Baron von Feder: Platzhirsche im Feuilleton

„Platzhirsche im Feuilleton“

Früher erklärten Feuilletonisten sich und anderen die Welt durch das Feuilleton. Da musste man sich beim Lesen nicht einmal aufregen, wenn das Feilleton kontroverse Themen behandelte. Und wenn es mal einen Skandal gab, gedachten alle eines Ausspruches von Alexander Roda Roda: „Früher schrieb man auf eine Beleidigungsklage einen satirischen Essay, heute folgt auf einen satirischen Essay eine Beleidigungsklage“.

Der Sommer hatte wohl schon immer Löcher, besonders im Feuilleton, da gibts es offenbar ziemlich große Löcher, und die beiden Größten haben jetzt ihre persönlichen „Stisimatunxen“ zum Mainstreamthema für alle an die SZ und die FAZ angeschlossenen Feuilletonisten gemacht. Einer schrieb einen Krimi, in welchem einer stirbt, was nicht sehr selten vorkommt in Krimis. Der andere las flugs daraus, dass er mit dem Opfer gemeint war, und nun heißt es, der eine habe, weil es in echt nicht ging, den anderen wenigstens literarisch um die Ecke gebracht. Zwei Platzhirsche im Feuilleton streiten sich, wer mehr Testosteron aus der Nebennierenrinde schüttet, und merken gar nicht, dass das Feuilleton zur Zeit allen Grund hätte, das Thema Zeitgeist auf die Tagesordnung zu setzen. Der Sommer ist gut geeignet dafür. Kein Sarrazin lenkt ab, und so könnte das Feuilleton doch mal sinnieren, was die Bundesverfassungsgerichts-Erlaubis zum militärtätigen Einsatz der Bundeswehr im Innern Deutschlands und der teilweise Rückzug von Annette Schavan nach unbewiesenen Plagiatsbehauptungen für den Zeitgeist und die Zukunft bedeuten. Wer nämlich die Schavan bearbeiten kann, dass sie sich zurück zieht, der kann auch die Regierung bearbeiten, dass sie einstimmig wie von Karlsruhe vorgesehen Militäreinsätze im Innern erlaubt. Und dann singen die kleinen Leutnants vor dem Schlafengehen: „Wenn ich einmal Reichswehr“.

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Rezension: Die Könige der Lüfte

 Hannes Nagel

Rezension „Die Könige der Lüfte“

Sonntag, 20. August 2012

Der Ruf des Fernwehs“

Kraniche sind groß, trompeten laut, fliegen hoch, und wer von ihnen spricht, bekommt einen merkwürdigen Glanz um die Augen. Alle anderen reden nicht von Kranichen. Kraniche fallen einem ein, wenn man von Freidrich Schiller spricht, weil der mal die Ballade „Die Kraniche des Ibykus“ schrieb. An Kraniche denkt man, wenn die Gänse in Herbstformation fliegen, und man denkt: Nun müssten aber auch bald die Kraniche… Und im Herbst tun sie es dann auch: Sie sammeln sich auf Rastplätzen, in deren Umkreis sich Menschen mit Ferngläsern, Fotoapparaten, Teleobjektiven und mückendichter Kleidung sammeln. Dann beobachten die Kraniche das alljährliche Schauspiel von hunderten Menschen, die tausende Kraniche beobachten. Von oben muss das lustig aussehen, wie die Beobachter ihre Beobachter beobachten.

Sicher könnte man auch eine Rezension über die Choreographie der herbstlichen Kranichsammlung schreiben. Aber das wäre zu wenig. Denn Peter Matthiessen hat bereits 2002 ein facettenreiches Buch über Kraniche geschrieben. „The birds of heaven“ heißt das Buch im Original („Die Vögel des Himmels“). 2007 erschien es unter dem Titel „Die Könige der Lüfte“ im Carl Hanser Verlag; 2010 als Taschenbuchausgabe im Fischer Taschenbuchverlag, und weil der Naturbursche Siggi Sanddorn mir das Buch so warm ans Herz gelegt hat, befindet es sich seit Juli 2012 auf meinem Schreibtisch und harrt darauf, gelesen und empfohlen zu werden. Nun ist es soweit. Peter Matthiessen schreibt, dass er zehn Jahre lang überall dort hin fuhr, wo Kraniche rasten, nisten und Orte und Gegenden überfliegen. Damit konnte Matthiessen den Zug der Kraniche auf allen Zugrouten dokumentieren. Daher wird er auch ein Reiseschriftsteller modernen Typs genannt. Man kann das Buch als Standardwerk über Kraniche ansehen. Denn es beschreibt Verhalten, Gewohnheiten, Lebensweisen, Bedeutungen in Mythologie und Kultur und die Evolutionsgeschichte der Glücksvögel. Wer das alles weiß, kann mitreden, wenn es um Kraniche geht – sogar als Laie und Amateurornithologe im Gespräch mit Fachleuten.

Peter Matthiessen, „Die Könige der Lüfte“, Fischer Taschenbuchverlag, München 2012

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Apropos Bundeswehr: Innendienst statt Inneneinsatz

 Hannes Nagel

Apropos Bundeswehr

Freitag,17. August 2012

Innendienst statt Inneneinsatz“

 Die Bundeswehr fliegt seit geraumer Zeit etwa zwei Mal pro Woche über die Wohngegend hinweg, in der auch die Redaktion von „Das Flugblatt“ untergebracht ist. Das ist ausgesprochen unfreundlich sowie nicht nötig. Fragen nach den Gründen und Plänen beantwortet die uniformierte Truppe nicht. Aber jetzt hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe den Einsatz der Bundeswehr im Innern unter Ausnahmen erlaubt. Das erklärt Vieles. Vielleicht nicht kausal, aber plausibel.

 Das Bundesverfassungsgericht hat der Bundeswehr in einer Entscheidung vom 17 August Militärtätigkeiten auch im Innern Deutschlands erlaubt. Im Beschluss Nummer 2 PBvU 1/11 geht es um die Vereinbarkeit des Luftsicherheitsgesetzes mit dem Grundgesetz. Mit dem Luftsicherheitsgesetz war eine angezweifelte Rechtslage entstanden, die sich aus der Befugnis der Bundeswehr bei der Abwehr von Gefahren, die aus dem Luftverkehr stammen, ergab. Die Einsatzmöglichkeit der Bundeswehr bei Katastrophen wurde nie bezweifelt. Sandsäcke gegen Hochwasser zu stapeln und die logistische Leitung bei der Hilfe in anderen Katastrophenfällen zu übernehmen ist ja die einzige brauchbare Kompetenz, die sich aus der Befehlsstruktur von Armeen ergibt. Waffen braucht man dazu nicht. „Der Einsatz der Streitkräfte als solcher wie auch der [Einsatz] spezifisch militärischer Kampfmittel kommt allerdings nur unter engen Voraussetzungen in Betracht. Insbesondere sind die verfassungsrechtlichen Vorgaben des Artikels 87 a Absatz 4 Grundgesetz zu berücksichtigen“, schrieben die Richter in ihrem Beschluss. Vermutlich vorsorglich weisen die Richter auch darauf hin, dass „namentlich Gefahren, die aus oder von einer demonstrierenden Menschenmenge drohen, keinen besonders schweren Unglücksfall im Sinne des Artikels 35 Grundgesetz darstellen“. In jedem Fall sei eine strikte Texttreue des Grundgesetzes vorgeschrieben – zweckdienliche Umdeutungen des Willens des Gesetzgebers sind absolut unzulässig, stellte Karlsruhe fest.

Es gibt also keine generelle Schießerlaubnis für das Militär. Das ist schön, denn es erschießt uns keiner, wenn wir demonstrieren, weil uns andere effektive Mittel der demokratischen Willensäußerung nicht mehr zustehen. Oberst Klein wird sich vielleicht ärgern. Denn selbst wenn er jetzt wie vorgesehen General wird, kann er keinen Luftwaffeneinsatz mehr befehlen, wie damals bei seinem heldenhaften Einsatz gegen 140 unbewaffnete Zivilisten in Kunduz, wo Klein absolut nichts zu suchen hatte. Insofern wäre es besser, die Bundeswehr zum Innendienst abzustellen, wo sie sich in der strikten Begrenzung ihrer Kasernen dem Stuben-und Revierreinigen hingibt.  Anstatt ihr den Inneneinsatz irgendwann generell zu erlauben.

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Baron von Feder: „Überschätzt und unterfordert“

 Social Media: überschätzt und unterfordert

 Erst hieß es Web 2.0. Damit war gemeint, dass nach der Kommerzialisierung des anarchistischen Internets eine neue Phase der Rückbesinnung auf die Wurzeln entstehen sollte. Im Web 2.0 sollte dann wieder ein fröhlicher Hauch der Ursprünge einziehen, wo jeder mit jedem vernetzt sein konnte und frei und ungeniert sagen konnte „Eve ist doof“. Eve hätte dann einen Link setzen können auf einen Artikel in einer Zeitung, aus dem hervorgeht, was für ein Troll Ed ist, der ist, der Susi doof findet. Und ein paar hundert Leute würden der Aufforderung folgen: „Diskutieren Sie mit: Ist Eve doof?“

 

http://twitter.com/nuhr

 Es ist die große Überschätzung einer Idee,aus sozialen Medien eine Bürgergemeinschaft zu schaffen, die lokale, regionale und globale Probleme durch ganz schnelle Kommunikationswege, Informationswege und Handlungskoordinierung löst. Die Überschätzung der Idee kommt schlicht aus der Unterforderung der Nutzer durch Soziale Netzwerke. Mit Sozialen Netzwerken kann lediglich die Werbewirtschaft etwas anfangen; für das überschätzte Ideal taugt es nicht. Mögliche Erklärung: Es soll ja auch nicht dafür taugen. Nutzer KÖNNTEN das Angebot im Sinne ihres überschätzten Ideals einsetzen, werden aber GEGÄNGELT durch die Eigentümer. Das ist etwa so, als würde der Hersteller von Schnitzmessern verbieten, süße kleine Rehlein zu schnitzen, aber jeden fördern, der Miniaturkrieger schnitzt. Damit würde die MÖGLICHKEIT zur Meinungsvielfalt von einer Zahl n=unendlich auf eine Zahl x = 10 reduziert. Am meisten nervt der Sprachgebrauch. Alle „Social Media“ haben sich eine Terminologie zugelegt, für deren Verständnis man erst einmal einen Sprachkurs belegen müsste. Ich weiß nun einmal nicht, was ein „Cookie“ sein soll. Beim Englischlernen in der Schule war das ein „Keks“. Das war auch irgendwie klar verständlich, aber heute? Was stellen diese Cookies dann an? Wer kriegt die, wer nutzt die, wofür braucht die jemand? Es wird nicht klar, und mir wird verschwiegen, was ich selber anrichte, wenn ich Cookies benutze. Es ist technisch relativ einfach, zu bloggen, zu taggen, zu shitstormen, zu followen, „like it“ zu sagen, zu pingbacken, trackbaggen oder etwas auch permanent zu bookmarken – aber warum muss das alles so kompliziert ausgedrückt werden, dass man es nicht einmal durch die Erklärung versteht, weil die wieder eine neue Wolke nebulöser Begriffe produziert? Jens Hinrichs hat ungefähr 24 Karikatouren zum Thema „Social Media ist…“ gezeichnet und 15 mal mehr kritische Anmerkungen verfasst.. Sie alle zeigen vielfache Facetten davon, was Social Media anrichten kann. Und wenn Sie schon jetzt auf den Geschmack von Cookies gekommen sind, suchen Sie ihn auf Facebook, Google +, Xing, Linkedin, Twitter & sonstwo. Wollen Sei sich aber mit Cookies nicht den Magen verderben, dann hält Jens T. Hinrichs es für besser, eine Postkarte zu schreiben. Die ist auch öffentlich, aber viel persönlicher.

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Das Flugblatt Nummer 49 ist da

Das neue Flugblatt ist da. Es geht diesmal um Energiepolitik, NABU und Minister Rösler, ferner kommt vor eine Rezension des Romans „Hellers allmähliche Heimkehr“ (echt lesenswert, hat was) – nur die Mordskarriere der Beförderung eines Obersts zum General hielten wir naserümpfend klein. (Huch)

Link: Flugblatt Nummer 49Nr 2 – aug2012

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Rezension: Hellers allmähliche Heimkehr

 Hannes Nagel

Rezension „Hellers allmähliche Heimkehr“

Sonntag, 12. August 2012

Erinnerungen sind ungewöhnliche Schätze“

 Die Fähigkeit sich zu erinnern befähigt zum Vergleich von Gegenwart und Vergangenheit. Das ist bei Vorher-Nachher-Fotos so, wenn jemand sich eine neue Frisur zulegt, und das ist bei Dokumentationen vom Erhalt oder dem Verfall von Gebäuden so. Bei Handlungsitten, Wertvorstellungen und Zeitgeistmoden ist es schwieriger, aber im Prinzip auch möglich. Es ist deshalb schwieriger, weil sich der Wandel von Sprachgebrauch, Wertvorstellung, Idealen, Wünschen, Zielen, sogar der Wandel des Arbeitsethos nicht eben mal fotografisch festhalten lässt. Sigmund Freud verlagerte das Unbehagen in der Moderne in eine essayistische Darstellung, und der Schriftsteller Wolfgang Bittner verlagerte das Unbehagen mit der Kultur in die Literatur. Das Buch heißt „Hellers allmähliche Heimkehr“. Darin kommt ein Mann in eine Stadt zurück, die er vor Jahrzehnten verließ um sozusagen „in den großen Städten sein Glück zu versuchen“. Es reiften nicht alle Blütenträume, und darum ist der Mann froh, dass am Baum seines Lebens doch noch einmal Laub wächst, welches ihm Schatten auf dem letzten Ende seines Karriereweges spendet.

Mit Städten, die man von früher kennt, ist es manchmal so, dass man selbst älter und reifer geworden ist, aber das Gefühl hat, hier wäre alles wie immer. 20 Jahre nichts passiert, nur die Frauen sind dicker und die Männer haben kahle Stellen am Kopf. Das klingt so, als ob es überschaubar spannend werden könnte, in solch einer Stadt die redaktionelle Leitung der Lokalzeitung zu übernehmen. Bis hierhin könnte man meinen, die Probleme aller Zeiten wären immer die gleichen. Aber es kommt dann doch noch ein krimineller Hauch hinzu: Der Polizeichef ist mit Geschäftsleuten per Du (sehr verdächtig), die Kommune hat plötzlich einen Bebauungsplan im Hochwasserschutzgebiet (planungsrechtlicher Außenbereich), die Bürger schweigen, weil geduckt. Die Konstellation könnte einem bekannt vorkommen. Überraschend ist aber die Reflexion des Zeitgesistes, den Wolfgang Bittner an das Romangerüst hängt, sozusagen wie Lametta und Kugeln an einen Weihnachtsbaum. Im echten wie im literarischen Leben hängen doch fast immer eigene Erfahrungen, Erkenntnisse, Ansichten, Muster in den Lebensbäumen. Kein Wunder, dass die leute im Roman fast präzis so reden wie im echten Leben (Nur dass im echten Leben nicht so genau auf Grammatik und Zeitformen er Verben geachtet wird. Im echten Leben nutzt doch kaum einer das Präteritum oder irre ich mich da?). Wer Erinnerungen besitzt, besitzt einen Schatz. Nahezu unendlich kann er seine Gegenwart zu dem bisherigen Leben in Bezug setzen und Handlungsmöglichkeiten überlegen, damit ihn niemand unterbuttern kann. Oben bleiben, sich behaupten, wenn auch die See hochgeht und das Wasser kalt und reißend ist, verstehen Sie? Aber auch für die Leser offenbaren sich Erinnerungen, die aus den Seiten zwischen einem Einband kommen, als Schatztruhe. Nämlich dann, wenn die Münzen,Perlen, Edelsteine die eigenen Erfahrungen zum Klingen bringen.

Wolfgang Bittner, „Hellers allmähliche Heimkehr“, Verlag Andre Thiele (VAT), Juni 2012

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Die Krise ist Krieg

Hannes Nagel

Sonntag, 29. Juli 2012

Die Krise ist Krieg

 Es ist nur eine einzige Annahme nötig und alles, was in Wirtschaft, Welt, Gesellschaft, Kultur, Recht und Umwelt passiert, wird so klar und einfach, als hätten die Staatenlenker es wie früher offiziell verkündet: Es ist Krieg. Die Krise ist Krieg. Der Einsatz von Gewalt in den internationalen Beziehungen ist nicht mehr ULTIMA RATIO der Politik, sondern Standardgehabe von Platzhirschen, die zeigen wollen, wer die dicksten Eier hat. Der Rechtsweg war früher die ULTIMA RATIO, wenn sich streitende Nachbarn nicht mit Vernunft beruhigen konnten, um gemeinsam ihre Konflikte zu lösen. Heute ist der Rechtsweg zum Standardinstrument geworden. Das Urheberrecht ist auf diese Weise zur Keule geworden, die man unbequemen Publizisten, Musikern, Kunstliebhabern und Leuten, die über Kunst reden, auf den Kopf hauen kann. Einer der bekannt werdenden Fälle ist der Fall des Internetportals SCHARF LINKS. Gegen dieses Portal zieht die Nachrichtenagentur AFP zu Feld. Nach bisherigen Darstellungen hat die Agentur einer Zeitung im Saarland, wo Erich Honecker herkam, einen Artikel verkauft, den die Zeitung dem Portal SCHARF LINKS zum Abdruck genehmigt hatte. Und nun klagt AFP nicht gegen den Weiterkauf des Artikel durch die Zeitung, sondern gegen deren Kunden, die den Artikel sozusagen bona fidem erwarb. In Kunst und Recht regiert also das Geld, welches auch in der Wirtschaft regiert, und damit kommen wir zum Krieg. Die beiden vorigen Weltkriege beherrschte das martialische Säbelgerassel, die Präsenz des Militärischen, und mediale, kulturelle und intellektuelle Stimmungsmache zu den Vorgaben der jeweiligen Scharfmacher. Auf den Ausbruch des jetzigen Krieges braucht niemand zu warten, weil wir uns bereits mitten im Schlachten befinden. Aber sie haben gelernt, die Schweine: Die Drohung mit martialischer Gewalt und die Durchführung von einzelnen kriegerischen Geplänkeln wie in Irak und Afghanistan sowie die Stellvertreterkriege wie der Libyenkrieg, die ägyptische Revolution und der syrische Bürgerkrieg wich einer subtilen schleichenden Gewalt, der Gewalt von Ratingagenturen. Die neue Stufe des Krieges ist die Steigerung vom totalen Krieg zum vollkommenen Krieg. Der zeigt sich darin, das die Toten des Krieges nicht mehr eindeutig als Tote infolge von Bombenabwürfen, Granateinschlägen, Gewehrfeuern und plündernden mordenden Horden militärischer Teufel mit glühenden Schwänzen erkennbar sind, sondern als Tote infolge Suizid nach Zwangsversteigerung, Ertrinken im Mittelmeer mangels geeigneter seetauglicher Schiffe, allgemeiner Auswegslosigkeit wegen Einkommensmangel durch Arbeitslosigkeit und einer Sozialhilfe auf dem Niveau von Zwangsarbeiterlöhnen in nationalsozialistischen Rüstungsbetrieben des Zweiten Weltkriegs. Das Dritte Reich eröffnete den Zweiten Weltkrieg. Das Vierte? Fehlt noch die Umwelt. Wenn man den Raubbau an der Natur als Krieg gegen die Lebensgrundlagen anderer Staaten oder Regionen betrachtet, dann wird es verständlich. Dann versteht man, warum Regenwälder abgeholzt werden, um die eigenen Waldressourcen zu schützen, dann versteht man, warum der Dreck in fremder Länder Flüsse verklappt wird, nur um das eigene Trinkwasser sauber zu halten, dann versteht man, das Atommüll lieber irgendwo bei den Armen im Sand verbuddelt wird, indem man sie im Unklaren lässt, mit welchen Gefahren sie beschissen werden.

 Und jetzt geht es darum, den Krieg gegen die Umwelt und die Schöpfung zu beenden. Es soll die Menschlichkeit oberstes Prinzip sein und nicht die Rechtsstaatatlichkeit. Die Rechtsstaatlichkeit hat genug damit zu tun, auch im eigenen Bereich der Menschlichkeit ein Heim zu geben.

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Das Flugblatt Nummer 48 ist da

Armen Flüchtlingen aus Nordafrika stehen nur Nußschalen zur Verfügung, damit sie nicht über das Mittelmeeer kommen. Europäischen Wohlstandsbürgern stehen hingegen Segelyachten mit GPS zur Verfügung und Marinas, in denen es ein Skandal ist, wenn mal eine Rolle Klopapier fehlt. Oder wenn der Kiosk nicht das Lieblingsbier führt. Flüchtlinge, wenn sie es trotz heldenhaften Abwehrkampfes europäischer Behörden doch bis Lampedusa schaffen, haben weder Klopapier noch Marina noch Kiosk zur Verfügung. Wohlstandsbäuche in Seidenhemden haben nämlich entschieden, das ihnen dies nicht zusteht. Menschen in roten Roben entschieden jedoch, dass die Menschenwürde absolut ist, weil sie nicht migrationspolitisch relativiert werden darf.

Link zum Flugblatt: Flugblatt Nummer 48Nr 1 – aug2012

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Ach noch etwas: Tag der Seenotretter

Baron von Feder

Donnerstag, 26. Juli 2012 

Tag der Seenotretter

 Alle haben ihre Tage. Es gibt den Welttag der Migranten und Flüchtlinge, den europäischen Tag des Notrufes, den Welttag des Fremdenführers, den Tag der Freunde der Zahl Pi (3,14…), den Weltknuddeltag, den Tag des Kusses, den Valentinstag – und weil die Zeit unendlich, sind auch die Tage nicht zählbar. Zählbar ist aber die Anzahl der Schiffe, die der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zur Verfügung steht. Sie beträgt genau 60. Damit das auch möglichst viele Menschen erfahren, veranstaltet die DgzRS am 29. Juli den „Tag der Seenotretter“, und Das Flugblatt wäre nie darauf aufmerksam geworden, wenn im Hafen von Barhöft nicht ein weißes Tuch an einen Zaun gespannt gewesen wäre, auf dem geschrieben stand: „Tag der Seenotretter 29. 7.2012“. Die Einsatzgebiete der 60 Seenotrettungskreuzer sind die Nordsee und die Ostsee. Sie fahren raus, wenn Leute beim Baden auf ihren Luftmatratzen abtreiben und es nicht mehr aus eigener Kraft an den rettenden Strand schaffen, oder wenn einer Luxusyacht im Sturm der Mast bricht oder das Ruder, oder ein Notarzt auf einem Fährschiff gebraucht wird. (wie man die Seenotretter rufen soll, wenn man auf einer Luftmatratze abtreibt, weiß ich nicht. Aber die Retter wollen ja mit den Menschen ins Gespräch kommen, da kann vielleicht jemand die Frage stellen). Es gibt ja genug Leute, die mit und am Meer zu tun haben: Fischer, Segler, Motorskipper, Touristen und Badegäste, Einheimische.

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Baron von Feder reimt sich was zusammen

Asyl? Menschenwürde? Frontex? Küstenwache? Da reimt sich was zusammen, aber stimmen die Verse auch?

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