Es trappelten die Pferdehufe / wie froher Herzen laute Rufe / Man hörte es im Lande weit / Es klang wie: Lang lebe die Menschlichkeit
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Es trappelten die Pferdehufe / wie froher Herzen laute Rufe / Man hörte es im Lande weit / Es klang wie: Lang lebe die Menschlichkeit
Hannes Nagel
Das Flugblatt Nummer 34 ist fertig geworden. Es kann hier über den Link bezogen werden. Ab 2012 hätte ich pro Ausgabe gerne 50 Cent. Zwei Ausgaben pro Monat kosten also 1 Euro. Im Jahr werden das nicht mehr als 12 Euro. Geht doch noch, oder?
Download: Flugblatt Nummer 34 Nr 2 – dez2011
Amerika führt seine schmutzigen Kriege in der Welt auch mit Hilfe von Söldnerfirmen. Ihre vornehme Bezeichnung heißt Sicherheitsfirma. Eine dieser Firmen heißt Blackwater, und was Blackwater macht, kam heraus, als auch andere amerikanische Lügen um den Irakkrieg herum heraus kamen.
Ich möchte darauf jetzt nicht genauer eingehen, sonst knallt mir noch eine Drohne ins Haus, und das so kurz vor Weihnachten. Ach so: Wenn Sie morgends aufwachen und haben eine Drohne im Garten, verlangt Amerika von Ihnen, dass sie sie zurück schicken. Aber wie? Mit der Post? Eventuell müssen Sie sogar noch Einfuhrzoll bezahlen, und beim Export fällt noch mal eine Zahlung an. Vielleicht legen die Bestimmungen aber auch fest, dass der Absender einer Drohne die Kosten trägt, einschließlich die Kosten für Wiederaufbau, Schadensersatz, Schmerzensgeld und Entschädigung für das unermeßliche Leid. Es könnte sein, dass Amerika auch nicht so genau weiß, wie die Regeln sind, es wäre ja nicht die erste Regel, die die amerikanische Politik nicht kennt. Darum vermutlich lässt sie Firmen wie Blackwater privat Krieg führen. Ob Blackwater auch mit Drohnen in Nachbars Garten schmeißt, weiß ich nicht, aber darum geht es in dieser Glosse auch gar nicht. Firmen sind ja heute zum Teil krimineller als die skrupellosesten Ganoven. Blackwater scheut sich nicht, erneut zum Bluthund zu wereden. Aber die Bande hat dazu gelernt. Medeinberichten zufolge will das Unternehmen sich umbenennen. Demnächst wollen die Söldner Academi heißen, als wären sie ein Hort von Bildung und Kultur. Der Firmenchef soll gesagt haben: „Sie werden uns nicht mehr in den Schlagzeilen finden“. Es sei denn, die Medien schreiben immer von „Academi alias Blackwater“. Von einer inhaltlichen Läuterung ist keine Rede, denn: „Die Firma gehört trotz aller Zwischenfälle weiterhin zu den größten Anbietern von Sicherheitsdiensten für die US-Regierung. Sie trainiert auch Mitglieder von Militär und Polizei“, heißt es in einem Beitrag auf N-TV.
Stellen wir uns kurz einmal vor, Erwin Pupsheimer hätte eine Bank überfallen. Dafür soll er sich verantworten. Angeklagt wird er als Erwin Pupsheimer, aber vor Gericht erklärt er: „Ich heiße gar nicht Erwin Pupsheimer, sondern Gustav Klötenbüdel“. Und das Gericht stellt fest: Gegen Gustav Klötenbüdel liegt nichts vor. Wir aber stellen fest: Der Bankraub bleibt, und Gustav Klötenbüdel bleibt Erwin Pupsheimer, und eine Namensänderung von Blackwater wischt nicht das Blut von den Söldnerhänden.
„Stille Wasser sind tief und stinken“, sagte mal ein Lehrer bei uns. Black Water ist auch tief und es stinkt zum Himmel, wie die Politik ihre Verbrechen tarnt.
Mittwoch14. Dezember 2011
Autor: Hannes Nagel
Eile geboten – Leben läuft ab
Die Fraktion der Linken im Bundestag hatte in einer Großen Anfrage an die Regierung wissen wollen, wie es um die Renten in Deutschland bestellt ist. Sie erhielt darauf hin eine Statistik der Deutschen Rentenversicherung und begann zu lesen. Sie lasen auch zwischen den Zahlen, und zwischen den nüchternen und gefühllosen Zahlen stand ein Skandal: Die Lebenserwartung von Geringverdienern ist deutlich niedriger als bei Leuten, deren Einkommen für einen Arztbesuch, eine gesunde Ernährung und eine warme Wohnung reicht. Direkt steht das nicht so darin. Aber so wird es sichtbar, wenn man die Länge der Rentenbezugszeiten betrachtet. Wer eher stirbt, erhält nur kürzere Zeit Rente (falls überhaupt), und die kürzesten Rentenbezugszeiten gibt es bei Menschen, die mit Niedrigstlöhnen abgespeist werden. Das darf man reinen Herzens als Skandal bezeichnen. Aber dann will man auch wissen, was die Linken nun mit der Antwort auf ihre Frage anstellen werden, denn solch eine Sache darf ja nicht im Raume stehen bleiben. Noch diese Woche, teilte die Fraktion auf Anfrage mit, werden die Linken in einer Debatte des Bundestages die Ergebnisse der Anfrage vorstellen und Regierungleuten die Möglichkeit zu einer Stellungnahme einräumen.
Die Stellungnahmen werden wohl weniger sensationell ausfallen als der Skandal groß ist. Wahrscheinlich werden sie mehr oder weniger rhetorisch geschickt alle Verantwortung von sich weisen. Das Wort Schuld wird wohl nicht fallen, jedenfalls nicht in Bezug auf die Verantwortlichen. Denn die Verzwicktheit der sozialen Lage der armen Menschen in Deutschland lässt zwei Deutungen zu: Sie sterben früher, weil Alkohol und Nikotin konsumieren und ungesund leben. Das sie einfach nur menschenwürdiges Einkommen brauchen, um nicht zu Alkohol und Nikotin zu greifen, hat bisher noch nicht mal die Bundesagentur für Arbeit eingesehen. Und das reiche Raucher länger leben kann auch damit zusammenhängen, dass sie bessere Möglichkeiten haben, gesundheitliche Schäden auszugleichen. Inklusive Reha.
Ganz gleich, wie man Schuld und Verantwortung zuteilen will: Im Namen der Menschlichkeit sollte die Debatte möglichst schnell zu einer Angleichung der Lebenschancen aller Mitglieder der Gesellschaft führen. Denn bei den Schwächsten wird die Lebenszeit knapp.
Apropos: Außergewöhnliche Verfehlung
Mittwoch, 07.12. 2011
Autor: Hannes Nagel
„Außergewöhnliche Verfehlung“
Die Kreativität der Verharmlosung kennt keine Grenzen. Während einerseits berichtet wird, dass die Bundesregierung sich nun doch zu einer Holocaust-Opfer-Entschädigungsantrags-Bearbeitung herabgelassen hat, hat die Unternehmens-PR eines unter anderem als Discounter bekannten Ladens gezeigt, dass es noch immer kreative Köpfe gibt, die Täter aus den Handlungen von vor 78 bis 66 heraus verbal vereinfachen wollen. Obwohl: heute darf doch wohl jeder alles zugeben – den wem passiert heut schon noch etwas? Der kreative Kopf ist ein PR-Fuchs bei Tengelmann. Das kann man einem Spiegel-Online Beitrag entnehmen, welcher „Braunes Erbe mit Westwall-Buletten“ heißt.
Also dem PR-Menschen der Unternehmensführung will die nationalsozialistische Weltanschauung in Tateinheit mit nationalsozialistischer Kriegswirtschaftsbetätigung bis dato nicht bekannt gewesen sein. Hinweise auf „außergewöhnliche Verfehlungen“ soll es bisher nicht gegeben haben. Jetzt aber, da es bekannt wurde, habe man ein Historiker mit der Erforschung der Unternehmensgeschichte beauftragt.
Schon klar. Für einen NS-Wirtschaftsführer – wenn der Vorgänger des bekannten Unternehmens denn wirklich einer war – sind dergleichen Verfehlungen wirklich im Kriegsfall nichts Außergewöhnliches. Wie ja auch sämtliche anderen kapitalistischen Verfehlungen nichts „außergewöhnliches“ sind. Sie sind systemimmanent.
Was macht man am Besten mit Systemen, denen solches immanent ist?
Dienstag, 06. Dezember 2011
Rezension „Die Wolf-Nachrufe“
Hannes Nagel
Christa Wolf ging nicht unbemerkt
Anfang Dezember starb die DDR-Schriftstellerin Christa Wolf. Ihre hinterlassenen Spuren sehen in der Beschreibung durch verschiedene Medien wie ein Lexikoneintrag aus, die einer vom anderen abgeschrieben hat oder nacherzählt hat.
Der Tod der Schriftstellerin ist für einen Leser ein merkwürdiges Ereignis. Dabei kannten sich Leser und Autorin nur über einige Bücher und nicht einmal über alle Bücher. Irgendwann war es so, dass das Stichwort „Christa Wolf“ lediglich „Ach ja“ beim Leser hervorrief. Das war, als es still zu werden schien. Nun schämt sich der Leser fast, die Bücher nicht zu Lebzeiten der Autorin schon gelesen zu haben – oder wenigstens gründlich nachgedacht zu haben.
Die Feuilletons von Süddeutsche Zeitung (online), FAZ, Ostseezeitung sowie Stern und Spiegel Online waren sich in ihren Nachrufen einig, Christa Wolf sei eine unbequeme Kritikerin des Sozialismus gewesen, die dennoch mit heißem Herzen von der Alternative zum Kapitalismus geprägt war. Westdeutschland lobte ihre Kritik am Sozialismus, Ostdeutschland ihr gesellschaftliches Engagement für den Sozialismus. Mir scheint, der Unterschied zwischen BRD und DDR bestand darin: Der Westen hatte eine Wirtschaftsordnung, aber keine Gesellschaftsordnung, und der Osten hatte eine Gesellschaftsordnung, aber keine Wirtschaftsordnung. Aber eigentlich konnte man auch sagen: Im Westen herrscht die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, im Osten ist es umgekehrt. In Christa Wolfs Büchern suchte man gerne nach Kritik, weil man sich so toll vorkam, wenn man kritisieren konnte. Es war irgendwie so ähnlich wie die Suche nach „Stellen“ in erotischer Literatur.
N-TV bescheinigte Christa Wolf, dass sie „kritisch, selbstkritisch mit tiefem moralischem Ernst“ war. Im nächsten Satz nannte N-TV sie „Staatsschriftstellerin“ und „Nobelpreiskandidatin“. Die Süddeutsche Zeitung schrieb: „Sie kritisierte zunehmend das DDR-System“. Das ist ein Satz wie aus einem Schülerzeugnis: „Sie arbeitete zielstrebig an der Beseitigung ihrer Fehler“. Der Stern befand, die Worte „moralische Instanz“, „SED-Mitglied“, Nobelpreisanwärterin“ und auch das unvermeidliche „Stasi-Mitarbeiterin“ benutzen zu müssen – pffft. Die FAZ benutzte einen Stil wie ein Lexikon. Sie brachte damit einen Text Zustande, der wie ein Schülerreferat über „Leben und Werk der Autorin Christa Wolf“ aussieht.
Und wenn es nicht zu lange dauert, kann aus einer Deutschstunde mit Pflichtlektüre Spaß an der Literatur entstehen. Und dann sind publizistische Spuren bleibende Spuren.
Hannes Nagel
„Das Flugblatt“: (Herausgegeben von Hannes Nagel) Die erste Dezemberausgabe des Flugblattes ist fertig. Bitte sehr.
Hannes Nagel
Spiegel Online hat kürzlich in der Rubrik Zeitgeschichte, welche dort „Eines Tages“ heißt, die Grenze zwischen Zeitgeschichte und Satire verwischt. Der Autor kündigte einen Text über Adolf Hitlers Rolle als V-Mann in der NSDAP an. Und schrieb: Erst bespitzelte Hitler eine Partei, dann übernahm er sie, und am Ende richtete er mit ihr halb Europa zugrunde. Vom V-Mann zum Massenmörder, schrieb der Autor, und darum müsse man sich angesichts von Zwickauer Neonazis und gleich einer Hand voll Spitzel vom Verfassungsschutz grundsätzlich fragen: Wem dienen V-Männer?
Der Bogen von der zeitgeschichtlichen Parallele von Hitler als Reichswehrspitzel zu den möglichen Hitlers im Bundesamt für Verfassungsschutz vor dem Hintergrund der durch die Wirtschaftskrise angespannten politischen Situation innerhalb der Europäischen Union war sozusagen eine Überschreitung des Rubrikons, also der sensiblen Trennlinie zwischen Zeitgeschichte und Satire. Kabarettreif also. Darf ich mal erläutern? Danke.
Der Rubikon war ein Grenzfluss des Römischen Reiches. Den durfte niemand ohne Erlaubnis der Behörden in Rom überschreiten. Wer rein wollte, musste sich anmelden. Wie man sich ohne Telefon in einer Behörde anmelden sollte, wenn man, um zu ihr zu gelangen, einen Fluss überqueren muss, den man aber ohne Erlaubnis nicht überqueren darf, weiß ich nicht, hat auch Julius Cäsar nicht interessiert, der den Fluss ohne Erlaubnis überschritt und infolge dessen in Rom einen Putsch durchführen musste, um Staatschef zu werden und straffrei aus der Sache hervorzugehen. Siehe Adolf den Späteren.
Der eine überschritt die Grenze des Reiches, Spiegel Online überschritt die Grenze zwischen zwei Rubriken, womit das Wortspiel zwischen Rubikon und Rubrikon erklärt ist.
Was jetzt noch zu klären ist, ist die Frage des NPD-Verbots. Muss man sie verbieten, oder reicht es, die Spitzel des Verfassungsschutzes aus ihr abzuziehen und mit anderen Aufgaben zu betrauen? Wer ist eigentlich eine größere Gefahr für die Demokratie: Die Finanzmärkte oder ein paar Brutalinskis aus der rechten Szene? Wenn in einem Land eine Gruppe von Rowdies aktiv ist, ist die Polizei zuständig für den inneren Frieden. Das friedliche Zusammenleben der Menschen ist tatsächlich gefährdet, wenn es Leute gibt, die morden, ballern und Schrecken verbreiten. Aber sie gefährden doch verdammt noch mal nicht gleich die ganze gesellschaftliche Ordnung. Oder doch? Nein. Eine Gefahr für die Gesellschaft geht von den politischen Steilvorlagen aus, die die NPD aufgreift, um auf Parteienebene Brutalität zu schüren. Aber dazu braucht man keine Geheimen Beobachter.
Dazu reicht, wenn wir als Publikum der Res Publica dem Schauspielensemble „NPD“ ein kräftiges „BUH“ entgegenrufen, was dann die Theaterkritiker der politischen Bühnen im Feuilleton auswalzen können.
Mittwoch16. November 2011
Autor: Hannes Nagel
Schulden wegwischen
Den Anthropologen David Graebner findet man nach Internetrecherchen in London am Goldsmith College der Universität. Zu Hause hat der den Angaben zufolge ein Buch mit dem Titel „Debt“ (Schulden) geschrieben. Frank Schirrmacher von der FAZ hat das Buch rezensiert und in seinem Text die Vermutung von „Das Flugblatt“ bestätigt, dass die derzeitige Schuldensituation der Wirtschaften zu Umsturz und Revolution führen könnten. Das Buch soll eine Abhandlung über 5000 Jahre Geschichte von Schulden – Staatsschulden wohlgemerkt – sein. Auf Deutsch ist es noch nicht erschienen. Nach der lektüre soll man verstehen können, was in der Wirtschaft bei der Verarmung der einfachen Leute vorgeht. Zumal ja die einfachen Leute die Schulden nicht machen, die der Staat anhäuft.
Schirrmacher geht leider nicht so weit zu sagen, dass man schon sehr kriminell denken muss, um die kriminellen Handlungen und Denkstrukturen in Banken, auf Märkten, von Unternehmern und Politikern zu verstehen. Der sogenannte kleine Mann auf der Straße geht soweit und spricht es aus.
Da muss unsereiner sich sehr beeilen, die Worte und Wertungen aus dem Volk aufzuschreiben. Denn was ist wichtiger? Das Frida Kopizeck vom Imbissbüdchen feststellt: „Die da oben sind kriminell“ oder das Angela Merkel sagt:“Deutschland geht es gut, wenn es mir gut geht“. Oder was sie da sinngemäss gesagt hat.
Schulden sind nichts weiter als Zahlen, die mit Kreide in der Mathestunde an die Tafel geschrieben werden. Wenn es klingelt, ist Pause und einer wischt die Tafel ab. Und danach ist Literatur. Ein Wisch, und gut ist. Bei Hochwasser, Polschmelze, Atommüll und Hunger geht das nicht so einfach.
Montag 14. November 2011
Autor: Hannes Nagel
Wie Banken Politik kaufen
Nach Ansicht von Deutsche-Bank-Mitarbeiter Josef Ackermann regulieren die Banken die Politik und nicht die Politik die Banken. Na, das käme ja auch gutt heraus, wenn die gekaufte Politik anfangen würde, den Banken ins Geschäft zu reden, ha?
Ackermann nennt den Arbeitsbereich, in welchem Banker sich und den Aktionären Politiker kaufen, „das politisch-regulatorische Umfeld“. Auf dem Feld hat der Herr freilich nichts zu suchen, weshalb ihm die Occupy-Bewegung ein fröhliches „Mach Dich vom Acker, Mann“ zurufen sollte.
Aber er kann ja nicht, er hat ja mit dem Regulieren von renditefeindlichen Wildwüchsen im sozialen Engagement der Politik derartig viel zu tun, dass er sich nicht mal in den Aufsichtsrat berufen lassen kann. Und dann muss er noch die politische Justiz regulieren, die gerade versucht, ihm ein Verfahren wegen Prozessbetruges anzuhängen.
Ein Unrechtsbewusstsein ist mit dem Verhalten von Josef Ackermann nicht verbunden. Reichtum, der nach Vermehrung strebt, scheint eine verengende Wirkung auf die geistigen und menschlichen Fähigkeiten ihrer Betreiber zu haben.