REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für März 2016 ist fertig

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ende März gibt es Ostereier. Anfang März gibt „Das Flugblatt“. Zwei von den bestellten Rezensionsexemplaren für den Literaturteil gab es erst kurz vor Redaktionsschluss. Ein krimi fehlt noch, den gibts dann am 1. April. Wie gefällt Ihnen die Vorstellung von Liedtexten zum Zeitgeschehen? Neuerding wirkt ein Kollege am Flugblatt mit, der sich ein Stück weit mit Musik auskennt. Mit Musik kann man ja auch Meinungen sagen. Also muss Musik ja für eine Zeitung passen, die sich mit Meinungsvielfalt befasst. Lieder soll man genauso wenig unterdrücken wie Gedanken, Ansichten, Lösungsvorschläge oder den Niesreiz. Mitte Februar schrieben verschiedene Zeitungen, dass Papst Johannes Paul eine Beziehung zu einer Frau hatte. Wunderbar. Erst hatte ich beim Lesen gedacht, die Rede wäre vom Derzeitigen. Und mir war klar, warum der immer so entspannt wirkt. Eigentlich sollten vom Tagelöhner bis zum Spitzenpolitiker alle Berufsgruppen Anspruch auf ein zufriedenstellendes Liebesleben haben. Es gäb dann weniger Streit. Und kein Sachbearbeiter würde seinen Frust an Bittstellern ablassen. So, liebe Leserinnen und liebe Leser, lasset den Frühling das Seine tun. Die musische Direktorin genehmigte folgende Texte:

Aproposia:  Schüssse in die Luft

Feuilleton-Rezension:   Mein Kampf gegen rechts

Feuilleton -Rezension: Schwarzes Gold am Bodden

Feuilleton-Zeitgeist:      Haus und Hausmacht: Innenpolitische Immobiliendeals

Gruppe 20: Bedingungslose Grundeinkommen oder Unbedingtes Arbeitseinkommen?

Es lebe der Frühling –lasset die Hormone und die Korken knallen

Bestes Lesen

Hannes Nagel

Das Flugblatt 101-01-03-2016 neues Layout

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Rezension: Schwarzes Gold am Bodden

Rezension „Schwarzes Gold am Bodden“

„Mit der Ölsuche sprudelten Krimi-Ideen“

von Helene Musfedder

Zwischen 2010 und 2015 suchte eine kanadische Firma Erdöl in Saal. Sie nannten die Bohrstelle Barth-11 und wenn ich meinem Chef glauben darf, der damals darüber geschrieben hat, hatten die Kanadier eine bemerkenswert starke PR-Kompanie zu Diensten, die im Grunde nur zwei Aufgaben hatte: Den Grünen zu erklären, dass hydraulische Stimulation kein Fracking ist, auch wenn es so aussieht, und der Bevölkerung zu erklären, dass mit dem Öl Arbeitsplätze kämen. Die Arbeitsplatzinhaber in der Tourismusbranche fühlten sich davon aber ein Stück weit angeschmiert. Denn die Ölförderung würde zu Lasten der touristischen Einkünfte der Region gehen. Die kriminelle Fantasie war angeregt. Es ging nur noch darum, ob sie literarisch bleiben oder buchstäblich werden würde. Da konnte ich nicht ruhig im Leselümmelsessel sitzen und rezensieren. So abgebrüht bin ich ja dann doch noch nicht. Burkhard Wetekam heißt der Mann, dessen Ostseekrimi mir die Grenzen meiner eignen Abgebrühtheit aufzeigt. Die Handlungsorte sind Zingst und Barth. Damit kommt Zingst zum zweiten Mal in seiner relativ kurzen Dorfgeschichte als literarische Tatregion vor. An mindestens zwei Stellen des Krimis sagen literarische Handlungsbeteiligte wortwörtlich Dinge, die man, wenn man dabei war, wiedererkennen kann. . Zum Beispiel die Szene der Verkostung der Spülchemikalien vor den Augen, Kameras, Ohren und Notizblöcken der Journalisten bei einem Pressegespräch. auf dem Bohrturm in Saal. Damals hatte der Geschäftsführer zum Beweis der Unbedenklichkeit der Bohrungen für das Grundwasser einen Finger in die Flüssigkeit getaucht und dann abgeleckt. Wobei – es sah vielleicht auch nur so aus. Kürzlich kam nämlich in einem anderen Zusammenhang der Gedanke auf: Wenn der damals zwar den Zeigefinger rein gesteckt, aber den Mittelfinger abgeleckt hat? Dann wäre dieser Taschenspielertrick keinem Journalisten aufgefallen. Den Krimi zeichnet ein beachtliches Geschick aus, mit dem der Autor die Zustände einer Stadt darstellt ohne sich zwischen offensichtlicher Lobschwindelei einerseits oder verächtliche Gehässigkeiten andererseits zu verlieren. Das kann nicht jeder. Versuchen Sie es – ein ausgewogenes Bild der Stadt zu zeichnen ist schwer, beinahe unmöglich. Zweitens zeichnet den Krimi ein geschickter Umgang mit der Vineta-Sage aus. Manche behaupten ja, Vineta sei Barth und bauen darauf ihr Stadtentwicklungskonzept. Wenn man dann darauf hinweist, wie es und aus welchen Gründen der Sage nach mit Vineta zu Ende ging, erntet man böse Blicke. Ähnliches Ansehen erwirbt auch, wer bezüglich der touristischen Bebauung von Zingst sagt: „Vineta hat auch so angefangen“. Drittens zeichnet den Krimi ein geschickter Umgang mit den großen Gaunern und den kleinen Gaunern aus und wie die Erkundungsbohrungen in Saal mit branchenüblichen Gaunereien zusammen hängen könnten. Das erzählt aber nur der fiktive Bauunternehmungsgauner des Romans, der sich schon mal rechtzeitig Grundstücke an der Bahnstrecke gesichert hat – falls mal eines Tages diverse Kesselwagenzüge mit Öl abtransportiert werden müssen. Dann will man ja in manchen Kreisen wenigstens noch ein bisschen die Hände aufhalten, um etwas Geld für sich selbst aufzufangen. Die Neigung zu gewalttätigen Formen der sonst üblichen Branchenkriminalität werden hier den kleinen Gaunern überlassen, wobei es interessant sind, dass die lokalen Geldeliten und Einflussgrößen noch lange nicht die Großen im Spiel sind. Erst beim Übergang von den Ölbohrern zu den Gesellschafterkreisen ahnt man, wer die großen Gauner sind. Und so kommt es, das eben einer noch zu den Kleinen gehört, obwohl er die dickste Protzyacht im Hafen zu liegen hat. Immerhin nutzt er sie auch zu mehr als einem malerischen Postkartenmotiv.

(Burhard Wetekam, „Schwarzes Gold am Bodden“, Hinstorff-Verlag, Rostock 2016)

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BEWEGUNGSMELDER: Innenpolitische Immobiliendeals

Feuilleton-Zeitgeist
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„Innenpolitische Immobiliendeals“

Ein Haus und eine Hausmacht.
Als es noch Kleinstaaten und Kleinherren mit Großmachtsansprüchen gab, hatten sie im weitesten Sinne die gleiche Aufgabe zu bewältigen, die heute parteipolitische Damen und Herren zu bewältigen haben, wenn sie sich im Politikbetrieb durchsetzen wollen: Sie brauchen eine Hausmacht. Eine Hausmacht hat man, wenn man gegen den Parteichef stänkern kann und dennoch so viele Unterstützer besitzt, dass man auch beim nächsten Mal zur Wahl einen garantierten Listenplatz bekommt. Eine Hausmacht zeigt sich heute in der größe und der Qualität der Vernetzung. Vor nicht allzu langer Zeit sagte man dazu „Beziehungen“. Vor etwas längerer Zeit, im Mittelalter ungefähr, war ein festes Haus Symbol einer Hausmacht. Das „feste Haus“ war aber mindestens eine Burganlage mit Bewirtschaftungsgrundlage. Mit einer Bewirtschaftungsgrundlage war es immer ein Stück weit möglich, den chronisch klammen Finanzbedarf zu decken oder die Löcher in der Kasse wenigstens nicht allzu groß werden zu lassen. Insoweit geht es Parteien, ihrem Führungspersonal und jungen Absolventen von Karrierebrütern, die noch etwas werden wollen, wie den aufstrebenden Rittern, Junkern und Baronen des Mittelalters.Es gibt aber auch noch einen Gegensatz zum Hausmachtskonzept. Das ist das uralte Streben nach eigenem Hof und eigenem Land, mit dem sich eine Familie oder Sippe über Generationen hinweg ernähren könnte.

Spekulatives und Politisches Landgrabbing.
Wer mit Landwirtschaft reich werden will, verdrängt Konkurrenten. Darum sind selbst ungenutzte Brachflächen heiß begehrt. Selbst man sie nicht nutzen kann, kann man andere an der Nutzung hindern. Auch verfallene Gehöfte sind – solange man den Denkmalschutz mit seinen Vorgaben draußen lassen kann – sind durchaus interessant. Eine abgelegene Baumschule für den unkontrollierten Anbau von Cannabispflanzen kann da genauso interessant werden wie ein undurchschaubarer Eintrag von Wegerechten über fremde Grundstücke. Wenn einmal ein Wegerecht im Grundbuch steht, ist es fast so schwer wieder zu entfernen wie ein lästiger Pickel am Hintern. Entscheidend ist bei Grundstücksgeschäften, wer wann als Eigentümer im Grundbuch eingetragen ist. Das hängt zum Teil von der Bearbeitungszeit im Grundbuchamt ab und zum Teil von der beschleunigenden Wirkung des Käuferportemonnaies auf den Bearbeitungseifer. Wessen Betrieb als Landwirt zu klein ist, um Versicherungen, Bauvorschriften, EU-Regelungen und dann auch noch Steuern zu zahlen und Investittionskredite zu bezahlen, gerät sehr schnell ins Visier von Investoren, deren Ziel es ist, sich das Land zu greifen. Daher nennt man dieses „Geschäftsmodell“ Landgrabbing. Spekulatives Landgrabbing zielt einfach nur auf den jämmerlichen Profit, den man aus dem Boden ziehen kann. Das politische Landgrabbing drängte sich Ende Januar 2016 erneut auf. Dies geschah durch einen Newsletter der frankfurter Politiktätigen Jutta Ditfurth. Sie schrieb darin, dass das Rittergut Kohren-Salis vom Amtsgericht Leipzig versteigert wurde und dass seitens des Neubesitzers der Verwendungszweck „KZ“ angegeben worden sei. Ob die Aussage tatsächlich gemacht wurde, konnte niemand sagen. Alle, die Kenntnis von ihr hatten, sagten, sie würden die Aussage nur aus der Presse kennen. Das ist ein wenig wenig. Stattdessen kann man aber heraus finden, dass die Versteigerung bislang noch gar nicht rechtskräftig wurde. Denn es gibt zwei Widersprüche gegen die Eigentumsübertragung der Flurstücke BV-Nr. 1, Flst. 360/2 zu 430 Quadratmeter und BV-Nr. 2, Flst. 360/8 zu 60.046 Quadratmeter. Über zwei der vorherigen Besitzer schrieb Ditfurth, einer sei ihr antisemitischer Urgroßonkel gewesen und der letzte vor der jüngsten Versteigerung ein Herr Karl-Heinz Hoffmann, der als Beruf „Leiter einer Wehrsportgruppe“ angab. Das mag mindestens einen der eingelegten Widersprüche gegen die Besitzübertragung erklären. Die Widersprüche werden zur Zeit noch geprüft, erklärt das Amtsgericht Leipzig. Eine neue Entscheidung müßte dann das Landgericht fällen. Darum kann das Grundbuchamt auch keine Informationen über Bebauung und Erschließung heraus. Diese könnten aber weiterprüfbare Hinweise auf Nutzungsmöglichkeiten oder beabsichtigte Verwendungszwecke enthalten.

Der Rest ist schon Archiv.
Zum Thema Landgrabbing – ob politisch oder spekulativ – besagen ausreichend Informationen, dass das Landgrabbing kein Einzelfall ist. Es sind aber zu wenig und zu schlecht geordnete Informationen, um Aussagen über eine neue Landverteilung mit welchem theoretischen Nutzungspotential zu machen. Landgrabbing betraf zunächst auch nur Fälle, in denen die Existenzgrundlage Boden Menschen in Entwicklungsländern entzogen wurde. In Deutschland tauchte das Begriffsgespenst mit der vereinigungsbedingten Sonderkriminalität auf. Ein politischer Witz der Wendezeit ging so: „Die Einheit ist erst dann abgeschlossen, wenn kein Ossi mehr im Grundbuch steht.“. Medial interessant wurde Immobiliengeschäfte erst dann, wenn im Zusammenhang mit den Geschäftspartnern wahlweise von alten Seilschaften oder politischen Rechtsaußen-Parteien berichtet werden konnte. Eine zufällige Anfang Anfangssammlung lieferte Fundstellen in den Zeitungen Märkische Oderzeitung, Sächsische Volkszeitung, Tagesspiegel, Focus, Spiegel Online und Stuttgarter Zeitung. Darüber hinaus gab es innerhalb der Artikel auch einen Bezug zu einer parlamentarischen Anfrage betreffend den Immobilienerwerb rechtsextremer politischer Strömungen. Eine private Website befasst sich ehrenamtlich mit dem Anfangsversuch, Übersicht in die politischen Besitzverhältnisse von Immobilien zu geben: netz-gegen-rechts, auch mobile Beratung in Thüringen genannt. In kurzer Zusammenfassung lautet das Ergebnis: Rückgehend bis 2010 sollen sich derzeit 260 Immobilien im Beitz oder regelmäßiger Nutzung durch Rechtsextreme befinden. 48 Objekte sollen sich in Sachsen befinden. 27 in Thüringen und 26 in Bayern. Ein Drittel ist unmittelbarer Grundbesitz, zwei Drittel werden nach Bedarf angemietet oder sind dauerhaft in Miet oder Pacht.
Bleibt zu beobachten: Zur Zeit verbreitet sich der Eindruck, dass manche Immobiliendeals innenpolitische Auswirkungen haben. Bisher widerspricht nichts dem Eindruck, dass sich damit der Neoliberalismus auf einen globalisierten Endkampf vorbereiten könnte. Dann aber sst der Neoliberalismus eine Gefahr für den Weltfrieden.

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Tagesbemerkung Montag, 22.Februar 2016

Tagesbemerkung
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Montag, 22. Februar 2016
Zur Höflichkeit gehören heute unvollständige Sätze und permante Weigerung, sich namentlich vorzustellen. Jedenfalls bei einer Ablesefirma aus Hamburg. „Einmal Kaltwasserablesung, Funk is ausgefallen“ sagte der Mann ohne Namen, der dies auch auf mehfache Bitte nicht korrigieren wollte. Oder konnte. Darum jetzt bitte nicht lachen, ober so jamand lacht man nämlich nicht. Der Mann lamentierte darüber, dass ich seine Ablesung in mein Ablesbüchlein eiuntrug. „Ihre Ablesung ist sowie bedeutungslos, uns interessiert nur das Funkergebnis.“ „Ach, frug ich interessiert, „ich denk das is kaputt?“ Der Mann zog es vor, weiterhin unhöflich brubbelnd das Haus zu verlassen.

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Tagesbemerkung Mittwoch, 17. Februar 2016

Bedingungsloses Grundeinkommen oder unbedingtes sozialversichertes Arbeitseinkommen

Nehmen wir einmal an, dass ein  bedingungsloses Grundeinkommen möglich ist. Warum sollte es dann nicht auch möglich sein, jedem Menschen ein sozialversichertes Arbeitseinkommen in mindestens gleicher Höhe zu zahlen? Welche Argumentge gegen gegen ein unbedingtes Arbeitseinkommen hätten die Ablehner eines bedingungslosen Grundeinkommens?

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REZENSION: Mein Kampf gegen rechts

Rezension „Mein Kampf gegen rechts“

„Der Umgang mit Adolf Krakeelnik: Verkrampfte Reflexe“

Es gibt ein Buch, welches nach dem Ende des Urheberrechtschutzes Gemeingut wurde. Theoretisch kann es jetzt jeder ohne Beachtung von Urheberrechten veröffentlichen. Da wollte ein verein Zeichen setzen und eröffnete den Kampf um die Deutungshoheit seinerseits mit dem Titel Mein Kampf gegen Rechts – was wie eine Anlehnung an eine der ersten Rezensionen der 26er Werkvorlage klingt. Die hieß „Mein Kampf mit der deutschen Sprache“. Leider nicht belegbar. Weder im Archiv der Vossischen Zdeitung noch im Internationalen Zeitungsarchiv Aachen war eibn Beleg zu finden, obwohl seine Existenz stets behauptet wird.

Nun ist es so: Manche reduzieren den Inhalt eines Buches auf den Nachwortautoren, dem sie zu besonderem Dank verpflichtet sind. Andere schauen sich das Buch wenigstens an. Der Krampf mit dem Buch begann schon 1926, als der weitgehend unbekannte Adolf Krakeelnik sein Erstlingswerk „Mein Kampf“ vorstellte. Es soll etwa 56 Rezensionen in deutschsprachigen Zeitungen geben. Zusätzlich gab es in den Feuilletons auch noch Verbalscharmützel unterschiedlich gefärbter Geistesgrößen. Adolf Krakeelnik hätte sein Buch auch „Ich über mich aus der Sicht von mir und was ich tue, wenn Ihr mich lasst“ nennen können. So geriet schon der Titel dem Nachwuchsschrifteller zur Lüge. Und die feuilletonistischen Geistesgrößen spotteten nur über den Sprachgebrauch von Adolf Krakeelnik. Weil es so naheliegend ist, fügten sie dem Wort Kampf ein r bei, so dass die Rezensionen Titel trugen wie „Mein Krampf mit der deutschen Sprache“. Das Lächerliche wurde jedoch zur Grausamkeit, als es sich skrupellos der Gewalt bediente. Gerade 2016 endeten die Urheberrechte des Buches, die allein Nachdrucke in Lizenzen erlaubt hätten. Im Urheberrecht nennt man das Ende des Urheberrechtsschutzes 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers oder seiner direkten Nachfahren „Gemeingutwerdung“ des Erzeugnisses. Bei Krakeelnik gab es keine Nachfahren – außer im Geiste -, so dass das Buch 2016 abschließend gemeinfrei wurde. Schon geht das Gezerre los. Soll es für den Schulunterricht freigegeben werden, und wenn ja, wie sollen junge Leser dann noch in der Fülle von Anmerkungen, Kommentaren und Fußnoten den eigentlichen Text erkennen? Meine Faustregel zur Textechtheit dieses Buches: Je heftiger das Kotzen und je ekliger die Alpträume, desto originalgetreu ist der Nachdruck. Ähnlich musste das auch der Europaverlag empfunden haben, der gerade unmittelbar, nach der Gemeingutwerdung seinerseits das Buch „Mein Kampf – gegen rechts“ heraus brachte. „Mein Kampf“ sieht in Layout der zwei Titelwörter und in der verwendeten Schrifttype samt farblichem Hintergrund wie ein Faksimile des zugrundeliegenden Originals aus. In dem Buch erinnern mehrere Prominente daran, was ihr eigenes Tun und ihr eigenes Leben mit Widerstand gegen den Nationalsozialismus und Widerstand gegen ein neuerliches Erstarken von Adolf Krakeelniks „Gedankengut“ verbindet. Oft ist von Kampf die Rede, aber das Wort erhält immer das Attribut gewaltfrei. Kämpfe, die mit Gewalt ausgetragen werden, erzeugen ihre „Feinde“ meistens erst dadurch, dass sie Feinde ernennen, die zu vernichten oder zu beseitigen seien. Feindschaften kann man aber auch beseitigen, in dem man sie unwirksam macht. Nazis ohne Gewalt sind einfach bloß lächerlich, Militärmusikkorps können sogar recht unterhaltsam wirken – Stichwort Operette, und ein gemeinsames Lachen erzeugt eine schöne Grundstimmung für ein freies Leben. Daher kommt es, das beim Umgang mit Adolf Krakeelnik und neuerdings auch wieder seinem Buch demokratische Reflexe auftreten. Aber wenn die Refelxe noch stimmen, ist noch Leben vorhanden. Das Merkwürdigste überhaupt an dem Buch ist, dass es im Grunde keinen namentlichen Verfasser hat und als Herausgeber einen Verein mit dem Namen „Gesicht zeigen“ nennt. Man darf vermuten, dass das Feuilleton sein letztes Wort noch nicht gesprochen hat. Auch wenn es lieber zum Zeitgeist übergehen will.

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BARON VON FEDER: Wenn Vereinsmeierei zur Anbetungshuldigung wird

Baron von Feder

„Wenn Vereinsmeierei zur Anbetungshuldigung wird“

Zwischen all den heutigen Bewegungen und Initiativen zu Kapitalismuskritik, solidarischem Armutsbeistand und Rassismus sowie Fremdenfeindlichkeit ist ein Wettlauf um die beste Startposition auf dem Weg zum führenden Platz in der Sozialgeschichte in der Etappe des neoliberalen Sozialfaschismus im Gange. Manchmal machen sich verschiedene Initiativen auch für Bücher stark. Im Idealfall schicken sie ein Rezensionsexemplar an einen Rezensenten, der es dann liest und eine Rezension schreibt. Schließlich lässt die Vereinsarbeit selbst kaum noch Zeit, selber eine Rezension zu verfassen. Nun ist es ja so, dass Hitlers „Mein Kampf“ jetzt wieder erscheinen darf, und prompt erschien ein anderes Buch, welches so ähnlich heißt, nämlich „Mein Kampf gegen rechts“.(Europa-Verlag, Berlin 2016). Nun ist eine Göttinger Initiative in der wohlgemeinten Absicht, das Buch der Berliner Kollegen öffentlich bekannt zu machen, ziemlich heftig auf die absurde Außenkante geratscht. Es hat nämlich ein Mitvorsitzender der Göttinger Initiative ein Nachwort zu dem Buch geschrieben. Nun reduziert der Verein die Lektüre des Buches auf die Lektüre des Nachwortes. Auf Anfrage bestätigte der Hauptvorsitzende, das Buch selbst noch nicht gelesen zu haben und es daher auch nicht als Rezensionsexemplar an die Rezensenten schicken zu können. Man kann es sich aber vom Europaverlag anfordern. Warum aber soll man dann eine Anbetungshuldigung des Nachwortverfassers schreiben – und wie kommt eine Redaktion darauf, genaus dieses Ansinnen an Leser und Rezensenten heran zu tragen? Ich kann es mir nur so erklären, dass der Redaktion die Reflexe durchgegangen sind.

PS: Nach der Veröffentlichung relativierte sich das Bild durch den Erklärungszusatz des Absenders, dass er mit dem Nachwort nichts zu tun hat:

„Der betreffende Artikel ist ganz sicher ganz direkt über K***** und R****** auf HdS gelandet, ich habe also mit diesen München-Peißenberger Vorgängen hier im fernen ******** nix zu tun.“
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REDAKTIONSMITTEILUNG: Das Flugblatt für den Februar 2016 ist fertig

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

dies ist die Ausgabe Nummer 100 des Flugblattes.

Das Flugblatt 100-01-02-2016 neues Layout

Wussten Sie, dass Sie alle, die „Das Flugblatt“ lesen, wenn man Sie als Gruppe betrachten würde, jeden Monat 200 Leute sind? Mal kommen welche hinzu, mal springen welche ab. Die Leserzahl bleibt Pi mal Daumen relativ konstant. In dieser Ausgabe hat sich ein Liedtext eines österreichischen Liedermachers einen Startseitenplatz erworben. In dem Lied geht es um Freiheit. Die Freiheit ist ein ganz seltenes Lebewesen, welches daher für jeden zur Ansicht im Zoo ausgestellt wird, aber niemand das Lebewesen. Kann ja auch keiner, denn indem die Freiheit eingeengt wird, verschwindet sie, und niemand weiß, wohin. Das Feuilleton hat im Rezensionsteil zwei Bücher: Eine Fabel vom Frieden und der Friedenserziehung der Menschen durch die Schöpfung, weil die Menschen selbst zu doof oder zu arrogant dazu sind. Daher reicht es nun der Schöpfung. Sie sagt: „So nicht mehr. Sondern jetzt so.“ Zur Entspannung gibt es dann noch eine Rezension eines Büchleins mit 117 Gedichten. Um dann doch noch ein wenig bei den Gleichnissen zu bleiben, geht es beim Thema Zeitgeist umd Zeitvergleiche. Die Langversion erscheint etwas später als Essay-Broschüre, wie bisher schon „Was der Zeitgeist wispert“, „Meinungsvielfalt am Gängelband“ und „Wenn Informationen verunsichern“. Auf Wunsch schicke ich diese Broschüren gegen Zahlung von zwo Euro pro Titel und Exemplar zu. (Vorkasse ist am Einfachsten). Kulturbetriebliches gibt es aus Apolda, weil dort ein Schachdenkmal eingeweiht wurde. Baron von feder hat auch noch einen Tip: „Langsam gehn und pupen.“

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FEUILLETON-ZEITGEIST: Anstoss zum Zeitvergleich

Feuilleton-Zeitgeist

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Einmal wollte ein Gedanke einen
Sprung machen.
Er stürzte und verletzte
sich am Fuß.
„Seht, dort hinkt ein Vergleich“, sagten die Leute.
Es war aber kein Vergleich. Es war nur ein Gedanke.
Es dauerte lange, bevor ihn einer aufhob.

 

„Anstoß zum Zeitvergleich“

Die guten alten Zeiten

Märchen fanden in der Vergangenheit statt. Märchen waren, auch als sie noch lebendig erzählt wurden, nie Gegenwart. Märchen sind die ältesten Beispiele für Zeitvergleiche. Ihr Vergleichsmaß ist die Phrase: „Damals, als Wünschen noch geholfen hat“. Märchen sind Ausdruck von Unzufriedenheit und der Option „Wunsch“ zur Lösung von Problemen. Aber kein Märchenerzähler hatte die Lösung einer Krise oder eines sozialen Missstandes durch einen Wunsch jemals selbst erlebt oder dokumentiert. Märchenfilme sind keine Dokumentarfilme. Märchen erzählen zwar Geschichten, aber sie sind keine Zeitgeschichte. Ausdruck einer Literaturgeschichte, Kulturgeschichte oder Denkgeschichte sind sie indessen durchaus.

Manche sagen: „Das wär damals nicht passiert“

Ebenso wie das Märchenerzählen kann man Geschichte nur rückwirkend betrachten. Die Weite des Rückblicks ist begrenzt. Im Prinzip reicht sie nur so weit wie die Erinnerungen. Deswegen heißt es ja auch: „Ein Historiker ist ein Mensch, der sich erinnert.“ Als die Stadt Neustrelitz im Jahre 2015 Flüchtlinge aufnahm, erinnerten sich ältere Leute an ihre eigenen Erlebnisse als Flüchtling im Jahre 1945. Ihr Vergleichsmaß war das Versorgungsniveau. Sie verglichen das „Nichts“, was sie selber bekamen, mit der Erstausstattung der heutigen Flüchtlinge und schlußfolgerten: Sie bekommen den sozialen Wohlstand umsonst und finden es normal, ihn zu beanspruchen. Wer aber Vieles kennt und daher Einiges vergleichen kann, der kann und muss auch hier differenzieren. Bei ungenügender Differenzierung haben schon mehrfach Leute gesagt: „Unterm Führer hätts das nicht gegeben“. Das scheint ein unzureichendes Vergleichsergebnis zu sein. Erstens fehlt dem Vergleich, was es „unterm Führer“ dann eben doch alles so gab: Straßengewalt der SA, Denunziation, Arisierung jüdischen Eigentums, eine Rassenunsinnslehre und einen Vernichtungskrieg. Wenn hier noch was fehlt, läuft das unter „und dergleichen mehr“.

Manche sagen: „Es geht schon wieder los“

Eine andere Form des Zeitvergleichs ist die Suche nach Übereinstimmungen mit bereits Vergangenem. Bei der Einführung der neoliberalen Hartz-Vier-Gesetze sahen wurden vielfach Vergleiche mit der Weimarer Republik gezogen. Die Vergleiche betrafen zumeist die Folgen der Entwicklung des Sozialabbaus unter Gerhard Schröder, Franz Müntefering, Peter Hartz, Ulla Schmidt und Wolfgang Clement. Am Ende der Weimarer Republik stand die nationalsozialistische Diktatur. An den Vergleichen der neoliberalen Jetztzeit mit der Weimarer Republik erkennt man, dass man bei Vergleichen immer auf den Bezug achten muß. „Weimarer Verhältnisse“ kann man in Bezug auf Arbeitslosigkeit, Radikalisierung und einem Ende der Unruhen sehen. Das hört sich beispielsweise so an: „Je stärker die Wirtschaftskrise die Bevölkerung belastete, desto mehr Menschen schlossen sich den Kommunisten an.“. Komisch nur, dass dann die Nazis gewonnen hatten und 12 Jahre Terror Andere bezogen ihren Vergleich allein auf die Wahlen und die Regierbarkeit des Staates und der Beherrschung des Volkes. Kein einziger vergleich der neoliberalen jetztzeit bezieht sich auf den Schwung in der Kultur. verallgemeinert wird dazu „Die goldenen Zwanziger“ gesagt. Ohne Hartz –Vier und Kriegsgefahr, aber Afd, Pegida und Neoliberalismus als „Witzableiter“, wäre zur Zeit ein guter Nährboden für Kabarett, Kleinkunst, Amüsement und seriöse Kultur. Zwar würden die Verhältnisse immer noch zwicken und zwacken, wie ja auch das Kabarett im Idealfall die Verhältnisse zwickt und zwackt, und die Kultur könnte auch mal schmerzhaft ausrutschen, aber die Kultur könnte nicht mehr mit der politischen Ausrede des Geldmangels und der immensen Finanzierungskosten kaputt gespart und kurz gegängelt werden.

Manche sagen: „Jedem schlägt jetzt seine Stunde“

Vor ein paar Jahren, als wegen Sozialabbau und Niedriglohnsektor samit aller damit zusammenhängeden Folgen Vergleiche mit der Weimarer Republik gezogen wurden, hielten manche einen neuen Führer für unmöglich, sahen aber bereits genügend willige Vollstrecker in den Startlöchern. Dann kam die Stunde der Partei „Alternative für Deutschland.“ (Manche sagen der Name steht für „Alternative zu Rechststaat und Demokratie“. Da möchte man dann doch genauer wissen, worauf man sich einlässt. Sie begann trat bei Wahlen auf und ist nun beinahe täglich in den Medien. Es muss doch nach all den Lehrangeboten zu Konfliktmanagement, Kommunikation und Friedensforschung möglich sein, dass sich eine Radikalisierung bei Teilen der Gesellschaft gar nicht zur Gefahr entwickelt. Wenn es gelungen wäre, der Hitlerei mit autogenem Training den rechten Arm so schwer zu machen, dass sie ihn nicht mehr hoch gekriegt hätte, wären Reichstagsbrand, Konzentrationslager, Deportation der Juden, Holocaust, Kristallnacht und Zweiter Weltkrieg vermeidbar gewesen. Nazi ohne Gewalt ist lächerlich, hat mal ein Kabarettist gesagt. Da könnte er recht haben.

1985 konnte man in einer Ostberliner Kneipenklotür einen Spruch lesen. Der ging so: „Mein Zweifel lässt sich schlecht verhehlen: / Ich seh so viele Parallelen. / Ich hab geprüft gesucht und sah: / Es war alles schon mal da.“. Das Wesentliche eines Zeitabschnittes war immer das, was Menschen mit der Zeit, die ihnen auf Erden gegeben war, gemacht haben: Kreuzzüge, Dreißigjähriger Krieg, Aufklärung, Entdeckungen, Kultur, Kunst, Erster Weltkrieg, Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg, Kalter Krieg, Neoliberalismus. Der Frieden aber bleibt bei dem, der ihn ans Herz drücken kann. Den Krieg besiegt man nicht mit Waffengleichheit oder Waffenüberlegenheit, sondern hinten rum, in dem man dem Krieg ausweicht. Parallelen sind schließlich unter anderem auch dafür gut, dass sie sich nicht in die Quere kommen Und wenn man sie dann so betrachtet, merkt man, wie wenig anders als das, was man ablehnt, doch selbst ist.

 

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REZENSION: Ich komm mal vorbei

Rezension „Ich komm mal vorbei“

„Er kommt vorbei und liest Gedichte“

Wenn einer einen Pürierstab als Zahnersatz bedichten kann, hat er vorn einen Sinn und hinten einen Sinn, den sogenannten Hintersinn. Wenn man schon einen Zahnersatz braucht, dann kann auch ein Pürierstab reichen, um den Mangel an Zähnen zu überbrücken. Denn ob die Kasse den Ersatz zahlt, ist nicht gewiss, gewiss aber ist, dass Pürierstäbe erschwinglich sind und für ein nahrhaftes Püree nicht unbedingt Zähne nötig sind. Zähne sind aber nötig, um Biss zu haben, und Biss haben im Grunde alle 117 Gedichte in Michael Krämlings Gedichtband „Ich komm mal vorbei“, erschienen im Andre Buch Verlag, Dassow 2015. Den Titel meint Michael Krämling wörtlich. Der reisende Dichter kommt tatsächlich längs und trägt seine Gedichte vor. Gern nimmt er dafür Kaffee und Kuchen entgegen und bietet die Bücher zum Kauf an. Es gab mal einen reimvirtuosen, der Ähnliches vollbrachte. Der Mann hieß Hansgeorg Stengel. Würde man Gedichte von Stengel und Krämling in einem gemeinsamen Buch veröffentlichen, so könnte man nur nach 2003 an der Jahreszahl erkennen, dass das Gedicht nur von Krämling sein kann. Dabei ist Krämlings Stil gar keine Nachahmung. Stil ergibt sich beim Dichten ja oft erst aus der Thematik. Zahnersatz, Beziehungsgeflechte, Alltagstücken und das Mitmenschenbenehmen sind ein weites Feld, auf dem noch viele Poeten vor dem Herrn ackern können. Wer sich da einen Reim drauf machen kann, leistet Großes im Bescheidenen.

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