FEUILLETON-REZENSION: Die verratenen Mütter

Rezension „Die verratenen Mütter“

„Rentenräuber und Generationenopfer“

Die Wirtschaft verringert den Lebensunterhalt der lohnabhängig Beschäftigten. Manchmal verkürzt sie Lebensarbeitszeiten durch Entlassungen oder Betriebsstillegungen. Lohnbezug über einen längeren konstanten Zeitraum hinweg ist nötig, damit ein Mensch außer sich selbst auch seine Familie ernähren kann. Wer aber, und seit Rot Grün Schröder kennt die Politik im Sozialabbau keine Hemmungen mehr, schon in Zeiten noch geltende Arbeitsverträge in die Mühlen der Arbeitsämter zwingt, und ihnen durch sittenwidrig niedrige Stundenlöhne keine individuellen Ansparungen von Geld oder gar Anschaffungen lässt, ist ein Rentenräuber und seine Opfer sind Generationenopfer. Denn die Räuber bestehlen die Arbeitskräfte zu Beginn ihrer Arbeitsbiographie. Wenn die Arbeitskräfte den Diebstahl bemerken, ist es zu spät, um noch etwas zu korrigieren. Sie merken es, wenn statt einer Rente nur ein kläglicher Betrag unterhalb von Hartz Vier, Armut und Existenzminimum bleibt. Dort unten sind die Menschen auf Hilfe angewiesen und lassen sich daher besser kontrollieren. Soweit ist zum Themenkomplex Hartz Vier, Armutsrentner, Minijobs, und dauerhafte Abhängigkeit von staatlichen Behörden alles gesagt. Und doch kam 2016 im Verlag Droemer-Knaur das Buch „Die verratenen Mütter. Wie die Rentenpolitik Frauen in die Armut treibt von Kristina Vaillant heraus. Eigentlich schreibt die Autorin nur, dass es im Rentensystem nichts Verläßliches mehr gibt. Wenn man sich aber nur noch auf sich selbst und nicht auf andere verlassen kann, muss man eigentlich privat-persönlich-individuell für sich selbst vorsorgen können, ohne dass einem die Möglichkeiten genommen oder durch zulässige Möglichkeiten eingeengt werden. Als der Gesetzgeber von privater Vorsorge sprach, hörte es sich nach indivudualität an, aber gemeint war statt dessen so etwas wie Riester – eine Falle vor der mich sogar die Sparkasse gewarnt hatte, als ich eine kleine Erbschaft hatte. Riester, so erklärte die Sparkasse mir Laien  dies, ist nicht privat, sondern erlaubt dem Staat am Ende einen üppigen Griff in die individuellen Ansprüche der kleinen Leute.

Was Kristina Vaillant über Frauen und die Arbeitsbiographien von Müttern schreibt, kann man im Übrigen auch auf Männer anwenden, deren Arbeitsbiographien auch keine durchgehende Kontinuität haben. Zu den Gründen gehören Arbeitslosigkeit, Selbständigkeit, Krankheit und die planmäßige Verarmung eine als angemessen erachtete Höhe von Hartz Vier, die nicht ausreicht, um Forderungen von Vermietern und Energieversorgern zu erfüllen.

(Kristina Vaillant, Die verratenen Mütter, Droemer-Knauer, München 2016)

Veröffentlicht unter Feuilleton-Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentare deaktiviert für FEUILLETON-REZENSION: Die verratenen Mütter

FEUILLETON-REZENSION: Europa ist die Lösung

Rezension „Europa ist die Lösung“

„Aussenminister Steinmeier aktualisiert Churchill“

Als Winston Churchill 1946 kein Amt hatte, nutze er die Zeit als Tourneeredner. In einer seiner Reden gelang ihm der Begriff „Eiserner Vorhang“; in einer anderen Rede sprach der britische Kriegspremierminister mit Zigarre und Victoryzeichen von den „Vereinigten Staaten von Europa“. Die Vorhang-Rede hielt Churchill am 5. März 1946 am Westminster College in Fulton im amerikanischen Bundesstaat Missouri. Churchill sagte nach den einleitenden Freundlichkeiten und Schmeicheleien an die Gastgeber seiner Einladung, er wolle „wahr und ehrlich“ („true and faithful“) seine ganz persönliche Einschätzung der politischen Weltlage im Frühjahr 1946 geben, dieser „angstvollen und verwirrenden Zeit“ („in these anxious and baffling times“. Churchill fasste zusammen: „Unsere oberste Aufgabe und Verpflichtung ist es, die Heime der einfachen Leute vor dem Schrecken und dem Elend eines weiteren Krieges zu beschützen.“ („Our supreme task and duty is to guard the houses of common people from the horror and miseries of another war“). Erst viel später taucht in dem Redetext die Passage vom Eisernen Vorhang auf, für welche Churchills Fulton-Rede berühmt wurde, weil sie auf diese Passage reduziert wird. Die USEu-Rede hielt er sechs Monate später am 19. September 1946 in Zürich. Auch diese Rede hielt er an einer akademischen Bildungseinrichtung. Die Universität Zürich hatte Churchill eingeladen, damit er in Zürich noch einmal so eine Rede wie in Fulton halten konnte. Churchill sprach: „Ich sage Ihnen jetzt etwas, das Sie erstaunen wird. Der erste Schritt zu einer Neuschöpfung der europäischen Völkerfamilie muss eine Partnerschaft zwischen Frankreich und Deutschland sein. Nur so kann Frankreich seine moralische und kulturelle Führerrolle in Europa wiedererlangen. Es gibt kein Wiederaufleben Europas ohne ein geistig großes Frankreich und ein geistig großes Deutschland. Wenn das Gefüge der Vereinigten Staaten von Europa gut und richtig gebaut wird, so wird die materielle Stärke eines einzelnen Staates weniger wichtig sein.“ Heißt also für die Gegenwart: Das Wohlsein Europas hängt davon ab, ob die Kultur den Vorrang der katastrophalen neoliberalen Verwerfungenn überwinden kann. Dies war auch der Grund dafür, dass der deutsche Aussenminister Frank Walter Steinmeier im ecowin-Verlag eine Broschüre veröffentlichte mit dem Titel „Europa ist die Lösung“. Die Stärke des Textes besteht darin, dass Steinmeier die Zeichen der Zeit für die Notwendigkeit einer ähnlichen verbalen Eindrücklichkeit wie Churchill 1946 erkannt hat. Die Schwäche des Textes besteht darin, dass er dem Anspruch inhaltlich nicht gerecht wird. Immerhin aber hat er es geschafft, durch eine einzige Äußerung genauso zitatwürdig geworden zu sein wie Churchill mit dem Eisernen Vorhang und der Forderung Lasst Europa entstehen. Der Satz von Steinmeier heißt: „Was wir jetzt nicht tun sollten, ist durch lautes Säbelrasseln und Kriegsgeheul die Lage weiter anzuheizen.“ Im Buch selbst bezieht sich Steinmeier auf das Analyseergebnis, wonach Europa in einer Krise steckt. Gut, dass er die einzelnen Aspekte aufzählt wie ein Lehrer, der die Richtigkeit der Aufzählung seiner Schüler bestätigt. Lehrer Steinmeier bestätigt dem Schüler Öffentlichkeit, dass er Rechtspopulismus, Sozialabbau, Migration, Abschottungsforderungen und Militärmanöver richtig wahrgenommen hat. Der Schüler Öffentlichkeit wird von Lehrer Steinmeier aber nicht gefragt, wie der Schüler sich die Lösung vorstelle. Lehrer Steinmeier will es dem Schüler sagen, damit er es weiß und nach den Worten von Lehrer Steinmeier handeln kann. „Die Lösung ist Europa.“ Der Schüler Öffentlichkeit kritzelt den Lehrerspruch in die Schulbank: „Steini kennt nur eine Lösung und das ist die Lösung. “ Wo Steinmeier konkret wird, könnte er irren: Denn der Frieden in Europa hängt ganz und gar nicht von militärischen Einsatzstrukturen ab. Europa müsste hingegen Friedensfähig statt Wehrtüchtig werden. Oder wie Churchill andeutete: Vom Primat der exzessiven Wirtschaft zum Primat der Kultur gelangen.

(Frank Walter Steinmeier, „Europa ist die Lösung“, ecowin, Salzburg 2016

Veröffentlicht unter Feuilleton-Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für FEUILLETON-REZENSION: Europa ist die Lösung

TAGESBEMERKUNGEN:

Baron von Feder

„Dunkelhelle Nächstenliebe“
====================

Nach der Septemberwahl tauchte kurzzeitig der Gedanke auf, eine Angst vor dem Wahlergebnis der mecklenburgischen und der berlinischen Afd wäre genauso so unsinnig wie die Angst, die die Afd in der Gesellschaft vor einigen Flüchtlingen verbreitet. Sie und nur sie samt ihren Adeppen nennt Flüchtlinge, die ins Land kommen, Überfremdung. Dieses Wort zu analysieren ist genauso ungefähr so merkwürdig, als würde man Darwin benutzen, um die nationalsozialistische Rassenlehre zu widerlegen. Rassen im Nazi-Sinne gibt es nicht. Und „rassig“ war auf Menschen bezogen immer nur ein Attribut, welches sich auf den Sex Appeal von Frauen bezog. Womit wir wieder beim Fremdenthema wären. In vielen Märchen zogen Menschen früher in die „Fremde“. Von dort brachten sie etwas mit: Erfahrung, Waren, Wissen, bisweilen Geld und manchmal auch eine Frau. Märchenerzähler wussten instinktiv, dass die Isolation der Dörfer den Fortbestand der Population erschwert oder negativ beeinflusst. Als Sex noch eine Sache der Lust und der Erfrischung der Gene innerhalb der Population war, gab es keine verklemmten Afd-Politiker und keine Frigida-Anhängerinnen. Und es gab auch keine Postkarten einer Partei des III. Wegs. Die finden paar 100 Asylanten in Neustrelitz als Zumutung. Paar 100, die „das Stadtbild verändern“. Kennen Sie das Stadtbild von Neustrelitz? Es zeichnet sich durch viel grün und viel blau aus. Das kommt davon, dass es hier viele Wälder, Wiesen und Seen gibt. Wenn die Sonne auf das Wasser leuchtet, funkelt es goldig schön, wie damals in den Märchen, wenn die Prinzessinnen mit anderen Worten beschrieben werden sollten als mit der Standardfloskel: „Sie war über alle Maßen schön.“ Aus Neustrelitz wanderten von 2005 bis 2013 etwa 1.500 Personen aus. Seit 2014 wächst die Bevölkerung wieder. Insofern am Bevölkerungswachstum einer Stadt außer dem Zuzug neuer Bewohner auch die Fortpflanzung der bereits hier wohnenden eine Rolle spielt, braucht man auch gute Bedingungen in der Stadt, die Lust auf Fortpflanzung machen. Die Stadtverwaltung interessiert sich nicht für die Hautfarbe der Steuerzahler, sondern dafür, dass Handel und Gewerbe, Dienstleistung und Handwerk, Produktion, medizinische Versorgung funktionieren. Und da kommen diese Nazis an und wollen Neustrelitz der unbefickbaren Verödung preisgeben. So ein Blödsinn. Dagegen helfen fürs erste am besten Fremdenliebe und Nächstenliebe.

Und wenn die Nazis weiterhin unsere Liebeleien stören, anstatt selber mal was mit Lust und Liebe zu tun, dann müssen wir wohl mal kurz mit einem Furz gegen den Schwefelgestank der Hölle anstinkern. Beides verzieht sich dann. Kaltmamsell, eine Zwiebel bitte nach dem Sex. Danke.

Veröffentlicht unter Tagesbemerkungen | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentare deaktiviert für TAGESBEMERKUNGEN:

REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt Nummer 108 Oktober 2016 ist da

Liebe Leserinnen und Leser, von dem Wahlergebnis der Afd geht in Mecklenburg genauso wenig eine Gefahr für die Demokratie aus wie von derem Migrantenangstbild für Terror auf Alleen, Flüssen, Landes-und Bundesstraßen. Was sagt uns das? Gefährlich ist an denen nur, dass sie von Politik nichts verstehen und von Gesellschaft noch weniger. Aber vielleicht lernen die 18 Praktikanten im Landtag was für das Thema gesellschaftliche Verantwortung. Abwarten.

Nicht abwarten kann das Flugblatt. Ich muss es jetzt aussenden, weil ich vom 30 September bis 03. Oktober in der Strandhalle Ahrenshoop zu den ahrenshooper Literaturtagen weile. An meinem Stand des Musenverlags werde ich „Herrn Neuwoges Damen“ anbieten. Dazu das Flugblatt von August, September und Oktober. Vom Klassiker „Ach Liebes, wenn Du bliebest“ sind auch noch ein paar Exemplare vorhanden. Krimi ist ausverkauft, wenn ich die Übersicht richtig behalten habe.

Im Oktoberflugblatt hat der Zeitgeist mit der Septemberwahl zu tun. Die Rezension befasst sich mit russischen Raketen in Mecklenburgs Wäldern während des Kalten Krieges.

Die musische Direktorin genehmigte folgende Themen:

Aproposia: 5 vor 12 (Udo Jürgens)

Feuilleton-Rezensions: Die 152. Raketenbrigade http://hannesnagel.de/?p=3175

Feuilleton-Zeitgeist: Mandatserschleichung mit Migranten http://hannesnagel.de/?p=3188

Feuilleton-Kulturbetriebliches: Wo kann die Nachtigall noch singen? http://hannesnagel.de/?p=3179

Baron von Feder: „Herrn Neuwoges Damen sind lieferbar“ http://hannesnagel.de/?p=3184

Das vollständige Flugblatt gibt es hier:

das-flugblatt-108-01-10-2016-neues-layout

Friedliches Lesevergnügen

Hannes Nagel

Veröffentlicht unter Redaktionsmitteilungen | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert für REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt Nummer 108 Oktober 2016 ist da

FEUILLETON-ZEITGEIST: „Mandatserschleichung mit Migranten“

Feuilleton-Zeitgeist

============

„Mandatserschleichung mit Migranten“

 Nach den Wahlen sagte das Volk im Landkreis Mecklenburg-Seenplatte: „Nun sollen sie mal zeigen, was sie mit diesem Ergebnis zustande bringen.“ Die Sozialdemokraten blieben die regierende Kraft und die CDU blieb auf Platz zwei. Für Mecklenburg könnte man daher sagen: „Es bliwwt alles beim Alten“. Aber es ist eben die Alternative zu Rechtsstaat und Demokratie (AfD) mit 21 Prozent der Stimmen an 18 Landtagsmandate gelangt. Sie hat sich die 18 Mandate mit Stimmungsmache gegen Migranten in Mecklenburg-Vorpommern  erschlichen. Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte war statistisch und wahlrechtlich in Römisch Vier und Römisch Fünf geteilt worden. Seenplatte Römisch Vier umfasst Neustrelitz, die Gemeinde Feldberger Seenlandschaft, Neustrelitz-Land und die Kleinseenplatte. Zur Kleinseenplatte gehören wiederum der gesamte Müritz-Nationalpark, die Gemeinden Priepert, Wustrow, Wesenberg sowie Quassow. Sonstige Siedlungsgebiete erfasst die Kleinseenplatte unter „Umland“. Seenplatte Römisch Fünf umfasst den Landkreis Müritz, das Amt Penzliner Land und die Ämter Friedland, Neverin, Stargarder Land und Woldegk. In Römisch Vier klebten von 20.971 tatsächlichen Wählerstimmen 4.400 Stimmen die Alternative zu Rechtsstaat und Demokratie (Afd) an die Backe der im Schweriner Landtag vertretenen Demokratinnen und Demokraten. Diese haben nun neben den eigentlichen Aufgaben der Landesverwaltung auch eine Partei zu beachten, die sie für rechtspopulistisch halten und daher weitestgehend ignoriert werden muss. Das können sie aber nicht tun, ohne sich durch solcherlei Ignoranz selber dem Vorwurf der Öffentlichkeit auszusetzen, nicht ganz demokratisch in ihrer Wertewelt zu sein. Denn die Wahl verlief ganz normal. Nur Art der Wählermobilisierung durch die Alternative zu Rechtsstaat und Demokratie lief unter Vortäuschung nicht bestehender Unrechtsfälle ab. Sie sagten über Migranten: „Sie klauen in den Läden und belästigen deutsche Frauen“. Die Einpeitscher nannten auch Sozialmissbrauch als Straftat. Es ist kein Unrecht, wenn in Not geratene Menschen auf der Flucht in Deutschland um Hilfe bitten. Aber es ist ein großes Unrecht, daraus ein Problem zu konstruieren, zu dessen Lösung man parlamentarische Verantwortung und Möglichkeiten braucht. Migranten sind nicht durch Herkunft und Schicksal kriminell, und Abschiebungen sollen Ausnahme statt Regelfall sein.

Aufgeschnappte Ware geht bräsig übern Ladentisch.

Angenommen, es würde die Forderung erhoben, dass der Missbrauch der Sozialgesetzgebung als kriminelle Straftat gelten soll. Und dann würden sich die sozial Entrechteten erheben und sagen: „Jawoll, die Rot-Grüne Verelendungspolitik ist kriminell. Endlich sagts mal einer.“ Mit halbwegs kühlem Kopf wäre Ihnen klar, dass die Entrechteten Blödsinn reden, denn keine Regierung würde sich selbst meinen, wenn ihr Handeln als kriminell eingestuft würde. Vielmehr würde es doch völlig klar erscheinen, dass die Entrechteten ihr individuelles Unverständnis der Lage zur umfassendsten Erkenntnis der politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge erklären. Analog handelt die Afd. Ihr individuelles Unverständnis von Neoliberalismus, Arbeitslosigkeit, Altersarmut, Krieg und Vertreibung beschuldigt Neubürger, sozusagen rückwirkend für die schon lange währende Zeit der Arbeitslosigkeit und der sozialen Ausgrenzung verantwortlich zu sein. Und nun kommen Flüchtlinge her und bekommen jeder ein Smartphone. Ja, aber es sind die Smartphones, die bei den Händlern sowieso nur noch Ladenhüter waren. Außerdem tragen sie piekfeine Kleidung. Ja, aber es sind saubere Sachen aus der Second-Hand-Versorgung von Bedürftigen. Kleiderkammer, nicht Neues. Aber manchmal hört man an Bushaltestellen oder in den Regionalzügen dass „die“ alles kriegen und die armen Hartz-Vierer von hier kein Geld zum Wäsche waschen haben. Wer soll eigentlich der Afd für diesen Stuss einen Vogel zeigen, wenn ein Fünftel der Wähler klammheimlich sagt: Ganz egal ob es stimmt, Hauptsache ist, das Ziel „Ausländer weg“ wird erreicht? Das Parteiprogramm der Afd bestand zur Landtagswahl 2016 aus aufgeschnappter Ware, die bräsig über Ladentisch ging. Dabei klang sie zuweilen ganz niedlich. Die Afd will zum Beispiel die GEZ abschaffen. Was für einen Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk sie stattdessen will, kann sie nicht sagen. Das ist nicht weiter schlimm, denn das Thema ist so kompliziert, das selbst Experten Mühe haben, sich darin zurecht zu finden. Aber das weiß die Afd nicht. Darüber hinaus findet sie, dass der Landtag verkleinert werden muss. Da könnte sie mit gutem Beispiel voran gehen. Die meisten anderen Themen heißen Bekämpfung von Islamisten und konsequente Ausweisung von Ausländern. Die Afd weiß nicht, was sie mit Islamisten bekämpfen meint. Ihr Kampf sieht aus wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel. Das ist ein fauler Wind, den die Afd da im Lande ablässt. Denn in Bezug auf Ausländer und deren Straftaten hat das Landeskriminalamt eine Kriminalstatistik und die Afd nur ein paar Tendenzen. Im Großen und Ganzen macht das Programm den Eindruck, dass die Damen und Herren hier und da etwas aufgeschnappt haben, dies dann politisch nicht begriffen und das Ganze dann als Denkprodukt engagierter Bürger verkaufen, die eine Alternative für Deutschland suchen. Deutschland ist theoretisch noch ein demokratischer Rechtsstaat. Wieso sucht die Afd hierfür einen Ersatz? Schwer vorstellbar, dass ein dummes Fünftel dies für bare Münze genommen hat. Die Alternativen Falschgeldgießer mögen bitte mal bei Baruch Spinoza nachlesen: „Von zwei Dingen, die nichts miteinander zu tun haben, kann eines nicht die Ursache des andern sein“. Und darum tritt die Menge von Asylanträgen von Kriegsflüchtlingen zwar zeitgleich mit dem inneren Sozialabbau einer neoliberal gesteuerten Wirtschafts-und Arbeitsmarktpolitik auf. Aber den behaupteten ursächlichen Zusammenhang gibt es nicht.

Die Statistik hat Zahlen, die Afd hat Tendenzen.

Die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2016 wird im Januar 2017 veröffentlicht. Denn die Kriminalitätsstatistik ist eine reine Eingangsstatistik. Die Eingangsstatistik, so erklärt es das Polizeipräsidium Neubrandenburg, erfasst alle Anzeigen des laufenden Jahres und bereinigt sie spätestens bis Anfang des Folgejahres. Dann tauchen nur noch die gelösten Fälle auf, und die eingestellten Fälle zählen nicht mehr als Kriminalfälle. Das ist so ähnlich wie das Herausrechnen von Maßnahmen aus der amtlichen Arbeitsmarktstatistik. Die Ansiedlung der Neubürger kam gegen Ende 2015. Für die wenigen Monate bis 2016 kann man den Zahlen keine Aussage entnehmen, weil schlicht noch gar keine Gesamtheit der Fälle erfasst wurde. Im Umkehrschluss heißt das, dass es auch völlig unmöglich ist, überhaupt wichtige Zahlen zu nennen. Zumindest tauchen Ausländer nicht  – also in keinem Fall – bei Kapitalverbrechen wie Mord, Totschlag oder Vergewaltigung auf. Das aber sind genau die Delikte, mit denen die Afd Stimmung vor den Wahlen machte. Es wollte auch niemand von ihr irgendeinen Beleg für die vorgebrachten Behauptungen haben. Aber ist sie deshalb schon ein Ventil für den Auslass angestauter Stimmungen in der Gesellschaft? Bezogen auf den Landkreis Seenplatte in Mecklenburg gab es bis August 2016 genau 421 Ablehnungen von Asylanträgen. 81 reisten nach Behördenangaben „freiwillig“ aus. Bei 58 Ablehnungen wurde die Abschiebung vollzogen, und zwar in jedem Fall durch die Amtshilfe der Landespolizei. 59 Abschiebungen scheiterten. Über die im September und Oktober anstehenden Abschiebungen gab es keinerlei behördliche Auskünfte. Statistische Angaben aus dem Landesamit für Innere Verwaltung lagen bis Redaktionsschluss nicht vor. Sie werden nachgereicht, sobald sie das Amt nachgereicht haben wird.

Veröffentlicht unter Feuilleton-Zeitgeist | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für FEUILLETON-ZEITGEIST: „Mandatserschleichung mit Migranten“

REDAKTIONSMITTEILUNGEN: „Herrn Neuwoges Damen“ sind lieferbar

„Herrn Neuwoges Damen“ sind lieferbar. Die Kurzgeschichte mit ca 25 Seiten ist als Broschüre mit Heftklammerbindung erhältlich, wenn man eine Bestell-Email an mich schickt. Darin kommen vor: Ein Mann, zwei Frauen, Knubberkirschen, eine Reitgerte und ein Gluteus Maximus und ganz viel Sinnlichkeit.

neuwogePreis: 7,00 Euro (inklusive Porto für die Postzustellung)

Veröffentlicht unter Redaktionsmitteilungen | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für REDAKTIONSMITTEILUNGEN: „Herrn Neuwoges Damen“ sind lieferbar

FEUILLETON-KULTURBETRIEBLICHES: „Wo kann die Nachtigall noch singen?“

FEUILLETON-KULTURBETRIEBLICHES

„Zwischen Seltsamkeit und Originaliät“

Christoph Daletzkis alias Krysztof Daletskis Gesellschaftslieder sind zwischen Seltsamkeit und Originalität angesiedelt. Melodisch und instrumental könnte Krysztof Daletski ein mittelalterlicher Sänger von Bänkelballaden sein. Aber seine Bischöfe, Herzöge, Reichsgrafen, Raubritter und einfache Räuber, Gauner, Betrüger und Scharlatane sind neoliberale Politiker und Wirtschaftsführer, deren Tun man an den Auswirkungen geheimer Machenschaften erkennt: Fracking, Freihandel, Krimkrieg. Gerade hat er eine CD mit 12 Liedern samt Erläuterungen heraus gebracht. Die Erläuterungen sind wichtig, denn manchmal singt er Latein. Aber mit Übersetzung. Multimedia machts möglich. Ganz besonders ergreifend sind die Stimmen. Sie klingen so hell und voll wie Glocken. Ihre Klangspitzen brechen nicht einfach zusammen wie brandende Wellen über sandige steinige Ufer in undefinierbarem Rauschen. Und dieses Verstehen der Texte bis zum letzten Ton macht die Seltsamkeit und die Originalität der Lieder aus.

Auf YouTube gibt es einen "Album-Trailer" hochgeladen mit Ausschnitten der CD
und Bildern von der Aufnahme-Session:

  https://www.youtube.com/watch?v=5eVNkI_ERjM

Ferner gibt es die Webseite zur weiteren Info: 
  http://songs.dalitio.de/cd/
Veröffentlicht unter Feuilleton-Kulturbetriebliches | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert für FEUILLETON-KULTURBETRIEBLICHES: „Wo kann die Nachtigall noch singen?“

REZENSION: Die sowjetische 152. Garderaketenbrigade 1983-1988

Rezension „Die sowjetische 152. Garderaketenbrigade 1983 -1988“

„Als Russen in den Wäldern waren“

Das winzige Verlagshaus M&M Sundwerbung macht seit 2009 mit einer „Broschürenreihe zur deutschen Geschichte“ auf sich aufmerksam. Auffallend viele der bisher 42 Ausgaben befassen sich mit militärischen Themen. Jede Publikation ist Pi mal Daumen 32 Seiten stark. 32 Seiten versprechen Beschränkung auf das Wesentliche. Damit eignen sich die Broschüren des Verlagshauses vorzüglich für Leute mit geschichtlichem Interesse, aber ohne das Bedürfnis, Zeit und Energie für Politikwissenschaft und Sozialstudien aufwenden zu müssen. Die jüngste Publikation haben Peter Hall und Hans Blassmann über eine auch atomar ausgerüstete russische Raketeneinheit in Warenshof, Strelitz Alt und Wokuhl verfasst. Ihr Titel ist „Die sowjetische 152. Garde-Raketenbrigade 1983 – 1988“. Hans Blassmann kennt die Gegend, über die er schreibt, aus seiner Dienstzeit als Stabschef und später als Kommandeur der 14. Polizeibereitschaft „Hans Kahle“ in Alt-Strelitz. Sein Ko-Autor Peter Hall war Leiter Triebswerkseinrichtung in einer Startbatterie in der 5.Raketenbrigade in Demen bei Schwerin. So konnten sich ein Raketenfachmann und ein Lagebewerter zusammen tun und eine fundierte Informationsbroschüre über Bewaffnung und Logistik der ehemaligen  russischen Garde-Raketenbrigade aus Kaliningrad schreiben, die 1983 in den Zuständigkeitsbereich der Westfront in Legnica  verlegt wurde. Beide haben teils historische Fotografien und teils aktuelle Fotografien zur Illustration des Textes benutzt. Aktuell bedeutet, dass trotz der Bürgerinitiative „Freie Heide“ gegen das Bombodrom Wittstock (bekannt als „Wittstocker Acker“) doch noch Teile ehemaliger Truppenübungsplätze von NVA und der GSSD (Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland) von NATO und Bundeswehr zu einschlägigen Zwecken benutzt werden. Nach der Lektüre von Bundeswehrweißbuch und NATO-Erklärung vom Juli 2016 merkt man, wie schnell im Falle einer „großpolitischen Lage“ die überwundene Militärgeschichte reaktiviert werden kann. Da ist jede Zeile Information wichtig, um kommendes Unheil zu erkennen.

Veröffentlicht unter Feuilleton-Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für REZENSION: Die sowjetische 152. Garderaketenbrigade 1983-1988

TAGESBEMERKUNG: Zirkus wählte Saisonbelegschaft

(Schwerin) Der Schweriner Landeszirkus wählte am 04. September die Clowns, Wortakrobaten und Trickkünstler, die in den fünf Jahren der neuen Spielsaison das Publikum mit immer neuen Darbietungen im gleichbleibenden jetzigen Zustand halten wollen. Als neuer Mitspieler wurde die Alternative zu Rechtsstaat und Demokratie (AFD) verpflichtet. AFD machte mit einer neuen Nummer brauner Magie auf sich aufmerksam.

Veröffentlicht unter Tagesbemerkungen | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentare deaktiviert für TAGESBEMERKUNG: Zirkus wählte Saisonbelegschaft

REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Aktualisierte Fassung von „Was der Zeitgeist wispert“ ist lieferbar

Die aktualisierte und erweiterte Fassung von „Was der Zeitgeist wispert“ ist für 6 Euro per Mail bestellbar und wird dann gedruckt und geliefert.

Zur Ansicht: Was der Zeitgeist wispert

Veröffentlicht unter Redaktionsmitteilungen | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Aktualisierte Fassung von „Was der Zeitgeist wispert“ ist lieferbar