Gerhard Depperdö und Brigitte Partout

 Baron von Feder

 „Gerhard Depperdö und Brigitte Partout“

 Flüchtlingswellen von Krisenstaaten kennt man bislang noch nicht in der von Gerhard Depperdö, dem Avantgardisten der Wohlstandsmigranten, initiierten Art. Der Mann wurde Russe, weil er zu Hause in Frankreich zu hoch besteuert wurde. Einer zu hohen Besteuerung seines Reichtums hätte sich Gerhard Depperdö auch durch Teilen entziehen können. Teilen ist schließlich auch eine Art zu sparen. Sie gibt den Begünstigten die Möglichkeit, aus eigener Kraft ihr Leben zu erhalten. Dazu bedarf es nämlich nur einer Mindesthilfshöhe, die ausreicht, von den Erträgen eines Apfelbaumes zu leben, statt verzweifelt und hungrig am Stamm zu knabbern. Dann hat man am Ende weder Baum noch Ertrag. Und alle gehen ein.

Aber Gerhard Depperdö scheint ja in Echt genauso ein Hitzkopf zu sein wie in vielen seiner Rollen als Schauspieler. Seis drum. Aber dass das Ex-Kußmäulchen Brigitte partout zum Plappermäulchen werden will und genau wie Depperdö russisch sein will, ist bedenklich. Wenn diese beiden Beispiele nämlich Schule machen, gibt es eine Luxusvölkerwanderung. Im Idealfall, wenn man das migrationspolitisch geschickt steuert, lösen sich Krisenprobleme von alleine. Die nimmersatten Reichen (hörst Du, Peer?) würden sich ein eigenes Reservat schaffen, und der genügsame Rest wäre endlich frei für ein nachhaltiges Leben.

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Redaktionsmitteilungen: Das Flugblatt vom 1. Januar 2013

Liebe Leserinnen, liebe Leser, ich wünsche Ihnen allen ein geschmeidiges und beschwingtes Neues Jahr. „Das Flugblatt“ Nummer 58 ist auch schon fertig. Es geht um Menschen und Champignons, lächerliche Lügner, ein Herrentier und um Alternativen, deren Zahl trotz anderslautender Kundgebungen stetig zunimmt. Link: Flugblatt Nummer 58Nr 1-01- 01-2013

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Explodierende Lebenshaltungskosten

BEWEGUNGSMELDER

Ein Schuldzins auf das Lebensrecht

(Ein Kommentar)

Hannes Nagel

 Wo Verschwörungstheoretiker sind, gibt es auch Verschwörungspraktiker. Sonst hätten die Theoretiker nichts zu tun. Die Theoretiker rätseln zur Zeit, warum die Kosten steigen. Sie vermuten daher verborgene Praktiker hinter den unheimlichen Sogwirkungen auf das Geld in Portemonnaies, auf Konten und ständig andere Betragszahlen, die immer etwas größer sind als die zuletzt gezahlte Summe. Warum müssen diese Beträge eigentlich gezahlt werden und wer kassiert sie? Aus reinem Selbstbereicherungswunsch hat sich mir die Krankenkasse nicht mitgeteilt, dass sie ab Januar etwa 6 Euro mehr aus meinem Geldbeutel beansprucht. Ihr sitzt selbst einer im Nacken, der Hand gleich wieder aufhält, nachdem die Scheine in ihr verschwanden. Eigentlich könnten die Kraneknkasse und ich uns verbünden, um den Großen Unbekannten Kassierer mal in seinem Büro zu besuchen. Wir machen das aber nicht. Denn wir glauben noch immer an einen gesetzmäßigen Gang des Geldflusses (im Sinne von Naturgesetz, wogegen sich auch niemand auflehnt) sowie an legales Vorgehen, wie es im Sinne der FDGO abläuft. FDG heißt „Freiheitlich-Demokratische Grundordnung“.

Die 6 Euro für die Krankenkasse sind im Prinzip ein kleiner Betrag. Wenn jedoch das monatliche Einkommen ebenfalls klein ist, wirken 6 Euro wie ein dicker Brocken. Nach der Krankenkasse werden bestimmt auch die Stadtwerke bald wieder zulangen. Spätestens im Februar.

Nun kam aber im Dezember auch der Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes heraus. Sein Titel heißt: „Positive Trends gestoppt, negative beschleunigt“. Da möchte doch jeder Theoretiker gerne wissen, wer die Praraktiker sind, die zwischen Entwicklungstrends selektieren. Zumal diese Selektion bedeutet, dass positive Trends möglich sind und gesteigert werden könnten, wenn die Praktiker nicht die negativen Trends bevorzugen würden. Warum kann nicht mal das Gute, Schöne und Menschliche gefördert werden?

Konsequenterweise beschloss die FDP gerade, sie wolle noch mehr Privatisieren. Und definitiv keinen Mindestlohn einführen. Privatisieren heißt, staatlichen Besitz und Institutionen an private Betreiber zu verkaufen. Privatisierter Staatsbesitz ist also dem Vermögen des Staates entzogen. Und damit ist Privatisierung eine Enteignung der Gesellschaft. Das passt doch gut zu der Enteignungstendenz, die man im Treiben der Staaten zu erkennen glaubt. Der Gesellschaft werden auf diese Weise die Grundlagen der Versorgung mit Wasser, Strom und Öffentlichen Dienstleistungen entzogen. Der privatiserte Anbieter staatlicher Leistungen würde vermutlich im Auftrag des Großen Unbekannten Kassierers die Einkommen der arbeitenden und arbeitslosen Menschlein noch weiter beschneiden als es die Politik vermag, denn sie muss naoch ein wenig so tun, als ob die Verfassung gilt. Eine warme Wohnung und Gesundheitsfürsorge samt gesunder Ernährung gibt es dann bloß noch für Menschen, die auf einen Mindestlohn für ein Mindestmaß an Lebensrecht nicht mehr angewiesen sind.

Im September sind Wahlen. Die FDP aus der Regierung zu drängen ist möglich. Aber wenn sie auch nur Handlanger der Unbekannten Kassierer ist, rettet der Untergang der FDP die Gesellschaft auch nicht vor der zielgerichteten Verarmung.

Es sei denn, bei der Privatisierung käme das Volk, also die Gesellschaft, zum Zuge.

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Von Menschen und Champignons

APROPOSIA

Von Menschen und Champignons“

 Ist dies Wahnsinn, hat es doch Methode“, sagte Polonius zu Hamlet, als Hamlet vermutlich sich selbst als einen Auserwählten unter Zehntausend wähnte. „Auch Dich haben sie schon genauso belogen“, sang Hannes Wader und nannte damit jeden Kriegsgrund eine Lüge. Warum also passen die Begründungen politischer Entscheidungen niemals zu den Absichten, für die die Entscheidungen getroffen wurden?

 Moderator: „Da wir in 9 Monaten wieder Wahlen haben, gehen auch wir heute wieder schwanger mit ein paar Fragen zum Thema: Wieso erkennt man politische Versprechen nicht wieder, wenn sie als erfüllt präsentiert werden?“

Parteivertreter: „Von welchen Versprechen reden Sie, nennen Sie bitte Roß und Reiter!“

Moderator: „Ein paar Stichworte mögen genügen: Rentenreform, Gesundheitsreform, Steuererhöhung oder auch nicht,…“

Physiker: „Energiewende – vergessen Sie die Energiewende nicht.“

Moderator: „Ja, Energiewende. Das war ursprünglich das Thema unserer heutigen Diskussion. Aber ist sie nicht ziemlich unbedeutend, angesichts Rohstoffkrisen, Flüchtlingen aus Nordafrika, Bürgerkriegen und schwächelnder Demokratie?“

Sozialarbeiter: „Sie nennen es unbedeutend, wenn Millionen Menschen im dunklen frieren, weil sie die horrenden Energiekosten nicht bezahlen können?“

Moderator: „Das habe ich nicht gesagt. Nur ein paar Aspekte hab ich aufgezählt, weshalb die Energiekosten so hoch steigen, obwohl Solarstrom billig, sauber und wohltuend für die Umwelt sein kann“

Ältere Dame: „Die Lage ist so, weil sie völlig alternativlos ist.“

Der Zwischenrufer: „Alternativen sind da, man muß sie nur zulassen“

Physiker: „Es muss nicht so sein, gnädige Frau. Es gibt seriöse Untersuchungen darüber, dass die weltweite Thermalenergie reichen würden, um sowohl Haushalte als auch Produktionsstätten die kommenden 2000 Jahre lang unentgeltlich mit Energie zu versorgen.“

Sozialarbeiter: „Verbilligung der Produktion ohne Senkung der Lohnkosten, einfach durch Einsparung der Energiekosten, Bewahrung der Umwelt, konstanter High-Level-Profit für global Players….“

Parteivertreter: „Hören Sie doch auf. Politik ist keine sozialromantische Veranstaltung.“

Zwischenrufer: „Nee. Sondern eine jagdhündische Unterordnung an die Besitzer der Welt. Ihr Jagdhunde apportiert Gesetze, hinter denen die Besitzer der Welt ihr kriminelles Tun verbergen.“

Der Verarmte: „Sekunde mal: Ich bin also arm, weil ich arm gemacht und gehalten werden soll? Ich soll also denken, dass es dafür Gesetze gibt? Ich soll denken, zu diesen Gesetzen gibt es keine Alternativen?“

Der Zwischenrufer: „Genau. Ihre Wasserrechnung wird ja auch teurer, weil Sie Ihren Verbrauch senken, denn die geringeren Einnahmen aus dem Verbrauch gleichen die Wasserwerke über höhere Gebühren wieder aus“

Der Verarmte: „Sagen Sie was, Parteienvertreter, sagen Sie was, Ältere Dame“

Parteienvertreter und Ältere Dame: (Schweigen)

Ex-Staatsjurist „Wir werden alle gelebt wie die Champignons in den Champignonzuchtbetrieben: Ein Leben lang im Dunkeln gehalten und ernährt mit Pferdemist. Nur damit die Besitzer der Welt regelmässig ihr Terrinchen Champignoncremesuppe haben. Wir werden gehalten, um die Leute zu ernähren, die die Welt gestohlen haben.“

Der Verarmte: „Diss is ja unerhört is diss.“

 

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Rezension Herrentier

Helene Musfedder

Rezension „Herrentier“

Sonntag, 09. Dezember 2012

Mimis kleine Bettlektüre, Folge 6: Es waren Könner am Werk

Schnee liegt draußen. Er liegt auf Straßen, Bahnsteigen und und Feldern. Die Bahnsteige und Felder sind leer. Leer wie mein Kopf. In dem ist alles von der Lektüre des Ostseekrimis „Herrentier“ verdrängt. Das ist ein Krimi des Autorenduos Michael Joseph und Matthias Schümann, erschienen im Hinstorff-Verlag in Rostock. Es waren Könner am Werk.

In mir bohrt die Frage, warum kaum noch ein Krimi ohne einen Journalisten mang den Akteuren auskommen kann. Dass hingegen Täter zunehmend der kriminellpolitischen Klasse angehören, verstehe ich irgendwie. Mein Freund sagt manchmal, das Politiker Hehler der Konzerne sind, die nun auch noch das Monopol auf Straftaten haben wollen. Das würde letztendlich die Gesellschaft zum Kriminalitätsopfer machen. Ich antworte ihm dann jedes Mal, dass die Gesellschaft dann ja bald aus unschuldigen Engelchen bestehen müßte. Aber wer könnte sie dann vor den Tätern schützen? Obwohl wir das Thema schon oft ansprachen, kamen wir über diesen Punkt noch nie hinaus. Obwohl das Thema doch eine spannende Seinsfrage ist (nicht Sinnfrage, Seinsfrage. Es geht nämlich ums Ganze).

Darum trifft es sich gut, wenn es Krimis gibt, die unsere Diskussion fortführen als Planspiel oder Situationstraining. Auf diese Weise muss kein Leser persönlich Opfer von Gewalt, Korruption, Betrug, Schmutz und Missbrauch werden und kann dennoch Brauchbares lernen. In „Herrentier“ bringt ausgerechnet der zwanzig Jahre zurückliegende Mord eines kommunalpolitischen Einflussnehmers – sozusagen eines „Ortswirtschaftsführers“ – die politische Klassenkriminalität ans Licht. Im Zoo soll ein Gebäudekomplex errichtet werden. Dazu sind Baugrunduntersuchungen nötig. Und nur einer weiß, das dabei eine Leiche ans Licht kommen wird. Weil er sie dort vergrub. Der Mord an einem Orang-Utan sowie minderstens drei weitere Mordversuche sollen nun alle davon abhalten, sich mit dem Zoo und seinen Plänen zu befassen – zynisch gesprochen: sie würden die Totenruhe stören. Aber soviel Rechtsverdrehung bekommt noch nicht einmal die oberste Politklasse hin. Beteiligte und Unbeteiligte bekommen den Sog der Machenschaften zu spüren: ein Journalist, zwei Polizisten, das Bauamt, der Senat, die Zoodirektorin, ihre Geschäftsassistentin. Warum hat eigentlich noch niemand die Presse als vierte Gewalt mit dem Namen Publikative bedacht, wo die anderen drei Gewalten doch Legislative, Judikative und Exekutive heißen? Übrigens, Herrentier: Ich hab heute irgendwo ein Foto von einem Orang-Utan gesehen. Das Foto war betitelt: „Gebt ihnen noch eine Million Jahre“- Und ich dachte: Wenn der Homo sapiens seine Geschwister Orang-Utan nicht vorher ausrottet, dann lösen sie uns vielleicht ab. Mögen sie es besser machen.

Michael Joseph, Matthias Schümann, „Herrentier“, Hinstorff-Verlag, Rostock 2012

https://www.hinstorff.de/programm/ostseekrimi/978-3-356-01519-5-herrentier.html

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Das Flugblatt Nummer 57 vom 15. Dezember ist da

Liebe Leserinnen, liebe Leser, im Prinzip ist heute der 15. Dezember und das Flugblatt Nummer 57 ist fertig. Bitte sehr. Das nächste Flugblatt erscheint 2013. Falls noch was Unvorhergesehenes passiert (Weltfrieden, Schließung von Guantanamo oder soziale Gerechtigkeit) publiziere ich spontan was auf der zum Flugblatt gehörenden Webseite. Viel Spass beim Lesen, frohen Übergang ins nächste Jahr, alles Gute und danke fürs Lesen.
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Rezension Mörder im Zug

 Helene Musfedder

Rezension „Mörder im Zug“

Sonntag, 09. Dezember 2012

Mimis kleine Bettlektüre, Folge 5: Der Zugbegleiter

Ich sitze im Regionalexpress RE 4308. Der fährt jetzt gleich los, und nach achteinhalb Stunden bin ich in Crimmitschau. Ich muss in Schwerin umsteigen. Nach knapp 13 Minuten Bahnsteigswechselgehetze geht es mit RE 37381 weiter bis Berlin-Hauptbahnhof. Von da geht es 18 Minuten später weiter. Die Hälfte der Zeit geht schon für den Weg drauf. Mein Freund hätte gelästert: „Wenn das schon MEINE Zeit ist, dann will ich auch bestimmen, wofür ich sie brauche“. Da habe ich zwar noch nie verstanden, aber irgendwie hat er Recht. Als ich mir die Fahrkarte gekauft hatte, musste ich lachen. Die kürzeste Verbindung, sagten sie am Schalter, geht über Hannover und Göttingen, und dann unten bei Weimar und Jena wieder in bekannte Gegenden. Ich stell mir gerade vor, ich hätte 1986 am Rostocker Hauptbahnhof gesagt: „Bitte einmal Crimmitschau, ermäßigt mit Studentenausweis, über Göttingen-Weimar-Jena“. Die Fahrt hätte ich wohl nie angetreten. Jetzt geben sie erst auf Nachfrage zu, dass man auch über Schwerin-Berlin-Leipzig nach Crimmitschau kommt. Ich muss dazu in Schwerin umsteigen, dann in Berlin Hauptbahnhof und dann noch mal in Leipzig. Berlin geht durch Spandau. Die reine Ostpassage von früher gibt es nicht mehr. Zum Glück gibt es zwischen Berlin und Leipzig ein Bordrestaurant, welches einen edlen Namen trägt, sonst aber alle Klischees zum Thema Mitropa erfüllt. Mich stört das ja nicht, weil es mich auch früher schon nicht gestört hat. Mich stört nur, dass es heute nichts Halbes und nichts Ganzes mehr gibt. Keine Mitropa mehr, und das Heutige alles Ander als gediegen. Aber ich habe ja einen Ostseekrimi aus dem Hinstorff-Verlag dabei. „Mörder im Zug“ ist von Frank Goyke und keine halbe Sache. Im Gegenteil. Der Krimi beginnt ebenfalls in einem Zug, und mir wird warm ums Herz, als ich mir die kalten Füße der Reisenden vorstelle. Es ist übrigens auch ein Regionalexpress. Das sind die Züge mit den ergonomisch unmöglichen Sitzplätzen. In solchen Zügen jammern die Bandscheiben lauter als die Bremsen quietschen. Die alten von der ostdeutschen Reichsbahn, die mit den mal grünen, mal roten Kunstlederbezügen, und mit Abteilen statt torpedoartigen Großraumgeschosswagen, die waren gemütlicher (außer im Sommer, wenn man wegen der Hitze am Leder kleben blieb, und im Winter, wenn die Heizung nicht ging). Jedenfalls lese ich. Und mir fallen sehr präzise Beschreibungen auf von Bahnstrecken, die ich auch kenne. „Priemerburg Süd“, bei Güstrow inner Ecke, zum Beispiel. Früher hab ich meinen Freund ab und an begleitet, wenn er auf dieser Leidensstrecke zurück in die Kaserne musste. Daher kennen wir beide die im Krimi beschriebene Trostlosigkeit, aber WIR wissen, wie wir sie ins Amüsante verwandelt haben. In „Mörder im Zug“ wird bei Ankunft des Zuges in Rostock eine Leiche entdeckt, der Mörder hingegen nicht, aber das dauert nur ein paar hundert Seiten, weil die gleichen Kommissare wie bei „Mörder im Gespensterwald“ ermitteln, und die sind gut. Man kann ja selten über Bullen sagen, dass sie gut sind; hier kann man es. Darum ist der Krimi gut. Es wird nicht ganz klar, welches von beiden der frühere ist, aber meine Tendenz geht zu „Mörder im Zug“ als früheren Krimi. Ausgesprochen gut ist die Beschreibung eines Schizophrenen. Der Autor macht sich keinen Augenblick lang über die Krankheit lustig und dramatisiert sie auch nicht unnötig. Aber WIE er sie beschreibt, befähigt auch nicht-schizophrene Menschen, sich das WAHRNEHMEN der Realität bei den Kranken vorzustellen. Das ist teils beklemmend, teils ist es Aufklärung, und alles mit dem nötigen Maß an Behutsamkeit. Das dann noch Rauschgifthandel, Osteuropamafia, Wirtschaftsbetrug, Netzwerke und Verflechtungen bei den Reichen auftauchen, die teils „die Schönen“ und teils „die bessere Gesellschaft“ heißen, ist ein schöner Beleg dafür, dass Frank Goyke ausgesprochen fein und präzise dramatisieren kann – und irgendwo hat er bestimmt auch einen Flakon mit Humor stehen, den sprüht er dezent über die Handlung.

Oh, ich muss Schluss machen. Eben künden sie an, dass wir in Kürze Crimmitschau erreichen. Bevor ich jetzt aussteige: Machen Sies gut, viel Spaß beim Lesen, und nächste Woche fahre ich nach Tötensen. Kennen Sie einen Satz mit drei Städtenamen? „Winsen Ham, Tötensen“.

 Frank Goyke, „Mörder im Zug“, Hinstorff-Verlag, Rostock, 2012

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Lang lebe Palästina

 Lang lebe Palästina

 Lang lebe Palästina“Noch bis kurz vor den 30. November machten Kampagnen-Gruppen im Internet mit Petitionsalarm alle erreichbaren Adressaten mit E-Mail-anschreiben wild. Sie sollten ihren Namen auf eine Unterschriftenliste setzen, die dann die Regierungen geschickt bekommen hätten, damit sie die in der Petition enthaltene Anweisung ihrer Souveräne zu Erhebung Palästina in den Rang der Staaten befürworten.

 Die UNO-Vollversammlung: „Zur Abstimmung liegt die Resolution A / RES / 67 / 19 vor. Gegenstand ist der Antrag Palästinas auf den Rang eines Beobachterstaates in allen Belangen der Vereinten Nationen. Ich bitte um Abstimmung.“

Das Raunen: „Heute wird Geschichte gemacht. Palästina wird Staat. Der Nahostkonflikt muss enden. Es ist die Schicksalsstunde.“

Der Glockenschlag: „Gong“

Die UNO-Vollversammlung: „Für den Antrag stimmten 138 Mitglieder. 41 enthielten sich und 9 waren dagegen. Ein klares Votum.“

Geheimdienste in Ramallah und Gaza-Streifen: „Eh, keine Panik, heut knallen nur Freudenböller.“

Tel Aviv: „Das ist geschmacklos. Es gibt keinen Grund zur Freude.“

Mahmud Abbas: „Wir strecken unsere Hände zum Frieden aus.“

Benjamin Netanjahu: „So spricht niemand, der Frieden will.“

Hillary Clinton: „Zwei-Staaten-Lösung ja, aber doch nicht soo.“

Palästinenser: „Wir sind jetzt ein Staat. Israel ist auch einer. Unser aller Handeln ist jetzt zwischenstaatlich.“

Generalstab: „Mist, dann ist jetzt jeder Schuss ein Krieg zwischen Staaten.“

Netanjahu: „Das stört die Hausfrau nicht beim Bügeln. Der Siedlungsbau geht weiter.“

Chor der westlichen Außenminister: „Dann ziehen wir ernsthafte Konsequenzen, und zwar unsere Botschafter ab.“

Zwischenrufer aus Ramallah (Arafats Geist): „Die können ja zu uns kommen. Da hamses nicht soweit.“

Berlin: „Ich ermahne alle, unverzüglich an den Verhandlungstisch zurück zu kehren.“

Tel Aviv: „Abbas nich mit dem.“

Internationaler Strafgerichtshof: „Völkerrechtlich heißt die Resolution doch bloß, dass Palästina uns anrufen darf. Ab jetzt sind wir auch für palästinensische Klagen zuständig. Wir prüfen schon mal.“

Medien: „Beruhigt Euch. Die Anerkennung ist nur ein Beobachterstatus. Vollständige völkerrechtliche Anerkennung ist noch lange nicht erreicht.“

Hamas: „Da kann noch viel passieren.“

Tel Aviv: „Das war ein Fehler, das werden wir sie spüren lassen.“

Der Papst: „Keine Gewalt.“

 

Darum erwähnten die Medien den Erfolg der Palästinenser bei der UNO eher mürrisch. Von einer Chance der 2-Staaten-Lösung für den Friedensprozeß im Nahnen Osten sprach eigentlich nur Palästinenserräsident Mahmud Abbas. Die Politik findet, dass der Nahostkonflikt so komplex und schwierig ist, dass er der einfachen Öffentlichkeit nicht mehr vermittelbar ist. Das finden auch die Medien, die in jedem Fall zu wenig Experten haben, die den Konflikt noch verstehen. Sie warten daher auf wertende Vorgaben aus Washington, Paris, Berlin und Tel Aviv. Und man lässt die Öffentlichkeit nicht sehen, dass der Graben zwischen Israel und Palästina nah wie nie den Status eines überwindbaren Hindernisses errungen hat. Und wenn er zu tief oder zu breit ist, dann kann man ihn zuschütten. Selbst Siedlungsbau hat dann einen Sinn.

 

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Apropos Wölfe

Apropos Wölfe
Hannes Nagel
„Der Wolf“ – und viele drehen am Rad“ 

Es könnte sein, daß die Müritz bald von Krokodilen besiedelt wird. Mit voran schreitendem Klimawandel ist die Gefahr real. Die Bauern wollen daher schon jetzt einen Krokodilsmanagementplan fordern, damit sie ihn anwenden können, wenn in Zukunft mal ein Krokodil eine Kuh beim Wassersaufen packt. Wichtig ist für die Bauern, daß sie eine Bejagungsoption erhalten, um die gefährlichen Bestien von der Tötung mecklenburgischer Rinderherden abzuhalten. Das wäre das Gebot der Stunde, um aus dem Wolfsmanagementplan für Mecklenburg-Vorpommern vom 30. März 2010 die richtigen Schlußfolgerungen zu ziehen. Jedenfalls scheint es so die CDU-Fraktion im Agrarauschuß des Schweriner Landtages zu empfinden sowie auch Tierhalter, deren Schafe von Wölfen gerissen wurden. Von den anderen Fraktionen äußerten sich lediglich die Linke und die Grünen zum Thema Jagd auf den Wolf. Die Linke teilt mit: Zäune sowie Wolfsreservate auf ehemaligen Truppenübungsplätzen würden die Wölfe in ihrem natürlichen Bewegungsdrang hindern. Die Grünen teilten mit: In Mecklenburg-Vorpommern geht es lediglich um DREI Wölfe, zwei davon sind aus dem Fortpflanzungsalter heraus. Aber warum müssen so viele gleich Zeter und Mordio schreien? Es gibt wieder Wölfe. Das ist eine wertfreie Beobachtung. Es ist völlig egal, ob man das gut oder schlecht findet. Wölfe sind sogar nach EU-Gesetzen ( das sind die, die „aus Brüssel“ kommen) strikt vor Bejagung geschützt. Sicher darf man sich gegen einen angreifenden Wolf verteidigen, aber welcher Wolf macht das schon? Wölfe reißen, wenn sie den Trieb dazu spüren, und hören erst auf, wenn der Trieb nachläßt. Der läßt in dem Moment nach, wo sich nichts mehr bewegt. Fielen Schafe angesichts eines Wolfes in Schockstarre, ließe der Wolf sie womöglich in Ruhe. Menschen, Schafe und Wölfe wissen also gar nicht mehr, wie man miteinander auskommen KANN, aber das weiß Frank Stier, der selbst Rißgutachter ist. Er sagt: 1. Wölfe respektieren elektrische Weidezäune. Wenn sie einmal einen Stromschlag erlebt haben, wissen sie, dass der Schag irgendwie mit Schafen zusammenhängt. Wenn sie dann ein Schaf sehen, das am Ortsrand blökt, schauen sie kurz hin, bis eine innere Stimme sagt: „Nee, lass, Strom“, und dann traben sie weiter. 2. Wenn aber Tierhalter ihre Schafe am Ortsrand mittels Weidepflöcken zum Grasen anbinden und es kommt ein Wolf, der keinen Stromschlag kennt, dann macht er die Erfahrung: „Blökendes Schaf am Ortsrand – leichte Beute. Mahlzeit.“ Es soll bereits Wölfe geben, die ignorieren Schafe völlig. Tierhalter müssten sich also ein wenig mit der neuen Situation auseinander setzen. Große schwere Schutzhunde bei den Herden halten Wölfe auch beträchtlich vom Trieb ab. Statt 15 Tieren reißen sie dann nur noch 2. Ganz ausschließen wird man das nicht können. Der Rißgutachter sagt, dass das Land den Tierhaltern Schulungsveranstaltungen anbietet und auch die Kosten übernimmt: Elektrozäune, Zäune mit Schutz gegen überklettern oder untergraben, Einsatz von geschulten Hunden und vor allem: Wenn eine Weide an ein Gewässer grenzt, dann sollte die Grenze auch seeseitig geschlossen werden. Wölfe können schwimmen. Schafe auf einer Insel wären nicht geschützt, wenn es nicht zuätzlich noch andere Schutzvorrichtungen gäbe.

Man muss also, meint der Experte, nicht hysterisch zur Jagd blasen, sondern die Wölfe mit klarem Kopf kennenlernen.

www.lcie.org/docs/Action%20Plans/Managementplan_Wolf_MV.pdf
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Nikolaus: Eine Rute für die ARGEN

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