REDAKTIONSMITTEILUNG: Das Flugblatt für den September 2016 ist da

Liebe Leserinnen, liebe Leser, das Flugblatt für den September ist da.

ich hatte nicht wirklich an einen anderen Themenschwerpunkt im Septemberflugblatt geglaubt. Aber Säbelrasseln und Kriegsgeheul nahmen kein Ende, obwohl Aussenminister Steinmeier dies schon im Juni gefordert hatte. So musste ich dann doch wieder auf das Thema zurückkommen. Diesmal war es das Konzept der Zivilverteidigung. Der Text klingt in vielen Passagen nach DDR-Sprachgebrauch. Ansonsten ist es aber bemerkenswert klar in der Sprache, bei der Nennung von Absichten, Planungen, Folgen und hierfür nötigen Maßnahmen. DAS wirkt befremdlich, denn die Zivilverteidigung gehörte zur vormilitärischen Ausbildung, damit auch solchen Menschen das militärische Grundwissen nicht verwehrt wurde, die nicht in den Genuss des Militärdienstes in der NVA kamen. Wenn man Folgen abschätzt – und das gilt auch für Leser beim Bewerten von Informationen – ist es erlaubt, das Bekannte mit dem Neuen zu vergleichen und gegebenenfalls Parallelen zu ziehen. Wer Vieles kennt, kann Einiges vergleichen. Dafür sind Chroniken wichtige Lehrmaterialien. Die Zivilverteidigung soll dem Konzept nach bereit und in der Lage sein, auch militärisch oder terroristisch verursachte Schäden zu beseitigen. Mit deren Eintreten wird dem Konzept nach sehr stark gerechnet. DAS ist befremdlich. Der beste Friedenslehrer aber sollte „Die Geschichte“ sein. Kurz war auch schon von der Wiedereinführung der Wehrpflicht die Rede. Dies geschah durch den warnenden Hinweis: Leute, wir können auch anders, die Wehrpflicht ist nur AUSGESETZT, nicht ABGESCHAFFT. Es kann jederzeit wieder losgehen, und die Vorbereitungen laufen ab wie ein offenes Geheimnis. Das ist irgendwie unheimlich.

Das Flugblatt für den September enthält zwei Rezensionen, weil im Hinstorff-Verlag 2016 wieder zwei Ostseekrimis heraus kamen. „Die Sturmnacht von Bansin“ heißt der eine, der andere heißt „Vermisst in Graal – Müritz“. Baron von Feder hat gemeinsam mit einem Dichterkollegen aus Dassow gearbeitet. Jeder hat unabhängig voneinander das gleiche Thema mit ganz verschiedenen Worten bedichtet und nu kucken Sie mal, wie gereimte Meinungsvielfalt aussehen kann.

Das vollständige Flugblatt: Das Flugblatt 107-01-09-2016 neues Layout

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FOTO UND DOKUMENTATION:

Straßeneinladung
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Weimar, Geleitstrasse. Manchmal ist es auch eine Einladung, wenn einem ein Stuhl vor die Tür gestellt wird.

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FEUILLETON-KULTURBETRIEBLICHES: Die Kunst mit Kaffee zu malen

FEUILLETON-KULTURBETRIEBLICHES

Die Kunst, mit Kaffee zu malen

Wenn Ihnen  mal der Kaffee umkippt, ist das nicht so schlimm. Gatschen Sie einfach einen Löffel Honig in die Pfütze und verrühren die Pampe. Das sieht zwar nicht schön aus, aber man kann damit Kunst machen. Die sämige Flüssigkeit eignet sich hervorragend für Landschafts-und Gebäudebilder. Herbststimmungen gelingen besonders gut, weil die natürliche Farbe des Kaffees nah an den Sepia-Ton des späten Altweibersommers heran kommt. Die Farbe trocknet sehr langsam. Darum hat man Zeit, zwischendurch etwas anderes zu tun, zum Beispiel Tulpen aus Holz zu schnitzen, die Bienen täuschen könnten, wenn sie duften würden. ergiebig ist die farbe auch. Edin kleines Töpfchen reicht, um drei Din A Vier –Blätter flächendeckend einzufärben.

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FEUILLETON-ZEITGEIST: Vorbereitung auf Ernstfälle

Feuilleton-Zeitgeist
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„Vorbereitungen auf Ernstfälle“

Am 24. August hat die Bundesregierung eine vom Bundesinnenministerium erarbeitete Planung für die Zivilverteidigung im Falle eines Falles beschlossen.  Wie schon zur Zeit des Kalten Krieges und der atomaren Bedrohung soll die Bevölkerung einerseits mit dem Gefühl von Handlungswissen beruhigt werden; andererseits weiß die Bevölkerung ganz genau, dass es auf jeden Fall gesünder ist, wenn der Ernstfall nicht eintritt. Das Innenministerkonzept zur Zivilverteidigung scheint erstaunlich unaufgeregt und angemessen für kommende Situationen zu sein. Die Regierung rechnet damit, dass es zu bewaffneten Angriffen an den Außengrenzen des NATO-Bereichs kommen wird. In sachlich klarem Sprachgebrauch machen die Verfasser des Konzepts klar, dass es zur Umsetzung des Konzepts zu einer Vielzahl von Zivilschutzübungen kommen wird. Auch die Ausbildung von Fach-Führungs -und ehrenamtlichen Kräften wird voran getrieben. Für die personelle Planung bekommt die Bundesagentur für Arbeit noch genauer zu erarbeitende Befugnisse. Man kann dabei denken was man will auch bezüglich von Parallelen. Aber es bleiben überwiegend zivile Aufgaben die auch bei zivilen Schäden anfallen können. Und das muss nun mal geübt werden, wie es die Feuerwehr im Idealfall auch tut. Das Zivilschutzkonzept lässt keinen Zweifel daran, dass im Falle eines Falles die Weisunghoheit beim Militär liegt.

Beinahe lächerlich wirkt dagegen der Wunsch von Thomas de Maiziere nach Gesichtserkennungssoftware und nach personengebundenen Eintrittskarten fürs Theater. Und wenn daraus hervorgeht, wer eine Karte für Götz von Berlichingen hatte, dann rollt der Abgleich der Datenbanken. Die Auswüchse des Profilesammelns machen Google und Facebook bereits vor. Etwa so: Leute, die Götz kucken, haben überwiegend kritische Fragen zur politischen Verdummung der Gesellschaft. Aber auch sehr drastische Antworten.

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Fremdwerbung: Altersarmut und Schikanen durch Hartz Vier sind nicht hinnehmbar

Infoblatt
„Altersarmut und Schikanen durch Hartz IV sind nicht mehr hinnehmbar.
Am 16.09 2016 wird zu diesem Thema in Angermünde von 9.00 Uhr – 11.30 Uhr eine Mahnwache vor dem Jobcenter durchgeführt.
Am Nachmittag ab 15.00 Uhr soll eine Diskussionsrunde im Ratssaal /Rathaus Angermünde zwischen Bürgern und Politikern stattfinden. Jeder interessierte Bürger kann daran teilnehmen.
Unser Soziales Netzwerk „Bürgergemeinschaft gegen Sozialabbau“ und der Verein „Hartz IV – Betroffene e.V.“ rufen alle Bürger auf sich zur Wehr zu setzen.
Wir fordern eine Mindestrente in Höhe von 1040,- Euro. Die Zwangsverrentung, vor allem der Abschlag dabei gehört sofort abgeschafft und muss rückwirkend erstattet werden. Wir fordern eine sanktionsfreie Mindestsicherung in Höhe von 600 Euro Regelsatz plus Miete anstatt Hartz IV oder SGB XII. Außerdem fordern wir diese 600,- Euro auch für Bedarfsgemeinschaften. Damit meinen wir, dass jeder Erwachsener in der Bedarfsgemeinschaft 600,- Euro erhalten soll. Das Schonvermögen bei SGB XII muss auf Hartz IV Niveau angehoben werden.
Jedem Bürger muss es ermöglicht werden, eine Wohnung ohne Begrenzung der Wohnfläche anzumieten. (Damit meinen wir auch Leistungsempfänger muss es ermöglicht werden, im Rahmen der Angemessenheit größeren Wohnraum in Anspruch zu nehmen, denn kleine Wohnungen sind Mangelware). Außerdem muss der Staat dafür Sorge tragen, dass jeder Bürger krankenversichert wird, damit meinen wir, dass jeder auch wieder aus der privaten Krankenversicherung in die gesetzliche Krankenversicherung eintreten kann.
Da heißt es so schön, jeder sollte für sein Alter selber vorsorgen. Wenn man das macht und in Grundsicherung fällt, heißt es wieder die zusätzliche private Rentenversicherung wird beim Schonvermögen angerechnet. Da fragt man sich, werden die Bürger absichtlich für dumm gehalten oder steckt Absicht dahinter?
Wie heißt es immer so schön, Deutschland ist ein reiches Land. Aber das Millionen von Menschen von Armut betroffen sind, sagt man nicht. Ein Staat wo viele alte Menschen Flaschen sammeln müssen, um zu überleben, sollte sich was schämen.
Wir haben genug von der verlogenen Politik und haben auch keine Angst davor, dass offen zu sagen. Da heißt es so schön, wir haben vieles geschafft, wir haben eine Rentenerhöhung, Müttergeld und mehr Kindergeld. In Wirklichkeit haben wir immer mehr Menschen, die von Grundsicherung leben müssen.
Die Menschenwürde ist unantastbar steht im Grundgesetz. Warum trifft das nicht für alle Menschen zu? Oder warum werden ganze Bevölkerungsschichten, ausgegrenzt und eingeschüchtert?
Das Volk sollte keine Angst vor den Regierenden haben, die Regierenden sollten Angst vor dem Volk haben.

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BARON VON FEDER: Konstruktive Aufsässigkeit

BARON VON FEDER

Konstruktive Aufsässigkeit

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Unterm Kaiser lernten Leute
das es gestern-morgen-heute
fürs Vaterland zu sterben süss ist
und noch manchen andern Mist.

Dass Kirche, Reichtum, Ärmlichkeit
wärn gottgewollt seit Ewigkeit
und die Gesellschaftsspaltung wäre
die ganze reine Christenlehre.

Nur manchmal wie ein scheuer Traum
und wie im wahren Leben kaum
haltbar, seufzt die Menschlichkeit
SIE wäre gern der Geist der Zeit.

Und nicht der Geist von Knobelbecher
Kasernendrill und Knochenbrecher
von Vorrats –und von Sammellagern
zum Schreck von Kritikern und Fragern.

Und wenn nach den Septemberwahlen
Mecklenburger sollen zahlen
Ideen, die bei Caffjee* und andern
in den harten Schädeln wandern

dann, leewe Lüüd, heissts aufgemotzt
und dem Status Quo getrotzt
Unsre Freiheit aufzuweichen
Soll die Regierung Nie erreichen.

*Lorenz Caffier, Innenminister Mecklenburg-Vorpommern, Hardliner und Spitzenkandidat der CDU zur Landtagswahl am 4. September 2016

Michael Krämling zum selben Thema:

Man kann von Lagerbeständen hören
mit denen Politiker Kreise stören
indem sie lauthals deklamieren
Vorsorgekäufe durchzuführen

Dieses sei, so sagen sie, richtig,
und für jeden Privathaushalt wichtig,
denn hamstern, das liege ja auf der Hand
ist bei Krisen sehr interessant

Auch Waffen gibt es im Zeitenverlauf
in Zukunft vielleicht im Sonderverkauf
Wenn niemand jedoch darauf reagiert
wird eben weiter exportiert

Ich frage mich nur, was soll das alles
etwa für den Fall des Falles?
oder im Fall einer aggression?
na das kennt man von früher ja schon.

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FEUILLETON-ZEITGEIST: „Wahlen: Wissen ist keine Mandatsbedingung“

Feuilleton-Zeitgeist

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„Wahlen: Wissen ist keine Mandatsbedingung“

 Am vierten September wählt sich Mecklenburg einen neuen Landtag zusammen. Das Ziel der Wahl ist die Bestimmung derjenigen Leute, die bis 2020 mit Gesetzen und Maßnahmen, mit Entscheidungen und Beschlüssen die Art in Mecklenburg-Vorpommern zu leben gestalten. Diejenigen, die die Gewählten an den Ort ihrer eben benannten Tätigkeitgeschickt haben werden, sind die Wähler. Wähler sind sich seltsamer Weise nicht immer darüber im Klaren, dass ein Depp, wenn man ihn wählt, auch depperte Entscheidungen treffen wird. Siehe Amerika: Wer Trump wählt, braucht sich nachher nicht zu wundern, wenn ihm Hören und Sehen vergeht. Wer sich von einer Alternative für Deutschland vertreten lassen will, braucht sich nicht zu wundern, wenn er eine Alternative zu Rechtstaat und Demokratie bekommt. Volksvertreter sind nämlich im ursprünglichen Sinne Menschen mit Wissen und Erfahrung und der Bereitschaft, beides zum Wohl des Landes einzusetzen. Der Ursprung ist nur noch Erinnerung. Von Wahl zu Wahl wiederholt sich der Eindruck, dass Wissen, Erfahrung und Verantwortung keine Mandatsbedingungen mehr sind. Das Schöne am Mandatsträger sein ist für viele die Aussicht, pro Wahlperiode sozial komfortabel abgesichert zu sein. Wenn man das zweimal hintereinander geschafft hat, ist sogar eine kleine Pension gesichert. Mandatsträger werden in der Regel keine Armutsrentner. Aber mal Hand aufs Herz: Trauen Sie Leuten, bei denen Sie das Gefühl nicht los werden, sie würden sich eher für ihre parlamentarischen Versorgungsansprüche interessieren als bezüglich der Auswirkungen von Freihandelsabkommen auf Erna und Heinis kleines Gartenglück verantwortungsvolle Abstimmungsentscheidungen zu treffen? Ich auch nicht. Zur Zeit wird ja viel darüber gesprochen, wie naiv und utopisch eine Basisdemokratie ist. Sie muss gar nicht naiv sein. Man müsste vielleicht nur jungen Menschen nach der Schule die Möglichkeit geben, nach dem Erlernen ihres Berufes und den ersten Erfahrungen mit der sozialen gesellschaftlichen Realität ein Praktikum im Staatsapparat zu absolvieren. Wenn jeder turnusmäßig die Möglichkeit erlernt, gesellschaftliche Fragen mit geeigneten und dem Gemeinwohl dienenden Entscheidungen zu lösen, vermeidet man Schnösel in den Parlamenten. Auf kommunaler Ebene sollte das möglich sein. Am 18. September wählen sich die Berliner was. Schöne Grüße aus Mecklenburg.

Anmerkungen bitte per Mail an hannes.nagel@das-flugblatt.de

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REZENSION: Vermisst in Graal-Müritz

Rezension „Vermisst in Graal-Müritz“

„Farnwedel und salzige Luft“

Schwingende Farnwedel, salzige Luft, Mücken, Brummer, Bremsen und ein Hauch von Stinkmorchel erzeugen im echten Leben ein Stimmungsgemisch aus verlorener Trostlosigkeit und touristisch überlaufenem Menschengewimmel. Das sind zwei gegensätzliche Empfindungen. Regina Hartmanns Ostseekrimi „Vermisst in Graal-Müritz“ hält in seiner Konstruktion ebenfalls konsequent so eine Mischung aus Alleinsein und Gewimmel durch. Diese Konstruktion scheint Autorin, Akteuren und Lesern gleichermaßen Halt zu geben. So etwas ist selten. Mir fällt auf Anhieb kein Krimi ein, bei dem sich der Autor an ein Erzählprinzip klammmert, um nicht durch die Handlung zu stürzen, und die Akteure das gleiche Bedürfnis wie der Autor nach Halt und festem Boden unter den Füßen haben. Ich glaube fast, als Leser könnte man mit dem Krimi nichts anfangen, wenn man sich nicht an dem vorgeschlagenen Erzählprinzip festhalten könnte. Einmal ist von einem Buch die Rede, welches Die Sprache der Steine heißt, und man hat den untrüglichen Eindruck, es sei „Steine am Ostseestrand“ von Rolf Reinicke aus dem Demmler-Verlag Körkwitz gemeint. Im Laufe der Krimihandlung verschwindet ein Kind und wird demzufolge gesucht. Die Polizei sucht es zunächst in einem Küstenwald, in dem die Orientierung schwer und die Stille drückend ist. Daher wird dann wohl die Farnwedel-Assoziation kommen. Denn normaler Weise führen Wanderwege nicht durch Farngebüsch. Findet man sich also mittendrin im Farn wieder, weiss man, dass man falsch gegangen ist, aber den richtigen Weg findet man nur unter Mühen und per Zufall, wenn man Glück hat. Als die Suche nach dem Kind noch immer keinen Erfolg hat, taucht die Leiche eines Autisten auf, und zwar Stückweise. Es folgt die Beschreibung der Ermittlungsarbeit. Die Ermittlungsschritte sind sachlich konstruiert, aber die die Konstruktion der Ermittlerpersönlichkeiten wirkt unpersönlich hölzern. Das scheint ein Widerspruch zwischen Krimiidee und Krimiausführung zu sein. Es ist, als wollte die Köchin eine Soljanka mit einem Klacks saurer Sahne servieren, aber saure Sahne war nicht im Angebot, und da musste Zitrone reichen.

(Regina Hartmann, „Vermisst in Graal-Müritz“, Hinstorff, Rostock 2016)

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für August 2016 ist fertig

Das Flugblatt 106-01-08-2016 neues Layout

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich wünsche mir, dass ich mich wenigstens dieses eine Mal in der Einschätzung von Politik irre. Denn wenn passiert, was mir und vielen anderen gerade zu passieren scheint, bereitet die NATO entweder sich auf einen größeren Krieg vor oder den dritten Großen Krieg überhaupt. Ich konnte es daher überhaupt nicht vermeiden, dass sich die Augustausgabe fast nur um die Angst vor dem Ende des wenigstens noch scheinbar vorhandenen Friedens dreht. Heribert Prantl hatte schon 2008 das Buch „Der Terrorist als Gesetzgeber“ geschrieben. Es scheint logisch, dass das Feuilleton als lebende Gattungsbezeichnung ausgerechnet jetzt auf dieses Buch aufmerksam wurde. Die Aktualität muss da verschiedene Assoziationen hervorgerufen haben. Nach der Lektüre von „Der Terrorist als Gesetzgeber“ kam auch gleich die Lektüre des im Juli verabschiedeten „Antiterrorgesetzes“ und des BND-Gesetzes dran. Ich fand, dass die Passagen über die neu zu besetzenden Planstellen in Verfassungsschutz, Bundespolizei und BND nebst Bundesgerichtshof und Bundesanwaltschaft die spannendsten Passagen beider Gesetze sind. Danach las ich noch das Weißbuch 2016 der Bundeswehr und fand im Prinzip die Lage so, dass der Einsatz der Bundeswehr im Innern gar nicht so wichtig ist wie die heimliche legale Aufhebung der Trennung zwischen Polizei und den Geheimdiensten. Ich finde, dies musste der Schwerpunkt Flugblattausgabe des Monats August werden.

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Diesmal gibt es folgende Themen:

Aproposia

Feuilleton-Rezension: „Der Terrorist als Gesetzgeber“

Feuilleton-Rezension: „Grundrechtereport 2016“

Feuilleton-Zeitgeist: „Terrorthomas, NATO-Gipfel und BND-Gesetz“

Feuilleton-Kulturbetriebliches: „Schach in Apolda, Kunst und Hobby in Schönberg, Literaturförderung in Mecklenburg“

Ein Foto ist auch wieder da: Diesmal eine Skulptur einer afrikanischen Bergziege, weil zum Bewahren des Friedens eigenwillige Köpfe nötig sind. Baron von Feder meldet sich auch noch.

Trotz Allem: Ich wünsche Ihnen Kraft zum Lesen und einen friedlichen Sommer.

Hannes Nagel

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FEUILLETON-REZENSION: Die Sturmnacht von Bansin

Rezension „Die Sturmnacht von Bansin“

„Genug gemordet in Bansin“

Gemächlich wie eine Milieubeschreibung beginnt Elke Pupkes vierter Ostseekrimi mit dem Handlungsort Bansin und dem literarischen Stammpersonal ihrer drei Vorgängerkrimis. Zum Stammpersonal zählen Berta Kelling, die Mrs. Marpel von Bansin, ihre Nichte Sophie, die von Tante Berta die Pension Kehr wieder übernommen hat und betreibt, Bruno Kehr, der pichelnde Lehrer im Ruhestand, die Fischer, die immer mit dabei sind, und die Reiseleiterin Anne mit dem Talent, zwei in der Bedeutung gegensätzliche Sprichwörter kreativ zu einem neuen Sprichwort zu kombinieren. Sie würde typischerweise sagen: „Wie man sich bettet, so schallt es heraus“, worauf Lehrer Kehr grinsend sagen würde: „Wenns aus dem Bett schallt, muss man das Fenster öffnen.“. Im vierten Krimi dauert es lange, bevor Anne mit einem Sprichwort aufwartet. Es gelingt ihr versehentlich richtig, worauf sie in der Folge wieder alles verkehrt macht. Sonst wäre ja auch das durchgehende Erzählprinzip gebrochen. Es reicht ja schon, dass die Beschreibung des Sozialen zunehmend bedeutungsvoll für das Lokalkolorit wird: Arbeitslosigkeit, Hartz Vier und wie Einzelne in Abseitslage hineingeraten sind. Hätte es keine zwei Morde gegeben, wäre „Die Sturmnacht von Bansin“ ein vorbildlich erzähltes Sozialdrama geworden. Es scheint durchaus nicht verkehrt zu sein, die Sozialbeschreibungen an den einschlägigen Vorlagen von Alfred Döblin („Berlin Alexanderplatz“) und Hans Fallada („Kleiner Mann – was nun?“) zu messen. Es könnte sogar sein, dass Elke Pubke vorhat, mit diesem Krimi einen Kurswechsel auf mordfreie Heimatgeschichten einzuleiten. Bis Seite 113 entspricht die Lektüre sozusagen einer Geschmacksprobe der weiteren schriftstellerischen Fähigkeiten von Elke Pupke. Genug gemordet in Bansin, sozusagen. Aber dann kommen doch wieder zwei Tote vor. Und wieder muss Berta Kelling mit ihrem bewährten „Ermittler-Stab“ ran und alles aufklären. Für Krimi-Ratefreunde dürfte die schönste Szene das Kapitel „Dienstag, 28. Oktober“ sein. Da gehen sie alle ihre möglichen Verdächtigen durch und resümmieren dann:

„Ich bin mir sicher, der Name des Mörders wurde heute Abend hier erwähnt.“. Das ist eine Einladung für alle lesenden Mörder-Rate-Freunde.

(Elke Pupke, „Sturmnacht von Bansin“, Hinstorff-Verlag, Rostock 2016)e

Anmerkungen bitte per Mail an hannes.nagel@das-flugblatt.de

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