Bewegungsmelder: Link auf eine fremde Seite

„Das Flugblatt“ findet, das folgender Artikel zum Theme eines neuerlichen Todes bei Zwangsräumung zur Kenntnis genommen werden sollte:

Link:

www.z-b-saar.cwsurf.de/?p=54771

„Das Flugblatt“ bittet um Informationen und Hinweise, um mit journalistischer Sorgfalt dem offenbar entstehenden Thema nachzugehen.

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Bewegungsmelder (zum 10. Mai)

BEWEGUNSMELDER

VOR 80 JAHREN – 10.MAI 1933

Feuer und Flamme“

Wenn jemand von einer Sache begeistert ist, sagt man, er ist „Feuer und Flamme“. Das Bild vom lodernden Herzen ist eine Beschreibung für die leidenschaftliche Hingabe zu der Ursache des lodernden Herzens. Menschen können für verschiedene Sachen brennen: Sie können vor Liebe zu einem anderen Menschen brennen, sie können als Forscher für die Heilung von unheilbaren Krankheiten brennen und sie können für die Beseitigung der Armut brennen. Niemand würde wissen, für wie viele verschiedene Sachen Menschen brennen können, wenn nicht vieles davon in Büchern aufgeschrieben wäre. Bücher gehören in Regale und Bibliotheken, damit jder die Möglichgkeit hat, sie zu lesen. Literaturkundige sollen als wandelnde Indexverzeichnisse Suchenden sagen können, in welchem von hundert tausenden Büchern die gesuchte Antwort zu finden sein kann. Literaturkundige müssen aber Menschen sein und keine mathematischen Suchalgorithmen.

Bücher haben eine Seele.Die Seelen der Bücher können Schmerzen und Leid empfinden. Gerneleser und Vielleser spüren dies, wenn jemand achtlos ein Buch aus dem Regal oder vom Tisch fegt. Solches tun manchmal Mitmenschen den Gernlesern und Viellesern an. Der Verlust einer ganzen Bibliothek ist für Gerneleser und Vielleser wie der Tod eines Mitmenschen.

Jedes Buch hat ein Schicksal, heißt es, und Büchern werden manchmal harte Schicksale zugemutet. Sie werden eingestampft, weil einem Gericht eine Formulierung auf Seite 12 nicht passt. Manchmal wird ihr Verkauf gestoppt und verboten. Dabei jubelt jede Bücherseele, wenn ein kundiger Leser es in die Hand nimmt, Gefallen findet und es kauft. Bücher blättern sich auf, wölben den Lesern ihre Seiten entgegen und sind sehr empfindlich, wenn sie nicht beachtet werden.

Das Verhältnis eines Lesers zum Buch ist eine Liebesbeziehung, oder eine kollegiale Arbeitsbeziehung. Sie ist von gegenseitiger Achtung geprägt. Die öffentliche Ermordung von Büchern vor 80 Jahren war eine Barbarei. Die gewohnheitsmäßige Missachtung von Büchern, Texten, Manuskripten ist der Sieg der Barbarei in gemäßigter Form.

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Bewegungsmelder: Genugtuung für Ausstellungsmacher

BEWEGUNSMELDER (05. Mai 2013, Sonntag)

 Genugtuung für Ausstellungsmacher“

 In Greifswald eröffnete das Vorpommersche Landesmuseum heute die Ausstellung „Akt & Landschaft“. Seit Anfang der 60er Jahre befasste sich der Fotograf Klaus Ender mit der Idee, eine Ausstellung von Aktfotografien im Ambiente der Natur in der DDR zu etablieren. 1975 gelang ihm die erste Ausgabe dieser aller drei Jahre stattfindenden Wanderausstellung. Das Norddeutsche Fernsehen N3 bringt heute zwischen 19 Uhr 30 und 20 Uhr einen Filmbeitrag von acht Minuten Länge in der Regionalsendung „Nordmagazin“.

05-05-2013 Vernissage und Verkauf

Der Deutsch-Österreicher Klaus Ender wurde Anfang der 80er Jahre zur Unperson in der DDR, weil er nach Österreich ausreiste. Fortan wurde in Büchern, sonstigen Publikationen und Ausstellungen mit Stillschweigen übergangen, welche Verdienste sich der Fotograf um die Etablierung der Aktfotografie in der DDR erwarb. Nach den Worten des Museumsdirektors des Vorpommerschen Landesmuseums und seines Mitarbeiters plant das Museum nun eine „Rekonstruktion der totgeschwiegenen Ausstellungen“.

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Redaktionsmitteilung: Kleine Layout-Veränderung

Wenn es nach meiner Vorstellung gelingt, wird das Bild in der Kopfzeiles von „Das Flugblatt“ durch ein eigenes Foto ersetzt. Das neue Bild heisst „Raps-Blüte-Bodden-Zingst-Ostsee“. Und so sieht es aus:

04-05-2013 Horizont

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Redaktionsmitteilung: Das Flugblatt zum Ersten Mai ist da

Freut Euch auf den Mai. Ich schicke Euch dazu das Flugblatt Nummer 66. Ich wünsche mir Verstärkung, so dass ich auch Beiträge drucken kann, die ich mangels Verständnis nicht selbst hin bekomme. Die Mail-Adresse für Anfragen steht im Impressum und möglicherweise auch in der Signatur des Newsletters.

Flugblatt Nummer 66Nr -01- 05-2013

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Bewegungsmelder: Militärische Luftraumreservierung

BEWEGUNSMELDER

 Militärische Luftraumreservierung“

 Seit Monaten können Himmelsbeobachter militärischen Flugverkehr über der Kleinstadt Barth am Barther Bodden beobachten. Der Flugkorridor führt genau über die Redaktion von „Das Flugblatt“ hinweg. Die Flughöhe beträgt nach Militärangaben 1,5 Kilometer. Das entspricht der maximalen Flughöhe von Kranichen. Die Redaktion „Das Flugblatt“ konnte im April an 6 Tagen etwa 20 Flüge wahrnehmen. Der Pressestab der Luftwaffe in Köln erklärte dazu auf eine Anfrage, „dass die Ortschaft 18356 Barth unterhalb eines zeitweilig reservierten Luftraumes für Luftraumübungen liegt“. Presseoffizier Oberstleutnant Gudenoge sagte, es fänden Übungsflüge von militärischen Euro-Fighter-Kampfflugzeugen statt. Ob die Übungsflüge der Vorbereitung auf einen Kampfauftrag dienen, wurde nicht mitgeteilt.

In der wie Barth ebenfalls kleinen Stadt Bad Sülze (Entfernung ca. 50 Kilometer) befindet sich ein Flugabwehrregiment. Teile der Truppe halten von der Türkei aus syrische Flugzeuge vor einem unterstellten Angriff auf die Türkei ab, und zwar mittels mecklenburger Patriots. Die Abwehr hat den Luftverkehr in der Region ebenfalls registriert, sagte ein Oberstleutnant der Pressestelle. Im Ernstfall hätte das Regiment den Auftrag, solches zu unterbinden.

Über die Dauer der zeitweiligen Luftraumreservierung gab es keine Angaben.

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Rezension: Eine Dame in Paris

Hannes Nagel

Rezension „Eine Dame in Paris“

Freitag 26. April 2013

Eine jugendliche Alte

In meinen frühen Jugendjahren liebte ich französische Filme. Mich inspirierten hauptsächlich die Sprechweise, die Dialogführung, die Musik und die Damen. Simone Signoret und Jeanne Moreau mochte ich jedoch mehr als Brigitte Bardot. Ich mochte aber auch noch sehr viele andere französische Schauspielerinnen, weil sie mich durch Eleganz und Reife beeindruckten. Simone Signoret erwähne ich nur, weil ich sie immer mit Jeanne Moreau verwechselt habe, und Jeanne Moreau erwähne ich, weil ich sie in dem Film „Eine Dame in Paris“ sah, und das ist ein neuer Film mit einem großen zeitlichen Abstand zu den französischen Filmen meiner frühen Jugendjahre. „Eine Dame in Paris“ ist nach 20 Jahren Kinoabstinenz mein erster Film in einem Lichtspielhaus, welches dazu auch noch ein Flair bewahrt hat, wie ich es von früher her kannte. Es gab zwar keinen Gong, aber nach einer halben Stunde Filmwerbung startete der Hauptfilm. Der estnische Regisseur Ilmar Raag hat mit drei Hauptpersonen und vielen Statisten eine völlig aus dem Rahmen heutiger Sehgewohnheiten fallende Geschichte filmisch erzählt. Am Anfang friert der Blick noch in Estland. Schnee, Dunkelheit und allgemeines Grau erzeugen eine beklemmende Stimmung. Außerdem sprechen die Menschen im Film estnisch, was für Menschen ohne Kenntnis ostseefinnischer Sprachen völlig unverständlich klingt. Es gibt aber Unteritel. In dieser tristen Lage stirbt die Mutter einer estnischen Altenpflegerin, die im Herbst ihres Lebens langsam auf den Winter zutreibt. Der Tod wirkt befreiend, denn die Tochter bekommt ein Jobangebot in Paris. Sie nimmt es an und reist nach Paris. Eine grandiose bildsymbolische Überleitung erzählt es: Sie schiebt eine uralte Musikkassette in einen uralten Kassettenrekorder und hört uralte französische Chansons. Auf dem Weg nach Frankreich – also bereits am Flughafen in Tallinn – erlaubt der Regisseur der Sonne herauszukommen, allerdings nur zaghaft, damit sie sich bei Bedarf steigern kann. Der Rest ist ein Beziehungssystem zwischen Stephane, der so alt ist wie die estnische Altenpflegerin, Jeanne Moreau, deren Filmname nicht im Gedächtnis bleibt, und der estnischen Altenpflegerin. Würze bekommt der Film durch das Verhältnis der alten Dame zu dem jüngeren Stephane: Er war einmal in früheren Zeiten ihr Geliebter. Sie hätte es gerne noch so, aber er nicht. Am Ende stehen drei Menschen da, schauen sich wortlos an, ihre Blicke erzählen tausend Geschichten – und als Zuschauer fühlt man hier den Beginn einer wunderschönen reifen Menage a Trois. Und genau hier endet der Film: Abrupt, ohne musikalischen Ausklang, einfach durch die grandiosen Blicke dreier grandioser Schauspieler. Es ist, als habe Ilmar Raag mit der Schlussszene Eric Romer huldigen wollen, wie er mit dem ganzen Film Jeanne Moreau gehuldigt hat.

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Bewegungsmelder: Akt & Landschaft – eine Ausstellung mit Geschichte

BEWEGUNSMELDER

 Akt & Landschaft – eine Ausstellung mit Geschichte“

 Im Pommerschen Landesmuseum Greifswald eröffnet am 5. Mai der deutsch-österreichische Fotograf Klaus Ender die Wanderausstellung „Akt & Landschaft“. Die Vernissage beginnt um 11 Uhr. Die Geschichte der Fotoausstellung Akt & Landschaft währt nun schon 38 Jahre. 1975 gab es in Potsdam die erste Ausstellung „Akt & Landschaft“. Sie fand nach Enders Übersiedlung nach Österreich alle drei Jahre statt. Von Potsdam aus ging sie als Wanderausstellung in viele Städte der DDR und wurde nach der Wende zum „Gesamtdeutschen Leistungsvergleich der Aktfotografie.“ Die Mühen, die sich der Idealist Klaus Ender mit der Organisation und Durchführung der Ausstellungen machten, wurden nur bis 1981 geschätzt. Da übersiedelte der in Ostdeutschland lebende Fotograf zurück nach Österreich zu seinen österreichischen Wurzeln. Ein Spaziergang war das nicht, und im Kulturbund, Sektion Fotografie, empfand man den Weggang des Fotografen als Undankbarkeit gegenüber dem Sozialismus. Dies zeigt zweierlei: Es ist mit des Geschickes Mächten nie ein ewiger Bund zu flechten, und wandelbar ist  jede herrschaftliche Gunst. Das Schweigen war eisig. Geschichte aber kann man zwar zubetonieren, die Tatsachen jedoch bringen mit ihrer Beharrlichkeit auch Stahlbeton zum Bröckeln. Oft wird derzeit an die Aktfotografie der DDR erinnert und daran, dass Klaus Ender mit dem Konzept der Ausstellung „Akt & Landschaft“ das Lebensgefühl eines kleinen Landes mit großen Ambitionen und verklemmten Spießern in einem kulturellen Zeitdokument abgebildet hat.

 Veranstaltung: SW-Fotoausstellung „AKT & LANDSCHAFT“ von Klaus Ender (AFIAP)

Ort:Hansestadt Greifswald

Uhrzeit: 11 Uhr (Vernissage)

Eintritt: Zur Vernissage kostenlos

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Baron von Feder: SPD-Hausverbot an Maifeiern

Baron von Feder

Hausverbot für Maifeiern“

Wenn einer eine Feier tut, so lädt er gerne Gäste ein. Manche kommen auch ohne Einladung, werden aber nach kurzem Zögern zur Feier hinzu gebeten. Und dann gibt es Leute, die will man bei einer Feier nicht dabei haben: unangenehme Kollegen, Thilo Sarrazin, Fremdenfeindliche und Leute, die einem übel mitgespielt haben. Hartz-Vier-Opfer sagen dazu „Gerhard-Schröder-Gang“; das Politikressort kennt sie unter dem Namen SPD. Unerwünschten Feiergästen stellt man in der Regel ein Hausverbot zu, welches die Teilnahme und Annäherung an die Feier untersagt.

Arbeiter und Exarbeiter wollen am 1. Mai 2013 zum 123. Mal ihren Kampf-und Feiertag begehen. Und dabei wollen sie sich nicht von der Initiative Soziale Marktwirtschaft, vom Vorstand der Agenda 2010 oder den neoliberalen Nationalglobalisierern aus dem schwarz-gelben Farbspektrum erzählen lassen, dass es ab jetzt nur noch denen schlecht geht, die sowieso nichts besseres verdient haben. Nun kommen aber Arbeiter eher selten auf solche juristischen Kniffe wie den Kniff mit dem Hausverbot. Wenn einer kommt, der nicht erwünscht ist, greift ein mit hochgekrempeltem Hemdsärmel versehener Arm die Vertreter der ehemaligen Schrödergang am Schlafittchen und befördert sie dahin, wo die die Räuberbande mehrere Millionen Arbeitsbiographien hin befördert hat: In die Gosse. Geschult durch ihre Lieder singt der Chor Minijobber und Nichtarbeiter die proletarischen Worte: „Lass Dich hier nie mehr sehn“. (Melodie: Du kannst zu Hause bleim)

Für den Fall, dass es für das Hausverbot noch einer Begründung bedarf, haben wir ein paar stichhaltige Einfälle gesammelt. Erstens war die Einführung von Hartz Vier Klassenverrat, also Verrat an der Klientel der traditionellen SPD-Wähler. Rechtsanwälte können für so etwas, was bei ihnen Mandantenverrat heißt, ihre Zulassung verlieren. Zweitens macht den Menschen kein wahlpolitisches Geschwätz satt, weil solches kein Essen her schafft. Drittens zeigt man Räubern seine Habe nicht.

Ach so. Liebe Genossin Jugendfreundin, wenn Sie sich erinnern wollen: der Tag, von dem die Rede ist, heißt Kampf und Feiertag. Glauben Sie bitte nicht, Sie und Ihre Leut könnten unsern Kampf mit Freibier verhindern oder uns sonstwie für Ihre Absichten korrumpieren. Uns reicht eigentlich schon Lebensunterhalt, gesunde Natur, Erholung in der Sommerfrische, und dass Ihr uns nicht ständig versucht, für doof zu Billigpreisen ans Globalkapital zu verramschen.

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Rezension: Mörder im Chat

Helene Musfedder

Rezension „Mörder im Chat“

Montag, 15. April 2013

Mimis kleine Bettlektüre“, Folge 8: „Opfer, Kult, Atztekenblut

Willst Du noch was lesen, Schatz?“, fragte mein Freund und kam mit einer Art Bauchladen voller Taschenbücher zu mir an meinen Leselümmelsessel. Irritiert und mit ganz leichtem Argwohn schaute ich zu ihm auf. Er lächelte mich an wie ein rechtschaffener Biber, der den ganz Tag über fleißig am Staudamm gebaut hat. Ich ließ meine Blicke über seinen Bauchladen schweifen. Zwei Greiffinger schwebten über der Auswahl wie ein Turmfalke beim Rütteln über einer Maus. Dann griffen die Finger blitzschnell zu. Sie hatten. „Mörder im Chat“ erwischt, einen Krimi von Frank Goyke aus der Hinstorff-Reihe „Ostseekrimi“. Die Finger legten das Buch auf meinem Schoß ab. „Danke, Hasi“, sagte ich zu meinem Freund. Er ergriff meine nun freie Hand und hauchte einen Kuss über den Rücken. Ich strahlte Hasi an. Hasi hoppelte aus dem Zimmer und ich war ungestört.

An Frank Goykes Krimi fiel mir zunächst zuerst ein für Krimis eher ungewöhnliches Spiel mit sprachlichen Bildern auf. Sie sind gekonnt an Situationen angepasst und hängen niemals schief im Textkorpus auf den Seiten. Das wird ganz stark deutlich an den Alkoholabstinenzassoziationen der Kommissarin, die im Roman schon 44 Tage trocken ist, aber ständig Durst hat, Wissensdurst und richtigen Durst. Außerdem hat Frank Goyke die bereits in „Mörder im Gespensterwald“ sowie „Mörder im Zug“ angelegte Tendenz zur Gesellschaftskritik ausgebaut, und zwar mit Geist und Witz und spitzer Sprache. („Früher musste man denken können, heute reichen Schwadronieren und Selbstdarstellung“) Diesmal hat man aber den Eindruck, dass die Charaktere der Personen auch noch begründet werden. Es ist, als würde man die Leute von der Pozilei kennen und aufgrund dessen nichts anderes erwarten, als Frank Goyke sie dann im Text tun lässt. Es geht um einen Fall, der von Oberleutnant Erni von Schweizer Polizei und seinem Kollgen nach Rostock angestupst wird. Der Kollege heißt aber nicht Bert. Goykes Kalauer wissen, wo die Linie zum Klamauk überschritten sein würde. Wussten Sie übrigens, dass die Stadtpolizei von Basel (Schweiz) STAPO heißt? Und die oberste Dienststelle Leitstelle? Das und vieles andere Wissenswerte erfährt man so einfach nebenbei aus dem Krimi. Die Schweiz kommt völlig logisch in die Handlung, nämlich übers Internet. Ein Schweizer beobachtet in einem Chat mit Videocamera quasi life eine Mordfall in Rostock. Daher müssen Frau Riedbiester und Herr Uplegger mal wieder in bewährter Weise ran – immer wieder gleich, immer wieder neu. Die Linie geht etwa so: Webcam – Mord mit Machete – Zeuge per Webcam. Selbst die Wahl der Waffe ist auf einmal logisch, denn sie hängt mit abgebrochenen Forschungen der Sektion Lateinamerikanistik der Universität Rostock zusammen. Der Abbruch wiederum hängt mit politisch motivierten Abwicklungen der Hochschullandschaften in Mecklenburg-Vorpommern nach der Wende zusammen. Es traf damals auch die Regionalwissenschaften in Greifswald, die sich mit Nordeuropa befassten. Insoweit ein präzis realistischer Krimi. Nur das eben nicht jeder gleich mit Macheten andern Leuten den Kopf abschlägt, nur weil das ein gängiges Opferritual bei den Azteken war.

Frank Goyke, „Mörder im Chat“, Hinstorff-Verlag, Rostock, 2013

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