BEWEGUNGSMELDER: „Zur Zeit wieder Zeitgeist erlebbar“

Feuilleton-Zeitgeist

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„Zur Zeit wieder Zeitgeist erlebbar“

Am 06. Januar wurde die Redaktion der französischen Satirezeitschrift Charly Hebdo überfallen und mehrere Mitarbeiter getötet. Weil jemand dabei Allahu Akbar rief, wussten Staat, Politik und Medien sofort, dass es ein islamistischer Anschlag war. Anschließend war in Paris polizeilich gesehen die Hölle los, denn ein terroristischer Anschlag ist unerträglich. Gewalt, Krieg, Bürgerkrieg und Terrorismus sind unerträglich. Die Zeitung war das Ziel des Anschlags, weil sie bezüglich der Satire stets am Grenzfluss des Zulässigen wandelt und ihn öfter überschreitet. Die Überschreitung des Rubikons ist ihr gutes französisches Recht, weil die Meinungsfreiheit bezüglich der Satire keine Grenzen kennt. So etwa schreiben Medien, ihre Kommentatoren, so berichtet das Fernsehen.

Auch Demonstrationen fanden statt. Demos sind die verbliebene Möglichkeit, wie das Volk öffentlich seine Meinung sagen kann. In Wahlen kann es das auch, nur nicht öffentlich, denn Wahlen sind geheim, und man sieht am Ende das Ergebnis, aber nicht notwendigerweise den Willen der Wähler. Außerdem finden sie nur alle vier Jahre statt. Aber dann kam etwas, was sich PEGIDA nennt (bald: „nannte“), will sich als Bürgerinitiative verstanden wissen, und schafft vor allem eins: Auf geistlose Weise den Zeitgeist zur Antwort zu provozieren.

Immerhin besinnt sich die Zeit des Geistes, der ihr Erfüllung geben kann. das ist so ähnlich wie Beruf und Arbeit und Familie und Freunde und so weiter jedem einzelnen Menschen ein Stück weit Selbstverwirklichung geben. Zeitgeist ist die Selbstverwirklichung eines historischen Zeitabschnittes. Zur Zeit ist Vieles im Wandel. Soziale Gewissheiten werden fraglich, Krieg wieder denkbar, Egoismus und Fremdenfeindlichkeit werden salonfähig – aber vor allem und trotz allem: Zur Zeit erkennen überall Menschen, dass ihre eigene Selbstverwirklichung auch eine Selbstverwirklichung ihres historischen Zeitabschnittes ist. Für die Selbstverwirklichung braucht man zuerst nur zu erkennen, worin die eigenen Interessen bestehen. Die eigenen Interessen sind wohlbemerkt nicht die eingeredeten Interessen, die von Werbung, RTL, RadAB, Gewinnspielen und den Massenverblödungswaffen der Mainstream-Journalismusgeschütze stammen, sondern das kleine Stück Frieden, das man aus sich selbst in Augenblicken von Ruhe und Besinnung findet. Früher sagte man: „Keiner weiß, wer wen bescheißt, aber alle wissen: wir werden beschissen.“ Heute erkennt man die Scheißer. Dank Edward Snowdon und Bradley Manning, Claus von Wagner und Max Uthoff, Bloggern und Sängern sowie Denkern und Fragern sind zur Zeit sogar Menschen zumindest sensibilisiert zur Wahrnehmung von Lügen, Halbwahrheiten, Manipulationen, gegenseitiges Ausspielen von Orientierungspunkten, die unter der Kanzlerschaft von Helmut Kohl die Spasspartei FDP noch als Konkurrenzprogramm zum „Scheibenwischer“ von Dieter Hildebrandt betrachteten.

Zur Zeit ist wieder Zeitgeist erlebbar. Der führt dazu, dass statt „WIR sind das Volk und IHR nicht“ ein „WIR ALLE sind das Volk.“ gefühlt und gerufen wird. Und wir alle wollen das raus lassen, was wir können, damit wir alle unsrer Zeit Geist und Erfüllung gönnen.

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REZENSION: Die Fertigmacher

REZENSION

Rezension „Die Fertigmacher“

„Systematischer Kleinkrieg gegen Bürgerrechte“

Eine Beschreibung deutscher Arbeitswelten kann sich nur auf westdeutscheArbeitswelten und seit 1990 auf gesamtdeutsche Arbeitswelten beziehen. Ostdeutsche Arbeitswelten kannten weder Streikrecht noch Bagatellkündigungen. Selbst in den westdeutschen Arbeitswelten muss es einmal eine Zeit gegeben haben, da Gewerkschaften und Betriebsräte bezüglich der Arbeitnehmerinteressen eine ziemliche starke Position gegenüber den Arbeitgebern hatten. Es scheint jedoch eine ziemlich starre Blockkonfrontation gewesen zu sein, denn nach dem Ende des Sozialismus, der Bipolarität der internationalen Politik und dem hemmungslosen Ausbau von Globalisierung und Neoliberalismus wurden Arbeitswelt und Arbeitsrecht, Kündigungsschutz und soziale Mindeststandard für eine einigermaßen akzeptable Teilung arbeitende Menschen, Gut-und Besserverdienennde Menschen sowie nicht-mehr-arbeitende-und trotzdem-besitzende Menschen systematisch aufgelöst. das zeigte sich darin, dass „die Reichen“ sich nicht einmal dann Sorgen machen müssen, wenn die ihnen gehörenden Betriebe bestreikt werden. Kein Streik kann nennenswerte und wer Umsatzeinbußen durch Profitausfall verursachen. Die eigentlich Arbeitenden verloren systematisch ihren Rechtsschutz. Das lag daran, dass „die Wirtschaft“ in Verbindung mit „der Justiz“ es geschafft hat, Arbeitnehmerrechte auszuhebeln und die Rechtschutzvertreter der Arbeitenden mit einem Kleinkrieg zu überziehen, der bis hin zur bewussten Zerstörung von Existenz und Gesundheit geht. Wie solches geht und wer solches tut, haben Werner Rügemer und Elmar Wienand in dem Buch „Die Fertigmacher“ beschrieben. (Werner Rügemer/elmar Wienand, „Die Fertigmacher“, Verlag PapyRossa, Köln 2014). darin wird unter anderem beschrieben, dass Arbeitgeber bei einer anstehenden Kündigungswelle mehr Rechtsberatung von professionellen Kündigungsanwälten erhalten als die Interessenvertreter der von zumeist Bagatellkündigungen als Vorwand betroffenen wehrlosen einfachen Angestellten. Arbeitgebern wurde daher mehrfach empfohlen, vorsorglich jedem Mitarbeiter über einige Jahre gestreckt „Faule Eier“ ins Ndest zu legen, sie darauf abzumahnen um im Bedarfsfall nachweisen zu können, der Mitarbeiter sei schon längere Zeit wegen fehlender Zuverlässigkeit aufgefallen. Und dann wäre es ein außerordentlicher Grund zur fristlosen Kündigung ohne Chance auf Kündigungsschutzklage. Und das geht durch nahezu alle Branchen durch: Gastgewerbe, Einzelhandel, Post, Pflegedienst, Innerer Dienst – selbst unter Beamten soll das vorkommen, aber da wird dann bestenfalls ein Karriereposten frei und Pensionen nur bei politischem Bedarf angekratzt. Völlig dem offenen diktatorischen Vorgehen frei gegeben sind Maßnahmen, bei denen durch Zersetzung von Familienverhältnissen oder partnerschaftlichen Beziehungen Druck auf das wunschgemäße Verhalten eines Betriebsrates oder eines Gewerkschaftsmitgliedes ausgeübt werden soll.

Man möcht doch dann sowohl interessehalber als auch wegen der Menschlichkeit wissen, wie bei der Bahn gegen den Chef der Lokführergewerkschaft Claus Weselsky vorgegangen wurde. Kurzzitat aus Spiegel Online:

Chef der Lokführer-Gewerkschaft: Weselsky beklagt „Pogrom-Stimmung gegen die GDL“

Claus Weselsky sorgt erneut mit einem drastischen Vergleich für Aufsehen. Der Chef der Lokführergewerkschaft beklagt im „Kölner Express“, dass „von interessierter Seite eine Pogrom-Stimmung gegen die GDL“ erzeugt werde.

(Werner Rügemer/Elmar Wienand, „Die Fertigmacher“, Verlag Papy Rossa, Köln 2014)

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REZENSION: Von der Diktatur zur Demokratie

REZENSION

Rezension „Von der Diktatur zur Demokratie“

„Solange die Erinnerung frisch ist“

Das Wort Diktatur hört sich nach Militärjunta an. Es hört sich an, als verschwänden stets willkürlich Menschen. Wenn man morgends aufsteht, weiß man noch nicht, ob man abends bereits gefoltert wird. Angst und Denunziation beherrschen die Beziehungen der Menschen untereinander. Solche Diktaturen gibt es. In dem Wortungetüm „Diktatur der Arbeiterklasse“ ist das Wort „Diktatur“ nur unglücklich oder missverständlich gewählt. Neben reinen polizeistaatlichen Diktaturen gibt es aber auch noch das Diktat der Finanzmärkte mit seinen verheerenden sozialen Auswirkungen und ein Diktat der Rechts-und Regelvorschriften beispielsweise bei der individuellen Versorgung von Haushalten mit Solarenergie und bei anderen Zwangsgebühren, die nicht nötig sind. In Gene Sharps Broschüre „Von der Diktatur zur Demokratie“ (in vierter Auflage 2014 bei C.H.Beck in München erschienen) geht es aber ausschließlich um solche Diktaturen, die an der Macht des Militärs auch im Innern des eigenen Landes und an paramilitärischen Polizeibefugnissen erkennbar sind. Staatsrechtler, Gesellschaftswissenschaftler, Historiker und Politikwissenschaftler lehren beinahe einhellig, dass es zwischen Demokratien und Diktaturen eine Art Abwechslungsverhältnis gäbe. An das Ende einer diktatorischen Herrschaft schließt sich eine bisweilen lange Phase der Demokratisierung an. Aber auch Demokratien halten nicht ewig, und so können sie in Chaos versinken. Dann ruft der Staat nach dem Militär, um Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten. Das Militär versteht sich als Retter und baut seinerseits seine Macht aus. Weil es gar nicht anders kann, beruht die neue Ordnung auf Befehl, Gehorsam und Bestrafung und schon ist die Diktatur etabliert. Irgendwann reicht es den Menschen und sie versuchen einen demokratischen Wandel herbeizuführen. Sie sollten das tun, solange die Erinnerung an die Annehmlichkeiten der Demokratie noch frisch ist, damit sich jeder etwas unter dem Neuen vorstellen kann, welches das Alte, die Diktatur, beseitigt. Ein Gustav Noske, der seinerseits bezeichnender Weise Sozialdemokrat war, hielt 1918 die militärische Diktatur für ein legitimes und geeignetes Mittel, um mittels übergeordneter Gewalt reaktionäre Kräfte, welche die Monarchie wieder haben wollten, und revolutionäre Kräfte, die soziale Gerechtigkeit erträumten, gegeneinander auszuspielen. Auf der einen Seite Reaktion und Monarchie und auf der anderen Seite Demokratie und Republik spielte die Weimarer Republik solange gegeneinander aus, bis das Land in Hitlers brauner Scheiße saß. Hätten Weimars Demokraten das Buch gekannt, hätten sie den Sturz in die faschistische Diktatur verhindern können. Vielleicht. „Hätte der Hund nicht gekackt, hätte er vielleicht den Hasen gefangen:“ Aber angesichts der derzeitigen Abstiegsdrohung der Demokratie zugunsten einer neuerlichen Diktatur könnte die Lektüre des Buches durchaus ein Wegweiser sein, wie man eine europäische Diktatur vermeiden kann. Schon komisch, dass unterdrückte Länder zur Demokratisierung neigen, während Demokratien zur Faschisierung tendieren, wie es die USA-Politik seit der Globalisierung und Neoliberalisierung der Weltwirtschaftsordnung unverhohlen vorführt.

Das Wichtigste an Gene Sharps Buch ist die Auflistung der 200 Methoden des gewaltfreien kampfes gegen Diktaturen oder zum Stopp abgleitender Demokratien in den Pfuhl der Diktaturen. Die sind alle im Anhang aufgelistet.

(Gene Sharp, „Von der Diktatur zur Demokratie. Ein Leitfaden für die Befreiung. Lehrbuch zum gewaltlosen Sturz von Diktaturen.“, Verlag C.H.Beck, 4. Auflage 2014, Original: „From Dictatorship to Democrazy“, 1993)

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Lesermitteilungen: Sollte ich…

Es IST Zeit ... von Heiko Schulz ²

Sollte ich …

(von Heiko Schulz)

Da sitze ich, gerade heute,
es könnt genau so gestern sein,
und denk an all die kleinen Leute,
in deren Herzen brennt der Sonnenschein.
Die noch nicht ahnen, wo es hin geht,
da auf der großen weiten Welt.
Die nicht merken, wie kalt der Wind weht.
Es wird eisig in unsrem Weltenzelt.

Und sollte ich in zwanzig Jahren
an heute dann zurück mich denken,
um mich herum des Wahnes Scharen,
ich würd euch gern, was einst war schenken.
Und sollte ich in zwanzig Jahren,
vielleicht ja auch nicht so lang hin,
euch nicht vor Grausamkeit bewahren,
muss ich mich fragen nach dem Sinn.

Da sitze ich gerade heute,
es könnt genau so gestern sein,
und spüre der Menschenmassen Meute.
Und alle wollen Richter sein.
Sie wissen nicht, was das bedeutet,
wenn Recht aus Kindern Krieger macht.
Wenn diesen dann ihr letztes Stündchen läutet,
was hat das Richten dann gebracht?

Und sollte ich in zwanzig Jahren
an heute dann zurück mich denken,
um mich herum des Wahnes Scharen,
ich würd euch gern, was einst war schenken.
Und sollte ich in zwanzig Jahren,
vielleicht ja auch nicht so lang hin,
euch nicht vor Grausamkeit bewahren,
muss ich mich fragen nach dem Sinn.

Da sitze ich gerade heute
und schau zurück und frage mich:
Was ist’s, was ich zutiefst bereute?
Und denke immerzu an dich.
Du bist das Kind, ein Kind der Erden.
Du hast ein Recht auf Freiheit, auf dein Spiel.
Doch diese Zeit jetzt all der blinden Horden,
bewirkt in Zukunft, dass das Kind vom Baume fiel.

Und sollte ich in zwanzig Jahren
an heute dann zurück mich denken,
um mich herum des Wahnes Scharen,
ich würd euch gern, was einst war schenken.
Und sollte ich in zwanzig Jahren,
vielleicht ja auch nicht so lang hin,
euch nicht vor Grausamkeit bewahren,
muss ich mich fragen nach dem Sinn.

Und sollte ich in zwanzig Jahren
an heute dann zurück mich denken,
so will ich eine Hoffnung wagen,
dass Hass und Macht doch noch einlenken.
Und sollt ich dann in zwanzig Jahren
das leichte Spiel der Kinder sehen,
wie warmer Wind ihr Haar lässt luftig wehen,
dann denke ich zurück an heute
und lächle.
Ein Lächeln für der Welten fröhlich Kinderscharen.

(© H. Sch.)

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APROPOSIA: Von der Zerissenheit

APROPOSIA

 Am 06. Januar überfielen Bewaffnete die Redaktion der pariser Satirezeitung Charly Ebdo und töteten mehrere Redakteure und Karikaturisten. Am 09. Januar war der 125. Geburtstag von Kurt Tucholsky. Am 10. Januar meldete N-TV, dass die Deppen von Pegida jetzt als gemeinütziger Verein werden wollen. Und fast jede Neinungsäußerung kann als Unterstützung der jeweils anderen Seite fehlinterpretiert werden.

 Von der Zerissenheit

Moderatorin: „Guten Abend, erlauchte Runde, falls ich das heute noch unbefangen so sagen darf. Ich möchte mit Ihnen heute über das Thema politischer Rollentausch sprechen. Bei uns zu Gast ist heute ein Gemüsehändler, den uns der Geist seines Schöpfer-Großvadders Tucholsky empfohlen hat.“

Gemüsehändler: „Wie Sie mich hier sehen, will ich diesmal kein Opfer einer Parteizerissenheit werden, sondern Sie das besonders behutsam, aber deutlich, erklären.“

Moderatorin: „Okay, Sie haben das Wort.“

Gemüsehändler: „Also die Meinungsfreiheit, nicha, die gilt doch im demokratisierten Westen als höchstes Gut. Und die EU gehört zum demokratiserten Westen dazu, inklusive Deutschland. Das ist eine schöne Theorie, die praktisch leider nicht stimmt. Denn im Gegensatz zur Europäischen Union ist die Meinungsfreiheit ein grenzenloser Raum.“

Mesiramis Drohne: „Europa ist auch ein grenzenlos freier Raum. Das Schengener Abkommen….“

Gemüsehändler: „Aber eben auch Frontex. Und da beginnen sich die politischen Rollenspiele zu vertauschen. Pegida und die Nazis fordern Ausländer raus, und die Politik fordert von ihrer Grenzschutzagentur Frontex, keine Flüchtlinge rein zu lassen. Wenn die Politik sowieso schon das macht, was Pegida und andere wollen, dann sind sie bald salonfähig.“

Mesiramis Drohne: „Wir haben Radikalisierungsprozesse in Deutschland, bei denen sich Personen äußerlich und innerlich bis hin zu ihren Essgewohnheiten verändern.“

Unker: „Scheiße, mir hat mein Arzt ne Ernährungsumstellung verordnet.“

Moderatorin: Übrigens, hier steht grade im Tagesspiegel: Die Weltbevölkerung wächst und Fleisch wird zum Luxusgut. Unsere Ernährung wird sich in den kommenden Jahrzehnten verändern – deshalb könnten bald Insekten, Algen und sogar Laborfleisch auf unseren Tellern landen.

Zwischenrufer: „ Aufpassen hier.Passen Sie gut auf, Herr Drohne. Achten sie auf Speisekartensammlung in Restaurants und bei Imbissbuden. Gebt Acht.“

Unker : „Zwischenrufer, gib Five.“

Dr. Liberalitas: „Wenn Dr. Schröder und Herr Steinmeier sagen, dass, wer Ausgrenzung und Kleinherzigkeit gegenüber Flüchtlingen predigt, unsere westliche Wertekultur nicht kennt und vom Christentum keine Ahnung hat, so stehen beide unumstritten an der Spitze all der gutmeinenden aber naiv-unwissenden Bürger4nitiativen und Bewegungen.“

IHW-Gründer: „Als Mitinitiator der Göttinger Initiative Humane Welt IHW erkläre ich Ihnen, Dr. Liberalitas, dass aus dem Gallemund von sozialfaschistischer Hartz-Vier-Politik sogar die Wahrheit zur Lüge verkommt.“

Dr. Liberalitas: „Ihnen wünsche ich, werter Herr Gründer, dass Thilo Sarrazin persönlich Ihr Grundsicherungsbearbeiter wird.“

Moderatorin: „Genug gegeifert, Dr. Liberalitas. Sorgen wir nun bitte alle dafür, dass Pegida nicht zur Sammelbewegung übler nationalistischer Akteure wird, sonst könnte es sein, dass aus dem Anschlag auf die französische Satireredaktion der Funken des Europäischen Bürgerkrieges entsteht.“

Zwischenrufer: „Pegida hat in Dresden Antrag auf Anerkennung als gemeinnütziger Verein gestellt. Gemeinnützig? Vielleicht für das Kapital. Aber nicht für die sozial Schwachen, die Verfolgten der Kriege um Europa herum und das Wohl der Schöpfung.“

Unker: „Und wenn sie erstmal anerkannt sind wie damals in der DDR das Neue Forum, dann nimmt keiner mehr die nationalen rechtsradikalen Wurzeln und Strömungen dieser Sammlung mehr wahr. Kennen Sie den? Ein Banker, ein Hartz-Vier-Opfer und ein Flüchtling sitzen an einem Tisch. Auf dem Tisch steht eine Schale mit 15 Keksen. Da nimmt sich der Banker 14 und sagt zum Hartz-Vier-Opfer: Pass auf, der Asylant will Dir Deinen Keks wegnehmen.“

Gemüsehändler: „Ich wünsch mir Kekse für ALLE und nicht nur für die, welche mit raubender Hand in die Gemeinwohlschüssel greifen. Die Mägen von allen KÖNNEN satt sein, wenn WIR nicht mehr als VERBRAUCHER bezeichnet werden und man UNS nicht mehr mit MONSANTO-SCHEISS abfüttert.“

Unker: „Ist schon komisch: Das Prinzip des Kapitalismus ist das Privateigentum. Aber die Geschäftsgrundlage ist der gegenseitige Raub.“

Zwischenrufer, Flüchtlinge und sozial Ausgegrenzte: „Schlafe unruhig, Kapitalismus, und erst dann wieder ruhig, wenn Du das geraubte Gemeinwohl aus seiner Geiselhaft lässt. Und bist Du nicht willig, so werden wir einig. Hab Angst, Kapital, hab Angst, Dein Ende ist nah.“

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–Witz: Banker, Hartzer und Migrant am Küchentisch

Sitzen ein Banker, ein Migrant und ein Hartzer am Küchentisch. Auf dem Tisch sind 15 Kekse. Nimmt sich der Banker 14 und sagt zum Hartzer: „Paß auf, der Migrant will Dir Deinen Keks wegnehmen“

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Baron von Feder: Neues aus der Tagelöhnerei (Teil 8)

Baron von Feder

„Neues von der Tagelöhnerei“ Teil 8

Teil 8

Woche vor Weihnachten ordnete das Jobcenter mein Erscheinen vor der Amtstierärztin, Schuldigung, vorm Amtsarzt an. Es sollte meine Tauglichkeit zur beruflichen Umschulung per REHA-Maßnahme festgestellt werden. Einen Tin besorgt in die Augen ag vor dem Termin schaute mir meine Hausärztin besorgt in die Augen und sprach: „Baron, Sie gefallen mir gar nicht. Ich weise Sie hiermit ins Krankenhaus ein, damit die Kollegen Ihr Herz kontrollieren können.“ Dann führte sie ein Telefonat mit dem Jobcenter. „Ihr Sachbearbeiter hat alles eingesehen. Wenn Sie wieder raus sind, sollen Sie anrufen und einen neuen Termin vereinbaren.“ Als ich dann aber anrief, sagte der Sachbearbeiter: „Es ist kein neuer Termin nötig. Der Amtsarzt hat bereits festgestellt, dass Sie nicht länger als drei Stunden am Tag arbeiten können. Damit entfällt die rechtliche Grundlage für eine Rehabilitation.“ Donnerwetter, dachte ich, der Fortschritt der Medizin auf dem Gebiet der Ferndiagnose ist ja erstaunlich. Dann fasste ich Mut und fragte den Sachbearbeiter: „Was bleibt denn nun, wenn ich weder Erwerbsunfähigkeitsrente bekomme, noch eine REHA, aber dann schon bald weder Krankenkasse noch Miete bezahlen kann?“ Vom geplanten Umzug unter Einsatz der verbliebenen finanziellen Restmittel aus meinem Erbe sagte ich nicht. Schlafende Hunde können ziemlich fünsch reagieren, wenn man sie aufweckt. Ich kannte mal einen, der nach meiner Hand geschnappt hatte, aber nur ganz leicht, weil er selber erschrocken war. Es war schließlich die Hand, die im sonst das Fell kraulte. Der schlafende Hund, also der Sachbearbeiter, sagte: „Wenden Sie sich entweder an die Arge oder das Sozialamt Ihrer Stadt. Dort stellen Sie antrag auf Grundsicherung.“ Grundsicherung ist zum Teil noch härter als hartz Vier. Denn das Schonvermögen ist praktisch auf Null reduziert. Was darüber liegt, muss verwertet werden. Im Ermessen der Dienststelle liegt die Genehmigung eines angemessenen Besitzes. An Villa oder Einfamilienhaus könnte das Amt Hand anlegen wollen. Wenn der Bearbeiter eine glückliche Nacht hatte, kann es sein, dass er bezüglich eines Schrebergartens mit Campingwaqen großzügig entscheidet. Meine restlichen Mittel reichen gerade mal so für Umzug, die Druckkosten für ein im März erscheinenden Buches und das gewünschte kleine Gärtchen, wo ich meine Kreativität für die weiteren geplanten Bücher und meine Zeitung pflegen und erhalten kann. Was aber, wenn mir das amt die Ausgaben Genehmigen muss? Ist dies schon denkbar oder gar üblich? Heute am 2. Januar las ich einen Artikel auf der Webseite „Telepolis“. Überschrift: „Plädoyer für ein Deutsches Museum für Armut“ von Rudolph Stumberger. Darin sollten dann unter anderem auch solche zynischen Ratgeber für Hartz-Vier-Opfer wie der von Thilo Sanarrazin über die Vorteile des Kaltduschens zur Abhärtung gegenüber den hohen Energiekosten des Warmduschens ausgestellt werden. Oder der Vorschlag mit den zwei Pullovern (Achtung, nur aus Armenkleiderkammern).

„Noch Fragen, Kienzle?“

„Nein, Hauser.“

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Neujahrsgruß aus der Redaktion von „Das Flugblatt“

Das Flugblatt wünscht ein schönes 2015

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt Nummer 87 für den Ersten Januar ist fertig

Für ganz voreilige Leser ist hier schon mal der Link, der die Lektüre möglich macht. Frohes fest, alles gute, bis bald – noch 8 Tage Arbeit, dann pausiere ich.

Das Flugblatt 87-01-01-2015 neues Layout

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APROPOSIA: Vom Neujahrsempfang mit Lessing

APROPOSIA

 Vom Neujahrsempfang mit Lessing

Moderatorin: „Guten Abend, Erlauchte Runde. Mesiramis Drohne hat sich am 8. Dezember mit Seltenheitswert über eine Demonstration in Dresden geärgert – weil patriotische Europäer eine Islamisierung des Abendlandes befürchten.“

Zwischenrufer: „Pa-pa-patriotische Europäer ist schon mal Quatsch. Den Unfug Pegida abzukürzen ist ebenfalls Quatsch. Name und Abkürzung zeigen doch schon mal, dass diese Leute doof sind, weil sie die Klassik nicht kennen.“

Lessing: „Es eifre jeder – nur damit Ihr euch erinnert – seiner unbestochnen, von Vorurteilen freien Liebe nach“.

Parteichef: „Lessing, gelten Ihre Worte dann auch für die unbestochne Liebe der Patrioten?“

Lessing: „Wie sollten sie? Wes Liebe unbestochen ist, den führt sie zu einer Gesellschaft von Weltbürgern, die im Islam nicht noch in etwas anderm Wesen sieht, die auszuschließen sind.“

Unker: „Kann denn die Liebe der Patrioten unbestochen sein?“

Goethe: „Und überhaupt: Nur wer sich selbst und andre kennt, der wird auch hier erkennen: Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.“

Oswald Sprengler: „Das mit dem Abendland habt Ihr alle seit 1917 nie verstanden.“

Mesiramis Drohne: „Und dennoch, es bleibet dabei: Zehntausend Patriotische Europäer sind eine Unverschämtheit.“

Zwischenrufer: „Können denn zehntausend patriotische Europäer ein sieben Milliarden Weltbürger auf dem Weg zur freien unbestochnen Liebe stoppen?“

Unker: „Sind die Patrioten denn nun Nazis oder nicht?“

Parteivize: „Zumindest haben diese patrioten die Tendenz zu einem ausländerfeindlichen oder rassistischen Beigeschmack.“

Unker: „Danke, Vizeseppel, äh, Parteivize. Und nun? Haben wir jetzt nur noch die Wahl zwischen Demo und Demolieren oder können wir auch noch die freie Liebe achtsam pflegen?“

Moderatorin: „Wie bitte?“

Unker: „Ich meinte: Eine Demo ist nur ein Vorzeigen von etwas, was man vielleicht sonst nicht öffentlich zeigt oder so, wie eine Meinung zum Beispiel, oder wenn man was unterm Mantel versteckt oder….“

Moderatorin: „Also Unker, bedenken Sie bitte Ihre Worte, die kann hier ganz leicht einer missverstehen.“

Zwischenrufer: „Wieso – Alice ist doch gar nicht da.“

Goethe: „Sind Demos denn ein Schauspiel nur? Können sie nicht auch in Handlung münden?“

Lessing: „Es müsste dazu jeder um die Wette eifern, die Kraft der Liebe an den Tag zu bringen.“

Goethe: „Wer im ost-westlichen Diwan sich bettet, hat schon seit je das Erdenwohl gerettet.“

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