Das Flugblatt

FEUILLETON-REZENSION:09.04.2020
Deep Green Resistance
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FEUILLETON-REZENSION 11.02.2020
Krieg im 21. Jahrhundert
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BARON VON FEDER 09.03.2020
Abhängig vom Einkommen
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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: 03.12.2019
Flugblatt Dezember 2019 fertig.. .WEITER
Tagesbemerkungen: 28.08.2019 Bundeswehr-
Sichtbarkeitskampagne. Heute: Patenbrigaden
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Redaktionsmitteilungen: 23.08.2019 Das Flugblatt
erhält ein neues Design….WEITER
Redaktionsmitteilungen: 14.10.2019 Miezerich ist
ermächtigt zu erklären …. WEITER
Zeitgeist: 31.08.2019 Warum man publizistische
Beliebigkeit erzeugt…..WEITER
Kulturbetriebliches: Mit leisen Tönen gegen
lautes Säbelrasseln..…WEITER

Baron von Feder
Gruppe 20: 13.10.2019 “Des Drachens grauer Atem”…. WEITER
Auf einen Blick ….WEITER

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FEUILLETON-REZENSION: Der Themenspiegel

FEUILLETON-REZENSION

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„Der Themenspiegel“

Irgendwo war mal ein politischer Gefangener, dem sie aus der Morgenzeitung alles rausgeschnitten hatten, woraus der Gefangene Rückschlüsse auf die tatsächlichen Gegebenheiten ziehen konnte. Denn was ihm zu Lesen übrig gelassen wurde, empfand der Gefangene als Lüge. Mit deser Zeitung, die sie ihm gaben, wuchs die Zahl der heraus geschnittenen Textstellen. Durch die Mottenlöcher im grauen Vorhang der Propaganda fingerten sich die Lichtstrahlen der Wahrheit. Sie sagten: „Die Fakten kennen wir auch nicht, aber wir erkennen, was nicht stimmen kann.“ Da dachte der Gefangene: „Jede Aussage läßt immer etwas weg, was sie nicht aussagt.“ Müde gähnte die Philosophie.

Welche Informationen kann man aus einer weglassenden Zeitung entnehmen? Dem Gefangenen wurden alle Informationen aus der Zeitung weggeschnitten, die ihn in seiner Einstellung hätten bestätigen können. Drin gelassen in der Zeitung hatte „Das Regime“ in der Persona seiner zuständigen Aufsichtsbehörden nur die eigenen Lobhudeleien und Selbstbeweihräucherungen. Das war ein noch ziemlich plumpes Informationsblasenmanagement, welches dem politischen Gefangenen im Orte Irgendwo zur Zeit Irgendwann zugemutet wurde. Immerhin konnte er auch in Gefangenschaft wahrnehmen, dass sich im Lager aich Kriegsgefangene befanden. Ohne mit ihnen sprechen zu können, konnte der Gefangene habe die Beobachtungen über Kriegsgefangene mit den weggelassenen Stellen der Zeitung ergleichen. Je mehr die Zeitung wegließ, desto mehr ahnte der Gefangene, dass die Amis von Wesen und die Russen von Osten immer dichter an die Reichshauptstadt gerückt waren. Anekdoten sagen, dass es sich bei dem Gefangenen um den aus Hamburg stammenden KPD-Politiker Ernst Thälmann handeln.

Heutzutage brauchen Proppagandisten, Manipulateure und Ideologen keine Zensurbehörde mehr. Heute reichen: Multiplikatoren und Follower. Follower sind sozusagen die Nachfolger der Multiplikatoren, die es zu Anfang des Internets gab, wo Webseitenbetreiber aus Mangel an selbstrecherchierten Geschichten Pressemitteilugnen von Vereinen, Verbänden, Unternehmern oder Künstlern ungeprüft übernahmen. „Hofberichterstattung“ war das. Die Themenvielfalt begann ziemlich schnell zurück zu gehen wie der Schnee in Alpen, das Eis an den Polen, der Wald, wenn die Firma TESLA Platz für eine Autofabrik braucht oder Dörfer, wenn die Braunkohlebagger ihre Schaufeln an den Gemarkungsgrenzen anzusetzen beginnen. Multiplikatoren hießen bei Kritikern Nachplapperer; bei Followern sind Bezeichnung und Kritikbegriff ein und dassaelbe Wort: Follower. Jemandem zu folgen sollte das deutsche Beispiel zu denken geben. Führer befiehl, wir folgen dir. Campaign, rufe auf – wir unterschreiben jede Petition, auch die, die nur Eure Eigeninteressen widerspiegeln.

In den sozialen Medien findet fast jeder Schmitt genug Leute, die mitten mit, mit dem Schmitt ziehen wollen, wohin auch immer. Kennen Sie das schöne Liedchen von Kurt Tucholsky: „Und denn alle wieder mit, mitten Schmitt mitten mit, und denn alle wieder mit, mitten Schmitt“?

Früher hatte nur der was zu sagen, der entweder Experte war oder Verantwortungsträger. So begrüßenswert das recht auf Meinungsäiußerung ist: Für das, was man sagen will, braucht man eine gewisse Kompetenz. Die Polit-Praktikanten der AfD zum Beispiel haben keine gesellschaftliche Kompetenz und sollten solange die Klappe halten, bis sie fachliches Wissen erworben haben. Ein Student im ersten Semester kann auch nicht die Tatsache, dass er den Professor nicht versteht, dazu heranziehen, dieses Unverständnis als Fehler des Professors darzustellen. („Der Prof. ist ungeeignet für sein Fachgebiet, denn er redet unverständlich“)

Womit das Thema Corona erreicht wäre. Es sagen viele etwas: Virologen äußern sich zum Forschungsstand, Gesundheitsbehörden haben öffentliche-rechtliche Aufträge und müssen nun Maßnahmen ersinnen, die helfen, das ein Gleichungssystem mit sieben Unbekannten kein Unheil anrichtet. Das Problem: Die Maßnahmen müssen eventuell schneller da sein als das Gleichungssystem gelöst ist. Da ist ein bisschen „Glücksspiel“ mit dabei. Bei einer nicht streng mathematischen Stichprobe zeigte sich signifikant häufig, dass These A und These B gar nicht den gleichen Aspekt eines komplexen Zustands betrafen, sondern verschiedene. Was aber blieb bei Informationswilligen hängen: einer sagt so, der andere so, und keiner sieht mehr durch. (siehe hierzu „Gespräch mit einer nachrechnden Leserin“)

Entweder ist eine Nichterforschung auf dem Niveau heillosen Geschnatters verantwortungsloser Wahnsinn, oder der Wahnsinn hat Methode, und diese Methode heißt wie immer und auch am Beispiel der herausgeschnittenen Informationen in der Zeitung, die der Gefangene lesen durfte, Manipulation. Manipulation hat durch die Vorarbeiten von Kommunikationswissenschaften, PR-Journalismus, Campagnenjournalismus nun in den Möglichkeiten der Sozialen Medien eine Wirkungsmöglichkeit erreicht, die selbst das früher hilfreiche Lesen zwischen den Zeilen erschwert. Es hilft nichts:Um Manipulationsabsichten zu erkennen, muss man Texte auseinander nehmen. Kommt Wertung und Behauptung samt Handlungsaufforderung ohne Herleitung durch den Text daher, dann erkennen Sie meistens eine Campagne, welche sie aufforert, jetzt zu spenden, weil die Regierung eine unverantwortliche Entscheidung getroffen hat, die das Gemeinwohl gefährdet. So oder ähnlich klingen diese Sätze, und jetzt wollen Sie zu Recht Beispiele lesen:

Campact 30.5.2020:

Schweinehaltung in engen Kastenständen – das ist Tierquälerei. Agrarministerin Julia Klöckner will die furchtbaren Gitter-Boxen für weitere 17 (!) Jahre erlauben. Die Grünen können das im Bundesrat verhindern – leider denken sie aber über einen schlechten Kompromiss nach. Bitte unterzeichnen Sie jetzt unseren Appell! Die Öko-Partei darf nicht still und heimlich weiteres Tierleid ermöglichen.

Lobbycontrol 28.5.2020

Wir haben eine Chance, Merkel und Altmaier jetzt zum Ziehen der Notbremse zu bewegen. Denn auch innerhalb der Bundesregierung rumort es. Und sogar innerhalb des traditionell besonders autofreundlichen Kanzleramts macht sich Unbehagen breit: Das Kuscheln mit der Lieblingslobby könnte eine Grenze überschreiten, die besser unangetastet bliebe. Sagen wir es klar und deutlich: Ja, die Grenze ist überschritten!

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TAGESBEMERKUNGEN: 29.5.20020 Das Alibi vom Friseur

„Das Alibi vom Friseur“

Quelle: Wahrnehmungen aus dem Alltag

Am 29. Mai war Freitag und Geld auf dem Konto. „Wie schön“, dachte der Kopf, „da lass ich mich gleich wieder schick machen um Omme rum.

Das ging auch ganz gut. Waschen, Schermachine, Wolle runter, kurz mal Augen zukneifen, als die kahle Stelle am Hinterkopf unverschämt breit in die Gegend glitzerte. Seis drum: wo der Verstand wächst, weichen die Haare. So gesehen ist Kahlstellenbildung besser als wenn die Denkermurmel auf dem Hals wild zugewuchert wird.

Noch friedlich eingelullt von den Händen der Friseuse, die so wohlig die Kopfhaut massiert hatte, machte sich der Kopf bereit, die Zahlung der 18 Euro zuzulassen. doch noch vor dem Geld wollten sie dort im Laden Name und Anschrift des Kunden haben, der zu dem Kopf gehörte. Der Kopf wog ab und nannte dann Name, Straße und Hausnummer. Immerhin fragte keiner nach Handy-Daten oder Festnetztelefonnnummer.

Wie einfach wird in Zukunft die Arbeit der Kriminalpolizei: Wenn was ist prüft der Kommissar nur die Registrierungseintragungen. Dazu müssen alle mitmachen, auch Kaufhallen, Bäcker, Schreibwarenläden, Sparkassen, Busfahrer. Für Züge gehört ja schon seit Jahren die Ausstellung personengebundener Fahrkarten eingeführt – ein Wunder, wie lange die sich dem Trend schon entziehen können.

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für Juni ist fertig

Kiebe Leserinnen, liebe Leser, mit stilsicherer Feder ist wieder ein zum Teil scharf geschliffenes Flugblatt fertig geworden. Viel Spaß beim Lesen.

Beste Grüße

Hannes Nagel

und hier kommt der Link zum Blatt:

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TAGESBEMERKUNGEN: Sonntag, 24.Mai, Thema Arbeit

“Arbeit ist das Angebot des Könnens an den gesellschaftlichen Nutzen. Wo aber das Geld denkt, erkennt der gesellschaftliche Nutzen nicht die ihn erhaltende Bedeutung des Könnens von jedem Einzelnen Mitglied der Gesellschaft”

(Gerade gelesen an einer Hauswandbeschriftung)

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Baron von Feder: Lächelnde Bilanz

BARON VON FEDER

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„Lächelnde Bilanz“

Wenn Geister der Vergangenheit
der Gegenwart die Kräfte rauben,
sich wähnend als Unwägbarkeit,
und sie sagen, dass die Trauben

die deines Geistesstrebens Ziel sind
du niemals kriegst, und du sollst glauben
du bleibst ein nichts gewordnes Kind –

Dann wolln sie Dir die Ernte neiden
Du sollst die Lust zur Mühe meiden
indem die Geister krächzend schrein:
Das schaffst Du NIE -lass es doch sein –

dann lächel. Sprich mit Sprache klar
was längst schon auszusprechen war:

„Ich habe mehr geschafft, als Ihr
jemals könnt zerstören mir.

Das unterdrückte Selbstvertrauen
wird sich auch jetzt noch neu aufbauen.“

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FEUILLETON-ZEITGEIST: Zeitgeist und Geschichte beim Nachmittagstee

FEUILLETON-ZEITGEIST

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„Zeitgeist und Geschichte beim Nachmittagstee“

Die Geschichte hatte die Nase voll. Viele Tausende Jahre hatte sie Nachsicht mit den Menschen geübt. Denn sie besaßen doch die Fähigkeit zur Vernunft und zur Erkenntnis: Literatur und Kunst, Aufklärung und Philosophie, und sie kannten auch die dreistufige Entwicklung der Vernunft aus Emotionalität über die Tugend hin zur Rationalität. Sie müssten doch, dachte die Geschichte, alles gelernt haben, um als mündige Mitglieder einer Gesellschaft ihre Gesellschaft vernunftgemäß mit Lust und Leidenschaft zu verwalten und zu gestalten.

Als die Geschichte das Refugium des Zeitgeistes erreichte, stoppte sie. „Zeitgeist, bis du da?“, fragte sie. „Jaa“, schnaufte der Zeitgeist, denn er hatte sich mit den neuesten Beschwerden der Spötter am Handlungsrepertoire des Politikpersonals befasst und sie in einem Anfall von Ärger in den Papierkorb geworfen. Nun brauchte er sie wieder. Der Zeitgeist war ja auch nicht mehr der Jüngste, genauso wenig wie die Geschichte. Sie waren sozusagen ein älteres Direktorenpaar einer menschlichen Bildungseinrichtung, deren Motto Goethe mal für ein kurzes, beinahe nur hinskizziertes Schauspiel benutzt hatte. „Es bildet ein Talent sich in der Stille, sich ein Charakter erst im Sturm der Zeit“. Die Geschichte schaute auf den Zeitgeist. „Deine Weste ist verrutscht“, sagte sie und zupfte am Bund der Weste und am Kragen des Hemdes. Dann betrachtete sie ihr Werk: „Siehst gut aus für dein Alter“, sagte die Geschichte. Der Zeitgeist grinste. „Dir sieht man deines gar nicht an, nur die Filigranität deiner Erfahrungen, welche….“ Mitten in den Satz hinein lachte die Geschichte, und der Zeitgeist lachte mit. „Willst du einen Tee nehmen?“, fragte der Zeitgeist. „Ja gerne“, sagte die Geschichte, „aber bitte mit Sanddornlikör.“ „Dann nehmen wir den Tee aber im Garten“, schlug der Zeitgeist vor. „Oh ja“, stimmte die Geschichte zu, „dann können wir im Sonnenschein auf einer Bank sitzen und unser abgeschlossenes Lebenswerk betrachten“, sagte die Geschichte. „Unser Lebenswerk ist nie abgeschlossen“, tadelte der Zeitgeist milde. Die Geschichte lachte. „Hegel würde sich ein Loch in die Socken freuen“, sagte sie. Der Zeitgeist sagte: „Apropos Hegel. Wie hieß noch mal der vergleichsweise junge Mann, der Politikprofessor in Amerika war und meinte, die Menschheitsentwicklung sei mit dem Untergang von Ostblock und Sozialismus an ihrem Ende angekommen?“ Die Geschichte versuchte sich zu erinnern. „Irgendwas mit Fuck You“, murmelte sie. Dann hatte sie es: „Fukuyama, Francis Fukuyama. Und das Buch hieß „Das Ende der Geschichte“. „Ach, liebe Geschichte, da hat der Professor schon beim Titel Schwachsinn verfasst. Is ja ne Blasphemie gegen dich.“ „Na so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Denn Blaspemien und andere Schmähungen – da stehen wir doch drüber, was, Zeitgeist, wir stehen doch drüber, oder?“ Der Zeitgeist nickte bedächtig. Blasphemien, Schmähungen: sowas gabs tatsächlich. Manchmal wurden sogar die besten Ideen und edelsten Gedanken verlacht und Geschmäht. „Blaspemien und Schmähungen gibt es wirklich. Das Darüberstehn ist bisweilen schwer“, sagte der Zeitgeist, „aber hier möchte ich mal gerne Gandhi zitieren: „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“

Dann zupfte er an seinem Strohhut und anschließend an der Fliege, die er trug, weil er keine Krawatten mochte. „Dabei gab es im 17. Jahrhundert Fächerartig um den Hals gebundene Tücher, die richtig elegant aussahen. deren Ursprung manche in Kroatien sehen, woraus dann sprachgeschichtlich auch der Ausdruck „Krawatte“ abgeleitet wurde. Kroatien heißt in der Landesprache Hvratska. Das H hört man nicht. Der Teil, den man sofort hört, hört sich nach vrat an, und mit ein bisschen linguistischer Fantasie kommt von von vrat auf kravat und somit auf die Krawatte.“, dozierte der Zeitgeist. Die Geschichte lauschte andächtig in ihren Erinnerungen. „Moment, moment“, sagte die Geschichte, „lieber Zeitgeist, du bist grad ein wenig schnell mit Deinen Zeitsprüngen. Wie kommst du jetzt von den Schmähungen zu den Kravatten?“ „Da gibts keinen Zusammenhang, jedenfalls keinen kausalen.“ „Ach?“ sagte die Geschichte. Aufmerksam kam sie näher. Dinge aus ihrem Fachbereich, wenn sie zeitlich zusammenfielen, interessierten sie sehr. „Haben die Kravatten historische Bedeutung?“, fragte die Geschichte. „Liebe Geschichte, wenn die Abfolge des Geschehens kausal wäre, dann würde doch gar nicht alles passieren können. Dann würde doch nur passieren, was Ursache und Wirkung ist. Aber es passieren in einem Zeitabschnitt immer so viele Dinge, von denen manche gar nichts miteinander zu tun haben. Und von zwei Dingen, die nichts miteinander zu tun haben, kann eines nicht die Ursache des Andern sein.“ „Den kenn ich, lieber Zeitgeist, der hieß Baruch Spinoza. Mit dem hab ich auch mal Tee getrunken.“ Die Geschichte und der Zeitgeist kuckten sich an. Die Geschichte forschend, der Zeitgeist verständnislos, bis sie beide lachten. „Und weißt du was, wenn ich dem Spinoza nicht Zitrone in den Tee getan hätte, dann wäre seine Darstellung der Ethik nach der geometrischen Methode nie fertig geworden.“ „Ja, liebe Geschichte, so sind es mal wieder die Unwägbarkeiten, die selbst unseren Plänen einen ungewissen Ausgang bereiten.“ „Duhuu, Zeitgeist? Wolln wir mal kucken, was wir können? Wolln wir mal kucken, obs wieder eine kleine Unwägbarkeit gibt, die den Gang der Dinge entscheidet? Wolln wir mal die Menschen auf die Idee bringen, einen Kongress der Weltanschauungen abzuhalten, wo sie sich aus unserem Wirken wie von einem üppigen Geistesbüffett bedienen und ihren Verstand vor dem Sodbrennen ihrer ständigen Kriege bewahren? Denn eins sag ich Dir, lieber Zeitgeist: es gibt keinen gerechten Krieg – ich hab ihn nicht vorgesehen – und Konflikte kann man auch anders lösen. Oder wie dein famoser Gandhi sagt: Der Schmerz, den ich Dir zufüge, verletzt mich selbst viel mehr.“

„Liebste Geschichte – ja, die Unwägbarkeit. Mir isses so, als kenne ich einen, der Fontane mag. Der macht aber nur mit, wenn er sich nicht instrumentalisiert fühlt. Die Unwägbarkeit, die wir suchen, muss jemand sein, dessen Herzensbedürfnis es ist, übrigbleibende Wege zu finden, wenn die Hauptkräfte der Entwicklung ex Kathedra festlegen, dass es zwei Wege gibt, und tertium non datur.

„Hach, lieber Zeitgeist, wenn am Ende rauskommt, dass der Erfolg jeglichen Streben davon abhängt, dass niemand in fremden Hamsterrädern Rollen spielen muss, die nicht mit den eigenen Wohlfühlmomenten überein stimmen, dann wird das Tun der Leute im Laufe der Zeit und der Sammlung von Geist in dieser Zeit dazu führen, dass die Menschheit mit der Schöpfung klüger umgeht.“

„Boah, liebste Geschichte, was für ein epochales Statement. Wenns uns nicht gäbe, keine Geschichte und keinen Zeitgeist, dann gäbs auch keine Hoffnung da unten.“

An die kleine Unwägbarkeit des Schöpfers dachten sie in diesem Moment gar nicht.

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TAGESBEMERKUNG: Die Nichtstörer-App

Mein Computer hat mir gerade mitgeteilt, dass er meiner Nichtstörerliste eine neue Nichtstörer-App hinzugefügt hat.

Das finde ich komisch. Ich führe keine Nichtstörer-Liste. Und ich möchte nicht ohne mein Wissen eine App zugefügt bekommen, von der ich nicht erfahre, was sie tut oder wozu sie fähig ist.

Besonders dann, wenn die App durch meine Ablehnung – nur mal angenommen – so richtig böse, grantig oder fies wird wie die NSA oder Marc Zuckerberg persönlich.

Ich fühle mich von einer unaufgefordert an mich heran tretenden Nichtstörer-App gestört.

Und es soll doch bitte kein Brauner den Frieden stören. Näheres unter Wagner, “Der Ritt der Walküren”

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für Mai ist fertig

Es lebe der Erste Mai. Das Flugblatt ist fertig.

Hier kommt es:

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Tagesbemerkungen: Berufswunsch Mauerspecht

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TAGESBEMERKUNGEN: Wenn Spenden eingeklagt werden

Manchmal gibt’s es kuriose Dinge. Spenden zum Beispiel. Hochedel ist es, wenn Hartz-Vier-Opfer sich für einen Sozialverband mühsam sechs Euro im Monat vom Munde absparen und dann zum Zahlen verdonnnert werden sollen, weil das Geld vorne und hinten nicht reicht, und von irgendetwas will ja auch ein Hartz-Vier-Opfer leben.

Ein erster Anruf beim Verband stieß noch auf Verständnis: Die Spenden wurden zurück gebrucht, eine Wiederaufnahme in Aussicht gestellt, sobald sich die Lage gebessert haben würde. Sie besserte sich nicht, und der Verein buchte munter weiter ab. Rückbuchung folgte auf dem Fuße – neuerliche Anrufversuche gingen ins Leere. Und dann mahnte der Verein mit Mahngebühren seinen Spendenbezug ein.

Sachen gibt’s. Und andre sind nicht viel besser.

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