FEUILLETON-ZEITGEIST: Emau ohne Arndt

Feuilleton-Zeitgeist

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„EMAU ohne Arndt“

 Im Januar 2017 hatte der Senat der Universität Greifswald im zweiten Anlauf entschieden, den Namen Ernst-Moritz-Arndt aus der Bezeichnung der Bildungseinrichtung zu streichen. Vor sieben Jahren stimmte die Mehrheit der Entscheider für den Behalt des Namens. Die Zeiten ändern sich.
Ernst Moritz Arndt wurde EMA abgekürzt; die Univerität als Ganzes EMAU –und so stehts in vielen Papieren, Zeugnissen, Bescheinigungen als Arbeitgeber, Absolventenbewerbungen und in akademischen Lebensläufen.
Ernst Moritz Arndt wirkte in einer von „vaterländischen“ und „nationalistischen“ Bestrebungen in Europa geprägten Zeit. Seine Lebensuhr tickte von 1769 bis 1860. 91 Jahre sollten für einen Historiker ein großzügig eingeräumter Zeitrahmen sein, um als Chronist Zeuge der Zeit und als Historiker Sachverständiger in der Bewertung der Zeit zu sein. Aber den Idealfall erreichen nur Wenige. Bei Arndt war so etwas wie eine Weitblickverengung Schuld an der Reduktion der Wahrnehmung auf das nationalistische und vaterländische Geschrei.
Der Theologe hatte diese Art zu denken tief verinnerlicht. Aus dem Gedicht „Des Deutschen Vaterland“ bricht diese Innerlichkeit wie der Wortschwall eines Pegiden im Jahre 2016 heraus:

Was ist des Deutschen Vaterland?
Ists Preußenland? Ists Schwabenland?
Ists, wo am Rhein die Rebe blüht?
Ists, wo am Belt die Möwe zieht?
Oh nein nein nein
Sein Vaterland muß größer sein“

Der Peitschenrhythmus der ersten Strophe setzt sich in den folgenden acht Strophen fort. Über Bayern, Steiermark, Brandenburg, Pommern, Westphalen, Österreich kommt das Gedicht zu der an geopolitischer Kühnheit kaum zu überbietender Schlußfolgerung:

Was ist des Deutschen Vaterland?
So nenne endlich mir das Land.
Soweit die deutsche Zunge klingt
und Gott im Himmel Lieder singt
Das soll es sein
Das, wackrer Deutscher, nenne dein.

 

(zitiert nach

„Die Lieder aller Völker und Zeiten“,
Zusammengestellt und herausgegeben
von Hans Grabow
Verlag G. Kramer, Hamburg 1880)

Eine Universität ist eine Bildungseinrichtung. Zum Lernen möge es still zugehen, damit niemand in seiner Konzentration beim wissenschaftlichen Arbeiten gestört wird. Da kann auch ein Schreihals nicht Namenspatron der Hochschule sein.

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Gruppe 20: Dunnerlütt Trampel

Dunnerlütt Trampel

Es poltert im Hause, es klirrt Porzellan.
Ein Wüterich hat ganze Arbeit getan.
Es weint Frau und Kind, es jault Katz und Hund
und das Kind fragt verängstigt: Ist Pappi gesund?

Da kommt schon der Doktor mit wehendem Kittel,
spricht den Wüterich an, sagt: Na, my dear Little?
und bringt ihn mit sanftem Druck seiner Hand
zumindest im Ansatz ein Stück zu Verstand.

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BARON VON FEDER: Vertrauenspartner für Menschen in Not

BARON VON FEDER

Vertrauenspartner für Menschen in Not
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Welch ein Glück, dass bald wieder Sommer ist und die Tage länger heller bleiben. Dann muss man weniger häufig die Lampe anschalten und verbraucht weniger Strom. Weniger Strom bedeutet theoretisch weniger Nachzahlungskosten. Das ist wichtig, wenn man als Hartz-Vier-Opfer an einen Sozialpartner namens Jobcenter gebunden ist, der sich eher als Hindernis denn als Partner erweist. Denn Nachzahlungskosten kann man weder als Hartz-Vier-Opfer noch als ungnädig geduldeter Flüchtling aufbringen.
Das Jobcenter schrieb auf die Bitte, die Nachzahlungskosten der Stadtwerke zu übernehmen: „Diese Kosten sind schon im Regelsatz enthalten“. Wahrscheinlich im virtuellen Teil. Im reellen Teil, der sich auf demm Konto abspielt, war nichts dabei.
Allerdings ergibt sich da noch eine zweite Frage: Wie können ein Laptop, ein nicht ununterbrochen genutzter Drucker, zwei Schreibtischlampen, die Nutzung der Waschmaschine einmal wöchentlich und ein nur im Sommer genutzer Kühlschrank eine Nachzahlung von 42,45 Euro verursachen? Und warum senkt es den Stromverbrauch nicht, wenn der Kühlschrank wegen der natürlichen Kälte im Winter nur im Sommer genutzt wird?
Das Jobcenter übrigens, wenn ein Mensch in seinen Klauen (hier passt der Ausdruck) hängt, fordert von den Menchen, eventuelle Rückzahlungen von Stromversorger und Vermieter zu melden, damit es ihnen abgezogen werden kann. Das ist nicht rechtslogisch.
Denn wenn das Geld im Falle einer Nachzahlung schon im Regelsatz drin war, muss es auch im Falle einer Rückzahlung schon drin gewesen sein.
Die Menschen in Not haben einen vertrauenswürdigen Sozialpartner verdient.

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REDAKTIONSMITTEILUNG: Das Flugblatt für Februar 2017 ist fertig

Liebe Leserinnen, liebe Leser, Anfang Januar setzte die NATO ihren Truppenaufmarsch im Baltikum fort. Die Nachrichtenlage war dünn und nichtssagend. Man erführ, dass das Militär Panzer und andere Fahrzeuge mittels Bahnverladung ins Baltikum bringt. Militärisch präzis wurde die Marschroute mit Bremerhaven – Bundesland Brandenburg – Polen angegeben. Im Vergleich dazu war die Geheimhaltung der NVA transparente Öffentlichkeitsarbeit. Ungefähr zeitgleich erschien im Verlag Donat in Bremen das Buch „Ernstfall Frieden. Lehren aus der deutschen Geschichte seit 1914“. Deutschland ist das einzige NATO-Land, von dem man erwarten darf, dass es tatsächlich aus der Geschichte gelernt hat. Ein Land ist die Summe seiner Gesellschaft und seines Staats,- Regierungs,- und Herrschaftsapparates. Die Gesellschaft hat durchaus aus den Kriegen gelernt. Sie hat gelernt, dass es ohne besser geht. Bloß im Staats, -Regierungs,- und Herrschaftsapparat haben sich die Möglichkeiten gewaltfreier und dennoch nie langweiliger, sondern immer spannender Konfliktlösungen noch nicht herum gesprochen. Zumindest wurden sie bisher nicht verstanden oder nicht angewendet. Einer lernt Frieden, und der andere lernt, um den nächsten Krieg zu gewinnen. Beide Ergebnisse unterscheiden sich. Frieden ist möglich, aber kein Kriegs-Sieg führt zu einem Sieg-Frieden. Die Möglichkeit des Friedens beginnt damit, dass das potentielle Kanonenfutter dem Krieg als „Willensakt des Kapitals“ einen „Willensakt der Menschlichkeit“ entgegen setzt. (Frei nach Jean Jaures).
Apropos Willensakt: Vermutlich hat das Bundesverfassungsgericht am 17. Januar 2017 einen Willensakt für den inneren Frieden in Deutschland getan, der ein gesellschaftlicher Frieden ist. Das Gericht hat die NAZI-Partei NPD nicht verboten. Es rechnet damit, dass sich die Partei aus eigenem Handeln weiter überflüssig macht. Vielleicht kommt sie dann auf den Rieselfeldern der Demokratie an und spült die AfD gleich mit hinweg.

Das Flugblatt 112-01-02-2017 neues Layout

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BARON VON FEDER: Endlich was zum Lachen

BARON VON FEDER

Endlich was zum Lachen
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Eine Gefahr, die nichts ausrichten kann, ist lächerlich. Militärparaden zum Beispiel oder geschichtlich bekannt gewordene Fackelzüge. Ohne eine von ihnen ausgehende Gefahr könnte man sie mit wohligem Schauer beobachten. Man würde sich behaglich und sicher fühlen. Und man könnte über die dargebotenen Albernheiten lachen. Was passiert eigentlich beim Lachen mit dem Gegenstand des Witzes? Lacht der mit? Ärgert er sich? Sinnt der Gegenstand des Witzes auf Rache und Vergeltung? Wer zuletzt lacht, lacht am Besten, heißt ein Sprichwort. Wer ist der letzte Lacher? Ist das letzte Lachen jenes, welches im Halse stecken bleibt? Komische, welche ernsten Fragen aus lächerlichen Themen entstehen können.
Das Lachen ist ein kleiner Vogel, der im Herzen sitzt und durch einen Witz in die Welt hinaus fliegt. Dort ist das Lachen plötzlich nur auf sich selbst angewiesen. Wenn es keinen vertrauten Herzschlag um sich herum spürt, erstirbt das Lachen, weil es an fehlender Herzenswärme erkaltet. Wenn aber da Dasein und das Dortsein und das Hiersein vergnüglich sind, findet das Lachen immer wieder von neuem ein Plätzchen in einem wärmenden Herzen, bis es durch einen neuen Witz wieder auf Reisen gehen kann. Lachen ist ein Hoher Gesandter des Witzes. Seine Botschaft heißt Frieden.

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FEUILLETON-ZEITGEIST: Gesinnung und Parteiverbot

Feuilleton-Zeitgeist

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„Gesinnung und Parteiverbot“

Der Schnupfen wird auch weiterhin von den Ärzten nicht verboten. Er taucht zwar  immer wieder regelmäßig auf, aber er hat kein nennenswertes Gefährdungspotential. Zuverlässig könne man seinem Treiben mit Schnupftuch und Kamillenblüten Einhalt gebieten. Er tropft dann noch eine Zeit lang aus der Nase, aber solange er isoliert ist, hindert der Schnupfen den Körper nicht an der Verrichtung seiner Aufgaben, der Verwirklichung seiner Wünsche und der Verarbeitung seiner Erfahrungen.
2003 scheiterte ein Antrag zum Verbot der neonazistischen Partei NPD, weil die Mehrheit des Parteivorstandes aus getarnten Mitarbeitern des Verfassungsschutzes bestand. Spötter sagten damals, die Partei brauche man nicht zu verbieten. Sie würde bereits von selbst zerfallen, wenn der Staat seine heimlichen Beobachter aus ihr abzöge. 2013 unternahm der Bundesrat einen erneuten Versuch, die NPD vom Bundesverfassungsgericht verbieten zu lassen. Am Dienstag, dem 17. Januar 2017 beschloss das Gericht, die NPD nicht zu verbieten. Sie darf also bleiben.
Was heisst das? Parteien sind Interessenvertretungen ihrer Mitglieder und besonders ihres Führungspersonals. Seine Interessen haben kann im Grunde jeder. Bei der Umsetzung der Interessen darf man nur nicht die Interessen anderer verletzen. Unterschiedliche Interessen können einander gegenseitig recht gut regulieren. Das klingt zwar jetzt so ähnlich wie das regulierungsgläubige Dogma der Marktkräfte „Angebot“ und „Nachfrage“, könnte im Vergleich mit dem Markt aber zutreffen. Denn die Interessen einer Gesellschaft sind vielseitig. Der Markt kennt nur ein Interesse, nämlich den Profit. (Es handelt sich um einen kapitalistischen Gesinnungsmarkt. Einen ausgleichenden Bedürfnismarkt mit dem Interesse der sozialen Gerechtigkeit hat noch keiner wirksam erfunden, nicht einmal Karl Marx.)
Extreme Interessen eines Teiles der Gesellschaft kann man nicht verbieten. Höchstens die Interessenorganisation. Und das erinnert ein wenig an Maschinenstürmerei.
Merke: Schreihälse kann man auch ignorieren. Dann werden sie heiser, haben aber nichts davon.

 

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Gruppe 20: Sommerlust

Sommerlust

Noch wenn der Frost im Winter knackt,
wird man von Lebenslust gepackt,
und, wenn dann die Sommersonne scheint
im Zweisein wie zum Lohn vereint.

Wenn auch die frechen Rechtsrandgören
versuchen, dieses Glück zu stören,
so hält doch ihr Gebrüll nicht auf
den altbewährten Weltenlauf.

 

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FEUILLETON-REZENSION: „Ernstfall Frieden. Lehren aus der deutschen Geschichte seit 1914“

Rezension „Ernstfall Frieden. Lehren aus der deutschen Geschichte seit 1914“

„Friedensresümee eines Geschichtsberaters“

Autorenthesen voran: Den ersten Weltkrieg hätte nur das europäische Proletariat verhindern können. Aber dazu hätte es die Solidarität miteinander über die jeweiligen nationalen Patriotismen stellen müssen. An dem fehlenden NEIN der Völker zum DOCH von Industrie, Banken und Herrschaftsgläubigen scheiterte die Verhütung des ersten Weltkrieges. Ein geschlossenes NEIN gegen den zweiten Weltkrieg gab es ebenfalls nicht. Es gab überhaupt nie ein geschlossenes Nein gegen Kriege. Manche Menschen taten aus Fatalismus nichts gegen Kriege und machten sich ungewollt der unterlassenen Kriegsbehinderung schuldig. Auf diese Weise bestätigte bisher jeder Krieg die Behauptung, Kriege würden„ausbrechen“, seien „naturnotwendig“ und nicht vermeidbar, denn „der Mensch sei nun mal so“. Zumindest am „der Mensch ist nun mal so“ kann eine Ausbildung zur Friedensfähigkeit etwas ändern. Friedensfähigkeit ist viel mehr als Wehrfähigkeit.
Hundert Jahre nach dem Beginn des ersten Weltkrieges und besonders seit Mitte 2016 steht wieder eine enorme Kriegsgefahr bevor. Sie wird mit dem Antiterrorkampf begründet und als Sicherung von Handelswegen und Rohstofflieferungen verharmlost. Diesmal könnte sich der Krieg aber vom Rande Europas zur Mitte wälzen. Bevor es zu spät ist, sollte das 580 Seiten starke Buch „Ernstfall Frieden. Lehren aus der deutschen Geschichte seit 1914“ von Wolfram Wette gelesen werden oder wenigstens eine Besprechung des Buches, weil niemand gedrängt werden kann, 580 Seiten zu lesen. Es
erschien gerade im Donat-Verlag in Bremen. Der Autor Wolfram Wette ist Historiker und Friedensforscher.
Wette beginnt seine Abhandlung mit dem Basler Friedenskongress der sozialdemokratischen Parteien Europas, kurz die „Sozialistische Internationale“ genannt. Er beschreibt die Lage der Sozialdemokratie 1912 im Angesicht einer bereits drohenden Weltkriegsgefahr als Dilemma zwischen Interessenvertretung des potentiellen proletarischen Kanonenfutters und der Staatsräson zum Schutze des „empfindlichen Partei-und Gewerkschaftsapparates.“ Die Mitglieder der sozialdemokratischen Partei stammten gehörten ja im Grunde alle zum Proletariat, also zur Arbeiterklasse. Also zu den einfachen Leuten. Die einfachen Leute sind immer die, die im Kriegsfall als Kanonenfutter vorgesehen sind. Nach sozialdemokratischer Vorstellung hätte sich das Kanonenfütter gegen die geforderte Militärtätigkeit durch Generalstreik und Verweigerung stemmen können. Es ist eine verlockende Vorstellung, die Jean Jaures 1906 äußerte:

„Kriege entladen sich nicht wie Gewitter aus Spannungen elementarer Kräfte. Sie entspringen einem Willensakt und sind daher nicht unabwendbar. Sie können verhütet werden, wenn dem Willensakt der herrschenden Klasse ein Willensakt der Arbeiterklasse entgegengesetzt wird.“ (Seite 28)

August Bebel wusste es besser, weil er Bismarck studiert hatte und Noske voraus sah. Er ahnte, wie der Staat
reagieren würde, wenn die Arbeiter anfingen zu streiken. Der Staat würde dann nämlich das Militär gegen die Streikenden aufmarschieren lassen. Das hätte empfindliche Folgen für den noch schwachen Partei-und Gewerkschaftsapparat haben können. Der Apparat durfte nicht zerschlagen werden. Von der Zerschlagung proletarischer Rippen, Schädel, Kiefernknochen war in der Besorgnis Bebels offenbar nicht die Rede. Bebel resümmierte:

„Wir können nichts als aufklären, Licht in die Köpfe bringen, agitieren und organisieren.“ (Seite 27-28)

Mit dieser ausführlichen Beschreibung des sozialdemokratischen Dilemmas bis zum Sündenfall der Bewilligung von Kriegskrediten für die kaiserliche Militärmaschinerie und die Kriegswirtschaftsindustrie hat Wolfram Wette eigentlich die stets gleiche Lage der Friedenssehnenden beschrieben. Sie möchten etwas tun, um Kriege zu verhüten, aber gegen den Staat als Kriegsmonopolisten traut man sich nicht heran.
Immer wieder stellt Wolfram Wette den Lesern Intellektuelle, Politiker und Künstler sowie Organisationen, Vereine und Verbände vor, die zwischen vor dem ersten Weltkrieg, zwischen Weimarer Republik und Nazizeit sowie im (West)-Deutschland des kalten Krieges einschließlich Gesamtdeutschlands im sicherheitspolitischen und militärpolitischen Wandel seit den neunziger Jahren in irgendeiner Form mit Frieden zu tun hatten. Entweder als Pazifist, der für einen gerechten und dauerhaften Frieden eintrat, oder als Verantwortungsethiker, der für die Kriege von Demokratien eine moralische oder juristische Legitimation suchte. Wolfram Wette vergleicht sie und ihre Argumente alle miteinander, um aus dem Vergleich von eventuellen Abweichungen der Ansichten einen Entwicklungsprozess von Lernen und Begreifen in Friedensfragen zu erkennen. Ergebnis: Es ist etwas da. Zumindest kann man derzeit keinem Volk in Europa mehr eine Kriegsbegeisterung einreden. Nur die Bedrohungen und Gefahren für den Frieden sind geblieben. Die Lage ruft danach aktiv zu werden. Den Völkern braucht man den Frieden nicht mehr zu erklären. Den Militärs und Politikern schon. Eine der interessantesten Erörterungen des Buches ist die Frage nach dem Unterschied der Legitimation der Kriege von Demokratien und den Kriegen von Diktaturen. Antwort: Im Grunde unterscheiden sich demokratische von diktatorischen Kriegen nur durch eine hauchdünne Unfehlbarkeitsdialektik. Weil Demokratie Marktwirtschaft und Rechtsstaat bedeute, sei ein demokratischer Krieg an sich nur als Verteidigungskrieg möglich. Und das ist falsch. Das ist genauso selbstherrlich wie die deutsche Generalstabsarroganz von Hindenburg bis Keitel. Wenn man sich die Lage so beschaut, dann möchte man meinen, der Frieden ist nur durch das einfache gemeinsame Tätigwerden für das Gemeinwohl möglich. Dazu aber braucht man keinen Nationalismus, keinen Patriotismus und keine politisch-historischen Grundsatzdebatten, sondern ein offenes Herz für die Nachbarn, weil deren Wohl und Wehe untrennbar auch das eigne ist.
(Wolfram Wette, „Ernstfall Frieden. Lehren aus der deutschen Geschichte seit 1914“, Donat-Verlag, Bremen 2017)

 

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FEUILLETON-REZENSION: „Wörterbuch des besorgten Bürgers“

Rezension „Wörterbuch des besorgten Bürgers“

„Sprache ist Erbe“

Gerade war im Januar das „Jahrbuch rechte Gewalt“ erschienen. Darin listeten Andrea Röpke und ihre Mitautoren Fälle von rassistischen, fremdenfeindlichen und volksverhetzenden Gewalttraftaten auf, die Personen begehen, deren Sprache nach Drittes Reich und neorechter Aufwiegelung zu feindseligen Akten gegenüber Ausländern klingt.
(Andrea Röpke, „Jahrbuch rechte Gewalt“, Knaur Taschenbuch, München 2017)
Diesem disharmonischen Klang geht nun ein weiteres Buch nach von vier Autoren, denen eines gemeinsam ist: Sie haben sich mit Politik und Sprache befasst sowie mit Politikwissenschaft und Linguistik.
(Robert Feustel, Nancy Grochol, Tobias Prüwer, Franziska Reif, „Wörterbuch des besorgten Bürgers“, Ventil-Verlag, Zweite Auflage: Mainz 2017)
Die Sprache ist das Erbe einer Sprecherfamilie. Die Sprecher einer Sprache bilden eine Erbengemeinschaft. In einer Erbengemeinschaft steht es jedem frei, seinen Anteil  zu verschleudern oder zu bewahren und zu ehren. Aber keiner darf auch die Anteile der Miterben verschleudern. Was aber machen die „Besorgten“? Sie verschleudern die Sprache durch Umdeutung und Verdrehung der Bedeutung von Wörtern. Die
Autoren haben ein Glossar der häufigsten Phrasen, Wörter und Gebrauchsformen der Sprache durch Pegide, Afd-ler und richtige herkömmliche Nazis erstellt. Es beginnt mit dem Phänomen der Umdeutung des allgemeinen menschlichen Sprachgebrauchs um mit schönen Worten menschenverachtende Ansichten auszudrücken. Ziel solcher Umdeutungen sei es, dass man das unschuldige Wört Heimat nicht mehr benutzen kann, ohne in einen Topf mit den Nazis geworfen zu werden, und gleichzeitig aus Sicht der Nazis so zu tun, als sei die nazistische Sprachdeutung der Gemeinsinn der gesamten Bevölkerung mit Afd und Pegida als Sprachrohr.
Die Autoren des Glossars benutzen nun eine Form von Sprachironie, mit der sie die braunen Sprecher lächerlich   machen. Die Braun-Sprecher müssen ja keine Braun-Schweiger werden. Sie sollen ruhig sagen, was sie denken, damit man weiß, was man von ihnen halten soll. Aber sie sollen die Sprache der Nächstenliebe und der Herzlichkeit nicht überbrüllen.
Schaut man sich das Glossar an, merkt man, dass die Braun-Sprecher nicht besonders kreativ sind. Entweder sie eignen sich Wörter an und füllen sie mit ihren Inhalten, oder sie erfinden neue, die aber immer ziemlich plump weit unterhalb der ersten Stufe der Intelligenz bleiben. „Besorgte Bürger“ zum Beispiel. Bevor die Pegiden den Begriff für sich reklamierten, hätten, so die Autoren, Medien in Berichten versucht, damit diejenigen Menschen klassifizierend zu beschreiben, die mit Angst um die nicht vorhandenen Arbeitsplätze oder die nicht mehr für sie reichenden finanziellen Mittel der Gesundheitsversorgung im Falle der medizinischen Behandlung von Ausländern auf die Asylpolitik reagierten. Das heisst, sie kritisieren etwas mit Behauptungen, die nicht aus einer sorgfältigen Analyse der vermeintlichen Konfliktlage ableitbar sind. Das ist dumm. Asyl schürt keine Ängste. Asyl ist eine Mindestanforderung an eine Gesellschaft, die das Prädikat humanistisch zu tragen beansprucht. Ein weiteres Beispiel für die echt pegidische Wortschöpfungsintelligenz ist „Ficky-Ficky-Gesellschaft.“ Wissen Sie was: Wenn schon der Inhalt eines Begriffs dumm ist, dann würde auch keine Intelligenzbemühung helfen, um den Begriff zu einem klugen Subjekt oder Objekt eines Satzes zu machen.
Das Buch ist gut, denn es zeigt am Gebrauch der Sprache, welcher Sprecher wie erkennbar ist. „Je weniger Argumente und je mehr Agitation desto pegider der Sprecher“, lässt sich als Überschlagsformel sagen. Das Buch belustigt sich, indem es die Selbstlächerlichmachung der Pegiden unerbittlich ins Rampenlicht stellt, so dass sie nicht einmal die Gnade des schamhaften Versteckens in der Versenkung haben.
(Robert Feustel, Nancy Grochol, Tobias Prüwer, Franziska Reif, „Wörterbuch des besorgten Bürgers“, Ventil-Verlag, Zweite Auflage: Mainz 2017)

 

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TAGESBEMERKUNG: Le Peng hat nen Knall

BARON VON FEDER

TAGESBEMERKUNG SAMSTAG 07.01.2017

Le Peng hat nen Knall
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Eine französischsprachige E-Mail lud heute vormittag zu einem „Banquette Patriotique“ ein. Der Absender nannte sich „armeeafrique“ und warb damit, dass die Veranstaltung am Samstag, dem 21. Januar 2017, mit JMLP stattfinden würde. JMLP ist keine Partei, keine Nichtregierungsorganisation mit völkerverbindenden Zielen, keine Firma und keine Behörde. sondern „Tante Jeanne“ oder Jean Marie avec Knall le Pen. Und diese Umgebung lädt nun also zu einem Banquette ein. Wie der Name einer an thematisch der Menschlichkeit und dem Frieden zugeneigten Zeitung auf der Einladungsliste der Nazis landen konnte, ist entweder ein technischer Fehler, ein ungelöstes Rätsel oder ein blanker Provokationsversuch. Publizistische Arbeit will natürlich wahrgenommen werden, sonst würden ja fast alle Schubladen voll mit ungelesenen Texten sein.Vielleicht konnten die wackeren Le Knall-Köppe genau so schlecht deutsch wie wir französisch und haben sich deshalb im Adressaten gehört. Darum nocheinmal: Wir gehören zu denen, denen ein trockener Bissen mit Frieden allemal lieber ist als ein Haus voll Gebratenem mit Streit.

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