Die Überschrift ist aus einem Gedicht von Nikolaus von Lemberg-Kolovratsky, das 1982 in Warschau erschien. Die Bilder nicht
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Die Überschrift ist aus einem Gedicht von Nikolaus von Lemberg-Kolovratsky, das 1982 in Warschau erschien. Die Bilder nicht
Hannes Nagel
Apropos Ostern und die Arbeitssuche
Mittwoch, 14. März 2012
„Wilhelm, Angela, Tankstellenpächter und Jungunternehmer“
„Zu Großem sind wir noch bestimmt, und herrlichen Tagen führe ich Euch noch entgegen“, sagte Wilhelm der Zwoote 1892, als der Brandenburgische Provinziallandtag zusammentrat, um eine Art Haushaltsdebatte mit Konjunkturprogramm zu führen. Der Kaiser sagte dann noch: „Mein Kurs ist der richtige, und er wird gesteuert“. Das war ein Diktum, genauso alternativlos wie Entscheidungen von Angela Merkel 121 Jahre später.
Die 1892 versprochenen herrlichen Tage waren nicht für alle vorgesehen. Tagelöhner und Saisonarbeiter hatten nichts davon. Bei Saisonarbeiter begann die Arbeitszeit immer in der Woche nach Ostern. Aber auch sie, hätte man sie gelassen, wären zu Großem bestimmt gewesen: Arbeit, Leben, Glück, Gesundheit, Liebe, Bildung und Freude. 22 Jahre nach Ankündigung der herrlichen Tage sagte Wilhelm zum Thema „Alternativloser Erster Weltkrieg“: „Jetzt, mitten im Frieden, überfällt uns der Feind“. Mich juckt jedesmal die Zunge, den Satz zu verändern, so dass er heißt: „Jetzt, mitten im Frieden, überfalln WIR den Feind“. Als dann der Feind überfallen war und das Gemetzel groß, spielten auch die herrlichen Tage keine Rolle mehr.
Herrliche Tage sind in der Zeit der Krise für die Finanzmärkte angebrochen, und und weitere Nutznießer werden durch Merkelsche, Ackermannsche und Von der Leyensche Politik ebenfalls an herrliche Zeiten herangeführt. Wer Arbeit hat, soll besser und besser gestellt werden als die wer nicht arbeitet, befindet die Regierung, und der Kurs von Angela Merkel ist der Richtige, er wird weiter gesteuert. Dann werden schon noch herrliche Tage kommen, und Deutschland geht stärker aus der Krise hervor, als es in sie hinein ging. Nur Tagelöhner, Saisonarbeiter, Aushilfe, Minijobber und Hartz-Vier-Opfer bleiben mit konstanter Bosheit ausgeschlossen.
Ein selbständiger Tankstellenpächter hat vor kurzem die Ablehnung eines Mannes als Aushilfe wie folgt begründet: „Erstens waren Sie zuletzt selbständig. Selbständige nehme ich nicht. Ausserdem haben Sie zuviele Aushilfsjob in den letzten fünf Jahren gemacht“. Das sank die Stimmung des Arbeitssuchenden bis auf Knietiefe herunter. Man müsste doch eigentlich wenigstens Ostern Arbeit finden, wenn man um Ostern auf Arbeitssuche ist. Es nützt also gar nichts, wenn man den Ausschluss aus einer erfüllten Arbeitsbiographie damit verbringt, sich selbst mit sinnvollen Tätigkeiten über Wasser zu halten, denn man wird von vornherein nicht als Bewerber zugelassen. Ähnlich geht es Jobbedwerbern aus der Arbeitslosigkeit heraus. „Ich nehm kein vom Arbeitsamt“, hörte ich kürzlich einen Jungunternehmer voller Überheblichkeit erklären, „wer arbeitslos war, war garantiert bloß zu faul zum Arbeiten“.
Nimm dies, Jungunternehmer, hier hast Du eine publizistische Breitseite, Du erbärmlicher Kapitalistenknecht.
Das alles führt aber nicht um die Einsicht herum, dass die Arbeitslosigkeit einfach nur an der Überheblichkeit und Voreingenommenheit der Arbeitgeber hängt. 7 Wochen nach Ostern ist Pfingsten, dann kommt der Heilige Geist. Möge er die Hirne de Kapitalanbeter erleuchten.
Alles Wissen ist unmoralisch, wenn es die Menschlichkeit ausklammert. Was nützt es, ein Genie zu sein oder der größte Künstler oder ein Spezialist, wenn der Preis dafür die fehlende Herzlichkeit ist
Lieber kleine Fehler als professionelle Perfektion mit herzloser Automatenkälte
Arbeit ist, was einer tut, um zu leben.
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Einerseits ist man selbst gar nicht so wichtig, aber wenn man sich nur um seine Mitmenschen kümmert, kann man sich selbst verlieren, und wer sich selbst verloren hat, kann sich nicht mehr um seine Mitmenschen kümmern. Das ist das notwendige Minimum an Egoismus.
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Wem ich aus dem Herzen sprechen will, in dessen Herz muss ich drin sein. Herzen öffnen sich von innen nach außen („entgegenkommend“). Ich kann nur jemandem aus dem Herzen sprechen, der mich dafür zugelassen hat. Es ist ein großes Glück, zugelassen zu sein.
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Man darf einen Menschen nicht nach den Akten bewerten, die es über ihn gibt. Am Exkrement erkennt man nicht, ob einer ein Gourmet war.
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Wer gegen etwas kämpft, bekämpft oft sich selbst, denn wer kämpft, ist nicht besser als das, was er bekämpft. Wer den Teufel mit einem Furz bekämpfen will, verbreitet genauso schlechte Luft wie der Teufel auch.
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Einsam ist man erst dann, wenn man überhaupt nicht mehr wahrgenomnmen wird. Nicht mal im Kreise anderer Menschen.
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Sei doch froh, wenn Du die Fähigkeit zum Genießen hast. Andere haben die Möglichkeit, aber nicht die Fähigkeit. Um Möglichkeiten zu nutzen, braucht man Fähigkeiten, um mit den Möglichkeiten umzugehen.
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Der Ruhm mancher Leute beruht nur darauf, dass sie die richtigen Schreiber hatten.
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Keine Aufgaben zu haben und trotzdem aktiv zu sein, ist wie Stehen eines Autos mit laufendem Motor im Leerlauf an einer roten Ampel, während der Fahrer ungeduldig auf grün wartet.
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Es ist angenehmer, das Alter als Summe des Erreichten und des noch Erreichbaren zu sehen. Ich bin 5 Bücher, 3 Freunde und eine breite Themenkompetenz alt.
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Kreativität ist eine Trainingsfrage. Wenn man daran gewöhnt ist, wird sie zum Bedürfnis.
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Für manches, was man nicht kann, ist man nicht zu dumm, man ist nur nicht daran gewöhnt.
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Die Urheberrechte am Umriss der BRD haben die Allierten.
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Das politisch Unlösbare löst man mit Heiterkeit.
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Die Bedeutung von etwas entspricht immer nur dem, wie einer das Etwas wahrnimmt. Darum wohl wollen Kunst, Literatur und Prominenz wahrgenommen werden. Was nützt der schönste Witz oder das schönste Bühnenstück, wenn der Witz nicht erzählt wird und das Stück kein Publikum findet?
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Man muss solange leben, bis man das Neue erlebt und dann noch etwas darüber hinaus, um es vergleichen zu können.
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Das Leben balanciert zwischen Drama und Komödie. Drama und Komödie haben die gleichen Wurzeln.
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Sogar die Wissenschaft kann freier sein, wenn keiner besser sein MUSS als der andere. Wettbewerb ist DOOF.
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Orientierung ist doch kein Dogma, sondern ein lateinamerikanischer Tanz.
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Ich bin kein spät Berufener, sondern ein lange Gehinderter.
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Schlaflied eines Leutnants: „Wenn ich einmal Reichswehr“.
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Ich habe zu viel Achtung vor dem Volk als dass ich Politiker werden könnte.
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Ich fische im Wörter-See und mache daraus eine Buch-Suppe.
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Menschenverachtung erkennt man manchmal erst, wenn die Verachtung für das Leben das eigene Leben betrifft. Siehe Hartz Vier. Wer davon nicht betroffen ist, erkennt nicht den Hass, der vom Staat gegen seine Opfer ausgeht.
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Man glaubt gar nicht, was ein Mensch alles aushalten kann, wenn es um Menschlichkeit geht.
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Der Sozialismus starb aus Mangel an Ästhetik.
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Schafe sind nicht dumm, nur in manchen Situationen überfordert.
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Wehre Dich nicht gegen Deine Reife, wenn sie Dich erreicht hat.
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Der Westen erkennt nichts an, weil er egoistisch ist. Jeder anerkennt nur sich selbst.
Erst muss man wissen, wessen Sklave man ist. Dann kann man Pläne schmieden, wovon man sich wie befreien will.
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Man kann nicht gegen jedes Brüllen um Ruhe bitten.
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Macht ist Situationsgestaltung.
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Politik ist die Kunst, private Geschäftsinteressen als das Große Ganze zu tarnen und dieses als Gemeinwohl auszugeben.
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Gesetze sind nicht zur Aufbauplanung einer Gesellschaft da, sondern zur Regulierung von Fehlentwicklungen.
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Ich kann alles, außer Geld verdienen. Das beweist, dass das Prinzip Geld falsch ist.
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Im nächsten Krieg werden sie sich alle einig sein, so dass man nirgends hin fliehen kann. Es wird ein interkontninentaler Krieg.
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Was nicht zu ändern ist, darüber braucht man sich nicht zu ärgern. Was man aber ändern kann, aber nicht ändert, darüber muss man sich ärgern.
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Warum stehen Militärs und Bullen immer so breitbeinig da? Sie haben doch gar keine Eier?
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Zur tüchtigen Weisheit gelangt man durch das richtige Maß an Alleinsein (=ungestört denken) und Zusammensein mit andern (=soziale Kompetenz, Erfahrung, Austausch). Denn das Wissen kommt aus der Erfahrung. Wer aber kann schon alle Erfahrungen im Leben machen?
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Bordellbesuche sind und bleiben Quickies. Die Sinnlichkeit ist auf ein Minimum reduziert.
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Man kann sich auch durch Nichtbeachtung in das Leben anderer Menschen einmischen. Soll man nicht.
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Benehmen ist eine Frage des Trainings. Aber auch einem Sportler kann einmal eine Übung mißlingen.
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Der Kapitalismus mit seiner Arbeitslosigkeit produziert ungelebte Biographien.
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Das Schöne kommt immer überraschend.
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Das Leben ist zu kurz, um gute Taten zeitlich zu verschieben.
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Eine Mieze, die nicht ins Bett will, gehört in die Küche.
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Mancher hält seine Gesetze für eine allgemeine Richtschnur des Handelns, aber die Richtschnur erwies sich als Galgenstrick. Selbst am Leitfaden hing immer ein drohendes Schwert.
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Die Wahrheit bedarf keines Beweises, weil sie die Wahrheit ist.
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Von der Kenntnis von Methoden geht eine gewisse Beruhigung aus.
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Liebe soll man nicht suchen. Sie stellt sich hin und sagt: Hallo, hier bin ich.
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Was einer schreibt, wird interessant durch die Umstände, unter denen er es schreibt.
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Alles Geistige ist langweilig, wenn es keine körperliche Entsprechung hat.
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Widerspruch ist auch eine Form der Kommunikation.
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Das Leben ist in dem Moment am Schönsten, in dem es passiert.
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Die Wahrscheinlichkeit eines Zufallsfundes ist größer als die Erfolgsaussicht einer gezielten Suche.
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Polizisten sind Leute, die zu einer normalen Verbrecherkarriere zu feige sind.
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Solange ein Staat eine Res Publica ist, darf es per se keine Staatsgeheimnisse geben.
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Wer die Sprache kann, der hat auch das Sagen.
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Ein Schatten rannte ruhelos durch die Nacht auf der Suche nach seinem erloschenen Licht.
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Alle Menschen bleiben einfache Leute, egal wie hoch sie in der Hierarchie steigen: Sie werden ja auch alle als schreiendes Windelpupserchen geboren. Daher sind alle Menschen einfache Leute, zwischen denen es keinen Klassenunterschied gibt. Klassenunterschiede existieren nur in der Einbildung, und darum sind sie so schwierig zu überwinden.
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Man wird wieder lernen, einander zuzuhören, indem man lernt, einander etwas zu erzählen. Wer erzählen kann, dem wird auch zugehört.
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Mit dem Zwang zur Perfektion werden Wohnungen ungemütlich und einheitsnormiert.
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Wer ein aufrechter Demokrat werden will. sollte mal ein Praktikum in der Dikatur machen.
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Letztendlich sind die sozialen Kontakte im echten Leben doch die eigentlichen reichhaltigen Erfahrungen, aus denen sich Erkenntnisse speisen. Virtuelle Kontakte sind eher ein Lug in die eigene Tasche. 100 virtuelle Freunde die einem folgen, und im ernstfall kein einziger, der zu einem hält. 1 echter Freund ersetzt 100 Claqueure. Hier kommt ein Bild dazu von Jens Hinrichs:
Hannes Nagel
Rezension „Seelenfeuer“
Donnerstag, 15. März 2012
„Rote Haare, schwarze Katze, gelbe Flammen“
Die Hauptperson in „Seelenfeuer“ hat rote Haare und eine kleine schwarze Katze. Sie kennt sich mit Pflanzen und ihren pharmazeutischen Wirkungen und Einsatzmöglichkeiten aus. Außerdem ist sie Hebamme. Weil aber das Jahr der Handlung auf 1483 festgelegt ist, erwartet man von Seite zu Seite auch noch gelbe Flammen. Von denen ist aber zunächst nichts zu lesen. Trügerisch ruhig ist es zwischen den Sätzen. Viel eher hat man den Eindruck, ein Pflanzenbestimmungsbuch zu lesen, welches als Dialog von zwei Botanikern gestaltet ist. Einer nennt den lateinischen Namen und der andere gibt die Antwort: Deutschsprachiger Name, Gattung, Art, Familie, Verwendungszweck. Wenn man nicht ständig gelbe Flammen erwarten würde, könnte man sich konzentrieren und aus den Gesprächen zweier fiktiver literarischer Figuren lernen, was Kräuter zum Heilen und Kräuter zum Würzen kennzeichnet. Nur Zeichnungen dazu fehlen. Dann wäre es perfekt.
Aber das Buch soll ja ein historischer Roman sein, und Geschichte handelt meistens im Mittelalter, und da brennen Scheiterhaufen, weil Frauen mit roten Haaren und schwarzen Katzen als Hexen verbrannt wurden. Obwohl es doch viel zu wenig Frauen gab.
Historische Romane erzählen im Allgemeinen immer eine Geschichte, die im Zusammenhang mit einem historischen Ereignis so stattgefunden haben könnte. Die Fiktion erklärt dann das Wesentliche des Ereignisses, welches in einer wissenschaftlichen Abhandlung von Historikern naturgemäß einem anderen Stil folgt. Darum sind historische Romane im Allgemeinen lehrreich. Bei „Seelenfeuer“ merkt man gar nicht, welches konkrete historische Ereignis gemeint ist. „Die Bernsteinhexe“ im Vergleich behandelt das konkrete Schicksal einer wirklichen Frau aus einem tatsächlichen Fall. In „Seelenfeuer“ ist entweder kein Tatsachengehalt vorhanden, oder er ist weitab vom Feuer versteckt. Darum macht mich das Buch nicht heiß. Auch als Sittengemälde ist es zu lasch, und wenn die personen sich unterhalten, so nerkt man den Dialogen an, dass sie eigentlich nicht der Handlung dienen, sondern eine versteckte Erklärung der Autorin an die Leser ist, weil sie vergessen hat, den Lesern etwas Wichtiges mitzuteilen, damit sie dem Geschehen folgen können. Wenn aber die Aussageabsicht war, das im Mittelalter vorhandene Wissen über Kräuter darzustellen, und wie es weitergegeben wurde, und dass Klöstergärten untereinander Pflanzen tauschten, so dass sich Arten verbreiten konnten, weil der eien seine seltenen Pflanzen einem Garten fünf Tagesmärsche entfernt übergab, dann wäre es ein lesenswerter historischer Roman geworden. So aber hängen mir beim Lesen die Mundwinkel herunter, als wäre ich Bundeskanzlerin.
PS: Ich gebe zu, die letzten 300 Seiten des 479 nur noch kursorisch gelesen zu haben.
Cornelia Haller, „Seelenfeuer“, Hofmann und Campe, Hamburg 2012
Heute begannen die Bauleute der Meiningenbehelfsersatzbrücke von Bresewitz auf die Urlaubersandbank Zingst mit dem Einschwimmen des Tragwerkes für die neue Brücke, die ab 1. Mai für den Verkehr freigegeben werden soll. Falls alles weiterhin planmäßig verläuft.
Fotos: Hannes Nagel (für Kopien bitte fragen)
Beim Schreiben der Überschrift hat mein Computer einen schmeichelhaften Druckfehler produziert. Er machte aus Das Flugblatt Das Klugblatt. Sie können sich selbst überzeugen, wenn sie folgenden Link betätigen:
Flugblatt Nummer 40 Nr 2 – märz2012
Hannes Nagel
Apropos Spezielle Kriegskräfte
Mittwoch, 14. März 2012
„Ganz spezielle Spezialisten“
Kürzlich, es mochte Ende Februar, Anfang März gewesen sein, verbreitete sich in E-Mail-Postfächern vieler Computer ein Link zu einem Dokument aus dem Hauptquartier des amerikanischen Militärs.
Es handelt sich um den Lehrbrief TC 18-01 zur Ausbildung an einer einer Militärakademie, nämlich dem „J.F.Kennedy-Schulungszentrum für Spezielle Kriegsführung“ vom November 2010. Wenn man es liest, weiß man, daß es auf lange Sicht keinen Frieden geben wird, weil das Stören, Stänkern, Ränke schmieden mit dem Ziel, einen Krieg auszulösen, Absicht der Spezialkräfte ist. Ihr Motto könnte heißen: „Wenn es keinen Krieg gibt, mach ich mir einen“.
http://nsnbc.files.wordpress.com/2011/10/special-forces-uw-tc-18-01.pdf
Es geht bei der speziellen Kriegsführung darum, Länder zu finden, in denen innere Spannungen zur Bildung einer Widerstandsbewegung ausgenutzt werden können. Merke also: Zankt Euch nicht, denn wer zankt, lockt den bösen Onkel Sam an.
Widerstand ist übrigens nur das, was amerikanische Spezialisten als Widerstand anerkennen. Es muss sich um eine Gruppe handeln, die 1) die bestehende Ordnung stürzen will 2) dabei bereitwillig die Führung an die Amerikaner abgibt und 3 ) über eine ausgeprägt ideologische Freund-Feind-Denkweise verfügt, die die Amerikaner als kompatibel mit ihrere eigenen Ideologie betrachten. Von stabilen Regionen lassen die Amerikaner lieber die Finger, außer sie finden einen Dreh, sie zu destabilisieren. Es weist auf einen gefundenen Dreh hin, wenn Amerikaner irgendwo einen Militärberater installieren, der vorher nicht da war.
Das steht in offener Herzlichkeit in dem Lehrbrief. Zum Glück erinnert er ein bisschen an das Handbuch militärisches Grundwissen (Habumigruwi) der NVA der DDR. (Militärverlag der DDR, Berlin 1985) Darin konnte man einerseits lesen, was die Armee so getan hätte, wenn sie militärtätig geworden wäre, aber auch, was man dagegen hätte tun können, wenn andere militärtätig geworden wären. Auf diese Weise kann man aus dem Lehrbrief auch lernen, wie man sich amerikanisches Engagement verbitten kann. Diesen Artikel setze ich zu gegebener Zeit fort, wenn man mich lässt. Wird schon kein Spezialkommando eines Morgens in aller Frühe auf dem Bettvorleger stehen. Ich kann morgens ziemlich grantig sein. Ohne Kaffee.

Viel nachhaltiger als missgünstig und heuchlerisch zu fragen, ob Wulff die 199.000 Euronen verdient hat oder besser verzichten soll, wäre etwas anderes: Zwei Hundertschaften Bild-geführte Reporter müssten rund um die Uhr hinter ihm her sein und jede Ausgabe über 150 Euro akribisch öffentlich-buchhalterisch zu dokumentieren. Ist ja schließlich öffentliches Geld. Da will die Öffentlichkeit auch erfahren, wo es bleibt. Die 200 Reporter müssten aber auch irgendwie bezahlt werden, sonst haben sie keinen Anreiz. Wer zahlt die? Im Idealfall die Öffentlichkeit, die zur Zeit ohnehin daran gewöhnt werden soll, für Inhalte zu zahlen (ungeachtet des Gebrauchswerts des Inhaltes) Sagen wir mal so: Wenn 200 Reporter für je 12.000 Euro pro Jahr Wulffs Ehrensoldverbrauch dokumentieren, sind das 2.400.000 Äppel pro Jahr. Wenn zwo einhalb Millionen Bürger, Demokraten und Republikanhänger pro Monat und Kopf einen Euro in die Reporterkasse zahlen, sind noch 100.000 über, womit die Gesellschaft ihr schamrotes Gewissen beruhigen kann, indem sie den Betrag für soziale Zwecke spendet. Zum Beispiel für die Kita „Kleine Knirpse ganz groß“. (KKGG). Die Galaveranstaltung denke ich mir von Lady Bettina moderiert.
Eigentlich kann einem Herr Wulff nur leid tun. In einer klassischen Tragödie müsste man ganz genau heraus arbeiten, dass er über das eigene politische System gestolpert ist. Die Damen und Herren, die sich als „politische Klasse“ empfinden, handeln alle so. Klassen sind Menschengruppen, die sich von anderen Menschen unterscheiden. Hat Helmut Schmidt „politische Klasse“ mit „herrschende Klasse“ verwechselt? Dann müsste es im Innern der herrschenden Klasse eine Stallregel geben, gegen die Wulff vertstoßen hat. Es muss ein Verstoß sein, der für die politische Klasse unverzeihlich ist. Korruption allein kann das gar nicht sein. Guttenberg zum Beispiel haben sie den Hintern versohlt, aber hat trotzdem den Arsch in der Hose behalten. Der Präsident nicht. Vielleicht wollte er auch bloss Klasswenverrat begehen, indem er dem Volk am Beispiel seiner Person zeigte, wie die politische Klasse Deutschlands tickt.
Denn: (Seehofer über Wulff)
„Sie waren ein guter Vertreter des modernen Deutschland.“