KULTURBETRIEBLICHES: Diana auf der Hirschkuh, Europa auf dem Stier

„Diana auf der Hirschkuh, Europa auf dem Stier“

Seit Samstag, dem 02. Mai 2015, beherbergt die Schlosskirche von Neustrelitz wieder eine Skulpturenausstellung. Diesmal hat sie thematisch mit dem Verhältnis von Mensch und Tier zu tun. Die Arbeiten sind alle aus dem Zeitraum von 1900 bis zur Gegenwart. Zum Teil widmen sie sich mythologischen Themen. Diana, die Göttin der Jagd, mit Pfeil auf gespanntem Bogen, reitend auf einer Hirschkuh, ist gleich zweimal zu sehen. In der zweiten Skulptur ist sie von der Kuh abgestiegen, lehnt an ihr, und die Kuh wendet ihr den Kopf zu. Prometheus liegt in Altarnähe rücklings auf einem Ziegelsockel, während der Adler auf seinem Bauch sitzt, um mit dem Schnabel an seine Leber zu gelangen.

Die Schloßkirche Neustrelitz ist eines von 41 Museen und Ausstellungsorten in Deutschland und Österreich, die in der Arbeitsgemeinschaft Bildhauermuseen zu einander gefunden haben. Die Ausstellung „Mensch und Tier in der Plastik“ geht vom 2. Mai bis zum 26. Juli.

02-05-2015 Diana auf Hirschkuh02-05-2015 Zeus und Europa02-05-2015 Prometheus und der Adler

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für den Ersten Mai ist da

Liebe Leserinnen, liebe Leser, das Flugblatt für den Ersten Mai ist da: Das Flugblatt 91-01-05-2015 neues Layout

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BEWEGUNGSMELDER: 60.000 für Theater

FEUILLETON KULTURBETRIEBLICHES

60.000 für Theater

09-04-2015 60000Unterschriften für den Erhalt des Theaters

60.000 Unterzeichner forderten von der Neustrelitzer Kommunalpolitik den kompletten Erhalt des Theaters mit seinen vier Sparten. Stadtpräsident Poland nahm sie entgegen. Danach debattierte die Stadtverordnetenversammlung über zwei Finanzierungsmodelle – eines vom Land, bei dem Arbeitsplatzverluste entstehen und eines von Theaterleuten und Bürgern, bei dem aus Schwerin von der Landesregierung der Drohbegriff Insolvenz eingesetzt wurde. Erst stellte die FDP noch einen Eilantrag. Es liege nämlich gar keine Folgenabschätzung beider Modelle vor. Weder das vom Land favorisierte „Eckpunktepapier“ mit dem Kern der Abwicklung des Theaters Neustrelitz und der Tanzkompagnie noch das dem entgegen gehaltene Solidarmodell für einen Erhalte aller vier Sparten ließen die kulturellen und finanziellen Folgen im Unklaren, meinte die FDP. Vermutlich würden 100 Arbeitsplätze am Theater betroffen sein, vielleicht auch mehr, und da könne es einen Rattenschwanz unberücksichtigter Folgen geben: das kulturelle Niveau würde sinken, das soziale auch und das Niveau der Bildung sowieso. Damit würde die Stadt veröden. „Steigende Landeszuschüsse“ müssten her – es seien ja bloß 400.000 Euro pro Jahr in der Finanzierungslücke. Deswegen so ein Spardiktat sei einfach Unsinn. „Selbst das Theater im Sozialismus kam mit viel weniger Mitteln auf hohem Niveau als vier-Sparten-Theater aus“, sagte die FDP. Die vier Sparten heißen Schauspiel, Tanzkompagnie, Philharmonie und Musiktheater. Über den Eilantrag ließ der Stadtpräsident namentlich abstimmen. Mit 13 ja zu 13 nein bei zwei Enthaltungen ergab sich ein klassisches Patt. Bei der eigentlichen Entscheidung wurde der Eckpunkteplan des Landes mit 22 Gegenstimmen und 2 Dafür-Stimmen abgeschmettert. Der Solidarplan wurde allerdings auch abgelehnt. 12 mal ja gegen 14 mal nein. Im Grunde hat sich dadurch hintenrum der Eilantrag durchgesetzt. Einer sagte: „Mecklenburgische Sturköppe lassen sich nicht so einfach von Ministern erpressen.“ Es schwang ein wenig Stolz in dem Fazit.

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APROPOSIA Von einem Land ohne Theater und Bildung

APROPOSIA

 Von einem Land ohne Theater und Bildung

 Moderatorin: „Den Griechen nimmt Europa das Geld weg, welches sie brauchen, um ihre Schulden zu bezahlen. In Deutschland ist das bei Hartz-Vier-Opfern ähnlich. Selbst kleine Zuverdienste werden mit dem Almosen verrechnet, weil – Originalbelehrung eines Jobcenters auf das Problem der notwendigen Kreditbedienung – das Geld nur zur Deckung des nötigen Lebensunterhaltes vorgesehen ist. Es stattdessen teilweise zum Schulden bezahlen zu benutzen, ist Missbrauch einer staatlichen Leistung. Die Folge ist eine Sanktion. Griechen und Hartz-Vier-Opfer stecken so gesehen in ähnlich beschmierten Lebensverhältnissen.“

Sehr kluge Frau: „Investitionen in Bildung und Forschung sind die vorrangigen Aufgaben der nächsten Jahre.“

Zwischenrufer: „Und was ist mit Kultur?“

Sehr kluge Frau: „Durch Investitionen in Wissenschaft und Forschung stellen wir sicher, dass wir an wesentlichen Trends der Weltwirtschaft teilhaben.“

Unker: „Ein wesentlicher Trend der Wirtschaft in Deutschland ist die finanzielle Verödung von Theatern, öffentlichen Bibliotheken, Museen und das Niveau des Fernsehens, welches vom Sinkflug zum Sturzflug übergegangen ist.“

Sehr kluge Frau: „Auch für die Bildung gilt, dass wir hochbegabte Fachleute heran bilden. Da liegt der Schwerpunkt ganz eindeutig auf den Schlüsseltechnologien.“

Zwischenrufer: „Und was ist mit Kultur?“

Dr. Liberalitas: „Wenn wir uns um die Fernsehkultur und intellektuelle Streitkultur kümmern, ist doch den Anforderungen der Kultur vollauf genüge getan.“

Unker: „Musikantenstadl ist aber keine Operette.“

Zwischenrufer: „Oder ein Musical“

Philharmonie-Saxofonist: „Und Schnäterätäng ist kein Theaterorchester.“

Zwischenrufer: „Stellt euch bloß mal Aida ohne Orchester und Chor vor – einfach nur gesprochen wie ein Stück von Shakespeare“

Sehr kluge Frau: „Na da brauchen wir doch bloß einen willigen und fähigen Regisseur zu finden, der inszeniert aus jedem Stück die teuren Orchester raus.“

Zwischenrufer: „Machen Sie da mal mit Gesangseinlagen in Brechtstücken – die Erben werden Ihnen was Husten.“

Siggi: „Die halten wir mit dem Schiedsgericht klein. Wenn erst mal TTIP….“

Sturm der Entrüstung: (bricht los)

Unker (leise): „Und was ist mit Bildung?“

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BEWEGUNGSMELDER: Geerbte Bücher, geerbtes Theater

FEUILLETON KULTURBETRIEBLICHES

Geerbte Bücher, geerbtes Theater

09-04-theatersondersitzung

Das mecklenburgische Kultusministerium in Schwerin will den Theatern in Mecklenburg-Vorpommern die beträchtliche Mittel streichen. Wenn das passiert, kann kein Theater mehr Chor, Orchester und Schauspiel mit dem eigenen Ensemble anbieten. Neustrelitz müsste dann in Neubrandenburg anfragen, ob Neubrandenburg mal das Orchester ausleihen könnte. Neubrandenburg würde notgedrungen vielleicht ja sagen, aber wenn in Neubrandenburg gerade La Traviata auf dem Spielplan steht und in Neustrelitz My fair Lady und es ist nur ein Orchester da, dann müssten die Spielpläne verändert werden. Auf Dauer lässt sich dann keine vernünftige Spielzeit planen. Der Förderverein Landestheater Mecklenburg und das Theaternetzwerrollek Mecklenburgische Seenplatte wollen, dass sich sich Politiker vom Landtag und aus den kommunalen Zuständigkeitsbereichen mit Alternativen zu Fusion und Schließung von Theatersparten befassen. In einer öffentlichen Theatersondersitzung am 9 April sollen sich die Stadtverordneten von Neustrelitz vor dem theaterinteressierten Publikum mit Alternativen zur Opferrolle der Kultur angesichts des profitgierigen neoliberalen Drachens befassen. Schließlich ist die Theatertradition eine stets weitervererbte kulturelle Tradition. Und das kulturelle Erbe verschleudert man nicht – auch nicht eine vorübergehende Phase neoliberaler Geistlosigkeit.

Apropos Erbe: In Neustrelitz gibt es ein modernes Antiquariat. Modernes Antiquariat ist bei Buchhändlern die Bezeichnung für einen Bücherladen, in dem gebrauchte, mehrfach gelesene, durch viele Hände und Köpfe gegangene Bücher allein deswegen zum Verkauf angeboten werden, weil Vielleser und Büchersammler sich aus Platzgründen doch eines Tages von ihren Schätzen trennen müssen – und doch ist der Zustrom groß von Lesern, die Taschenbuchausgaben und Kinderbücher aus DDR-Verlagen holen, die Weltliteraturen aus den Verlagsproduktionen der letzten 70 Jahre finden und auf diese Weise das Erbe der Literatur im stetigen Fluss halten. Bisher war das Antiquariat im Speicher ein Ein-Mann-Betrieb, was bei zehntausend Büchern und ohne Heizung nicht mit leichter Schulter gewuppt werden kann. Das Weiterleben des Antiquariats sicherte der Betreiber durch Übergabe aller Bücher und Regale an einen Verein, den Verein „Freunde des Buches“. Die Übergabe mit Saisoneröffnung war am Karsamstag 2015. Der bisherige Chef wollte an dem Abend noch ins Theater, da gab’s Don Giovanni, und wer schlich sich inkognito ins Theater, welches nicht mehr zu finanzieren er gedenkt? Der Kultusminister. Und nun muss man bloß noch erfahren, ob Don Giovanni irgendwie den Kultusminister überzeugen konnte, dass Kultur für eine gebildete freie Bürgergesellschaft eine Grundvoraussetzung ist – wie damals in der Weimarer Klassik

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BARON VON FEDER: Und was ist mit Kultur?

Baron von Feder

„Und was ist mit Kultur?“

Es ist, wie sonst vor Kriegen meist
das reinweg jarnüscht zählt der Geist
Es wird auch nicht mehr selbst gedacht
Wer hat die Aufklärung dahin gebracht?
Und mit Blick auf die Klassik stelle die Frage man stur:
Ja, aber was heisst das für die Kultur?

Was Goethe und Co. selbstverständlich noch war
wird Algorithmusjüngern von heute nie klar
Man kennt Harry Potter, aber nicht Egmont und Faust
das ist ein Zustand, bei dems einem graust.
Lessings Traum von dem Weltbürgertum
heut könnt er werden zur Weltfriedensblum.
Was der Geist doch geerbt hat verstaubt ungenutzt
Zeitgeist wirds, das mal einer putzt
Man schüttelt den Kopf und fragt sich da nur:
Wie das wohl ausgeht für die Kultur?

Wer hat die Freiheit als Mandat ursupiert
und alles Edle neoliberal pervertiert?
Wer nennt es Bildung und meint Bereitschaft zum Krieg?
Geforscht wird an Waffen zum endgültigen Sieg
und Träume von Klassikideal und Kultur
die stören dann nur – die stören dann nur.

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für den Ersten April ist da

Hier kommt der Link zum april-flugblatt. Frohe Ostern wünscht Das Flugblatt aus seiner neuen Redaktion in Neustrelitz

 

Das Flugblatt 90-01-04-2015 neues Layout

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APROPOSIA: Vom lärmenden Schweigen der Medien

APROPOSIA

 Vom lärmenden Schweigen der Medien

 Moderatorin: „Guten Abend, Erlauchte Runde, ein ehemals guter Journalist lässt sich jeden Montag die Stöckchenfrage stellen: „Was macht die Welt“, und dann erzählt er seine Sicht der Dinge oder die seiner Geldgeber oder was weiß ich. Ich würde Sie, liebe Runde, heute lieber fragen. „Wovon spricht die Welt“ – denn wovon sie nicht spricht, davon schweigt sie.“

Unker: „Sehr wichtig: ein Fussballspieler hat Transferprobleme.“

Zwischenrufer: „Der Arme. Aber hier: Peinlicher Auftritt: Bei einer Schauspielerin konnte man den Schlüpfer sehen.“

Moderatorin: „Apropos peinlich: Die Griechen haben einem russischen Oligarchen seine Schulden erlassen – ist nun eigentlich an dem Schuldenkrisenthema überhaupt noch was Wichtiges dran, oder passiert da gerade die ganz große Weltwährungsreform mit Einkünfte auf Null, Verbindlichkeiten konstant und Sklaverei als Rechtsfolge.“

Unker: „Wenn mich einer zum Leibeigenen macht, dann werd ich zum Störtebeker.“

Zwischenrufer: „Unker, ick help di supen.“

Unker: „Des lieben Gottes Freund – und allem Kapital ein Feind.“

Moderatorin: „Heiliges Enterbeil.“

Unker: „Dann war da noch was mit NSU und einem Piloten-Selbstmord mittels Sturzflugs seines besetzten Flugzeugs. Da hätte mal damals einer mit Hitler machen sollen.“

Zwischenrufer: „Apropos Krieg: Deutsche Waffen sind ungenau, besonders sie heiß werden oder in heißem Klima eingesetzt werden, und darum dürfen sie aus technischen Gründen nicht so oft eingesetzt werden.“

Unker: „Na, UvD, wie finnste det?“

UvdL: „Püh“

Unker: „Hier ist noch etwas ganz Weltbewegendes passiert: Ein Torwart names Samen hat seinen Sportverein ROHR verlassen, und alle beömmeln sich. Der Mann entscheidet sich jetzt, ob er zu Vorwärts Goldberg oder Rückwärts Techentin geht.“

Zwischenrufer: „Und für so etwas Banales wie die Propaganda-Mobilmachung der Amis und der NATO vom Baltikum bis Bayern ist dann kein Platz.“

Unker: „Wozu auch – Volksberuhigung durch Waffenpräsenz ist doch nur Folklore.“

Moderatorin: „Wie, genau so wie Coca Cola und McDonalds?“

Zwischenrufer: „Wenigstens in Tschechien ist man bezüglich Militärdurchmärsche bissel nachdenklicher.“

Unker: „Und mit Chickennuggets und Coca Cola kriegt man keinen besänftigt, der des schöne Pilzner und die Semmelknödel liebt.“

Moderatorin: „Jetzt habt Ihr beide aber vergessen, dass auch auf der Ostsee welche rumschiffen mit Transparenten an der Breitseite, auf denen steht, sie wären die Guten, und ihre Waffen würden die Aggressoren zurück treiben.“

Zwischenrufer: „Hier kommt doch gar kein Aggressor, bloss wenn man einen friedlichen Hund ständig nervt, dann beißt er irgendwann mal. Nur damit a Ruh is.“

Unker: „Und eigentlich sollte die Ostsee mal ein Meer des Friedens sein.“

Moderatorin: Das sollte der Pazifik auch – und, was is?“

Unker: „Wenn ich mir die amerikanische Militärpräsenz anschaue: Das Gleiche wie überall.“

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BEWEGUNGSMELDER: Theaterpflanzen in Musengärten

Feuilleton-Zeitgeist

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„Theaterpflanzen in Musengärten“

Die Weimarer Klassik an Anna Amalias Musenhof in Weimar fing als Laientheater an. Anna Amalia besaß eine ansprechend gefüllte Schatulle, mit dem sie Dichter, Bürger und Honoratioren im gemeinsamen Spiel auf der Bühne vereinte. Doe Pfosten waren und die Bretter aufgeschlagen, und jedermann erwartete sich ein Fest. Es war eine Zeit, in der viele Leute gerne mal jemand anders gewesen wären, und so spielten sie diese Rollen dann, in kleinen Volkstücken, die ein Stück weit ein Thema aufnahmen, von dem alle etwas verstanden, die einen mehr, die anderen weniger, Arme und Reiche Unterschiedliches. Es müsste, hätte es aus jeder Gruppe einen Theaterkritiker gegeben, hochinteressant gewesen sein, Rezensionen der Armen mit Rezensionen von Bürgern und mit Rezensionen von sozial gesättigten Menschen zu vergleichen. Es wäre sozusagen eine Volksrezension des Volkstheaters geworden. Die Weimarer Klassik ermattete dann, nachdem sie das Ihre getan hatte. Städte aber mit Stolz auf ihre Kultiviertheit hielten sich mindestens eine Bühne. Mäzene zahlten, auch wenn der Unterhalt teuer war. Der Staat ist mit seiner Rolle als Mäzen überfordert. Man kann nicht Rüstung finanzieren und gleichzeitig Theater sponsoren. Ein Staat mit derlei Prioritäten hat auch keine Mittel mehr für soziale Ausgaben und für die Bildung. Kürzlich war ich im Theater in Neustrelitz. Ich wollte einmal im Leben „My Fair Lady“ erleben, bevor die Landesregierung die Bühnen von Neubandenburg und Neustrelitz zusammen wirft, dazu dann „Fusion“ sagt und Schauspieler oder Musiker entlässt. Können Sie sich eine Operette vorstellen, die mangels Orchester auf reines Textaufsagen beschränkt wird? Das Kultusministerium kann es. Am neunten April soll das letzte Wort gesprochen werden. Die Leute vom Theater – also die AUF der Bühne und die VOR der Bühne – nehmen das nicht tatenlos hin. Der Intendant sagte, für den neunten sei ein ganzes Schulgebäude in Neustrelitz angemietet worden, weil da mehr Leute reinpassen als in das ausverkaufte Theater, um möglichst viele per Information und Gespräch zu erreichen. Hoffentlich kommt der politische Kulturverstand auch, um sich erreichen zu lassen.

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REZENSION: Tod in Ulrichshusen

Rezension „Tod in Ulrichshusen“

„Die Krönung der ersten sechzehn Ostseekrimis“

(von Helene Musfedder)

 „Frau Musfedder“, japste der Chef, „Frau Musfedder…“. „Ja bitte?“, fragte ich freundlich. Der Chef rang nach Luft. Die backen waren knallrot, Stirn und Nase cremeweiß und die Lippen beinahe blau. „Frau Musfedder….“, keuchte er mit flehenden Augen. Hier half nur eins: Etwas Überraschendes. Ich sagte: „Halt die luft an, Exzellenz. Und dann kommen Euer Exzellenz bitte wieder zu Euer Exzellenz.“. Das half – wie das berühmte Schockmittel zur Beseitigung eines Schluckaufs. Der Chef räusperte sich. „Verzeihung, Frau Musfedder, könnten Sie wohl dieses Buch aus dem Hinstorff-Verlag rezensieren?“. Ich nickte gnädig wie Cleopatra, die Herrscherin vom Nil. „Ein Ostseekrimi?“, fragte ich beiläufig. „Ja, und er handelt in eiszeitlich geformter Lanschaft.“ „Das ist dann aber diesmal das einzig Historische, oder?“ „Exakt – also Frau Musfedder, wie Sie das immer so gut auf den Punkt bringen – hach – ich beneide Sie – aber Sie wissen ja, was zu tun ist. Kümmern Sie sich um die Rezension. Ich muss auch noch was schreiben. Auf Wiederlesen, bis später.“ Da stand ich nun und hatte den „Tod in Ulrichshusen“ in der Hand. Ich las ihn fast im Stehen durch. Mensch, Pola Kayser, da haben Sie aber was angerichtet. Wissen Sie was? „Tod in Ulrichshusen“ scheint mir der bisher sauberste Ostseekrimi zu sein, sauber in Konstruktion und sauber in der Sprache. Fast alle Personen des Krimis sind wohlhabend. Soviel Vermögen ist beinahe unreal. Weniger betuchte Leser merken daran: Dieses hier, die Welt der Reichen und ihre Intrigen, Morde, Sorgen und Ansprüche gehen unsereinen nichts an. Schon muss man sich nicht irgendeiner Person Nahe fühlen und kann sich ganz der Handlung hingeben. Dass reiche Leute auch mal mit dem Regionalzug fahren, verdreht die Unwirklichkeit ein wenig in die andere Richtung. Die Einführung der Tatwaffe für einen der Morde ist zum ganz breit Grinsen plump aufgetragen. Man merkt noch vor dem Mord, dass nach ein paar Seiten einer an dieser Waffe stirbt, und man weiß schon vorher, der Besitzer wird es nicht gewesen sein können. Wenn ein Krimi zugleich so vorhersagbar ist und dennoch keinen Moment seiner Spannung verliert, dann ist er richtig gut erzählt.

(Pola Kayser, „Tod in Ulrichshusen“, Hinstorff-Verlag, Rostock 2015)

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