Baron von Feder: „Die Jägermeister“

Baron von Feder

Die Jägermeister“

 Das Landwirtschaftsministerium in Schwerin hat am 03. März 2014 mit energischer Hand durchgegriffen wie Putin auf der Krim. Aasfressern ist es in Mecklenburg-Vorpommern ab sofort verboten, gestorbene Tiere per Nahrungszerlegung zu beseitigen. Diese Aufgabe übertrug das Ministerium den Jägern des Landes. Die Jägermeister und andere Inhaber von Jagdscheinen sind ermächtigt, Krähen, Elstern, Dohlen, Raben zu jagen und zu erschießen. Der Vorgang wurde mit der Gefahrenabwehr der nordafrikanischen Schweinepest begründet. Krähen, die an einem von Rasern überfahrenen Fuchs knabbern, würden durch diese Handlung die Schweinepest nach Mecklenburg übertragen, lautete die Begründung. Damit sei die vitale Integrität der Mecklenburger außerordentlich gefährdet. Das Ministerium komme mit seiner Maßnahme lediglich seiner Fürsorgepflicht für die Bevölkerinnen und Bevölker nach. Die Grenzschutzagentur FRONTEX soll sich dem Vernehmen nach auch bereits umn die Abschussbeauftragung beworben haben. Sollte die Erlaubnis nicht erteilt werden, wollen Innenministerium und FRONTEX-Executiv Director den Antrag mit der Notwendigkeit weiterer Schießübungen begründen.

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Rezension: „Wolfsbrüder“

Baron von Feder

Film-Rezension „Wolfsbrüder“

Solidarität unter dem Gesetz der Wildnis

1954 gab ein spanischer Ziegenhirt seinen jüngsten Sohn zu einem anderen Ziegenhirten in der Wildnis. Denn der Vater konnte seine Schulden nicht mehr bezahlen, und der Grundbesitzer erließ sie ihm um den Preis des Sohnes. Eigentlich war der Junge ganz zufrieden mit seinem Los. Der Hirt, bei dem er lebte, war ein guter Hirte. Der Junge lernte viel, zum Beispiel Knochenbrüche mit dem Bast einer Rose zu heilen, deren genauer Name unbekannt ist. Oder mit einem Frettchen Kaninchen zu fangen. Oder wie man mit Wölfen umgehen muss, damit Mensch und Tier in Eintracht leben können.

Eines Tages starb der Hirt, da war der Junge immer noch ein Kind. Das Kind blieb bei den Ziegen und versuchte, sein Leben so zu gestalten, wie er es von dem Mann gelernt hatte. Und war kein Mensch mehr bei ihm. Nur Wölfe, Ziegen, Geier, Natur, Wildnis sowie das Frettchen und die Karnickel.

Im Jahre 2010 hat Gerardo Oliveras diese Geschichte aufgegriffen und filmisch umgesetzt. Der Film heißt „Wolfsbrüder“. Die Handlung findet meistens im Dunkeln statt, weil es in der Wildnis kein elektrisches Licht gibt. Darum muss man in der Wildnis auch achtgeben, dass das Feuer nie ausgeht. Wenn nicht gerade ein rücksichtloser Spießgeselle der Machhaber das Feuer auspinkelt, gelingt das auch ganz gut. Der Film besticht mit grandiosen Naturaufnahmen und einer phänomenalen Kommunikation zwischen Menschen, Wölfen, Frettchen, Ziegen, Geiern und Karnickeln. Wenn Wölfe angreifen, lernt man, läuft einer links an Ihnen vorbei, einer rechts, und beide berühren Ihre Beine mit ihrer Rute. Wenn Ihnen schon mal im Dunkeln Ihre Katze um die nackten Beine schlich, als Sie gar nicht damit gerechnet hatten, dass sie noch im Haus ist, werden Sie sich die Wirkung sicher vorstellen können. Wenn man mit Wölfen leben muss, damit sie die Ziegen nicht reißen, braucht man ein Frettchen, mit dem man Kaninchen jagt, und eines oder zwei davon gibt man den Wölfen ab. Wenn Sie von Wölfen einmal akzeptiert wurden, dann bekommen Sie auch im Notfall vom Rudel Unterstützung. Ich musste bei dem Film mindestens zwei Mal denken, dass die Schöpfung mehr Solidarität kennt als das Gesetz von fressen und gefressen werden. Im Gegensatz dazu erscheint die Solidarität unter den Armen als hohle Fiktion. Ich dachte: Das ist das Gesetz der Wildnis, so alt und so wahr wie der Himmel. Wer es einhält, kann recht gut gedeihen, wer es aber bricht, wird sterben. Der Gedanke ist nicht von mir, sondern von Rudyard Kipling, der schrieb ihn in dem Gedicht „The Law of the Jungle“:

Now this is the law of the jungle
so old and so true as the sky
those, who shall keep it, may prosper
but those, who shall break ist, must die.

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Redaktionsmitteilungen: Das Flugblatt für den Ersten März ist da

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die Zeitungsmeldungen, die im Januar und Februar im Bewegungsmelder von „Das Flugblatt“ eintrudelten, erregten Besorgnis. U.v.D. Leyen will Europa im „Spiel“ der globalen Kräfte voran bringen, und dazu muss auch militärisch mitspielen, sonst: „Europa kommt im Spiel der globalen Kräfte nicht voran, wenn es sich immer dezent zurückhält bei militärischen Einsätzen.“ (das war ein medial wiedergegebner O-Ton). Der Erste Weltkrieg begann vor exakt 100 Jahren. Sollte man da nicht vielleicht doch unermüdlich die bekannte Weise wiederholen:
„Es gibt keinen gerechten Krieg“? „Vom Boom des Krieges“, insbesondere des in Afrika wegen der Rohstoffe Kommenden, sprach die Erlauchte Runde in „Aproposia“. Menschlich hingegen geht es in dem Film „Die Kunst, sich die Schuhe zu binden“, zu, und darüber finden Sie im Flugblatt eine Rezension. Eine Buchrezension finden sie auch, und die hat – ich schwör – nichts mit dem schweizerischen Volksentscheid bezüglich der Ausländer zu tun. Es ist bloss,
das der Autor ein Schweizer ist, Dieter Moor heißt er, hä, und das Buch geht um Berichte aus der arschlochfreien Zone, und die ist in Brandenburg, ja, das haben Sie richtig gelesen. Und dann kam noch das Mecklenburgische Schulgesetz auf den Tisch. Das ist so schön, dass man es lieben müsste, wenn es Tatsache wäre. Darin ist doch tatsächlich vom „Lernziel Frieden“ die Rede. Mensch, wenn ich meine Friedensforschung damals im Studium auf Lehramt gemacht
hätte – die müssten mich doch, wenn sie es ernst meinen, mit Kusshand einstellen. Sehnse mal, ich hab noch 20 Jahre bis zur Rente, da würd ich schon noch gerne mal was einzahlen.

Link: Das Flugblatt Nummer 77 01-März-2014 –

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Baron von Feder: Seltsam

Baron von Feder

Seltsam“

 Wie jedes Jahr vermutete ich am 13. Februar, das in irgendeiner Form an den 13. Februar 1945 erinnert würde, als die Stadt Dresden bei lebendigem Leibe verbrannte. Wie jedes Jahr wusste ich nicht, ob mich einseitige Erinnerungschwerpunkte nerven würden oder ob rechte Randgruppen das Datum für sonderbare Kundgebungen ausnutzen würden. 2014 war das anders. In dem Jahr, in welchem mit allgegenwärtigem patriotischen Gedöns Feierlichkeiten zum Ersten Weltkrieg stattfinden, fand ich nur einen Hinweis auf das Datum in dem Fotoportal „Fotocommunity“. Dort wurde noch auf eine Online-Publikation verwiesen, die eine Blogwebseite war. Schlussfolgerung: im elitären Mainstreamjournalismus findet keine Absage gegen Krieg und Gewalt statt. Dabei weist die gesamte politische und wirtschaftliche Entwicklung derzeit auf einen neuen Krieg, den Dritten seiner Art, hin.

Und weil heute der 14. Februar ist und dieser der Tag der Liebenden und Verliebten und weil Krieg nur durch Liebe und Liebesfähigkeit zum Frieden erhalten werden kann, MUSS der letzte Satz dieses Textes lauten:

ES GIBT KEINEN GERECHTEN KRIEG.

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Baron von Feder: Hohle Sackgasse oder genialer Fluchttunnel

Baron von FederHohle Sackgasse oder genialer Fluchttunnel“

 Wenn man ein Land erklären will, muss man die Informationen direkt bei den Menschen sammeln. Nur dort bekommt man sie rein und unverfälscht. Von Politikern, Parteien, Unternehmern und anderen Nutznießern von Einzelinteressen kann man sie nicht erwarten. Die Falschheit erkennt man daran, dass einer sagt, er spräche für die kleinen Leute. Stimmt nicht. Der spricht meistens nur für seinen Betrieb, der so gut läuft, weil kleine Leute ihn am Laufen halten. Leider öffnet man fast nie die Ohren für die kleinen Leute. Daher bleibt wohl auch die Frage unbeantwortet, ob die Volksabstimmung in der Schweiz über die Begrenzung des Zuzugs von EU-Bürgern zwecks Arbeitsaufnahme nur ein Missbrauch eines unbehaglichen Gefühls der kleinen Leute war. Denn ihnen hat die SVP (Schweizerische Volkspartei) geschickt suggeriert, dass es jetzt eng wird in der Schweiz. Im Zug musste man bald dicht an dicht stehen und würde den Atem fremder Leute im Nacken spüren. Und möglicherweise kommts dann im Gedrängel auch zu Körperkontakt. Das kann sehr unangenehm sein. Muss aber nicht. Und warum erklären mir die medialen Flaggschiffe, dass Frau Merkel sich Sorgen um die Schweiz macht? Sind Merkels Sorgen unsere Sorgen? Interessiert sich Frau M. auch mal für unsere Sorgen? Oder nur für die Sorgen der angeblich in unserem Namen sprechenden Unternehmen? Meine Sorgen reichen mir. Am Liebsten würde ich „Ohne Sorgen“ leben. Mich kümmern möcht ich mich schon, aber in der Zuversicht, dass mein gewohntes Leben erhalten bleibt. Vielleicht wars ja die Angst, dass das Kapital und die Politik mitten ins Wohnzimmer der Schweizer greifen. Nun ist es aber so, dass der Volksentscheid erst noch umgesetzt werden muss. Dann erst wird sich zeigen, ob der Abschottungskurs der Schweiz ein Weg in eine hohle Sackgasse ist oder ein genialer Fluchttunnel, der die Wünsche der spießigen Volkspartei erfüllt und den kleinen Leuten trotzdem ihre Gewohnheiten lässt. Europa schottet seine Außengrenzen ab und die Schweiz sich gegen die EU. Wo werden in der Schweiz eigentlich Armbrüste hergestellt?

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Redaktionsmitteilung: Helene Musfedder war fleißig

Helene Musfedder hat ihrer Fortsetzungsgeschichte „Pour Le Profit“ das Dritte Kapitel geschrieben. Nachlesbar ist es unter Pour Le Profit.

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Baron von Feder: „Hypestutzung fürs Internet“

Baron von Feder

Hypestutzung fürs Internet“

 Meine Abneigung gegen das Internet wird immer größer. Das bißchen Tunnel 38 in Chats, Foren, Mails, Apps, Browsern und überall, sogar in Kabeln und Mäusen, ist dabei noch das kleinste Übel. Großes Übel verursachen mir Yahoo, Facebook, Google und Google Analytics und fast alle unaufgeforderten Hinweise auf Neues, Updates und Anpassungen. Ohne diese ständigen Neuerungen kann man fast nicht mehr kommunizieren. Mal lässt sich eine Datei mit einem Text nicht mehr öffnen und lesen, wenn zwischen Sender und Empfänger unterschiedliche Programmversionen benutzt werden, mal ändert Yahoo Mnail einfach das Erscheinungsbild, welches dann auf dem Bildschirm nicht mehr vollständig angezeigt wird. Weil Yahoo sich für den Größten hält, verzichteten sie auf Scrollbalken, und nun kann keiner mehr in der Anzeige die Betreffzeile vollständig lesen oder den Namen des Absenders. Das nervt. Früher hätte sich um Anpassungen ein Techniker gekümmert, heute wird man zum Techniker gezwungen, dem die nerdischen Spielereien wichtiger sein sollen als die kreative Arbeit, für die Computer und das Internet überhaupt eingesetzt werden. Es ist gut, dass ich „Das Flugblatt“ als PDF verschicken kann. Es ist gut, dass ich das Layout mit Indesign gestalten kann. Es ist gut, dass ich Texte mittels WordPress recht schnell auf meiner Webseite veröffentlichen kann. Aber ich will nicht ständig neue Funktionen probieren oder neue Versionen anpassen, wenn ich noch nicht einmal sämtliche Funktionen der bisherigen Versionen meiner genutzten Programme kenne. Im Prinzip geht mir der ganze Interaktivitätsrummel auf die Nüsse. Bei Tagesspiegel Online schiebt sich immer ein Textfeld dahin, wo ich gerade lese, und teilt dann mit, der Artikel „Nach Haiangriff Arm wieder dran“ sei auch interesssant, bloss weil der aktuell gelesene Artikel heißt „Immer mehr Menschen sind arm dran“. Das kommt davon, wenn man Algorithmen als wesentlich intelligenter einschätzt als den menschlichen Verstand. Neulich las ich, dass es inzwischen sogar Programme geben soll, die selbständig Termine ändern können, die sich jemand in einen elektronischen Kalender eingetragen hat. Da wird dann „Facebook aktualisieren“ eingetragen, wo vorher stand „Emma Geburtstag, Rosen schenken“. Oder so. Das ist völlig verantwortungslos. Nach dieser kurzen Einleitung möchte ich kurz zusammenfassen, was mich am Internet stört:

-Der Glaube an die Unfehlbarkeit von Algorithmen bei der Suchmaschine

-Die Impertinenz von Facebook und Co., mich mit DU anzureden

-Die Anmaßung von Programmen, an eminer Stelle entscheiden zu können, dass eine Aufzählung mit Zeileneinrückung geschrieben wird. (Deshalb hier Bindestrich, half beim austricksen)

-Die Behauptungen, alles wäre in 5 Minuten installierbar und konfigurierbar.

-Daß Marketing mehr zählt als Bedienungsfreundlichkeit (Google Analytics: aufgeplusterte Seite mit unbrauchbaren Funktionen)

-Daß alle glauben, Autovervollständigen und automatische Rechtschreibkorrektur seien hilfreich und intelligent (wenn hier in dem Text noch Rechtschreibfehler drin sind, so lagen die an der selbstherrlichen Eigenmächtigkeit des Programms, sie automatisch einzubauen)

 Man müßte mal eine Liste sämtlicher Funktionen aufstellen und dann alles un wichtige streichen. Vielleicht wird dann ein hypgestutztes Internet ein brauchbares Arbeitsmittel.

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APROPOSIA: Vom Aufschwung des Krieges

APROPOSIA

Vom Aufschwung des Krieges“

 Am 26. Januar 2014 schrieb N-TV etwas über den Wunsch der Regierung, die Auslandseinsätze der Bundeswehr zahlenmäßig auszuweiten. Die Auslandsbetätigung von Militärpersonen zeigte sich bislang noch nie als, beispielsweise, Gartenarbeit. Verstehen Sie? Die erlauchte Runde sprach mal darüber. Hier ist das Protokoll:

 Moderatorin: „Guten Abend, Erlauchte Runde, guten Abend, UvD, schön, dass Sie alle hier sind. Sagen Sie bitte, UvD, wieweit sind Sie eigentlich schon mit Ihren familienfreundlichen Auslandseinsätzen?“

UvD: „Das boomende Afrika ist eine Chance.“

Moderatorin: „Heißt das, Sie sind für mehr Auslandseinsätze?“

UvD: „Wir können nicht zur Seite schauen, wenn Mord und Vergewaltigung an der Tagesordnung sind, ….“

Zwischenrufer: „Nee, schon klar, das konnte das Militär irgendwie noch nie.“

Unker(flehentlich): „Bitte, bitte, nicht schon wieder.“

UvD: „Mein Satz geht übrigens hinterm Komma noch weiter, nämlich so: schon allein aus humanitären Gründen.“

Moderatorin: „Sehen Sie denn dabei auch europäische Interessen?“

UvD: „Afrika ist unser direkter Nachbar, an der Meerenge von Gibraltar liegen die Kontinente nur 14 Kilometer voneinander entfernt.“

Unker: „Na, könnte man dann Afrika nicht besser an die EU assoziieren, dann wären doch die Rohstoffkriege erledigt?“

UvD(lächelt): „Sie haben in der Tat recht, denn ein boomendes Afrika ist eine Chance, gerade für ein Land mit einer so starken Exportwirtschaft.“

Unker: „Aber geht Europa nicht auch etwas friedlicher?“

UvD: „Europa kommt im Spiel der globalen Kräfte nicht voran. Wenn es sich immer dezent zurückhält bei militärischen Einsätzen.“

Unker: „So etwas führte vor 100 Jahren zum Ersten Weltkrieg.“

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Redaktionsmitteilung: Neuer Essay fertig: Ausgegrenzt und angeschmiert

Liebe Leserinnen, liebe leser, der etwa 70 Seiten umfassende Essay „Ausgegrenzt und angeschmiert – Bericht aus einem Land, in dem sich immer noch Seidenhemden über Wohlstandsbäuchen spannen“ ist vorläufig fertig. Er geht demnächst in den Druck. Die gedruckte Ausgabe wird voraussichtlich 12 Euro kosten. Siehe auch unter „Für zahlende Leser“

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Film-Rezension: „Die Kunst, sich die Schuhe zu binden“

Baron von Feder

Film-Rezension „Die Kunst, sich die Schuhe zu binden“

 „Unaufdringlich eindringlich

Der Film „Die Kust, sich die Schuhe zu binden“ kam im September 2012 auf deutsche Kinoleinwände. Ihn 2014 zu ersten Mal zu sehen, schadet auch nichts. Der Film scheint ein zeitloses unaufdringlich eindringliches Lebensdrama zu sein. Lena Koppel erzählt darin eine Geschichte von geistig behinderten Erwachsenen. Eigentlich erzählen die Erwachsenen selbst. Sie erzählen, indem sie darauf beharren, dass sie in ihrer Behindertenwerkstatt nicht ständig nur Holz hacken wollen, für die Wertschöpfung, oder Schnürsenkel zu Schleifen zu binden, für das selbständige Leben, falls mal das Band aufgeht und kein Betreuer ist da, um den Schuh wieder zu zu binden. Wozu auch? Es gibt ja Klettverschlüsse. Sie erzählen, dass sie Lust auf Freude haben, indem sie Theater spielen. Denn spielen und Theater hängen zusammen. Schauplatz der Geschichte ist wegen ihres Tatsachenkerns die schwedische Hafenstadt Hudiksvall am Bottnischen Meerbusen. Das Erzählte und das Wahre gehen wie ein sanfter Wusch ineinander über. Das Wahre ist die Gründung der Theatergruppe „Glada Hudik“. Zum Ensemble gehören die geistig behinderten Menschen in einem betreuten Tageszentrum der Stadt. Das Erzählte ist ein Schauspieler vom Theater, der arbeitslos wird und vom Arbeitsamt einen Job in Hudikavall zugewiesen bekommt. Dort hat er einerseits mit Menschen zu tun, die wie behinderte Kinder behandelt werden, aber eigentlich junge Erwachsene sind. Am Ende tritt die Gruppe auf einer Bühne mit einer Gesangsdarbeitung auf, die richtig schön ist, auch wenn man mangels Akustik den Text nicht versteht. Vielleicht schreibt ihn ja mal jemand auf, so das man ihn selbst lesen kann.

Es gibt in dem ganzen Film nur eine einzige plakative Stelle: „Behindert ist man nicht, behindert wird man.“ Und sogar dieser Satz passt in den Wusch. Am Ende hat man einen Film gesehen, der unaufdringlich eindringlich ist.

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