Aproposia: Von der Bildung einer Regierung

APROPOSIA

Von der Bildung einer Regierung“

 Seit Mitte Dezember hat das Land eine neue Regierung. Wie ist sie gebildet? Und wie baut man sich nach nur einer Amtszeit ein Denkmal?

 Moderatorin: „Guten Abend, erlauchte Runde. Wir wurden gerade Zeuge eines historischen Ereignisses. Unser Land ist das einzige auf der Welt, welches einen UvD an der Spitze des Verteidigungsministeriums hat -Guten Abend, UvD Leyen. Sie sind da nun also Unteroffizier vom Dienst?“

UvD: „Ich habe keinen Dienstgrad und keine Dienststellung. Aber ich habe einen Mordsrespekt vor meiner neuen Aufgabe.“

Zwischenrufer: „Mordsrespekt trifft es recht gut.“

Unker: „Ja, das trifft so gut wie der Oberst vom Hindukusch – wie hieß der gleich noch mal? Quintillius Mikro?“ (legt die Stirn in Grübelfalten)

Mesiramis Drohne: „Frauen tun der Bundeswehr in jeder Weise gut.“

UvD und Drohne: (himmeln sich an)

Zwischenrufer: „Wo ist eigentlich Friedrich Innengreif?“

Moderatorin: „Der hat sich nicht vom, sondern auf den Acker gemacht und kümmert sich um die Landwirtschaft.“

Unker: „Als Hirte von Schafen und Rindviechern hat er sich schon vorher verstanden.“

Zwischenrufer: „Dann macht Innengreif nicht mehr das Innere?“

Moderatorin: „Nein, das macht jetzt Drohne. Aber warum fragen Sie dauernd?“

Zwischenrufer: „Ich kann die Antwort gar nicht oft genug hören.“

Moderatorin: (zu Drohne) „Dann machen Sie jetzt also im Innern das, was sie im Äußeren nicht durften?“

Mesiramis Drohne: „Abwarten.“

UvD: (himmelt ihn an)

Ex-Minister: „Apropos im Äußeren. Schade, dass ich nicht mehr im Amt bin. In meiner Amtszeit war deutsche Außenpolitik Friedenspolitik. Wir haben uns an keinem neuen Krieg beteiligt.“

Unker: „Gab ja auch genug alte.“

Zwischenrufer: „Wenn das jetzt auch noch wahr wäre, würde ich als erster rufen: Wir wollen unsern ollen Giido wieder haben.“

Moderatorin: „Möönsch, da müsste man Ihnen glatt ein Denkmal setzen.“

Ex-Minister: „Dafür ist gesorgt.“

Moderatorin: „Wie das?“

Ex-Minister: „Wir haben gerade die Westerwelle-Foundation gegründet.“

Zwischenrufer: „Wie sind Sie denn auf DIE geniale Idee gekommen?“

Ex-Minister: „Man lernt.“

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EDITION BEWEGUNGSMELDER für zahlende Leser

Alle hier ab demächst aufgelisteten Titel sind nur für zahlende Leser zugänglich. Zahlende Leser sind solche, die für die Essays aus dem Bewegungsmelder einen kleinen Obolus entrichten, mit dem “Das Flugblatt” seine Arbeit fortsetzen kann. Denn Arbeit ist, was einer tut, und daher möge sie mit einem geldlichen Dank vergolten werden.

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Redaktionsmitteilungen: Das Flugblatt Nummer 75 ist da

Liebe Leserinnen, liebe Leser, das Flugblatt Nummer 75 ist da. Aus aktuellen Gründen habe ich die Veröffentlichung vom 1. Januar auf jetzt schon vorverlegt.

Link: Das Flugblatt Nummer 75 01-Dezember-2013 –

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Baron von Feder: Nachlass-Ratschläge für Verstorbene

Baron von Feder

Nachlass-Ratschläge für Verstorbene“

 Neulich las ich wieder in den Erinnerungen von Giacomo Casanova. Ich verglich das, was Casanova selbst geschrieben hatte, mit dem, was die Kommentatoren in den Fussnoten daraus gemacht haben. Und ich klappte das Buch zu, lehnte mich zurück, nahm einen Bleistift zwischen die Lippen und sann nach. Denn in mienem Bücherschrank steht noch eine Ausgabe von Goethes gesammelten Werken, die muss ich auch noch, wenn ich mit Casanova fertig bin. Bezüglich Goethe fiel mir aber sofort ein kabarettistischer Sketch ein. Da bereitet sich ein Student auf eine Literaturprüfung vor und merkt, dass er keine Ahnung von Goethe hat. Worauf dann Goethes Geist erscheint und sagt: „Ich geh für Sie in die Prüfung, werter Herr, denn wenn einer was von Goethe weiß, dann ja wohl ich. Siehe Wahrheit und Dichtung.“ Goethe hatte aber nicht mit dem prüfenden Prof. gerechnet. Der Prof. widersprach nämlich ständig Goethes eigenen Lebenswertungen und verwies auf sein professorales Standardwerk zu Leben und Werk von Goethe. Bei dem Fussnotenapparat an den Erinnerungen von Casanova hatte ich genauso das Gefühl, dass die Forscher dem Casanova den Casanova erklären würden, wenn sie könnten.

Es kömmet mir für, als könne man gar nicht vorsichtig genug sein mit der Absicherung seines edlen Nachrufes vor dem Abgleiten in eine üble Nachrede. „Das Flugblatt“ ist mit seinem ganzen Jahrgang 2013 in der Nationalbibliothek inventtarisiert. Ein mir bekannter Fotograf hat Regeln für seine online verfügbaren Fotoarchive festgelegt. Hinterlässt jeder etwas? Wer wähnt sich befugt, über Bewahrungswürdiges im Nachlass von Verstorbenen zu entscheiden? Wie verbindlich ist eine testamentarische Regelung, wonach zum Beispiel schriftliche Aufzeichnungen als geistiger Schatz zu gelten haben? Wie verbindlich ist die Verfügung, dass der benutzte Computer mitsamt des benutzten Betriebssystems und der gespeicherten Daten bereits als Archiv zu gelten haben und daher vor Plünderung, Zerstörung und Vernichtung bewahrt werden müssen? Und was ist, wenn Forscher in das Festplatten-Privatarchiv samt schriftlicher Aufzeichnungen Einsicht nehmen und alles umdeuten, was der Verstorbene geschrieben und gedacht hat? Wie haben die Herrschaften in den Sagen es fertig gebracht, dass wirklich nur ein Berufener befähigt war, den Hoheit über den Nachlass zu übernehmen? Muss man sich wirklich erst wichtig machen oder berühmt sein, um durch eine Deutungskontroverse die Ehre des Erinnerns erwiesen zu bekommen?

Vielleicht ja. Dann muss man sein Werk rechtzeitig abschließen und durch ein tatsächliches Standardwerk eines fiktiven Forschers absichern. Man nennt dies nach Autor Anatol F. Poet auch „kleine Täuschung, um die Wahrheit vor der Lüge zu bewahren.“ Am Besten ist es, man habe eine kleine verschwiegene Stiftung bei der Hand, in der die Nachlässe aller Mitglieder bewahrt werden. Ihr Vermögen könnte die Stiftung ja als kleine Piraten-Genossenschaft aufbauen. Näheres steht in meinem Nachlass.

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Baron von Feder: Hans Ulrich Gumbrecht und die Trommeln des Dritten Weltkriegs

Baron von Feder

Hans Ulrich Gumbrecht und die Trommeln des Dritten Weltkriegs“

 Im August 1914 begann das Gemetzel des Ersten Weltkriegs. Im August 2014 wird daran erinnert werden. Es wird an fast alles gedacht werden: An Kriegsschuld, Giftgaseinsätze, Im Westen nichts Neues, Dolchstosslegende, Versailler Vertrag, die Schuld des Ersten Weltkriegs am Zweiten Weltkrieg – nicht gedacht jedoch wird werden, dass es keinen gerechten Krieg gibt.

Immerhin: DAS es keinen gerechten Krieg gibt, hat sich weit herum gesprochen, selbst in die Generalstäbe. Nur zuckt man dort wie immer mit den Schultern und macht sich nicht aus der Erkenntnis. Das Wissen um Unrecht verhindert eben noch kein Unrecht. Aber es beunruhigt den Literaturprofessor Hans Ulrich Gumbrecht. Am 29. November brachte er seine Unruhe in der FAZ zum Ausdruck. Er versucht in dem Beitrag „Plädoyer für einen gerechten Krieg“ die Annahme zu beleben, dass ein Krieg gerecht sein könnte. Aber wozu? Gäbe es einen gerechten Krieg, würde er dann nicht sofort, also unverzüglich, ausbrechen?

Gumbrecht setzt seine Gedanken bewusst in Bezug zu den kommenden „Feierlichkeiten“ zum hundertsten Jahrestags des Ersten Weltkriegs. Eine solche Kriegssehnsucht und Begeisterung wie im August 1914 sei seither nie mehr beobachtet worden – bei keinem der unzähligen Krieg nach 1945. Bei jedem aber sind die Beteiligungsgründe illegal. Man sieht das an USA: Die Amerikaner „lassen sich immer wieder in illegale Kriege hineinziehen“ – die wollen das gar nicht, die werden da einfach so hineingezogen. Völlig richtig ist auch Gumbrechts Aussage: „alle Kriege brechen irgendeine Rechtsordnung“. Daher macht ein Krieg das Attribut „gerecht“ per se unmöglich. Das alles ist richtig und ein Grund zur Überlegung, wie man dann auch die Kriege selbst unmöglich macht.

Aber Gumbrecht kommt zu einer anderen Schlussfolgerung: Er will die verschwundene Idee vom gerechten Krieg neu beleben. Er nennt dies „Sehnsucht nach der Möglichkeit eines gerechten Krieges“ – aber er sagt nicht, wer sich danach sehnt. Eine von vielen möglichen Antworten darauf gab John Heartfield 1932: „Krieg und Leichen – die letzte Hoffnung der Reichen.“ Der Satz ist Teil einer Fotomontage, auf der eine kapitalistische Hyäne über Berge von toten Flüchtlingen aus Nordafrika herfällt, die an die Küste der Europäischen Union gespült wurden, weil Frontex sie verrecken ließ. Krieg und Leichen – IMMER NOCH Hoffnung der Reichen.

Auch die Leichen hatten eine Sehnsucht. Sie sehnten sich nach Frieden, nach sozialer Gerechtigkeit, am Liebsten sofort, also unverzüglich, und überall auf der Welt.

Gumbrecht aber endet mit den Worten: „Es ist gefährlich, ausschließlich einen Begriff vom ewigen Frieden zu kultivieren und als Kriterium eigner Praxis hochzuhalten. Was ein gerechter Krieg sein könnte, scheint heute zwar auf abstrakter Ebene und unter globaler Polyperspektivik kaum ausformulierbar, doch die Überlegung, dass es ihn geben können muss, ist ein ermutigender und notwendiger Selbstanspruch, den wir nicht vergessen sollten.“

Mit diesem Schlusssatz bekennt sich Gumbrecht als einen Trommler für den Dritten Weltkrieg. Seine Hetze aber ermutigt auf andere Weise: Nämlich dazuz, der Kriegswilligkeit mit einer Friedensfähigkeit zu begegnen. Vielleicht laufen dann die Kriegswilligen zu den Friedensfähigen über.

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POUR LE PROFIT: Fortsetzungsgeschichte (2)

Helene Musfedder

„Pour Le Profit“

Ein Fortsetzungskrimi ohne Tote, aber mit viel krimineller Energie. Ähnlichkeiten sind eigentlich unmöglich, und wenn doch, rein zufällig.

Kapitel 2: „Vom Platzen des Kragens und vom Spritzen der Tinte“

Vor einer beträchtlichen Anzahl von Jahren hatte Julius Brannak herausgefunden, dass ihm in Augenblicken des Zorns das Schreiben vonArtikeln gut bekommt. Wenn man seine unverstellte Wut in Worte fasst, kann man sie später als heimliche private Freude aus dem Archiv holen und sich „beömmeln“, wie Kasta Nienbaum es schon mehrfach nannte. Daher nahm Julius Brannak, als ihm wegen der schlechten Laune der Kragen zu Platzen drohte, den Füllfederhalter zur Hand und ließ seinen kraftvoll drängenden Gedanken freien Auslauf auf das Papier. „Welche eine Wortgewalt“, lobte Julius Brannak sich selbst, „wie Martin Luther oder Zeus beim Donnern.“ Er holte sich den Aktenordner mit gesammelten Artikeln aus dem „Seetang-Merkur“. Er musste, weil er keine Assistentin hatte, alles selbst machen. Das hatte aber auch einen Vorteil: Er musste niemandem erklären, unter welchem Stichpunkt ein Beitrag abzuheften war. Im Übrigen fand Brannak, dass der Seetang-Merkur im weiteren Sinne auch so eine Art Assistentin war. Denn was dort stand, musste er nicht auch noch schreiben. Er brauchte nur Archivgut auszuwerten. Das verletzt keine Rechte. Und Auswertungsnotizen sind keine fehlerhaften Behauptungen. In Auswertungsnotizen werden lediglich Artikel nebeneinander gelegt, um zeitliche und thematische Zusammenhänge zu erkennen. Völlig legal, das. Es später zu zitieren, verletzt keine Rechte und offenbart keine Geheimnisse. Aber es kann helfen, Personen, Handlungen und Beziehungen zwischen ihnen zu erkennen. „Operation Pour Le Profit“, schrieb Julius Brannak auf den Aktendeckel. Als er das geschafft hatte, lächelte er teuflisch breit. Der Kragen war nicht geplatzt, und die heiße Wut hatte sich einen geordneten Abfluss gebahnt.

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Bewegungsmelder: Facebook-Sperre gegen Jutta Ditfurth

BEWEGUNSMELDER

Facebook-Sperre gegen Jutta Ditfurth“

Der Zuckerberg-Konzern Facebook hat die Journalistin und Buchautorin Jutta Ditfurth für 30 Tage von der Nutzung ihres Facebook-Zuganges gesperrt. Das teilte Jutta Ditfurth per Mail-Rundbrief mit.

Der Hintergrund scheint eine gezielte Aktion rechtsgerichteter Kreise in Deutschland zu sein. Die Facebook-Nutzergekeinschaft darf nämlich nach den geltenden AGBs Seiten und Nutzer als sogenannte „Fälschung“ dem Konzern melden. Das Unternehmen hält sich dann für berechtigt und verpflichtet, dem Drängen nachzugeben. Jutta Ditfurth schrieb: „Es gibt Hinweise darauf, dass Rechte/Neonazis gezielt dazu aufgerufen haben, mich bei Facebook als Fake zu denunzieren. Dem hat Facebook offensichtlich nachgegeben.“ Jutta Ditfurth fordert von Facebook die sofortige Aufhebung der Sperre, die Bestätigungh der Echtheit ihrer Seite und die Sperrung der Denunzianten. Sie setzte dem Unternehmen eine Frist bis zum 05. Dezember. Falls bis dahin keine Reaktion kommt, will sie die Sache ihrem Anwalt übergeben.

Zudem wies Jutta Ditfurth darauf hin, dass unbeschadet aller Nutzungsbedingungen und Fairness-Regeln bei Facebook eine Seite existiere, die unverhohlen zur Gewalt gegen die politische Aktivistin aufrufe. Titel: „Ich würde Jutta Ditfurth gern mal auf die Fresse hauen“.

Jutta Ditfurth hat erst vor kurzer Zeit im Verlag Hofmann und Campe das Buch „Der Baron, die Juden und die Nazis“ veröffentlicht. Eine Rezension dazu ist auch auf „Das Flugblatt“ zu finden.

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Aproposia: Von vereinten Kräften und Gegenkräften

APROPOSIA

Von vereinten Kräften und Gegenkräften“

 Seit dem 27. November gibt es einen Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU samt CSU. Man fragt sich, warum die FDP raus ist – den sozialen Härtegrad des nächsten politischen Vier-Jahres-Marsches könnten auch neoliberale Hirne ersonnen haben.

 Moderatorin: „Guten Abend, erlauchte Runde. Das Publikum bekommt heute Sitzkissen auf die Stühle, damit sich seine Gesäße von den Tritten der letzten Wochen und Monate erholen können. Publikum, wir bitten im Namen der von uns allen Gewählten um Verzeihung – von den Gewählten werden Sie das nämlich nicht hören, also machen wir das.“

Sehr kluge Frau (hält die Hand hinters Ohr): „Was haben Sie gesagt? Ich hör wohl nicht richtig.“

Unker: „Sie glaubt, ihr Schwein pfeift.“

Zwischenrufer: „Sie hören ja nie zu, wenn man Ihnen was sagt, nur Ihrem Herrchen, dem hören Sie zu.“

Sehr kluge Frau: „Mit Ihnen rede ich doch gar nicht mehr.“

Zwischenrufer: „Das haben Sie schon so oft gesagt. Und nun schon wieder. Ich glaub Ihnen kein Wort mehr.“

Moderatorin: „Nun zankt Euch mal nicht. Wir machen ja hier keine Koalition.“

Unker: „Hoffentlich bleibt das nicht der einzige Witz heute abend.“

Wohlstandsbäuchler: „Außerdem haben wir das Beste für alle fleißigen Menschen heraus geholt.“

Anwalt der Schwachen: „Wen meinen Sie damit?“

Stimme aus dem Publikum: „Hier hilft nur noch eine Gegenkoalition.“

Sehr kluge Frau: „Da lach ich doch. Für sowas braucht man Koalitionäre. Sie haben ja noch nicht einmal 50.000 Stimmen für die Abschaffung von ALG-II-Sanktionen zusammen bekommen.“

Wohlstandsbäuchler: „Womit dann bewiesen ist, dass die Faulpelz-Bürste auch bei den Faulpelzen als gerecht gesehen wird. Frei nach dem Motto: Ich habe Strafe verdient und bitte um eine gehörige solche.“

Anwalt der Schwachen: „Wohlstandsbäuchler, Sie haben noch nicht gesagt, wen Sie mit den Fleißigen meinen.“

Wohlstandsbäuchler: „Fleißig ist, wer arbeitet und in die Rentenkasse einzahlt. Der darf dann auch mit 63 abschlagsfrei in den wohlverdienten Ruhestand gehen.“

Arbeitsloser: „Sie und Ihresgleichen haben doch viele von uns mit sehr viel Fleiß an der Einzahlung in die Rentenkasse gehindert, indem wir gar nicht arbeiten durften, so siehts doch mal aus.“

Dr. Liberalitas: „Fleiß an sich bekommt seine Bedeutung erst durch das Ziel, dem der Fleiß gilt.“

Wohlstandsbäuchler (zum Arbeitslosen): „Von Ihnen war doch gar nicht die Rede, Sie Faulpelz.“

Arbeitsloser: (schweigt verbittert)

Moderatorin: „Womit müssen wir denn nun rechnen?“

Anwalt der Schwachen: „Das wird ein konservativer Stillstand mit einer zunehmenden sozialen Spaltung.“

Zwischenrufer: „Herr Anwalt, ist das nicht zu harmlos ausgedrückt? Sind hier nicht noch größere Gefahren als nur eine soziale Spaltung bei konservativer Restauration?“

Unker: „Anwalt, im Koalitionsvertrag wollen se Genossenschaften als Unternehmensform für Freiberufler einführen – Könn Se sich da mal schlau machen und uns helfen, das wir uns zu freiberuflichen Gruppen zusammenschließen können und dabei sozial und fiskalisch abgesichert sind?“

Anwalt der Schwachen: „Soziale und fiskalische Absicherung – das hätte von mir sein können.“

Unker: „Na bitte, der zweite Witz heute Abend.“

Dr. Libealitas: „Ich wundere mich, warum keiner vom Überwachungsstaat redet – die Befugnis zum Lauschen darf nicht privatisiert werden, weil wir Bürgerrechtler nur STAATLICHE Willkür bekämpfen, um Freiheit und Wohlergehen zu gewährleisten.“

Zwischenrufer: „Amen, Dr. Liberalitas.“

Arbeitsloser: „Und was kommt auf UNS zu?“

Wohlstandsbäuchler: „Ich hab Ihnen doch schon mal gesagt, dass es um Sie gar nicht geht.“

Sehr kluge Frau: „Unser Land befindet sich auf dem richtigen Weg und braucht daher jede Hand, um die Straße in eine lichte Zukunft zu bauen.“

Zwischenrufer: „Dunnerlüttchen.“

Sehr kluge Frau: „Was wollt Ihr eigentlich?“

Alle: „Das fragen wir SIE.“

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Baron von Feder: Das kann ja heiter werden

Baron von Feder

Das kann ja heiter werden“

 Am 27. November tickerte über die Webseite des Senders N-TV, dass die CDU den Koalitionsvertrag online als PDF verfügbar gemacht hat. Nach einer etwa halbstündigen Lektüre war die Überschrift dieser Glosse hier geklärt: Das kann ja heiter werden.

Erheiternd war zum Beispiel die treudoofe Ausführung zum Thema Rohstoffe und Rohstoffsicherung. Die Bundesregierung will hierzu „gezielte Maßnahmen“ ergreifen. „Es ist gezieltes Handeln geboten, um negative Auswirkungen auf die Wertschöpfung zu vermeiden.“ Horst Köhler wähnte sich für diese Äußerung noch als Rücktritts-Verpflichtet vom Amt des Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland. Natürlich lässt die Regierung ergreifen und ergreift nicht selber. Für so etwas gibt es eine spezielle Branche. Sie ist die einzige Branche, zu deren berufsspezifischen Maßnahmen das Zielen gehört. Inzwischen darf man das offenbar unverhohlen sagen. Offenbar hat sich die Branche im Ausland recht gut bewährt. Sie darf nur noch nicht im Innern tätig werden, wo es auch um die Sicherung von Rohstoffen geht, zum Beispiel gegen Bauern, wenn unter ihrem Acker seltene Erden liegen. Dafür springt die Deutsche Rohstoffagentur ein. Sie soll laut Vertragstext bei der Raumordnung zwar alle Interessengruppen berücksichtigen, aber eben darauf achten, dass der Wirtschaft ein angemessener Stellenwert beigemessen wird. (Wortdopplung mit „messen“ aus dem Text übernommen). Umweltschützer zum Beispiel, die sich gegen die Erdölförderung im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft engagieren, haben bei dieser Interessenabwägung von vornherein verloren. Menschen, Pflanzen und Tiere wohl auch. Der industriellen Landschaftsverschandelung sind keine Grenzen mehr gesetzt.

Immerhin dürfen Freie Berufe – ich zum Beispiel – nach großer Enttäuschung wieder auf eine Neuaflage von Existenzgründercoachings freuen. Da bezhalt man selbst oder das Arbeitsamt einen Coach dafür, dass man hinterher das gesparte Geld nicht mehr hat, um einen Mitarbeiter einzustellen und die Aufgaben zu bewältigen, mit einem Einkommen, welche beide Mitarbeiter sowie die Krankenkassen und das Finanzamt ernähren. Immerhin begreift man die erste Lektion: Wenn man soviel Geld hat, um sich eine Existenz aufzubauen, braucht man keinen Coach dafür.

Was aufhorchen lässt, ist die immerhin vertraglich erwähnte Bereitschaft, auch Genossenschaften zuzulassen. Aber sutje: Nicht so, wie sich die künftigen Genossenschaftler das vorstellen, also zum Beispiel „Das Flugblatt“ mit noch drei anderen Journalisten gemeinsam. Dann käme heraus: Vier Leute wären wie normale Angestellte durch die Genossenschaft versichert, bezögen Gehalt, zum Beispiel 401 Euro anzüglich Sozialabgaben, Mieten etc. wären Betriebskosten der Genossenschaft, und alles wäre gut. Geplant ist, diese Genossenschaften nur nach Bedingungen der Koalitionäre zu gestatten. Diese Bedingungen will die Koalition im Laufe ihrer Tätigkeit mal ausdenken. Dagegen hilft wohl doch nur noch eine Piraten-Genossenschaft.

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Helene Musfedder: Pour Le Profit Kapitel (1)

Helene Musfedder

Pour Le Profit“

Ein Fortsetzungskrimi ohne Tote, aber mit viel krimineller Energie. Ähnlichkeiten sind eigentlich unmöglich, und wenn doch, rein zufällig.

*Kapitel 1

Schlecht gelaunt saß Julius Brannak am Küchentisch. „5 Waagerecht: Amtierender UNO-Generalsekretär: Kofi Annan. So ein Quatsch, der heißt inzwischen Bang Ki Moon.“, brummelte er vor sich hin. Die übrigen Seiten des „Seetang-Merkurs“ waren auch nicht besser. Jedenfalls besserte sich die schlechte Laune von Julius Brannak nicht. Sie dauerte auch schon eine Weile. Seit Wochen schon schmeckte sogar der Tankstellenkaffee besser als sein frischgebrühter zu Hause. Sogar eine pappige Bockwurst mit Brötchen schmeckte besser als eine Stulle mit Käse oder Wurst. Wurst hinterließ auf der Zunge einen Geschmack wie früher die 4,5 Volt Flachbatterien, wenn man mit der Zunge beide Pole berührte, um zu prüfen, ob sie noch genug Saft hatte. Selbst ein Bier schmeckte nicht mehr wie ein Bier schmecken sollte. Es hinterließ im Abgang einen Geschmack wie säuerliche Milch. Da musste man ja schlechte Laune bekommen, und dann meldete auch noch der Seetang-Merkur, Forscher wollten den Hopfen gentechnisch verändern, damit das Bier im Glase möglichst blumig schäumte. Eine Sauerei, fand Julius Brannak und ging zu Netto, um sich fürs Wochenende Stier-Bier und eine Flasche Müller-Supergau zu kaufen. Das Zeug hießt zwar Thurgau, aber Julius Brannak erlaubte sich gerne mal einen Kalauer – irgendwie musste man ja mit den Umständen klar kommen. Und Kalauern ist hierzu eine geistvolle Art. Als Julius Brannak Netto verließ, lud neben ihm auf dem Parkplatz Frau Dr. Kasta Nienbaum ihre Einkäufe in den Kofferraum ihres Autos. Bier hatte sie nicht gekauft, aber Rotwein und Mineralwasser sowie Klopapier und Küchenrollen. „Muss mich um die Lütten kümmern“, gestand Kasta Nienbaum. Die Lütten waren die Kätzchen, Welpen und Waschbärbabies, die Kasta Nienbaum in der Auffangstation betreute. „Wenn die erst mal für den Nationalpark lebenskräftig sind…“. Sie beendete den Satz nicht, weil Julius Brannak ergänzte: „Um darin zu überleben, muss man tatsächlich lebenskräftig sein. Das geht den Menschen wie den Leuten. Und den Waschbären erst recht.“ Forschend schaute Kasta Nienbaum in Julius Brannaks nachdenkliches Gesicht. Dann sagte sie unvermittelt: „Weiß gar nicht, wie lange es die Station noch gibt. Wird ja überall gespart.“ „Und immer am Nötigen, damit man Mittel für das Unnötige frei kriegt.“ Julius Brannaks schlechte Laune wurde an diesem Tag nicht besser.

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