BARON VON FEDER: Zum Weltfriedenstag

Seltsame befremdliche Begegnung

Am heutigen WELTFRIEDENSTAG traf ich auf einen, der betrachtete gerade ein Foto von dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski. U Kraina heißt, so lernte einst, “Am Rande”. Und dann sagte der Betrachter von dem Selenski-Bild folgendes: “Hat der ukrainische Friedensengel-Verteidigungsfeldherr seit dem 24 Februar 2022 sein T-Shirt schon mal – oder besser: wie oft – gewechselt?”

Hört mal: Das ist doch dämlich. Ironie, Satire und politischer Witz müssen , um zu wirken, intelligent sein. Das mit den T-Shirts ist genauso intelligent wie die allerdümmsten Witze über Helmut Kohl oder Erich Honecker. Aber vielleicht hat Scholli seinem ukrainischen Kollegen ja ein Päckchen geschickt mit neuen T-Shirts. Was geht es mich denn an? Auch ich will mir regelmäßig frische Wäsche leisten können. Und auch sonstige Hygiene. Dazu zähle ich ausdrücklich auch Seelenhygiene.

Warum sagen fast alle, wenn sie vom WELTFRIEDENSTAG sprechen, “Antikriegstag”? Der Erste September ist nun mal als Weltfriedenstag etabliert.

Im Übrigen gilt für Kritik immer noch, dass sie intelligent sein muss. Das setzt voraus, dass Kritiker eine gewisse Fachkompetenz brauchen. Wenn jemand als Ansprechpartner für Dinge gelten will, die gesellschaftlich und politisch bedrückend sind, muss der designierte Expertitius in Spe die Kompetenz zum Aufschrei haben. Dazu gehört aber auch, zu wissen, dass man nie lauter schreien darf, als der Skandal groß ist. Erst wer Vieles kennt, kann Einiges vergleichen. Wieviel Mindestwissen ist aber nötig, um die erste Stufe der Aufschreikompetenz zu erreichen, und wieviel Einiges an Vergleichbaren muss man vorweisen können, damit man einigermaßen plausibel ud mit guten Argumenten ein “Meinungsbild” darstellen kann? Wieviel Regierungsformen muss man am eigenen Leib gespürt haben, um Unterschiede und vor allem Gemeinsamkeiten herausarbetien zu können? “Wer ein guter Demokrat werden will, der sollte ein Praktikum in einer Dikatur machen”, hieß ein geflügeltes Sprichwort unter Politik-Studenten an der Uni Greifswald Anfang der 90er Jahre. Sie verstehen, was ich meine? Danke.

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BARON VON FEDER: Abenteuer Pflegestufe Teil 5

Ein unseriöser Jobvermittlungsvorschlag

Kaum reißt sich die Pflege-Sozialseite zusammen und arbeitet zügig, kommt wieder ein Zeichen von Armenhaß seitens des Arbeitsamtes. Ich solle mich auf eine Stelle in Neubrandenburg als Redakteur beim Nordkurier bewerben. Die gleiche Zeitung erhielt schon vor einem Jahr eine Bewerbung von mir – da hieß Redakteur noch Reporter in der Stellenausschreibung, und die Bewerbung war zu Händen von jemand andrem zu richten.

Ich nahm also die Bewerbung von damals, vergleich die Stellenbeschreibung von damals und heute, bezog mich auf die Anpassung und passte mein Schreiben ebenfalls an die neue Lage an. Damals bekam ich nicht einmal eine Antwort. Diesmal fehlte wieder eine E-Mail, um die Bewerbung abzuschicken. Ich schickte sie also ordnungsgemäß an die Chefredaktion.. Im Idealfall ist man dort verpflichtet und in der Lage, eine Bewerbung an die richtige Stelle weiterzuleiten.

Stattdessen lehnte die Person, die vor einem Jahr so unhöflich war, nicht einmal zu antworten, mir eine Mail mit der Aussage, meine Bewerbung nicht entgegenzunehmen, weil sie nicht über das Internetformular einkam. Wie denn auch, wenn der Pfad nicht begehbar ist und man Daten so nicht übersenden kann? Will man etwa keine Bewerbungen annehmen?

Ich schrieb zurück, sie sollten die Bewerbung weiterleiten und teilte gleichzeitig zwei Sachbearbeiterinnen vom Arbeitsam mit, dass ich keine unseriösen Vermittlungsvorschläge bekommen möchte. Jetzt hoffe ich darauf, dass entweder auf meinen Anrufversuch oder meine Mail an die bisher für mich zuständig gewesene Sachbearbeiterin bei der Jobvermittlung eine sachdienliche entgegenkommende Rückmeldung bei mir erfolgt. So viel Mitwirkungspflicht wird man ja wohl auch als behinderter, erkrankter, im Grunde arbeitsunfähig gemachter Mensch erwarten dürfen.

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BARON VON FEDER: Abenteuer Pflegestufe Teil 4

Der Rollator ist da.

Am Dienstag gegen kurz vor 12 Uhr mittags lieferte ein Fahrer vom Sanitätshaus Den Rollator. Ich bin zu 134 Uhr 30 damit zur Lymphdränage “gerollt”. Schneller als zu Fuß war ich damit nicht, aber wenigstens nicht so wacklig auf den Beinen. Soweit, so gut. Ich hatte noch 153 Euro aufm Konto und in 9 Tagen gibt es neues Geld. Es können also 100 Euro als stille Reserve für Weimar (Urlaubsrücklagenaufbaubeginn). 50 Euro hab ich abgehoben: 15 für Mobiltelefon – is das für September schon mal raus, bleibt mir die Ausgabe “erspart”. 6,50 beim Bäcker, das war Scheiße, aber ich wollte es ja. 10, 50 kriegt Ibo noch für Döner und Bier am Sonntag. Auch doof. Naja, was solls. Siehe Bäcker-Thema.

Am Dienstag, dem 23. August (für Historiker: Datum Hitler-Stalin-Pakt) kam Post vom Medizinischen Dienst. Am 2. September kommen sie um 11.30 für eine Stunde zur Begutachtung und zum Entscheid über Pflegestufe. Wenn ja alles gut erstmal. Dann kann ich weiter planen. Bis zum zweiten September sind es ja nur noch zehn Tage, und meines Wissens und meines Kalenders nach ist der zweite September ein Freitag. Dann wird das Wochenende entweder optimistisch oder traurig – genauer wissen kann man es vorher nicht. Zur Vorbeerietung ist mal wieder ein Fragebogen auszufüllen. Einer der einfachsten Fragebögen, die mir in meinem “Behördenleben” bisher vorgelegt wurden. Erstmal will ich Mittwoch früh noch zum HauSarzt. Zahn muss auch noch, aber davor hab ich Angst, hab wohl ne Plombe verloren oder sonst wie ne neue Stelle. Scheische isch dasch. Aber wat willste machen ? Watt mutt, dat mutt.

Und wenn der Dienst dann hier gewesen sein wird, wird die Auswertung und die Bearbeitung und die Entscheidung nochmal sechs bis acht Wochen dauern. Dann könnte ich im Advent mit allem durch sein- jedenfalls im Idealfall für mich. Schiet aber ok. Gesundheit wär mir lieber.

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BARON VON FEDER: Abenteuer Pflegestufe Teil 3

Montag kommt Rollator

Zwei Rezepte sind da: Rollator und Verbandschuhe. Pflege sagt, ich könnt da selber hinlaufen, ich aber fürchte, mir kreiselt es dann vor den Augen und ich stehe unter Sturzgefahr. Muss ja nicht auch noch sein. Nach Anruf beim Sanitätshaus ergab sich: Montag Nachmittag kommt der Lieferant, nimmt das Rollatorrezept mit und lässt ein einfaches Modell ohne Zuzahlung hier, und das Rezept für die Schuhe nimmt er auch mit. Selbiges muss sowieso erst von der Krankenkasse genehmigt werden. Hoffentlich wird alles gut, und die Stufe kommt auch durch.

In der Post war eine Bestätigung der Krankenkasse, dass der Antrag angekommen ist und bearbeitet wird. Schon nächste Woche soll jemand vom Medizinischen Dienst mit einem Haufen Fragen im Punktekatalog kommen, und wenn ich die vorgesehene Mindestpunktzahl hab, krieg ich die Pflegestufe. Die Pflegedienstleitung sagt, notfalls ein bisschen flunkern, um die Punktzahl zu erhöhen. Treppe zum Beispiel: Ohne Hilfe unmöglich. Irgendjemand zum Abstützen oder tragen helfen muss dabei sein. Nachbarin will helfen bei Organisation Reinigung. Gute Tipps hat sie schon dagelassen, un d ich hab natürlich weiter gemacht. Früher hat ein Donnerstag in der Woche als Haushaltstag gereicht zum Ordnung schaffen im Beritt – heute brauch ich statt eines Tages eine ganze Woche, und richtig fertig bin ich immer noch nicht.

<jetzt ist Montag, der 22. August: Ich hab grad erfahren, dass der Techniker vom Sanitätshaus das Rollwägelchen zusammen schraubt und mich dann im Anschluss bezüglich der Lieferung anruft. Es ist also alles eingetaktet, und bei Lymphdränage habsch auch angerufen wegen möglicher Terminüberschneidung. Und dann muss ich bloß noch Lebensmittel holen – in 9 Tagen gibt’s neues Geld – und dann am 30. Fußpflege 15 und Telefonkarte 15 macht 30 – und dann ist September. 50 vom Geburtstag könnten definitiv bleiben.

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BARON VON FEDER: Abenteuer Pflegestufe Teil 2

Besuch vom Pflegedienst

Nach Vereinbarung kam heute eine Bearbeiterin vom Pflegedienst zwecks Antragstellung auf Pflegestufe 1 und ließ auch Information-Material hier. In Bälde wird sich Krankenkasse melden und mit ihr der Medizinische Dienst. Bis dahin eventuell Wundpflege wegen Ulcus curiosus.

Zuvor war eine Nachbarin aus dem Nebenaufgang für mich bei Netto und hat zwei große Selter mitgebracht. Vier Euro Rückgeld. Offenbar hat Netto doch wieder die gute Selter zurück im Angebot. Das war sofort heraus zu zu schmecken. Die gute Selter war eine Zeit lang nicht im Sortiment, und im Laden hieß es offiziell, der neue Lieferant sei billiger im Einkauf, hühre die gute Selters aber nicht. Der billigere Einkauf hatte den Laden nicht gehindert, den Verkaufspreis zu erhöhen . Heute als zwei mal anderthalb Liter gute Seltersw für zusammen einen Euro.

Jetzt muss noch die Wundversorgung geregelt werden. Und ich merke, dass es ganz ohne etwas zu Essen auch nicht geht. Nachbarn gingen mit ein paar Münzen von mir zum Einkaufen und holten Selters, Käse, Brot. Heute ist inzwischen Donnerstag , die Pflege war hier und hat eine Wundbehandlung durchgeführt. Morgen, Freitag, kommt die Pflege wieder gegen acht, und bringt eventuell die ersten Rezepte mit: Es könnte sogar ein Rolli dabei sein, so dass ich Sonntag wenigstens ein wenig Bewegung haben kann. Ich bin gespannt und in dieser Hinsicht optimistisch. Fußpflege ist heute noch nach Lymphdränage. Ich hab bei Lymphe angerufen – wegen Fuß : ich muss zusehen, wie ich dahin komme und wie wieder zurück. Taxi ist zu teuer. Mit Rolli wird’s schon gehen. Die Lebensmittelversorgung zum Wochenende beunruhigt mich.

Für heute noch: Lymphe, Fußpflege, Stand Rezepte: Zu erwarten sind

-Rollator
-Verbandschuhe
-Salbe Fuß
-Verordnung Pflegedienst
_Wundverbandzeug

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FEUILLETON-REZENSION: “Das Friedensfrühstück” ist fertig

“Das Friedensfrühstück” ist fertig

So, bitte kommen Sie herein in den Downloadbereich. “Das Friedensfrühstück ” ist angerichtet. Der Download der PDF-Datei ist kostenlos. Aber über die eine oder andere Spende würde ich mich dennoch freuen. Weihnachten steht ja auch vor der Tür, und gegen Ende des Jahres, wenn es wieder kühler ist, möchte ich gerne mal wieder für eine Woche oder wenigstens ein Wochenende nach Weimar fahren. Denn nach dem Friedensfrühstück will ich noch “Seidenhemden über Wohlstandsbäuchen” fertig stellen und danach – etwa bis Jahresende – noch “Vorhang auf im Meinungstheater”. Vor dem Meinungstheater habe ich den größten Bammel. Denn die Zeit scheint mit Zeitpersonen belebt zu sein, denen die Meinungsvielfalt gleichgültig ist. Meine bescheidene Aussageabsicht ist es aber, der Vielfalt und der Gemeinschaft von Meinungen eine gewisse friedensstiftende Funktion zuzuordnen. Und wenn das alles publiziert ist und gut wurde, dann müsste noch ein Essay zum Thema Migration dazu kommen, und der wird heißten: “Kein Staat darf andere Menschen als unnütz betrachten”. Und da hab ich wieder das Gefühl, mich “im Gegensatz zu meiner Zeit zu befinden und laut Nein zu sagen”. Entschuldigen Sie bitte, darf ich Ihnen eine Frage stellen: Warum sollen Waffenlieferungen Kriege “Verkürzen”? Bedeutet das dann auch, dass man ein Feuer schnellstens löscht, wenn man Brennholz nachlegt?

Beim “Friedensfrühstück” geht es um Folgendes:

Kurzbeschreibung:

Den Frieden erhält die Schöpfung wohl nur dadurch, wenn die Sektion Menschheit ihre Begabungen fürderhin auf das Erlernen und Einüben von nachhaltigen Handlungen zum Wohl, zum Erhalt und zum Miteinander einsetzt. Wenn Frieden erlernbar ist, so ist er im Laufe der Zeit lediglich in Vergessenheit geraten, weil die Einrede der Kriegsnotwendigkeit den Rang einer unumstößlichen Tatsache eingenommen hat. Dem ist womöglich nicht so. Wie man aus dem Leben und aus Bildungseinrichtungen weiß, ist ein gutes Frühstück ein guter Auftakt zum lustvollen lernen. Man spürt die Mühe des Lernens nicht, erlebt aber staunend den Erfolg.

Und dann sitzt General mit einem Pazifisten beim Frühstück, und der Pazifist fragt: „Noch ein Tässchen Kaffee, Herr General?“, und der General sagt: „Gerne, Gandhi“, und spricht seinerseits: „Probieren Sie doch mal diese Aprikosenkonfitüre, sehr lecker, und im heimischen Gewächshaus gereift.“

Zu solch einer Frühstücksvorbereitung lud die Friedensinitiative „Es reicht“ ein. Referate hielten Phil Schreiber, Johann Herzensgut Mildesleben, , Francesco Gandolf, Jean Le Clou, Yvonne Schmusika, Friederike Schiller und Catherine Ring-Guth. Die Referate boten sie dann der Öffentlichkeit zum Ablehnen, Zustimmen, Kritisieren, Verbessern an. Danach werden die Tische gedeckt, falls die Entscheidung Frühstücksfeste heißt.

Und hier kommt der Link


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BARON VON FEDER: Abenteuer Pflegestufe

Zur Zeit beginnt eine Antragstellung auf Pflegestufe, um dadurch das Anrecht auf ein bisschen Unterstützung eines einzelnen jungen Mannes mit körperlichen Einschränkungen inklusive Herz und Atmung zu erhalten. Einfach bloß so geht da nämlich nicht, man könnte ja Simulant sein, reden Nörgler. Nichts gegen Meinungsfreiheit, aber Nörglern müsste man den Ton leiser drehen können, damit sie nicht nerven. Und da gibts so Herzen die man drücken kann. Das stärkt die Muskulatur in der Hand zum Beispiel. Aber wenn man das herz zehnmal drückt und dann schnauft man wie nach dem Treppensteigen in die zehnte Etage.

Das Herz in der Hand sieht der besseren Vorstellung wegen so aus:

Das rote ist das gedrückte Herz. Die hand ist Bestandteil des nach zehnmal Herzdrücken schnaufenden Menschen. Das sollte die Notwendigkeit einer Pflegestufe wohl begründen, oder? Denn sehen Sie mal: Bücken und was aufheben, geschweige denn Fußboden wischen, geht auch nicht mehr. Und so eine Küche oder ein Flur, ja selbst Wohzimmerchen und Badverhau, wollen gerne gewischt werden. Es soll ja auch duften, wenn man vom Einkaufen oder sonstigen unumgänglichen aushäusigen Aufenthalten wieder ins Heimelige Nest zurück kehrt. Und kann mir endlich mal einer erklären, warum Betten grundsätzlich mit tragunfähigen Lattenrosten ausgestattet sind? Einmal drehen reich um so vile Schwung zu entwickeln, dass alles kracht, was nicht Stahl ist. Und im Tiefschlaf zu merken, dass Suie mit dem Arsch auf dem Fußboden schleifen, aber die Füße noch an der Oberkante der “Matratzengruft” haben: Das ist unschön. Sie müssen sich zum Zweck der Schadensbehebung zum Aufwachen zwingen, sonst droht noch ein Bandscheibenvorfall. Den wollen Sie nicht riskieren, glauben Sie mir das. Ich hatte zwar noch keinen, aber eine Ahnung davon. Nein, das wollen Sie nicht.
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BARON VON FEDER: Schuldbekenntnis eines Schöpfungsquälers

Mea Culpa. Tiefe Reue. Volles Versagen. Der Verstoß gegen Albert Schweizers Lehre der Ehrfurcht vor dem Leben ist nicht zu leugnen. Es war ein Versagen der Zivilcourage aus Angst oder sonst etwas. Es war nur so, dass eine Wespe in eine Bierflasche kroch. Normalerweise kommt sie da auch wieder heraus. Am Tisch lauerte außer dem späteren Versager ein sadistisch lüsterner Blick. Kaum war die Wespe in der Flasche, stülpte der Inhaber des des sadistisch-lüsternen Blickes ein Glas über die Flasche. “Verreck, Du Vieh”, sagte der Mensch. Die Wespe bekam Angst. Man konnte sie förmlich um Hilfe rufen hören. Der Versager wollte das Glas wegnehmen. Der Sadist unterband dies. “Das Vieh muss sterben”, sagte der Sadist. Und der Versager traute sich nicht, nach den Lehren von Albert Schweizer und Franziskus von Assisi das Glas von der Flasche zu nehmen. Natürlich wäre es möglich gewesen. dass die Wespe ihn gestochen hätte. Wer hätte ihr das übelnehmen wollen? Wenn nicht einmal Menschen immer in der Lage sind, ihre Affekte zu beherrschen, wie soll man das von einer kleinen Wespe verlangen? Es ist auch keine Beruhigung, dass die Bedienung beim Abräumen das Glas entfernte und das kleine Schöpfungsmitglied befreite. Es ist auch keine Entschuldigung, dass der Versager absichtlich ein Drittel seines Eisbechers mit Sahne stehen ließ, um den Kumpels der Wespe seine tief empfundene Scham und Reue zu bekunden. Schuld ist Schuld, Schande ist Schande, und Versagen ist Versagen.
Wenn man nun aber schon im Kleinen so Groß versagen kann, wie unmessbar groß ist dann erst das Versagen, wenn es um Freundschaften, Frieden, Gerechtigkeit geht? Und überhaupt: Was genau hemmt im entscheidenden Moment das vom Geist für richtig erkannte ethische Handeln? Die Angst von einem Wespenstich? Wenn so wenig alleine schon reicht , um ethisches Handeln auszuschalten – wie kann man ethisches Handeln praktisch lernen ? “Es ist nicht genug zu wollen – man muss es auch tun”. Aber wie schafft man es, das Zaudern zu überwinden? Es hätte gereicht, einfach nur das Glas anzuheben. Da wäre nicht einmal Gewalt nötig gewesen. Also warum? Wie kommt das Nicht-Handeln trotz Handeln-Wollens zustande? Scham und Schande. Ein kleiner edler Moment, eine winzige Erwartung, die man hätte erfüllen können, und nun ein Leben voller Scham und Reue. Warten auf die nächste Chance? Und dann? Was hindert einen dann am Handeln? Haben Sadistenblicke solch lähmende Macht?

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DOWNLOAD-HINWEIS: Das Flugblatt für August 2022 ist fertig

Liebe Leserinnen, liebe Leser, das neue Flugblatt für August 2022 ist fertig. Zur Zeit sind Bücher zum Rezensieren knapp. Wie neulich im Falle eines Buches von Hannah Ahrend tritt der Gedanke auf, früher bereits erschienene Bücher zu rezensieren. Das erlaubt der Rezension den Blick auf die Zeitlosigkeit der Bücher. Denn wenn ein Buch vor 100 Jahren zum Beispiel erschien und heute noch oder wieder aktuell ist, so enthält die Rezension möglicherweise einen AHA-Effekt. Und der kann bekanntlich zur Zeit ganz wohltuende Nebenwirkungen haben. Mir sind bloß noch nicht so viele Titel eingefallen. Das heißt: Es gibt Viele, aber die Auswahl fällt schwer. Was meinen Sie: Welche Autoren könnten wir rezensieren? Sollen wir “Seneca: Von der Seelenruhe” nehmen? Eine passender Wunsch zur Zeit wäre die Seelenruhe ja schon. Oder ein paar soziale Schriften, die ansonsten fast völlig untergehen würden wie Atoll in der Südsee, wenn der Meeresspiegel infolge der Polabschmelzung weiter steigt? Welche Wünsche würden Sie, liebe Leserinnen und liebe Leser, der Redaktion vom Flugblatt zurufen? Ich selbst habe sowieso vor, mich in der Bibliothek anzumelden und dann deren Lesesaal zum Lesen und Schreiben zu nutzen. Die Bibliothek als Schreibstube ist vielleicht gr keine schlechte Idee. Obwohl ein kühles trockenes Plätzchen, trotzdem am Wasser, mit einer zärtlich streichelnden frischen Abendbrise – das wäre ja auch ein schöner Ort zum Schreiben. Und schreiben möchte ich noch sehr viele. Trotz allem, was ich bisher schrieb, scheint alles immer noch erst de Anfang eines Lebenswerkes zu sein. Von Lebenswerkserfüllung kann ich vermutlich erst dann sprechen, wenn die Quantität des Geschriebenen zur neuen Qualität von etwas Bleibendem führt. Immerhin sind die nächsten vier Titel in der Arbeit: “Seidenhemden über Wohlstandsbäuchen”, “Das Friedensfrühstück”, “Vorhang auf im Meinungstheater” und “Kein Staat darf…”. Am weitesten voran gekommen bin ich mit “Das Friedensfrühstück”.

Ich danke allen Mitwirkenden an diesem Flugblatt, die trotz Arbeit Zeit und Lust fanden. Ich kann soviel Engagement gar nicht genug schätzen.

Und hier ist der Link:

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BARON VON FEDER: “Angenommen, die Medien….”

“Angenommen, die Medien…..”

Angenommen, die Medien würden nicht aus jeder Politikeräußerung eine Meldung machen. Wie sähe dann eine Zeitung aus?

Sie würde dünner sein, weil sie weniger Papier für die Werbeseiten benötigt. Das wäre eine Wohltat für die Umwelt. Und es würde nicht erst ein Geheimdienstler sagen, “dass Russland bald fertig hat”. Ein britischer solcher soll das laut NTV gesagt. Das Bequeme an Geheimdienstquellen ist, dass man sie weder belegen kann noch darf. Notfalls kann man sich einen ausdenken und den Finger auf die Lippen legen. Kurz hinter dem Geheimdienstler munkelte Annalena Baerbock vom Außenamt von Bürgerkrieg in Deutschland, wenn Kanada eine Nordstream-Turbine nicht aus der Wartung nach Deutschland heimkehren lässt. Die Aufgabe von Medien ist es, Widersprüchliche Informationen in einen erklärenden Zusammenhang zu bringen, damit die Leser wissen: Zur Zeit spinnen sie wieder alle, aber die PR-Abteilungen haben ihre Dramatisierungsspezialisten an die Bearbeitung von Sachinformationen gesetzt. Und nun erkennt keiner mehr, was los ist. Im Grunde müssen sich die Medien selber davor bewahren, die Überdramatisierung der sachlichen Ebene vorzuziehen. Sachdienliche Informationen stehen dann sofort im Ruf von Verharmlosung oder Relativierung. Und dabei war die Beschreibung der Vorgänge und ihre Einordnung in Zusammenhänge immer das edle Amt des Journalismus. Wenn Leser Autoren sind und die Zeitung als aktives Mittel zur Informationsverbreitung nutzen, dann müssen alle, die schreiben, auch verantwortungsvoll mit ihren Texten umgehen. Ängste zu schüren und existierende Gerüchte aufzuzählen scheint mir nicht verantwortungsvoll zu sein. Weil es viele Leser und viele potentielle Autoren gibt, reicht eine Zeitung gar nicht aus, um die Vielfalt der Informationen zu verbreiten. Wenn alle, die da schreiben, verantwortungsvoll und ethisch handeln, dann würde eine Themendarstellung eine Problemlösungs-Fachberatung sein, und Leser und Autoren und alle besäßen die Expertise der gesellschaftlichen Fachkompetenz. Das Abwiegeln, Beschwichtigen und Dramatisieren könnte im Theater stattfinden. Etwa als ergänzendes “Was wäre, wenn?”

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