FEUILLETON-ZEITGEIST:

Feuilleton-Zeitgeist

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„Alte Lügen, neue Gewänder“

 Von Nickelbrille

Es muss ja mal gesagt werden: Der Chef hat von Musik keine Ahnung. Der kann nicht mal Beatles, Stones und BeeGees voneinander unterscheiden. Alle andern kennt er erst recht nicht. Neulich haben wir ihn unter vorgehaltener Waffe gezwungen, folgenden Beitrag über Musik im Flugblatt abzudrucken: Es handelt sich um ein Lied von Hannes Wader. Das ist der hochgewachsene Mann aus der Friedensbewegung, der zuweilen mit Reinhard Mey gemeinsam singt. Sowohl Hannes Wader als auch das Flugblatt finden es doof, dass man in der heutigen Zeit schon wieder immer nur Friedenslieder singen muss, anstatt endlich mal Liebeslieder zu singen, die dem Frieden viel förderlicher wären. „Ja auch dich haben sie schon genau so belogen wie sie es mit uns heute immer noch tun“ heißt die entscheidende Zeile im Waderschen Friedenslied, welches nur mit einem anschließenden Liebeslied dennkbar sein sollte: „Dann wollen wir uns wälzen nach einem heißen Bad – im Schnee, und der wird schmelzen, weil er zu schmelzen hat“. Bis es soweit ist, werden die Lügen des Ersten Weltkrieges, in dem es außer dem Tod nichts Neues im Westen gab, und die Lügen von heute über Griechenland, Ukraine, Flucht in die Festung Europa, weil außerhalb der Festung schon die entfesselte Gewalt tobt die gleichen erbärmlichen Lügen sein, auch wenn sie im modernen Gewand der Zeit auftreten.

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APROPOSIA:Von Leuten, die auf Trittbretter abfahren

APROPOSIA

 Von Leuten, die auf Trittbretter abfahren

 Moderatorin: „Guten Abend, Erlauchte Runde, lasst es mich heute einmal sagen: Viele haben vieles bewegt. Es ist sehr einfach geworden, eine Internet-Kampagne oder einen Petitionsaufruf zu veröffentlichen. Oft haben schon nach wenigen Stunden viele unterschrieben. Was haben sie bewegt? Ihren Hintern? Oder nur den Mauszeiger über den Computerbildschirm? Wann ist Bewegung Bewegung? Wenn es ruckt oder wenn es wirkt? Und ist ein Medienecho bereits eine Wirkung? Kann eine Bewegung auch im Stillen wirken? Frisch auf ans Werk, Erlauchte Runde.“

Wahrheitskünder: „Danke, liebe Moderatorin. Tatsächlich ist es so, dass wir die Akteure einer Bewegung sind, aber immer gute Mithelfer brauchen, die unsere selbstlose Arbeit finanziell durch Spenden unterstützen. Liebe Moderatorin, es ist an der Zeit. Ihr Engagement als Mithelfer zu würdigen, auch wenn wir in dem einen oder anderen Punkt unterschiedlicher Meinung sind. Das macht ja grad die lebendige Demokratie aus, für die besonders unsere Bewegung unter der Führung ihres großen Denkers steht “

Moderatorin: „Oh Gott, Wahrheitskünder, hatten Sie nicht mal, so um die Gründung Ihrer Bewegung herum, den Anspruch, dass keine Initiative zum Dachverband aller Initiativen werden sollte, die ihrem jeweiligen Ansinnen Ausdruck verleihen?“

Wahrheitskünder: „Ich wundere mich über Sie, Moderatorin, dass Sie uns vom Pressestab des Großen Denkers so scharf angreifen. Aber gut, ich will Ihnen mit den Worten des großen Kons gerne aufzeigen, wo Ihr Denken fehlerhaft ist. Sie haben ganz offensichtlich meine – unsere- Aktivitäten nicht verstanden. Aber Sie können doch nicht leugnen, dass es gerade der große Kons und sein Pressestab sind, die Andere auf dem Gebiet des gesellschaftlichen Engagements mitzureißen.“

Zwischenrufer: „Sag mal, Wahrheitskünder und Claqueur-Kameraden, schämt Ihr Euch gar nicht?“

Unker: „Außerdem empfinden viele mit Befremden, dass Euer Kons sich an alle ran schmeißt, die er zwischen zwei alten Liedern zu einem Aufruf zum Aufstoßen bereits offener Türen verwenden kann. Trittbrettfahrer.  PR halt.“

Zwischenrufer: „Aufstoßen möcht man…“

Moderatorin: „Och nee, Zwischenrufer, bitte nicht.“

Wahrheitskünder: „Mit Verlaub, Zwischenrufer, ich bin sicher, dass Sie Ihre Meinung so gar nicht gemeint haben, sondern vielmehr, dass wir Akteure natürlich durch unsere tägliche Auseinandersetzung mit dem Thema präzisere Einblicke haben, die wir nunmehr gemäß unseres Auftrags den den Mithelfern nahebringen, damit einige von ihnen auch Akteure werden können.“

Unker: „Ach, kuck an. Und die, die täglich als Flüchtlinge, Arme, Hartz-Vier-Opfer haben keinen Einblick in ihre Not?? Was fehlt ihnen denn? Spiritualität oder Klassenstandpunkt?“

Wahrheitskünder: „Dann lassen Sie es mich noch mal in Ruhe sagen…“

Zwischenrufer: „Lieber nicht.“

Der Wahrheitskünder schweigt.

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REZENSION: Spazier-Theater

Kaukasische Flügelnüsse und Kurioses aus dem Spazier-Theater

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Irgendwie hört sich „Kaukasische Flügelnuss“ an als wäre der Name geflunkert. In Weimars Park an der Ilm, besser bekannt als Goethepark, wächst aber eine direkt neben dem weißen Brückchen. Dort hält Goethes Gärtner Henning Hacke an und erzählt dem staunenden Publikum des „Spazier-Theaters“, dass es sich bei dieser Nuss um eine kaukasische Flügelnuss aus der Familie der Walnussgewächse handelt.

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Henning Hackes Kleidung sieht man an, dass er aus Goethes Zeit stammt. Er schleppt eine Tragekiepe auf dem Rücken, die er bei Bedarf zum Unterstreichen seiner Ausführungen zu einer Puppenspielbühne umbaut. Aus Kleidung und Bühne muss der Name Spazier-Theater entstanden sein. Der Gärtner weiß nicht nur über Pflanzen Bescheid, sondern auch über die Gesteinsformationen des Parks (Travertin), die Säulen am Römischen Haus (dorische und ionische) und über die Eigenheiten von Goethe, dem Herzog und den Damen. Schelme waren sie schon.

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BARON VON FEDER: „Satzkonstruktionslehre“

Satzkonstruktionslehre
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Unzählige Worte kommen in unzähligen Sprachen über unzählige Lippen. Einelne Wörter hintereinander ergeben einen Sinn. Sie müssen nur einer Bedingung folgen: Um Sinn zu haben, müssen die Wortreihen nach den Regeln der Satzkonstruktionslehre angeordnet werden. Jedes Konstruktionselement hat im Satz seine Funktion. Ein einfacher Satz besteht aus den Funktionen Subjekt Prädikat und Objekt. Mit Wörtern, die jeweils eine dieser drei Funktionen innehaben, kann man bereits einfache Sinnaussagen mitteilen:

Uschi ist ein Flintenweib.

Das Subjekt ist Uschi. Nach dem belebten Subjekt fragt mit wer, nach dem unbelebten mit was. Wer ist ein Flintenweib? – Uschi ist ein Flintenweib.

Die Karre liegt im Dreck.

Was liegt im Dreck? Die Karre liegt im Dreck. Die Karre ist sprachlich gesehen das Subjekt des Satzes. Die in den Beispielsätzen verwendeten Verben sind die Prädikate der Sätze. Was MACHT das Subjekt da, fragt man, wenn man das Prädikat eines Satzes wissen Uschi da? Sie IST ein Flintenweib. Was MACHT die Karre da? Sie liegt im Dreck. In komplexen Texten möchte man nun wissen, wie die Karre in den Dreck gekommen ist und wer sie dort heraus holen soll. Wir können zum Beispiel sagen:

Uschi, das Flintenweib, steuerte die Karre in den Dreck.

Wer steuerte die Karre in den Dreck? –Uschi. Wen oder was steuerte sie in den Dreck? – die Karre. Die zwei zugrunde liegenden Sätze – auch Grundsätze genannt – bleiben dem Sinne nach unverändert.

Welche Funktion hat nun der Dreck, vom Aufbewahrungsort für hinein gesteuerte Karren einmal abgesehen? Und worin besteht der Sinn des Satzes? Der Sinn ist immer noch, dass Uschi ein Flintenweib. Auch liegt die Karre trotz vorgegaukeltem Aktivismus noch immer im Dreck, wo schon so viele andere Karren liegen. Welche Karren es sind, erfahren wir immer noch nicht. Wir erfahren nur, wo sie sind, und zwar im Dreck. Der Dreck ist eine Umstandsbestimmung des Ortes. Immerhin hat der Satz jetzt zwei Sinnmitteilungen bekommen: Uschi ist immer noch ein Flintenweib. Daran hat sich nichts geändert, nicht einmal dadurch, dass die Karre im Dreck liegt. Und die Karre liegt weiterhin im Dreck, und keiner holt sie da raus. Warum nicht? Diese Sinnmitteilung bekommen wir auch durch weitere grammatische Zierelemente nicht. Wir müssten hierzu den Inhalt des Satzes ändern. Grundsätze können nur durch Inhalte verändert werden. Die schwächste der möglichen Änderungen ist eine Änderung des Subjekts, zum Beispiel in Markus. Die stärkste mögliche Änderung aber wäre die Veränderung des substantivischen Attributes „das Flintenweib“ in „der Friedensengel“, und der steuert die Karre nicht in den Dreck, sondern zihet sie heraus und beseitigt den Dreck auch noch.

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Lesermitteilungen: „Lasst und die dunklen Wolken vertreiben“

Der folgende Link führt zu einem Friedenslied, welches die beste Lösung enthält, um die Kriegsdrohungswolken zu vertreiben: Einfach bloss als Nachbarn in Frieden leben.

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das neue Flugblatt für August ist fertig

Liebe Leserinnen, liebe Leser, das Flugblatt mit dem Erscheinungsdatum 1. August ist fertig. Diesmal gibt es zwei Rezensionen: In „Kontrollierte Feindschaft“ wird die Angst der NVA vor einem Krieg mit der NATO beschrieben und dass die DDR sehr entgegenkommend westliche Manöverbeobachter betreut hat. Die Angst, heißt es in dem Buch, kam aus der Anschlussverwendung von Altnazis aus dem Hitlerkrieg. Das ein solcher in Persona Willi Stoph selber mal Verteidigungsminister der DDR war, steht nicht in dem Buch. Wir wollen da nicht kleinlich sein. Es kam dann noch ein zweites Buch über den Bürgerkrieg in Spanien von 1936 bis 39 und seines direkten Übergangs in den zweiten Weltkrieg hinzu. Der zweite Text sollte eigentlich erst in der Septemberausgabe erscheinen. Aber die Aktualität möchte wohl, das die Rezension bereits im August erscheint. Es wird schon noch ein Buch für den September auftauchen. Liebe Leserinnen, liebe Leser, haben Sie einen Wunsch? Nennen Sie mir ein Buch, und ich rezensier es im September.

Das Flugblatt 94-01-08-2015 neues Layout

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REZENSION: „Hotel Florida“

Rezension „Hotel Florida“

„Spanien 1936 vor der Liebeskulisse analysiert“

 In der zehnten oder elften Klasse war im Geschichtsunterricht der DDR unter anderem der spanische Bürgerkrieg 1936 bis 1939 dran. Der Lehrstoff blieb vage und beschränkte sich auf die Namen Hans Beimler und Arthur Becker sowie auf die Begriffe Legion Condor und Thälmann-Bataillon. Im Literaturunterricht kam gleichzeitig Die Gewehre der Frau Carrar dran. Hemingway kam mit der Geschichte des alten Mannes am Ebro dran, der die Tiere retten wollte. Um die Katzen musste er sich nicht kümmern, die konnten alleine überleben. Vom Stoff und seiner Vermittlung konnte keiner begreifen, wer warum wen bekämpfte, wie die politischen Einflusspotentiale von Parteien, Gewerkschaften, Widerstandsgruppen und des konservativen Establishments verteilt waren. Filme mit ihren jeweiligen Rollenklischees halfen da besser. Uniformen und Ledermäntel sind böse, Baskenmützen auf dem Kopf sind gut. Der Schulunterricht beantwortete nie die Frage, woher die einfachen Leute ohne die Möglichkeiten zur Analyse politischer Interessengruppen in bewaffneten Konflikten wussten, für wen sie Partei ergreifen sollten. Aber sie wussten es, und damals in der Schule hätte man die Wege zu Information und Zusammenwirken politischer Strukturen in Spanien wissen können, wenn es 1982 schon das Buch „Hotel Florida“ von Amanda Vaill gegeben hätte. Aber es kam ja erst 2015 heraus. (Amanda Vaill, „Hotel Florida. Wahrheit, Liebe und Verrat im Spanischen Bürgerkrieg“, Klett-Cotta, Stuttgart 2015) Obwohl in diesem Buch gezeigt wird, dass alle Künstler, Journalisten, Fotografen und Intellektuelle am Anfang auch überhaupt nicht wussten, was hier gespielt wird. Das machte erst Stalin klar, als er sie Republikaner nicht mehr unterstütze und so den Kampf gegen Francos aufkommende faschistische Diktatur verriet. Das Chaos am Anfang beschreibt folgende Szene:

„Barea ging mit seinem Bruder Miguel in das Café de la Magdalena, ein ehemaliges Flamenco-Lokal. Doch mit Entsetzen stelle er fest, dass es dort von Zuhältern und Prostituierten nur so wimmelte, und von betrunkenen Arbeitern, die alle im Gürtel ihres Overalls eine neue Pistole stecken hatten. Die eine Hälfte gröhlte die Internationale, die andere versuchte die Kommunisten mit anarchistischen Parolen nieder zu brüllen“ (Seite 39). Versuch mal, in so einer Situation zu erkennen, worum es eigentlich geht und warum Du Dich da einmischen sollst – das kannst Du nur, wenn Du schon vorher einen sogenannten Klassenstandpunkt hast. Bloß der eignet sich nicht mehr für eine Analyse, weil er schon von vorgefertigten Grundansichten ausgeht, die nicht weiter hinterfragt werden dürfen. Deshalb bedeutete Klassenkampf ja auch immer Kampf innerhalb einer Klasse um reinste Einhaltung der Lehre – und das Kapital uns alle anderen lachen sich einen Ast über die zerstrittenen Gegner, die keinen ordentlichen Widerstand auf die Reihe kriegn. Das gilt übrigens analog auch heute für das Prekariat, das sich lieber miteinander streitet als sich einmal entschlossen gegen den neoliberalen Sozialfaschismus zu erheben. Franco und die Antikomintern hatten offenbar ein leichtes Spiel mit den Sängerknaben der Arbeiterklasse, die „Spaniens Himmel breitet seine Sterne über unsern Schützengräben aus singen konnte.“. Trotzdem ging vom spanischen Bürgerkrieg eine Anziehungskraft aus, die Schriftsteller und Journalisten und Fotografen ebenso anzog wie Schlosser, Dreher, Lehrlinge, Eisenbahner und andere Arbeitsberufe, die lieber paramilitärisch geschult Francos Truppen bekämpfen wollten. Wer wen ausrüstete und wieso ausländische Unterstützer der republikanischen Truppen ins Land ließ, war mir bis zu diesem Buch unbekannt. Wenigstens kommt man durch die Lektüre zu der Fähigkeit, die zum Verständnis von Spanien 1936 wichtigen Fragen zu stellen und gezielt nach Antworten zu suchen. Es gibt ja genug Analogien zu Spanien 1936 – Russland, Ukraine, vielleicht bald Griechenland? – 1936 in Spanien hatte Francos Putsch einen Bürgerkrieg ausgelöst. Weil die kleinen Leute immer alles erst häppchenweise erfahren, sind sie zwischenzeitlich missbrauchbar, damals wie heute. Aber wie soll man trocken bleiben, wenn überall ringsumher die Gischt schäumt. Solches Unbehagen bleibt in den bewaffneten Konflikten jeder Zeit erhalten, auch in denen, die noch nicht bewaffnet ausgetragen werden, womit ich mich aktuell auf die derzeitigen Krisen des Kapitalismus beziehe.

Mitten in dieses spanische Wespennest des Bürgerkriegs hat die Autorin die Biographien diverser Personen der Zeit-und Kulturgeschichte eingebaut. Sie waren Franco-Gegner und Liebespaare, und das Hotel Florida war ihnen Residenz, Zentrale, Treffpunkt und zwischenmenschlicher Rückzugsort. Wenn Männer, Frauen, Spione und Kriegsdiplomatie zusammen kommen, geht es unweigerlich um Sex. Liebe, Verrat , Tod und fiebrig rauschende Nervenanspannung. In Kriegen weiß keiner, ob es noch ein Morgen geben wird, und darum nutzt jeder seine Gegenwart, um noch ein paar Leidenschaften mitzunehmen, nur eben auf engerem Raum und in kürzeren Zeitabständen, als im geruhsamen Friedensleben. Trotzdem: Es gibt keinen gerechten Krieg, und Frieden ist ein erstrebenswerter Daseinszustand. Auch der Frieden muss das Toben der Leidenschaften nicht zum Faulsein verführen. Das wichtigste Merkmal des Buches ist der Verrat der Politik an den Menschen, die die Politik für ihre Ziele einspannt. Erst durch Stalins Politkommissare wurden die Republikaner militärisch schlagkräftig, und als sie Franco besiegen konnten, nahmen ihnen Stalin Protektion und Unterstützung. Wie die Personen im Buch das erkannten, ist spannend beschrieben. Aber manche begriffen nichts. Sonst könnte man erkennen, dass Spanien quasi die Blaupause zum neuen geplanten großen Krieg ist.

(Amanda Vaill, „Hotel Florida. Wahrheit, Liebe und Verrat im Spanischen Bürgerkrieg“, Klett-Cotta, Stuttgart 2015)

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BEWEGUNGSMELDER: Die Grenzdichtung nach außen

Die Grenzdichtung nach Außen

(Zweites Kapitel der Neuauflage von Ausgegrenzt. Angeschmiert. Ausweg gefunden)

Es gibt Konflikte, bei denen kaum noch zwischen Auslöser und Reaktion unterschieden werden kann. Die forcierte Abdichtung der EU-Außengrenzen gehört dazu. Zuerst wurde die Grenzabdichtung der Öffentlichkeit mit der sattsam bekannten Metapher „Das Boot ist voll“ akzeptabel gemacht. Dazu mussten die Regierenden nur zugeben, dass die Arbeitslosigkeit ein nicht mehr reparierbares Erscheinungsbild der ehemaligen Wohlfahrtstaaten nach den Wirtschaftskrisen, der Blockkonfrontation und der neoliberalen Liquidierung von allem Sozialen ist. Zugleich gaukelte das Schengen-Abkommen den Bewohnern der Mitgliedsländer der Europäischen Union vor, dass der Wegfall von Grenz-und Zollkontrollen lediglich der „Arbeitnehmerfreizügigkeit“ und dem „freien Verkehr von Waren und Dienstleistungen“ dienen sollte. Durch den Wegfall der Binnenkontrollen wurde gaber ein großer Personalbestand an ausgebildeten Zöllnern und Grenzpolizisten frei. Der Personalbestand fand seine Anschlussverwendung nach dem Einsatz an den Binnengrenzen an den Außengrenzen. So begann der schleichend stetige Aufbau der Europäischen Grenzschutzagentur FRONTEX. Die oberste politische Führung ist die Europäische Kommission. Dort wird das Budget beschlossen und genehmigt, Übungen abgesegnet und interne Manöverkritik geübt. Die Einstellung der Grenzkontrollen durch das Schengen-Abkommen ist durch die Einführung der Grenzüberwachung durch Frontex abgelöst worden. Gegen Flüchtlinge wird schleichend bürgerkriegsähnlich vorgegangen. Seit Mai und Juni 2015 hat die Grenzschutzagentur Frontex eine historische Mission von der EU erhalten: Sie soll Kampfeinsätze gegen Schleuserbanden führen. Die Süddeutsche Zeitung schrieb dazu: „Mit schweren Waffen gegen Schlauchboote“. In dem Artikel heißt es, dass halbverdurstete Menschen in Schlauchbooten den Weltfrieden bedrohen. Die mörderisch ausgestattete EU geht mit ihrer so genannten Anti-Schleuser-Mission gegen Flüchtlinge vor, die eine Gefahr für den Weltfrieden darstellen und eine Gefahr für die internationale Sicherheit. (Die Sicherheit des internationalen Kapitals zu Lasten der Schöpfung sollte man viel gründlicher gefährden). Die Bedrohungsworte prägten nicht die Medien, sondern die Außenbeauftragte der EU, die so etwas ist wie der Außenminister, wäre die Europäische Integration schon auf dem Stadium der Vereinigten Staaten von Europa angekommen. Gäbe es nichtr die Toten und Durstenden, die Kranken und Schwachen, man könnte glauben, die Flüchtlinge seien hochgerüstete Terroristen, gegen die sich die EU ausnimmt wie die polnische Säbelkavallerie gegen deutsche Panzer im September 1939.

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BARON VON FEDER: „Yanis Diabolus und Alex Simplex“

Baron von Feder

„Yanis Diabolus und Alex Simplex“

Nur ein einziges Mal tauchte die Verballhornung der Namen von Yanis Varoflakis und Alex Tsirpas zu Diabolus und Simplex bisher auf. Aber es reicht, um den Klang von Teufel und Einfältiger im Ohr zu behalten. Finanzminister und Ministerpräsident ließen „das Volk“ darüber abstimmen, ob es lieber nach deutscher Berechnungsart mit „rationierten Sozialausgaben“ pro Kopf der Bevölkerung abgespeist werden will, oder ob es einfach „Nein“ sagt. Das Volk hat „Nein“ gesagt und glaubte, es habe damit entschieden, dass es die Renten weiter erhalten will und die Löhne, und statt dessen lieber weniger Geld in die Rüstung steckt und kein Tafelsilber verscherbelt. An diesem Punkt scheint sich zu zeigen, dass Jeder Jeden täuscht. Die EU täuscht die griechische Regierung, die griechische Regierung täuscht das griechische Volk, die Reichen täuschen den Fiskus und die Armen unterliegen einer illusorischen Selbsttäuschung über die Vertrauenswürdigkeit des Staates. Vereinfachend ausgedrückt: Griechenland hat Schulden, aber die Verhandlungen zwischen dem Staat und dem Internationalen Währungsfond sind nur das Gezänk von Kapitalisten unter sich. Dann sollte dies Gezänk auch bitte schön nur unter Kapitalisten ausgetragen werden, statt Steuerzahler, Rentner, Arbeitslose und prekär Beschäftigte damit zu befassen. Weil der Kapitalismus Zuschauer nur dann duldet, wenn er ihnen Geld aus der Tasche ziehen kann, streiten sich zwei und der Dritte zahlt die Zeche. Diabolus und Simplex haben sich gegenüber ihrem Zankpartner EU lediglich so teuer wie möglich verkauft. Das kann man gut und richtig finden. Denn bezahlen wird die Gesamtrechnung sowieso niemand, weil es mathematisch völlig unmöglich ist. Darum kann die griechische Regierung die die Kosten so absurd in die Höhe treiben, dass die Unbezahlbarkeit jedem auffällt.

Und dann hilft nur noch die „Operation Tafeldienst“: Schwamm nehmen, Tafel abwischen, und raus auf den Schulhof zur Großen Pause.

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REZENSION: „Kontrollierte Feindschaft“

Rezension „Kontrollierte Feindschaft“

„Vor Angst schlaflos“

 Der ganze Armeedienst in der NVA hätte so einfach sein können, wenn die Angst der Fähnriche, Offiziere, Generale und Admirale das Fussvolk nicht zu beständiger Wachsamkeit und Bereitschaft gezwungen hätte. Dabei kam ja nie jemand. Für die Oberen Führungsebenen lauerte der BBKF hinter jedem Strauch. Dabei war da meist keiner. Nicht mal ein drückendes Hundchen. Das Fußvolk sah die Sache pragmatisch. Überwiegend dachte es, wenn der BBKF kommt, würde man sich schon irgendwie ohne militärisches Morden und entschiedene Abfuhren einigen können. Wie schon ein blöder Witz sagt: „Leute, da drüben steht der Gegner. Es geht Mann gegen Mann“. Bittet einer: „Herr Leutnant, wer von den vielen Männern ist meiner? Ich würd mich vielleicht auch gütlich mit ihm einigen.“ Die Führungsebenen waren vor Angst schlaflos, weil sie der NATO als Gegner Aggressionen im Sinne faschistischer Traditionen unterstellten. Vor nichts hatte der Sozialismus, den Personen führten, die zum großen Teil aus dem antifaschistischen Kampf stammten, mehr Angst, als vor der Rückkehr der faschistischen Fratzen, gegen die sie einst kämpften. Und diese Fratzen sahen sie in der NATO, in der westdeutschen Anschlussbeschäftigung führender Nazis in Militär und Politik und jedem Akt der Hochrüstung. So steht es in dem Buch „Kontrollierte Feinschaft“. (Guntram König, Rudolf Patzer, „Kontrollierte Feindschaft. Manöverbeobachtungen und Inspektionen 1987 bis 1990, Helios-Verlag, Aachen 2011) Der Oberflottenleiter der DDR-Volksmarine, Admiral Theodor Hoffmann, beschreibt darin die gegenseitige Irreführung über die Bedrohungspotentiale, besonders die an der „sensiblen Trennlinie zwischen NATO und WARSCHAUER VERTRAG:“ Das Buch beschreibt detailliert aus der Generalsperspektive, wie Manöveraufgaben und deren Beobachtung vor den Augen der NATO organisiert waren. Wenn man selbst als niedriger Dienstgrad einmal miterlebt hat, wie eine Manöverbeobachtung durch NATO-Offiziere ablief und selbst ausgewählt und instruiert wurde, wie Fragen der NATO zu beantworten seien, kann man bestätigen, dass das Buch in jeglicher Hinsicht präzis ist. Es gelingt aber nicht, irgendeine wirklich abgelaufene Situation aus der Sich der kleinen Leute zu identifizieren, zum Beispiel einen rätselhaften Schießunfall zwischen Panzer und Kampfhubschrauber auf dem Truppenübungsplatz Wittstock („Wittstocker Acker“). Die Fotos selbst bringen jedoch die Erinnerungen an die mörderische Hitze zurück, die bei NVA-Manövern herrschte, und werfen die Frage auf, wieso Manöver immer im Sommer stattfanden? Bloß damit die Herren Offiziere sich nicht den Arsch abfrieren? Soviel Rücksichtnahme genoss das Fußvolk nie. Es war auch der WARSCHAUER VERTRAG zur Beobachtung in der NATO unterwegs, aber wenn man nicht zum NATO-Fußvolk gehörte, sind die Beschreibungen uninteressant.

(Guntram König, Rudolf Patzer, „Kontrollierte Feindschaft. Manöverbeobachtungen und Inspektionen 1987 bis 1990, Helios-Verlag, Aachen 2011)

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