GRUPPE 20: Soll ich….?

Soll ich….?

Soll ich in mein Tagebuch notieren
„Ich würde gerne Lieder komponieren,
mit frechem Geist und höhren Unterhaltungswerten
als die Uni-Reden von Gelehrten?“

Ich würd sie gerne derart schreiben
dass sie im Gedächtnis bleiben
der Leserschaft vom Feuilleton,
ob mit, ob ohne Staatspension.

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BARON VON FEDER: Kriegsgeheul gehört nicht zur Meinungsvielfalt

ZUEIGNUNG FÜR 2017
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„Kriegsgeheul gehört nicht zur Meinungsvielfalt“

Liebe Leserinnen, liebe Leser, im Alltag ist regional nichts von den Kriegen in der Welt zu spüren. Ab und zu erinnern Kondensstreifen von Militärflugzeugen und die damit verbundene Lärmkulisse an Syrien, Krieg, Flucht, Manöver, Terrorismus und elendes Sterben in erbärmlicher Not. Ansonsten aber spannen sich in Europa bildlich gesprochen immer noch Seidenhemden über Wohlstandsbäuchen. Anders als zwischen Spanischem Bürgerkrieg 1936 bis 39 und dem Zweiten Weltkrieg von 1939 bis 45 gibt es durch Internetkommunikationsdienste Informationsmöglichkeiten für jeden, die damals bestenfalls von Wochenschauen, Fronturlaubern und Augenzeugen bedient werden konnten. Oder von Lokalspionagekräften. Die Quellen von damals und die von heute haben miteinander gemein, dass sie schwer überprüfbar sind. Durchaus interessante Interviews auf Youtube kann man nicht bewerten, wenn und weil man über die Personen nichts erfährt, die dort argumentieren. Auf Youtube vorgetragene Meinungen mögen ja interessant argumentiert sein, aber man sollte auch wissen, wer der Mensch ist, damit man den Einfluss von dessen Lebenserfahrung auf seine Bewertung der Dinge beurteilen kann. Das gehört zusammen. Sonst passieren solche Dinge wie eine versehentliche Veröffentlichung eines Artikels in einer rechtslastigen Zeitung. Es können ganz komische Missverständnisse auftreten, wenn man zum Beispiel campact mit compact verwechselt. Campact ist eine politische Gruppierung, die per Unterschriftensammlung online versucht, Volksentscheide herbei zu führen, und compact gilt als Zeitung, wo hoch gebildete Geisteswissenschaftler trotz aller Bildung rechtsbräunliche Gedanken publizieren. Dabei müsste es doch ganz einfach sein: Man misst an einem Text, welchen Wert die Menschlichkeit darin hat, und beurteilt dann das Gesagte. „Die Wahrheit muss man akzeptieren, egal aus welcher Quelle sie kommt“, meinte der Philosoph Maimonides. Dann aber muss sie auch jeder äußern dürfen ohne gleich bekämpft zu werden. Denn eine Bekämpfung von Meinungen kann niemals dem Ideal einer Meinungsvielfalt in der Gesellschaft dienen. Zur Zeit meinen sogenannte Sachverständige auf dem Gebiet des Herrschaftswissens, dass Minilöhne und Sozialabbau unvermeidlich sind und das Aufrüstung nötig ist, um den Wohlstand zu erhalten. Welchen und wessen Wohlstand? Nützliche
Idioten von etwas verdeckt Herankommendem verkünden inzwischen lautstark, dass Asylanten an dem von Gerhard Schröder, Franz Müntefering, Wolfgang Clement, Peter Hartz, Ulla Schmidt und den aus neoliberalen Wettbewerbsadepten der FDP bestehenden Wegbereitern der AfD verursachten Sozialabbau und Schaffung dauerhafter Armut Schuld seien. Man kann solcher Meinung sein – aber man sollte sie in gemäßigter Lautstärke äußern. Manchmal kann es auch eine Gnade sein, wenn die Dummheit, die man spricht, nicht von allzu vielen Menschen gehört wird. Wer meint, Kriegsgeheul wäre das richtige Lied zur Zeit, soll es sagen dürfen, aber nur, damit man ihn unter seiner Maske erkennen kann. Aufrufe zu Fremdenhaß und Kriegsverbrechen sind keine Meinungen im Sinne der Meinungsvielfalt, sondern Straftaten wie Mord, Vergewaltigung und Wohnungseinbruch. Wenn einer meint, dies tun zu dürfen, so irrt er. Wenn welche meinen, sie dürften ein Verbrechen begehen, so ist dieser Irrtum keine Meinung und gehört nicht zur Meinungsvielfalt. Weiterhin meine ich, dass eine weltbürgerliche kosmopolitische Integration unterm Herzschlag von Menschlichkeit und Nächstenliebe ein unerhört irrationales und daher erfolgversprechendes Mittel zum Frieden ist, auf dass auch rational-emotionslose Kriegstreiber hören. Sie sollen ja nicht zur Vernunft kommen, sondern zur Menschlichkeit. Stattdessen: Haben Sie schon gehört, dass unter der Leitung von Regierungssprecher Angelus Merkelsheimer alias Steffen Seibert ein „Desinformationsabwehrzentrum“ entsteht? Heiliger Thomas de Maiziere, der Du mit einem Blick durch Deine kluge Brille die Terrorgefahr im Stadium ihres Entstehens erkennst: Wirf doch mal einen Blick auf die hierdurch möglicherweise entstehende Gefahrenlage für den Artikel 5 des Grundgesetzes, in welchem geschrieben stehet: Zensur findet nicht statt.

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FEUILLETON-ZEITGEIST: 6000 Füße nach Aleppo

Feuilleton-Zeitgeist

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„6000 Füße nach Aleppo“

Einen Tag nach der Raserei eines Sattelschleppers in einen bunt bevölkerten Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin mitToten und Schwerverletzten am 21. Dezember 2016 gab es in den Nachrichten des Senders N-TV eine bis dato unerhörte Meldung: Am zweiten Weihachtsfeiertag sollen 3000 Pilger zu Fuß von Berlin-Tempelhof nach Aleppo in Syrien aufbrechen.

http://www.n-tv.de/panorama/Zu-Fuss-von-Berlin-nach-Aleppo-article19377986.html

Drei Monate haben die Organisatoren eingeplant. Ihr Leiter ist eine polnische Journalistin, heißt es in der Meldung weiter. Niemand hatte den Plan zuvor publik gemacht. Die Planungen verliefen also im Stillen. Fast ein Jahr lang konnten 130 Personen planen und organisieren – von der Pilgerroute über die medizinische Versorgung bis zu den lästigen Formalitäten an Grenzübergängen und bei Konflikten mit Gesetzen in den jeweiligen Ländern. NTV schreibt, dass die Route über Tschechien, Österreich, Slowenien, Serbien, Mazedonien, Griechenland, Türkei nach Syrien gehen soll. Syrien ist nur einer von mehr etwa zehn Kriegen und einer großen Zahl gewaltätig ausgetragener regionaler Konflikte. Einer endete 2016 mit einem Friedensabkommen, und zwar ein innerere Krieg in Kolumbien. Zu befürchten ist möglicherweise dass der Krieg in Jemen so in den Blickpunkt rücken wird wie derzeit Syrien. Darauf deutet eine Zunahme der Medienberichte über Jemen hin. Wo Berichte zunehmen, sind Dinge im Gange. Ohne Dinge im Gange gäbe es nichts zu berichten. Die Zunahme der Berichte wirkt wie ein Frühwarnsensor. Da mag man sich vorstellen, dass der Pilgerzug nach Aleppo zum Frieden stiften auch friedensstiftende Pilgerzüge in alle anderen derzeitigen Kriegsgebiete nach sich zieht. Die unerhörte Begebenheit von 2016 erinnert an eine ebenfalls unerhörte Begebenheit von 1219. Damals ging der Mönch Franziskus von Assisi ebenfalls in den Nahen Osten und predigte vor dem tausendmann starken Heer des Sultans Melek el Kamil in Fariskar, dass niemand töten soll und das es keinen gerechten Krieg gibt. Der Sultan war beeindruckt, aber die Friedensstiftung blieb symbolisch. 797 Jahre später versucht eine ähnliche Aktion das gleiche Ziel zu erreichen.

 

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DAS FOTO: Bald Vollbeschäftigung

Bald Vollbeschäftigung

Das Arbeitsbeschaffungsprogramm aus dem Weißbuch Bundeswehr wird planmäßig umgesetzt. Zuerst muss hinten alles stimmen, bevor es vorne losgeht.

Das unterste Foto war einmal an einem Laternenpfahl angeklebt worden. Ich weiß weiß nicht wo ich weiß nicht wann.

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt vom 1. Dezember 2016 ist fertig

Liebe Leserinnen, liebe Leser, im Alltag ist regional nichts von den Kriegen in der Welt zu spüren. Ab und zu erinnern Kondensstreifen von Militärflugzeugen und die damit verbundene Lärmkulisse an Syrien, Krieg, Flucht, Manöver, Terrorismus und elendes Sterben in erbärmlicher Not. Ansonsten aber spannen sich in Europa bildlich gesprochen immer noch Seidenhemden über Wohlstandsbäuchen. Anders als zwischen Spanischem Bürgerkrieg 1936 bis 39 und dem Zweiten Weltkrieg von 1939 bis 45 gibt es durch Internetkommunikationsdienste Informationsmöglichkeiten für jeden, die damals bestenfalls von Wochenschauen, Fronturlaubern und Augenzeugen bedient werden konnten. Oder von Lokalspionagekräften. Die Quellen von damals und die von heute haben miteinander gemein, dass sie schwer überprüfbar sind. Durchaus interessante Interviews auf Youtube kann man nicht bewerten, wenn und weil man über die Personen nichts erfährt, die dort argumentieren. Auf Youtube vorgetragene Meinungen mögen ja interessant argumentiert sein, aber man sollte auch wissen, wer der Mensch ist, damit man den Einfluss von dessen Lebenserfahrung auf seine Bewertung der Dinge beurteilen kann. Das gehört zusammen. Sonst passieren solche Dinge wie eine versehentliche Veröffentlichung eines Artikels in einer rechtslastigen Zeitung. Es können ganz komische Missverständnisse auftreten, wenn man zum Beispiel campact mit compact verwechselt. Campact ist eine politische Gruppierung, die per Unterschriftensammlung online versucht, Volksentscheide herbei zu führen, und compact gilt als Zeitung, wo hoch gebildete Geisteswissenschaftler trotz aller Bildung rechtsbräunliche Gedanken publizieren. Dabei müsste es doch ganz einfach sein: Man misst an einem Text, welchen Wert die Menschlichkeit darin hat, und beurteilt dann das Gesagte. „Die Wahrheit muss man akzeptieren, egal aus welcher Quelle sie kommt“, meinte der Philosoph Maimonides. Dann aber muss sie auch jeder äußern dürfen ohne gleich bekämpft zu werden. Denn eine Bekämpfung von Meinungen kann niemals dem Ideal einer Meinungsvielfalt in der Gesellschaft dienen.

„Das Flugblatt“ für Dezember 2016 enthält folgende Beiträge:

das-flugblatt-110-01-12-2016-neues-layout

 

Aproposia: „Friedliches für die weite Welt“

Feuilleton-Rezension: „Schmutzige Demokratie“

Feuilleton-Rezension: „Das getäuschte Gedächtnis“

Feuilleton-Zeitgeist: „Bundeswehr fängt Kanonenfutter mit Youtube“

Feuilleton-Kulturbetriebliches: „Quatsch mit mir“

Baron von Feder: „Wenn Geschichten auf der Straße liegen“

 

Ich wünsche Ihnen allen einen friedlichen Advent und ein kreatives 2017

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BARON VON FEDER: Das Netz

BARON VON FEDER

Das Netz
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Ein Netz ist etwas zum Fangen und Tragen oder ein Bündnis von Knoten. In der Zoologie sind Spinnen als Netzbenutzer bekannt. Sie nutzen Netze zum festhalten lebender Mitglieder der Schöpfung. Die eingenetzten Wesen werden verspeist. Wenn Menschen mittels Netzen Mitglieder der Schöpfung festhalten, so dient das entweder der Ernährung oder der Forschung. Wenn Menschennetze Fische fangen, so dient dies der Ernährung. Wenn Menschennetze Vögel fangen, so dient dies der Forschung. Die Vögel werden kontrolliert, ob sie einen Ring am Fuß haben. Wenn sie einen haben, werden die Merkmale Körpergröße, Gewicht, Ringnummer und auffallende Besonderheiten erkennungsdienstlich behandelt. Manchmal stellen die Menschen fest, dass eine aufgefundene Ringnummer schon einmal im Netz war. Dann vergleichen sie Ort und Datum beider Netzfesthaltungen miteinander. In solchen Momenten nennen Menschen ihr Tun Netzwerk. Dabei ist ein Netz nur eine Verbindung mehrerer Knoten miteinander. Knoten auf nur einer Schnur sind noch kein Netz. Aus einer Schnur wird erst dann ein Netz, wenn sie eine Fläche wird. Aber nicht jedes Netz ist flächendeckend groß. Zwischen vier verbundenen Knoten einer Fläche ist ein Freiraum. Der Freiraum heißt auch Masche. Im Idealfall kann man durch sie aus dem Netz entkommen. Wenn man eine Masche gefunden hat, mit der man einem Netz entgehen kann, ist man bisweilen nur in einem anderen Netz gelandet. Netze sind Konkurrenten, die einander das Fanggut streitig machen. Auf solche Ideen können auch nur Menschen kommen. Nie würden Spinnen Spinnen fangen. Menschen können aber auch merken, dass sie sich in ihren Netzen verheddern. Dann sinnen sie auf Abhilfe. Die Hilfe ist naheliegend. Das Fanggut muss sich nur zu einem Bündnis verknoten.

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FEUILLETON-KULTURBETRIEBLICHES: „Quatsch mit mir“

FEUILLETON-KULTURBETRIEBLICHES

„Quatsch mit mir“

11-11-2016-ausstellung-julia-kilian

Julia Kilian scheint von sich selber überrascht zu sein. Jedenfalls liest sich die Ankündigung einer Ausstellungseröffnung im „Atelier Tageswerk“ in Neustrelitz so, als ob sie von der morgendlichen Zeitungslektüre beim Frühstück gerade erst erfahren hat, dass sie, Julia Kilian, am 5. November 2016, Farben auf Stoff und Leinwand in der Begleitung von Musik von Phillip Nespital vorführt und wirken lässt. Tatsächlich ist die Neustrelitzer Vernissage im Moment noch kein Auftakt zu einer Ausstellungsreihe, sagt Kunsttherapeutin Julia Kilian. Sie habe zwar weitere Ausstellungen im Visier, denn Kunst will wahrgenommen werden, aber noch sei die Zukunft relativ vage. Julia Kilian arbeitet hauptberuflich in einem Berliner Krankenhaus. Als Kunsttherapeutin ist es ihre Berufung, mit Patienten zu arbeiten, denen es aufgrund ihrer Erkrankung leichter fällt, ihre Gefühle über die Kunst auszudrücken. „Wo Worte fehlen, sprechen Bilder“, bringt es Julia Kilian auf den Punkt. Auf ihrer Webseite „colorima.de“ macht sie unmißverständlich klar, wie wichtig ihr der Kontakt zu Menschen über die Kunst ist – sowohl für sich selber wie auch für die Menschen, die sich über die Kunsttherapie öffnen können. „Colorima“ ist übrigens ein zusammengesetztes Kunstwort aus Colorit (für Farbumfeld) und Imagination (für Vorstellung und Fantasie.) Und wenn die Fantasie angeregt ist, kommt irgendwie auch Kommunikation zustande. Denn ein bisschen was geht immer.

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FEUILLETON-ZEITGEIST: Bundeswehr fängt Kanonenfutter mit Youtube

Feuilleton-Zeitgeist

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„Bundeswehr fängt Kanonenfutter mit Youtube“

 Die Wegzeichen der Zeit werden auf Krieg umgestellt. Manöver finden statt, beim Katastrophenschutz schleicht sich die Bezeichnung Zivilverteidigung ein, die damals in der DDR üblich war, in Syrien werden die ungeahnten Möglichkeiten des hybriden Krieges für Mord und Profit ausprobiert, und das Verteidigungsministerium teilte im Oktober mit, dass die Bekämpfung von Computern mit Computern nun auch in die Ausbildungsphase der „Cyberkrieger“ übergehen könne. Cyberwar bedeutet, dass militärische Einheiten eines Landes mit sonst üblichen Ganovenmethoden von Hackern in Computersysteme eines andern Staates eindringen. Wenn man sich unerkannt in fremden Netzen tummelt, kann man zum Beispiel ferngesteuert die gesamte vernetzte Technik eines Krankenhauses übernehmen – von der Telefonanlage über die Aufzüge bis hin Aufnahme von Daten und Patienten in der Notaufnahme, der Intensivstation oder in Operationsraum. Man kann aber auch den gesamten Straßenverkehr lahmlegen, in dem man die Steuerung von Ampelanlagen übernimmt oder dasselbe im Schienenverkehr tut, indem man die Fahrpläne und Signale völlig durcheinander bringt. Das alles ist Cyberwar, der noch eine Steigerung kennt: Wenn nämlich die Störung der elektronischen Infrastruktur der vernetzten Computer keine Aussicht auf den Endsieg bietet, nimmt man noch eben die eigenen herkömmlichen Waffensysteme oder auch Drohnen und „schlägt mit der Faust auf den Tisch“. Wenn sich die Cyberkrieger behackern, wird man nicht viel mitbekommen, solange die eigenen Strukturen unangetastet bleiben. Vielleicht lässt man sie unangetastet, damit keiner etwas merkt. Das kann sehr wahrscheinlich sein. In jedem Fall braucht die Bundeswehr Leute, die derlei Aufgaben erledigen können. Das ist schwierig in einer Zeit, in der längst nicht so viele junge Leute wie vom Staat gewünscht trotz Lehrstellenmangels „zum Bund gehen“, um dort ein „attraktives Bildungsangebot“ zu bekommen. „Lerne Deine Grenzen kennen“, heißt ein Programm, ein anderes schlicht „Ja. Dienen“ – und am erste November starteted eine Videoserie der Bundeswehr auf der Internet-Videoplattform „Youtub“ mit dem Titel „Die Rekruten“. Acht Millionen Euro sollen eine Handvoll Filme über 12 Leute kosten, die in die Marineschule Parow bei zwischen Stralsund und Barhöft eine militärische Grundausbildung in der Länge von 12 Wochen absolvieren. Acht Millionen Euro, von denen der gebührenfinanzierte Sender ARD auf seiner Webseite fragte, ob das keine Geldverschwendung sei. An den bishewr gezeigten Folgen gab es im Grunde nichts auszusetzen – wenn man die Gattung Propagandafilm als eigenständiges Merkmal anerkennt. Die Kameraführung ist genau so chaotisch wie die Reihenfolge der einezlnen Folgen, bei denen keine Überleitung zur nächsten Folge erkennbar ist. Propagandafilme der DDR waren zwar auch keine lobenswerten dokumentaristischen Leistungen, aber immerhin konnte man Wissenswertes aus dem gezeigten Bildmaterial ableiten. Diese Sendung hier scheint bislang einfach nur Unsinn zu sein. Sie ist so unsinnig, dass man ihr nicht einmal vorwerfen kann, sie habe ihr Ziel verfehlt, weil sie ihr Ziel gar nicht nennt. Was die Webserie zeigt, hat mit der wahrnehmbaren Realität nichts zu tun. (Siehe Einleitung). Weil sie alles weglässt, was an Wissen und Zusammenhänge denken lässt, scheint sie sich an Menschen zu richten, deren Lebenserfahrung noch keine kritischen Vergleiche erlaubt. Die Serie wendet sich also hauptsächlich an Kinder, deren Berufsorientierung kräftig manipuliert werden soll. Nimmt man dies als Zielsetzung an, erscheint der ganze filmische Unsinn plötzlich logisch. Nämlich Ideo-Logisch.

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BARON VON FEDER: Wenn Geschichten auf der Straße liegen

BARON VON FEDER

Wenn Geschichten auf der Straße liegen

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Jeder einzelne Tag besteht aus einer Vielzahl von Geschichten. Jeder erlebt welche und viele glauben an die Kompetenz, die Geschichten zu bewerten, um die Schicksalsfrage „Verbreitung oder Schublade“ zu entscheiden. An sich erzählt jedes Leben eine Geschichte. Mal ist es eine Geschichte von Einsamkeit, mal eine von enttäuschten Hoffnungen, mal eine von gelungener Karriere bei gleichzeitig misslungener Liebe. Mal erzählt ein Leben vom Gestaltungswillen der Lebensbedingungen des Lebenden, mal erzählt es von der Übermacht der Zwänge, die den eigenen Gestaltungsspielraum beengen. Viele Lebensgeschichten werden gar nicht wahrgenommen. Manche Leben wollen aber wahrgenommen werden. Um diese Geschichten soll es gehen. Geschichten und Geschichten erzählen kann man sammeln und aufschreiben wie seinerzeit die Herren Grimm, die als Märchensammler und Erzähler in der deutschen Literaturgeschichte ihren dauerhaften Platz haben.

Manche Geschichten möchte man gar nicht kennen, manche sollte man kennen, an manche erinnert man sich, und jede Geschichte könnte eigentlich ihren Hörer finden, wenn Erzähler, auftretende Person und mögliche Zuhörer zusammen kommen. Um sich zu finden, braucht man Gelegenheiten: Lesungen, Quasselabende oder die Suche nach Menschen, deren Erfahrungen mit einer konkreten ähnlichen Situation helfen können. Auch weltbewegende Geschichten können ihren Ursprung in dem Augenblick einer Beobachtung haben. Die Dauer eines Wimpernschlags kann die Länge einer abendfüllenden Geschichte erreichen. Einmal malte ein kleines Kind beim Eisessen irgendwas aufs Papier. „Kuck mal“, sprach das Kind zu der es begleitenden weiblichen Persönlichkeit, ich hab de Mann da gemalt.“ „Aber so sieht der Mann doch gar nicht aus“, sagte die begleitende Persönlichkeit. „Doch“, beharrte das Kind. „Aber von innen“. Die von dem Kind gemalte Innenseite des Mannes sah aus wie das Blatt einer Buche. Sowas kann man nicht ersinnen. Solches erlebt man in echt auf der Straße. Und fast alles andere auch.

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FEUILLETON-REZENSION: Schmutzige Demokratie. Ausgehöhlt Ausgenutzt Ausgelöscht

Rezension „Schmutzige Demokratie“

„Wenn Ideale zum Kotzen sind“

Irgendwann schwanken alle Heilsversprechen. Es schwankt die Marktwirtschaft, die viele meinten, wenn sie Demokratie und De-Mark sagten. Das war zwischen 1949 und 1989. Die Marktwirtschaft schwankt unter dem Marschtritt der neoliberalen Kapitalkohorten. Es schwankt der Glaube an die Demokratie, weil der Glaube an den Rechtsstaat durch das für Recht befundene dauerhafte Ausharren in Armut, Minilohn und Lohnersatzleistungsabhängigkeit abgelöst wurde. Es schwankt das Vertrauen in die Privatheit des Privaten, weil Arbeitsämter mit Zoll, Sparkasse und Finanzamt fröhlich Daten abgleichen, um aus unterschiedlichen Angaben über Einnahmen den Versuch abzuleiten, dass die auszuquetschenden Zitronen sich der gesetzlichen Fruchtpresse entziehen. Dabei ist doch völlig klar, dass ein ganzjahreszeitraum für das Finanzamt im Idealfall höhere Zahlungen ausweist als ein halbjahreszeitraum für das Arbeitsamt über eventuelle Zuverdienste. Sachverhalte werden nicht mehr geklärt, sondern als Gesetzverstoß deklariert und mit dem Entzug des Existenzminimums bestraft.

Das alles findet der Journalist und Buchautor Jürgen Roth zum Kotzen und schrieb gerade das Buch „Schmutzige Demokratie“. Es beginnt mit einer Kotztirade. Der Autor leitet mehrere aufeinander folgende Sinnabschnitte mit einander ähnelnden Formulierungen ein. Das klingt so:
Ich ertrage nicht…
Ich weigere mich…
Mir wird speiübel…
Ich kann die Lügen nicht mehr hören…
Ich will nicht schwermütig werden…

Das Buch ist aber genau das: eine penible Auflistung von undemokratischen Politikern, von Elitenformung und Verschwörungstheoretikern, von offenem nationalistischen Gesellschaftsidealen und eine lähmende Ohnmacht aller anderen, die nachher wegen der Kriegsvorbereitungen leiden müssen. Dabei wäre es so einfach, die Migration als Mittel zur Bewahrung des Friedens und der Schaffung sozialer Gerechtigkeit zu betrachten. Aber am Ende bleibt auch dieses Buch im Stadium eines Aufrufs stehen. Unter Aufruf verstehen viele heute, es reiche, eine Unterschrift unter eine Petition zu setzen. Aber es gibt da noch die Mühen der Ebenen. Niemand weiß, wieviel Zeit noch ist, aber es scheint die Ahnung zu knospen, das Politik und Gesellschaft es jetzt und sofort mit Kultur, Bildung und Geist probieren sollten. Sonst wird es unmöglich, Rassisten selbst in der Europäischen Union auf den Status „wirkungsloser Schreihals“ zurückzuführen. NATO, CETA, FPÖ, AfD und Bayern – man sieht schon in der ganzen Welt die Neolieralen feiern.

(Jürgen Roth, „Schmutzige Demokratie“, ecowin, Salzburg 2016)

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