ANZEIGE GRUPPE 20: Die Alterstruktruktur drängt zur Revolution

Die Alterstruktruktur drängt zur Revolution

Im Idealfall löst eine Revolution ein bisheriges System ab und und zahlt den Opfern des alten Systems eine Opferrente. Für die Systemopfer ist das dann sinnvoll, wenn sie das alte System hinreichend lange überleben um das Neue mit dem Alten zu vergleichen. Möglicherweise kommt aus dem Vergleich heraus: Die DDR will keiner zurück haben, aber der neoliberale Sozialfaschismus gehört ebenso abgeschafft. Wenn die aus dem Joch des neoliberalen Sozialfaschismus Befreiten von dem, was dann kommt, eine Hartz-vier-Opfer-Entschädigungsrente beziehen wollen, müssen sie noch jung genug sein, um das Neue mit dem Besiegten vergleichen zu können. Die Demographie drängt zum revolutionären Handeln.

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BEWEGUNGSMELDER: Freier Handel, unfreies Leben

BEWEGUNGSMELDER

Freier Handel, unfreies Leben

Eine Million Stimmen will der campact- geführte Widerstand gegen die europäisch-kanadischen und europäisch-amerikanischen Freihandelsabkommen sammeln. Eine Million Stimmen sollen dem Wohl der Investoren und dem Weh der Schöpfung ins Ohr klagen. Wenn man Heuschrecken, Zockern und Spekulanten ins Gewissen reden will, muss die Rede so gut werden, dass eine Million Stimmen einen anderen Chor singen als die Verfechter ungestrafter Handelsfreiheit zum alleinigen Vorteil der Großaktionäre und zum ausschließlichen Nachteil der zu diesem Zweck Herangezogenen.

Das Unbehagen der Menschen gegenüber den beiden Freihandelsabkommen TTPIP und seiner Testversion CETA rührt hauptsächlich daher, dass die Bürger nicht wissen sollen, was drin steht. Und dann werden die Menschen auch noch Verbraucher genannt. Verbraucher klingt nach Abfallbeseitigung und Resteverwerter. Wollen Sie so genannt werden? Sind Sie bereit, freiwillig von sich und ihrer Rolle in dieser Form zu reden? Sind Sie nicht auch Mensch?

Was wird denn wahrscheinlich passieren, wenn die Abkommen in Kraft treten? Nachteile werden genmanipulierte Lebensmittel sein, für die in letzter Zeit oft der Ausdruck Monsantierung zu hören ist. Monsanto ist ein amerikanischer Lebensmittelkonzern, der zunächst durch rücksichtslosen Einsatz von Herbiziden berüchtigt wurde und heute ähnlich wie Google als Inbegriff für „Suchmaschinen“ als Inbegriff für „Genmanipulierung“ steht. 2009 wollte Monsanto die genmanipulierte Maissorte MON810 versuchsweise in der europäischen Union ausbringen, scheiterte dann aber an öffentlichen Protesten. Wie man hörte, ließ darauf hin das amerikanische Handelsministerium den deutschen Botschafter in den USA „antanzen“. Europa habe gefälligst für den Abbau von Handelshemmnissen zu sorgen. Mit einem Abkommen wie TTPIP oder CETA müsste Monsanto sich solche Sorgen nicht mehr machen.

Vielleicht könnten sogar rechtliche Nachteile für Arbeitsvertragsinhaber die Folge sein. Angestellte in Deutschland, die für amerikanische Investoren arbeiten, könnten auf diese Weise amerikanischem Recht unterstellt werden – bis hin zur Todesstrafe? Die Freihandelsabkommen mit USA und mit Kanada haben mit der klassischen Idee vom Freihandel nichts zu tun und beweisen dadurch, dass es um etwas ganz anderes gehen muss, was mit sehr hohem Aufwand verschwiegen wird. Freihandel bedeutet nur, dass im grenzüberschreitenden Handel und dem grenzüberschreitenden Austausch von Waren und Dienstleistungen keine Zölle oder mengenmäßige Beschränkungen zulässig. Kanada oder Amerika könnten demnach in unbeschränkter Größenordnung genmanipulierten Mais oder monsantierte Kartoffeln nach Deutschland exportieren. Das wäre aber noch gar nichts gegen den Profit, der entsteht, wenn derart unbrauchbare Lebensmittel direkt vor Ort angebaut werden. Versuche gab es. Da kamen Umweltschützer und zertrampelten die Felder. Aus den bisherigen größeren Freihandelsabkommen ist lediglich bekannt, dass Staaten um Schadensersatzsummen an Firmen in Höhe von einigen hundert Millionen bis zu einer Milliarde Dollar verurteilt worden. Sie nennen es Investitionsschutzklauseln. Unternehmen können Staaten verklagen. Angenommen, ein amerikanische Ölunternehmen würde millionenfache Barrelmengen an Erdöl aus deutschem geologischen Untergrund durch Fracking holen, und eine deutsche Regierung würde Fracking verbieten, dann dürfte das amerikanische Unternehmen deutsche Steuerzahler auf Milliardenfache Strafzahlungen wegen entgangener Profite verklagen. Die Genpanscher von der Lebensmittelindustrie könnten sich dann wieder hinten rum das Anbauverbot aushebeln, indem sie den Klageweg pour le profit beschreiten.

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REZENSION: Tödliches Geheimnis auf Usedom

REZENSION

Rezension „Tödliches Geheimnis auf Usedom“

Helene Musfedder

„Es prallen Milieus aufeinander“

26-10-2014 cover rezi geheimnis usedom

Nach der Inselkrähe von Mirow lag eines Tages noch ein Ostseekrimi auf meinem Schreibtisch. Sein Cover war genau so hell gestaltet wie das Cover der Inselkrähe. Ich dachte erst, Hinstorff würde jetzt die helle Phase in der Gestaltung der Ostseekrimi-Reihe einleiten. aber der Inhalt von „Tödliches Geheimnis auf Usedom“ zeigte sich mir als das bisher finsterste Kriminalgeschehen der gesamten Reihe. Das Beklemmende an diesem Krimi ist, dass er sozial wird. So viel Sozialdrama waren Leser von Elke Pupkes Ostseekrimis bisher nicht gewohnt. Mit ganz harten Worten führt die Autorin eine Frau in den Krimi ein, die fett ist, sich gehen lässt, stinkt und asozial ist. Woher nimmt die Autorin diese Härte? Die Härte verstört, weil sie nicht zum sonstigen Stil der Autorin passt. Bevor sie fett und stinkend wurde, muss sie wohl mal attraktiv gewesen sein, denn sie hat 8 Kinder von vermutlich 8 verschiedenen Männern. Kein Kind kennt den Vater, und zum Zeitpunkt der Handlung ist die alte Frau verschlampt und die Kinder erwachsen. Schon bald sind zwei ermordet. Auch auf die Reiseführerin, die immer die Sprichwörter verwechselt, wird ein Anschlag verübt. Weil es sich bei den Toten um Kinder der verwahrlosten Frau handelt, wird deren Umfeld genau durchleuchtet. Sogar die sonst eher liebenswürdig beschriebene Berta Kelling wundert sich über ihren zunehmend härteren Sprachgebrauch. Bei der ganzen Familie scheint das komplexe Thema Sexualität völlig durcheinander geraten zu sein. Man hat den Eindruck, dass dort jeder mit jedem, bloss nicht alle zusammen. Die soziale Komponente des Krimis ist sehr, sehr schwer verstörend.

(Elke Pupke, „Tödliches Geheimnis auf Usedom“, Hinstorff-Verlag, Rostock 2014)

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für den Ersten November ist fertig

Heute ist zwar erst der 13. Oktober, Montag, und eine neue Woche beginnt. Sie möge für alle Leser des Flugblattes sowie jene, denen die Bekanntschaft mit dem Flugblatt zur Zeit noch versagt ist, in jeder menschlichen Hinsicht schön werden. Auch Trolls wünsche ich eine schöne Zeit, und natürlich ganz besonders Herrn Dr. Liberalitas. Unsere Hochachtung kennt keine Grenzen mehr. Hier ist das Flugblatt:

Das Flugblatt Nummer 85 01-November 2014

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BARON VON FEDER: „Wenn man zum Lesen Strom braucht“

BARON VON FEDER

„Wenn man zum Lesen Strom braucht“

In Ahrenshoop gab es bis zum 5. Oktober zum 13. Male die Literaturtage. Der ziemlich konstante Besucherstrom – abgesehen von Sonntag mittag – tat den etwa 25 Verlagen richtig gut. Es gab Leute, die gezielt suchten, und es gab Leute, die wollten nur kucken, nicht kaufen. Mir erschien die Menge der Leselustigen größer als die Menge der „Strandhallenabsolvierer“. Für Bücher und ihre Wirkung auf die Leser ist die lage derzeit ungemütlich. Obwohl es doch noch Menschen gibt, die bedrucktes Papier durch die Finger rascheln lassen wollen für ein richtiges Leseerlebnis, wird zur Zeit ein elektronisches Leseerlebnis propagiert. Das finde ich befremdlich. Warum muss ich, um etwas zu lesen, ein stromfressendes elektronisches Gerät einschalten? Es reicht doch, wenn ich an dunklen Winterabenden eine Leselampe benötige, um im Dunkeln etwas erkennen zu können. Bei mir am Stand hat einer gesagt: Bücher kaufen, das ist ein komplexer sinnlicher Vorgang. Man muss reden können. Die Zahlung, die gewiss erfolgt, hinauszögern. Das reden und Plaudern genießen. Der Mann hat recht. „Sonst kann ich ja gleich online einkaufen“, sagte er. Aber dann müsste er zu Amazon gehen statt in die Strandhalle Ahrenshoop zu den Ahrenshooper Literaturtagen. Bei Amazon wird niemand jemanden finden, der sich mit Literatur auskennt und über Bücher, Themen, Sprachgenüsse plaudern kann. Zur Zeit wird der Laden immer genannt, wenn von der Zukunft des Buchhandels die Rede ist. Mag ja sein, dass elektronische Bücher ihren Reiz haben. Ich b mal auf einer Zugfahrt eine Dame mit E-Book gefragt, wie sich das denn liest. Sie zeigte es mir. Ja, dachte ich, wenn das Ding in einer edlen Lederhülle steckt wie ein Ringbuch, und vielleicht noch eine Stütze hinten dran hat wie ein mittelalterliches Skribenten-Pult, dann hat das was. Aber allgemein halt ich es nicht für gut, wenn man zum Lesen Strom braucht. Im Tagesspiegel las ich kürzlich einen Artikel über die Zukunft des Lesens. Der Artikel verband das Lesen mit dem Schreiben. Diese Verbindung war der klügste Gedanke zum Thema digitaler oder analoger Lesegenuss. Unter anderem Stand in dem Artikel, dass die Schreibkultur von SMS, E-Mail und PC die analogen Schreibfähigkeiten mit Feder, Kugelschreiber, Bleistift und Füllfederhalter verdrängt. Das würde genauso natürlich und unaufgeregt geschehen wie auch schon die Verdrängung des Schreibens mittels Griffel auf Wachstafeln stattfand. Was passiert aber, wenn ich nur noch auf elektronischen „Wachstafeln“ schreiben kann und keinen Stromanschluss habe? Ist das dann genauso, als wenn mein Füller keine Patrone mehr hat oder mein Bleistift abgebrochen ist und ich keinen Anspitzer habe? Wenn mir zum Schreiben nur das papier fehlt, ist das kein Problem. Ich mach eine Notiz auf die Handinnenfläche oder bitte meinen mitreisenden Kumpel: „Zieh mal Dein Hemd hoch, Alter“ und dann schreib ich meine Ergüsse auf den nackten Rücken. Es muss doch irgendwie möglich sein, dass analoge und digitale Schreib-und Lesekultur friedlich gemeinsam vorhanden sind. Mag sein, dass E-Books zur Zeit hypen und die Verlage es schwer haben, Gedrucktes zu verkaufen. Aber muss das Verdrängung bedeuten? Man kann die analogen Kulturtechniken unterdrücken, indem man sie nicht mehr lehrt. Wer E-Books nur und IPhone kennt, für den wird Druck und Federschriebs wie Zauberei wohl aussehen. Andererseits: Jahrelang haben Rasenmäher und Motorsensen die Fähigkeit zum Umgang mit Sense und Sichel eingeschläfert. Jetzt aber steigt schon wieder die Nachfrage nach Sensenblatt und Dengeln. Ich halte Gedrucktes für nachhaltiger als Elektronisches. Es ist Materieller. „Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen. Das lässt sich nicht von Sticks und andern Datenspeichern sagen.“

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BARON VON FEDER: „Taschentücher für den General der Attrappe“

BARON VON FEDER

„Taschentücher für den General der Attrappe“

Ich versuche mit meinen Artikeln der Freude über die Nichtangriffsfähigkeit Ausdruck zu verleien. Die Kollegen Uthoff und von Wagner hatten kürzlich den Spruch MAKE LAUGH NOT WAR. Den fand ich gut. Ich war fast ein wenig neidisch, weil der Spruch nicht von mir stammt. Aber nur fast. Jedes nicht erschallte Lachen stärkt die Kriegstreiber. Also lasset uns lachen. Kurz vor der Schadenfreude können wir ja wieder seriös werden. Ich hab mal bei der Armee erlebt, dass kein Benzin da war und die zum Militärdienst Geholten mussten zu Fuß laufen, brumm-brumm-töff -töff machen und im Laufen mit der Hand fuchteln, als man an der Gangschaltung spielt. Vor so einer Truppe braucht niemand Angst zu haben. Es hätten nur genug Leute sehen müssen. Auf einer Truppenparade zum Beispiel. Noch besser und billiger ist es, die Bundeswehr mit Sandkasten und Attrappe auszustatten, damit sie ihrem Kriegsspiellaster frönen kann. Dann muss der General der Attrappe auch nicht bei der Rüstungsindustrie und ihrem politischen Arm weinen gehen. Und irgendwelche Kommentatoren holen dann die Taschentücher für den General der Attrappe. Wir andern können ja derweil an der friedlichen Welt arbeiten. Ist sowieso noch genug zu machen. Aber die Militärs würden uns dann nicht mehr stören. Auch dem Exerzieren haftet ja schon immer etwas leicht Lächerliches an. Erwachsene Männer schmeißen die Beine wie ein Hampelmann, dem man an dem dazu angebrachten Faden zieht. Aber zugleich haben diese Hampelmänner die Macht, andern Menschen das Sterben zu befehlen und das Sterben Anderer herbei zu führen. Man kann nur einen Tod sterben, aber viele Leben gewinnen. Die Gewalt aber gehört verlächerlicht.

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BARON VON FEDER: Die Satire steht am Grenzfluss Rubikon

Die Satire steht  am Grenzfluss Rubikon

Wenn die Satire einen Julius Cäsar hätte, würde sie nicht am Rubikon der ihr Grenzen setzenden deutschen Rechtssprechung halt machen. Sie tut es aber, denn sie hat keinen Cäsar. Manche sagen, ihr Rubikon wäre eine natürliche Grenze, weil gleich hinter der Grenze die Schmähkritik anfängt. Die aber ist verboten, weil für sie nicht Artikel 5 des Grundgesetzes gilt, sondern allgemeine Regelungen zum Thema Persönlichkeitsrecht, Rufschädigung und Beleidigung. Ist das wirklich so? „I am not convinced“, sagte Joschka Fischer, als er mal Außenminister war und die Beteiligung der NATO am Jugoslawienkrieg debattiert wurde. Ich bin auch nicht überzeugt davon, dass hinterm Rubikon die Schmähkritik anfängt. Ich glaube eher, da fängt die Trefferzone an, in der jede Pointe den bewitzelten Sachverhalt weglacht. Das kann so schlecht nicht sein. Wenn politische Witze gesellschaftliche, soziale, ökologische und nachhaltige Verbesserungen bewirken, dann haben sie hinter dem Rubikon den Boden erreicht, auf dem ihr Geist fruchtbare Lebensbedingungen findet. Aber die Hüter des heiligen deutschen Rechts lassen es nicht zu, dass die Satire Volltreffer landet. Sie darf Streifschüsse feuern, solange alles bleibt, wie es ist.

Ach Mensch. Einmal nur übern Rubikon. Oder wenigstens mal mit dem Fuß drin planschen, um die da drüben nass zu machen.

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APROPOSIA: Von der Verödung des öffentlichen Lebens

APROPOSIA

 Von der Verödung des öffentlichen Lebens

Moderatorin: „Guten Abend, Erlauchte Runde. Wussten Sie schon, dass die Wissenschaft jetzt einen Begriff gefunden hat für den verschwundenen Zeitgeist? Verödung des öffentlichen Lebens nennen sie das.“

Unker: „Ist ja noch viel schwieriger vorstellbar als das Wort Zeitgeist selbst.“

Moderatorin: „Na, was ist denn Ihrer Meinung nach Zeitgeist? Herr Dr. Liberalitas, wollen Sie zuerst?“

Dr. Liberalitas: „Also Zeitgeist ist die Wahrnehmung der Freiheit in der Verantwortung oder der Verantwortung in der Freiheit – Zeitgeist hat also immer etwas mit Verantwortung zu tun, und weil außer Uns Wenigen keiner mehr Verantwortung trägt, ist der Zeitgeist verschwunden.“

Zwischenrufer: „Na, wenn DAS der Zeitgeist sein soll, dann ist es kein Wunder, dass er lieber woanders hingeht, zum Beispiel in die Natur zurück.“

Dr. Liberalitas: „Es weht ein neuer Zeitgeist durch das Land, der das alte Drückebergertum abgelöst hat.“

Moderatorin: „Und das wäre dann die Verantwortung?“

Dr. Liberalitas: „Jawoll.“

Moderatorin: „Verantwortung besaß auch schon der verschwundene Zeitgeist, aber der besaß auch Kultur, Mitgefühl, Solidarität, Nachbarschaftshilfe, Gegenseitigkeit, Bildung, Vertrauen und Zuverlässigkeit.“

Unker: „Aber leider noch keinen Sinn für Nachhaltigkeit.“

Dr. Liberalitas: „Wo soll es den denn jemals gegeben habe – wo sich genau dies doch erst jetzt im neoliberalen Verantwortungsgeist entfalten kann?“

Zwischenrufer: (unverständlich murmelnd) „Oh Gott ist das geistlos“

Moderatorin: „Dr. Liberalitas, ich sag Ihnen kurz, wie das Buch über den verödeten Zeitgeist heißt. Also das Buch heißt: Der Kampf um die Deutung der Neuzeit, aber bei dem Titel weiß ja keiner, was gemeint ist, darum nannte das Magazin Telepolis das ganze per Überschrift Eine unglaubliche Verödung des öffentlichen Lebens.“

Dr. Liberalitas: „Und was hab ich damit zu tun?

Moderatorin: „Persönlich nichts, aber als Sprachrohr.“

Dr. Liberalitas: „Sprachrohr?“ (denkt: Verdammt, wo ist die Sehr kluge Frau, wenn man sie mal braucht?)

Sehr kluge Frau: (vorm Fernseher): „Sieh da, sieh da, der Dr. schwimmt.“ (grinst zufrieden)

Moderatorin: „Naja, zum Sprachrohr sind Sie ja bestimmt. Muss ja kein Kanonenrohr sei, das wäre ja ein ödes Zeichen der Zeit. Sehnse ma, es wäre doch schön, wenn die unterschiedlichen Kulturkreise mit Neugier und Interesse aufeinander zugingen statt mit Schwert und Faust und Stein und Drohnen.“

Dr. Liberalitas: „Und wir, die wir unseren Gestaltungspielraum immer mehr erweitern, erleben beglückt, das befreiung schoner ist als Freiheit.“

Moderatorin: „Na frei sein wollen wir doch bestimmt alle.“

Dr.Liberalitas: „Das betrifft auch Menschen, die sich oft ohne große Überzeugung angepasst, ohnmächtig gefühlt oder in Nischen eingerichtet haben.“

Zwischenrufer: „Dr. Liberalitas, haben Sie gerade eine andere Matrix erwischt?“

Dr. Liberaltas: „Ich spreche von einem Klima der Angst und der Ohnmacht, in dem sich viele anpassen, dem Druck nachgeben und in Nischen einrichten.“

Unker: „Also ein Klima von Hartz Vier, Kriegsgefahr, neoliberalem Sozialfaschismus, Freihandel und unfreiem Leben.“

Dr. Liberalitas: „Wir wollen werden, was wir 1989 waren.“

Zwischenrufer: „Dr. Liberalitas, dann seien Sie wenigstens diesmal dabei, wenn wir das Herrschaftssystem wegfegen.“

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BARON VON FEDER: „Rationierte Infohappen“

BARON VON FEDER

„Rationierte Infohappen“

Neulich hab ich mal versucht, jemanden zu finden, der vollständig über den ukraino-russischen Krieg und dessen Bedeutung als Manöver für den dritten großen Krieg ist, während es noch Zeugen für die beiden Vorgängerkriege gibt. Ich fand denjenigen nicht. Mal war keiner ehrlich, mal wusste keiner etwas Genaues. Daraus ergab sich für mich die Schlussfolgerung, dass die Informationen rationiert zugeteilt werden. Hochgehaltsträger, propagandistisch auch Leistungsträger genannt, bekommen beispielsweise Wirtschaftsdaten als Hintergrundinformation. Sie sollen dann „Ach so“ dazu sagen und fürderhin als gewöhnlich gut informierte Kreise dem Prekariat erklären, dass die prekäre Lage der Arbeitsmärkte auch von den Gefahren des internationalen Terrorismus verursacht ist. Das sind Schlöcher alle miteinander. Schland wimmelt von Schlöchern. Wer nur aufs Fernsehen angewiesen ist, bekommt vom Sender gesagt, das es „Alle Infos“ nur bei diesem Sender gibt. Auf die theoretisch vorhandene meinungsvielfalt wird gar nicht erst hingewiesen. Zur Zeit bringt jeder neue tag eine Bestätigung dessen, was ich am Vortag dachte. So schnell ging das noch nie. Ich warte noch auf den Tag, wo ich bereits „Siehste“ sagen kann, wenn ich gerade erst ausgesprochen habe. Monat für Monat, wenn ich für „Das Flugblatt“ arbeite, empfinde ich das politische Kabarett als neue Darstellungsform von Journalismus. Prompt sagten die Kollegen Uthoff und von Wagner ähnliches im Gespräch mit dem Onlinemagazin „Telepolis“. Sie bezogen sich dabei auf die Septemberausgabe des Sendung „Die Abstalt“, in der von Wagner mit einer Generalsuniform rumlief und zeigte, wie man neuerdings im Fall Ukraine, Syrien, IS und anderen Kriegstatorten statt Journalismus „Heeresberichte“ und „Wehrmachtsberichte“ verbreitet. Das us-geführte Kriegstreiben damals gegen Saddam Hussein versuchte hierfür „embedded journalists“ als liberalhegemoniales Pressekorps einzusetzen. Sie waren noch nicht soweit. Wieweit sind sie jetzt? Kann man noch „Hinter den Schlagzeilen“ lesen, wenn dahinter nur steht, dass es so gar nicht sein kann, wie es vorne behauptet wird? Kann da überhaupt etwas anderes stehen, wenn die Informationsbeschaffung die Anwendung der Snowden-Methode verlangt? Dazu gehört Mut. Oder reicht es schon, wenn man die die offiziellen Informationen so anordnet, dass die Widersprüche zwischen den Zeilen sichtbar werden? Dann ist Kabarett wirklich Journalismus. Die Tradition ist lang. In der Weimarer Klassik zum Beispiel hatte „Das Theater“ auch schon einen journalistisch aktuellen Unterhaltungsauftrag. Das politische Kabarett von heute soll aber keine seichte Unterhaltung sein. Dazu ist die Lage zu ernst. Sie soll aber das Kriegstreiben wirkungslos verpuffen lassen. Die Pointe von Uthoff und General von Wagner hieß: MAKE LAUGH NOT WAR.

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FEUILLETON-TRENDS: Der Realismus der neoliberalen Lebensverhältnisse

FEUILLETON – TRENDS

Literarische Strömung: Der Realismus der neoliberalen Lebensverhältnisse

Mainstream-Feuilleton registriert neue literarische Strömung

Bücher über die Zeit und aus der Zeit, in der die Handlung spielt, zählen Literaturwissenschaftler zur sogenannten realistischen Literatur. Mal gings es dabei um sozialistischen Realismus, mal gings es um das Leben in industriellen Arbeitswelten, mal gings es um Exilliteratur von Schriftstellern, die aus Deutschland fliehen konnten und aus ihren Exilländern schrieben. Vielen gelang das nicht, so dass es auch sehr viele Autoren gibt, an deren schaffen das nationalsozialistische System jegliche Erinnerung ausgelöscht hat. Zum körperlichen Massenmord kam also noch der geistige Massenmord hinzu. Vom Kalten Krieg nach dem zweiten Weltkrieg kann man trotz aller Kritik behaupten, dass das geistige Leben zumindest nicht verödete. Der Kalte Krieg ist seit 1990 vorüber, Francis Fuckyouyama stand mit dem Buch „Das Ende der Geschichte“ parat, und die neoliberale Verödung von Arbeits-und Lebenswelten begann. Die sozialfaschistische Kälte lähmte Handlungsbereitschaft und Handlungswissen. Sie ließ die Hartz-Vier-Opfer spüren, dass sie in allem ihren Tun von den Argen kontrolliert und bestraft werden. Solches lähmt die Lebensfreude und den Geist. Aber der Geist lässt sich nicht dauerhaft lähmen. Zuerst waren es Arbeitslosenverbände und Erwerbsloseninitiativen, die juristische Texte, Urteile und Gedächtnisprotokolle sammelten. Bald gab es auf Seiten der Hartz-Vier-Opfer Worte, Argumente und Fakten, die der Willkür der Jobcenter die Grenzen zeigte. Das war gut so, denn es entstanden innerhalb der Behördenseite Gruppierungen, die ein Ohr für die Nöte der Opfer hatten und wenigstens versuchten, ihren Ermessensspielraum zu deren Gunsten auszulegen. Nur den Hardlinern der Behörden und der Politik missfiel solches. Und dann gab es einen ganz merkwürdigen Trend: Bücher über Aussenseiter, sogenannte grenzwertige Literatur und sogar das Nachmittagsfernsehen mit den ärmsten Verlierern der gesellschaftlichen Würde pieksten Jungautoren dahin, wo es weh tut, und stachelten sie an, nun ihrerseits die Opfer als Protagonisten von Trotz und Widerstand, Witz und Schalk sowie Mut und Zivilcourage darzustellen. Dieser Realismus der neoliberalen Lebensverhältnisse beschönigt nichts, zeigt und sammelt aber Beispiele, wie die Macht des Jobcenter-Regimes in ihrer schlimmsten Form wirkungslos werden kann, indem die eigene Aktivität vor dem amtlichen Zwang zu unsinnigen Maßnahmen kommt und also Fakten schafft.Die zarte Strömung des realistischen Lebens trotz neoliberaler Existenzbedingungen steht noch ganz am Anfang. Aber berechtigte Aussichten auf Erfolg hat sie.

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