Baron von Feder
„Klassik in Weimar, Schach in Apolda“
Die rund 25 Jahre der Weimarer Klassik entstanden durch mehrere gleichzeitige Umstände. Der junge Herzog war noch nicht volljährig, so dass die Staatsgeschäfte von seiner noch jungen Mutter Anna Amalia geführt wurden. Als Regentin hatte sie aber nicht vollständige Souveränität. Daher blieb viel Zeit für Geist, Kultur, Unterhaltung und Komödie. Weil es zwischen Gelehrten und Künstlern und Höfen gute Kontakte gab, sprach es sich herum, dass der Weimarer Hof ständig neue Geistesgrößen suchte. Schließlich war Anna Amalia durch den Braunschweiger Hof Geist und Kultur samt Glanz gewöhnt, und Weimar war – nun ja, etwas provinziell, etwas rückständig und konnte eine leichte Horizonterweitgerung gut gebrauchen. Trotz oft knappper, meist aber leerer Kassen legte Anna Amalia Wert auf ein beständiges Kulturbudget, welches Kürzungen im Theater nicht vorsah und immer eine Art Mindestentlohnug für die Künstler, Dichter, Philosophen, Prinzenlehrer vorsah. Außerdem war den Bürgern innerlich nach Unterhaltung, Ablenkung, Theater, Witz, Klatschzeitungen und allerlei Kurzweil zumute. Aus der ehrwürdigen Nacht der Kirchen hatte sie die Kunst ans Licht gebracht, und nun wollten sie nicht mehr ins Dunkle zurück. Wer einmal leckt, der weiß, wies schmeckt. Auffallend ist auch, dass fast alle, die sich am Weimarer Hof sammelten und dort Klassik machten, eigentlich andere Pläne hatten, die sich aber nicht verwirklichen ließen. Alle kamen von außerhalb. Goethe aus Frankfurt, Wieland aus Göttingen, Herder war auch nicht aus Weimar und das ganze Casting kann man in dem Buch „Die Geschichte des Weimarer Musenhofes“ von Wilhelm Bode nachlesen. Kurzweilig, faszinierend, anregend und humorvoll geschrieben ist das Buch. Zwei Zeitungen verbreiteten auch „Achso-Effekte“: Wielands „Deutscher Merkur“ und nachher das „Tieffurter Journal“. Beide machten mit Rezensionen neugierig auf Theater und gedruckte Literatur, und weil sie regelmässig erschienen, machten sie Lust zum Lesen. Immerhin, dachten Leserinnen und Leser, es steht ja in der Zeitung, es KÖNNTE also etwas dran sein. Heute gibt es nur wenig, was mit der Weimarer Klassik vergleichbar wäre. Bildende Kunst, Literatur, Musik, Theater finden von ein paar „Marktgrößen“ abgesehen nur kümmerliche Krümel wie die Spatzen am Residenzcafe in Weimar, wenn Touristen und Studenten, aber auch Berufstätige bei ihre vertraglich geregelten Pause die Frühstückskarte rauf und runter bestellen. Für die Spatzen des Kulturbetriebs gibt es heute wenig Interesse, wenig Bedarf und wenig Wertschätzung. Diese drei hat der sogenannte Markt an sich gerissen. In einem solchen geistlosen Marktklima kann nur mühsam eine neue Klassik entstehen. Die Heutigen KÖNNEN es immerhin noch. Man muss sie nur lassen.
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Niemand weiß, ob am Musenhof von Herzogin Anna Amalia Schach gespielt wurde. Niemand weiß, ob Herzog Carl August mit seinem Dichterfreund, Trinkkumpan und Lehrer für wilde Lebensart Johann Wolfgang Goethe auch mal Schach gespielt hat. Schach hätte ja bei Herrschaftens immer ein probates Mittel sein können, mit welchem sich Herrschaftswissen und Regierungsgeschäfte erlernen lassen. Schach ist aber auch für andere ein ideales Spiel mit dem Denken. Das beste am Schach ist die für das Spiel nötige Stille, die einem denkenden Menschen in kaum einer anderen Situation so selbstverständlich gewährt wird wie beim Schach. Vom 29. August bis zum 1. September finden ein paar Kilometer entfernt von Weimar wieder die Apoldaer Schach Open statt. Anmeldungen zu den 22. Apoldaer Schachopen sind unter der Adresse steiger-juergen@t-online.de möglich. Auf die Veranstaltung weist auch die Webseite www.schachopen-apolda.de hin. In den 21 Jahren der bisherigen Geschichte der Schachopen haben 3395 Spieler aus 24 Ländern ihre Figuren über die Bretter geschoben.







