Die aktualisierte und erweiterte Fassung von „Was der Zeitgeist wispert“ ist für 6 Euro per Mail bestellbar und wird dann gedruckt und geliefert.
Zur Ansicht: Was der Zeitgeist wispert
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Liebe Leserinnen, liebe Leser, das Flugblatt für den September ist da.
ich hatte nicht wirklich an einen anderen Themenschwerpunkt im Septemberflugblatt geglaubt. Aber Säbelrasseln und Kriegsgeheul nahmen kein Ende, obwohl Aussenminister Steinmeier dies schon im Juni gefordert hatte. So musste ich dann doch wieder auf das Thema zurückkommen. Diesmal war es das Konzept der Zivilverteidigung. Der Text klingt in vielen Passagen nach DDR-Sprachgebrauch. Ansonsten ist es aber bemerkenswert klar in der Sprache, bei der Nennung von Absichten, Planungen, Folgen und hierfür nötigen Maßnahmen. DAS wirkt befremdlich, denn die Zivilverteidigung gehörte zur vormilitärischen Ausbildung, damit auch solchen Menschen das militärische Grundwissen nicht verwehrt wurde, die nicht in den Genuss des Militärdienstes in der NVA kamen. Wenn man Folgen abschätzt – und das gilt auch für Leser beim Bewerten von Informationen – ist es erlaubt, das Bekannte mit dem Neuen zu vergleichen und gegebenenfalls Parallelen zu ziehen. Wer Vieles kennt, kann Einiges vergleichen. Dafür sind Chroniken wichtige Lehrmaterialien. Die Zivilverteidigung soll dem Konzept nach bereit und in der Lage sein, auch militärisch oder terroristisch verursachte Schäden zu beseitigen. Mit deren Eintreten wird dem Konzept nach sehr stark gerechnet. DAS ist befremdlich. Der beste Friedenslehrer aber sollte „Die Geschichte“ sein. Kurz war auch schon von der Wiedereinführung der Wehrpflicht die Rede. Dies geschah durch den warnenden Hinweis: Leute, wir können auch anders, die Wehrpflicht ist nur AUSGESETZT, nicht ABGESCHAFFT. Es kann jederzeit wieder losgehen, und die Vorbereitungen laufen ab wie ein offenes Geheimnis. Das ist irgendwie unheimlich.
Das Flugblatt für den September enthält zwei Rezensionen, weil im Hinstorff-Verlag 2016 wieder zwei Ostseekrimis heraus kamen. „Die Sturmnacht von Bansin“ heißt der eine, der andere heißt „Vermisst in Graal – Müritz“. Baron von Feder hat gemeinsam mit einem Dichterkollegen aus Dassow gearbeitet. Jeder hat unabhängig voneinander das gleiche Thema mit ganz verschiedenen Worten bedichtet und nu kucken Sie mal, wie gereimte Meinungsvielfalt aussehen kann.
Das vollständige Flugblatt: Das Flugblatt 107-01-09-2016 neues Layout
Straßeneinladung
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Weimar, Geleitstrasse. Manchmal ist es auch eine Einladung, wenn einem ein Stuhl vor die Tür gestellt wird.
FEUILLETON-KULTURBETRIEBLICHES
Die Kunst, mit Kaffee zu malen
Wenn Ihnen mal der Kaffee umkippt, ist das nicht so schlimm. Gatschen Sie einfach einen Löffel Honig in die Pfütze und verrühren die Pampe. Das sieht zwar nicht schön aus, aber man kann damit Kunst machen. Die sämige Flüssigkeit eignet sich hervorragend für Landschafts-und Gebäudebilder. Herbststimmungen gelingen besonders gut, weil die natürliche Farbe des Kaffees nah an den Sepia-Ton des späten Altweibersommers heran kommt. Die Farbe trocknet sehr langsam. Darum hat man Zeit, zwischendurch etwas anderes zu tun, zum Beispiel Tulpen aus Holz zu schnitzen, die Bienen täuschen könnten, wenn sie duften würden. ergiebig ist die farbe auch. Edin kleines Töpfchen reicht, um drei Din A Vier –Blätter flächendeckend einzufärben.
Feuilleton-Zeitgeist
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„Vorbereitungen auf Ernstfälle“
Am 24. August hat die Bundesregierung eine vom Bundesinnenministerium erarbeitete Planung für die Zivilverteidigung im Falle eines Falles beschlossen. Wie schon zur Zeit des Kalten Krieges und der atomaren Bedrohung soll die Bevölkerung einerseits mit dem Gefühl von Handlungswissen beruhigt werden; andererseits weiß die Bevölkerung ganz genau, dass es auf jeden Fall gesünder ist, wenn der Ernstfall nicht eintritt. Das Innenministerkonzept zur Zivilverteidigung scheint erstaunlich unaufgeregt und angemessen für kommende Situationen zu sein. Die Regierung rechnet damit, dass es zu bewaffneten Angriffen an den Außengrenzen des NATO-Bereichs kommen wird. In sachlich klarem Sprachgebrauch machen die Verfasser des Konzepts klar, dass es zur Umsetzung des Konzepts zu einer Vielzahl von Zivilschutzübungen kommen wird. Auch die Ausbildung von Fach-Führungs -und ehrenamtlichen Kräften wird voran getrieben. Für die personelle Planung bekommt die Bundesagentur für Arbeit noch genauer zu erarbeitende Befugnisse. Man kann dabei denken was man will auch bezüglich von Parallelen. Aber es bleiben überwiegend zivile Aufgaben die auch bei zivilen Schäden anfallen können. Und das muss nun mal geübt werden, wie es die Feuerwehr im Idealfall auch tut. Das Zivilschutzkonzept lässt keinen Zweifel daran, dass im Falle eines Falles die Weisunghoheit beim Militär liegt.
Beinahe lächerlich wirkt dagegen der Wunsch von Thomas de Maiziere nach Gesichtserkennungssoftware und nach personengebundenen Eintrittskarten fürs Theater. Und wenn daraus hervorgeht, wer eine Karte für Götz von Berlichingen hatte, dann rollt der Abgleich der Datenbanken. Die Auswüchse des Profilesammelns machen Google und Facebook bereits vor. Etwa so: Leute, die Götz kucken, haben überwiegend kritische Fragen zur politischen Verdummung der Gesellschaft. Aber auch sehr drastische Antworten.
Feuilleton-Zeitgeist
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„Wahlen: Wissen ist keine Mandatsbedingung“
Am vierten September wählt sich Mecklenburg einen neuen Landtag zusammen. Das Ziel der Wahl ist die Bestimmung derjenigen Leute, die bis 2020 mit Gesetzen und Maßnahmen, mit Entscheidungen und Beschlüssen die Art in Mecklenburg-Vorpommern zu leben gestalten. Diejenigen, die die Gewählten an den Ort ihrer eben benannten Tätigkeitgeschickt haben werden, sind die Wähler. Wähler sind sich seltsamer Weise nicht immer darüber im Klaren, dass ein Depp, wenn man ihn wählt, auch depperte Entscheidungen treffen wird. Siehe Amerika: Wer Trump wählt, braucht sich nachher nicht zu wundern, wenn ihm Hören und Sehen vergeht. Wer sich von einer Alternative für Deutschland vertreten lassen will, braucht sich nicht zu wundern, wenn er eine Alternative zu Rechtstaat und Demokratie bekommt. Volksvertreter sind nämlich im ursprünglichen Sinne Menschen mit Wissen und Erfahrung und der Bereitschaft, beides zum Wohl des Landes einzusetzen. Der Ursprung ist nur noch Erinnerung. Von Wahl zu Wahl wiederholt sich der Eindruck, dass Wissen, Erfahrung und Verantwortung keine Mandatsbedingungen mehr sind. Das Schöne am Mandatsträger sein ist für viele die Aussicht, pro Wahlperiode sozial komfortabel abgesichert zu sein. Wenn man das zweimal hintereinander geschafft hat, ist sogar eine kleine Pension gesichert. Mandatsträger werden in der Regel keine Armutsrentner. Aber mal Hand aufs Herz: Trauen Sie Leuten, bei denen Sie das Gefühl nicht los werden, sie würden sich eher für ihre parlamentarischen Versorgungsansprüche interessieren als bezüglich der Auswirkungen von Freihandelsabkommen auf Erna und Heinis kleines Gartenglück verantwortungsvolle Abstimmungsentscheidungen zu treffen? Ich auch nicht. Zur Zeit wird ja viel darüber gesprochen, wie naiv und utopisch eine Basisdemokratie ist. Sie muss gar nicht naiv sein. Man müsste vielleicht nur jungen Menschen nach der Schule die Möglichkeit geben, nach dem Erlernen ihres Berufes und den ersten Erfahrungen mit der sozialen gesellschaftlichen Realität ein Praktikum im Staatsapparat zu absolvieren. Wenn jeder turnusmäßig die Möglichkeit erlernt, gesellschaftliche Fragen mit geeigneten und dem Gemeinwohl dienenden Entscheidungen zu lösen, vermeidet man Schnösel in den Parlamenten. Auf kommunaler Ebene sollte das möglich sein. Am 18. September wählen sich die Berliner was. Schöne Grüße aus Mecklenburg.
Anmerkungen bitte per Mail an hannes.nagel@das-flugblatt.de
Rezension „Vermisst in Graal-Müritz“
„Farnwedel und salzige Luft“
Schwingende Farnwedel, salzige Luft, Mücken, Brummer, Bremsen und ein Hauch von Stinkmorchel erzeugen im echten Leben ein Stimmungsgemisch aus verlorener Trostlosigkeit und touristisch überlaufenem Menschengewimmel. Das sind zwei gegensätzliche Empfindungen. Regina Hartmanns Ostseekrimi „Vermisst in Graal-Müritz“ hält in seiner Konstruktion ebenfalls konsequent so eine Mischung aus Alleinsein und Gewimmel durch. Diese Konstruktion scheint Autorin, Akteuren und Lesern gleichermaßen Halt zu geben. So etwas ist selten. Mir fällt auf Anhieb kein Krimi ein, bei dem sich der Autor an ein Erzählprinzip klammmert, um nicht durch die Handlung zu stürzen, und die Akteure das gleiche Bedürfnis wie der Autor nach Halt und festem Boden unter den Füßen haben. Ich glaube fast, als Leser könnte man mit dem Krimi nichts anfangen, wenn man sich nicht an dem vorgeschlagenen Erzählprinzip festhalten könnte. Einmal ist von einem Buch die Rede, welches Die Sprache der Steine heißt, und man hat den untrüglichen Eindruck, es sei „Steine am Ostseestrand“ von Rolf Reinicke aus dem Demmler-Verlag Körkwitz gemeint. Im Laufe der Krimihandlung verschwindet ein Kind und wird demzufolge gesucht. Die Polizei sucht es zunächst in einem Küstenwald, in dem die Orientierung schwer und die Stille drückend ist. Daher wird dann wohl die Farnwedel-Assoziation kommen. Denn normaler Weise führen Wanderwege nicht durch Farngebüsch. Findet man sich also mittendrin im Farn wieder, weiss man, dass man falsch gegangen ist, aber den richtigen Weg findet man nur unter Mühen und per Zufall, wenn man Glück hat. Als die Suche nach dem Kind noch immer keinen Erfolg hat, taucht die Leiche eines Autisten auf, und zwar Stückweise. Es folgt die Beschreibung der Ermittlungsarbeit. Die Ermittlungsschritte sind sachlich konstruiert, aber die die Konstruktion der Ermittlerpersönlichkeiten wirkt unpersönlich hölzern. Das scheint ein Widerspruch zwischen Krimiidee und Krimiausführung zu sein. Es ist, als wollte die Köchin eine Soljanka mit einem Klacks saurer Sahne servieren, aber saure Sahne war nicht im Angebot, und da musste Zitrone reichen.
(Regina Hartmann, „Vermisst in Graal-Müritz“, Hinstorff, Rostock 2016)
Anmerkungen bitte per Mail an hannes.nagel@das-flugblatt.de
Das Flugblatt 106-01-08-2016 neues Layout
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ich wünsche mir, dass ich mich wenigstens dieses eine Mal in der Einschätzung von Politik irre. Denn wenn passiert, was mir und vielen anderen gerade zu passieren scheint, bereitet die NATO entweder sich auf einen größeren Krieg vor oder den dritten Großen Krieg überhaupt. Ich konnte es daher überhaupt nicht vermeiden, dass sich die Augustausgabe fast nur um die Angst vor dem Ende des wenigstens noch scheinbar vorhandenen Friedens dreht. Heribert Prantl hatte schon 2008 das Buch „Der Terrorist als Gesetzgeber“ geschrieben. Es scheint logisch, dass das Feuilleton als lebende Gattungsbezeichnung ausgerechnet jetzt auf dieses Buch aufmerksam wurde. Die Aktualität muss da verschiedene Assoziationen hervorgerufen haben. Nach der Lektüre von „Der Terrorist als Gesetzgeber“ kam auch gleich die Lektüre des im Juli verabschiedeten „Antiterrorgesetzes“ und des BND-Gesetzes dran. Ich fand, dass die Passagen über die neu zu besetzenden Planstellen in Verfassungsschutz, Bundespolizei und BND nebst Bundesgerichtshof und Bundesanwaltschaft die spannendsten Passagen beider Gesetze sind. Danach las ich noch das Weißbuch 2016 der Bundeswehr und fand im Prinzip die Lage so, dass der Einsatz der Bundeswehr im Innern gar nicht so wichtig ist wie die heimliche legale Aufhebung der Trennung zwischen Polizei und den Geheimdiensten. Ich finde, dies musste der Schwerpunkt Flugblattausgabe des Monats August werden.
Anmerkungen bitte per Mail an hannes.nagel@das-flugblatt.de
Diesmal gibt es folgende Themen:
Aproposia
Feuilleton-Rezension: „Der Terrorist als Gesetzgeber“
Feuilleton-Rezension: „Grundrechtereport 2016“
Feuilleton-Zeitgeist: „Terrorthomas, NATO-Gipfel und BND-Gesetz“
Feuilleton-Kulturbetriebliches: „Schach in Apolda, Kunst und Hobby in Schönberg, Literaturförderung in Mecklenburg“
Ein Foto ist auch wieder da: Diesmal eine Skulptur einer afrikanischen Bergziege, weil zum Bewahren des Friedens eigenwillige Köpfe nötig sind. Baron von Feder meldet sich auch noch.
Trotz Allem: Ich wünsche Ihnen Kraft zum Lesen und einen friedlichen Sommer.
Hannes Nagel