Neues von der Wespe

Die Königin im Wespennest hat gesummt. Das macht sie öfter. Gut an ihrem Gesumm ist, dass es ein Thema gibt, das nicht mehr verschwiegen werden darf: In Deutschland gibt es doch Hartz-Vier-Opfer. Und viele davon haben Kinder. Und damit Kinder in der Gesellschaft einmal eine Chance haben, aus dem Hartz-Vier-Bezug herauszukommen, aus dem ein Entkommen den Eltern durch Anwendung der bestehenden Gesetze verwehrt ist, brauchen Kinder Geld: Für Kleidung, Gesundheit, Ernährung, Bildung und Freizeit. Soweit gut angedacht, Wespe. Nur der Inhalt liegt arg daneben. Geld soll es nämlich nicht geben, soll die Wespenkönigin gesummt haben. Gutscheine – das wäre die Lösung. Weil, wie neulich so ein anderer Abkühler des gesellschaftlichen Klimas sagte, Hartz-Vierer Geld sowieso nur versaufen würden. Das Gesumm der Wespenkönigin soll der Paritätische Wohlfahrtsverband (nicht: paritätischer Wohlstandsverstand) als „beispiellose Diskriminierung“ bezeichnet haben. Es gibt in jedem Bundesland eine Unterabteilung des Verbandes, und einen Gesamtverband, der heißt im Internet www.der-paritaetische.de. Und dort steht in einem Text von Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider als Forderung an das Wespennest und seine Königin: „Sie sollte dringend unterlassen, arme Kinder und ihre Eltern mit zweifelhaften Gutscheinsystemen zu stigmatisieren, während an wohlhabende Familien familienpolitisch völlig sinnlose Geldgeschenke verteilt werden“.

Noch ist aus dem Gesumm kein Gesetz geworden. Es war nur eine öffentlich vorgetragene Überlegung. Mithin eine Drohung mit einem Planspiel. Das erinnert irgendwie entfernt daran, wie aus abstrakten Militärmanöversandkastenspielen furchtbare Kriege werden.

(alle Notizen zur Wespe siehe unter „Die Wespe“)

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Sittenwidrige Unterschichten

Meinung und Kommentar

Dienstag, 27. Oktober 2009

Autor: Hannes Nagel

Es gibt Leute, die immer mal wieder über sittenwidrige Löhne sprechen. Sittenwidrige Löhne sind Löhne, die so klein sind, dass ein Bezieher davon sich trotzdem noch vor dem Staat erniedrigen muss, um zusätzliche finanzielle Unterstützung zu bekommen. In einem Artikel des Onlinemagazins Telepolis (www.telepolis.de) hieß gerade die Überschrift: „ Sittenwidrige Löhne beginnen bei 2,04 Euro“. Mitte Oktober waren es noch vier fuffzich. Unterhalb dieser Marke hätten sich damals sogar hartherzige Politiker grün und blau geschämt. Bei den Gewerkschaften liegt die Schamgrenze ungefähr bei 7,50 Euro.

Das Geschacher um Mindestlöhne und sittenwidrige Stundensätze ist zum Knurren. Die Leute, die mit den Löhnen leben müssen, fragt natürlich keiner. Wer hat die kleinen Leute schon überhaupt irgendwo irgendwann gefragt? Es entscheiden Leute über einen Lohn, den man Menschen wie Dir und mir zugesteht, die sich selbst Summen genehmigen, an die wir hier unten nicht mal dann annähernd heran kämen, wenn der Stundenlohn 12,50 betrüge. (Konjunktiv).

Und dann meldet sich Medienberichten zufolge noch ein Berliner Stadteilbürgermeister zu Wort. Der Stadtteil heißt Neukölln und der Bürgermeister Heinz Buschkowsky. Sein Stichwort heißt „Betreuungsgeld“, und was er zu sagen hatte, ließ er beim Tagesspiegel (www.tagesspiegel.de) ab. Die schwarz-gelbe Koalition, hierorts als Wespe bekannt, will ab 2013 Eltern quasi als Lohnersatz Geld zahlen, wenn sie die lieben Kleinen zu Hause erziehen, wobei – das ist der Knackpunkt -.dieses Geld dann auch ausschließlich für den hoffnungsvollen Nachwuchs da sein soll. Dazu sprach Heinz B: „Im Klartext: In der deutschen Unterschicht wird es versoffen, und in der migrantischen Unterschicht kommt die Oma aus der Heimat zum Erziehen, wenn überhaupt“

Na, bei der Zuwanderungspolitik können die Kinderchen lange auf die Oma warten. Und auf zwei Unterschichten können sich Leute wie der, der sie realiter verunglimpft hat, ziemlich bequem ausruhen. Nur mit dem Ruhekissen hapert es noch, denn das beschert nur ein gutes Gewissen.

Bleibt nun am Ende noch die Frage, was eigentlich sittenwidrig ist. Und wenn man darüber nachdenkt, sind auch riesige Managergehälter sittenwidrig. Und Zustände, die eine solche Debatte überhaupt erst zwingend notwendig machen.

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Apropos Wahrheit

Meinung und Kommentar

Sonntag, 25. Oktober 2009

Autor: Hannes Nagel

Einmal wollte ein Jurist, der meinte, etwas zu sagen zu haben, den Ausdruck „Hartz-Vier-Opfer“ verbieten. Er sagte, die Formulierung sei falsch. Das Gegenteil von „falsch“ aber sei „wahr“, und wahr sei, dass Menschen, die Hartz Vier bekommen, Mitbürger seien. Der seiner sozialen Verantwortung gerecht werdende Staat zahle ihnen Geld, damit auch sie, die so unproduktiv und verantwortungslos mitten unter uns leben, zum Nulltarif am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. „Obwohl wir Steuerzahler eigentlich gar nicht wissen, wofür wir ihnen überhaupt den Lebensstandard finanzieren“. Darum seien die Opfer keine Opfer. Opfer seien, wenn man schon von Opfern rede, die Steuerzahler. Eine Entgegnung kitzelte bereits auf der Zunge, winkte aber selbst ab und beschloss, Eingang in eine publizistische Würdigung zu finden. Justiz und Kommunikation – also bitte, sagen Sie selbst. Justiz kann ja so verschroben sein.

Bleibt also die publizistische Würdigung. Wenn der Wortschatz groß genug ist, kann man vielleicht dem Wunsch des Herrn Justizfacharbeiters entsprechen und die Wahrheit, dass Menschen mit einem zum Leben zu kleinen und zum Sterben zu großen Almosen namens ALG II Opfer einer an Zwangssklaverei erinnernden Sozial-und Arbeitsmarktpolitik sind, also Hartz-Vier-Opfer, auch in andere Worte kleiden kann. Die Wahrheit bleibt erkennbar, ob sie nun in Jogginghosen herumläuft oder im edlen Zwirn einer Nobelschneiderei. „Setz Dir Perücken auf mit Millionen Locken, stell Deinen Fuß auf ellenhohe Socken, Du bleibst doch immer, was Du bist“. (Das steht bei Goethe)

Beim „Kleiderwechsel aus Rücksichtnahme“ auf das Empfinden Anderer muss man allerdings eine wichtige Angelegenheit beachten: Euphemismen sind auch Sprachkleider. Sie werden bevorzugt von der Politik benutzt, um Absichten in den Falten, Taschen, Kragen und aufgenähten Extras zu verstecken. Und manchmal ist die Jogginghose einfach ehrlicher als der Maßanzug.

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Apropos Menschenwürde

Quergedacht

Samstag, 24. Oktober 2009

Autor: Hannes Nagel

Das Bundesverfassungsgericht hat vor wenigen Tagen vorsichtig einer Frage eine Antwort zugestanden. Die Frage ist: Gewährt das Arbeitslosengeld II ein menschenwürdiges Existenzminimum? Die Antwort steht noch aus. Hoffentlich machen sich die mit den Überlegungen Beauftragten Persönlichkeiten des öffentlichen, gesellschaftlichen und politischen Lebens des Landes schnellstens an die Arbeit, bevor sie zu der Standardausrede von Unverständigen greifen. „Wie war nochmal die Frage?“, heisst diese.

In der Zwischenzeit dürfen auch Leute, die nicht mit der Beantwortung der Frage beauftragt sind, versuchen, eine Antwort zu geben. Denn wer kann eigentlich festlegen, was ein menschenwürdiges Leben ist? Gutbezahlte Entscheidungsträger, die den Mangel am Notwendigen nicht kennen und auch nicht die Angst kurz vor der Monatsmitte, wie die kommenden zwei Wochen zu überleben sind? Die auch niemals  an jedem Monatsersten vor der Frage stehen, wovon die neu eingetroffenen Rechnungen bezahlt werden sollen?

Was ist das eigentlich, Menschenwürde? Steht der Begriff etwa seit Jahrzehnten in der Verfassung, ohne dass jemand weiß, was das ist? Ist der Passus über die Würde des Menschen und seine Unantastbarkeit nur ein wohlklingender Lückenfüller im Gesetz, etwa so, wie ein zum Mittagessen rufender Gong: Angeschlagen – Verklungen – Untergegangen im Schmatzen und Smalltalk der in ihrer Würde tatsächlich unangetasteten Mitglieder gehobener Gesellschaftsschichten?

Lange war Hartz Vier nur aus vermeintlicher Sicht der Steuerzahler ein Medienthema. Vermeintlich deshalb, weil die Berichterstattung und die Meinungsäußerungen die Bezieher als nichts leistende Wohlstandsempfänger verunglimpften. Wenn Karlsruhe spricht, müssen wenigstens auch die Medien jetzt Hartz Vier aus Opfersicht zum Thema machen.

Denn Menschenwürde ist eine Lebensgestaltung, wo jeder einzelne ausrufen kann: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein. (Steht bei Goethe). Menschenwürde kann daher niemals fremd bestimmt sein.

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Editorial

Oktober 22nd, 2009

Autor: Hannes Nagel

Guten Morgen, Guten Tag,  Guten Abend – je nachdem, wann Sie Gelegenheit haben, sich begrüßen zu lassen.  Mögen Sie Meinungsfreiheit? Das ist, wenn es einen Sachverhalt gibt, den man unterschiedlich bewerten kann.  Man kann den Sachverhalt gut finden oder schlecht, man kann “Endlich” rufen oder “Schwarzer Tag” – aber man soll nicht schweigen.

Viele haben etwas zu sagen. Doch nur wenige verschaffen sich auch Gehör. Denn nicht alle haben einen Trommler. Ich auch nicht.

Ist es wirklich so, daß alles Geäußerte ähnlich klingt und alles andere nicht vernommen wird?

Eine Meinung zu haben heißt, sich mit einer Angelegenheit gründlich beschäftigt zu haben. Meinungen werden mithin nicht von Meinungsmachern gemacht (die dann meist auch noch Argumentationslieferanten sind). Man darf auch zweifeln. Denn was ist der Zweifel? Nichts anderes als eine negative Bewertung eines Sachverhalts.

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