Das Flugblatt

Redaktionsmitteilungen: 22.09.2019
Das Flugblatt für Oktober ist fertig
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Tagesbemerkungen:18.und 19.09.2019
Von Ursachen, Aha-Effekten und einer
Lernausstellung…..WEITER

Tagesbemerkungen 07.09.2019
Mutmachen zum Mitmachen
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Tagesbemerkungen: 03.09.2019 Arbeitsamt
verbietet Brief und Telefon.. .WEITER
Tagesbemerkungen: 28.08.2019 Bundeswehr-
Sichtbarkeitskampagne. Heute: Patenbrigaden
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Redaktionsmitteilungen: 23.08.2019 Das Flugblatt
erhält ein neues Design….WEITER
Redaktionsmitteilungen: 25.08.2019 Das September-
Flugblatt ist fertig …. WEITER
Zeitgeist: 31.08.2019 Warum man publizistische
Beliebigkeit erzeugt…..WEITER
Kulturbetriebliches: Mit leisen Tönen gegen
lautes Säbelrasseln..…WEITER

Baron von Feder
Gruppe 20: 24.08.2019 “Pecunia non olet”…. WEITER
Auf einen Blick ….WEITER

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REDAKTIONSMITTEILUNG: Das Flugblatt für Oktober ist fertig

Das Oktoberflugblatt ist ein Grund zur Freude für die Redaktion und die Leser hoffentlich auch. Denn diese Ausgabe ist ein Jubiläum. Am 22.Oktober 2009 ging diese Webseite online, und am 1. April 2010 kam das erste Flugblatt als PDF heraus. Wir sind bereit, weiter zu machen.

Hier kommt das neue Flugblatt:

http://hannesnagel.de/wp-content/uploads/2019/09/Das-Flugblatt-Nummer-145-01-10-2019-Kopie.pdf

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TAGESBEMERKUNGEN: Von Ursachen, Aha-Effekten und einer Lernausstellung

URSACHEN

Am 18. September verschüttete ein Reisender seinen Kaffee über die Hand, als er zur Bahn eilte. “Schmeckt er nicht?”, fragte ein anderer Reisender, der froh war, so früh am Morgen schon zu solchen Scherzen aufgelegt zu sein. Der Andere sagte: “Weiß nicht, hab ja nicht probieren können”.

“Heute ist aber auch alles schiefgegangen. Alles hektisch, die Hälfte vergessen, und Lust auf die Fahrt hab ich auch nicht. Viel zu weit. Aber muss ja. Manchmal möchte ich alles hinschmeißen können. Aber ich hab vier Kinder zu ernähren, da muss ich nach der Arbeit greifen, die meine Kinder bezahlt. Ich KÖNNTE alles hinschmeißen, Tu es aber nicht wegen der Kinder. Ich mach einen Scheißjob. Ich bin Programmierer. Die ganze Technik ödet mich an. Aber ich habs nun mal gelernt, und es wird bezahlt. “

DAHER also. Liebe gestresste User, überforderte Nutzer von Internet und Handy, liebe Alle, die ihr zum Bücherlesen nicht erst eine APP runterladen wollt, JETZT weiß ich, warum Druckertreiber zum Teil nur vom Fachmann installiert werden können, warum man für Windows Publisher eine extra Registrierung braucht, die nicht erkannt wird und daher nicht funktioniert : Weil es viele Programmierer gibt, die ihren Job hassen. Aber sie müssen ihn tun, um die Kinder zu versorgen.

AHA-EFFEKTE

In Erfurt vorm Hauptbahnhof war eine Art Volksfest, es hatte mit Kindertag zu tun. Jemand machte Seifenblasen, und ein Polizist hüpfte lachend in die Höhe, als wolle er Luftblasen erhaschen. “Hält fit”, sagte er . Leider wollte er sich nicht fotografieren lassen. Aber dennoch war die Situation friedlich. Der Eispanzer der Reserviertheit gegenüber Uniformen schwand. Und das st der Anfang des inneren Friedens.

LERNAUSSTELLUNG

Das Haus der Weimarer Republik gegenüber vom Nationaltheater Weimar beherbergte früher das Bauhausmuseum. Jetzt ist dort der Anfang zu einer aktiven Lernausstellung gemacht. Denn aus der Geschichte lernen ist nach Ansicht von Geschichtsberatern unvermeidlich, wenn man Dinge vermeiden will, die schon mal eine Demokratie zerstört hatten und anschließend noch Kultur und Geistesleben in Europa.

Haus der Weimarer Republik. Wenn der Anbau fertig ist, soll ein Dokumentationszentrum, Vortragsräume und Bildungsmöglichkeiten für alle hinzukommen
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FEUILLETON-KULTURBETRIEBLICHES: “Mit leisen Tönen lautes Säbelrasseln stoppen”

FEUILLETON-KULTURBETRIEBLICHES

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„Mit leisen Tönen lautes Säbelrasseln stoppen“

Wenn man auf Proportionalrelationen steht, könnten Krysztof Daletzkis Friedens-und Schöpfungslieder als „musikalische Punktsetzung” zu Claus von Wagner und Max Uthoffs ebenfalls punktgenauem Kabarett „Die Anstalt“ bezeichnet werden.

Gerade hat der Künstler eine CD mit 12 Liedern heraus gebracht und auch einen Zusammenschnitt auf der Internet-Plattform „youtube“ veröffentlicht. In der Zusammenfassung heißen die Titel „Ein Durakkord schiene mir Übermut“.

Zwei der Titel findet der Sänger besonders wichtig:

Ein Zusammenstellung von Kriegsanfangslügen

und dann eine satirische Analyse, sozusagen eine Analysatire, über die NATO-Zielvorgabe von zwei Prozent des Staatshaushalts für die Kosten des Säbelrasselns:

Die Lieder klingen, als wolle einer mit den Mitteln der Kunst den allgegenwärtigen Trommlern des Säbelrasselns den Marsch blasen.

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Tagesbemerkungen: 10.09.2019 Bahnsteigwartegespräch bei Zugverspätung

„Begriffe die dasselbe meinen“

Quelle: Bahnsteigwartegespräch bei Zugverspätung

Neulich kam der Zug nicht und das Gepäck war zu schwer, um nochmal auf einen Kaffee zurück ins Bahnhofsgebäude zu gehen. Entweder man blieb bei seinem Gepäck und bekam keinen Kaffee oder man ging weg von dem Fleck und dann wär der Koffer weg. Wenn man keinen Kaffee hat und ohne Kaffee auf sein Gepäck aufpassen muss, wird man redselig. Der andere auf dem Bahnsteig fing an.
„Scheisse mal wieder“, stellte er tiefsinnig fest.
„Da sagen Sie was“, antwortete ich höflich.
„Überall wird geklaut. Man kann seine Augen gar nicht überall haben.“

„Nee?“

„Nee.“

Kleine Pause. Dann er:

„Ich hab gestern zwei Krimis hinternander gesehen. Einen Bullenruf ausm Osten und dann eine Hamburger Serie von heute. Wissen Sie, was mir aufgefallen ist?“

„Nee. Was denn?“

„Im Osten hiess es Abschnittsbevollmächtigter und im heutigen Gesamtwesten heisst es Kontaktbereichsbeamter“

„Gesamtwesten? Wo kommt denn den DAS Wort her?“

„Weiß ich nich. Hab ich mal gehört.“
„Samtwesten kenn ich. Is was für ganz feine Herren.“
„So dürften wir uns heute beide nicht fühlen.“
„Wirklich feine Herren strahlen Feinheit auch noch dann aus, wenn sie bis zum Hals im Dreck stehen.“
„Das ist gut. Den merk ich mir fürs Arbeitsamt.“

„Mir ist übrigens auch ein Begriffspaar aufgefallen: Agitation und Motivation.“
„Oder Propaganda und Kommunikation“
„Was war nun ehrlicher?“

„Wie Ehrlichkeit? Glauben Sie, irgendwo ist noch Ehrlichkeit?“

„Achtung Reisende, der verspätete Zug hat Einfahrt auf Gleis 12“

„DAS zumindest scheint zu stimmen.“

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Tagesbemerkungen: Mutmachen zum Mitmachen

„Mutmachen zum Mitmachen“

Quelle: eigenes Nachdenken 07.September 2019

Noch bin ich kein „aufgehörter Schriftsteller.“ Als solchen fühlte sich einer der Prägestempel, die meinen Stil und meine Themen beeinflussten. Gerade heute erst sagte mir jemand: „Wenn man Ihnen redet, beim Bäcker oder so, dann hat man gleich wieder Mut“. Mut fordert Anschluss an andre Mutige. Aber nicht an Übermütige. Mut hat verschiedene Richtungen, aber ein Ziel. Mut ist sozusagen die Meinungsvielfalt, deren Bewusstsein der Angst vor der gesellschaftlichen Fehlentwicklung durch die Radikalisierung der Arbeitsagenturen und Jobcenter sowie den Falschflaggenseglern der AfD abbaut, die sich als bürgerlich bezeichnen Sie sind es nicht. Sie sind die radikalisierte fünfte Kolonne des neoliberalen Sozialfaschismus, der Niedriglohnsektor, Hartz-Vier-Elend und Altersarmut wissentlich Nicht umsonst heißt AfD auch „Alternative zu Rechtsstaat und Demokratie“. Alternativ gab es schon mal Konzentrationslager und einen Reichsarbeitsdienst. Wo sind eigentlich all die Gruppen und Inititaiven, die immer nur gegen Nazis sind, aber nie sagen, wofür, mit wem und wodurch? Solange alle Häuptling sein wollen und es keine einfachen Indianer mehr gibt, nützt der Mut nicht, um eine Einheit zum Mitmachen für ein bedingungsloses Grundeinkommen, einem gemeinwohlorientierten Gesundheitswesen ohne Wettbewerbsdruck und einer nützlich-sinnvollen Arbeitswelt zu schaffen. Welche Schwierigkeiten gibt es, die dem inneren Schweinehund seinen Teufelsdienst für die weitere neoliberale Entmündigung der Indianer durch ein paar Häuptlinge zu ermöglichen, die sich wie Pfauen spreizen?

Das Arbeitsamt hat angeordnet, ich soll da nie wieder anrufen oder Briefe schreiben, sondern persönlich vorsprechen. Wohlan. Sie sollen täglich damit rechnen, dass ich unerwartet bei ihnen erscheine. Sie werden es so gewollt haben.

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FEUILLETON-REZENSION: Lebensbahnen

FEUILLETON-REZENSION

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„Lebensbahnen“

Voraussichtlich im Frühjahr erscheint im Musenverlag das biographische Doppelporträt von Anatol Fabulirowitsch Poet und Nikolaus von Lemberg-Kolovratsky. Redaktionsmitarbeiter Baron von Feder hatte schon seit längerem Spuren und Andeutungen des deutsch-polnischen bzw. polnisch-litauischen Kollegen gesammelt und verfolgt, um nun die erste Doppelbiographie vorzulegen. Dabei stieß er auf die methodische Anwendung der Theorie vom Luftzug zwischen zwei Zeitfenstern, durch die es möglich wurde, Ort-und zeitdiagramme samt biographischen Momentanangaben zum Alter aller für ein Ereignis relevanter Personen übersichtlich in einer Zeitstrahl-Alter-Handlungstopographie darzustellen. Auf einen Blick erkennt man darin, wer außer dem Protagonisten an einem bestimmten Datum oder einem bestimmten Jahr oder einem von zwei Jahresangaben bestimmten Zeitfenster an einem bestimmten Ort war und welches Alter, welchen Beruf, welche Funktion jeder von ihnen innehatte. Insbesondere kann man aus diesen Diagrammen ablesen, wer mit wem persönlich bekannt war und wer sich gegebenenfalls auf wen bezieht, um einer Ansicht, einer Beschreibung oder einer verallgemeinerten Aussage Nachdruck zu verleihen.

Im Detail stellt Baron von Feder die Lebensbahnen seiner Protagonisten wie folgt dar:

Ausser einem Nachlass, der wie vorbereitet für kommende Forscher gestaltet ist, gibt es fast nichts und zugleich eine Fülle von Lebensereignissen, die die Biographie von Anatol Fabulirowitsch Poet prägen. Wenn man bedenkt, dass Anatol Fabulirowitsch Poet nur 77 Jahre alt wurde, so macht die Summe der prägenden Lebensereignisse für den Dichter, Wanderer, Tagelöhner und Liebesfreund im Durchschnitt drei Jahresereignisse zwischen seinem 16. Lebensjahr und dem Jahr seines Sterbens aus. Diese Zahl, so ergaben die Berechnungen des ersten Biographen Anatol Fabulirowitsch Poets, Nikolaus von Lemberg-Kolovratsky, betrug 183. Er hat sie alle in seinem Essay „Lebensbahnen“ zusammengefasst.
Lemberg-Kolovratsky kam den Forschungen von Feders zufolge 1825 am 21. Mai in Lemberg zur Welt. Die Geburt verlief unruhig, weil während des Gebärvorganges militärische Reiterabteilungen die Alte Poststraße entlang nach Westen zogen, wo sie der zeitgenösischen Propaganda zufolge „Blümchen pflücken mit den Österreichern“ wollten. Zugleich ritten Leute aus dem Westen die Alte Postraße entlang, die ganz im Sinne einer Heilserwartung illusorische Erwartungen an ihr Ostlandabenteuer knüpften. Frivolin von Feder leitet daraus ab, dass „Ostlandabenteuer mit klirrendem Schwert“ immer misslingen. Seines Dafürhaltens wäre eine weltbürgerliche Handels-und Kulturgemeinschaft im Sinne Immanuel Kants und Gotthold Ephraim Lessings eine gelegentlich mal in Erwägung zu ziehende Bildungsübung. Von Feder bezieht sich bei Kant auf den „Dritten Definitivartikel zum ewigen Frieden“: „Das Weltbürgerrecht soll auf die Bedingungen der allgemeinen Hospitalität eingeschränkt sein“
Die Allgemeine Hospitalität bedeutet Gastfreundschaft gegenüber jedem auf der Grundlage des „Gebens und Nehmens“, also eines Austausches von Wissen, Können und Kultur. Denn niemand hat a priori alles, so dass ihm ein anderer unnütz sei. So interpretiert von Feder den Dritten Definitivartikel. Den Bezug zu Lessing stellt von Feder klassisch mit dem Bezug auf die Ringparabel in dem Drama „Nathan der Weise“ her: „Es eifre jeder seiner unbestochnen, von Vorurteilen freien Liebe nach“.
Anatol Fabulirowitsch Poet und Nikolaus von Lemberg-Kolovratsky kannten sich nicht persönlich. Am 16.12.1809 starb Anatol Fabulirowitsch Poet in dem gleichen Dorf, wo er 77 Jahre zuvor zu Welt kam. Sein literarisches Werk umfasst den Gedichtband „Ganz & gar vernymphtig“, die Erzählungen „Murmeln in der Hosentasche“ und „Das Fabulantenfloss“ sowie die Tagebuchsammlung „Texte fürs große Brimborium“. Nikolaus von Lmberg-Kolovratsy starb 1913 im Alter von 88 Jahren. Sein Lebenswerk umfasst vor allem die Poet-Biographie „Lebensbahnen“ und die Geschichtstheorie „Zeitfenster und Zeitzeugen“. Mit dieser Theorie wollte Lemberg-Kolovratsky zeigen, ob und wie gut sich Menschen kennen, die durch ganz bestimmte Zeitfenster blicken. Vor allem wollte er zeigen, wen die Zeitzeugen hätten sehen müssen. Soweit der Forschung bekannt ist, hat Nikolaus von Lemberg-Kolovratsky einen Band mit 99 Gedichten geschrieben. Die Gedichtsammlung hat er im Selbstverlag 1892 unter dem Titel „Sternenlieder“ veröffentlicht. Eines enthält die berühmt gewordenen Zeilen:

„Wenn Zeit dem Raum am Ende der Geraden
auf sanft geschwungner Bogenbahn begegnet
dann trifft die 47 auf die 7 nach Dekaden
weil die sakrale Mitte alle beide segnet.“

Zwischen dem Tod des Einen und der Geburt des Andern befand sich ein 16 Jahre offenes Fenster, durch welches der Forscher Frivolin Schelm von Feder blickte, um den Nachlass des Einen und die Konstellation der Eltern des Anderen zu beobachten. Er trug alle ihm bekannt gewordenen Quellen für Werk und Treiben seiner Protagonisten zusammen und verband sie mit der Überleitungsmetapher von der Zugluft zwischen zwei geöffneten Fenster. Das erste Fenster ist jenes von Anatol Fabulirowitsch Poet. Von 1732 bis 1809 reichte es. Je mehr sich der Forscher nach Ortsmarken und Zeitzeichen umsah, desto näher kam er seinem zweiten Protagonisten Nikolaus von Lemberg-Kolovratsky. Für Frivolin Baron Schelm von Feder fühlte es sich an, als befände er sich in einer Sternwarte und würde mit einem Fernrohr die jeweiligen Lebensläufe der beiden Dichter verfolgen.

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Tagesbemerkungen: Rückkehr zur Informationsverbreitung ohne Internet

„Rückkehr zur Informationsverbreitung ohne Internet“

Quelle: eigenes Nachdenken 05.September 2019

Auf Chroniken muss man vertrauen können. Vertrauen entstand bisher immer durch fachliche Eignung, welche auch Kompetenz genannt wurde. Vertrauen wurde bisher immer dadurch missbraucht, dass renommierte kompetente Experten an kurzfristiger politischer Umdeutung historischer Ereignisse mitwirkten oder von vornherein eine kurzfristige Deutung vorgaben. Die schönste deutsprachige Erzaählung zu dem Thema der Geschichtsschreibung stammt von dem Schriftsteller Stefan Heym und heisst „Der König-David-Bericht“. In der Geschichte wird ein Historiker beauftragt („kompetenter Experte“), mit den Möglichkeiten der Geschichtsforschung (Akten, Urkunden, Zeitungsarchiven, Zeitzeugengesprächen) zunächst mal die unzähligen Ereignisse im Zeitfenster der zu erforschenden Entwicklungsphase eines Staates und seiner Gesellschaft zu sammeln und dann zu entscheiden, welche Ereignisse für den Zeitraum charakteristisch waren und also erwähnt werden müssen, und welche Bedeutung dann dem Rest zukommt. Zur der Zeit, als Stefan Heyms Geschichte handelt, wurde Geschriebenes auf Tontafeln und Papyros festgehalten. Was „in Stein gemeisselt“ ist, kann man nicht so einfach ändern wie Eintragungen in Wikipedia mit ein paar Befehlen an den Computer.Zumal diese Änderungen teils auch von inkompetenten Laien vorgenommen werden. Und selbst dann, wenn fachleute an Texten begründete Änderungen vorzunehmen wünschen, sollen sie nicht einfach die Vorlagen streichen und ihre vermeintlichen Verbesserungen an deren Stelle setzen.

Denn es gibt ein Publikum für Chroniken, welches aus Menschen besteht, die die Faktensammlungen der Experten benutzen möchten, um informiert zu sein und ihre eigenen Beobachtungen deuten zu können. Sie möchten auch, wenn sie etwas vergessen haben, beim Nachlesen wiederfinden, was sie suchten, und nicht plötzlich feststellen, dass bewusst erlebte Episoden einer historischen Situation in die fussnoten verschoben wurden oder mangels Beleg oder aus Erwähnungsdesinteresse gar nicht mehr auftreten.

Es beginnt damit, dass viele Blogs und Zeitungen zwar gelesen werden, ihre Texteder Allgmeinheit zugeführt werden, aber keine Zitierung mehr stattfindet. Quellen sind korrekt zu zitieren. Auch wenn man die Quelle nicht mag. Animositäten gehören zu Werbeagenturen, aber nicht in die Geschichtsschreibung. Denn sonst bleib den Chronisten nur, außerhalb des Internet zu publizieren und zur Verbreitung der Texte reitende Boten einzusetzen.

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TAGESBEMERKUNGEN: Arbeitsamt verbietet Brief und Telefon

„Arbeitsamt verbietet Brief und Telefon“

Quelle: Erfahrung 03.September 2019

Wenn Arbeitsämter wollen, kriegen sie auch folgenden Unsinn durch: Jede Abwesenheit vom „Kommandanturbereich“ ist mündlich und persönlich beim Sachbearbeiter vorzutragen. Auch Schwer-und Gehbehinderten ist die persönliche Vorsprache zuzumuten. Denn das Amt müsse sich durch den Augenschein davon überzeugen, wie der gesundheitliche Zustand Amtsopfer ist. Anrufen oder Briefe sind nicht zulässig. Denn jede postalische Verspätung wird schuldhaft dem Hartz-Vier-Opfer angelastet.

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FEUILLETON-ZEITGEIST: “Warum man publizistische Beliebigkeit erzeugt”

FEUILLETON-ZEITGEIST

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„Warum man publizistische Beliebigkeit erzeugt“

Unbehaglich fühlt sich die klassische Öffentlichkeitsarbeit im Zeitalter der Social Media. Es ist nicht mehr so einfach, eine führende Meinung aufzubauen und durchzuhalten, wenn man nicht mehr gleichzeitig der Hohepriester seiner eigenen Firmenideologie oder Produktideologie ist. Woher nehmen aber die „Notizzettel am Schwarzen Brett“ in ihrer digitalen Form solche Wirkungskraft, dass Leser eine zum Teil auch haarsträubenden Behauptung auf Youtube oder Twitter eher glauben als den Nachrichten, der gewohnten Tageszeitung oder den „üblichen Experten“, die man bisher immer befragen konnte und so beruhigende Antworten bekam, dass „zu keiner Zeit Menschenleben in Gefahr waren“ oder „niemand irgendeine niederträchtige Absicht hegt“. Man könnte meinen, die Medien seien spezielle Bataillone moderner Informations-Kampfeinheiten. Bisher suchen sie noch nach ihren taktischen Einsatzmöglichkeiten. Sie glauben die Aufgabe darin gefunden zu haben, solange lauter zu schreien als der andere, um möglichst alle Infos in der Masse untergehen zu lassen. Denn im Gemenge mit anderen wirkt keine Information. Perlen unter einem Haufen Müll zu finden ist schwer. Wunderbar für Leute, die mit der Wahrheit lügen können, wie Militärs, Immobilienspekulanten und Politiker, die zugleich mit einem öffentlichen Amt Geschäftsleute sind. Man kann mit der Wahrheit lügen, indem man man sie einerseits sagt, andererseits dafür sorgt, dass sie keiner hört. Im Fernsehen zeigt man solche Inhalte erst von Ein Uhr 15 bis Ein Uhr 45. Und man schreibts nicht in die Programmzeitung. Wer es verpasst, hätte sich ja ans Grundgesetz halten können:

„Art 5. (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

An die Stelle der Informationen treten Stimmungen. Stimmungen sind stärker als Worte. Sie sind so stark wie Bilder. Sie dringen an der Kritik vorbei und lähmen die Vernunft. Jedenfalls für einen Moment. Stimmungen zielen auf die Leidenschaften und die Mobilisierung des Handelns im Affekt. Im Affekt werden Asylhotels angezündet, Autos umgekippt, Hochsitze angesägt, Steine auf Demos geworfen und Molotowcocktails eingesetzt. Durch publizistische Beliebigkeit kann man für jeden Affekt die kritische Macht der notwendigen Mitläufer erzeugen. Mit den Sozialen Medien wird die Stimmungserzeugung immer einfacher. Würden sie ein Bildungswerkzeug kritischer Vernunft werden, würden sie wirklich eine Gefahr für die derzeitigen Entwicklungstrrends werden. Gefahren? Bildung gefähdet die Dummheit. Aber die Dummheit steht bei den Inhabern politscher und wirtschaftlicher Macht unter Artenschutz. Von Menschen dumm und arm zu halten, träumen immer schon die Machtgewalten.

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FEUILLETON-KULTURBETRIEBLICHES

FEUILLETON-KULTURBETRIEBLICHES

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„Der Textmaschinenkrieg“

Wer von den großen Technikfirmen der Computerbranche an Spracherkennungssoftware, Künstlicher Intelligenz und Texten, die von Überschrift bis Fussnote ohne menschlichen Autor auskommen, forscht, hat bestimmt noch niemand aufgelistet. In Workshops, Weiterbildungen, Lehrgängen und Gesprächen mit Journalistenkollegen inklusive der Spezialrichtung Public Relation, Marketing und Webseitenoptimierung (Onlinejournalismus) wird aber vielfach die Ansicht vertreten, dass das Brqanchenklima rauh und brutal, der Markt hart umkämpft und das Ziel der Entwicklung Herstellung lukrativer Medieninhlate auch ohne Menschen ist. Mag sein, dass dieser wandel im Journalismus nur ein Wandel der Arbeitswelt durch den Wandel der Produktionskultur ist. Die Erfindung des Buchdrucks bis hin zu den

Massenmedien war auch so eine alles mitreißende kulturelle Umwälzung. Als dann das Lesen eine Massenfähigkeit wurde und kein Bildungsprivileg mehr war, begann der Trend, den Lesefähigen nur noch ungefährliche Texte zum Lesen zu geben. Der Trend hält sich immer noch. Er treibt neue und größere Blüten in der modernen Medienwelt. Gefährlich ist an den Texten nichts mehr. Die meisten gefährden nicht einmal mehr die Dummheit, weil Aufklärung, Bildung und Humanismus spätestens seit der Spassgesellschaft der 80er und 90er Jahre des 20. Jahrhunderts aus dem nach geistiger Bildung und moralischer Reife strebenden Bürgern neoliberale Egoisten gemacht hat. Darum ist aus Suchmaschinen kein bibliothekarischer Indexapparat geworden, mit dem die Bücher eines Themas rasch zusammengestellt und gründlich durchgearbeitet werden können, sondern ein Schubfach, in den alles hinein gefegt wird, was auf der Schreibtischplatte abgelegt wird. Was gefunden werden soll, ist das, was Suchmaschinenoptimierer für ihre Kunden als Auffindungswert betrachten, und darum findet man manchmal absurde Kaufangebote bei Amazon. Zum Beispiel ist Weltfrieden käuflich und in zwei Tagen lieferbar. Da kann die NATO einpacken.

Es herrscht ein Krieg auf der Leiter des Sumaschinenrankings, bei dem jeder den vor ihm runterschubsen will um selbst oben zu stehen. Ein Artikel auf SZ Online befasste sich mit den möglichen Auswirkungen der Suchmaschinenoptimierung in Verbindung mit künstlicher Intelligenz. Die Gefahr bestehe darin, dass man nicht mehr erkennen kann, was der gefundene Artikel mit der Suche zu tun hat. Ist er relevant oder den Lesern untergejubelt? Was fehlt? Wer sein Wissen auf Wikipedia beschränkt, zum Beispiel, wird bald ziemlich verloren dastehen, wenn das Lexikon schweigt wie eine Behörde, die keine Information ins Freie lassen will.

(siehe auch „Spam auf Steroiden“, Süddeutsche Zeitung., Datum unbekannt)

Falls die entwicklung gefährlich ist, so wird sie erst dann gefährlich, wenn die Entwickluung vom Profit aus Sumaschinenoptimierung zur politischen Waffe um Wahrheit, Geschichte, Schuld und Manipulation wird.

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