BARON VON FEDER
„Alles fürs Gesäß? Dann Arsch hoch.“
Gerade wenn man das Gefühl hat, alles Streben wäre Umsonst, Vergebens, für die Katz, fürs Gesäß, dann soll man Aufstehen, den Arsch hochreißen und sich selbst zusammen. Jeder weiß schließlich selbst, daß er ein sehr fähiger Mitarbeiter ist, wenn er ordentlich angeleitet wird. Aber wenn es doch nun mal keine ordentlichen Anleiter gibt?
Das Jobcenter erklärte einem Kunden, der nicht Angestellter des Centers ist, aber trotzdem dessen Anleitung untersteht, die Variante PROBEARBEIT. Besonders schwere Fälle – älter als 50, behindert, schon viel zu lange ohne Einkommen – können demnach in Probearbeitsverhältnisse gesteckt werden. In echten Betrieben mit echten Aufgaben könnten diese Menschen echte Jobs ausprobieren. Sie könnten sich an Umgangstöne, Arbeitsmarktklima, Schnauze halten, Chefs schmeicheln, und natürlich auch an das Einlernen struktuierter Arbeitsabläufe unter realen Marktbedingungen gewöhnen. Drei Monate sind dafür eine gute Übungszeit, da gibt es nichts. Der Bundesagentur für Arbeit ist es die Übernahme von 100 Prozent der Lohnkosten wert, damit der Betrieb die Ware „Arbeitskraft mit Restwert“ kauft – egal zu welchem Preis, Hauptsache sozialversichert.
Was ändert sich für die Betroffenen?
-Sie können drei Monate probieren, ob sie die Arbeit schaffen
-Die Drei Monats-Jobs können beliebig oft wiederholt werden: Wenn einer 56 ist, kann er so bis zur Regelrente durch ca. 40 Jobs geschleust werden.
-Theoretisch könnte das Arbeitsamt mit diesem Geld vorn vornherein einkommenslose Künstler, Schriftsteller, Liedermacher, Theaterautoren, Drehbuchautoren oder brotlose Geisteswissenschaftler statt mit AlG Zwo mit einem drei-Monats-Probejob ausstatten, der auch von zu Hause aus erfüllbar wäre. Ein Amt hat mal auf entsprechenden Anfrage gesagt: „Wenn Sie jemanden finden, der Sie als Privatsekretär einstellt, können wir das so machen, selbstverständlich.“
-Ich könnte sogar selber auf dieser Basis für drei Monate eine Haushaltshilfe engagieren, die mir dann das Amt bezahlt. Ich selbst müsste bloß wieder einen finden, der mich bezahlt, und der einen, welche, Sie verstehen, es kommt ein Netzwerk heraus. Die Möglichkeiten sind da, und die grundsätzliche Zustimmungsbereitschaft ist gegeben. Manus Manum lavat – eine Hand wäscht die andere.
Manche sagen „Kopf hoch“, aber das ist nicht genug. Das Gesäß gehört dazu. Im Stehen präsentiert man das Eigene und setzt es eventuellen Angriffen aus, aber im Stehen verschafft man sich auch Beinfreiheit, um ein anderes Gesäß als Zielfläche für einen gut platzierten Tritt anzuvisieren. Und man stärkt den Rücken.
Und noch etwas: Was fürs Gesäß gut ist, ist gut für den Gluteus Maximus, den Kreislauf, das Charisma und das allgemeine Wohlbefinden.
Nichts ist mehr fürn Arsch, wenn man selbigen hoch bekommt. Nur wenn man im Sessel versauert, dann erst ist man komplett im Vorbenannten.