Das Flugblatt Nummer 36 ist da

Hannes Nagel

„Das Flugblatt“ Nummer 36 ist da. Es ist die erste Ausgabe mit Karikatur. Karikaturen zeichnet Jens Hinrichs für uns. An dieser Stelle erscheint nun ein Link zum Download der Nummer 36 und eine Karikatur zum neugierig machen.

Link: Flugblatt Nummer 36Nr 2 – jan2012

 

 

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Baron von Feder: Rohstoffrechenbeispiele

 

Baron von Feder

Dienstag, 11 Januar 2012

„Rohstoffrechenbeispiele“

 

Knapp 50 Kilometer von meinem Wohnort entfernt befindet sich die Kreisstadt. Eine Busfahrt kostet 5 Euro. Mit dem Auto brauche ich 6 Liter auf 100 Kilometer. 100 Kilometer fahre ich, wenn ich in die Kreisstadt fahre und wieder zurück – ich kann ja nicht ewig dort bleiben. Ein Liter kostet zur Zeit rund 1 Euro und 60 Cent. 6 Liter kosten also 9 Euro und 60 Cent – ich bin also mit dem Auto 40 Cent billiger als mit dem Bus. In der Kreisstadt befindet sich ein Art Altstoffhandel in abgespeckter Version. Flaschen und Gläser kann man dort nicht abgeben, um Geld zu bekommen, aber Zeitungen. Für ein Kilo Zeitungen bekommt man 5 Cent. Ich bin heute in die Kreisstadt gefahren, habe 9 Euro und 60 Cent für Benzin bezahlt und 1 Euro und 5 Cent für mein Altpapier erhalten. In der Kreisstadt befindet sich auch ein Schrotthandel. Der Schrotthandel nimmt unter anderem auch gesammelte Bierflaschenverschlüsse an. Die sind ja aus Metall, also ein wertvoller Rohstoff. Für eine Tonne Schrott bekommt man derzeit 120 Euro. Für 1 Kilogramm altes Metall bekommt man also 12 Cent. Ein Bierflaschenverschluss wiegt nur ein paar Gramm. 409 Deckel ergen knapp 1000 Gramm. 1 Deckel wiegt 2,5 Gramm. 4000 Deckel bedeuten 10.000 Gramm also 1 Euro 20. 4000 Deckel bedeuten aber auch 4000 Flaschen, die 70 Cent kosten und 8 Cent Pfand einbringen. 10 Kilo Bierdeckel bringen also 1 Euro 20 Cent. Wenn einer allein die Menge aufbringt und den Flaschenpfand auch noch sammelt, bekommt er noch 320 Euro Pfand dazu. Kostet: 2800 Euro. Einer allein kann also gar nicht nachhaltig genug trinken, um mit Pfand und Bierdeckeln die Knappheit der metallischen Sekundärrohstoffe zu mindern. Anders sähe es aus, wenn alle mitmachten. Und wenn der Preis der Bedeutung des Sammelgutes angemessen wäre. Einer allein schafft pro Jahr vielleicht 3 Kilogramm Deckel zu 0,36 Cent und damit verbunden 96 Euro Pfand. Also der Fleiß sollte doch wohl einen Bonus wert sein. Zum Mindestens in der Erstattung des Kaufpreises in voller Höhe. Fünf Millionen Käufer und Genießer von Bier würden insgesamt mit 480 Millionen Euro bezahlt werden – Peanuts im Vergleich dazu, was die Industrie aus den so billig eingekauften Sekundärrohstoffen macht. Aber sie wills ja geschenkt, und das kann man so nicht zulassen, denn alle wollen leben. Bei der Gelegenheit denke ich gerade an Ghandis Salzmarsch. Das Viele Einzelne schafften es mit winzigen Mengen Salz („Salzkörnchen“) soviel Salz anzuhäufen, das die, die das Monopol auf den Salzhandel hatten, es nicht mehr hatten. Das könnte auch mit Bierdeckeln als metallischer Rohstoff gehen.

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Rezension: Geschichten aus dem Rohr

Hannes Nagel

Rezension Geschichten aus dem Rohr

Sonntag, 08 Januar 2012

Ventil für die Wut der Ohnmacht

Ich hatte vom BS-Verlag aus Rostock ein anderes Buch erwartet. Einen Krimi. Den hatte ich in Gedanken bereits vor-rezensiert. Ich wusste schon, wie ich den Text aufbauen wollte. Nur die Lektüre fehlte noch. Dann kam die Post und brachte das Päckchen. Der Krimi war nicht darin. Aber ein anderes Buch. Von einem Autor, der zwischen Manuskriptabgabe und Druckexemplar verstarb. An Krebs. Die Diagnose: Für den Autor ein Schock. Die unerwartete Information: Für den Rezensenten ein Schock.

„Geschichten aus dem Rohr“ heißt das Büchlein und hat noch einen Untertitel, damit sich keiner einer Illusion hingibt: „Das böse Buch“. Böse ist Sarkasmus. Es gibt Situationen, in denen man zur eigenen Erleichterung alles rauslassen darf, was einem einfällt, ohne Rücksicht darauf, ob die Ärzte, über deren Unfähigkeit man lästert, etwas dafür können oder nicht, das sie dem Patienten keine Heilung verschaffen können. Ärzte -püh, sagte mal jemand, das sind doch alles nur ehemalige Medizinstudenten. Und so ein Ex-Student schnippelt nun in einem fremden Körper rum, der unter Umständen 20 Jahre älter ist als der Körper des Studenten. Wem es gut geht, der kommt bestimmt nicht auf solche Gedanken.

„Das Rohr“ ist übrigens jener hellererleuchtete Sarg ohne Sicht auf Irgendwas, in den Patienten geschoben werden, damit der Tomograph Bilder seines Inneren anfertigt. Die Vorstellung, mit dem Kopf in etwas drin zu stecken und nicht einmal mehr seine Füße zu sehen – oder, fern dahinter, ein paar Leute mit Kittel, die durchs Bild huschen, macht rasend. Man will eigentlich nur noch raus. In so etwas dürften sie einen eigentlich nur schieben, wenn sie einen vorher in eine künstliche Leckmich-Stimmung versetzt haben. Man kann auch Apathie dazu sagen. 22 kleine Geschichten hat der Autor versammelt, die alle nur einem Zweck zu dienen scheinen: Dampf abzulassen, ein Ventil für die eigene Ohnmacht zu sein. Es ändert zwar nichts an der Gesundheit, aber man fühlt sich besser.

Der Autor dieses Buches heißt Peter Weißflog. Geboren 1953 in Freiberg, gestorben 2011.

Peter Weißflog, „Geschichten aus dem Rohr“, BS-Verlag, Rostock 2011, 95 Seiten, 8,50 Euro

 

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Baron von Feder: Sturkopf oder Weichei

Baron von Feder

Sturkopf oder Weichei

„Das Flugblatt“ will sich heute an der Spekulation über Sinn oder Unsinn eines Rücktrittes von Bundespräsident Christian Wulff beteiligen. In seiner gewohnt liebenswerten frechen Art resümmiert „Das Flugblatt“nach langem Bedenken: Er soll sein Amt nicht von sich aus verlassen. Lieber einen Sturkopf als Präsidenten als ein Weichei, welches bei dicker Luft zurück tritt. Wir finden Sturheit bewundernswert, wenn sie Stil hat. Schließlich kommt unser Blatt aus Mecklenburg, da weiß man, was Sturheit bedeutet und bewundert sie, auch bei Gegenspielern, wenn man welche hat.

Im Grunde genommen kann Deutschland doch gar nichts besseres passieren als ein sturer Präsident, der im Amt bleibt und eine permanente Satirequelle darstellt. An der Lächerlichkeit des Präsidenten könnten alle Krisen abprallen. Wenn der Präsident lächerlich ist, wäre er ein therapeutisches Ventil für FDP-Angehörige und -Wähler, die Kanzerstuhlinhaberin und sogar für Hartz-Vier-Opfer.

Übrigens habe ich gerade gelesen, das ein neues Verb für „den Anrufbeantworter vollquatschen“ beginnt, sich zu verbreiten: Wulffen.

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Rezension: Kiki de Montparnasse

 Eine Zeit lang war es modern, Fernsehfilme mit einem sehr langen Vorspann auszustatten. Jeder Akteur, jede Actrice wurden mit ihrem Namen und dem Namen der von ihnen gespielten Figur vorgestellt. Damit das Auge nicht schon beim Vorspann ermüdet und das Herz schon mal auf die kommende Freude beim Hauptfilm eingestimmt würden, ließen gewiefte Animationskünstler Trickfilmfiguren der Schauspieler in typischen Szenen auftreten. Luis de Funes zum Beispiel wäre immer mit dem Holzkopf gegen die Buchstaben gerannt und hätte sie gehörig durcheinander gewirbelt. Heute bekam ich ein Buch in die Hände, welches mich an diese längst vergangenen Filmzeiten erinnerte, als Fernsehen noch Freude machen konnte.

Dabei ist dieses Buch eine Biographie. Das Ungewöhnliche daran ist, dass das Leben der biographierten Dame als Comic-Zeichnung erzählt wird. Filmszenen mit Sprechblasen eines Lebens, welches von 1901 bis 1953 ging und also viel zu kurz war. Mit 52 ist eine Dame doch noch eine junge Frau. Das schöne an Zeichnungen im Vergleich zu Texten ist, dass sie nicht moralisch werten können. Szenische Zeichnungen können wirklich nur erzählen. Und wenn man nicht weiß, wessen Leben erzählt wird, ist man einfach darauf angewiesen, sich erzählen zu lassen, was einem Menschen in seinem 52 Jahre kurzen Leben passierte. Gut, in wörtlicher Rede und durch die Verwendung von Namen, Zeitgenossen, Berühmtheiten ahnt man vielleicht schon, wer den Mut zu Leben aufbrachte. Nach 375 Seiten lüftet sich der Schleier der Dame, deren Leben nun Wertung und Einordnung in Kultur und Zeitgeschehen erfährt. Dies allerdings wie ein tabellarischer Lebenslauf oder eine kurze Geschichtszusammenfassung, in der links eine Jahreszahl steht oder ein komplettes Datum und damit Ereignisse, in die die biographierte Dame einbezogen war. Die Dame: Alice Ernstine Prin („Sagt mir nischt“), geboren am 2. Oktober 1901, gestorben 23. März 1953, beides in Frankreich, und bekannt unter dem Künstler-bzw. Musennamen Kiki de Montparnasse („Ah, klingt schon mal gut“). Muse von Malern, Fotografen war sie und soll charismatisch und geistreich gewesen sein. Wissen Sie, was der Geist einer Muse ist? Zeitgeist. Denn sie leben, was andere mühselig auszudrücken versuchen.

Hand aufs Herz: Hätten Sie es gewusst? Ich habe das Buch auch nur gefunden, weil ich für das neue Jahr wieder viele neue Titel suchte und dabei verschiedene Verlagskataloge durchstöberte. Erst sah ich nur das Coverbild – das alleine schon wollte ich gerne rezensieren, weil es die Fantasie beschwingt. Meine jedenfalls. Und dann hab ich das Buch gekauft: 36 Euro kostet es, erschien im Carlsen-Verlag, Hamburg 2011.

Man müsste viele Kavaliere bitten, dieses Buch ihren Herzdamen zu schenken, um sie entweder zu befreien oder darin zu bestätigen, den Mut zur Muse zu haben.

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Arm macht mobil

Hannes Nagel

Kategorie: Ach und noch etwas

Dienstag, 03 Januar 2012

„Arm macht mobil“

 Wie gut, wenn man derzeit nicht in den regierenden Gruppierungen Europas tätig ist, sonst würde man täglich nervöser. Denn ihre Häuser haben Dachschäden, und es beginnt durchzuregnen. Durch das Deutsche Dach tropfte zuerst das Erwerbslosenforum und machte auf die desolate Lage der Hartz-Vier-Opfer aufmerksam. Dann sickerten Berichte in der Onlinezeitung Artikel 1 über haarsträubende Schikanen von Ämtern gegen entbürgerte Hartz-Vier-Opfer in die Wahrnehmung hinein. Kennen Sie eine Dachkammer, in der es durchregnet? Erst reicht es, eine Schüssel auf den Fussboden zu stellen, um das Wassser aufzufangen. Dann brauchen Sie noch einen Eimer, weil es an anderer Stelle ebenfalls durchregnet. Bald regen sich überall Wassertropfen, und der Nervöse Dachkammerbewohner wird nervös, weil er nicht alle auffangen kann.

Überall regen sich Initiativen, soziale Bewegungen und Unzufriedene, die eine Äußerungsmöglichkeit suchen. Am 22. Januar wollen sich Vertreter dieser Gruppen in Frankfurt am Main treffen, im Gewerkschaftshaus, um dort zu ein Aktionsbündnis all dieser Gruppen zu besprechen. Etwa 100 Leute hält Martin Behrsing vom Erwerbslosenforum Deutschland für eine angemessene Teilnehmerzahl. 100 Vertreter unzähliger Gruppen dürften seiner Ansicht nach konträre Vorstellungen von dem Treffen und den Handlungsmöglichkeiten haben, die dort besprochen werden sollen. Occupy ist dabei, die Globalisierungskritiker von Attac ebenfalls. Bereits einen Monat später soll aus der Vorbesprechung eine Handlung werden.

Eine Minimalforderung hat das Erwerbslosenforum bereits genannt: Der Regelsatz für Hartz Vier soll 500 Euro betragen. Wenn man das Geschacher bedenkt, welches die Bundesregierung so unselig aufführte, als es im Februar 2011 um die lächerliche Erhöhung der Bezüge um 5 Euro ging, darf man sich einen sehr schweren Kampf vorstellen.

 

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Optimismus – ein Rätsel in Deutschland

 

Hannes Nagel

Kategorie: Aproposia

„Optimismus – ein Rätsel in Deutschland“

 Jetzt, da das Jahr 2011 zu Ende ist, sieht man, das noch mal alles gut gegangen ist. Zwar hatte die Regierung am Anfang 2011 noch angekündigt, womöglich sogar gedroht, dass 2011 ein sehr schweres Jahr werden würde – nun ist es gar nicht so schlimm geworden. Böse Zungen behaupten, die Regierung habe sich bloß nicht genug Mühe gegeben, um ihre Prophezeiung wahr werden zu lassen. Das wollen wir doch aber nicht hoffen. Wir halten es schlicht und ergreifend für unser Glück, dass nicht alle Schikanen auf uns zu kamen, die in Wirtschaftskrisen möglich und denkbar sind. Und weil das Jahr trotz allem noch mal glimpflich mit uns umging, sehen 68 Prozent der Bevölkerung schon wieder ganz viele Lichtblicke für das Jahr 2012. Das hat der Zukunftsforscher Horst Opaschewski heraus gefunden, sagt er.

Er meint, die Menschen „arrangieren sich eher privat und familiär“. Diese Formulierung macht fröhlich. Sie hört sich an wie eine Chance, dass man ohne Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen doch eine kleine sichere Existenz aufbauen kann. Endlich, würden viele Hartz-Vier-Opfer sagen, wenn sie durch die Drangsalierungen der Behörden nicht schon vielfach handlungsunfähig gemacht worden wären. Handlungsunfähig heißt: Nicht mehr geübt genug, um sein Schicksal selbst in die eigenen Hände zu nehmen. Entmündigt quasi.

Wir wissen nicht, ob Herr Opaschewski unsere Lesart im Hinterkopf hatte, uns aber kitzelt die Formulierung vom privaten Arrangement. Denn: Privat heisst Nische oder Republik der Entrechteten, wie die Leute im Sherwood Forest, kann aber auch Solidarität nach dem Vorbild der sich gegenseitig aushelfenden Menschen in der DDR bedeuten. Sehen Sie mal: Nischen sind sozusagen Urlaub vom steten Gerenne im Hamsterrad des Kapitalismus. Sie brauchen Ihren persönlichen Kapitalisten nicht mal um Erlaubnis zu fragen. Was Sie im Urlaub tun, dient Ihrem Wohl und em Wohl des Nachbarn übern Gartenzaun. So idyllisch kann das Leben sein, wenn man sich nicht in ein fremdes Joch spannen lässt. Arbeit ja, aber für sich selbst und soweit man schauen kann. Im kapitalistischen Sinne ist Arbeit ja ohnehin nur das, was Viele tun, damit Einige im Wohlstand leben. Kommt daher der Optimismus, mit dem zwei Drittel der Deutschen ins Jahr 2012 starten?  Ich weiß, wie platt der Satz klingt, wie frisch gesprochen von Ferdinand Lasalle, Karl Marx, Vater Bebel oder Erich Honecker. Na und? Ist doch egal. Wenn es doch nun mal stimmt? An dieser simplen Tatsache hat sich seit der Industrialisierung im Wesen nichts geändert.

Apropos nichts geändert: Es ist noch etwas gleich geblieben. Nämlich die Merkel-Drohung, das dieses Jahr nun aber wirklich alles viel schlimmer werden wird. Hat sie in ihrer Neujahrsansprache für 2012 gesagt. Möge sie sich irren, denn irren macht menschlich, auch die Politik, die einer betreibt.

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„Das Flugblatt“ Nummer 35 ist da

Hannes Nagel

Das erste Flugblatt für 2012 ist da. Erhältlich ist es über den Link. Ich hätte gern 50 Cent dafür.

Freude beim Lesen wünscht Ihnen jeder Einzelne, der mit der Herstellung des Blattes zu tun hat.

Download: Flugblatt Nummer 35 Nr 1 – jan2012

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Baron von Feder: Dunkel gefärbte Füße

Samstag, 24.Dezember 2011

Baron von Feder

„Dunkel gefärbte Füße“

Diesmal hat sich Christian Wulff, der Bundespräsident, als Kreativist der Sprache gezeigt. Er bezeichnete sein Geschäftsverhalten in Bezug auf einen Kredit als „nicht geradlinig“.

Wir grinsen. In der vorigen Ausgabe des Flugblattes nussten wir von einem Sprachakrobaten berichten, der eine vermutete Beteiligung eines Unternehmens an den Arisierungen von 1933 bis 1938 als „außergewöhnliche Verfehlung“ bezeichnete. Um Weihnachten herum bezeichnete Christian Wulff sein Verhalten im Zusammenhang mit einem Kredit während seiner Amtszeit als Ministerpräsident von Niedersachsen als „nicht geradlinig“.

Als kleiner Steppke hatte ich mal gehörig schmutzige Füße und sollte sie waschen. Die Wäsche schien mir nicht besonders gelungen zu sein. War wohl eher suboptimal. Dann kam die Fußkontrolle ins Bad. Auf einem Fuß durfte ich stehen bleiben, den anderen mußte ich anheben. Wie ein Fohlen, verstehen Sie? Und es befand die Fußkontrolle, dass der Fuß immer noch schmutzig sei. Wie also sah der Fuß aus, fragte nachdrücklich dran zerrend die Kontrolle. „Nicht sehr sauber“, sagte das Fohlen kläglich. Das reichte der Kontrolle nicht. Sie wollte partout hören: „Schmutzig“. Das bringt ein kleines Fohlen nicht über die Lippen. Aber es wollte auch wieder mit dem Fuß frei kommen, an dem – Sie erinnern sich? -. die Fußkontrolle zerrte. Je trotziger es sagte: „Nicht sehr sauber“ desto fester zerrte die Kontrolle. Zu Kreuze kriechen konnte es auch nicht mehr, dazu hatten sich beide Seiten in ihren Ansichten schon zu nsehr festgelegt. Also sagte das Fohlen: „Dunkel gefärbt“, als die Kontrolle zum x-ten Male fragte, wie denn nun die Füße aussehen.

Für ein Kind ist diese sprachliche Kreativität eine reife Leistung. Die Kontrolle lachte und ließ den Fuß los. Bei dem Herrn von Bellevue ist die sprachliche Leistung eher kindisch. Es sei denn, er wollte uns durch die Blume sagen, dass die Sache eben wirklich „nicht geradlinig“ war, sondern eher ein „krummes Ding“.

Dann aber, wenn es ein krummes Ding war, – guten Abend und ein schönes Jahr 2012.

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Apropos Weihnachts-und Neujahrsansprachen

 

Samstag, 24. Dezember 2011

Hannes Nagel

Eigentlich wollten wir uns hier nur ein paar Gedanken machen, warum Herrschende und Staatsoberhäupter, Regierungschefs und manche Unternehmensführer sich zu Weihnachten und Neujahr an ihre Völker wenden, und dann wollten wir den Herrschenden, Staatsoberhäuptern, Regierungschefs und Unternehmensführern diese Gedanken in angemessener Frechheit als ihre eigenen unterstellen. Wir geben unser Ehrenwort, dass wir bis zum Ende der Redaktionsplanung von Herrn Bundespräsident Wulffs öffentlichem Geeier keine Kenntnis hatten.

Um Schaden von unserem guten Ruf abzuwenden, geben wir zu, dass wir bisher nur das Thema hatten, aber noch bisher noch in überhaupt keinster Weise mit der Umsetzung des Themas begonnen haben. Wir bedauern sehr, wenn wir durch unsere langsame Arbeit Vertrauen enttäuscht haben.

Aber wir beharren auch. Es ist ja wohl unsere Sache, wie wir unsere Arbeit machen. Hauptsache ist am Ende, dass sie gut ist. Dies steht für uns, unseren Berufsstand und unsere öffentlich-wahrnehmende Zielgruppe außer jedem Zweifel.
Im vorigen Jahr versprach uns Angela Merkel zu Weihnachten und zum Jahr 2011 viele Schwierigkeiten. Rückblickend erklärt vieles im Verlauf von 2011, dass Frau Merkel sich redlich bemüht hat, ihre Prophezeiung nicht zu einem jener leeren Versprechen werden zu lassen, die in ihrem Berufsumfeld üblich sind.

Der Kindergarten von Berlin hat 2011 Politik und Krisenmanagement gespielt. Sie haben ihr Spiel so ernst genommen, dass sie sich erst zerstritten und dann lächerlich gemacht haben. Wie Schachspieler, die sich lieber mit Bauern bewerfen, als ein paar Züge zu machen. Wenn sie weise spielen, kommt kein Sieg, sondern eine Problemlösung heraus.

Manchmal will es einem scheinen, als ob sich Politiker besonders dreist fehlverhalten, wenn sie keine Lust mehr mehr haben. Dann lassen sie sich lieber aus dem Amt kegeln und kassieren dafür noch beträchtliche Summen Geldes, aber sie müssen dann nicht mehr „arbeiten“. Wir sollten niemanden zurück treten lassen, wenn wir ihm den Rücktritt auch noch bezahlen müssen. Gut, für diesen Gedanken gibt es jetzt grad keinen konkreten Anhaltspunkt, aber der kann ja jederzeit kommen. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Tag und Nacht müssen wir wachsam aufpassen. Sie meinen, das gab es alles schon, auch die Worte? „Es kommt alles mal wieder / es ist niemals vorbei / trallala….“. Ging so oder so ähnlich nicht mal ein Schlager mit unzähligen Verballhornungen?

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