Baron von Feder: Andere User wie Sie

Baron von Feder

Andere User wie Sie“

Die meisten Webdienste sind unverständlich. Sie kennen weder vollständige Sätze noch richtige. Google Analytics redet mich immer mit „Andere User wie Sie“ an – ALS muss es heißen, oder SOLCHE. Andere ALS Sie oder SOLCHE wie Sie. Wenn ich in der Statistik nachsehen will, welche dienstlichen Leser „Das Flugblatt“ gelesen haben, dann interessiert es mich nicht, was andere Leser als ich mit Google Analytics machen. Sie mögen gerne ihren ROI steigern, meiner bleibt wie er ist.

Die unklare Andeutungssprache ist Verhöhnung, Missachtung oder Unüberlegtheit. Aber konnten Programmierer jemals Namen oder Bezeichnungen für Buttons oder Funktionen finden, die von einem technischen Laien intuitiv erfasst werden konnten? Sie konnten es NIE, und es hat sie auch NIE interessiert. Kürzlich habe ich mal versucht, den Support von WordPress zu erreichen, um auf eine simple Frage eine präzis anwendbare Antwort zu erhalten. Ich wollte nämlich Lesern des Flugblattes die Möglichkeit gebenm mir per Kommentar mitzuteilen, was sie von den Beiträgen halten, die ich schreibe. Ich habe die Antwort nicht erfahren. Ich erfuhr sie nicht. Statt dessen englische Insiderbeschallung, die niemand ohne Ausbildung zum Vollinformatiker verstehen kann. Sie werden da so bearbeitet, dass Sie glauebn, bei WordPress tragen sie alle Trichter auf dem Kopf und hüpfen herum wie in dem Asterix-Film, als es um den grünen Passierschein ging. Wenn Sie dann alle möglichen Webdienste so oder so ähnlcih wahrnehzmen, dann wollen Sie bloss noch zum nächsten Baumarkt, eine Gießkanne aus Zinkblech kaufen, und möglichst schlüpfrige Lieder blasen.

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Redaktionsmitteilung: Das Flugblatt Nummer 60 ist erschienen

Ab heute sind 60 Flugblätter aus dem Musenverlag erschienen, und so möge es bitte weiter gehen, denn außer mir selbst sind auch ein paar Leserinnen und Leser auf den Geschmack gekommen, und nun haben Sie lange genug auf das Menü gewartet, jetzt wird serviert: Flugblatt Nummer 60Nr 1-01- 02-2013

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Bewegungsmelder: Weltkarten der Kunst

BEWEGUNSMELDER

 Weltkarten der Kunst

 Die Akademie der Künste in Berlin zeigt ab Februar eine Ausstellung über die Globalisierung der Kunst. Globalisierung heißt nach dem Konzept der Ausstellungsmacher, dass auch die Welt der Kunst ein Dorf der Kunst geworden ist. Trotz geographischer Entfernungen zwischen den künstlerischen Heimaten der Welt beeinflussen sich die völlig verschiedenen Beweggründe Künstler bei der Schaffung ihrer Werke. Eine der ausstellungsthesen lautet sinngemäß, dass im Gegensatz zur Globalisierung von Politik und Wirtschaft die Globalisierung der Kunst die einseitige Deutungshoheit beendet. Bisher habe zum Beispiel Europa gerne den alleinigen Interpretationsanspruch afrikanischer Kultur beansprucht.

Die Ausstellung will die Emanzipierung der Kunst in den Jahren seit 1989 als Chronologie de Kunstentwicklung darstellen. Exemplarisch sollen Fotografien, Installationen und Filme von 15 Künstlern zu sehen sein.

Die Ausstellung beginnt mit einer Vernissage am 31. Januar um 19 Uhr in der Akademie der Künste am Pariser Platz. Bis 24. März wird die Ausstellung Dienstags bis Donnerstags von 11 bis 19 Uhr zu sehen sein. Der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 4 Euro.

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Rezension: Er ist wieder da

 REZENSION

 von Helene Musfedder

Das unsterbliche Böse

 Wütend stieß ich einen Karton alter Bücher mit dem Fuß. Drin waren Fundstücke von einem Dachboden mit Publikationen aus dem Eher-Verlag und dem Zentralverlag der …. -übrigens, ein Witz aus jener Zeit ging so: „Weißt Du was die Abkürzung bedeutet?“ „Nee“ „Na, suchst Du auch Pöstchen?“ – ach Mensch, diese Bücher entziehen sich sogar einer halbwegs seriösen wissenschaftlichen Durchforschung. Ich trat den Karton noch mal und versuchte, unten im heutigen heiteren Wohnzimmer auf schöne Gedanken zu kommen, und was musste ich sehen? Mein Herr Freund hatte mir ein Hörbuch zum Rezensieren hingelegt. „Er ist wieder da“ heißt das Buch und ich wünschte mir, er wäre es nicht. Mein Freund schaute mir in die Augen und fragte irritiert; „Is was?“ Ich knurrte. Dann fauchte ich. Bin ja schließlich die Büchermieze. Die Krallen zeigte ich schon mal, aber das sah er nicht mehr, denn er hatte schon den Schwanz eingezogen und war im Garten zum Holzhacken verschwunden. Langsam beruhigte ich mich. Aber wie kann das sein, dass das Böse Unsterblichkeit erlangt und gute Menschen einfach so in Vergessenheit geraten sind? Renommierte Zeitschriften bringen den Saukerl regelmässig aufs Titelbild, wenn ihnen weiter gar nichts mehr zum Thema Zeitgeschichte einfällt. Verulkung a la „Adolf, die braune Nazisau“ und so weiter geht gut über die Ladentische des Buchhandels, und seit Ende 2012 gibt’s von Timur Vermes das Hörbuch „Er ist wieder da“. Ich sag mal so: Wenn mal einer darüber spekulieren würde, das die Welt von Deutschlands brauner Phase verschont geblieben wäre, wenn das Land autogen trainiert worden wäre, hätte er einen wirklich originellen Einfall: „Mein rechter Arm wird schwer. Ganz schwer. Er hängt an der Seite herab. So schwer ist der Arm. Nicht hebt ihn an. Mein Arm ist ganz schwer“. Wenn dann noch die Zunge schwer und müde geworden wäre, hätten die Leute weder Heil Hitler schreien noch den rechten Arm hochreißen können. Viel Leid und Unheil wäre der Welt erspart geblieben. Und was wäre aus Adoof gworden? Ein grantelnder alter Mann im Stadtpark? Oder vielleicht, wenn es denn schon Politik sein muss, ein Stadtbezirksbürgermeister? Der Hörspielplot geht davon aus, dass Hitler sein selbst angerichtetes Unheil überlebt hätte, anders als seine Millionen Opfer. Und nun säße er in der Gegenwart herum und fände sich nicht zurecht. Wirklich? Wäre es so schwer für Ado Braun, sich im heutigen Deutschland zurecht zu finden? Gibt es da nichts, was bei ihm einen Wiedererkennungseffekt auslösen würde? Der Preis des Buches beträgt übrigens 19 Euro Drreiundddreissich. Verlag: Eichborn-Verlag. Na wenigstens nicht Eichmann.

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Aproposia: Von dem Neger, der seine Stiefel wichste

 APROPOSIA

 Von dem Neger, der seine Stiefel wichste“

 Neulich sprach eine ziemlich junge Ministerin in einer und dann mehreren Zeitungen, dass sie Stellen, auf die sie in Kinderbüchern stößt, einfach weg lässt oder harmlose Ersatzformulierungen benutzt. Prompt machte dieser Unsinn Schule, und ein Kinderbuchautor stimmte zu, dass der Verlag ab nächster Auflage in die Wortwahl eingreift.

 Der Moderator: „Wie wollen wir in Zukunft mit veralteten Worten und Ausdrücken umgehen? Wollen wir sie wirklich stillschweigend ersetzen?“

Der Sprachforscher: „Alles gar kein Problem heutzutage, wenn wir transparent darlegen, das ein Wort durch ein anderes aus einem bestimmten Grund ersetzt wurde. Wir können uns da an den Suchmaschinenanzeigen von Google ein Beispiel nehmen. Die sind, was Transparenz angeht, ihrer Zeit und deren Möglichkeiten weit voraus“

Moderator: „Und was ist mit dem Wort, welches vorher da stand?“

Sprachforscher: „Ja das wird aus dem Sprachgebrauch getilgt“

Zwischenrufer: „Meinen Sie Tilgen wie Ausrotten mit Stumpf und Stiel?“

Sprachforscher: „Also Ihre Nazivergleiche sind ja unerhört“

Moderator: „Bitte keinen Zank“

Verleger: „Uns geht es nicht um Political Correctness. Es geht darum, Begriffe auszutauschen, die Kinder heute nicht mehr verstehen. Es geht um die Begriffe Neger und wichsen, mehr nicht“

Zwischenrufer: „Unterschätzen Sie die Kinder nicht. Die könnten auch anfangen, sich selber für die Herkunft und die Geschichte von Wörtern zu interessieren.“

Verleger: „Wir können ja noch ein Wörterbuch gestrichener Wörter verlegen, gute Idee, der Absatz wird groß, wenn wir viel streichen. Pöns Wörterbuch der verpönten Wörter oder so.“

Die junge Mutti: „Genau, unterschätzen Sie die Kinder nicht. Geschichte ist woran man sich erinnert, und meine sollen sich nur an das Gute erinnern. Meine sollen mit dem Schmutz gar nicht erst in Berührung kommen. Ich lese diese Worte nicht vor. Nein, die lese ich nicht.“

Der Zwischenrufer: „Sonst müssten Sie ja Ficken sagen, wenn die Kinder das Wort Ficken nicht gebrauchen sollen.“

Der Sprachforscher: „Ficken war früher normal, dann verpönt, und jetzt ist es schon fast wieder schickliche Umgangssprache“

Der Verleger:Soviel zum Ficken. Nun aber mal zurück zum Neger. Bei Neger und wichsen könnten Missverständnisse auftreten. Welches Kind weiß denn heute noch, dass damit Stiefelputzen gemeint ist?“

Die junge Mutti: „Meine erziehe ich so, dass sie ihre Schuhe selber putzen, nicht nur wenn der Nikolaus kommt mit der Rute in der Hand.“

Der Zwischenrufer: „Dann wäre der Schuhputzer im Hotel also ein….“

Die Moderatorin: „Zwischenrufer, nu gehnse aber zu weit.“

Einer vom Publikum: „Die politisch-korrekte Umdichtung ist sehr kleingeistig von den Verlagen“

Zweiter vom Publikum: „Die ganze Diskussion find ich auch unsäglich“

Die Literaturwissenschaftlerin: „Ich glaube dass einzelne Erwachsene zu pingelig sind“

Moderatorin: „Kann das dann dazu kommen, dass hierzulande politische Sprachreinigung betrieben wird?“

Die Literaturwissenschaftlerin: „Na ich hoffe doch nicht das jemand auf solche Ideen kommt“

Der Zwischenrufer: „Dann wäre ja auch Schluss mit: Ein Neger mit Gazelle zagt im Regen nie“

Die junge Mutti: „Was soll das denn jetzt?“

Der Zwischenrufer: „Lesense das mal rückwärts, dann verstehnse schon“

Die Beiden vom Publikum: „Darauf einen dreifachen Loriot.“

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Aproposia: Von der Kraft der Schwachen

 APROPOSIA

Von der Kraft der Schwachen“

 Mobbing, Intrigen, und Verschleiß nennen viele Arbeitskräfte in Deutschland als erstes, wenn man sie nach ihrer Zufriedenheit mit ihrem Job fragt. Aber missen wollen sie ihn nicht, denn es gibt auch sehr viele schöne Momente. Und man könnte ja auch ganz leicht damit zurecht kommen, wenn die die vielen Arten des Mobbings klar und deutlich zu erkennen wären. Und wenn die Leute unten mobben, jubeln die Chefs, denn es mit einer solchen Truppe kann man ALLES machen.

 Der Moderator: „Sind die Gemobbten die Schwachen der Arbeitsstellen? Welche Möglichkeiten haben sie, um ihre Arbeitsbedingungen zu gestalten?“

Politisch respektable Person: „Was haben denn Arbeitsbedingungen mit Mobbing zu tun? Mobbing entsteht nur aus den Charakteren der Arbeitnemerinnen und Arbeitnehmer.“

Betriebliche Führungskraft: „Ihre Diskussion geht in eine falsche Richtung. Die Märkte sind brutal, da sind Gespräche über Arbeitsethos Luxus.“

Der Zwischenrufer: Dat is ja ein Sauhund.“

Betriebliche Führungskraft:Das ficht mich nicht an. Und im Übrigen weise ich Sie alle darauf hin, dass es hier nicht um Mobbing geht, sondern um einen fairen Wettbewerb. Wir alle müssen uns an die geänderten Bedingungen anpassen, um vor der Evolution zu bestehen.“

Moderator: „Na schön, dann nehmen wir einmal an, was aus Sicht der Betroffenen Mobbing ist, sei aus Ihrer Sicht Wettbewerb. Wenn nun die Folgen des Wettbewerbs und die Folgen des Mobbings nicht mehr auseinander zu halten sind, was können dann die Betriebe tun, um ihre Arbeitnehmer vor den gesundheitlichen Folgen zu schützen?“

Betriebliche Führungskraft: „Ich verstehe nicht, worauf Sie hinaus wollen. Der Wettbewerb zwischen den Unternehmen sorgt doch dafür, dass immer Menschen in Lohn und Brot kommen. Sehen Sie sich doch die Zahlen der Bundesanstalt für Arbeit an“

Politisch respektable Person: „Die BA hat einen großen Puffer an Mitteln, um Arbeitslose wieder in Lohn und Brot zu bringen“

Zwischenrufer: „Na dann mal ran an den Speck. Setzt den mal ein, den Puffer.“

Billiglöhner: „Genau. Und vielleicht hört dann ja das Mobbing auf. Gibt ja auch schöne Momente auf Arbeit, so is ja nicht“

Arbeitsforscher: „Nachgewiesen ist, dass die Arbeitsbedingungen moderner Arbeitswelten die Gesundheit der Beschäftigten systematisch ruinieren: Burnout, Depression, Bluthochdruck, Erschöpfung und die Nebenfolgen durch ungeeignete Kompensierungsmaßnahmen: Alkohol, Medikamente, Nikotin, Frusternährung.“

Politisch respektable Person: „Und dafür wollen Sie die Arbeits-und Sozialpolitik verantwortlich machen? Das liegt doch nun wirklich bei jedem selbst, was er aus seinen Arbeitsbedingungen macht. Wer entscheidet denn darüber, ob einer zu den Starken oder zu den Schwachen gehört? Liegt doch an jedem selbst.“

Moderator: „Das sind die, denen die Zwietracht in der Belegschaft nützt, denn wo keine Einigkeit ist, ist keine Stärke. Das sind die, die in der Ausbildung Menschenführung und Psychologie sagen, aber Mitarbeiter mit Leitungsfunktionen zum Ausnutzen von Schwächen abrichten. Überschrift: professionelle Schulung. Das sind die, die heucheln, unaufrichtig sind, und im Verborgenen rechtlich kaum nachweisbar Treten, Stänkern und….“

Betriebliche Führungskraft: „Ein Glück, das Sie nichts zu entscheiden haben“

Zwischenrufer: „Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte / der sich im allerkleinsten Kreise dreht / ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte / in der betäubt ein großer Wille steht“

Alle zusammen: „Was war das denn?“

Zwischenrufer:Rainer Maria Rilke, „Der Panter“

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Redaktionsmitteilung: Das Flugblatt Nummer 59 ist da

Liebe Leserinnen, liebe Leser, und herzlich willkommen, liebe neuen Leser, ist ist soweit: Der 15 Januar eilt heran – kommt näher – schon ist er da und da muss „Das Flugblatt“ Nummer 59 auch gleich da sein. Hier ist es: Flugblatt Nummer 59Nr 2-15- 01-2013 Das redaktionell wahrgenommene Zeitgeschehen bewirkte, dass der Themenschwerpunkt diesmal Pazifismus heißt. Der kluge Mäusebussard Buteo Buteo auf der Seite mit dem Foto sagte: „Der Luftraum soll denen gehören, die von Natur aus fliegen können“. Da hat er recht. Eine echte Rezension haben wir diesmal nicht, dafür sinnieren wir über Antikriegsliteratur zum Erlernen von Friedensfähigkeit. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass Demokratie immer WEHRHAFT sein soll, nie aber FRIEDENSFÄHIG? Wird es jeMALIs Frieden geben?

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Rezension: Mit 10 Büchern zum Pazifisten

 REZENSION

 Ratgeber: Mit 10 Büchern zum Pazifisten

 Einmal befand ich mich mit jemandem in einem Disput. Es ging um den Roman „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque. Zwei Szenen gab es, an denen sich die schleichende Zersetzung der Menschlichkeit durch militärische Ausbildung und militärische Tätigkeit besonders ausdrückte: Ein Soldat kam als Fronturlauber zu seiner Mutter, die ihn „Mein Kind“ nannte – dabei war er inzwischen bereits mehrfach zum Mörder geworden, welcher mittels Klappspaten Kinder französischer Mütter getötet hatte. Den Klappspaten hatte er deshalb genommen, weil sich die Bajonette immer hinter den Rippen verhakten, so dass man sie schlecht heraus bekam. Die zweite Szene war die eines Familientreffens mit gemeinsamem Mittagessen.

Der Fronturlaubssoldat nahm, wie er es beim Militär erst gelernt hatte, das Kotelett in die Hände und frass es wie es im Felde üblich ist. Entsetzt starrte ihn die ganze Familie an.

Und wir diskutierten über die Verrohung der Sitten durch das Militär und ob sie jeden, wenn sie ihn haben, zum Mörder machen können, auch wenn er sonst keiner Fliege etwas zuleide tun konnte. Und es kam zu der These: „Wenn wir genug Literatur hätten, die eine Abneigung gegen alles Militärische erzeugt, dann würde niemand mehr mitmachen und es könnte kein Krieg mehr stattfinden.“ Es kam prompt zur Gegenthese: „Das geht nicht, denn wir haben gar nicht die Lehrer, die in der Lage wären, uns mit Antikriegsliteratur zu Pazifisten zu erziehen“. Der Disput muss ungefähr 1988 gewesen sein. Also vor 25 Jahren etwa. Der Wunsch nach der ersten These besteht trotzdem noch. Militärpolitische Jugendarbeit in den Schulen zur Nachwuchsgewinnung und militärpsychologische Forschungen zur Ausschaltung der natürlichen Tötungshemmung sprechen eine andere Sprache. Die Sprache klingt nach Kasernenhof und Befehl, und sie riecht wie abgestandene Luft in einer Feldwebelhose.

Und wenn es auch aussieht, als solle man gegen eine Ozean aus Wut nicht gegenan pfeifen, so wollen wir trotzdem zehn Bücher auflisten, die dem global erstarkenden Militarismus den einfachen bescheidenen Pazifismus entgegen halten. Und wenn Sie danach noch ein Buch lesen möchten, in denen es einfach nur menschelt, empfehle ich Erich Wiechert, „Die Jerominkinder“.

Mit der Liste folgender 10 Titel müsste es sogar dem berühmten Hindukuschhelden und Generalfeldschallmei Georg Klein möglich werden, zum Pazifisten zu werden:

1. Berta von Suttner:

Die Waffen nieder“

2. Erich Maria Remarque:

Im Westen nichts Neues“

3. Erich Maria Remarque:

Zeit zu leben, Zeit zu sterben“

4. Arnold Zweig:

Der Streit um den Sergeanten

Grischa“

5. Stefan Heym:

Kreuzfahrer von heute“

6. Ludwig Renn:

Krieg“

7. Lew Tolstoi:

Krieg und Frieden“

8. Ernst Friedrich:

Krieg dem Kriege“

9. Claude Simon:

Die Akazie“

10. Henry Barbusse

Das Feuer“

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Bewegungsmelder: Mecklenburger Patriots

BEWEGUNGSMELDER 

Mecklenburger Patriots

 Am 6. Januar 2013 verlegte eine Militärkolonne Teile des Flugbwehrgeschaders in Sanitz und Bad Sülze nach Travemünde. Dort schiffen sich die Armeeangehörigen ein, um mittels eines dänischen Schiffes in die Türkei zu gelangen. Sie sollen ihre Rohre auf Syrien richten, falls es dort jemandem einfallen sollte, die Türkei anzugreifen. Dann hätte die NATO nämlich einen so genannten Bündnisfall, der alle NATO-Mitglieder zum Beistand für das angegriffene Land verpflichtet.

Da griff nach einem Bericht der Zeitung „Tagesspiegel“ vom 5. Januar ein syrischer Pilot nach der Reißleine und flog mit einer MiG in die Türkei, bevor ihn die Deutschen mit offenen Rohren empfangen hätten. Sicher ist sicher, besonders wenn man beim Militär ist und also GRUNDSÄTZLICH IMMER auf der falschen Seite steht.

Über den Wahrheitsgehalt militärischer und politischer Aussagen und Argumente braucht man nicht zu diskutieren, weil das eine gegenstandslose Diskussion werden würde. Am Ende macht dann das Militär einen auf Reichswehr und wir stehen da wie Carl von Ossietzky und Kurt Tucholsky. Für uns wäre das zwar ehrenvoll, aber wir sind nicht so mutig. Wir können es nur versuchen und einmal auflisten, wie oft wir über unserer Redaktion Kriegsflugzeuge schwirren hörten. Beobachtungen sind ja eine frei zugängliche Informationsquelle.

Oktober

Dienstag 09.10.2012 11.08 Uhr

Mittwoch 10.10.2012 10.10 Uhr

Montag 15.10.2012 14.15 Uhr

Dienstag 16.10.2012 09.34 Uhr

Mittwoch 17.10.2012 17.50 Uhr

Montag 22.10.2012 17.33 Uhr

Dienstag 23.10.2012 16.40 Uhr und 16.50 Uhr

Mittwoch 24.10.2012 14.50 Uhr

Montag 29.10.2012 09.50 Uhr

Dienstag 30.10.2012 09.32 Uhr

Mittwoch 31.10.2012 11.25 Uhr

November

Freitag 02.11.2012 09.55 Uhr

Montag 05.11.2012 09.40 Uhr

 Donnerstag 08.11.2012 09.36 Uhr

sowie 09.44 Uhr

und 10.00 Uhr und 13. 40 Uhr

Montag 12.11.2012 09.50 Uhr

14.10 Uhr

Dienstag 12.11.2012 14. 10 Uhr bis 15.00 Uhr mehrfach

Mittwoch 28.11.2012 10.35 Uhr

 Dezember

Sonntag 02.12.2012 04.30 Uhr

Mittwoch 05.12.2012 09.50 Uhr

Freitag 07.12.2012 10.30 Uhr

Mittwoch 12.12.2012 09.30 Uhr bis 09.50 Uhr

Donnerstag 13.12.2012 11.30 Uhr bis 12.30 Uhr

Mittwoch 19.12.2012 13.50 Uhr

 

Januar

Mittwoch 02.01.2013 14.08 Uhr

Freitag 04.01.2013 09.50 Uhr

Montag 07.01.2013 09.25 Uhr bis 11.35 Uhr

Dienstag 08.01.2013 11.25 Uhr

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Gastbeitrag: Der Tag danach

Der nachfolgende Text des Magazins FAKTUELL ist im hinteren Drittel ausgesprochen lesenswert.  Denken Sie selbst:

„Die schlimmste Katastrophe ist eingetreten“, sagte die Anruferin um Mitternacht, „ der ganze Mist geht so weiter – wie bisher.“ Sie hätte sich so auf die Maya und den versprochenen  Weltuntergang verlassen. „Jetzt geht es weiter, aber ich habe keine Ahnung, wie es  weitergehen soll, wenn es so weitergeht. Strom und Gas werden teurer. Ach was, alles wird teurer, nur unsere Arbeitskraft wird immer billiger – oder gar nicht gebraucht. Warum hat das gestern nicht geklappt?“ Dann legte sie einfach auf. Ich konnte ihr nicht einmal sagen, dass sie noch fast einen halben Tag hoffen kann, denn erst dann ist der 21. In allen Zeitzonen vorbei…

Wenn man ihre Reaktion allerdings einen Moment auf sich einwirken lässt, dann kann man die Anruferin  sicher verstehen. Der Weltuntergang wäre die einfachere Lösung gewesen. Man hätte ihn einfach nur hinnehmen müssen, und das Elend hätte ein Ende gehabt. Stattdessen müssen wir uns ab dem 22. etwas einfallen lassen.

Wenn wir ein Dach über dem Kopf haben und nicht hungern müssen, dann können wir nach einem Moment Besinnung ein optimistisches „Gott sei Dank – so und nicht schlimmer!“ in den Raum stellen, denn wir sind noch handlungsfähig. Jetzt müssen wir nur noch handlungswillig werden, statt „Alle Menschen sind gleich!“ mit einem resignierten „Mir auch!“ zu beantworten.

Eine echte Volksdemokratie wäre ein guter Anfang. Jeder Bürger hat eine Stimme – zu jeder Zeit. Sie wird nicht mehr an einem beliebigen Wahltag abgegeben, sondern aktiv genutzt. Damit haben wir praktisch ein Volksparlament, und alle Bürger sind Parlamentarier. Unsere Abgeordneten bekommen derzeit schon ein (gutes) Gehalt für ihre Funktion als Parlamentarier. Jetzt stellen wir die Gleichheit aller Parlamentarier her.

Das geht so: Wir kürzen die Bezüge, weil das Volksparlament alle Bürger umfasst, und zahlen den Volksparlamentariern eine Monatspauschale von 1.000 €.  Nein, das ist per Definition kein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE), das sind unsere Bezüge als Volksparlamentarier. Denn wir übernehmen die gleichen Pflichten, wie sie heute schon jeder Parlamentarier erfüllen muss.

Klartext: Wir tun, was wir für richtig halten und sind nur unserem Gewissen verpflichtet. Ob wir eines haben oder nicht. Solange wir behaupten ein Gewissen zu besitzen, erfüllen wir sämtliche gesetzlichen und moralischen Anforderungen für den Job. Also los.

Sie dürfen jetzt weitermachen…
…aber bitte nicht wie bisher.

Ihr

Christopher Ray

Quelle: http://www.faktuell.de/jojo/7-editorial-meinung/1717-editorial-22122012-der-tag-danach.html

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