BARON VON FEDER: Die Rüstung sucht Arbeitskräfte

Die Rüstung sucht Arbeitskräfte

Es heisst zwar Schwerter zu Pflugscharen, aber eine wie hier gesuchte Verbindung von Landmaschinen und Waffen ist falsch. Oder fängt hier schon mal die rückwärtige Mobilmachung an?

 

25-03-2015 Anzeige Nordkurier Rüstungs bietet Jobs

 

 

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für den März ist da

Liebe Leserinnen, liebe Leser, danke, dass viele von Ihnen bemerkt haben, das das flugblatt nicht pünktlich flatterte. aber nun ist es ja da, und ohne längere Umschweife bekommen Sie es hier:

Das Flugblatt 89-01-03-2015 neues Layout

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BEWEGUNGSMELDER: Neustrelitzer Theater-Theken-Nacht

Neustrelitzer Theater-Theken-Nacht

Am 20. März 2015 tingelten 9 verschiedene Schauspieler mal als Solo, mal im Duo durch 9 verschiedene Hotels.Sie sind Mitglieder des Schauspiel-und Theaterensembles Neustrelitz sowie der Neubrandebburger Philharmonie und möchten dies auch bleiben. Jedoch hat Kultusminister Matthias Brodkorb mit seinen Theaterfusionsplänen den Brotkorb für die Kunst unerreichbar hoch gehängt. Dabei braucht doch jede kultivierte Stadt ein Theater. Am 23. März wird Herr Brodkorb in Neustrelitz erwartet. Bürger der Stadt wollen um 17 Uhr für den Erhalt des Theaters demonstrieren und um 18 Uhr will der Minister dann „den Dialog mit den Menschen im Lande führen“. Und alle, die neun mal am Abend in neun Kneipen theaterten, haben volle Brotkörbe
verdient.

20-03-2015 Theater Tresen andres Felipe Odrozco20-03-2015 Theater Tresen Anna Maistriau20-03-2015 Theater Tresen besoffner Herr Thomas Pötzsch20-03-2015 Theater Tresen Lena Kutzner singt Zara Leander

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APROPOSIA: Von wegen und Frieden

APROPOSIA

 Am Ukrainischen Kriegstheater in Minsk fand am 12. Februar das nach jedem Krieg übliche Stück „Wege zum Frieden“ statt. Wie fast immer finden solche Inszenierungen als Gastspiel der Akteure auf einer nichtbeteiligten Bühne statt. Alexander Lukaschenko, der Intendant des Weißrussischen Politiktheaters, stellte seine Heimatbühne zur Verfügung, Wladimir Putin gab den Bösen, Petro Pornoschenko das schmierige Opfer, die Sehr Kluge Frau gab die Sehr kluge Frau, und der Franzose den Gockel, dessen Wichtigkeit schon aus der Tönung des Gefieders strahlt. Beinahe hätte all der Glanz von Namen und Bedeutungen die tragende Rolle des Medienchores übertönt. Was heißt Chor? Viele Chöre- eine Würdigung der Vereinten Claqueure von SZ, FAZ, Tagesspiegel und N-TV (als Solisten)

 

APROPOSIA

 Von wegen und Frieden

Moderatorin: „Guten Abend, Erlauchte Runde, ich hatte heute meinen Oheim gefragt, der ist Gärtner und kennt sich insofern mit Wildwuchs und floraler Harmonie aus. Außerdem ist er Poet, der Oheim, und der hat gesagt, Ihr alle habt bloss deshalb ein abstruses Abkommen unterschrieben, weil Ihr selbst nicht mehr wusstet, worum es geht. Ihr wart einfach zu müde und konntet nicht mehr. Das verstehen Sie nicht, Sehr Kluge Frau. Darum frage ich jetzt Sie zuerst, wie Sie die Nacht von Minsk erlebt haben.“

Sehr kluge Frau: „Wir haben viel erreicht. Aber wir hätten mehr erreichen können, wenn wir auch das erreicht hätten, was wir nicht erreicht haben. Der Frieden ist sicher, wenn sich alle dran halten, der Krieg kann aber auch weiter gehen. In der Abwägung kann ich sagen, dass das, was wir jetzt erreicht haben, deutlich mehr Hoffnung gibt, als wenn wir nichts erreicht hätten.“

Zwischenrufer: „Das ist so ein Satz wie der hier: Man kann nicht sagen, die Kernkraftwerke sind sicher. Sie sind sicher.“

Sehr kluge Frau: „Was pöbeln Sie eigentlich hier rum? Wir sichern unseren Weltfrieden und Sie sagen nicht mal danke?“

Unker: „Wer Euch via Fernsehen zugeschaut hat in Minsk, der kann doch nicht auch noch danke zu Euch sagen. Was hat denn der Pornoschenk Ihnen mit seiner obszönen Händegestik gesagt?“

Sehr kluge Frau: „Wovon reden Sie eigentlich?“

Unker: „Von einem Foto. Ich hab es gesehen. In einer Zeitung.“

Moderatorin: „In der Nacht von Minsk sind die Aktiven dem geplanten Krieg ein Stück entgegen gegangen. Selbst der deutsche Außenminister (Anm.: „Steinmeier“ heißt er) bekannte kürzlich, es falle ihm schwer, in dieser Lage noch durchzusehen.“

Unker: „Bismarck soll ja auch spaßeshalber mal seine eigenen Verträge nach Jahrzehnten noch mal angesehen haben und bekannte, er verstünde gar nicht, worum es darin geht.“

Zwischenrufer: „Echt, so was is von Bismarck?“

Unker: „Ja, hab ich selbst gelesen.“

Dr. Liberalitas: „Ob Sie das gelesen haben oder nicht spielt keine Rolle. Es kommt immer darauf an, WER das, was Sie lesen, WOHIN geschrieben hat. Es besteht ein Unterschied zwischen dem Grundgesetz und einem hingekritzelten Spruch an einer Kneipenklotür.“

Unker: „Ja, Dr. Liberalitas, da hab ich mal einen gelesen, der ging so: „Mein Zweifel lässt sich schlecht verhehlen / Ich seh so viele Prallelen / Ich hab geprüft, gesucht und sah: / Es war alles schon mal da.“

Moderatorin: „Und nun kommt eben alles mal wieder: Der Krieg, der Faschismus, das Unrecht, die Armut, die Krankheiten – eigentlich hat das neoliberale Handeln eine perfekte Konterrevolution zustande gebracht und die mühsam erworbenen sozialen Errungenschaften mit Stiefeln zertreten.“

Zwischenrufer: „Und die die Stiefel tragen, sind Stinkstiefel.“

Erlauchte Runde: (Schaut betreten vor sich hin)

Petro Pornoschenko: (reisst die Tür auf, ruft: „Russlands Krieg gegen die Ukraine ist ein globaler Krieg“ (knallt die Tür wieder zu)

Moderatorin: „Da haben wir auch schon die neue Sprachregelung. Dritter Weltkrieg wäre auch eine zu deutliche Kontinuität zu seinen Vorgängern. Vielleicht sollten wir dann wenigstens vom Ersten Globalkrieg 1914 bis 18 sprechen, den alle wollten, nachdem Kaiser Wilhelm als Alleinkriegsschuldiger von vorn herein auf seine Rolle gebucht war, wie eben Putin im Dritten Globalkrieg. Über die Schuldfrage des Zweiten Globalkrieges gibt es ja keine Zweifel. Und kein Krieg hat Demokratien zu so fleißigen Studenten des Faschismus gemacht.“

 (Aus den Arien der Claquöre (Auftritt 12. Februar 2015)

SZ: „Keine Garantie für den Frieden – aber ein guter Anfang“

(Wie lange soll eigentlich der Waffenstillstand dauern? Bis alle ausgeschlafen haben?)

N-TV: „Der erste Schritt zu einer neuen Ordnung“

(Solches hätten böse Zungen auch über das Münchner Abkommen von 1938 sagen können. Ist der Krimkrieg der Probelauf dafür, die finanzmärkte direkt als Eroberungsarmeen aufzustellen?)

FAZ: „Die Formeln von Minsk“

(Lobhudelei für Merkel: „Sie hat alles Politikermögliche getan“. Ausserdem wir die Ukraine als Manövergebiet bezeichnet, aber nur für die Russen, nicht für die EU und die vereinigte Kapitalmacht, die den Status ukrainischer Sonderzonen diktieren will. Kommentar Gerhart Hauptmann: „Nu jaa nu nee nee“)

Tagesspiegel: „Mit vollem Risiko“

(Merkel wird als Weltpädagogin bezeichnet. Kindergärtnerin träfe es besser. Der Ukrainekrieg wird als Probekrieg für den großen Krieg bezeichnet, den das Vereinigte Finanzkapital plant)

 

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REZENSION: „Reuters erster Fall“

Rezension „Reuters erster Fall“

„Am Ende bleibt die Traurigkeit“

(von Helene Musfedder)

 Für seinen aktuellen Ostseekrimi hat sich Frank Goyke etwas völlig Neues ausgedacht. Er lässt den Schriftsteller Fritz Reuter nebst anderer realer Personen der mecklenburgischen Geschichte antreten, um einen fiktiven Fall von Kindestötung aufzuklären. Trotz aller regionaler und landeskundlicher Details will keine rechte Freude aufkommen. Denn Fritz Reuters Trunksucht spielt eine tragende Rolle in Frank Goykes Krimi. Die Beschreibung von Fritz Reuter im Suff ist beklemmend. Beklemmend wie ein Asthmaanfall mit gleichzeitiger schleichender Lähmung. Ob das damit zusammenhängt, dass in Goykes Rostocker Ostseekrimis auch schon eine trunksüchtige Ermittlerin auftritt? Bloß warum? Warum spielt der Suff in Goykes Krimis eine so große Rolle? Vielleicht sogar die Hauptrolle? Der Suff als literarisches und biographisches Stilmittel lenkt vom Rest der Handlung ab – von antisemitischen „False-Flag-Intrigen“ zum Beispiel und von dem Unterschied zwischen vorhandener und gewünschter Anerkennung des Autors Fritz Reuter auf dem Wege der Bekanntheit seiner Werke. Ein durchgehendes Element in dem Krimi ist Reuters „Müsstich-Dilemma“. Er müsste eigentlich an „Kein Hüsung“ schreiben, tut es aber nicht, weil zugleich sein Quartalsalkoholismus beginnt. Immerhin wird Reuter als kultivierter Säufer dargestellt, der guten Wein billigem Fusel vorzieht. Aber schöner wird die Sucht dadurch auch nicht. Wenn man nicht wüsste, dass Fritz Reuter den Titel „Kein Hüsung“ wirklich fertig gestellt hat, müsste man nach der Lektüre des Krimis annehmen, bei Reuter handele es sich um einen Trinker, dem nach genügend Wein die besten literarischen Ideen kamen, die aber auf immer verschwunden sind, weil er wegen Gläser Hebens nicht zum Feder schwingen kam. Am Ende bleibt die Traurigkeit.

Es scheint, als sei in Hinstorffs Reihe „Ostseekrimi“ eine neue Phase angebrochen, nämlich die Phase der Realgeschichte als Lokalkolorit für die üppige Fiktionalität, mit der die Autoren aus der Vorgabe Lokalkolorit die Gobelins ihrer Erzählungen weben.

(Frank Goyke, „Reuters erster Fall“, Hinstorff-Verlag, Reihe Ostseekrimi, Rostock 2015)

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REDAKTIONSMITTEILUNG: Märzflugblatt kommt später

Liebe Lerinnen, liebe Leser, das Märzflugblatt verzögert sich wegen eines Redaktionsumzuges auf unbewstimmte Zeit. Bisher ist nur die Rezension fertig.

trotzdem: alles wird gut.

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REZENSION: Des Henkers Knecht

Rezension „Des Henkers Knecht“

„Mittelalter und Neuzeit liegen nur ein Stück weit um die Ecke“

(von Helene Musfedder)

 „Stralsund gehört im Norden zu den Städten, wo man zwischen Stadtmauer, Knieper Tor, altem und neuen Mark, Ossenreyerstraße, Heilgeistkloster und Sankt Marienkirche die Geschichte wie unvergessene Erinnerung fühlt.“ Hat mein Freund gesagt, als ich verzagt nach einem Einstieg in die Rezension von Katrin Hofmanns Stralsund-Mittelalter-Krimi „Des Henkers Knecht“ suchte. Mein Freund war mächtig stolz auf seine Geistesleistung, aber ich war nicht überzeugt davon. Das sagte ich ihm auch in aller Deutlichkeit: „Freund, ich bin nicht überzeugt“, sagte ich. Schnell war ich etwas nett zu ihm, sonst hätte er mir eine Privatvorlesung über hanseatische Geschichte gehalten, und ich möchte mich doch lieber der Geschichte einer Stadt so nähern, als ob ich mir von Mauern, Kirchen, Denkmälern und Gassen von der Stadt selber Geschichten erzählen lasse. Als Kind war ich mal im Kulturhistorischen Museum von Stralsund. Dachte ich, gehste mal eben hin und fühlst nach, ob Dir die Ausstellungstücke immer noch was zu erzählen haben. Sie hatten, aber es war nur noch Jahrmarkt statt Besichtigungsarchiv. Statt dessen stellt ich mir vor, dass in den Säulen des Rathauses einer eingemauert wurde, dessen Seele immer seufzt, wenn kalte böige Winde durch die Gassen der Stadt pfeifen – und das noch heute, denn Seelen sind ja unsterblich. Mit so einer Mittelaltervorstellung konnte ich mich dem Buch ein Stück weit nähern. „Miau“, sagte meine kleine schwarze Katze, die immer dabei sein möchte, wenn ich Mittelalterkrimis rezensiere. Die Katze nimmt ihre Aufgabe sehr ernst. Sie legt ihr rechtes Pfötchen immer auf die Buchseiten, wenn ich ihrer Ansicht nach zu schnell umblättern will. Dabei schnurrt sie behaglich. Im Grunde geht es in „Des Henkers Knecht“ darum, dass eine Mutter und ihre Tochter im Kerker sind, weil das uneheliche Kind der Tochter erdrosselt wurde. Der Vater war ein Doppelbold: Trunkenbold und Raufbold. Das der Drossler der Fronvogt war, kann man glaub ich ruhig verraten. Weil der Doppelbold Sohn eines stinkreichen Kaufmanns und Neffe eines einflussreichen Ratsherren war, wär ihm beinah keiner auf die Schliche gekommen – nur eben der Knecht des Fronvogts ist gleich Henker und Liebhaber der der klügsten Hure der Stadt. Insoweit hat der Stralsundkrimi von der Konstellation her auch Ähnlichkeit mit dem etwa zeitgleich handelnden Greifswald-Krimi „Aufruhr am Ryck“ von Emma Wittgenstein. Katrin Hofmanns Krimihandlung ist sauber gestrickt, wird ab und zu mit einer Prise heutigen Humors gewürzt und am Ende meint man, dass die stets hölzern bleiben wollenden Dialoge in ihrer Hölzernheit auch eine Funktion haben. „Weißte was“, erschrickt mich plötzlich die Stimme meines Freundes, dessen eintritt ins Zimmer ich gar nicht bemerkt habe, „vergleich ma die beiden Krimifrauen mit Mittelalterbüchern von Herbert Mühlstädt“. „Wer is das denn“, fragte ich zurück. „Der war Kinder-und Jugendbuchautor in der DDR und hat auch über Mittelalter geschrieben. Seltsam: Ohne abgehackte Hände, Köpfe oder verbrannte Menschen nebst vorheriger Folter geht der Mittelaltergrusel wohl nicht. Als gäbe es heute noch Lust am Hexenzauber“. Die Katze, die sich während der Rede meines Freundes merkwürdig anspannte, sagte nun sehr laut „Grrrr“, schoss fauchend, aber mit erhobenen Schwanz und gesträubtem Rücken aus der Zimmertür und und war nicht mehr zum Reinkommen zu bewegen. „Was hat sie denn?“, fragte mein Freund. „Ach“, sagte ich, „das mit dem Mittelaltergrusel hat sie wohl falsch verstanden“.

(Katrin Hofmann, „Des Henkers Knecht. Ein historischer Stralsunfkrimi“, Strandläufer-Verlag, Stralsund 2014, 12,90 Euro. Isbn:978-3-941093-16-4)

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BARON VON FEDER:

BARON VON FEDER

„Amüsante Presselyrik“

Die zeichnende Zunft machte in Paris vor, wie bedingungslose Respektlosigkeit der Satire aussieht. Das war Mut, manche sagen inzwischen sogar Übermut. Weil ein Mutiger hundert Mutige nach sich zieht, marschierten alle mit. Es könnte zu einer Belebung des schon lange darbenden Genres des politischen Witzes kommen. Den Witz auf Religionen zu beschränken ist aber eine Selbstverstümmelung des politischen Witzes. Wussten Sie, warum sich Adolf Hitler immer chauffieren hat lassen? – Er besaß keinen Führerschein. Warum durfte man Erich Honecker 1989 keine Blumen schenken? – Weil ihm immer die Galle überlief, wenn er an Gießen erinnert wurde. Mangels Religion gab es in der DDR mehr Polizistenwitze als Witze über Pfarrer. Über Pfarrer gabs den hier: Kommt ein schwerhöriges Muttchen mit Höhrrohr in die Kirche. Sagt der kurzsichtige Pfarrer: „Das eine sag ich Dir: Ein Tuut, und Dun fliegst raus.“ Oder, noch besser: Was ist paradox? – Wenn der Parteisekretär am Sonntag zum Gottesdienst will und die Maßnahme ausfällt, weil der Pfarrer bei der Kampfgruppenübung ist. Witze musste man erzählen können, um die Grenzen unbemerkt aber nachhaltig zu überschreiten. Dann geschah einem relativ wenig. Trug man zu dick auf, war es sehr wahrscheinlich, dass die zuständigen Organe einschritten. Sitzen zwei inner Kneipe. Sagt der eine: „Kennste den Unterschied zwischen Honecker und dem Bier? – Das Bier ist flüssig und Honecker überflüssig.“ Sagt der andere: „Kennste den Unterschied zwischen dem Honeckerbild und Dir? Das Bild bleibt hier und Du kommst mit – Staatsicherheit.“ Momentan scheinen viele sogar in Mainstreammedien den Mut zur gewagten Formulierung neu zu entdecken. Das finde ich schön. Kennen Sie den: Erdogan will Merkel drängen, die Türkei in die EU aufzunehmen. Sagt erdogan: „Nur wer sich selbst und andere kennt, der wird auch hier erkennen: Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen,.“ „Ah“, sagt Merkel, „Sie kennen Goethe. schön schön. Und was sagt Ihnen Götz von Berlichingen?“ Vor Jahren schon dachte ich mal darüber nach, ob die Nazis in der Weimarer Republik und später dann ihre eigenen Auffassungen von Kabarett hatten. Wie würde das Nazikabarett aussehen, gäbe es es? Ich fand darauf keine Antwort, nicht mal von Kabarettisten bekam ich eine.

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für den Ersten Februar ist fertig

Liebe Leserinnen liebe Leser, “Das Flugblatt” für den Ersten Februar ist fertig geworden. Wie sind all die GIDAs von Pe bis Fri eigentlich auf ihre absurden Einfälle gekommen? Haben die überhaupt selbst gedacht oder wurden sie angestiftet? Und von wem? Und wenn ja: Wessen nützliche Idioten sollten sie werden? Zu welchem Zweck? Zwei Bücher gibt es in der Ecke Rezension: Einmal Gene Sharps „Leitfaden“ für eine Revolution zum Zwecke der Demokratisierung. Der Leitfaden wird nun aber in der Rezension gleich noch einmal angelegt, und zwar an bestehende Demokratien, die mit dem Trend zur Faschisierung konfrontiert sind. Davon betroffen sind nicht nur die USA, sondern auch die Europäische Union. Der Baron von Feder hat diesmal in der Rumpelkammer politischer Witze gewühlt, sich aber nur einleitende Gedanken gemacht, weil das Jahr noch jung ist und der Stoff reichen soll.

Das Flugblatt 88-01-02-2015 neues Layout

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BEWEGUNGSMELDER: Übellaunige Töne gegen Griechenland

BEWEGUNGSMELDER

Übellaunige Töne gegen Griechenland

 Die neue Regierung in Griechenland will sich keine Sparvorschriften aus Brüssel und Berlin machen lassen. Sie hat dem Dreiergespann aus Europäischer Kommission, Internationalem Währungsfond und Europäischer Zentralbank mitgeteilt, dass Griechenland nicht länger unter deren Fuchtel steht. Ab jetzt werde nicht mehr nach fremden Anweisungen auf Teufel komm raus privatisiert, verarmt und sozial abgebaut, nur damit ein paar Banken gerettet werden können. Wo die Mittel nicht zum Leben reichen, kann man nicht noch Sparrücklagen bilden. Jedes Hartz-Vier-Opfer weiß das. Nun aber war es mal interessant, Medienformulierungen und Politikerzitate miteinander zu vergleichen.

 Als in der Ukraine-Berichterstattung die Formulierungskünste der Medien ihren Höhepunkt erreicht hatten, fiel die Webseite des Nachrichtensenders N-TV noch durch vergleichsweise moderate Wortwahl auf. Seit Ende Januar geht es aber um die neue griechische Regierung und deren Maßnahmen. „Die griechischen Deutschlandhasser“ titelte ein Kommentator. Eine „vogelwilde Koalition“ habe Alexis Tsirpas gebildet. Der Linke Alexis Tsirpas und der Rechte Panos Kammenos seien „Rumpelstilzchen und der böse Wolf“ in der Europäischen Union. Außerdem warnte der Kommentator vor bislang unbekannten „düsteren Absichten“ – als ob es solche in der gesamten Europäischen Union nicht schon längst gegen die Armen gebe. All das erkannte der Kommentator an folgenden Aussprüchen von Alexis Tsirpas: „Schäuble und Merkel betreiben die Germanisierung Europas und die Kolonisierung Südeuropas“. Und dann noch: „Wir werden das Vierte Reich schlagen.“ Wann, wo und in welchem Zusammenhang die Zitate auftraten, teilte der Kommentator nicht mit.

Die Süddeutsche Zeitung blieb am 27. Januar vergleichsweise moderat. Spiegel Online aber schrieb: „EU-Politiker entsetzt über griechischen Linksschwenk“. Ich musste auch zweimal lesen, um zu verstehen, dass für diese Formulierung nicht die Satire-Rubrik „SPAM“ verantwortlich ist. Der Beinahe-Chef der Europäischen Kommission, Martin Schulz, wird zitiert: „Ich werde mit Tsirpas Tacheles reden“. Außerdem habe Schulz festgestellt: „Ich habe mit Entsetzen gelesen, dass Griechenland die gemeinsame Position gegen Russland aufgegeben hat“ Ja sind denn die Griechen des Teufels? Folgerichtig ergab sich für Spiegel Online die Frage: „Wie Europa Tsirpas zähmen kann“. Was macht dann der gezähmte Widerspenstige? Geht er mit Russland Eurasisch?

Ein solches eurasisches Gastmahl will die Bundesregierung keinesfalls dulden. Vermutlich hieß es am 30 Januar aus diesem Grunde: „Bundesregierung bereit zu 20 – Milliarden – Paket für Athen“

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