APROPOSIA: Von der Freiheit von Menschenrechten

APROPOSIA

 

Von der Freiheit von Menschenrechten

Moderatorin: „Was ist eigentlich der Sinn von Reichtum?“

Mesiramis Drohne: „Reichtum ist die Belohnung der neoliberalen Marktwirtschaft.“

Manager: „Mit Reichtum kann man alles kaufen.“

Dr. Liberalitas: „Freiheit ist auch die Freiheit von den Menschenrechten“

Zwischenrufer: „Klingt nach doppelt freier Lohnarbeiter“

Sozialdemokrat: „Was soll das denn sein?“

Hart-Vier-Opfer: „Jemand, der frei von Arbeit und frei von Lohn ist.“

Manager: „Mit Reichtum kann man sich beides leisten.“

Unker: „Und woher kommt Euer Reichtum?“

Manager: „Wer bis 40 noch kein Millionär ist, ist bloß zu faul zum Arbeiten“

Dr. Liberalitas: „Fleiß und Bescheidenheit sind Bürgertugenden. Bürger sollen aber nicht in die Sünde des Neides auf prassende Manager fallen.“

Zwischenrufer: „Und Politiker“

Dr. Liberalitas: „Was?“

Zwischenrufer: „Prassende Manager und prassende Politiker.“

Horsti: „Politiker sind aber – jedenfalls bei uns ist das so – Menschen, die eine sehr große Verantwortung für die Zukunft des Wohlstands und der Sicherung der hierzu notwendigen Arbeitkräfte wahrnehmen.“

Unker: „Nu erklären Sie aber auch noch, welche Arbeitskräfte wessen Wohlstand sichern, dann kommt vielleicht Klarheit ins verschwommene Bild.“

Bescheidene Frau: „Ich krieg langsam wirkliche Angst. Ist denn Arbeit mit Lebensunterhalt kein Menschenrecht?“

Manager: „Verehrte Dame, Arbeit ist zunächst nur mal eine eiskalte Pflicht, welche die Herzenswärme des Wohlstands erst möglich macht. Wer also seine eiskalte Pflicht nicht erfüllt, muss eben frieren. So einfach ist das.“

Zwischenrufer: „Aber es werden ja viel zu viele an der Erfüllung ihrer sogenannten Pflicht gehindert.“

Manager: „Dann müssen die eben ihre Pflichten woanders erfüllen. Ist doch jedem seine eigene Angelegenheit.“

Neolib-Schnösel: „Der Staat kann und darf sich eben nicht um jeden Wehwehchen kümmern. Er muss zur Selbstverantwortung erziehen.“

Unker: „Dann pass bloß auf, wenn das eines Tages zur revolutuionären Selbstverantwortung führt.“

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REZENSION: Rostock, letzte Runde

Rezension „Rostock. letzte Runde“

„Irreführende Krimigroteske“

(von Helene Musfedder)

 Hinstorffs Ostseekrimis scheinen zeitlos werden zu wollen oder ewiggeltend. Die meisten sind aktuell-gegenwärtig, zwei handelten im Mittelalter, und nun gibts einen, der „vorläufig zukünftig“ ist. Seine Handlung beginnt in zwei Jahren. Wenn man ihn 2017 noch mal liest, wird er ganz anders wirken als jetzt, 2015. Die handlung in der Zukunft ist nicht die einzige Groteske in Volker.H. Altwassers Ostseekrimi „Rostock, letzte Runde.“ Die erste Groteske ist der Eindruck, dass lauter fiktive Personen real werden und sich darüber empören, dass einer von ihnen ein Mörder sein soll. Das einzige scheinbar Feststehende ist die Existenz von zwei Autoren, von denen einer ermordet wird und der andere soll dessen angefangenen Thriller zu Ende schreiben. Demnach muss Altwasser der dritte Autor sein. Jedoch versucht er glaubhaft zu machen, er sei sowohl der zweite wie auch der dritte Autor. Und auch er kennt den ersten Autor, der tot vor dem Männerklo einer stinkigen Kaschemme liegt. Wenn die Geschichte nur aus dem versoffenen Privatdetektiv aus Nordrussland und den versoffenen rauchenden, pinkelnden und vögelnden Gästen in der Kneipe bestünde, die dort wegen eines Schneesturms gefangen sind, wäre es auch schon ein recht grotesker Krimi geworden. Wozu also noch der Ich-Erzähler, der den Toten kennt und behauptet, der selbst trüge den gleichen Namen wie der Verfasser, der tatsächlich außen auf dem Cover steht? Irgendwann geht diese Verwirrspur nicht mehr logisch weiter. Dann kommt schon wieder die nächste. Da steht nämlich die Geschichte, die hier erzählt wird, in den Grundzügen bereits in einem Manuskript des Toten. Und wieder wird man um den Aha-Effekt gebracht. Stattdessen rezensiert sich entweder der wirklich oder der vermeintliche Autor selbst. Der dritte kann ja nicht, der ist ja tot. Der Kern der inneren Rezension ist die Behauptung, dieser Krimi sei unrezensierbar für alle, die ihn nicht selbst geschrieben haben. Wenn das stimmt, liegt es an der Absicht, einen vollkommen regelwidrigen Krimi zu schreiben, der das ganze Genre grotesk ad absurdum führt.

(Volker. H. Altwasser, „Rostock, letzte Runde“, Hinstorff-V erlag, Rostock 2015

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REZENSION: Nur die Kogge war Zeuge

Rezension „Nur die Kogge war Zeuge“

„Kapitalverbrechen als Kollateralschaden“

(von Helene Musfedder)

 Der Morgen klopfte ans Fenster und rief, dass es Arbeit gäbe. Na dann, sagte ich und schwang mich aus dem Bett. Da klingelte es. Der schnucklige Volontär war draußen. „Ich soll Ihnen das hier geben“, stammelte er mit rotem Kopf. Seltsam, dachte ich, wie mag wohl sein natürlicher Teint aussehen? ich machte das Päckchen auf und fand darin einen Ostseekrimi aus dem Hinstorff-Verlag. „Willste einen Kaffee?“, fragte ich den Volli. Der zeigte auf seine rotglühenden Ohren und lehnte bedauernd ab. Da ging ich mit dem Krimi zum Leselümmelsessel, hing das Schild „Reserviert bis Arbeitsabschluss“ hinten an die Lehne und hoffte, mein Freund würde das, wie immer, respektieren. Ich nahm mir das Buch, einen Schreibblock und was zum Schreiben. Vollkonzentriert begann ich. Die allgemeine Kriminalität der letzten Wochen und Monate hatten mich sowieso schon in gespannten Zustand versetzt. Darum rezensierte ich ja nicht nur literarische Krimis, sondern sammelte auch Informationen über Arzneimittelbetrug, Abrechnungsschummel von Fernwärmelieferanten und sonstigen kriminellen Fällen, deren Motiv reine Profitgier ist. Hinsichtlich des Motivs passt „Nur die Kogge war Zeuge“ ins allgemeine kriminelle Milieu wie der Arsch eines Bikers auf den Sattel seiner Harley. Hinsichtlich des Stils psychologisiert der Krimi wie Alfred Döblin in Berlin-Alexanderplatz. In Birgit Lohmeyers Koggen-Drama zu Wismar, wo als touristisch-gewerbliche Attraktion der Nachbau einer Hansekogge am Kai liegt, beginnt die Psychologie mit der Angewohnheit eines Mannes, der 11 Jahre im Gefängnis war und dort zur Belustigung der Wärter beim Hofgang barfuß ging, um das Fühlen der Tastkörper in den Fußsohlen beim Bodenkontakt mit der freien natur nicht zu verlernen. Sinne können wirklich sehr schnell verkümmern. Wenn man nicht höllisch auf sich acht gibt, verkümmern die Sinne eines Hartz-Vier-Opfers innerhalb eines Monats ganz beträchtlich. Und in diesem Krimi kämpfte einer nicht nur einen Monat gegen das Verkümmern der Sinne, sondern 132. Draußen schließt er sich einer Gruppe von Jagdgegnern an, die aus Gründen des Umweltschutzes und des Tierschutzes Hochsitze ansägen. Bei einer Sägeaktion liegt ein toter im Wald. Trotzdem wimmelt der Krimi nicht von dutzenden Polizisten, denen Autoren dann erfundene Polizeislangdialoge in die Münder legen wie sonst üblich. Hier in diesem Krimi geschieht die Wahrnehmung des Mordes in der Öffentlichkeit beinahe wie im echten Leben. In der Zeitung steht eine Notiz von einem Verbrechen, aber der Alltag der Menschen geht weiter. In Echt sieht niemand die Polizei beim Ermitteln – wozu also soll dann Ermittlungsarbeit in einem Krimi beschrieben werden? Tratsch und Eigendynamik der Stimmen aus der Öffentlichkeit bringen die Handlung auch so voran – zumal der aus anderen Lohmeyer-Krimis schon bekannte Bewährungshelfer Weller wieder mit von der Partie ist und sich um den Entlassenden vom Handlungsanfang zu kümmern. Als am Ende der Mordtäter bekannt wird, fragt man sich unwillkürlich, was das für eine Zeit geworden ist, in der Kapitalverbrechen nur noch Kollateralschäden der Profitgier sind.

(Birgit Lohmeyer, „Nur die Kogge war Zeuge“, Hinstorff, Rostock 2015)

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TAGESBEMERKUNGEN: Freitag, 23. Oktober 2015

Tagesbemerkung
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Freitag, 23. Oktober 2015
Gestern gab es in einer kleinen Stadt eine Rechtsberatung für Gekniffene, die nicht auf dem Weg des selbstverständlichen Anspruchs an ihre Rechte kommen. Es handelte sich also hauptsächlich um das Mietrecht und das Sozialrecht. Der Anwalt sagte im Prinzip und zusammengefasst: Wenn einer nicht genug in die Rentenkasse gezahlt hat, sind Gesundheit und Bedürftigkeit – ich zitiere wörtlich – : „Scheißegal“. Die Möglichkeit, das ein Opfer der Behördensturheit infolgedessen sterben könnte, sei versicherungsrechtlich uninteressant. Der Tod wird also billigend in Kauf genommen. Umgangssprachlich ´nennt man so etwas wohl Verbrechen. Den sich aufdrängenden Begriff „neoliberaler Sozialfaschismus“ hielt der Anwalt auf Nachfrage nur im äußersten Notfall für eine meinungsfreiheitsgedeckte Äußerung. Weil das Schlimmste erst noch kommt, wenn es nicht vermieden werden kann, taucht der Begriff in diesem Text auch noch nicht auf. Aber wenn die so weiter machen….-wer weiß? Ab Wochenende sollen übrigens massenhaft Ausländer aus Deutschland abgeschoben werden. Das meldeten Freitag früh ganz viele Zeitungen. Da möcht man dann gerne eine Antwort auf die Frage haben, für wen dann die geplanten Transitzonen sein sollen. Im Übrigen ist es pervers, Flüchtlinge und einheimische Arme gegeneinander auszuspielen und beide zusammen davon abzuhalten, was getan werden muss: Einfach nur menschenwürdig zu leben.

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TAGESBEMERKUNGEN: Sonntag, 18. Oktober 2015

Tagesbemerkung
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Sonntag, 18. Oktober 2015
Was ist das bloß für ein Land, in dem Kapitalverbrechen nur noch Kollateralschäden der Bereicherungsgier sind?

Mehreren Medienberichten zufolge hat sich bekannte Chef der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt für Stacheldrahtzäune um deutschland herum, besonders zu Österreich, ausgesprochen. N-TV zitiert aus einer Publikation in der Welt am Sonntag, dass Wendt folgendes gesagt hat: „Wenn wir ernst gemeinte Grenzkontrollen durchführen wollen, müssen wir einen Zaun entlang der deutschen Grenze bauen“. Begründung: die innere Ruhe sei in Gefahr, wir stehen vor sozialen Unruhen.“ Wenn man Schnee schippen muss oder Deiche dichten muss oder wenn das halbe Dorf brennt, dann haben die Leute auch keinen ruhigen Abend. Da muss man dann ran und das Feuer löschen, die Deiche verstärken oder Eingeschneite freischaufeln. SOLCHES sind Gefahren, SOLCHES lässt sich mit Bequemlichkeit vorm Fernsehen nicht mehr aussitzen. Da muss man eben ran. Aber wenn esnicht um Schnee, Hochwasser oder Feuer geht, sondern um Menschen, da soll man bequemlich zuschauen dürfen? Da soll man ein Recht haben, die Sicht auf das Elend zu verstellen, weil das Wohlstandsrecht auf Bequemlichkeit gestört ist. Mutter, mach die Küchentür zu, ich kann nicht sehen, wie Du Dich abrackerst.

Zuerst hat geholfen zu werden. Danach kann man fragen, ob die Hilfe nötig war oder aus Bequemlichkeit erschlichen wurde. Wer aber die Hilfe unterlässt, und Hilflose sterben, weil die rettende Hand aus Bequemlichkeit lieber Geschäfte mit der verfolgenden Hand macht, begeht Kapitalverbrechen an der Menschlichkeit.

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für den Ersten November ist da

Liebe Leserinnen, liebe Leser, „Das Flugblatt“ für den Ersten November ist da. die Ausgabe 97 ist es bereits.

Das Flugblatt 97-01-11-2015 neues Layout

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FEUILLETON-ZEITGEIST: Ohr an Masse – Masse, was sprichst Du?

Feuilleton-Zeitgeist

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„Ohr an Masse: Masse, was sprichst Du?“

Beim Lesen von Zeitungen und Hören von Nachrichten bekommen zur Zeit sehr viele Menschen das Knurren. Teilweise reagieren sie schon mit knurrigen Gefühlen, wenn sie Politikerfotos sehen oder andere im Gespräch deren Namen nennen. „Hör mir auf mit die“ ist eine Floskel, die Tratschtrüppchen auf dem Bürgersteig, an der Bushaltestelle oder im Bus selbst erklingt. Die Forderung nach dem Aufhören ist aber nie wörtlich gemeint. Keiner von allen will aufhören, über die da oben und was sie tun zu reden. Sie wollen bloß mitreden können und nicht – pardon oder nicht – verarscht werden. Denn ein Volk, welches belogen wird, bekommt leicht einen dicken Hals. Wenn dieser Fall eintritt, sollten manche in 16 deutschen Ländern sich erinnern, wie schnell am Ende Honecker & Co. in der Versenkung verschwanden. Ein Busfahrer sagte, die Zeitungen würden überhaupt nicht informieren. „Een Kumpel von mir is in soner Asylbewerberunterkunft als Dolmetscher tätig, der macht auch sonst Übersetzungen, damit die mit den Behörden klarkommen. Und der sagt, er weiß ganz genau, dass unter denen ganz viele IS-Terroristen sind. Und denn die Masse, die hier her kommt, dass dauert nicht lange, bis sie aggressiv wird.“ Den Busfahrer bewegte dann noch die Frage, woher die Flüchtlinge 6000 Euro nehmen, um Schleuser zu bezahlen. „Und dann sind se verschuldet und lassen die Familien als Pfand bei den Schleusern zurück, bis das Geld abbezahlt ist.“ Wo kommen solche Auskünfte her? Aus dem Schweigen der Presse, die nicht sagt, wie es wirklich ist, weil sie es selbst nicht weiß? „Journalisten urteilen und berichten kaum noch“, scheint in den Medien zu gelten. Zum Teil ist es sogar so, dass ziemlich junge Gesichter politische Ereignisse beurteilen, die sie mangels Lebenserfahrung noch gar nicht beurteilen können. (Ich kann keine Namen nennen, denn ich kenne die Redaktionskinder ja gar nicht.). An der Kasse in der Kaufhalle sagte neulich eine Kassiererin zu einer Kundin: „Wenn die Ausländer jetzt im Herbst auch alle gegen Grippe geimpft werden müssen, dann wird ja hier für uns der Impfstoff knapp.“ Bei aller Güte: Aber als Kassiererin sollte man doch ein wenig rechnen können. Angela Merkel ist möglicherweise eine sehr kluge Frau, bloß sie kommuniziert fast gar nicht, darum merkt man es nicht, man merkt da nur das weniger Kluge. Und während keiner wirklich weiß, ob Angela Merkels Agieren einem Plan folgt oder hilfloses Gehampel wegen fehlender Alternativen oder fehlendem Denkpotential ist, wissen die Tratschtanten an der Bushaltestelle schon ganz genau, dass den Fliehenden Wohnung und Arbeit amtlich versprochen wurde – als wären sie offiziell angeworbene Arbeitskräfte statt Opfer von Krieg, Elend und Armut. „Das musst Du Dir mal geben: die kommen her und glauben ernsthaft, die kriegen und Arbeit. Und was ist mit unsere Arbeitslosen? Hallo, gehts noch? Und denn beim Einkaufen. Da war son Schwatter, und ich hatte echt das Gefühl, gleich werd ich beklaut. Und die Kassiererinnen sind angewiesen, wegzukucken, wenn eener klaut. Mein Mann hat schon gesagt, nächstens malt er sich zum einkaufen das Gesicht schwarz an, wird billiger, und so dicke ham wa das ja ooch nich.“. Entweder ist dieses Gerede der Versuch, etwas zu beschreiben, wofür einem noch die Worte fehlen, oder Nachplappern von Demagogengeschwätz. Das macht alles so kompliziert. Wo niemand durchsieht, muss man alle Äußerungen als Thesen auffassen, die nun jetzt zu überprüfen wären – und zwar immer durch die Thesennenner selbst. (Ich bin dabei). Und dann wird sich schon zeigen, ob Ausländer wirklich ein Problem sind oder zum Problem gemacht werden, damit sich Pegida, Afd und andere profilieren können. Es gibt kein Problem. Warum also wird eins gemacht? Wissen kommt aus der Erfahrung, also entsteht aus der Erfahrung der solidarischen Mitmenschlichkeit Frieden. Das ist der Wert offener Grenzen, das ist der Sinn einer demokratischen Wertegemeinschaft.

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APROPOSIA: Von Transitzonen und Lagerarten

APROPOSIA

 Von Transitzonen und Lagerarten

Moderatorin: „Guten Abend, Sehr kluge Frau, guten Abend, Herr Drohne, guten Abend, Herr Jäger. Als erlauchte Runde wie in unseren vergangenen Erörterungsabenden kann ich Sie nicht länger mehr bezeichnen – erlaucht trifft ab sofort nur noch eine einzige spezielle Gruppe freundlicher netter Menschen zu. Aber seien auch Sie mir willkommen.“

Horsti: „Was haben Sie denn?“

Moderatorin: „Das will ich euch sagen: Ihr habt da den Begriff Transitzone benutzt. Ich kenne von früher den Begriff Transitstrasse. Der kam immer nach den Nachrichten im Wetterbericht im Straßenzustandsbericht für Autobahnen und Transitstrassen. Das klang nach großer freier Welt, und darum hatte ich mir unter Transitzone zuerst auch einen Geleitschutzkorridor an das Reiseziel vorgestellt. Mensch, wär das menschlich gewesen: Leuten nach unsäglichen Strapazen die Hand zu reichen und sicher ans Ziel zu geleiten. Aber nein, ihr musstet darunter ja was anderes verstehen.“

Justizminister: „Transitzone ist ein Harmlosigkeit vortäuschender Begriff. Transitzonen sind in Wirklichkeit Haftzonen.“

Minister (IMi) Jäger: „Wie soll man denn Transitzonen einrichten? Um Transitzonen müssten Zäune gezogen werden, dann wären die Flüchtlinge mehr oder weniger in Haft genommen.“

Mesiramis Drohne: „Das macht doch nichts. Sie müssten ja nur wenige Stunden oder Tage darin zubringen.“

Zeitung: „Wenn Zone Zaun bedeutet und Zaun Haft, dann ist ja wohl klar, dass Herr Drohne, dass die Flüchtlinge nicht nur wenige Stunden oder Tage darin zubringen sollen.“

Zwischenrufer: „Für solche Kurzaufenthalte würden ja auch Wohnunterkünfte reichen, die einen Concierge haben, bei dem man sich an-und abmeldet. Notfalls könnte man auch Ausgangskarten verteilen, solange es keine ordentlichen Ausweispapiere für die Neueinwohner gibt.“

Moderatorin: „Oder man pflanzt eine Hecke um die Unterkünfte herum. Dann hat man auch gleich etwas für die Heckenbrüter und den Sauerstoff getan.“

IMi Jäger: „Ds ist bloss Brunnenabdecken, wenn das Kind hinein gefallen ist. Besser wäre es, die Fluchtursachen früher zu bekämpfen.“

Moderatorin: „Also rückwirkend früher?“

Unker: „Rückwirkend früher? Moment: Die Ursachen sind doch Waffenlieferungen und Konfliktanheizung zur Erzeugung notwendiger Kriege um Rohstoffe. Will Europa damit eine Rückrufaktion für alle Waffenlieferungen starten?“

Zwischenrufer: „Klar, Unker. Denn wenn Herr Drohne so weiter macht, wird das Zeug bald hier im Innern gebraucht.“

Unker: „Ohje ohje – dann werden aus Transitzonen Internierungslager und dann Konzentrationslager.“

Zwischenrufer: „Ja – und zwar für Flüchtlinge, die herkommen, und für Hartz-Vier-Sklaven, die schon hier sind.“

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REZENSION: Napoleons Völkerschlachtsoldaten aus Thüringen

Rezension „Napoleons Völkerschlachtssoldaten aus Thüringen“

„Taschenbuch für Kriegsnachspieler“

Man müsste Historiker für die Spezialisierung „Geschichtsberater“ ausbilden können und sie dann als Berater tätig werden lassen. Berufsberater gibt es ja auch und Politikberater und ehemalige Politiker, die mit Beraterverträgen in die Wirtschaft gehen. Nur für die Geschichte gibt es keine Berater. Vielleicht soll es da auch gar keine geben, weil der Teppich der Geschichte erst dann ruhig auf dem Boden der Tatsachen liegen bleiben will, wenn es nichts mehr gibt, was irgend jemand darunter kehren will.

 Mit Geschichtsberatern wäre es möglich, aus der Geschichte zu lernen. Man müsste zuerst das Lernziel benennen. Danach könnte man sich und anderen erklären, warum die Menschen immer wieder dieselben Fehler machen. Sie machen sie in Krieg und Wirtschaft, und sie machen sie im Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen, wobei mit Gesellschaft die Familie gemeint sein kann oder die kleine Dorfgesellschaft, aber auch aber auch die die große Gesellschaft mit Staatsapparat und Wirtschaftsstruktur. Und die Menschen in den Apparaten und Strukturen sind sozusagen die Werkstücke, an denen die ganze Maschinerie rund um die Uhr formt und fummelt. Jetzt wird mich Reinhard Münch gleich fragen, was diese Einleitung mit einer Rezension seines Buches „Napoleons Völkerschlachtsoldaten aus Thüringen“ zu tun hat. Gemach, Herr Münch, gemach. Es waren die Anfangsgedanken beim Lesen Ihres Buches. Hätten Sie anders geschrieben, hätte ich anders gedacht. Möglicherweise. Auf Seite 11 schreiben Sie: „Außerdem war in allen fünf Herzogtümern in den Jahren zuvor erkannt worden, dass Soldaten sehr viel Geld kosteten. So wurde das Militär Stück für Stück reduziert.“ Sehen Sie, mit ausreichend Geschichtsberatern hätte dieser Trend auch in späteren Zeiten den Bereich der Militarisierung und Aufrüstung leiten können. Die Folge hätte eine neutrale Zone zusammenhängender Regionen sein können, und die weiteren Kriege hätten unmöglich werden können. Vielleicht. Dies zu meiner These von den Geschichtsberatern. Reinhold Münchs Buch ähnelt im Sprachgebrauch dem Ton eines Museumsführers vor seinem Publikum, an welches er sich anpasst. Auf diese Weise ist das Buch populär genug im Stil, um Akademikern und Unstudierten gleichermaßen eingängig zu sein. Solch eine allumfassende Kunstform der Wissensverbreitung, auch Lehre genannt, sollte sorgsam gepflegt, geübt und angewendet werden. Man könnte das Büchlein auch als Taschenbuch für Kriegsnachspieler bezeichnen. das sind Leute, die sich historische Uniformen anziehen und Krieg spielen, als wäre Krieg nur eine Form von Räuber und Gendarm.

(Reinhold Münch, „Napoleons Völkerschlachtsoldaten aus Thüringen“, Tauchaer Verlag, Taucha ohne Jahr)

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TAGESBEMERKUNGEN: Mittwoch, 30. September 2015

Tagesbemerkung
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Mittwoch, 30. September 2015
Heute Mittag um 13 Uhr 10 marschierten vier Hubschrauber in militärischer Gruppenformation aus richtung Neubrandenburg über den Wohnblock der Flugblatt-Radaktion in Richtung Berlin. Zuvor hatte die Lokalzeitung Nordkurier gemeldet, dass auf dem militärischen Tollense-Flugplatz in Neubrandenburg eine als geheim geplante Übung stattfand. Sie blieb nur deshalb nicht geheim, weil Touristen und andere Zivilisten mit Fotoapparaten die fliegenden Einsatzkräfte dokumentierten. Dem Nordkurier zufolge trugen die beteiligten Truppen in Deutschland unbekannte Uniformen. Auch die mittags vom Flugblatt beobachteten Hubschrauber waren von ihrem Anstrich her weder eindeutig dem Militär noch Truppen der Inneren Sicherheit zuzuordnen. . Beginnt hier oder vollendet sich gerade die Wiederverschmelzung von Militär, Polizei und Geheimdiensten zu einer Sondertruppe, die für den überall gebrauchten neuen großen Krieg gebraucht wird?

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