APROPOSIA: Vom Hauptmann im Beschaffungsamt

APROPOSIA

Vom Hauptmann im Beschaffungsamt

Moderatorin: „Guten Abend, Erlauchte Runde. Ein rangniederer Ex-Offizier – Hauptmann – ist jetzt Partner für das Beschaffungsamt von U.v.D. sowie für die Abwicklung von Exportgeschäften unter Leitung der Sehr klugen Frau.“

Sehr kluge Frau: (grinst triumphierend)

Mesiramis Drohne: (fühlt ein Plätschern in der Nebennierenrinde)

U.v.D.: (holt zum Antwortschlag aus)

Mesiramis Drohne: (bremst wortlos mit der Hand)

Moderatorin: „In diesem Fall findet unsere Runde heute unter Mitwirkung von Zwischenrufer, Unker, Liedermacher und Publikum statt.“

Dr. Liberalitas: (öffnet den Mund)

Moderatorin: „Sie sind doch heute gar nicht da.“

Dr. Liberalitas: (brummelt innerlich)

Zwischenrufer: „Der Hauptmann, der Hauptmann, und was er sagt, das glaubt man, seine Schultern strafft er, Rüstungsdeals beschafft er, die Presse ist sich einich, Krieg wird sehr wahrscheinlich, Ach, mögen Eure Drohnen, uns, nicht Euch, verschonen.“

Liedermacher: „Hieße er doch Weiße, dann reimt ich auf ihn….“

Moderatorin: (lacht schallend)

Pointe: (geht im Lachen unter, lacht aber mit, denn sie hat gezündet)

Veröffentlicht unter Aproposia | Kommentare deaktiviert für APROPOSIA: Vom Hauptmann im Beschaffungsamt

Gastbeitrag: Kolumne „Lieber deutscher Bundestag“

Petitionen – eine Bürgerin in der Vergeblichkeitshölle

Wie in Kafkas "Schloss": Die Bürokratie ist bestens gegen Bürger abgeschirmt.

Karl Valentins “Buchbinder Wanninger”? Franz Kafkas “Schloss”? Reinhard Meys “Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars”? Es sind Ikonen der Vergeblichkeit angesichts einer übermächtigen Bürokratie. All diese Beispiele sind aber noch harmlos gegen das, was einem Bürger in Deutschland blüht, wenn er versucht, eine Petition einzureichen. Das Volk, dem echte Einflussnahme in bundesweiten Volksabstimmungen seit Jahrzehnten vorenthalten wird, “darf” den Bundestag um etwas bitten. Gegrüßet seist Du, Bundestag, voll der Gnade! Ebenso regelmäßig wie Petitionen eintreffen, werden sie mangels Erfolgsaussichten abgeschmettert. Monika Herz, Gegen-Windmühlen-Kämpferin aus Passion, hat es ausprobiert. Ihr erschreckendes Fazit: Der Bundestag hat in Deutschland gar nichts zu sagen. Er ist dem Votum einer dubiosen “GmbH” unterworfen, die von uns keiner gewählt hat. Sie glauben es nicht? Lesen Sie selbst!

Lieber Deutscher Bundestag,

vielen Dank, dass Sie mein Petitionsverfahren abgeschlossen haben, ohne dass irgendjemand vom so genannten „gemeinen Volk“ die Möglichkeit gehabt hätte, meine Petition zu unterstützen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt!

Ich muss etwas weiter ausholen, damit Sie verstehen, wie ich mir das stattdessen vorgestellt hätte. Zuerst einmal gibt es da das Grundgesetz Artikel 17: „Jedermann hat das Recht, sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an die zuständigen Stellen und an die Volksvertretung zu wenden.“

Ich weile ja nun schon mehrere Jahrzehnte auf dem wunderbaren blauen Planeten. Das Grundgesetz mit seinen Artikeln wurde mir mit in die Wiege gelegt und hin und wieder werfe ich einen Blick hinein. Beim Artikel 17 musste ich mich nun etwas wundern, denn da ist zwar mein Recht von Geburt an „artikuliert“, aber noch vor meiner Geburt im Jahr 1953 hat das allerhöchste Gericht, das Bundesverfassungsgericht gesagt, dass ich zwar das Recht habe, so eine Petition, ein „Ersuchen“ in meinem Fall, einzureichen und dass ich ein Recht darauf habe, dass mein Ersuchen entgegengenommen wird und dass ich sogar noch ein Recht darauf habe, dass mein Ersuchen sachlich geprüft und mir die Art der Erledigung mitgeteilt wird. Aber ein Recht darauf, dass mein Ersuchen auch umgesetzt wird, habe ich natürlich nicht. Dazu müsste nämlich der Artikel 20/2 dann erstmal geregelt werden. Das mit dem Artikel 20/2 hat aber nicht das Bundesverfassungsgericht gesagt. Das sag ich. Jetzt.

Ehrlich gesagt wird mir allein beim Abschreiben dieser Verfahrensregelungen schon schwindlig. Diese juristische Sprache! Grauenhaft! Ohne jegliche Poesie, kein Funken Freude! Im Ergebnis sah das dann bei mir so aus.

Ich verfasste am 1. April 2013 ein Ersuchen. Es lautete:
“Der Deutsche Bundestag möge ein Gesetz verabschieden, das erlaubt, die Zinszahlungen für die
Staatsverschuldung für nur 1 Tag auszusetzen. Die eingesparte Summe in Höhe von derzeit etwa 89 Millionen Euro (bei ca. 32,5 Milliarden Euro Zinsleistung/ Jahr 2012) soll den Studierenden aller Universitäten in Form einer Preisvergabe zur Lösung der Finanz- und Wirtschaftskrise zugute kommen.”

Nichts geschah. Ich übte mich mehr als drei Monate in Geduld und ersuchte Sie am 12. Juli 2013 ein zweites Mal. Vorsorglich teilte ich Ihnen mit, dass mein erstes Ersuchen kein Aprilscherz gewesen sei, sondern wirklich ernst gemeint. Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch, dass mein 1. April-Ersuchen die Nummer 41290 hatte, mein Juli-Ersuchen die Nummer 44106. Das deutet darauf hin, dass in diesen drei Monaten 2816 Petitionen bei Ihnen eingegangen sind. Im Schnitt etwa 100 Beschwerden und Ersuchen pro Tag! Wenn man die Sonntage abzieht. Am Sonntag soll der Mensch schließlich ruhen. 100 Beschwerden und Verbesserungsvorschläge am Tag! Gibt Ihnen das eigentlich nicht zu denken?

Meine Begründung für mein Ersuchen lautete sinngemäß:
Weil Sie, der Deutsche Bundestag bis zum heutigen Tag keine vernünftige Lösung der Finanzkrise zustande gebracht haben, sollte man die jungen Leute mal an das Problem ranlassen.

Ja, ich weiß, wenn ich in Saudi-Arabien leben würde, dann würde ich für die unverschämte Behauptung, dass Sie unfähig sind, schätzungsweise 50.000 Peitschenhiebe, 50 Jahren Gefängnis und dazu noch 1 Million Euro Strafgeld kassieren. Ich bin wirklich froh, dass ich im paradiesischen Bayern leben darf und nicht in der Hölle in Saudi- Arabien. Warum aber ausgerechnet direkt aus dem Paradies ständig Waffen in die Hölle geliefert werden, das habe ich immer noch nicht so ganz verstanden. Diese Frage war übrigens Gegenstand einer meiner früheren Petitionen, die ich hier nur am Rande erwähnen will. Und die ebenfalls zu den Akten gelegt wurde. Ich fürchte, mein Aktenstapel bei Ihnen ist inzwischen beträchtlich.

Jedenfalls erhielt ich im September 2013 ein Schreiben, aus dem hervorging, dass mein Ersuchen abgelehnt werde, weil es keine Aussicht auf Erfolg habe.

Ich legte Widerspruch ein, denn ob etwas Erfolg hat, das kann man erst sagen, wenn man es ausprobiert hat. Wenn man etwas gar nicht erst ausprobiert, dann kann es auch zu keinem Erfolg führen. Ist schon logisch, oder? Außerdem fragte ich ganz unverblümt, ob es etwa sein könne, dass der Deutsche Bundestag einfach keine Lust habe, meinen guten Ideen zu folgen.

Ich finde meine Idee nämlich wirklich gut! Nur 1 Tag Zinsverzicht der Bundesschätzchen-Sparer – und schon könnte im Schnitt jede der 140 Universitäten 635.000 Euro Preisgeld ausrufen. Stellen Sie sich mal vor, wie das Echo auf diese Ausrufung in den Massenmedien ausfallen würde! 1 Tag Zinsverzicht der Sparer – und 89 Millionen Euro Gewinnchancen für clevere junge Leute! Göttlich!

Es gibt dazu übrigens auch eine passende kleine Geschichte. In einem Indianerdorf in den Anden, ganz weit hinten in Bolivien, wenn es da ein richtig großes Problem gab, dann wurden immer die Jungen mit der Lösung des Problems beauftragt. Die Jungen, die wussten nämlich noch nicht, dass es aussichtslos ist, das Problem zu lösen. Das soll gut funktioniert haben!

Sie werden es nicht glauben, aber es ist wahr. Ich habe meine gute Idee damals in einen kleinen Kreis junger Piraten hinausposaunt und am nächsten Tag lag mir schon das erste Konzept vor. Sauber ausgearbeitet mit Grafiken und allem Pipapo. Eigentlich schade, dass die Piraten nach der Phase des Chaos nun in die Phase des Absterbens eingetreten sind. Aber wer weiß, vielleicht stehen sie wieder auf, neu, mit goldenen Federn, den indigoblauen Himmel hinaufschwebend wie der legendäre Vogel Phönix.

Ich will ja nicht leugnen, dass Sie sich mit meiner Petition durchaus Mühe gegeben haben. In dem Schreiben, das ich gestern erhielt, sagen Sie, dass sogar die Bundesregierung sich damit befasst hätte. Der Petitionsausschuss habe der Bundesregierung Gelegenheit gegeben, sich zu meinem Ersuchen zu äußern und es habe eine parlamentarische Prüfung stattgefunden. Tatsächlich? Ich kann es kaum glauben. Nun ja, es hat ja auch über ein Jahr gedauert, bis mein Ersuchen dann doch abgeschlossen und zu den Akten gelegt wurde. In der Zeit musste dieser ermüdende Wahlkampf geführt werden, die Kanzlerin musste wegen der Handy-Spionage mit dem Präsidenten der USA reden, Waffengeschäfte mussten eingefädelt werden, da hat es eben gedauert, bis sich jemand mit meiner Petition beschäftigen konnte. Versteh ich. Kein Problem. Ich hab ja Zeit.

Die Zusammenfassung der Äußerungen der Bundesregierung und des Parlaments lassen mich jedoch verzweifeln. Sie haben allesamt einfach keine Fantasie. Weder Bundesregierung noch Parlament kann sich vorstellen, dass das, was ich vorschlage, Wirklichkeit werden kann.

Sie behaupten einfach: Das geht nicht! Deshalb wird das Verfahren jetzt abgeschlossen. Ende der Ansage.

Die Begründung ist wirklich abenteuerlich: Man würde sonst Scherereien mit der so genannten „Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH“ bekommen. Die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch Bundesregierung und Bundestag stehe in zwingenden Rechtsbeziehungen zu dieser ominösen Finanzagentur GmbH. Zwingend!

Darf ich noch mal nachfragen: Wo bin ich hier eigentlich? Eine Finanzagentur GmbH kann die Bundesrepublik zu etwas zwingen? Wegen der Rechtslage? Wer macht gleich noch mal die Gesetze hier?

Hallo!? Das war doch gerade mein Ersuchen, dass Sie ein Gesetz machen sollen! Ein Gesetz, das diese Finanzagentur GmbH zwingt, auf einen Tag Zinsen zu verzichten. Wer denn sonst soll bitte so ein Gesetz machen? Ich? Ich würde ja gern, aber obwohl ich laut Grundgesetz Artikel 20/2 das Recht dazu habe, kann ich dieses mein Recht nicht in Anspruch nehmen. Seit etwa 30 Jahren fordere ich die Umsetzung von Grundgesetz Artikel 20/2: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen … ausgeübt.“ Abstimmungen? Hab ich schon mal an einer bundesweiten Abstimmung teilgenommen? Wo bin ich gleich wieder? Ach ja, was für ein Glück, dass ich nicht in Saudi-Arabien bin.

Eins kann ich Ihnen jedenfalls versichern: Wenn Sie mich gefragt hätten, ob ich einverstanden bin, dass im Jahr 2012 Waffen im Wert von 1,2 Milliarden Euro nach Saudi- Arabien geliefert werden, ich hätte „Nein!“ gesagt. Genauso, wie ich „Nein!“ sagen würde, wenn Sie mich fragen würden, ob diese eigentümliche „Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH“ eine solch zwingende Macht ausüben darf. Eine GmbH! Ein Ding mit beschränkter Haftung? Wer soll dann gleich wieder haften, wenn die Mist bauen? Ich? Alleiniger Gesellschafter dieser GmbH ist allerdings wiederum der Bund. Warum also soll da keine Einwirkung durch ein Gesetz möglich sein? Vielleicht dann doch, weil Sie, lieber Bundestag, halt keine Lust da drauf haben, nicht wahr?

Weil: Das Ergebnis, das die jungen Leute da – unterstützt durch mein fantastisches Preisgeld – zustande bringen könnten, die Lösung der Finanz- und Wirtschaftskrise, das könnte nämlich womöglich so richtig Lust machen, auf dem schönen blauen Planeten weiterzuleben. Aber darauf haben Sie, werter Bundestag, scheinbar wirklich keine Lust.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Monika Herz

Veröffentlicht unter Lesermitteilungen | Kommentare deaktiviert für Gastbeitrag: Kolumne „Lieber deutscher Bundestag“

Baron von Feder: Eine Entenerzählung

02-07-2014 Entenerzählung

Veröffentlicht unter Baron von Feder | Kommentare deaktiviert für Baron von Feder: Eine Entenerzählung

APROPOSIA: Vom durchgedrehten Rasmus

APROPOSIA

Vom durchgedrehten Rasmus

Moderatorin: „Guten Abend, Erlauchte Runde. Und guten Abend, liebe Grüne. Man sagt, „Dänen lügen nicht“. Wenn das stimmt: Wer macht bei Euch eigentlich den Quotenrussen für NATO-Rasmussens Spruch, Ihr wäret all von Moskau unterwandert?“

Anti-Fracker: „Der Typ dreht grade völlig durch. Wie zur Zeit fast alle anderen auch. Die Ölbohrer drehen durch, weil sie 50 Jahre fördern wollen umd davon dann 16 Jahre zu leben, die NATO dreht durch, weil sie Helden wie Rasmus und U.v.D. hat, Mesiramis Drohne dreht auch bald durch, weil er keine Drohnen bekommt, Pornoschenko dreht durch, weil er sich fragt, ob Putin eine neue Art von Krieg erfunden hat, Obama dreht durch, weil ihn keiner mehr ernst nimmt, die Polen versuchen ihre Staatsgrundlagen abzuschaffen, Deutschland dreht durch, weil nicht mal mehr aus Fussball verlass ist- ach eigentlich sind es nur Schweden und Finnland, die halbwegs ruhig bleiben.“

Zwischenrufer: „Meisterwerk einer flachgründigen Analyse.“

Anti-Fracker: „Seh ich nich so.“

Unker: „Und wieso sind Schweden und Finnland so still?“

Zwischenrufer: „Pssst – vielleicht wissen die Näheres.“

Dr. Liberalitas: „Es genügt zu wissen, dass man manchmal zu den Waffen greifen muss.“

Franziskus: „Du sollst nicht töten.“

Dr. Liberalitas: „Spinner.“

Moderatorin: „Fracking-Gegner, nun mal ehrlich. Habt Ihr einen Quotenrussen, der Euch unterwandert?“

Fracking-Gegner: (schweigt)

Radio Eriwan: (antwortet anstatt): „Im Prinzip ja. Aber wir haben keine Russen in unseren Reihen, sondern einen Naturforscher, und der kommt auch nicht aus Moskau, sondern aus Lappeenranta. Er heißt Heikki, genannt Oironen, weil er mehr Idealismus als Geld besitzt.“

Dr. Liberalitas: „Dann müsste er mal…“

Franziskus: „Du sollst nicht töten.“

Veröffentlicht unter Aproposia | Kommentare deaktiviert für APROPOSIA: Vom durchgedrehten Rasmus

FEUILLETON: Leitfaden zum Hemingway-Lesen

FEUILLETON

Baron von Feder

„Leitfaden zum Hemingway-Lesen“

Früher konnte ich Hemingway nicht lesen. Seine Erzählungen sprachen mich nicht an. Jetzt ahne ich, woran das liegen könnte: Ich kann Hemingway nur lesen, wenn ich mich Hemingway fühle. Das tue ich selten. Hemingway rührt Gefühle an, die ich abschütteln möchte, jetzt, seit ich sie kenne. Neulich saß ich im Lesesessel und fühlte mich hundserbärmlich hemingway. Aber ich war noch nicht so hemingway, dass ich nicht mehr lesen, schreiben und denken konnte. Als Hemingway in der Schule dran war, mochte ich ihn nicht lesen. „Alter Mann an der Brücke“ machte mich auf den Krieg in Spanien 1936 wütend, „Der alte Mann und das Meer“ machte mich wuschig, weil ich ungeduldig bin. „Schnee auf dem Kilimandscharo“ kam in der Schule nicht vor, und auch sonst vermittelte die Schule den Eindruck: Kennste einen Hemingway, kennste alle. Das ist aber falsch, und nach vielen Fehlschlägen hab ich gelernt, dass meine eigenen Eindrücke doch einen Wert haben. Wer weiß, wozu der lange Weg gut war. Der lange Weg der Fehlschläge hatte bestimmt auch wieder seinen ganz eigenen Wert.

Neulich hatte ich ein komisches Gefühl. Der Abend war etwas spät und kein Bier mehr im Haus, so dass nur noch Selters mit Zitrone da war. Es ist nicht schlimm, wenn man Selters mit Zitrone trinkt, nach dem man vorher Bier getrunken hat. Aber es hilft der Denkfähigkeit beim Auftauchen. Mein erster Gedanke nach Selter mit Zitrone war: Ich will etwas lesen. Mein zweiter Gedanke war: Was? Ich schaute ins Regal, ob da eventuell noch etwas Ungelesenes stand. Im Regal stand: Ernest Hemingway, „49 stories“, Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar 1968. Also ran. Ich hatte vor Jahren mal ein Gedicht von Wiglaf Droste über Hemingway gelesen. Es ging so: „Löwenflinte griffbereit / und ein Herz, das blutend schreit / Einsamkeit, Einsamkeit./ Whisky trinken, tief versinken/ Ach ich schreib noch einen Schinken / Thema diesmal: Einsamkeit/.

An das Ende des Gereimes erinnere ich mich nicht, denn es endete mit einem Schuss. Wissen Sie, ich fühlte mich an diesem Abend schon ziemlich hemingway, verstehen Sie? Hemingway wirkt wie ein gemächlich steigender Pegel. Und man kann nicht über Dinge schreiben, die man nicht kennt. Ich habe zum Beispiel mehr Drama als Komödie erlebt, daher kann ich nicht wirklich richtig gut Komödien schreiben. Ich kann darüber schreiben, dass jeder Krieg Unrecht ist, weil ich entsprechende Vorbereitungen beim Militär erlebt habe. Ich kann über Armut und Sozialfaschismus schreiben, weil ich Hartz Vier kenne. Aber wenn ich über die Bewahrung der Schöpfung, die Liebe und die Unwirksammachung staatlicher juristischer politischer und finanzieller Repressalien schreiben will, muss ich wissen, wie man ohne Gewalt revoltiert.

Ich habe also viel zu tun und muss nun eilen. Denn Vorteil bringt dem Feinde alles Weilen.

PS: Und Hemingway konnte keine Liebesgeschichten schreiben, weil er ein Macho war.

Veröffentlicht unter Baron von Feder | Kommentare deaktiviert für FEUILLETON: Leitfaden zum Hemingway-Lesen

Lesermitteilungen: Hinweis auf nationale Armutskonferenz

Information bitte bundesweit weiterleiten !!!!

LG Michael Lange / Hamburg

Verteiler:

Nak-Delegierte

Nak-Delegierte mit Gaststatus

Interessenten 9. Treffen von Menschen mit Armutserfahrungen

Sehr geehrte Damen und Herren,

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der vergangenen Treffen von Menschen mit Armutserfahrungen,

am 26. und 27. September 2014 findet in Hamburg das 9. Treffen der Menschen mit Armutserfahrungen statt, zu dem wir Sie herzlich einladen. Das Treffen wird in die Aktionstage gegen Armut eingebettet. An zwei Tagen wollen wir Menschen mit Armutserfahrungen Teilhabe in den Bereichen Sport, Kultur und Kunst ermöglichen. Das Programm der Aktionstage senden wir Ihnen im Juli zu.

+++ Bitte beachten Sie, dass Ihre Anmeldung schriftlich bis zum 15. Juli bei uns eingegangen sein muss. Spätere Anmeldungen können wir leider nicht berücksichtigen. Bitte verwenden Sie zur Anmeldung ausschließlich das beigefügte Anmeldeformular. +++

Die nak kann mit dem vorhandenen Budget maximal 50 Personen die Teilnahme an dem Treffen ermöglichen. Wir bemühen uns, Sponsoren für weitere Interessierte zu finden. Die 50 geförderten Plätze sind ausschließlich für diejenigen reserviert, die nicht in der Lage sind, die Fahrt- und Übernachtungskosten selbst zu tragen oder deren Kosten nicht von einer Mitgliedsorganisation der nak übernommen werden können.

Bitte klären Sie vor Ihrer Anmeldung, ob Ihnen die Finanzierung Ihrer Teilnahme durch eine Ihnen bekannte Organisation / Verband / Beratungsstelle etc. möglich ist. Damit erhöhen Sie die Chancen auf eine Teilnahme.

Wir freuen uns auch über Anmeldungen von Delegierten oder anderen Professionellen aus dem Umfeld der nak Interessierten, um eine gute Mischung der TeilnehmerInnen zu haben. Der Austausch „Zwischen den Welten“ ist nach wie vor ein wichtiges Ziel des Treffens. Der Großteil der Plätze ist aber nach wie vor Menschen mit Armutserfahrungen vorbehalten.

Bei Rückfragen zur Anmeldung wenden Sie sich bitte an Manuela Bluhm: manuela.bluhm@paritaet-hamburg.de, Tel.: 040 | 41 52 01-67.

Mit freundlichen Grüßen

Sylke Känner
Geschäftsführerin der Nationalen Armutskonferenz
c/o Der PARITÄTISCHE Hamburg
Wandsbeker Chaussee 8 – 22089 Hamburg

Tel.: 040 – 41 52 01 64
Fax: 040 – 41 52 01 29

armutskonferenz@paritaet-hamburg.de

www.nationale-armutskonferenz.de

nak-Flyer-9.Treffen

Veröffentlicht unter Lesermitteilungen | Kommentare deaktiviert für Lesermitteilungen: Hinweis auf nationale Armutskonferenz

REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt Nummer 81 für Ersten Juli ist da

Liebe Leserinnen, liebe Leser, „Das Flugblatt“ für den Ersten Juli ist fertig. Die Erlauchte Runde stellt Vermutungen an, was ein Flintenweib zur Guten Nacht als Einschlaflied bevorzugt. In einer Nebenrolle kommt auch Dr. Liberalitas wieder zu Wort. Seine Meldung war einfach unüberhörbar. Völker, hört die Signale. In der Rubrik Rezension geht es um ein Buch von Roland Kanz, der den selbstherrlichen Lebenserinnerungen von Giacomo Casanova das Leben seiner Brüder gegenüberstellt. Giacomo Casanova erscheint so als berühmter Tunichtgut. Die Lektüre hat bei mir etwas länger gedauert, denn es gab soviel zu tun, und ich wusste manchmal nicht, ob ich das alles überhaupt schaffe. Im Bewegungsmelder geht’s um Erdölförderung in Saal. „Ölkitzel am Stassfurt-Karbonat“ heisst der Beitrag.

Das Flugblatt Nummer 81 01-Juli-2014 –

Veröffentlicht unter Redaktionsmitteilungen, Uncategorized | Kommentare deaktiviert für REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt Nummer 81 für Ersten Juli ist da

BEWEGUNGSMELDER: „Ölkitzel am Stassfurtkarbonat“

BEWEGUNGSMELDER

„Ölkitzel am Stassfurtkarbonat“

„Ölkitzel am Stassfurtkarbonat“

In der Woche vom 16. bis 20. Juni will die Ölförderfirma CEP die hydraulische Stimulation der Förderstelle am Bohrloch Barth 11 in Saal abschließend stimuliert haben. Auf einer Länge von 1000 Metern hat CEP dazu zehn sogenannte Stimulationsports in die Horizontalbohrung in 2.700 Metern Tiefe eingebacht. Dort lagert das begehrte Stassfurt-Karbonat, eine Gesteinsschicht, in dem sich vor 250 Millionen Jahren Pflanzenreste unter dem Druck der Gesteinsmassen zu der Molekülstruktur von Erdöl verformten. 250 Millionen Jahre später ist Öl ein Rohstoff in der Weltwirtschaft, für den horrende Preise gezahlt werden, manchmal auch der Preis von Menschenleben in Kriegen.

Fotocollage: Am Bohrloch Bart 11 in Saal am Saaler Bodden begannen die Ölbohrer von CEP am Montag mit dem Aufbrechen des ölhaltigen Stassfurtkarbonats in 2700 Metern Tiefe. Das Gestein wurd durch eine Pampe aufgebrochen, die aus Stützsand, wasser und Gel besteht. In vier Mischsilos – siehe oben – mischt die Firma halliburton die Pampe zurecht. Unten sind die Komponenten noch mal im Detail zu sehen. Rechts ist der Geschäftsführer mit einem Fläschchen Öl von 2011 vom gleichen Bohrloch.

Stimulation

 

Weil beim Bohren die Bereiche um das Bohrloch ndurch Bohrschlamm und Zement verschlossen werden,  muss jeder, der das Öl fördern will, diese Schichten zerstören. Dafür gibt es zwei Methoden: Fracking und hydraulische Stimulation. CEP wendet die hydraulische Stimulation an. In den letzten Wochen und Monaten gab es um die Bezeichnung der Methode teils heftige, teils gründliche Diskussionen. Darin sollte geklärt werden, ob das hydraulische Stimulieren lediglich ein beschönigender Ausdruck für Fracking ist oder tatsächlich eine eigene und verhältnismäßig umweltschonende Methode. CEP-Geschäftsführer Thomas Schröter und Pressesprecher Jens Müller erklärten in den letzten Wochen beharrlich, dass beim Stimulieren eine Flüssigkeit („nicht waqssergefährdend“) in die Gesteinsschicht gepresst wird. Insgesamt 1.500 Kubikmeter eines Gemisches aus Stützsand, Wasser und Gel werden dazu in Silos der Firma Halliburton durch Halliburton selbst angemischt und dann in die Stimulationsbohrungen gepresst. Das freiwerdende Öl steigt dann, wenn CEP nach dem Anschluss aller Stimulationsstellen die Ventile aufdreht, durch Rohrleitungen an die Oberfläche, wo das ganze Gemisch wieder aufgefangen wird. In einer vierstufigen Separation werden dann die Bestandteile voneinander getrennt. Das Wasser mit dem Stimlationsmittel wird aufgefangen, das Öl wird in Messkesseln auf seine chemische Reinheit untersucht, und das Gas wird abgefackelt. Mit hydraulischer Stimulierung hat die Erdölförderung in den letzten 60 jahren 450 mal Erfahrung gesammelt, sagte der Geschäftsführer. Mit der Stimulationsflüssigkeit gibt es erst seit vier Jahren Erfahrung, denn das Gemisch mit dem Markennamen Cleanstim ist erst 2010 von Halliburton angemeldet worden. Umweltverträglich soll es dennoch sein. Als Beweis taucht Geschäftsführer Schröter einen Finger in die Substanz und schleckt ihn hernach ab.

Foto: CEP-Geschäftsführer verkostet eine Komponente von Halliburtons Stimulationsflüssigkeit Cleanstim (Markenanmeldung 2010)

DSCN2635

Veröffentlicht unter Feuilleton-Zeitgeist | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für BEWEGUNGSMELDER: „Ölkitzel am Stassfurtkarbonat“

BARON VON FEDER: Neues von der Tagelöhnerei – Teil 2

BARON VON FEDER

„Neues von der Tagelöhnerei“

Teil 2

Im Arbeitsamt Ribnitz ist alles anders als vor 5 Jahren. Von den damaligen Feldwebeln in den Dienststuben der Sachbearbeiter ist keiner mehr da. Ich traf auf nette, höfliche und lächelnde Menschen. Schon nächste Woche soll ich wieder kommen. Da möchte Frau Gullbrandt-Mullesiepen mir Minijobs anbieten, die auch herzkranke Schriftsteller und Journalisten machen können, weil sie ja weder von Rente noch Hartz Vier leben können. Und die Kreativität muss ja auch erhalten bleiben. Ich freu mich auf das Treffen. Vielleicht ist Frau Gullbrandt-Mullesiepen wieder so nett zu mir. In der Antragsannahmestelle war dann noch ein kühler Hauch von damals zu spüren. Herr Amt bestand auf dem Rückkaufswert meiner Altersrentenvorsorgeanlage. Ich sagte: „Ich hab einen Vewertungsausschlussschein“. Herr Amt sagte: „Und ich die Aushebelungsberechtigung.“ Sie besagt, dass ich von meiner Altersrente exakt 750 Euro pro Lebensjahr behalten darf. Mit 65 wären das 48.750 Euro. Bei 48 sind das 36.000 Euro. Damit kommt ein einzelner Herr bei äußerst bescheidener Lebensweise bestenfalls 3 Jahre aus. Was ein Rückkaufswert ist erklärte Herr Amt nicht. Die Berechnung bleibt unklar. Vielleicht verstehe ich ja mehr davon, wenn mir die Sparkasse genaue Zahlen schreibt. Richtig merkwürdig wurde mir, als Herr Amt mich fragte, was ich mit 5000 Euro vom Sparbuch gemacht hätte. „Haben Sie die fehlenden 5000 für betriebliche Zwecke ausgegeben?“ Ich sagte ja und wunderte mich darüber, dass Herr Amt von Differenzen Kennntis hatte, über die wir gar nicht gesprochen hatten. Stimmt ja auch: Den Wohnwagen brauche ich beruflich. Als Schriftsteller brauche ich einen Ort, an dem ich meinem kreativen Schaffen freien Lauf lassen kann. Eine kleine Wohnung kann einem, wenn man Hartz Vier hat, sehr schnell wie eine Gefängniszelle vorkommen. Hab ich alles schon erlebt. Mir kam die Art der Befragung übrigens wie ein Hinweis auf nachrichtendienstliche Schulung der Mitarbeiter vor. War nicht in den letzten Jahren mal von einer Art Sozialgeheimdienst zur Erkundung der Vermögenslage von Hartz-Vier-Opfern die Rede? Herr Amt sagte: „Wahrscheinlich werde ich den Antrag ablehnen müssen, bis Rente und Bausparvertrag verbraucht sind.“

„Noch Fragen, Kienzle?
„Nein, Hauser.“

Veröffentlicht unter Baron von Feder | Kommentare deaktiviert für BARON VON FEDER: Neues von der Tagelöhnerei – Teil 2

BARON VON FEDER: Neues von der Tagelöhnerei – Teil 1

BARON VON FEDER

„Neues von der Tagelöhnerei“

Teil 1

Fast hätte es geklappt. Drei ein halb Stunden körperliche Arbeit hätten 90 Euro pro Woche eingebracht. Die freie Entfaltung der Kreativität wäre abgesichert. Kein Arbeitsamt, kein Sozialamt hätte sich für mich interessieren dürfen. Und dann machte das Herz schlapp. Körperliche Arbeit geht nicht mehr. Geistige Arbeit aber bezahlt mir keiner. Mir ist genau der Teil meiner Lebenserwerbsorganisation weggebrochen, der sozusagen ein Modellversuch für ein menschenwürdiges Leben trotz ARGE und Ämterschikanen war. Nun ist klar, dass eine kleine Tagelöhnerei Menschen nur solange unabhängig und frei macht, wie die gesundheitlichen Bedingungen zur Durchführung der Tagelöhnerei funktionieren. Nach aktuellem Hart-Vier-Unrecht darf man nur noch 150 Euro pro Lebensjahr als Schonvermögen behalten, welches aber nach oben bei 9.750 Euro endet. Wer älter ist, hat Pech und soll sogar seine Rentenversicherung zurück kaufen. Zum Glück gibt’s noch einen weithin unbekannten Begriff, welcher „Verwertungsausschluss“ heißt. Der besagt, dass Ersparnisse für eine Altersrentenvorsorge eben nicht verbraucht werden dürfen, bevor das Datum der Altersrente gekommen ist. Das gleiche gilt für Bausparverträge, denn es handelt sich um zweckgebundenes Sparen. Damit Menschen nie wieder Einkommen erzielen können, wird ihnen nur solche Arbeit bezahlt, die sie nicht können. Das Prinzip der Tagelöhnerei ist richtig. Wo aber gibt es geistige Tagelöhneraufgaben? Übrigens hat kürzlich zum Thema Mindestlohn, welcher Acht Fuffzich der Bundesverband der Deutschen Industrie gesagt, dass Praktikanten weniger als den Mindestlohn kriegen sollen, und die Altersgrenze für Paktikanten wäre mit 18 zu niedrig. Ich hab das so verstanden, dass die Menschen viel früher mit Arbeiten anfangen sollen und weniger Geld dafür erhalten. Sonst, so BDI, gibt es Unheil für die Wirtschaft. Na und? Mindestlöhne soll es auch nicht geben für: „Rentner, Studentische Hilfskräfte und Zeitungsausträger.“

„Noch Fragen, Kienzle?
„Nein, Hauser.“

Veröffentlicht unter Baron von Feder | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für BARON VON FEDER: Neues von der Tagelöhnerei – Teil 1