Baron von Feder
„Yanis Diabolus und Alex Simplex“
Nur ein einziges Mal tauchte die Verballhornung der Namen von Yanis Varoflakis und Alex Tsirpas zu Diabolus und Simplex bisher auf. Aber es reicht, um den Klang von Teufel und Einfältiger im Ohr zu behalten. Finanzminister und Ministerpräsident ließen „das Volk“ darüber abstimmen, ob es lieber nach deutscher Berechnungsart mit „rationierten Sozialausgaben“ pro Kopf der Bevölkerung abgespeist werden will, oder ob es einfach „Nein“ sagt. Das Volk hat „Nein“ gesagt und glaubte, es habe damit entschieden, dass es die Renten weiter erhalten will und die Löhne, und statt dessen lieber weniger Geld in die Rüstung steckt und kein Tafelsilber verscherbelt. An diesem Punkt scheint sich zu zeigen, dass Jeder Jeden täuscht. Die EU täuscht die griechische Regierung, die griechische Regierung täuscht das griechische Volk, die Reichen täuschen den Fiskus und die Armen unterliegen einer illusorischen Selbsttäuschung über die Vertrauenswürdigkeit des Staates. Vereinfachend ausgedrückt: Griechenland hat Schulden, aber die Verhandlungen zwischen dem Staat und dem Internationalen Währungsfond sind nur das Gezänk von Kapitalisten unter sich. Dann sollte dies Gezänk auch bitte schön nur unter Kapitalisten ausgetragen werden, statt Steuerzahler, Rentner, Arbeitslose und prekär Beschäftigte damit zu befassen. Weil der Kapitalismus Zuschauer nur dann duldet, wenn er ihnen Geld aus der Tasche ziehen kann, streiten sich zwei und der Dritte zahlt die Zeche. Diabolus und Simplex haben sich gegenüber ihrem Zankpartner EU lediglich so teuer wie möglich verkauft. Das kann man gut und richtig finden. Denn bezahlen wird die Gesamtrechnung sowieso niemand, weil es mathematisch völlig unmöglich ist. Darum kann die griechische Regierung die die Kosten so absurd in die Höhe treiben, dass die Unbezahlbarkeit jedem auffällt.
Und dann hilft nur noch die „Operation Tafeldienst“: Schwamm nehmen, Tafel abwischen, und raus auf den Schulhof zur Großen Pause.


