Neues von der Wespe (4)

Montag, 16.11.2009

Als die Wespe noch gar nicht im Nest war, gab es schon den Begriff „Selbsttragende Sicherheit“ in Bezug auf die politische Betätigung in Afghanistan, die ja ein Ziel haben muss, weil sie sonst ziellos wäre, und dann würde ja jeder sehen, was für ein verlogenes Vorhaben das Engagement dort ist. Und nun hat der rasch lernende Außenminister das Wort in sein Repertoire aufgenommen. Gleich fünf mal benutzte er es in nur einem einzigen Satz.

Übrigens: Selbstragende Sicherheit, das ist, wenn einer wie Merlin die Arme hebt, murmelt dazu einen unverständlichen Spruch, und Krieg, Konflikt und Widerspruch lösen sich auf. Und Statiker, wenn sie ein bautechnisches Problem haben, damit die Konstruktion nicht einstürzt, benutzen gerne mal Lufthaken, an denen sie das Bauwerk aufhängen.

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Apropos Amtsdeutsch

Hannes Nagel

Die unhöflichen Texte aus Amtsstuben grenzen an verbale Körperverletzung. Das war nicht immer so. Noch um 1990 herum gab es Behördenbriefe an Bürger, in denen bisweilen ein freundlicher Sprachgebrauch angewendet wurde. Wenn einem solchen schriftlichen Sprachgebrauch dann auch noch ein höflicher Umgangston folgt, wenn Bürger und Behörde sich Aug in Auge gegenüberstehen, könnte sogar eine kultivierte Kommunikation heraus kommen. (Wobei: Meist steht der Bürger und der Behördensachbearbeiter sitzt, und kaum kann er dem Bürger in die Augen schauen).

Die Höflichkeit ist vorbei. Wie so viele andere Umgangsformen, Rechte, Ansprüche, Möglichkeiten ist die Höflichkeit eingeschränkt, verweht, begraben, weg, perdu. Schade.

Eine Zeitung, die sonst eher als solides und biederes Behördensprachrohr auftritt, besann sich nun kürzlich auf ihre Kernkompetenzen. Sie erinnerte sich, dass eine der Aufgaben der Presse ist, Missstände in der Gesellschaft aufzugreifen, öffentlich zu machen und damit Voraussetzungen zu ihrer Korrektur zu schaffen. Und darum gab es einen ganzseitigen Artikel. Der hieß: „Deutschkurs für den Amtsschimmel“.

Darin ging es um Beispiele, wie in verschiedenen Regionen Deutschlands unverständliche Behördenschreiben umformuliert werden. Auf das sie verständlich werden. Denn Verständlichkeit ist die erste Stufe der Höflichkeit.

Weil Zeitungen nun aber auch den regionalen oder lokalen Bezug herstellen müssen, fragte die sie nach, was im Landkreis so für die Höflichkeit der Behörden getan wird. Im ganzen Land Mecklenburg -Vorpommern gibt es keine Versuche, die Behördensprache zu verbessern. Schrieb die Zeitung. Befragte Kommunen ließen extra gestelzt antworten, dass es keinen Grund gäbe und also alles gut sei, weil es der Vorschrift folge. Und das heißt frei übersetzt, dass die Behörden des Landes den Bürgern mitteilen, was sie sie können.

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Zensurähnlicher Zustand, Kriegsähnlicher Zustand

Autor: Hannes Nagel

Zuerst sprach er vom Krieg. Es sei zwar keiner, wie auch sein Vorgänger schon wußte, aber die Lage werde so empfunden, und zwar vor den Militärtätigen vor Ort als auch von den Menschen an der Heimatfront, deren Interessen am Hindukusch verteidigt werden. Und weil das alle so empfinden, soll man das auch sagen dürfen.

Es ist bekanntlich so, dass es keinen gerechten Krieg gibt, und daher müssten alle Soldaten wieder nach Hause geholt werden. Das wäre auch für die Familien besser beziehungsweise für die Freundinnen und Partnerinnen, damit die Weihnachten nicht alleine sein müssen. Aber die Meldung kam nicht in den Nachrichten. Stattdessen kam: Verstärkung. Noch mehr Leute dahin, wo sie nicht sein sollten. Etwas später war der Hauptbegriff der Überschrift modifiziert. Statt Verstärkung hieß es plötzlich Truppenaufstockung. Das ist, wenn die Verstärkung dazu dient, die Truppen zu einem massiven Angriff aufzustellen. Truppenaufstockung klingt also viel martialischer als Verstärkung und ist insofern ehrlicher. Und darum gefährlich. Und heißt dann wieder: Verstärkung des Kontingents.

Der Verteidigungsminister sprach von „kriegsähnlichen Zuständen“. Die Sprachregelung für den Einsatz von Euphemismen zur Beschreibung des Krieges ist demzufolge ein „zensurähnlicher Zustand“.

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Apropos Temperatur

Meinung und Kommentar

Dienstag, 10. November 2009

Autor: Hannes Nagel

Manchmal muss man ein wenig Abstand zu den Zusammenhängen herstellen, um sie zu begreifen. Was am eigenen Land zum Beispiel schön ist, versteht man am ehesten, wenn man im Ausland ist. Die Sprache zum Beispiel ist schön. Freundschaften, die man hat und pflegt, sind schön. Es gibt schöne Literatur und schöne Kunst. Schön ist das.

Nicht so schön ist, dass das Land in einer Krise steckt. Sie ist eigentlich eine Wirtschaftskrise, beeinflusst aber die Lebensverhältnisse jedes Einzelnen viel mehr und vor allem eher, als sie die Verhältnisse der Wirtschaftsbosse beeinflusst. Es ist auch nicht schön, dass es kaum jemanden gibt, der gleichzeitig mit der Lösung des Problems beauftragt ist und dann auch noch die Fähigkeit hat, genau dies zu tun. Das hat hat seinen Grund: Man kann das Problem nämlich gar nicht am Ort lösen. Man kann eine juckende Stelle am Fuß nicht behandeln und hoffen, dass die juckenden Stellen am Rücken gleich mit verschwinden, nur weil man an den Fuß besser herankommt als an den Rücken. Auf Politisch heißt das: „ Es geht um weit mehr als nur um die Bewältigung der Krisenfolgen. Die Karten werden weltweit neu gemischt“.

Genau. Und wer in diesem Poker einen Platz an der Sonne kriegt, braucht in der sozialen Kälte nicht zu frieren. Die andern haben dann einfach die schlechteren Karten gehabt. Sozusagen die Arschkarte.

Es juckt mir im Fuß, ihn dorthin zu bewegen, wo der Abdruck seiner Sohle nachhaltige Wirkung zeigt.

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Das Unwetterabschaffungsgesetz

Meinung und Kommentar

Dienstag, 10.11. 2009

Autor: Hannes Nagel

 Gesetze tragen oft bombastische Namen. Das Wort „Telekommunikationsüberwachungsverordnung“ war noch harmlos im Vergleich. Die Meisten gehen an solchen Wortungetümen kommentarlos vorbei. Für die Praxis setzt sich sowieso eine Kurzform durch, die sich gefarhlos aussprechen lassen.

Jetzt hat wieder ein Gesetz das Licht der Welt erblickt. Die stolzen Eltern gaben dem Kindchen den Namen „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“. (Am Namen der Kinder erkennt man zuweilen die, wenn sie davon befallen sind, hochtrabende Eitelkeit der Eltern)

Als die Verwandten und Bekannten, die Nachbarn und die Freunde, von dem Kind und seinem Namen hörten, schrieben sie den Eltern Briefe. Seefahrt und Dachdecker, Landwirtschaft und Tourismus wünschten sich sofort, dass das nächste Kind bei der nächsten Zeugung Unwetterabschaffungsgesetz heißen möge. Andere gingen so weit, den Eltern einen Zeugungsauftrag für ein „Gesetz über die Aufhebung unlösbarer Widersprüche“ zu erteilen. Wenn es aber ein Mädchen wird, dann soll es „Gesetz über die Heranholung der Sterne in greifbare Nähe“ heißen.

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Neues von der Wespe (3)

Montag, 09. November 2009

Es regnet und im Haus ist es kalt. Das kommt davon, dass das Heizen rund um die Uhr unwirtschaftlich ist, also teuer, und auch unsinnig, weil es nicht im Einklang mit Mutter Natur und Vater Gott ist. Immerhin treibt Stimmung dem Schläfer Adrenalin ins Blut und sofort aus dem Bett. Mit Adrenalin geht es weiter, nämlich bei der morgendlichen Zeitungslektüre. „Krise trifft vor allem Geringverdiener“, steht da. Gutverdiener von der Bertelsmann-Stiftung haben das heraus gefunden und in einer Studie aufgeschrieben. Wie die Studie heißt, steht nicht dabei. Aber der Grund ist erkannt worden: Die Agenda 2010 ist die Ursache.

Also die Krise trifft die Armen, und der Grund ist die Agenda 2010, also der Verarmungsplan für Menschen ohne Arbeit. Soweit ist das alles klar, das verstehen Hartz – Vier – Opfer und Arbeitssklaven. Aber warum treffen die Gegenmaßnahmen gegen die Krise dann auch zuerst die Armen? Ich wollte gerade Hans Werner fragen, ob der den Sinn davon versteht, aber da fiel mein Blick bereits auf die nächste Überschrift: „Top-Ökonom fordert regional gestaffelte Hartz-Vier-Sätze“. Die Wespe hat, so scheint es mir, recht willige Helfer. Und sie hat gesagt, mit ihr käme keine Kälte. Dann hat sie aber die falschen Helfer. Alles nur Kühlaggregate. Und wer heizt den Kamin für die Behaglichkeit?

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Apropos Krieg

Quergedachtes

Mittwoch, 4. November 2009

Autor: Hannes Nagel

Karl Theodor zu Guttenberg.ist der Name des Verteidungsministers. Johan Gutenberg war der Name des Buchdruckerfinders. Buchdruck und Öffentliche Äußerung haben mit Wörtern zu tun. Heute geht es um das Wort „Krieg“. Krieg ist das Verbrechen, das derzeit unter anderem in Afghanistan durchgeführt wird. Guttenbergs Vorgänger (hieß Jung, ist jetzt Arbeitsminister) hatte das, was auch mit deutscher Beteiligung in Afghanistan vor sich geht, nie als „Krieg“ bezeichnet. Er jonglierte mit sprachlichen Ersatzbegriffen, zum Beispiel „Stabilisierungseinsatz“ und „risikobehafteter Einsatz“. Nun also Guttenberg. Der sagte, er könne verstehen, dass der Zustand da als so etwas ähnliches wie Krieg empfunden wird. Darf man dann eigentlich auch Guantanamo als so etwas Ähnliches wie ein KZ empfinden? Und dann sogar so bezeichnen? Was ist „So etwas Ähnliches“ wie Krieg? Jungs Vorgänger Peter Struck hatte mal gesagt: „Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“. (Seht Ihr mal, wie lange der Krieg schon dauert). Und so etwas Ähnliches wie Peter Struck hatte ein anderer Militärexperte der deutschen Geschichte auch schon mal gesagt. Besser geschrieben. Nämlich Friedrich Engels, Sie wissen schon, der Kumpel von Karl Marx. Überschrift: „Der Rhein wird auch am Po verteidigt“. Das hatte mit Bismarck und dessen Politik bezüglich Oberitalien zu tun. Ich erkläre den Kontext  aber nur, damit keiner den Po für den Arsch hält, sonst fühlt sich nachher noch jemand aus Berlin in denselben getreten.

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Apropos Wettbewerb

Quergedacht

Montag, 02. November 2009

Ein blödes Sprichwort sagt: „Konkurrenz belebt das Geschäft“. Der erste, der den Spruch prägte, war mal ein Kleinstadtmonopolist mit einem Gemischtwarenladen. Zu ihm kamen sie alle, weil sie dort Gummistiefel, Brot, Hühnerfütter, Schrauben, Werkzeuge, Tinkturen für die Wehwehchen und sonstige Waren und Dienstleistungen aus einer Hand kaufen konnten.

Eines Tages kam Unruhe in der Straße auf. Denn in dem Laden gegenüber des Geschäftes des Kleinstadtmonopolisten zog jemand ein. Der verkaufte dasselbe wie der Exmonopolist. Nun gab es zwei. Dem Exmonopolisten ging die Lage mächtig an die Nieren, aber er durfte es ja nicht so zeigen, weil ein ungeschriebenes Gesetz der Wirtschaft zur Lüge verpflichtet. Den Aufschwung zum Beispiel muss man lächelnd verkünden, auch wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, und bloss nichts dem Volk oder den Kunden erzählen. Und deshalb sprach der Exmonopolist: „Lass ihn doch, Konkurrenz belebt das Geschäft“. Der andere, also der, der gemeint war, dachte im Prinzip genau so. Aber er spricht lieber von Wettbewerb. Er wolle ihm nicht Konkurrenz machen, sondern ein fairer Mitbewerber um die Kunden sein, also mit ihm um die Wette wie beim Sport buhlen. („Los, wer mehr Kunden am Tag hat, der kriegt eine Handvoll Glaskugeln“)

Das Wort „Wettbewerb“ taucht auch im Sprachgebrauch von Gesundheitsminister Phillipp Rösler auf . Der Mann kommt, wie das Wort Wettbewerb schon sagt, aus der FDP. Rösler will mehr Wettbewerb zwischen den Krankenkassen. Die Kranken und Bedürftigen sollen mehr Wahlmöglichkeiten bei der Entscheidung für eine Krankenkasse haben, bei der sie versichert sind, und deren Leistungen sie haben wollen. Die Kassen sollen untereinander selber entscheiden dürfen, was sie anbieten. Also wenn der Gemischtwarenhändler von der anderen Straßenseite zwar billiger ist, aber keine Gummistiefel führt, stehen die Kunden mit nassen Füßen im Regen. Das ist gut für den Wettbewerb, denn der belebt das Geschäft, aber nicht gut für Kunden, die den Schnupfen kriegen.

Was für die Geschäftemacher ein Wettbewerb ist, ist für die Kunden ein Stressfaktor. Bezogen auf die Krankenkassen: Glauben Sie, dass jemand, der medizinische Hilfe braucht oder eine Heiltherapie gegen die Folgen von Stress und schlechten Arbeitsbedingungen, von sozialer Kälte und Existenzängsten, vielleicht doch andere Sorgen hat, als sich mit den Stressorganisatoren, Verzeihung, Wettbewerbshütern, der FDP zu befassen.

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Neues von der Wespe (2)

Montag, 02. November 2009

Die Wespe ist sozusagen auf Kavaliersreise. Dort soll sie lernen, wie man sich in fremden Salons benimmt. Die Wespenkönigin hofft, dass das kleine Brummerchen nicht ungefragt um fremder Leute Ohren summt. Denn, nicht wahr: A bisserl lästig ist die Summserei schon, gelle?

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Apropos Humanitäre Hilfe

Quergedacht

Samstag, 31. Oktober 2009

Freiheit, Wirtschaft und Gerechtigkeit haben eins gemeinsam: Es sind Wörter. Jeder darf sie benutzen, keiner muss einen anderen um Erlaubnis fragen. Wenn ein Pfarrer und ein Volkswirtschaftler von Freiheit, Wirtschaft oder Gerechtigkeit reden, können sie zwar das gleiche Wort benutzen, aber etwas völlig Gegensätzliches ausdrücken. Das Phänomen ist auch bei beliebig vielen anderen Berufsgruppen zu beobachten. Womöglich wächst ein Wortschatz ziemlich langsam, während das Denken ziemlich schnell immer knapper wird. Das würde erklären, weshalb ein und dasselbe Wort eine Bedeutung haben kann und gleichzeitig zur Beschreibung des Gegenteils verwendet wird. Wie zum Beispiel „Humanitäre Hilfe“. Die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ versteht darunter etwas Anderes als Außenpolitiker, die oftmals Militär irgendwo hinschicken und das militärische Tun dort als Humanitäre Hilfe bezeichnen. Die Ärzte-Organisation lud für den 30. und 31. Oktober zu einem Kongress nach Berlin ein. Der elfte Kongress seiner Art, um genau zu sein, und der heißt „Humanitärer Kongress“. Auch dabei: Das Deutsche Rote Kreuz, die berliner Ärztekammer, das Institut für Sozialmedizin, Epidemologie und Gesundheitsökonomie und die Organisation Ärzte der Welt. Es soll ein Erfahrungsaustausch werden. Was erfahren Helfer in Krisengebieten, Katastrophengebieten, Kriegsgebieten immer wieder? Das es schwer ist, Zugang zu den Opfern zu bekommen, die Hilfe brauchen, weil andere, die ihr Tun mit dem Begriff „humanitäre Hilfe“ kaschieren, die medizinischen Helfer behindern. Oder, wie es auf der Webseite der Organisatoren heißt (www.humanitaererkongress.de) „Probleme der zivil-militärischen Zusammenarbeit“.

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