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Bald kommen wieder Sommerlochexoten
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Baron von Feder: Machen Sie mal in dieser Zeit Literatur
Baron von Feder
Sonntag, 17. Juni 2012
„Machen Sie mal in dieser Zeit Literatur“
Alle Buchhändler sagen, dass man nur noch Bestseller verkaufen könne. Was nicht mit medialem Nachdruck angepriesen werde, nimmt die Kundschaft nicht wahr. Es wird, sagen die Händler, immer weniger gelesen, und das sagen auch Verleger, Autoren und die Auswerter von Meinungsumfragen. Das ruhige Stöbern im Buchladen findet nicht mehr statt. Völlig unromantisch ist der Buchkauf über das Internet. Dabei sind Bücher doch Lebewesen. Sie möchten beachtet und hofiert werden.
Niemand kann alles lesen. Obwohl es immer weniger Leser gibt, werden immer mehr Bücher geschrieben. Sie finden keine Leser, sondern Buchkonsumenten. Inhaltlich ist zwar schon alles geschrieben worden, aber eben nicht von jedem, und viele unbekannte Autoren haben tatsächlich originelle Texteinfälle. Aber sie werden nicht angepriesen. Jedenfalls nicht mit so einer Machtmaschine, ohne die kein Prominenter oder Talkshow-Gehypter seins aufschreibt. Wenn einer 26 Buchstaben kennt und die Grundlagen von Grammatik und Syntax und vielleicht mal einen Karnevals-Vers aus der Bütt gepfiffen hat, sagt er „Schreiben kann jeder“. Dann mixen sie Sex, Tabubruch und Statistik, rufen „Heiliger Sarrazin“, und denken schon mal darüber nach, was sie zur Verleihung des Literaturnobelpreises anziehen werden.
Und im Getöse des Medienrummels gehen viele gute Texte unter. Wie ein Vogelstimmchen, das brutal von einem Rasenmäher überdröhnt wird. Aber auch deren Ruhm ist Druck und Lesung. Dafür brauchen Dichter Spesung. Machen Sie mal in so einer Zeit Literatur. Ihr Lohn sollte sein: Geld, um so lange davon zu leben, wie Sie für die Herstellung Ihres Buches gebraucht haben. Die Hälfte sollen Sie als Vorschuss bekommen, den Rest feierlich vom Verleger im Briefumschlag mit Schleifchen und Blumenstrauß. Damit werden Sie zwar nicht reich und wohlhabend, aber Sie bewahren ihren teils kreativen, teils kritischen Geist und liegen keinem auf der Tasche.
PS: Am 7. Oktober 2012 beginnen wieder die AHRENSHOOPER LITERATURTAGE.
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Verschlagwortet mit Ahrenshoop, Autorenlohn, Buchkonsumenten, Leser, Literatur
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Moment mal
Joachim Gauck ist von Beruf Theologe, Pfarrer und damit Seelsorger. Seelsorger sind in besonderer Weise der Barmherzigkeit und Nächstenliebe verbunden.
Aber zur Zeit ist Joachim Gauck Bundespräsident. Bundespräsidenten dürfen laut Verfassung im Amt ihren Beruf nicht wahrnehmen.
Ist es mit diesem Verfassungsgrundsatz zu verstehen, dass sich der Bundespräsident Mitte Juni für eine größere Akzeptanz der Bundeswehr-Auslandseinsätze ausgesprochen hat – obwohl er gerade durch seinen Beruf weiss: DU SOLLST NICHT TÖTEN ?
Ruht also die Nächstenliebe?
Wo ruht die Nächstenliebe? Im Herzen Gaucks?
Oder in Frieden?
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Rezension: „Kaltes Land“
Hannes Nagel
Rezension „Kaltes Land“
Mittwoch, 13. Juni 2012
„Faschismus – die ungeliebte Parallele“
Die ausführenden Behörden der Hartz-Vier-Paragraphen haben den Zynismus des Erfinders Peter Hartz noch ins Quadrat gesteigert. Denn es ist kaum noch möglich, mit Büchern, Zeitschriften, Flugblättern und anderen Aufklärungsschriften jemanden bewegen, sich mit der täglich begangenen Missachtung der Menschenwürde zu befassen.
Hartz-Vier-Opfern braucht man nicht zu erzählen, wie erniedrigend ein Leben in Hartz Vier ist. Und wer es noch nie erlebt hat, wird sagen: „Wir leben doch in einer Demokratie und haben einen Rechtsstaat“ – der aber scheint Holdger Platta und Rudolph Bauer gefährdet. Beide sind Herausgeber des im Laika-Verlag erschienenen Buches „Kaltes Land. Gegen die Verrohung der Bundesrepublik. Für eine humane Demokratie“. Im Einleitungskapitel fragt Platta ziemlich ungläubig angesichts der Tatsachen und teils auch eigener Erfahrungen, ob die „Entmenschlichkeitstendenzen“ wirklich wahr sein können. Platta wirft die Frage auf: „Ist Deutschland auf dem Weg in einen kalten Faschismus“. Die Frage hat allgemein schon Richard Sennett beantwortet, der die modernen Arbeitswelten für einen „weichen Faschismus“ hält, was im Grunde ein demokratisch verbrämter Faschismus ist. Woraus sich ergibt: Faschismus ist keine Ideologie, sondern eine Methode. Methoden sind wertfrei, manchmal verpönt, und in der Politik ist niemand gefeit gegen die Verwendung geächteter Methoden, wenn man mit der Methode meint Krisen lösen zu können. Plattas Auseinandersetzung liest sich spannend und führt all die reflexdemokratischen Analogieschlüsse ad absurdum. Wenn einer sagt: Bei den Nazis waren die Juden an allem schuld. Wer also heute sagt, die Manager sind an der Krise schuld, ist ein Nazi, also Faschist. Obwohl doch die Methoden nicht von den Kritikern der Methode angewendet wurden. Die Suche nach den zutreffenden Worten in diesem empfindlichen Begriffspark von Nazi, Faschist, Krise, Kapitalismus, Arbeitslosigkeit, Arbeit, Nichtarbeit, Sozialleistung und Menschenwürde gelingt Platta sehr gut. Die Genauigkeit erinnert etwas an einen Essay von Stanislaw Lem mit dem Titel „Provokation“. (Stanislaw Lem, „Provokation“, Wroclaw 1980, Berlin 1985). Der Essay ist die Rezension des fiktiven zweibändigen Werkes „Endlösung Tod“ und „Fremdkörper Tod“ des fiktiven Autors Horst Aspernicus. Lems essayistische Rezension behandelt Völkermord, Holocaust und wie man ticken muss, um an so etwas mitzuwirken. Platta nennt die Tendenz zu Regelsatzkürzung, Isolierung und systematische Reduktion der Sinne von Hartz-Vier-Opfern einen Genozid. Zutreffend.
Die gründliche Auseinandersetzung mit allen Aspekten von Hartz Vier, die Assoziationen an Faschismus, Ausrottung und Genozid wecken, ist von beeindruckender Stärke. Folgerichtig entsteht ein Ruf nach Widerstand, nämlich dem Widerstand, dem Tod und seinen Handlangern zu widerstehen, indem man menschenwürdig lachend sinnerfüllt am Leben bleibt.
Für diesen Teil gehört das Buch gelesen. Lesen. Lesen. Lesen.
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Das Flugblatt Nummer 45 ist da
Gerade habe ich allen redaktionell Beteiligten gedankt. Nun möchte ich der sehr geschätzten Lesergemeinde zeigen, wofür ich Danke sagte. Hier isses, Flugblatt Nummer 45:
Download: Flugblatt Nummer 45Nr 2 – juni2012
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Apropos Urheberrecht: Künstler, Kosten, Kultivierte
Hannes Nagel
Apropos Neues Urheberrecht
Mittwoch, 6. Juni 2012
„Künstler, Kosten, Kultivierte“
Manche Menschen kleben bunte Glasscherben zusammen. Dann kommt zum Beispiel eine gelb-rote Blüte auf grünem Hintergrund zustande. Diese wird „Mosaik“ genannt. Der Ersteller erwartet und beansprucht zu Recht, dass seine Leistung als Kunst anerkannt wird.
Zuerst sind für die Anerkennung von Kunst die Leute zuständig, die an ihr Freude haben. Wer an einem Gemälde, einem Poem, einem Musikstück, einem Foto, einer Skulptur oder einer artistischen Darbietung Freude hat, erkennt durch die Freude an, dass es ein Kunstwerk war, welches ihm Freude bereitet hat.
Aber leben wollen Künstler auch. Manche bevorzugen einen anspruchsollen Lebensstil. Da reicht es nicht, mit dem Hut herum zu gehen und die Euros centweise zu sammeln. Das passt noch bei Straßenmusikanten oder Gauklern auf dem Jahrmarkt. Das Publikum ist begrenzt und das Entgelt reicht nicht. Der Künste aber gibt es viele verschiedene Arten. Manche haben großes Publikum. Da könnte das Entgelt wesentlich größer sein. Schon wachsen Begehrlichkeiten. Es zeigt sich nämlich, dass es Kunsturheber gibt und Mitverdiener. Zwischen diesen klaffen Lücken. Seit dem 21. März kommt das Thema zwischen Kunsturhebern, Kunstverwertern, Rechtewahrnehmern, Abmahnern, freiem Kunstgenuss und Arbeitslohn für die Mühen der Künste nicht mehr zur Ruhe.
Wenn Kunst Gemeingut wäre…
Für ein Gemeingut kann keiner als finanzieller Nutznießer in Frage kommen. Hersteller von Brötchen oder Dienstleistungsbringer wie Frisöre oder Kellner stellen keine Gemeingüter her und werden deshalb individuell bezahlt. Das ist gut. Wenn Kunst Gemeingut wäre, müsste die Entlohnung der Künstler aus anderen Quellen kommen. „Wovon, bitte, sollen die Künstler leben?“, hieß am 25. Mai ein Kommentar im Tagesspiegel. Den Gemeinstatus de Kunst lehnt der Kommentar als „naiv-kommunistisch gedacht“ ab. Dies allederdings nur aus einem einzigen Grund: Weil die Gesellschaft „bis in die feinsten Kapillaren kapitalistisch ausgerichtet ist“. Den Satz verstehen viele bestimmt als Eingeständnis, dass der Kapitalismus nur für die Kunst zahlt, wenn sie ihm nützt. Wenn man also bei einer Bilderausstellung gleich noch Werbung machen kann. Oder bei einer Buchlesung. Oder oder oder. Das Online-Magazin Telepolis schrieb am 1. Juni: „Urheber erhalten meist nur Almosen von der Verwertungsindustrie“, woraus sich die Forderung ergibt: „Die Künstler wären besser beraten, für ihre eigenen Interessen zu kämpfen“.
Das Interesse der Kunst ist das Publikum. Kunst will wahrgenommen werden. Sie will wiedererkannt werden. Sie will ja, dass man das Originalgemälde im Museum oder in einer Ausstellung anschaut, aber für zu Hause einen Nachdruck hat. Des Dichters Ruhm ist hingegen Druck und Lesung. Wer schreibt, setzt von vornherein auf eine hinreichend große Auflage, die wird verkauft, Verlag und Autor teilen sich die Kohle, und schon kann sich der Autor ein Häuschen mit Garten, ein Hausboot an der Müritz oder wenigstens Miete, Krankenkasse, Versicherungen, Energie, Telefon und ein kleines Gefährt für sich und seine Gefährtin leisten.
Keiner der Beiträge sprach den Gedanken aus, dass der Lebensunterhalt der Kunst dort wo das Einkommen minimal ist aus Pfennigsammeln mit Aufstocken gestaltet werden könnte. Inzwischen gibt es genug Berechnungen, dass ein Bürgergeld oder ein bedingungsloses Grundeinkommen wirtschaftlich machbar wären. Das wäre zugleich auch sozial sinnvoll, gesellschaftlich nützlich, ist aber politisch unerwünscht.
Soweit zum Vergütungsaspekt. Jetzt das Recht
In dem Wort Urheberrecht steckt das Wort Recht drin und das bedeutet Justiz. Also geht es mehr noch als um das Wohl der Künstler um das Bestrafen und Regeln von kopierten Bildern, die Herstellung von Tonträgern mit Gesungenem und Gesprochenem oder eine Serienfertigung von Gipsnachgüssen einer Originalskulptur. In der seit März geführten Debatte über ein neues Urheberrecht sieht man eine Begriffsvermischung zum Grinsen. Die Debatte selbst nimmt schon fast auch Kunstform an. Und dann vergüte mal die einzelnen Urheber, also alle, die einen Textbeitrag in die Debatte geworfen haben. Ich glaube, dann wird die Absurdität der Forderungen und viele ihrer Diskussionsrichtungen deutlich.
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Die alte Ehrwürdige und die junge Neue
Sonntag, 03.Juni 2012
„Die alte Ehrwürdige und die junge Neue“
Seit Anfang Mai ist die Behelfsumfahrung der Meiningenbrücke fertig. Seit Anfang Juni ist es auch die mehrere Male im Flugblatt angekündigte Dokumentation über das Brückenbauprojekt. Eine Auswahl der Fotos mit den interessantesten Baumomenten stehen nun in der Broschüre „Die alte Ehrwürdige und die junge Neue“. Sie kann hier als PDF bezogen werden. Ich möchte gerne ein wenig bezahlt werden, nur so, um mal wieder zu wissen, wie es sich anfühlt, wenn gute Arbeit auch entlohnt wird. Ich denke da an 3,00 Euro für das PDF und an 5,50 für die gedruckte und gebundene Ausgabe. Bitte denken auch Sie recht zahlreich daran.
Download zur Ansicht: Die Seite 1 bis 7 Alte Ehrwürdige und die Junge Neue NEU
Bestellmail an: hannesnagel (at) yahoo.de
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Horizonte Zingst: Bilder einer Ausstellung
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