FEUILLETON-KULTURBETRIEBLICHES: Autoren, Leser und Verleger

„Autoren. Leser und Verleger“

Vom 1.bis 3. Oktober können sich Leser und Bücher in Ahrenshoop begegnen. Zirka 25 Verlage zeigen Lesbare und Betrachtbares, Wissenswertes und Experimentelles – und alles hat mit Druck, Satz, Bild, Text sowie der Region im Norden zu tun, als deren Literaturhaupstadt Ahrenshoop einmal im Jahr auftritt. In aller Bescheidenheit voller verdienter Strahlkraft. Das Licht und der Scheffel, Sie verstehen?

Einige Autoren werden wieder aus ihren Büchern lesen. Für Furchtlose ist ein Ostseekrimi aus dem Hinstorff-Verlag dabei.
Neu ist an den diesjährigen Literaturtagen ein verändertes Ambiente und das Wagnis, Facebook als Bekanntmachungsplattform zu benutzen. Die bedeutende Literaturmesse des Nordens findet in diesem Jahr schon zum 16. mal statt. Noch 9 Jahre, und sie lebt ein Vierteljahrhundert als Treffpunkt von Autoren, Lesern und Verlegern.

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ZUEIGNUNG: Bewahre Geduld und behüte den Frieden

 „Bewahre Geduld und behüte den Frieden“

Nichts scheint im Augenblick schwieriger und notwendiger zu sein als die Geduld zu bewahren und den Frieden zu behüten. Unter den führenden Kriegstreiberstaaten der Welt ist Nordkorea zum begehrten Zankapfel geworden – und der pausbäckige Zankapfel macht kräftig mit. Die Meinungsmacher in Print-und Onlinemedien immer mitten mang. Wo gehs lang? Da gehts lang:

UNO-Generalsekretär Antnio Guterres verglich die Lage mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs.

„Wenn man sicn die Geschichte des ersten Weltkriegs anschaut, passierte alles Schritt für Schritt. Die eine Partei tat dieses, die andere reagierte mit jenem, und plötzlich stellten alle fest: Wir sind im Krieg“.

Wäre der Satz nicht vom UNO-Generalsekretär gesprochen worden, hätte Spiegel Online ihn wegen Banalität nicht von der ARD weiterzitiert. Damals 1914 stellte der deutsche Kaiser verblüfft fest: „Mitten im Frieden überfällt uns der Feind“. Genauer wäre gewesen: Mitten im Frieden überfallen WIR den Feind.“ Das ist die sich aufdrängende Gedankenverbindung, die eben auch bei der Banalität des Generalsekretärs aufhorchen lässt. Wer wird wen zum Anfang drängen, und wem schiebt man nachher die ganze Verantwortung zu? Die Vorstellung beklemmt die Menschen, deren Sorglosigkeit schon seit Jahren durch emsiges Kriegstreiben mittels sozialer Spaltungen dahin ist wie die Jahre der Kultur, als der Erste Weltkrieg Wirklichkeit wurde.

Wenn man von der Lage alle Schuldzuweisungen wegläßt, bleibt nur noch die reale Kriegsgefahr übrig. Schuldzuweisungen im Spannungsvorfeld bewirken also gar nichts, sondern heizen die Lage noch an. Den Toten und Traumatisierten ist es sicher ziemlich egal, welche Knallkopfbande sie in Elend, Gram und Trauer reißt. Wenn aber die Knallköppe vom Kriegskurs abgehalten werden können, in dem jeder einzelnen von ihnen das Gefühl vermittelt wird, ihnen gebührt Lob Dank und Ehre für die Erhaltung des Friedens, dann könnte das Säbelgerassel verstummen. Frieden ist immer eine gemeinsame Sache.

Aber während Guterres warnt, hält Russland das Manöver SAPAD ab. SAPAD heißt Westen. JUG (süden), WOSTOK (Osten) oder SEWER (Norden) wären auch nicht besser. DOMA (zu Hause) wäre ideal. Für alle. Die hitzigen Knallköpfe des Westens bleiben aber nicht zu Hause, sondern üben ihrerseits Russlands Vorsprung im hybriden Krieg, mit dem eben mal demonstrativ exemplarisch am Beispiel Ukraine gezeigt wurde, was alles geht, aufzuholen. Darum hält der Westen die militärischen und verteidigungspolitischen Lehrveranstaltungen EU CYBRID 2017 und EU PACE 2017 ab.

Alle sind sie außer Rand und Band, Und wer behütet den Frieden?

Wir.

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FOTO UND DOKUMENTATION: Waschbär im Baume

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BARON VON FEDER: Briefe vom Arbeitsmarkt (September 2017)

BARON VON FEDER

„Briefe vom Arbeitsmarkt (September 2017)“

Liebe Gefährtinnen und Gefährten aus der Hartz-Vier-Klasse,

der rosige Glanz der Arbeit bekommt Flecken. Sie vergrößern sich, wenn man versucht, sie wegzureiben. Sie beunruhigen. Ihre Verursacher sind Kunden. Es gibt welche mit unglaublich ungezogenen Ansprüchen und Erwartungen. Und es gibt sie überall: bei gutsituierten Familien, wo Mutti anruft und sagt; „Hörnse mal, mein Sohn muss in einer halben Stunde zum Springreiten und sein Smartphone kann grad kein Youtube. Also sehnse mal zu was sie können, sonst beschwer ich mich über Sie.“ Warum braucht man zum Springreiten Youtube? Madame sagten dann wenigstens noch, dass das Handy gar kein Internet konnte. Madame sollten bloß einen einen Internetzugangspunkt eintragen und anschließend neu starten. „Jaja is gut, ich sag meinem Lebensgefährten, dass er sich kümmern soll.“ Der arme Kerl tut mir immer noch leid. So eine Giftschrulle, furchtbar, wa? Aber es kommt noch schlimmer: Es gibt Kunden die surfen im Internet rum, kucken Videos und wundern sich dann dass ihr monatlich gekauftes Datenvolumen weg ist. Neukauf? Nein, sie wollens geschenkt, weil: „Es kann ja nicht sein, dass man in zwei Tagen drei Gigabyte verbraucht.“ Doch, kann sein. Ist aber nicht nachweisbar. Niemand kann sagen, von wann bis wann von welcher Seite Daten geladen wurden und wieviel. Nicht mal die Schnüffler von Mesiramis Drohne können das, obwohl sies gerne könnten. Und wenn man fünf beleidigende Trolls hinternander in der Leitung hatte, wird auch das dickste Fell dünn. Zu DDR-Zeiten müssen sich die Verkäufer im Konsum oder der HO so gefühlt haben, wenn sie das Gekeife der Kunden abbekamen, die zu dumm oder zu ungewillt waren, Zusammenhänge der Misswirtschaft zu erkennen. Aber wenn man dann einen Kunden Jahrgang 1935 hat, der sich am Handy ausprobiert, weil er mit den Enkeln mithalten will, und der müht sich ehrlich ab, dann freut sich das Herz wenn man helfen kann und singt Goethe: „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir am End erlösen.“

Haltet durch

Euer Baron von Feder

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GRUPPE 20: Paradox

Paradox

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Wenn einer, der beim Wählen fehlt

trotz Schweigens doch als Stimme zählt,

und einer ist mit Leiten dran

und muss nicht zeigen, dass ers kann,

und jenen soll man dann ertragen

statt elegant Adieu zu sagen,

dann wünscht man sich es wär ein Schulschiff

die Regierung, Und es sorgt für Rundschliff.

Eine Stammcrew zum Befähigungsdrill

für den, der Führungspositionen will.

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für September 2017 ist da

Liebe Leserinnen, liebe Leser, das neue Flugblatt ist fertig und die die Arbeit am Flugblatt ist im Gange. Zur Zeit sieht die Lage erfreulicher aus als vor ein paar Monaten, als seitens Arbeitsamt die Möglichkeit verhindert wurde, eine Liquiditätsbasis aufzubauen. Vorsichtig ausgedrückt; Wenn es so weitergeht, ist es tatsächlich möglich, so eine kleine Zeitung wie das Flugblatt mit Hilfe einer Tagelöhnerei und ein paar Verkäufen von Büchern bzw Printausgaben des Blattes zu betreiben. Das fühlt sich schöner an als die Bettelei um Spenden. Wenn es also so weiter geht, bleibt Ihnen das Flugblatt erhalten. Und hier kpmmt es für den September:

Das Flugblatt 119-01-09-2017 neues Layout

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FOTO UND DOKUMENTATION: Evakuierung und Rückkehr zur Arbeit

Am 28. August mussten die Angestellten eines Betriebsgebäudes wegen eines Bombenalarms im Untergeschoss in der Kaufhalle mitten in der Arbeit das Haus verlassen. Auf der anderen Straßenseite blieben sie dann stehen un d warteten. Wenige Minuten später konnte jeder an den Arbeitsplatz zurück. Telefonteilnehmer waren immer noch in der Leitung.

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ZUEIGNUNG: Stimmen hallen in den Ohren

„Stimmen hallen in den Ohren“

Unter den Wolken scheint die Dummheit unendlich groß. Poltiker bestätigen und toppen selbst die erbärmlichsten Witze aus der untersten Schublade, die nachts im Schutze des Alkoholnebels entstehen und meist gar nicht mehr das Tageslicht erblicken, denn die Gnade des Vergessens nahm sie auf und schenkte ihnen die Weisheit des Schweigens. Heute agiert die Dummheit hemmungslos dort, wo sie sich sonst verschämt umgeschaut hätte. Und am 24. September sind Wahlen. Am Ende wird es eine Regierung geben, in der viele Empörkömmlinge das für sie höchste Maß der Inkompetenz erreichen werden. In Deutschland scheint dies die VIVA-Regel zu sein: Verteidigung, Inneres, Verkehr und Auswärtiges. Das sind Ressorts, für deren Besetzung kein Mensch mit Kompetenz zu sehen ist.Sie eignen sich nicht einmal für intelligente politische Witze. Über zankende Kinder auf dem Spielplatz witzelt man ja auch nicht.

Aber irgendwie und sowieso gibt es immer was zu lächeln. A bissel was geht immer.

PS: Man kann auch dafür sorgen, dass der Klang abgegebener Stimmen in den Ohren hallt. Mit Monatsbeurteilungen der Erkorenen einer Legislaturperiode. Also Minister mal 12 Monate mal 4 ist gleich Summe der Texte zur Beobachtung und Bewertung von Klang und Tun.

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FEUILLETON-ZEITGEIST: Bittners Ergänzungen

Feuilleton-Zeitgeist

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„Bittners Ergänzungen“

 Ein Kommentar zur dritten Auflage von „Die Eroberung Europas durch die USA“

 Offenbar ist es der Ungeist der Zeit, der Wolfgang Bittner genötigt hat, seinen mahnenden Dauerbrenner „Die Eroberung Europas durch die USA“ nach dem zweiten Teil bereits eine dritte ergänzende Neuauflage hinzu zu fügen. Scheinbar kann man zur Zeit gar nicht so viel Friedenserhaltendes schreiben, wie angesichts der säbelrasselnden Zeit nötig wäre. Und dennoch: Was sein muss, muss sein. Sonst tanzen uns die zwei Nuklearschlöcher aus Nordkorea und USA noch weiter auf der Nase herum. Bittners dritte Ergänzung befasst sich mit dem Unterschied zwischen Hillary Clinton, die Russland am liebsten sofort angegriffen hätte, und Donald Trump, der mit Putin gut Freund sein will. Angesichts dieser Vergleichsspekulation ist noch ein Vierter Band von „Die Eroberung europas durch die USA“ nötig. Donald Trump ist ja nicht schon deshalb ein Friedensfürst, weil er Korea vernichten aber Russland lieben will. Von China ganz zu schweigen. Wenn Bitter jedes Jahr ein Update seines Buches heraus bringt, könnten die Leser sich ein Bild von schwankenden, wechselnden Konstellationen machen. Nichts ist in der Politik erhellender als die unterschiede in der Bewertung der Ereignisse. Das Gerede von gestern und das Tun von heute ist Geschichtsforschung vom Feinsten. Kein Reden, kein Tun von politisch Verantwortlichen darf vergessen werden. Und es kann eben auch sein, dass einer von sich das Bild eines Geradlinigen Friedensfürsten malt, und in Wahrheit bestimmt der Wind den Kurs seiner Handlungen.

(Wolfgang Bittner, „Die Eroberung Europas durch die USA“, Westend-Verlag, Frankfurt 2017)

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FEUILLETON-REZENSION: Das Lübecker Komplott

Rezension „Das Komplott von Lübeck“

„Verleger und Autor finden eine Leiche“

 Vor ziemlich genau zwei Jahren machte der Hinstorff-Verlag mit der Reihe Ostseekrimi eine Idee seines Autors Frank Goyke wahr. Goyke hatte nämlich dem Verlag gesagt, er könne einen Krimi schreiben, in welchem der mecklenburgische Heimatdichter Fritz Reuter als die Person mit dem kriminalisierenden Spürsinn auftritt, die in jedem Krimi die Handlungst reibende Substanzhefe sind. Die Idee gelang. 2015 erschien „Doppelmord“ – und Fritz Reuter mittenmang. im Geschehen. Damals sollte er eigentlich „Kein Hüsung“ schreiben, aber Suff und Neugier hielten ihn ab. Zwei Jahre später erschien Reuters zweiter Fall. Darin soll Reuter eigntlich „Ut de Franzosentid“ schreiben, aber Suff und Neugier halten ihn ab. Immerhin treiben Gattin Lovise und Verleger Carl Hinstorff den notorisch schreibfaulen Autor an, sich dem dem Kriminalisieren auch dem Schreiben zu widmen. Die Gattin sorgt mit Rationierung ihrer Gunstbezeigungen für einen reduzierten Alkoholkonsum von Fritz Reuter, und von Carl Hinstorff hängt es ab, ob Reuters Lebenswerk als Gesamtausgabe erscheinen kann.

Damit ist der äußere Rahmen des Krimis abgesteckt. Eine Fülle weiterer historisch-zeitgenössischer Gestalten sind schmückendes Beiwerk zu der Handlung, die damit beginnt, dass Verleger und Autor im Verhandlungsgespräch wandeln und dabei eine Leiche im Dassower See finden. Der See gehört zum Lübecker Staatsterritorium, das Ufer zu Mecklenburg, und die Leiche hat eine grenzüberschreitende Auffindungsposition eingenommen. Meckelnburg ist zuerst da, schnappt sich die Leiche und beginnt zu untersuchen. Dann kommt Lübeck und legt hanseatisch breit eigene Rechts-und Zuständigkeitsansprüche dar, und wie Goyke das Kompetenzgerangel beschreibt, ist einfach köstlich.

Stilistisch köstlich geht es im ganzen folgenden Text weiter. En passant entsteht ein Sittenbild kleinstaatlicher Alltagsgeschichte, eine Beschreibung von zeitgenössisch tagesaktuellen Aufgaben und Vorhaben der Wirtschaftsentwicklung in rückständigen agrarischen Gebieten und eine saubere Beschreibung der dadurch auftretenden Konflikte. Frank Goyke taucht ein in die Geschichte von Kleinstaaterei, Industrialisierung, Piefigkeit, Fortschritt und Bürgerlichkeit, ohne sich je darin zu verlieren. Wenn Goyke mündlich so erzählt wie er schreibt, dann kann er Leute zum Lesen begeistern, die sonst nicht lesen. Und er schafft es, Lust auf Fritz Reuter und Mecklenburgica zu machen. Das ist eine großartige Leistung.

(Frank Goyke, „Das Lübecker Komplott“, Hinstorff, Rostock 2017)

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