. In der Wesensprüfung muss sich der neue Marktteilnehmer dem Arbeitgeber gegenüber als würdig erweisen, durch Leistung und Können den Bezug eines sozialversicherten transferleistungsunabhängigen für theoretisch längere Zeit zu verdienen.
Resozialisierung und Wiedereingliederung haben aber noch eine Gemeinsamkeit: Sie führen zwar zu einer relativ freien Lebensart, doch bleibet sie permanent prekär.

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FEUILLETON-KULTURBETRIEBLICHES: Schnapslager und Bücher(h)ort

Schnapslager und Bücher(h)ort

Geschichte eines Gebäudelebens

Geschichte ist die Auswertung von Erinnerungen. Die Auswertung von Erinnerungen basiert auf der Aufzeichnung von Notizen. Die Notiziare der Geschichte sind Chronisten. Die Auswerter der Chroniken sind Historiker. Chronisten notieren, was der Zeitgeist wispert, und Historiker hinterfragen später die Zeitgeistprotokolle der Chronisten. Denn wer Vieles kennt, kann Einiges vergleichen.
Und so notierten Chronisten für die Jahre 1841 bis 1846,  dass am Zierker See in Neustrelitz ein Stadthafen angelegt wurde. Damals gab es in Neustrelitz noch andere Wirtschaftszweige als den Tourismus, die einen Hafen samt Lagerhäusern, Warenkontoren und Verwaltungseinrichtungen brauchten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren es die Holzwirtschaft, der Getreidegroßhandel, die Landwirtschaft sowie Fischerei und Ziegelei, die am partiellen Wohlstand der Einen und an der partiellen Armut der Anderen Teil hatten. Bis 1865 sind drei große Speichergebäude im Auftrag von Kaufleuten als Bauherren im Hafengebiet gebaut worden. 1903 kam noch die Schüdersche dampfmühle dazu. Seit 1927 gibt es auch eine Bahnanbindung vom Hafen an das öffentliche Eisenbahnnetz, nachdem der Besitzer der Schüderschen Mühle der Bahngesellschaft sozusagen ein Wegerecht für das Gleis über seine Flurstücke eingeräumt hatte. Nach einen Zeitraum von 167 Jahren hatte der Tourismus die Vergangenheit folkloristisch übernommen. Die Ergebnisse der Fischerei werden geräuchert und vor Ort verspeist, im Hafen machen Wasserwanderer mit Hausbooten, flößen und Yachten fest, ein Speicher ist Wohnhaus, einer Hotel, einer Gastronomie mit Wohnwelt und einer der drei Speicher enthält die „Antiquariate im Speicher“. Das Gebäude mit den Antiquariaten im Speicher war Futtermittellager, Lager des Schnapsgroßhandels und enthält heute eine Möbelbörse für Gebrauchtmöbel zum kleinen Preis, eine Einrichtung für Antiquitäten aller Art und unterm Dach einen Ort für ein paar tausend Bücher von ernsthafter Bedeutung, leichter Unterhaltung bis fragwürdiger Massenware. Mit den unterschiedlichen Nutzungsarten des Speichers waren auch immer unterschiedliche Nutzerpersönlichkeiten und Besitzverhältnisse verbunden. Für die Besitzverhältnisse zwischen Hafenbau und dem Beginn des Speicherbetriebes gibt es im grundbuchamt keine Unterlagen mehr. Möglicherweise sind sie im Archiv in Schwerin gelandet. Aus den noch gefundenen Amteintragungen ergbit sich jedoch folgendes Im Kornspeicher, der heute Hotel und Rösterei beherbergt, wurde Getreide gelagert. Das war logisch, denn die Mühle befand sich gleich daneben. Das Mahlgut wurde von dort aus in den beiden anderen Speichern gelagert. Der Speicher mit der Gastronomie war Getreidelager; der Speicher mit den heutigen  Antiquariaten war zunächst Getreide-und Futtermittellager.
Im Grunde gibt es erst wieder Grundbuchaufzeichnungen aus der DDR-Zeit bis zur Wende. Und es gibt Protokolle über die Enteignung von Speicher-und Mühlenbesitzer namens Schüder. Aber Grundbucheintragungen mit dem Namen Schüder gibt es nicht. Was es gibt, stellt sich folgendermaßen dar:

Kornspeicher Zierker Nebenstraße 2:

1934-1967 Kurt Bentzin

1967-1984 Großhandelsgesellschaft Lebensmittel

1984-1989 Kombinat Großhandel Waren täglicher Bedarf alias Vier-Tore Handelsgesellschaft

Auf den Speicher, der heute die Antiquariate enthält, gibt es Aufzeichnungen aus dem Stadtarchiv, über belegen, dass die Firma Schüder der Besitzer war und 1947 enteignet wurde. Der Besitz ´wurde an den Rat der Stadt Neustrelitz, Abteilung Handel und Versorgung, übertragen.

Die Vorgänge um die Enteignung des Schüderchen Besitzes scheinen eine mehrfach konfliktreiche Familiengeschichte zu sein. In solche Geschichten haben sich Chronisten nicht ungebeten hinein zu mischen. Behutsame Anfragen sind in Vorbereitung.

 

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FEUILLETON-REZENSION: Die große Regression

Rezension „Die große Regression“

„Vorwärts zurück von der Zivilisation in die Barbarei“

 [Zeitgeist, der] könnte in einem Wörterbuch ein Stichwort sein, dem zur Erklärung die Phrase „geistige Situation der Zeit“ beigefügt wird. Die „geistige Situation der Zeit“ ist aber auch Gegenstand einer internationalen Debatte, die gerade im Suhrkamp-Verlag erschien. Der Gegenstand trägt die Überschrift „Die große Regression“. Regression ist damit der Inhalt des Zeitgeistes der Jetztzeit. Wäre auf dem Cover nicht noch das Piktogramm einer Gangschaltung eines PKWs mit einem in Alarmrot gehaltenen Rückwärtsgang würde das Wort „Regression“ wahrscheinlich nicht ausreichen, um mehr Menschen als nur Fremdwörtermeister und Fremdwörtergesellen zum Lesen zu bewegen. Die 15 Autoren der internationalen Debatte sind allesamt im Fremdworthimmel aufgewachsen. Wir hier und alle anderen auf dem kummervollen, zuweilen auch freudvollen Boden der Tatsachen müssen öfter mal im Wörterbuch nachschauen. Frei übersetzt scheint eine Regression als ein Rückwärtsgang in der Entwicklung von menschlichen Gesellschaften zu sein. Schlimmstenfalls sogar ein Rückfall von der Zivilisation in die Barbarei. Das Gegenteil wäre Fortschritt, fremdwortlich auch „Progression“ genannt.
Der Rückwärtsgang wird im Vorwort durch den Eindruck beschrieben,

„als fiele die Welt plötzlich hinter hart erkämpfte und für sicher gehaltene Standards zurück.“

zum Beispiel Frieden in Europa und ein Stück weit Wohlfahrtsstaat auch für die Angeschmierten der kapitalistischen Gesellschaften. der Rückfall kann allerdings nicht so plötzlich gekommen sein wie beschrieben. „Plötzlichkeit“ passt auf den Wintereinbruch in Moskau, von dem dann immer alle überrascht sind und deshalb nicht rechtzeitig die Straßen vom Schnee beräumen können. Politische Entwicklungen kommen schleichend und deuten sich an, aber sie sind niemals wirklich überraschend. Und man kann den Rückfall fast überall sehen:

„Man könnte die Liste der Symptome des Rückfalls fast beliebig verlängern“ (Seite 8),

und zwar so weit, bis man dahin gekommen ist, wo alles seinen Anfang nahm. Dem Vorwort zufolge begann der Rückfall der Zivilisation mit dem Beginn von Neoliberalismus und Globalisierung. Es ist fast ein politischer Treppenwitz, dass der Rückgang der Zivilisation ausgerechnet mit dem Untergang der stets verteufelten kommunistischen Idee und ihrer realen Ausformung des sozialistischen Lagers begonnen haben soll. Es ist unvermeidlich, dass bei der Datierung des Rückfalls der Zivilisation auf die zunehmende, überwunden geglaubte Gewalt verwiesen wird, die Francis Fuckyouyama in dem Buch „Das Ende der Geschichte“ nicht vorhergesehen, sondern angekündigt hat. Fuckyoyama schreibt darin, dass es mit dem Untergang des Sozialismus nur noch um die Freiheit für die Märkte gehen würde. Menschen wären in diesem System nur glückliches Humankapital, welches keine anderen Interessen hat, als Kapital zu sein und sich selbst zu rentieren. Das führt zu folgendem Ergebnis:

„Möglicherweise ist die große Regression, die sich derzeit beobachten lässt, das Ergebnis eines Zusammenwirkens von Globalisierungs –und Neoliberalismusrisiken.“

Die Texte der 15 Autoren des Buches bestätigen auf jeweils ganz eigene Art und Weise die These, dass der Neoliberalismus einerseits eine Art „Endzeitaufstellung“ für die Erringung der globalen Wirtschaftsdominanz vorbereitet und diese Vorbereitung andererseits gerade an den zunehmenden Migrationsbewegungen weltweit abgelesen werden kann. „Die fliehenden Herden in der Savanne künden von einem gewaltigen Buschbrand“, könnte man sagen.

Und es sind nicht die fliehenden Herden, die den Brand gelegt haben, und von den fliehenden Herden geht auch keinerlei Gefahr aus. Im Gegenteil. Je kosmopolitischer eine Gesellschaft von Bürgern unterschiedlicher Berufe und unterschiedlicher Einkommen ist, desto stabiler ist sie gegenüber neoliberalen Zersetzungsversuchen.

Angst vor Migration ist daher nur etwas für Leute mit nationalstaatlichen oder nationalethologischen Vorurteilen. Und beides ist ziemlich dumm.

Man sollte dieses Buch zum gesellschaftskundlichem Lesestoff jeder Abschlussklasse in den Schulen machenund auch dort anpassen, wo Schulbildung immer noch keine Selbstverständlichkeit ist.

Heinrich Gekiselberger (Hrsg), „Die große Regression“, Suhrkamp, Berlin 2017

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FEUILLETON-REZENSION: Mutter Blamage und die Brandstifter

Rezension „Mutter Blamage und die Brandstifter“

„Ehre für einen Politikstil“

 Ein Buch „will Dinge anders zeigen“, heißt es im Vorwort von „Mutter Blamage und die Brandstifter“. Das Buch versteht sich als Plädoyer für die Ablösung von Angela Merkel. Angela Merkel ist, auch wenn man das an ihren Handlungen nicht immer sieht, Bundeskanzlerin der BRD. Außerdem stammt sie aus dem Ósten, weshalb das poltische Kabarett sich mal zu dem Jux hinreißen ließ, dass die politische Schulung einer engagierten FDJ-Sekretärin der DDR durchaus als politische Grundausbildung für einen Aufstieg im Partei-und Staatsapparat des vereinten Deutschlands angerechnet werden kann. Trotz aller Unterschiede und wegen aller Ähnlichkeiten.
Der Autor des Buches heißt Stephan Hebel und war dem Klappentext zufolge „langjähriger Redakteur der Frankfurter Rundschau“. Am Text des West-Autors über die Ost-Kanzlerin fällt auf, dass er Merkels Politikstil mit Merkelismus bezeichnet. Diese Wortschöpfung entspricht einer Tradition, zu der auch die Wortschöpfungen Thatcherismus, Peronismus, Stalinismus, Marxismus, Leninismus und Maoismus gehören. Komisch am Wort Merkelismus ist aber, dass es auch ein wenig wie Merkantilismus klingt, also wie eine mittelalterliche Kaufmannsmentalität. Aber wieviele und welche Eigenschaften von Angela Merkel erlauben es, ihrem Politikstil den eigenständigen Gattungsnamen Merkelismus zu geben? Stephan Hebel schreibt:

„Merkel betreibt eine einseitig neoliberale an ökonomischen Interessen orientierte Politik.“

Das machen andere auch. Und dazu passt dann auch Merkels Begriff von der „marktwirtschaftlichen Demokratie“ statt eines ansatzweise am Gemeinwohl orientierten Begriffs „demokratische Marktwirtschaft“.

Dem Autor muss klar gewesen sein, dass er in der Wortwahl zwischen Meinung, Polemik und Analyse schwankt und keinen festen Boden findet. Da her steht im Vorwort so etwas wie die Prämisse des Autors, die er bekannt gibt, um sich erkennen und einordnen zu lassen. Denn als Neurechter will er ja nicht gelten oder mißinterpretiert werden, nur weil er Wörter benutzt, die auch die „Braunschreier“ von Afd und Co. benutzen. Stephan Hebel nennt Merkels Politik eine „Blamage“, schreibt vom „Versagen der Kanzlerin“, von „kultureller Entfremdung“, von „Politik mit Angst“ und dass „die Merkel weg muss, weil Deutschland eine echte Alternativer braucht“. Da versteht man zu gut, dass er die Gründe seiner Wortwahl vorher erläutert. Dennoch hat er große Schwierigkeiten mit der Begründung des von ihm benutzten Wortes Blamage. „Sie blamiert das Land“, schreibt er auf Seite 15. Nicht: Sie blamiert sich selbst.
Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie so direkt frage: Wie kann man ein LAND blamieren? Also einen Staat? Blamiert sich ein Werkzeug in den Händen derer, die es einsetzen? Wie heißt das Werk, an dessen Entstehung das Kleine Werkzeug Merkel eingesetzt wird? Zieht das Kleine Werkzeug Merkel nur ein paar Schräubchen an einer Maschine zur Lenkung und Beherrschung von Gesellschaften unter den Bedingungen der neoliberalen Lebensweltrealität? Angela Merkel macht, wie Hebel zutreffend auf Seite 17 schreibt, Politik als „Kanzlerin des Neoliberalismus“. Neoliberalismus wird inzwischen von vielen Autoren wahlweise als „Sozialfaschismus“, als „weicher Faschismus“, als „Faschismus neuen Typs“ oder als „kalter Faschismus“ bezeichnet. Was aber hat die METHODE FASCHISMUS mit der IDEOLOGIE NEOLIBERALISMUS gemeinsam – und kann die Ideologie Neoliberalismus überhaupt anders als mit faschistischen Methoden umgesetzt werden?

Bis Seite 58 geht es um die Blamage. Hebel fasst zusammen:

„Und deshalb kann die Diagnose nur lauten, dass diese Kanzlerin unser Land blamiert.“

Vielleicht haben „wir“ auch nur andere Vorstellungen von „unserem“ Land. Das Land, welches „wir“ uns vorstellen, gibt es vielleicht gar nicht, weil „wir“ in unserem Land gar nicht so viel zu sagen haben über Rente, Bildung, soziale Sicherheit, Umweltschutz, Gesundheitsfürsorge, Datenschutz und eine geldbeutelunabhängige Rechtssprechung, wie „wir“ gelernt haben und uns als Ideal denken. Den Neoliberalismus kann Merkel nicht blamieren, wenn sie genau dessen Vorgaben erfüllt. Gute Arbeit, Jugendfreundin.

Von Seite 43 bis 86 widmet sich der Autor der Rolle von Merkel und ihres politischen Lagers bei der Entstehung und Stärkung der „Alternative zu Rechtsstaat und Demokratie“ (AfD). In den Anfangsjahren hielten Kritiker diese Partei noch für den „radikalen Arm der FDP“. Die FDP verschwand 2013 im Parteienspektrum bei „Sonstige“. Sie hatte sich hauptsächlich auf Steuersenkung und Wettbewerb versteift. Sie dachte wohl, wenn liberal im Namen steht, muß Neoliberal modern und freiheitlich sein . Es ist aber nur die Freiheit der Sieger in einer auf Wirtschaftlichkeit reduzierten Lebenswelt. Weder FDP noch Merkels CDU hatten bedacht, dass eine Einschränkung der Kultur durch die Vorherrschaft der Ökonomie eine Beschränkung der Freiheit ist und keine Bedingung für deren Entfaltung. Autor Hebel sieht nun zwischen Merkels neoliberaler Wirtschaftsherrschaft und dem Rassismus der AfD ein Kräftepaar, das gemeinsam stark ist und wirkungslos wäre, wenn eins ohne das Andere auskommen müsste.

„Der Erfolg der AfD hat vor allem damit zu tun, dass der Merkelismus jede Kurskorrektur hin zu einer fortschrittlichen nPolitik bis heute verweigert.“ (Seite 46)

 Und so kommt eben kein sozialer Frieden zustande. Das heißt ja wohl, dass die AfD für die von rot-grün-schröder eingeleitete neoliberale Politik die Rolle des nützlichen Idioten spielt. Stephan Hebel macht dies in seinem Buch ein wenig umständlich klar, aber wenn man sich anstrengt, versteht man, was er meint.

(Stephan Hebel, „Mutter Blamage und die Brandstifter“, Westend Verlag, Frankfurt an der Börse, 2017)

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BARON VON FEDER: Machen Sie sich schon mal frei

„Machen Sie sich schon mal frei“

 

Tragen Sie schwer? Drückt Ihnen was auf die Atmung? Sie waren gewiss lange nicht mehr im Freien, nicht wahr? Hat man Ihnen die Freiheit auf Grundlage eines Gesetzes beschränkt? Wird Ihre Freiheit durch Arbeit beschränkt? Oder durch Nichtarbeit? Seit wann haben Sie denn diese Beschwerden? Was, solange schon? Und Sie haben das noch niemandem erzählt? Das sollten Sie aber tun. Ja, Globalisierung. Wissen Sie noch, als der Begriff auftauchte, da gab es ein Buch über die Angst vor der Globalisierung. Es hieß „Der Terror der Ökonomie“. Es hatte im Untertitel die Frage: Müssen wir uns vor der Globalisierung fürchten? Es war ein naives Buch, gemessen an der tatsächlichen Entwicklung seit seinem Erscheinen 1997. Aber immerhin: Ein Buch. Und die harte Antwort auf die von Viviane Forrester vor 20 Jahren gestellte Frage heißt: Ja. Die Luft, die Sie atmen, ist nicht mehr frei, denn der Gebührenzähler tickt, wenn Sie das Haus verlassen. Eine Kur? Wohin soll ich Sie schicken? Gibt es noch Nischen oder Urlaub vom neoliberalisierten Kapitalismus? Wissen Sie eigentlich, mit wessen Geld die Krankenkassen Ihre Freiatmungskuren bezahlen müssten? genau, mit dem Geld der neoliberalen Anleger. Das ist so, als würde Innenminister Thomas de Maiziere der Afd Geld geben, damit die ihre Parteitätigkeit finanzieren kann. Verzeihen Sie bitte. Ich wollte Sie nicht mit der AfD vergleichen. Das haben Sie nicht verdient.
Machen Sie sich mal frei. ich will Sie mal abhören. Nein, keine Sorge, nicht so wie die einschlägigen Scharlatane. Ich will nur hören, ob Ihr Herz noch menschlich schlägt. Dann könnten Sie sich der Sportgymnastikgruppe „Aufrechter Gang“ anschließen. Und eine Gruppe unterkriegen, die sich vom Druck befreit, das kann auch der Neoliberalismus nicht. Worauf warten Sie? machen Sie sich frei.

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für den Mai 2017 ist da

Liebe  Leserinnen, liebe Leser, das neue Flugblatt für den Monat Mai ist da. Die Arbeit an der Juniausgabe hat schon begonnen.

Das Flugblatt 115-01-05-2017 neues Layout

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Gruppe 20: Freuen

Freuen
=====

Gründe, die zum Freuen führen
kann man jeden Tag verspüren.
Die Missgunst dann vergleicht die Gründe
und redet schlecht. Welch eine Sünde.

Die Freude, die im Mitmensch summt,
führt dazu, dass der Neider brummt,
und sucht, ob er nicht etwas findet,
was im Andern Trauer zündet.

Wenn Freude man im andern sieht,
ists Freude, die einem selbst passiert.

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BARON VON FEDER: Arsch der Welt ist auch eine Personenbezeichnung

BARON VON FEDER

„Arsch der Welt ist auch eine Personenbezeichnung“

Anus Mundi ist frivoles Latein für den Begriff „Arsch der Welt“. Diesen Beinamen tragen verlassene, aufgegebene, unbewohnbare oder trostlose Orte. Zuweilen passt er auch auf Personen, die es in der Geschichte zum Arsch gebracht haben. Neulich war an einer Hauswand der vom Wetter fast ausgeblichene Rest einer Huldigung zu sehen. Sie zeigte das Konterfei einer nicht auf Anhieb identifizierbaren männlichen Person, das Datum 17. August 1987 und die Parole „Mord verjährt nie“.

 

 

Ach du Scheiße, entfuhrs mir später beim Nachschauen in Büchern. Ich hatte nicht gewusst, dass die Parole kackbraun und das Konterfei einem am 17. August 1987 verstorbenen Gesäßantlitz aus der Nazizeit gehörte. Nazigeschmier an einer Hauswand sieht im Anblick einer Stadt aus wie eine umgestoßene Mülltonne, um deren Dreckbeseitigung sich keiner kümmert.

Ein paar Straßen weiter hatten Kinder die Dreckbeseitigung auf ihre Weise in die Hände genommen. Sie hatten ein Plakat zum sauber halten der Stadt gemalt.

 

 

Unter diese Aussage gehört das Bild von der Hauswand. Dann verbleicht der Rest im Licht der Menschlichkeit.

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