…liebe Leserinnen und Leser, hier ist es schon:
BARON VON FEDER
„Briefe vom Arbeitsmarkt (Oktober 2017)“
Liebe Gefährtinnen und Gefährten aus der Hartz-Vier-Klasse, langsam verstehe ich Menschen, die nach der Arbeit zu müde zum Lesen sind oder sonst ihr gesellschaftliches Interesse verlieren. Wenn die dann aber mehr denken und spüren als ich habe ich verschämt das Gefühl, im innersten zu versagen. Und dann hör ich die Teufel vom Arbeitsamt singen, weil sie meinen, sie könnten über einen Entkkömmling triumphieren, von dem sie mit der Sicherheit der hierfür geschaffenen Gesetze glauben, in jederzeit wieder dahin zu bringen, wo ihr, liebe Gefährtinnen und Gefährtinnen, nur bittere Tränen als Würze zum kargen Mahl habt. Soll sich jeder wirklich nur für sich selbst anstrengen und die Möglichkeiten aus den Augen verlieren des andern Last zu tragen? Aber liebe Gefährtinnen und Gefährten, wenn das so ist, hab ich was falsch gemacht.
Liebe Gefährtinnen und Gefährten, ich habe trotz allem etwas sparen können. Wollen wir zwischen Weihnachten und Silvester oder gar von Weihnachten bis Silvester mehrere Gastmahle feiern? Einmal Frühstück in Form von „Brunch“, einmal Mittag, einmal zum Abend und ein Knabberbuffet mit Obst und so? Silvester als Stil-Vester? Mit auswärtiger Übernachtung? Ich wünsch es mir sehr, denn frei ist man nur in der Gesellschaft von Freien. Der Markt, selbst wenn er geordnet ist, ist kein Ort der Freiheit. Man wird jederzeit darauf hingewiesen, dass man sehr viel zu verlieren hat, wenn man die Regeln nicht einhält. Der Eintrittspreis erwies sich als Beitragsgebühr zwischen zwei möglichen aufeinander folgenden Kündigungsterminen. Das gilt auch für solche Marktteilnehmer, die es von der Marktbude zum Ladengeschäft gebracht haben. Das Fundament der Freundlichkeit ist hier das Mißtrauen, und so ist sie dann wohl auch zu bewerten. Man kann nur sich selber trauen. Allen andern darf man nichts sagen, was als Schwäche ausgelegt werden kann. Und so bleiben auch fröhliche und kollegiale Momente der Anerkennung am Ende etwas oberflächlich. Die Mindestverweildauer auf dem Markt muss so groß sein, dass man vom Ersparten ein Jahr lang leben kann, ohne wieder in die Hartz-Vier-Knechtschaft zurück gezwungen zu werden. Unterstützung erfährt man solange, wie man berechtigte Hoffnungen auf weitere Brauchbarkeit weckt. Aber die muss ehrlich sein. Ein Bluff auf dem Markt ist etwas für Teilnehmer, die bluffen können. ich habe das nie gelernt und will es auch nicht. Denn bluffen passt nicht zum ehrlichen Arbeitsethos, welches als Ziel noch den Nutzen der Gemeinschaften zun Wohle aller und der Gastfreundschaft kennt. Lasst mich wissen, wie Ihr Euch unsere „Klausurtagung“ vorstellt. Dann bereite ich alles vor. Wir sehn uns und pfeifen auf neoliberale Pfeffersäcke mit ihren nützlichen Idioten.
Haltet durch
Euer Baron von Feder
Haufenträume
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Ein Maulwurfshaufen hielt sich berufen
die Löcher der Bagger zu schließen
die diese, die auch einen Aufbau eins schufen
an der Wohlstandssubstnz hinterließen
„Hier entsteht ein verschüttetes Loch“,
schreibt der Haufen sich auf die Plakate.
Wer fragen kann, der fragt sich jedoch:
Was vergräbt der Haufen im Staate?
„Haufen, ich glaub deine Größe nicht
sie ist nicht den Löchern entsprechend“
Der Haufen legte bei taghellem Licht
sich ins Loch und sprach logisch bestechend:
„Seht ma, wie hoch wir heute schon reichen
auf dem Grunde von Euerren Löchern
nehmts an als wär es ein flammendes Zeichen
denn wor steigen hoch und noch höcher.“
Ein Baggerfahrer sprach in das Erdloch: „Ach Hauf.
Bleib da, Wir legen den Deckel drauf“
„Wegweiser sind auch nur Orientierungsangebote“
Im Lande sind die individuellen Lebensplanungen gestört. Arbeit reicht nicht zum Einkommen, Einkommen nicht zur Bedürfnisbefriedigung, – nur die Unzufriedenheit reicht für ein lautes Gegrummel ohne Stimmausbildung. Auf dieses Gegrummel soll man hören und dann einstimmen, damit das Geheul groß wird. Man könnte statt Grummeln und anderen zu sagen, dass es ihnen schlecht geht, auch die Klappe halten und sich gegenseitig unter die Arme greifen. Was einer braucht und der andere hat, das kann man löblich miteinander teilen. „Ich will nicht“ ist keine Lösung. „Das hätte ich gerne so“ ist auch eine gesellschaftliche Kritik, aber sie ist FKK: Freie Konstruktive Kritik. Und dazu muss man sich nicht durch Geschrei wichtiger machen als die Sache, die man ändern will. Das Ende des Hartz-Vier –System ist wichtig, aber nicht so wichtig, hierfür eine Revolution anzuzetteln und dafür Mord und Sachbeschädigung zu begehen. Leben ist nur eine Reise über Berge und Täler, segeln über Meere oder treiben auf Flüssen. Auf dieser Reise kommt es nur darauf an, von den Bergen nicht abzustürzen, in den Tälern nicht zu verhungern, in den Flüssen nicht zu ertrinken und auf den Meeren nicht verschollen zu gehen. Wenn man auf diesen Lebensmarsch Fremde trifft, kann man Hallo zu ihnen sagen. man muss sie nicht fürchten. Fremd sein ist immer beiderseitig. Wenn sich Fremde treffen, fragen sie nach dem Weg und wo man eventuell siedeln könnte. Oft sind fremde bereit, sich über Verwendungsmöglichkeiten in der gastgebenden Gesellschaft zu erkundigen. Das können Sie bei Immanuel Kant nachlesen, und zwar in der Schrift „Zum ewigen Frieden“. Und mit dem ewigen Frieden hat es auch zu tun, wenn die Lebensreisen blockiert werden und man auf Zwangswege geschickt wird. oder wenn man einfach nur mit einer Beschränkung der Möglichkeiten bestraft wird.
Wer das tut? Es gab gerade Wahlen. Bei Wahlen sagen die Parteien immer, dass sie etwas anders machen wollen, was unter der vorigen Regierung falsch gelaufen ist. Hartz-Vier gibt es seit 2005. Drei Bundestagswahlen gab es danach, die keine Möglichkeit zur Kurskorrektur genutzt haben. Was Parteien, Forschungsinstitute und Medien tun, ist im besten Fall Gesellschaftsanalyse. Eine Gesellschaftsanalyse kann jedem einzelnen als Orientierung dienen. Aber die Orientierung schwindet, wenn die drei Analytiker sich gegenseitig vorwerfen, sie würden die Wegweiser mit dem Pfeil in die falsche Richtung aufstellen. Kein Angebot ist alleine richtig. Und dann wird auch eine Lebensreise zur horizonterweiternden Wanderung. Wenn ein Fremder um eine Übernachtung bittet, trifft man keine politische, sondern eine menschliche Entscheidung. Man richtet ein Gästezimmer her und vielleicht auch noch ein Bad und ein Labmahl. Da, wo die Wanderung stattfindet, geht es um Menschlichkeit. Da, wo politische Lösungen ersonnen werden, spielt das einfache kleine Leben keine Rolle. Und die Menschlichkeit kann von keiner politischen Strömung vereinnahmt werden, nicht einmal von einer, die sich als Anwalt der kleinen Leute gegen die Politik von denen da oben aufspielt. Es geht nicht um gegeneinander, es geht um miteinander. Alle Versuche sind lächerlich bis bittertraurig, wenn ungefragte Reiseführer den Blick von der unverstellten Wahrnehmung ablenken.
Reisetipps gibt es für touristische Besucher von außen und nach außen. Reisen bildet Ankommende, Fortfahrende, Daheimgebliebene und Wiederkehrende. Unbeliebte Gäste sind nur die in Waffen und Uniform bzw. in diesbezüglichem Auftrag und Verstand. Begegnende streben immer danach, die Fremdheit abzubauen, um zu erfahren: Wer bist Du? Wo kommst Du her? Bringst Du Ärger oder Glück?
Man kann Wegweiser aufstellen und auf entgegenkommende Fremde hinweisen. Wer aber Wegweiser aufstellt, sollte schon wissen, wie man Irrwege, Sackgassen und zielloses Drehen im Kreis vermeidet. Dies mögen sich bitte die Politpraktikanten der Alternative zu Rechtsstaat und Demokratie merken.
Weil kritische Leserbriefe von der Tagespresse oft nicht mehr veröffentlicht werden, wächst die Zuwendung zum Internet – in der Hoffnung – auf eine breite Leserschaft.
Weil ich auch zunehmend einer „Zensur“ zum Opfer falle; Beiträge nicht – oder verfälscht – gebracht werden, zu kritische Fotos ausgetauscht werden, wende ich mich zunehmend von der Presse ab.
Mir ist es egal, ob einem übereifrigen Chefredakteur die Meinungsfreiheit nicht passt, oder ob es von „ganz oben“ eine Anweisung gibt – für mich ist bedrückend, dieser Entwicklung ausgeliefert zu sein.
Ich bin nicht 78 Jahre alt geworden, um noch einmal so bevormundet zu werden, wie es in der DDR an der Tagesordnung war.
Ich habe seit 1966 meine Zulassung als Journalist – und werde das, was einen ehrlichen Journalismus kennzeichnet, stets beherzigen. Eine ehrliche Widergabe der Wirklichkeit in Wort & Bild – ohne Ansehen der Person oder einer Gefälligkeit zu berichten. Bei diesen Reportagen fiel mir auf, dass (zu) viele Bürger
besorgt sind, wenn sie ihre Meinung zu einem kritischen Problem sagen sollen, die dann veröffentlicht wird.
Zwei Drittel von ihnen können nicht über ihren Schatten springen,- sie sind besorgt, dass ihnen daraus Nachteile erwachsen! Ich halte diese Tatsache für Besorgnis erregend – weil uns offiziell aufoktruyiert wird, dass die Demokratie stets beachtet wird. Meine Erfahrung sagt mir; „beachtet ja – geachtet nein.“ Die alten (und) neuen Ängste der Bürger haben ihre Ursachen.Sie sind nicht nur als Wähler verloren – sie werden latente Gegner der Demokratie, weil sie unter dieser real nicht existierenden Demokratie leiden. Sie suchen manchmal „rechts“ der Mitte nach dem, der ihnen zeigt, „wo es lang geht “ und manche suchen Seelenverwandte im zeitgemässen Internet. Ich gehöre dazu, denn Verbesserungen und Wendepunkte werden nicht von gleich geschalteten Medien oder Lobbyisten der Politik geschaffen, sondern von klugen Kritikern und kontrovers denkenden und unbeqemen Menschen.
Rezension „Rostock letzte Wahl“
„Handball, Gin und Klammeraffen“
Volker H. Altwassers zweiter Ostseekrimi ist besser als der erste. Denn er ist lesbar. Er ist aus vielen Sprachwuellen gespeist, aber niemals ein Nachgeplapper von anderen Krimiautoren. Mit Witz ist er dezent gewürzt, so dass keine Stimmungsrichtung die andere überdeckt wie zuviel Salz die Wirkung von Nelke und Muskat am Wildschweingulasch. Vermutlich war der Autor diesmal höher konzentriert bei Planung, Konzept und Niederschrift von „Rostock, letzte Wahl“. Ein paar ganz junge und ganz knapp bekleidete Mädchen – soviele, wie Rostock inklusive Warnemünde Stadtteile hat – wollen darin Miss Rostock werden. Für eine von ihnen endet der Wunsch schon am Anfang des Krimis in den würgenden Pranken eines genretypischen Unholds, die das Wort „Lesevergnügen“ in der Anwendung auf Krimis mit Ermordeten immer so zwiespältig machen. Vergnüglich ist aber der Trick des Autors, die Handlung ein Stück weit in der Zukunft spielen zu lassen. Das wirkt, als seien die Morde noch gar nicht geschehen und könnten noch verhindert werden. Altwasser probiert damit oder verfeinert offenbar eine Erzählmethode, die ein Rückblick aus der Zukunft ist. In solch eine Konstellatation kann man alles hinein packen, was sonst die Floskel „Ähnlichkeiten sind rein zufällig“ erfordern würde. Darum blüht die Korruption, die Russen sind mit dem U-Boot zwischen Rostock und Kiel, weil sie Schweden derzeit meiden, und beinahe vergisst man beim Lesen, dass zwei Menschen aus der Handlung heraus gemordet wurden. Volker Altwasser zeigt mit dem Krimi, dass man nur einen Auslöser braucht und drei Zutaten. In diesem Fall eine Misswahl aus Auslöser und dann Handball, Gin und Klammeraffen.
(Volker H. Altwasser, „Rostock, letzt Wahl“, Hinstorff, Rostock 2017)
Mediale
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Zwischen BILD und HOFBERICHT
braucht Journalismus ein Gesicht
Eins aus Sprache sowie Stil
den Blick gerichtet auf ein Ziel
Geh ich mit mir ins Gericht
so sehe ich das Vorbild nicht.
Ist mein Schreiben wirklich nichtig?
Ist daran gar nichts zeitlos wichtig?
Seh ich die Sache unbefangen
ist auch des SPIEGELS ZEIT vergangen.
Die Ausgabe 120 ist fertig – nun kommt die Nächste. Erst kommen die Ahrenshooper Kulturtage. Dann kommt das Arbeitsplatzrodeo um den Halt im Sattel. Mit Menschlichkeit geht das. Denn Mitmenschlichkeit kann jedes Problem lösen.
„Autoren. Leser und Verleger“
Vom 1.bis 3. Oktober können sich Leser und Bücher in Ahrenshoop begegnen. Zirka 25 Verlage zeigen Lesbare und Betrachtbares, Wissenswertes und Experimentelles – und alles hat mit Druck, Satz, Bild, Text sowie der Region im Norden zu tun, als deren Literaturhaupstadt Ahrenshoop einmal im Jahr auftritt. In aller Bescheidenheit voller verdienter Strahlkraft. Das Licht und der Scheffel, Sie verstehen?
Einige Autoren werden wieder aus ihren Büchern lesen. Für Furchtlose ist ein Ostseekrimi aus dem Hinstorff-Verlag dabei.
Neu ist an den diesjährigen Literaturtagen ein verändertes Ambiente und das Wagnis, Facebook als Bekanntmachungsplattform zu benutzen. Die bedeutende Literaturmesse des Nordens findet in diesem Jahr schon zum 16. mal statt. Noch 9 Jahre, und sie lebt ein Vierteljahrhundert als Treffpunkt von Autoren, Lesern und Verlegern.