Quergedachtes: In Zukunft Sozialfaschismus

Quergedachtes

Mittwoch, 24. März. 2010

Autor: Hannes Nagel

In Zukunft Sozialfaschismus

Kürzlich betraten alte Worte in neuen Zusammenhängen den öffentlichen Raum. Sie hielten sich hauptsächlich im Medienwinkel auf, so dass sie sie hauptsächlich von den Medien wahrgenommen wurden. Zuerst äußerte ein Wissenschaftler in der FAZ ein paar Gedanken über Hartz Vier und Hartz-Vier-Opfer. Sie waren, dem Ungeist der Zeit gehorchend, entsprechend menschlich im Duktus. Dann wurde noch etwas geplaudert in der Medienecke, wobei man peinlich bemüht war, die Äußerung nicht zu ernst zu nehmen. Aber einer im Medienwinkel namens Telepolis machte doch den Mund auf. Und da steht nun seit dem 16. März ein bitterböses Wort im Raum. „Klassenhygiene“ heisst es.

He, habt Ihr das gehört, Ihr Gruppen in den anderen Winkeln des Öffentlichen Raumes? „Klasseneugenik“ hat Telepolis gesagt. Frau Knobloch, können Sie mal herüber kommen, wir brauchen Ihren Rat. Der in der FAZ schlug vor, Geld für Arbeitslose auf fünf Jahre zu begrenzen. Ein paar Zitate: „Eine demographische Zukunft haben nur die Bildungsfernen“. Dumm kopuliert halt gern, wissen Sie, die kennen zwar das Wort nicht, aber man muss ja dabei auch nicht reden, nicht wahr. Und weil die einen kopulieren und keine Rücksicht auf den demographischen Wandel nehmen, werden die Kinder nicht mehr „den hohen Qualifikationsanforderungen der High-Tech-Gesellschaft“ gewachsen sein. Meint der Wissenschaftler, der in der FAZ was geschrieben hat. Besser: abgeschrieben hat, nämlich bei einem anderen Herrn, der aus England kommt, aber den gleichen Beruf zu haben scheint wie der Wissenschaftler. Auf den bezieht sich der aus Deutschland, und nun sagte er das im Medienwinkel des öffentlichen Raumes. Jetzt kommt ein Beispiel für Gesprächskultur in Deutschland, wo zuhören und verstehen im Einklang mit voreiligen Interpretationen stehen. Also wurde aus „Sozialhilfe auf fünf Jahre beschränken“ die Überschrift „Das unwerte Hartz-Vier-Leben“. (gemeint war, dass Inhaber eines H 4 – Lebens wertlose Menschen sind, unwerte Esser, im Gegensatz zu den Leistungsträgern mit dem Weltreisemännchen an der Spitze)

Klassenhygienik, Klasseneugenik. Wann wird das Wort ausmerzen wieder salonfähig? Und ist das ganze nicht eine Art „Sozialfaschismus“? Und wie kann der verhindert werden?

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