BARON VON FEDER: Neues von der Tagelöhnerei (5)

BARON VON FEDER

„Neues von der Tagelöhnerei“

Teil 5

Neulich meldete sich meine Nachbarin Emmi Remmidemmi zu Wort (Name geändert, aber sattsam redaktionsbekannt). Emi Remmidemmi ist ungefähr 75, doof wie Stulle, und mischt sich ohne Kenntnisse von Zusammenhängen in alle Gespräche ein, die sie nichts angehen. Das macht sie so, dass sie am Fenster sitzt und lauscht, und die dabei aufgeschnappte Wortware bietet sie marktschreierisch an. Und dabei gab es in meiner Kindheit den klugen Spruch: „Aufgeschnappte Ware verkauft man unterm Ladentisch.“ Gemeint war, dass man gehörtes Gerede nicht lauthals verkündet. Wenn Emmi Remmidemmi wenigstens intelligent wäre, könnte man noch von Tratsch im Treppenhaus sprechen, und das wäre lustig wie Ohnsorg-Theater mit Heidi Kabel. Aber leider ist die Remmidemmi-Emmi strunzdoof. Neulich hing sie am Fenster . Ich quälte mich gerade mit dem Layout für „Ganz & Gar vernymphtig“ herum, und trat dabei ab und zu ans geöffnete Fenster. Das Schöne, was ich dann sehe, ist der weite Himmel über mir und die Gänse, die beginnen, sich für ihre Züge zu sammeln. Kraniche waren grad noch nicht dabei. Außerdem befindet sich dort auch noch ein Spielplatz, wo zuweilen lärmende Kinder toben, während auf den Bänken die Eltern sitzen. Mich sieht man natürlich, weil ich nicht leicht zu übersehen bin, wenn ich ans Fenster trete, um zu den Gänsen zu schauen. (Wenn Kraniche kommen, schaue ich auch nach ihnen). Kurz und schlecht: Nun haben die Hartz-Vier-Eltern unter den hysterischen Gekreisch von Emmi ERemmidemmi behauptet, ich würde Kinder auf dem Spielplatz beobachten, und die Bullen waren auch schon da. Tzzzz. Und nun will ich Ihnen mal was sagen: Wenn es unter den Ausgegrenzten des sozialfaschistischen Hartz-Vier-System wenigstens Klassensolidarität gäbe, dann hätten die Millionen Hartz-Vier-Opfer eine reale Chance, das System überflüssig und das Leben menschenwürdig zu gestalten. Das wäre sogar als Revolutionsziel revolutionär. Wenn sie aber zerstritten sind und einer dem andern das kleine Auto neidet oder dass er trotz allem noch gepflegt und adrett in der Öffentlichkeit auftritt, dann kann es mit solchen und für solche Leute keine Lösung geben. Und wer hat die Hartz-Vier-opfer so zerstritten gemacht und verraten? Na? Die Sozialdemokastraten.

Mir ist heut nicht nach dichten
muss Zoff und Streitigkeiten schlichten
weil ich vom Schreibtisch mich erhob
und Gedankengänge wob
und dies am offnen Fenster tat
wo Kinder mit so Eltern grad
am Spielen auf dem Spielplatz warn
nu wollnse mit mir Schlitten fahrn
Sie sagten glatt, ich wär son Schlimmer
dööfer dreister gehts wohl nimmer.
Wenn ich demnächst kein Text mehr starte
bin ich in Kerker-Kemenate

„Noch Fragen, Kienzle?“

„Nein, Hauser.“

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: „Das Flugblatt“ für den 1. Oktober ist da

Liebe Leserinnen und leser, „Das Flugblatt“ für den 1. Oktober ist da

 

Hier ist der Link & und viel Spass beim Lesen

Das Flugblatt Nummer 84 01-Oktober-2014

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APROPOSIA: Von der Menschlichkeit, die sich nicht unterkriegen lässt

APROPOSIA

„Von der Menschlichkeit, die sich nicht unterkriegen lässt“

Moderatorin: (Selbstgespräch auf dem Flur, eiliger Schritt): „Mensch, heut bin ich aber spät dran, hoffentlich zanken sich Unker und Zwischenrufer nicht schon mit Dr. Liberalitas – huch wer bist Du denn?“

Menschlichkeit: „Ich bins, die Menschlichkeit. Kann ich heute mal als Gast an Eurer Runde teilnehmen, ich möcht Dr. Liberalitas gerne etwas sagen.“

Moderatorin: (lächelt erleichtert): „Oh ja, komm nur.“

Tür: (Öffnet sich, blickt beiden hinterher und schließt sich wieder)

Moderatorin und Menschlichkeit: (gehen Hand in Hand zu ihren Plätzen)

Dr. Liberalitas: „Was soll denn diese Gefühlsduselei?“

U.v.D.: „Glauben Sie etwa, Sie hätten was Substanzielles für die Europäische Friedensordnung zu bieten?“

Menschlichkeit: „Nomen est Omen – jawoll. Das ist auch das einzige Jawoll, das Sie von mir hören werden.“

Sänger: „Die Menschlichkeit hat recht. Sie muss zu Wort kommen“

Zwischenrufer: „Und zur Tat“

Dr. Liberalitas: „Quatsch. WIR werden Politik, Wirtschaft und Verteidigungsbereitschaft den neuen Umständen anpassen.“

Rasmus: „Vergessen Sie bitte nicht die Rolle meiner NATO bei der Herbeiführung dieser neuen Umstände. Ohne mich…“

Unker: „Sehen Sie, Rasmus, und Dr. Liberalitas: Sie kippen militärischen Unrat in die europäische Landschaft, und die Menschlichkeit krempelt still die Ärmel hoch, um Euren faulen Pfuhl abzuziehen.“

Sehr kluge Frau (gedanklich zu sich): „Soll ich vielleicht doch schon mal…immerhin: Ich bin die die Sehr kluge Frau. Wenns nicht mehr militärisch geht, muss ich rechtzeitig mit der Menschlichkeit partnern.“

U.v.D.: „Wir müssen schon deshalb im Baltikum aufmarschieren, weil Jeder im Bündnis weiß: Lassen wir im Ernstfall die Balten im Stich, ist die Nato tot.“

Menschlichkeit: „Wir brauchten sie bis dato nicht – drum mach ma jetzt die NATO dicht.“

Dr. Liberalitas: „Da bin ich aber gespannt, wie Sie dann den Frieden erhalten wollen.“

Menschlichkeit: „Und er wird richten unter den Heiden und strafen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk gegen das andere ein Schwert aufheben, und werden hinfort nicht mehr kriegen lernen. – Jesaja 2,4“

Moderatorin: „Kommt Ihnen das bekannt vor, Dr. Liberalitas?“

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REZENSION: Deutscher Meister

 

REZENSION: „Deutscher Meister“

„Ironie mit Fineliner und Blutflecken“

Stephanie Bart hat sich einen Schreibstil getraut, der allen Regeln des kreativen Schreibens den verbissenen Ernst nimmt. Sie bringt es fertig, als Autorin vollständig hinter den Figuren zu verschwinden. Sie ist nur die Luft, die die Figuren atmen, um in der Literatur zu leben. Was die Figuren miteinander machen, ist nicht mehr Sache der Autorin. Die Sache ist die: 1933 ist es im deutschen Boxsport turnusmäßig wieder so weit, dass der Kampf um den Titel „Deutscher Meister“ ausgeschrieben wird. Aussichtsreichster Kandidat ist der Boxer Heinrich Rukelie Trollmann. Er passt aber ethnisch den Herren Ariern nicht. Es muss Boxsportverbandlicherseits dafür gesorgt werden, dass Rukelie Trollmann auf gar keinen Fall deutscher Meister wird. Boxen darf er ja. Schläge einstecken auch. Je mehr, desto besser. Bloß eben den Meistertitel darf er nicht kriegen. Mit Schiebung, Statuten und Regelreformen bereiten die Funktionäre dann das Rahmenwerk vor, welches dem Zigeuner das Recht auf den Titel aberkennt. Sie schaffen es. Aber nicht die perfide Methodik der Funktionäre bleibt im Gedächtnis, sondern die spielerische Flinkheit des Boxers in Wort und Hieb. Ich glaube, niemand hat es bisher geschafft, Faustkämpfe so zu beschreiben, dass sie auch für solche Leute spannende Sportreportagen sind, die sonst mit Boxen rein gar nichts am Hut haben. Ich glaub, Egon Erwin Kisch und Ernest Hemingway würden vor Ehrfurcht erstarren, wenn sie den Sprachstil von Stephanie Bart lesen könnten. Die Funktionäre sind so fein überzeichnet, dass man sich schon vorstellen kann, wie Pöstchensuche und Gehabe im Wichtigkeitsbetrieb sich selbst lächerlich machen. Nationalsozialismus ohne Gewalt hätte jedem die Lächerlichkeit vor Augen geführt – und er hätte nicht werden können, welches Grauen er war. Daher hat denn auch der ironische Fineliner bittere Blutflecken.

Stephanie Bart, „Deutscher Meister“, Hoffmann und campe, Hamburg 2014

cover rezi deutscher meister

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REDAKTIONSMITTEILUNG: Das Flugblatt (aktualisiert) für Ersten Septmember ist da

Liebe Leserinnen, liebe Leser, hier kommt das Flugblatt Nummer 83 für den ersten Septmember, Sie wissen schon, Weltfriedenstag, und genau das ist der Schwerpunkt und nichts sonst.

Beste Grüße

Hannes Nagel

Redaktionsleiter „Das Flugblatt“Das Flugblatt Nummer 83 01-September-2014

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BARON VON FEDER: Neues aus der Tagelöhnerei Teil 4

BARON VON FEDER

„Neues von der Tagelöhnerei“

Teil 4

Das Arbeitsamt steht dem Aufbau einer freien Tagelöhnerei im Weg. Es hat schließlich die Aufgaben, arbeitslose Menschen wieder in Arbeitsverhältnisse zu bringen. In richtige Arbeitsverhältnisse bringt das Arbeitsamt keinen einzigen Hände ringend und Ärmel hochkrempelnd nach Arbeit suchenden Menschen. Die Arbeitsagentur beschränkt sich auf das Minimum ihrer dienstlichen Verpflichtungen und schickt die Leute auf geringfügig bezahlte Stellen. Dort sollen sie probeweise arbeiten. Die Arbeitgeber dort sind verpflichtet, offene Stellen dem Amt zu melden und dann den Leuten, die das Amt vermittelt, auch eine Chance geben. Klingt in Bezug auf Leute und Arbeitgeber vernünftig, scheint aber seitens der Agentur Kalkül gegen sonstige Tagelöhner zu sein. Der Eindruck drängt sich jedenfalls dann auf, wenn man aus der Wirkung auf die Absicht schließt. Das ist zulässig, wenn es dazu dient, einen Ausweg zu finden, und im vorliegenden Text ist die Suche nach dem Ausweg Ziel der Erörterung der möglicherweise vorhandenen Absichten. Man kann ja mal alles mögliche durchspielen, um Varianten des Handelns zu finden. In Barth kam für einen freien Tagelöhner der Probejob in einer Kneipe zunächst nicht zustande. Denn das Amt hatte schon zwei unfreie Tagelöhner auf die Stelle als Bierzapfer und Bratwurstgriller geschickt. Die sollen nacheinander ihr Können zeigen. Das würde der freie Tagelöhner auch gern tun, aber er muss warten, bis das Amt seine unfreien Tagelöhner über die Stelle gelotst hat, Häkchen in der Statistik gemacht hat und eventuell Sanktionen gegen die Unfreien verhängt hat. Wenn man trotz allem immer noch Vertrauen in Rechtsstaat und menschenwürdiger Arbeitsmarktpolitik hat, kann man ja der Propaganda von der sinkenden Arbeitslosigkeit glauben und warten, bis man dran ist. Kann ja den jüngsten Verlautbarungen nach gar nicht mehr so lange dauern. Abwarten ist nun aber meine Sache nicht. Deshalb will ich aktiv sein. Eine Tagelöhnerei, die auf dem semi-ehrlichen Prinzip der bezuschussten Ausbeutung basiert, damit Arbeitgeber dem Amt bei der Beschönigung der Statistik helfen, muss sich auch umgehen lassen. Dazu muss sich der Markt am Prinzip der Freibeuterei orientieren. Die soziale Absicherung von Freibeutergesellschaften funktionierte nur für überschaubar große Gruppen. In der FAZ vom 14. Juli 2014 wurde dieses Prinzip, das ich in „Omelett oder Rührei – eine Art franziskanische Wirtschaftsordnung skizziert habe, um dem Elend von Hartz Vier zu entkommen und zugleich auch möglichst viele andere Hartz Vier Opfer mitin die Freiheit zu nehmen, „Solidargemeinschaft“ genannt. Der FAZ-Artikel heisst: „Billiger als die Krankenkasse“. Nachdem die FAZ nun bestätigte, dass meine Idee funktionieren kann, gehe ich noch einen Schritt weiter und biete zur Überlegung folgendes an: Der freie Tagelöhnersektor nimmt genau die Leute, die die Arbeitsämter sonst in sinnlose Ein-Euro-Massnahmen stecken, und schließt bei den Sozialbehörden pro Tageseinsatz eine Tagesversicherung ab. Die Auszahlung am Abend beträgt 20 bis 30 Euro. Um diese Tageslöhne zu zahlen, muss die Lohnkasse pro Jahr und Belohntem prall gefüllt sein. Die zu verrichtenden Arbeiten könnten dann wieder solche sein, die keiner mehr tun will, weil wegschmeißen billiger scheint: Altpapier recyceln, Batterien und Bierflaschendeckel in Altmetall-Rohstofflagern akkumulieren, um sie solchen Unternehmen und Zulieferern zu verkaufen, die hierfür sonst Drohnenkriege führen lassen. Drohnenkrieg sind natürlich nicht die Domäne der Zulieferer, sondern der oben diktierenden Hersteller besonders aus Kommunikation und Elektronik. Rüstungsfirmen werden boykottiert. Denn eigentlich könnte alles so einfach und schön sein. Bloss der Kapitalismus macht alles kaputt. Alle Sorgen um essen, Nahruzng, gesundheit, Überleben, Bildung, Selbstverwirklichung, Freiheit und Glück sind von ihm verursacht.

„Noch Fragen, Kienzle?“

„Nein, Hauser.“

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BARON VON FEDER

„In Memoriam Hitler, Stalin, Polen“

2004 schrieb ein Weimarer Architekturprofessor einen zweiseitigen Text zum 65. jahrestag des Hitler-Stalin-Paktes vom 23. August 1939 für die Thüringische Landeszeitung. Den Text hatte die Zeitung nie abgedruckt. Der Verfasser sieht dafür fadenscheinige Gründe. Der mit Schreibmaschine und einer handschriftlichen Anmerkung versehene Text von Professor Oskar Büttner verschwand allerdings nicht und erreichte 10 Jahr nach seinem Entstehen „Das Flugblatt“. Ein Text zu einem historischen Thema, der selbst schon dokumentarischen Wert besitzt, muss ganz einfach als Faksimile abgedruckt werden.
Können Taten die Worte zur Kriegsverhinderung unterstützen? Welche konkrete Handlung kann dem Krieg Hindernisse in den Weg legen? Wie wird das Wort zur Tat und die Worte zu Taten? Es gibt ja keine Einberufung, gegen die ein mutiges NEIN zu rufen wäre. Aber Wörter sind Taten, wenn derText, der sie enthält, Strafanzeigen gegen Politiker oder verbale Einmischung ins konkrete politische Geschäft sind. Wenn wir uns anmaßen, die Politiker im In-und Ausland mit nörgelnden Noten zu überschwemmen, ist das keine Amtsanmaßung, sondern unsere Bürgerpflicht als Souverän. Schreiben wir an alle Drohnenhersteller Briefe:
„Sehr geehrte Damen und Herren, laut Anweisung des Souveräns vom 1. 9. 20014 zieht die Bundesregierung mit sofortiger Wirkung alle Rüstungsangebote zurück und sich selbst aus allen Drohnenbeschaffungsplänen zurück. Der Ihnen entstehende Profitverlust ist mit dem Gewinn an Frieden, Freiheit und sozialer Gerechtigkeit ausreichend vergolten.“

Büttner seite 1büttner seite 2büttner seite 3 büttner seite 3

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LESERMITTEILUNGEN: Schach in Apolda

Schach in Apolda

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EIN FOTO: Schwarzstorch in Gross Kordshagen

08-08-2014 Schwarzer StorchSchwarzstorch  in Gross Kordshagen am 08. August 2014 gegen 6 Uhr früh

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REDAKTIONSMITTEILUNG: Das Flugblatt Nummer 83 für den 1. September ist da

Hier ist es vorab, wegen wichtig:

Das Flugblatt Nummer 83 01-September-2014

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