„Platzhirsche im Feuilleton“
Früher erklärten Feuilletonisten sich und anderen die Welt durch das Feuilleton. Da musste man sich beim Lesen nicht einmal aufregen, wenn das Feilleton kontroverse Themen behandelte. Und wenn es mal einen Skandal gab, gedachten alle eines Ausspruches von Alexander Roda Roda: „Früher schrieb man auf eine Beleidigungsklage einen satirischen Essay, heute folgt auf einen satirischen Essay eine Beleidigungsklage“.
Der Sommer hatte wohl schon immer Löcher, besonders im Feuilleton, da gibts es offenbar ziemlich große Löcher, und die beiden Größten haben jetzt ihre persönlichen „Stisimatunxen“ zum Mainstreamthema für alle an die SZ und die FAZ angeschlossenen Feuilletonisten gemacht. Einer schrieb einen Krimi, in welchem einer stirbt, was nicht sehr selten vorkommt in Krimis. Der andere las flugs daraus, dass er mit dem Opfer gemeint war, und nun heißt es, der eine habe, weil es in echt nicht ging, den anderen wenigstens literarisch um die Ecke gebracht. Zwei Platzhirsche im Feuilleton streiten sich, wer mehr Testosteron aus der Nebennierenrinde schüttet, und merken gar nicht, dass das Feuilleton zur Zeit allen Grund hätte, das Thema Zeitgeist auf die Tagesordnung zu setzen. Der Sommer ist gut geeignet dafür. Kein Sarrazin lenkt ab, und so könnte das Feuilleton doch mal sinnieren, was die Bundesverfassungsgerichts-Erlaubis zum militärtätigen Einsatz der Bundeswehr im Innern Deutschlands und der teilweise Rückzug von Annette Schavan nach unbewiesenen Plagiatsbehauptungen für den Zeitgeist und die Zukunft bedeuten. Wer nämlich die Schavan bearbeiten kann, dass sie sich zurück zieht, der kann auch die Regierung bearbeiten, dass sie einstimmig wie von Karlsruhe vorgesehen Militäreinsätze im Innern erlaubt. Und dann singen die kleinen Leutnants vor dem Schlafengehen: „Wenn ich einmal Reichswehr“.




